2014 - 2017


Zeitungsmeldungen zur Stadthalle

 

und Förderverein

 

 

 

SZ 01.02.2014

 

 

 

Freistaat gibt kein Geld für Stadthallen-Sicherung

 

Die Stadt will 122000 Euro Eigenmittel in dringende Arbeiten stecken. Dem Förderverein ist das zu wenig.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Stadthalle und kein Ende: Erneut sind Fördervereinschef und CDU-Stadtrat Thomas Leder sowie OB Siegfried Deinege und Baubürgermeister Michael Wieler wegen des seit Ende 2004 geschlossenen Gebäudes im Stadtrat aneinander geraten. Hauptproblem diesmal: Leder wollte wissen, wann und wo die Stadt neue Fördermittel für die Sanierung beantragt hat. „Sie haben sich mit diesen Fragen auch ans Staatsministerium gewandt und von dort die Antworten erhalten“, so der OB.

 

 

 

Leder beteuert, kein Schreiben erhalten zu haben. Wieler liegt es vor. Es stammt vom 20. Dezember und ist an Leder und den Förderverein adressiert. Inhalt: „Fördermittel für ein Einzelobjekt können in der Größenordnung, wie es für die Sanierung der Stadthalle notwendig wäre, nicht mehr bereitgestellt werden.“ Ähnlich unerfreulich ist die nächste Passage: „Auch eine Förderung der Sicherung der Stadthalle kommt leider nicht in Betracht.“ Das wäre nur möglich, wenn das Gebäude in absehbarer Zeit saniert wird. Das sei aber bei der Stadthalle nicht erkennbar. Mit anderen Worten: Die Stadt kann dieses Jahr nur die 122000 Euro Eigenmittel, die der Stadtrat in den Haushalt eingestellt hat, für die Sicherung ausgeben. „Das Geld werden wir jetzt im Frühling zum Beispiel für die Sanierung verrosteter Köpfe der Tragkonstruktion und die weitere provisorische Dachsicherung verwenden“, so Wieler.

 

 

 

Damit will sich der Förderverein nicht zufrieden geben. „Fazit ist: Wenn eine Sanierung, auch schrittweise, erfolgen würde, wenn man anfangen würde, könnte es Fördermittel geben“, sagt Thomas Leder. Wieler weist das ganz entschieden zurück: „Das ist falsch, einfach falsch. Jede Förderung schließt eine Schritt-für-Schritt-Sanierung grundsätzlich aus.“ Wenn der Freistaat außerhalb jeder Fördertöpfe und Regeln entsprechende Mittel bereitstellen würde, wäre das etwas anderes.

 

 

 

Prinzipiell aber hat die Stadt noch ein ganz anderes Problem. Die Sächsische Bauordnung schreibt vor, dass Kommunen viele Pflichtaufgaben an ihren Gebäuden zu erfüllen haben, darunter Hausschwammsanierung und Brandschutz. „Wir haben aber nicht genug Geld, um alle Anforderungen der Bauordnung zu erfüllen“, gestand Wieler im Stadtrat ein. Als er das Bauressort vor vier Jahren übernommen habe, seien allein in der ersten Priorität Arbeiten für ungefähr 50 Millionen Euro offen gewesen. „Einen guten Teil davon haben wir inzwischen abgebaut“, so Wieler. Allerdings nicht den Hausschwammbefall der Stadthalle. „Bei der Abarbeitung habe ich mit Gebäuden angefangen, die regelmäßig von vielen Menschen genutzt werden, insbesondere von Kindern und Jugendlichen“, so Wieler. An zweiter Stelle standen Schäden, deren Nichtbehebung schnell deutlich größere Schäden zur Folge gehabt hätte.

 

 

 

Neue Fördermittel für die Stadthalle hat die Stadt aktuell nicht beantragt. „Wir stellen nur Anträge, wenn sich aus den Vorgesprächen ergibt, dass es sinnvoll ist, das zu tun“, so Wieler. Auch bei der Stadthalle gab es Vorgespräche – aus städtischer Sicht aber ohne den gewünschten Erfolg. Die bereits für die Stadthalle bewilligten Gelder hat die Stadt inzwischen für andere Projekte in der Innenstadt verplant, darunter den Postplatz. „Das haben der OB und ich mit dem Innenminister vereinbart, damit das Geld nicht verfällt“, erklärt Wieler.

 

 

 

Auf ein Wort

 

 

 

Absurdes Theater um die Stadthalle

 

über die Frage, wie es mit der Halle weitergeht

 

 

 

 

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Das Ringen um die Stadthalle nimmt absurde Züge an. Da wirft Bürgermeister Michael Wieler Stadtrat Thomas Leder wirklich vor, einen Brief an der Stadtverwaltung vorbei ans Ministerium geschickt zu haben. Das würde kein vertrauensvoller Umgang sein. Als wenn sich ein Bürger nicht an eine Behörde wenden kann – und zwar an eine seiner Wahl. Der Stadthallenverein misstraut seit längerem den Angaben der Doppelspitze Deinege/Wieler zur Stadthalle. Ganz zu unrecht scheint das nicht der Fall zu sein.

 

 

 

Seit Monaten wartet die Öffentlichkeit auf die Ergebnisse der Prüfung verschiedener Sanierungsvarianten für die Stadthalle durch die Verwaltung. Da geht es beispielsweise um die Errichtung einer Stiftung, die die FDP bei ihrem Neujahrsempfang erst wieder ins Gespräch brachte und die OB Deinege ablehnt, weil kein Geld vorhanden sei. Es geht dabei um 50000 Euro zunächst. Im Stadthallenausschuss soll es ein Papier geben, das entweder die Suche nach einem Käufer oder die schrittweise Sanierung der Stadthalle empfiehlt. Ob das stimmt, wer weiß das schon – der Ausschuss tagt geheim.

 

 

 

Es ist nicht die Aufgabe von Stadträten wie Thomas Leder, es Wieler und Deinege leicht zu machen, sondern den Finger in die Wunde zu legen. In der Stadthalle frisst sich der Schwamm durch die Decke, tragende Metallteile rosten vor sich hin. Man stelle sich nur mal vor, im Theater würden diese Zustände herrschen. Was für einen Aufstand gebe es vermutlich in der Stadt. Und zwar zu recht. Dass Leder so auffällt, liegt auch daran, dass fast alle verstummt sind, die bis Mitte 2012 für die Stadthalle waren. Vielleicht muss man Stadträte wie den CDU-Fraktionschef Dieter Gleisberg an seine Worte von 2009 erinnern: „Entweder uns gelingt jetzt eine Sanierung, oder ich stelle den Abrissantrag“.

 

 

 

 

 

SZ 03.02.2014

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wird es einmalig bleiben: Das Benefizkonzert Ende Juni 2013 in der geschlossenen Stadthalle. Foto: Pawel SosnowskiWird es einmalig bleiben: Das Benefizkonzert Ende Juni 2013 in der geschlossenen Stadthalle. Foto: Pawel Sosnowski ©- keine angabe im hugo-archivsys

 

Die Stadt will einem weiteren Benefizkonzert des Stadthallen-Fördervereins nicht zustimmen. Bürgermeister Michael Wieler teilte dem Verein nach Rücksprache mit Oberbürgermeister Siegfried Deinege mit, dass „eine Genehmigung der von Ihnen für den 28. Juni beantragten Veranstaltung in der Stadthalle nicht in Aussicht gestellt werden kann.“

 

 

 

Als Gründe für die Absage nennt Wieler „eine neue Bewertung der baulichen Sicherheit in der Stadthalle“ sowie den Brandschutz. Beim Förderverein stößt die Absage auf Unverständnis. „Beim Brandschutz hat sich doch seit dem vergangenen Jahr, in dem auch monatelang ein Film gedreht werden konnte, nichts geändert“, erklärt der Vize-Vorsitzende des Vereins, Thomas Matzke, in einer Erklärung. Wieler schreibt aber, dass die Durchführung einer Veranstaltung wie im Jahr 2013 nicht zu verantworten ist. OB Deinege hätte damals „ein sehr hohes persönliches Risiko eingegangen, als er dem Wunsch des Fördervereins entsprochen hat“. Nun habe er sich entschlossen, dem Rat der sicherheitstechnischen Fachleute zu folgen. Beim Konzert mit Bill Ramsey hatte OB Deinege jedoch der SZ gesagt, dass er sich durchaus weitere Konzerte vorstellen könne. Nur sollten dann klare Spielregeln gelten, sagte er. Weitere Investitionen in die Sicherheit der Halle, besonders in die Lichtanlage, konnte sich der Oberbürgermeister genauso vorstellen wie vielleicht auch die separate Inbetriebnahme des kleinen Saales. Doch ist seitdem nichts geschehen.

 

 

 

Nun scheint Deinege auch noch seine Position für weitere Konzerte in der Halle geändert zu haben. Allerdings wird aus Wielers Brief nicht völlig klar, ob die Schäden an der Stadthalle schlimmer geworden sind oder einfach nur die Verwaltung größere Sorgen hat, dass bei einer Veranstaltung etwas geschieht. Auch bleibt offen, warum ein Benefizkonzert des Fördervereins nicht möglich sei, Wieler aber damit kein generelles Verbot in der Stadthalle verbindet. Denn in seinem Brief steht an anderer Stelle. „Positiv kann ich Ihnen gleichwohl mitteilen, dass Veranstaltungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.“ Da aber die Stadt sich auf keinen Kriterienkatalog für mögliche Veranstaltungen in der Stadthalle einigen konnte, handele es sich jedes Mal um eine Einzelfall-Entscheidung.

 

 

 

Der Förderverein hält an seinen Plänen fest und will nun in einem Gespräch mit Wieler klären, welche Auflagen zu erfüllen sind, um den großem Saal im Jahr 2014 wieder zu nutzen. „Wir hoffen den Oberbürgermeister umzustimmen, wenn wir einen höheren Sicherheitsaufwand betreiben, zum Beispiel mit einer in Bereitschaft stehenden Feuerwehr oder anderen Maßnahmen“, erklärt Thomas Matzke.

 

 

 

 

 

„Absurdes Theater um die Stadthalle“ und „Freistaat gibt kein Geld für Stadthallen-Sicherung“ SZ vom 1./2. Februar 2014

 

 

 

Viele Görlitzer fühlen

 

wie Stadtrat Leder

 

 

 

Die derzeitigen Spitzenpolitiker im Rathaus werden sich daran gewöhnen müssen, dass sie auf Beschlüsse oder auch nur Ideen von Parlamentariern konstruktiv zu reagieren haben. Absurd, dass gerade Dr. Wieler empört ist, wenn ein nur seinem Gewissen verantwortlicher Parlamentarier oder auch „nur“ der Mensch Thomas Leder sich an übergeordnete Behörden wendet, weil er wie viele Görlitzer empfindet, dass das Problem Stadthallensanierung und -sicherung lieblos und wenig engagiert angegangen wird. Mag sein, dass Dr. Wieler die Emotionalität von Ur-Görlitzern für dieses Gebäude nicht nachvollziehen kann, aber schließlich ist er nun Bürgermeister in dieser Stadt und sollte es zumindest versuchen. Erinnerung täte wohl auch daran gut, dass er selbst vom früheren OB Paulick wegen Eigeninitiativen gegen „Rechts“ schikaniert wurde und die Solidarität vieler Görlitzer erfuhr. Die DDR-Zeiten sind vorbei, als Sanktionen drohten, wenn man nicht penibel den Dienstweg einhielt und wo Mandatsträger zu bloßen „Ja-Sagern“ mutierten. „Ja und Amen“ gilt es selbst in der Kirche nicht mehr!

 

 

 

Dr. Rudolf Grzegorek, Görlitz

 

 

 

Stadthalle wäre so wichtig

 

 

 

für das Leben in Görlitz

 

 

 

Ich danke sehr für die Beiträge am Sonnabend. Als Görlitzer Bürger weiß ich, was die Stadthalle als multifunktionelles Haus für eine unverzichtbare Bedeutung als Zentrum für die gesamte Bürgerschaft, einschließlich der Jugend, und für das städtische Leben in Görlitz besitzt.

 

 

 

Dr. Jürgen Wenske, Görlitz

 

 

 

 

 

SZ 04.02.2014

 

 

 

Rost und Schwamm fressen an der Stadthalle

 

Architekturbüro schlägt in einem Geheimgutachten Alarm. Schäden sind schlimmer als bislang befürchtet.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wasserschäden an der Wand, undichte Fenster, Rost an tragenden Stahlträgern – die Stadthalle braucht schnellstens eine Zukunft.

 

 

 

Die Schäden an der Stadthalle sind gravierender als bisher von der Stadt öffentlich eingestanden. Das geht aus Untersuchungen des Görlitzer Architekturbüros Wünsche + Langer vom November vergangenen Jahres hervor, deren Ergebnisse dem geheim tagenden Stadthallenausschuss bei seiner Sitzung am 16. Januar vorgestellt wurden. So frisst sich der Rost durch die Konstruktion der Saalfenster zur Parkseite hin. Zudem sind sie undicht, sodass Feuchtigkeit in den Saal eindringt. Bei der Zugangsbrücke zum Haupteingang sind die seitlichen Brüstungen schwer beschädigt. Außerdem sind die provisorischen Stützen, die die Brücke halten, mittlerweile selbst schon wieder sanierungsbedürftig, weil die Hölzer zerbröseln. Teile des Dachs über den Treppenaufgängen auf der Seite des Haupteingangs sind undicht. „Folgeschäden bis hin zu Schwammbefall sind bereits eingetreten und müssen dringend beseitigt werden“, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss, die der SZ vorliegt. So hat es im zweiten Rang bereits massiv eingeregnet. Die Architekten vermuten auch, dass dadurch im Übergang von Dach zu Saalwänden die Eisenkonstruktionen rosten. Sie haben weiterhin „schwere Feuchteschäden an den Decken über dem Foyer im zweiten Rang festgestellt sowie einen Schwammbefall der Holzbalken der Decke. Schließlich rostet die Stahlkonstruktion in Strebepfeilern, dadurch könnte die Stabilität des gesamten Gebäudes gefährdet sein.

 

 

 

Um allein diese Schäden zu beseitigen, müsste die Stadt schätzungsweise 345 000 Euro aufwenden. Als Eigenmittel stehen aber lediglich 122000 Euro zur Verfügung. Das Innenministerium hat letztens darauf verwiesen, dass es kein Geld für eine Sicherung zuschießen kann, wenn die Halle nicht in absehbarer Zeit saniert wird. Das nimmt Stadthallen-Fördervereins-Chef Thomas Leder anders als die Stadt nicht als kategorische Absage: „Wenn wir dem Innenministerium einen Plan vorlegen, wie wir in den nächsten Jahren die Stadthalle abschnittsweise sanieren“, sagt Leder, „dann ist dieser Punkt erledigt und wir könnten Hilfe in Dresden beantragen.“ Ob das wirklich so ist, müsste aber die Stadt beim SMI herausbekommen.

 

 

 

Nur ist es damit ja noch nicht getan. Denn das Görlitzer Architekturbüro hat weitere Schäden aufgelistet, die mit hoher Dringlichkeit beseitigt werden müssten. Dazu zählt die Reparatur des Dachs über dem Kleinen Saal und seinem Vorraum sowie über den Treppenhäusern zum Stadthallengarten hin. Das macht noch einmal knapp 20000 Euro. Weitere Schäden sind zwar nicht so dringend zu beheben. Wenn die Substanz erhalten werden soll, sind sie aber ebenso zu beseitigen, und machen nochmals 180000 Euro aus. Dazu zählen die Sicherung von Fassadenzierelementen, das Dachtragwerk des Saales vor Rost zu schützen, die Sicherung der Fenster an der Ostfassade sowie die Instandsetzung der verbleibenden Dächer. Auf Grund dieser Expertise jedenfalls hält die Stadt Veranstaltungen in der Stadthalle für zu gefährlich und hat deshalb auch dem Förderverein keine Aussichten auf ein nochmaliges Benefizkonzert gemacht.

 

 

 

Allerdings fehlen der Stadt Alternativen, wie sie mit der Stadthalle umgeht. Denn die noch vor zwei Jahren vorhandenen eigenen Mittel in Höhe von sechs Millionen Euro sind weg. Mehr als zwei Millionen Euro hat die Planung für die gestoppte Sanierung gekostet, die weiteren vier Millionen Euro steckte die Stadt in andere Bauprojekte. Schon im November 2012 erklärte Oberbürgermeister Deinege, dass für einen neuen Anlauf zur Sanierung der Stadthalle zinsgünstige Kommunaldarlehen aufzunehmen sind. Deshalb empfiehlt die Verwaltung nun dem Stadtrat den Verkauf der Stadthalle, zunächst unter bestimmten Auflagen und der Gewährung eines städtischen Zuschusses zum Betrieb der Halle. Sollte kein Käufer gefunden werden, dann soll die Stadthalle sogar ohne Bedingungen, aber auch ohne städtischen Betreiberzuschuss angepriesen werden. Und erst wenn sich wirklich niemand findet, der das Haus für irgendeine Nutzung kaufen will, dann könnte sich die Stadt eine schrittweise Instandsetzung zur Schaffung einer bespielbaren Baustelle vorstellen. Kein Wort gibt es aber in der Vorlage dazu, ob die Beseitigung der dringendsten Schäden von rund 345000 Euro so lange warten kann.

 

 

 

Auf ein Wort

 

 

 

 

 

Nichtstun ist der Tod der Stadthalle

 

über die Lebenslügen der Sanierungsgegner

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Die Stadthalle braucht dringend Hilfe. Wer das bislang nicht eingesehen hat, dem sollten die Einschätzungen des Görlitzer Architekturbüros die Augen öffnen. Es kennt die Stadthalle, so wie sie jetzt dasteht, am besten. Hätte die Stadt die Sanierung durchgezogen, dann hätten Wünsche + Langer zusammen mit einem Dortmunder Büro den Bau geplant und umgesetzt. Ihre Einschätzungen entlarven die Lebenslügen der Gegner einer schnellen Sanierung der Stadthalle. So fürchteten viele, dass mit der Stadthalle wichtige freiwillige Aufgaben in der Stadt gestrichen werden müssten, weil die Gelder für die Betriebskosten der Halle aufgewendet werden müssten. Dabei geschieht das schon jetzt. Jedes Jahr stehen für Vereine der Stadt 25000 Euro weniger zur Verfügung, die für den Unterhalt der Stadthalle anfallen – ohne dass die Stadt auch nur irgendwas davon hat.

 

 

 

Im Gegenteil. Den Verfall der Halle halten diese Mittel nicht mal auf. Er verschärft sich vielmehr. Vor vier Jahren schätzte Thomas Leder den Finanzbedarf für die Dächer auf 200000 Euro ein. Jetzt rechnen die Bauexperten mit 330 000 Euro. Es wird also alles teurer für die Stadt. Und dass sie am Ende das ausbaden muss, wird ebenso mit jedem Tag wahrscheinlicher. Welcher Investor will eine Halle, bei der Schwamm und Rost in dieser Art wüten und damit die Kosten der Sanierung in die Höhe treiben? Und wieder wird das andere Projekte gefährden. Denn irgendwoher wird die Stadt das Geld nehmen müssen, spätestens wenn die Denkmalpflege sie dazu zwingt. Und es wäre höchste Zeit dafür. So könnten beispielsweise die Mittel genommen werden, die bislang für ein freiwilliges Jugendzentrum gebunkert werden, für dessen Notwendigkeit die Stadt bislang jede Bedarfsanalyse verweigert. So aber verliert das Jugendzentrum an Legitimität – und die Stadthalle ihre Zukunft.

 

 

 

 

 

SZ 05.02.2014

 

 

 

Räte für Sicherung der Stadthalle

 

Der Stadthallenausschuss will die schlimmsten Bauschäden schnell beheben. Anders als das Rathaus.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Unter den Stadträten im Stadthallenausschuss zeichnet sich eine Mehrheit gegen die Absicht der Stadtverwaltung ab, die Stadthalle unter allen Umständen zu verkaufen. Vielmehr drängen die Stadträte zunächst darauf, die Stadthalle wenigstens so weit herzustellen, dass sie als bespielbare Baustelle beispielsweise für Benefizkonzerte des Stadthallen-Fördervereins dienen kann. Erst danach soll ein Verkauf oder eine andere langfristige Lösung geprüft werden. Auch bekam das Rathaus den Auftrag, nun bis zur nächsten Ausschuss-Sitzung die Vor- und Nachteile einer Stiftungslösung für die Stadthalle ernsthaft zu prüfen. Obwohl die FDP seit fast einem Jahr darauf drängt und die Stadtspitze um OB Deinege und Bürgermeister Wieler das mehrfach auch zugesichert hatte, ist das bislang offenbar nur oberflächlich geschehen.

 

 

 

Die Stadt rechnet aber nicht damit, dass die Stadthalle noch in diesem Jahr als bespielbare Baustelle zur Verfügung steht. Denn fünf Tage nach der Sitzung des Stadthallenausschusses schrieb Bürgermeister Michael Wieler seinen Brief an den Stadthallen-Förderverein mit der Absage für ein Konzert im Juni. Tatsächlich kostet die Beseitigung der schlimmsten Bauschäden an der Stadthalle schätzungsweise 345000 Euro. Weitere 200000 Euro wären notwendig, um vor allem das gesamte Dach der Stadthalle dicht zu bekommen. Im städtischen Haushalt sind aber nur 122000 Euro vorhanden, und der Freistaat hat es jüngst abgelehnt, sich an den Sicherungskosten zu beteiligen, wenn nicht die Sanierung in absehbarer Zeit stattfindet. Also müsste die Stadt auf andere freiwillige Investitionen verzichten, etwa auf das Jugendzentrum, an anderer Stelle im Haushalt Geld auftreiben oder neue Kredite aufnehmen. Diese Möglichkeit hatte OB Deinege schon im Herbst 2012 ins Spiel gebracht. Nach SZ-Informationen favorisiert er aber weiterhin den Verkauf der Stadthalle.

 

 

 

 

 

Görlitzer Anzeiger 11.02.2014

 

 

 

Ruinen schaffen ohne Waffen

 

 

 

Ruinen schaffen ohne  WaffenGörlitz, 6. Februar 2014. Von Thomas E. Beier. Genügend Geld, um das Dach der hundertjährigen Stadthalle Görlitz dicht zu machen, hat die Stadt Görlitz nicht. Das Gebäude an sich ist schon seit Ende 2004 dicht, sprich: Der Betrieb wurde eingestellt. Vielleicht, weil allem Anfang ein ganz besonderer Zauber innewohnt, beschäftigt sich die Görlitzer Stadtverwaltungsführung lieben mit Gedanken an ein "Jugendzentrum", das weniger auf einer Bedarfsanalyse als vielmehr auf einer Ideensammlung interessierter Kreise basiert.

 

 

 

Was soll das so genannte Jugendzentrum bieten, was der Jugend in der Stadt fehlt?

 

 

 

Von Probenräumen, von Platz für Vorträge und Workshops und Kino im anvisionierten "Jugendzentrum" ist die Rede. Zumindest an Kinos herrscht kein Mangel in Görlitz, sofern man nicht gerade in Konkurrenz zu den kleineren Studio-Kinos in der Stadt gehen möchte. Proben- und andere Räume – da sollte in einer umgestalteten Stadthalle genügend Platz sein.

 

 

 

Würde denn die Jugend die Stadthalle als Location annehmen? Möglicherweise sind die Jugendzentrum-Befürworter in die Falle getappt, "Jugend“ im wehmütigen Rückblick nur an der Zahl der gelebten (resp. noch nicht gelebten) Jahre festzumachen. Aus dieser Sichtweise hat Görlitz keinen Mangel an jugendspezifischen Angeboten: Das Nostromo, das Jugendkulturzentrum Basta!, diverse Festivals sind schon da.

 

 

 

Jugendkultur ist heute mehr denn je keine Frage des Alters, sondern der Lebenseinstellung – the winner ist „Forever Young“. Wenn man gelegentlich durch die Szene urbaner Kulturen mitteldeutscher Städte schleicht, dann erlebt man, was Görlitz nicht hat: Kulturelle Orte generationsübergreifender Begegnung.

 

 

 

Dafür wäre die Stadthalle Görlitz ein wohlfeiler Ort. Nicht in totalsanierter Form, die wohl vor allem für Handwerksbetriebe interessant wäre, sondern in einem substanzerhaltenden und nutzungsfähigen Zustand. Gern mit vielen Improvisationen, dafür aber ohne "Bitte nicht berühren!“

 

 

 

 

 

SZ 11.02.2014

 

 

 

Was soll nur aus der Stadthalle werden?

 

Hier diskutieren SZ-Leser, ob das Jugendstiljuwel an der Stadtbrücke eine Chance hat oder schnell abgerissen werden muss.

 

 

 

 

 

Die Schließung der Stadthalle wegen Baufälligkeit, war ein Vorwand. Nicht nur die Orgel wurde für eine ungeheure Summe restauriert, auch die Kücheneinrichtung und die Toiletten waren neu.

 

Um ja nie wieder eine Veranstaltung dort stattfinden zu lassen, wurde auf schnellstem Wege das Inventar verschleudert.

 

Andere Städte wären froh und stolz, so ein Jugendstil-Juwel zu besitzen. Dieses gilt es, auch unter größten Anstrengungen, zu erhalten. Ich glaube nicht, dass die Stadt da vom Land Sachsen alleingelassen würde. Aber tun muss man etwas. Doch es gibt noch mehr Beispiele, wo die Stadt anfangs versichert hat, dass sie alles tun werde, damit es weitergeht. Es ist ein relativ kleines Objekt, mit der Stadthalle nicht vergleichbar, der Landskronklub, eine trotzdem sehr beliebte Kultureinrichtung der Stadt, welche sich selbst getragen und sogar noch Pacht an die Stadt abgeführt hat. Jeder, der jetzt mit dem Bus zur Endhaltestelle Landeskronsiedlung fährt, kann sich überzeugen, was aus der Sache geworden ist: ein Abriss.

 

Dieses Wort ist sogar schon in Zusammenhang in der Diskussion mit der Stadthalle gefallen. Ein kommunaler Politiker hat zwar wörtlich gesagt: „Wir wollen ja die Stadthalle nicht abreißen.“ Doch wenn einmal so ein böses Wort von jemandem ausgesprochen wird, dann war es meist nicht mehr weit bis zur Realität. Damit dieses nicht passiert, möchte ich selbst dazu beitragen. Ich bin ab sofort bereit, im Verein zur Erhaltung der Stadthalle mitzuarbeiten.Herbert Keller, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Dafür habe ich Herrn Deinege nicht zum OB gewählt

 

 

 

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. OB Deinege, Baubürgermeister Wieler und der Stadtrat spielen mit den Görlitzern Schwarzer Peter. Hier gehören die Karten auf den Tisch der Öffentlichkeit! Das wird wohl nichts mehr, wenn man Geld in den Postplatz versenkt, was für die Stadthalle genehmigt war.

 

 

 

Der Postplatz war schön, besonders die wunderbaren Bepflanzungen der Stadtgärtner. Nun müssen wir Bauzäune und planierte Flächen sehen. Die Stadthalle wäre ein grenzübergreifendes und in die Zukunft der Region gerichtetes Signal. Deren Wiederbelebung würde viele Energien freisetzen. Hier könnte man ein Projekt verwirklichen, das als positives Signal für die Stadt und Region wahrgenommen würde.

 

 

 

Seit einiger Zeit kostet Baugeld fast nichts, wann will man denn Bauen, wenn nicht jetzt? Ich denke auch, dass wir den OB nicht für dieses Klein-Klein, was jetzt in Görlitz noch geht, gewählt haben.

 

 

 

Bernd Meier, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

Denkmale sind per Gesetz zu erhalten

 

 

 

Die Stadthalle ist ein Denkmal und damit schon per Gesetz zu erhalten. Und wollte Görlitz nicht Welterbestätte werden? Die Stadthalle muss jetzt vor dem Verfall gesichert werden und Görlitz benötigt ein derartiges Gebäude. Natürlich ist klar, dass Kultur, dass beispielsweise Museen, Theater, Stadthalle, aber auch Schulen, Kindergärten Geld kosten.

 

 

 

Wer aber in so einer Situation ohne Not und ohne Bürgerzustimmung Plätze und Straßen umgestaltet, verschwendet Geld. Dazu kommt, dass die jetzt für den Postplatz verwendeten Fördermittel für die Stadthalle gedacht waren. Für Planungen und Gutachten zur Stadthalle sowie die Orgelsanierung sind Millionen ausgegeben worden, wenn jetzt nicht anschließend saniert wird, ist das wieder pure Geldverschwendung. Wer sind die Verantwortlichen?

 

 

 

Familie Wiegand, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

Die Schäden sind seit Ende der 90er Jahre bekannt

 

 

 

Bereits Ende der 90er Jahre waren die Schäden am Dach bekannt, die zu Schwamm und Feuchtigkeit im Gebäude geführt haben. Es wollte nur damals niemand so richtig wahrhaben. Das Gleiche betrifft die durchgerosteten Fenster im großen Saal. Auch diesen Schaden habe ich schon vor vielen Jahren beim Bau- und Kulturamt angezeigt.

 

 

 

Die Halle wurde wegen angeblicher baulicher Mängel geschlossen. Bei der öffentlichen Ausschreibung zum Verkauf war zu lesen, dass sich das Gebäude in einem guten baulichen Zustand befindet. Ich hatte im Juli 2004 in einem öffentlichen Brief an die Stadtratsfraktionen darauf hingewiesen, was bei einer Schließung passiert. Das wurde abgewiegelt und ich wurde zum Buhmann gemacht.

 

 

 

Jetzt sind die Furniertüren in der ehemaligen Küche verschimmelt, in der ehemaligen Kantine fällt der Putz von der Decke, in vielen Bereichen blättert die Farbe von der Wand und vieles mehr. Das Gebäude befindet sich in keinem guten Zustand mehr. Davon konnte ich mir bereits bei den Dreharbeiten zum „Grand Hotel Budapest“ ein Bild machen.

 

 

 

Man sollte den Stadträten den Artikel der „SZ“ vom 28. Januar 2004 unter die Nase halten und mal nachfragen, wie man heute zu den Äußerungen von damals steht. Da war angeblich Geld da und ein Konzept, das man nur aus der Schublade nehmen musste. Letzteres wird heute plötzlich gebraucht und muss noch erstellt werden?

 

 

 

Inzwischen ist so vieles im Veranstaltungsbereich passiert, neue Hallen sind anderswo entstanden und es hat sich ein Wandel in der Bevölkerungsstruktur vollzogen, der die Frage zulassen muss: Brauchen wir die Halle noch?

 

 

 

Ich denke, hier wurde bewusst auf Zeit gespielt und ab und an wird der Bevölkerung wieder mal suggeriert, dass man sich mit dem Thema Stadthalle sehr ernsthaft beschäftigt. Ich könnte ein Buch über den Umgang mit der Stadthalle schreiben, aber dafür ist mir inzwischen die Zeit zu schade. Bauen oder abreißen, so sollte die Entscheidung lauten und die muss endlich und schnell gefällt werden, denn auch die ungenutzte Halle kostet Geld. Am 31. Dezember 2014 feiern wir das nächste Jubiläum: Zehn Jahre Schließung der Stadthalle Görlitz.

 

 

 

Roland Skupin, ehemaliger

 

Technischer Leiter der Stadthalle

 

 

 

 

 

Die Görlitzer würden gern sanieren und ein Fest feiern

 

 

 

Die Stadthalle zu verkaufen, können nur „Zugereiste“ empfehlen. Die Görlitzer würden sie gern sanieren, reparieren, um dann „das Fest der Stadt Görlitz“ in ihr begehen zu können.

 

 

 

Ch. Schmidt, 02826 Görlitz

 

 

 

Bald gibt es Kommunalwahlen

 

 

 

Wer meint, dass er die Sanierung der Schulen zugunsten der Stadthalle aussetzen soll, leistet den Befürwortern einer Stadthallensanierung einen Bärendienst. 14 Görlitzer Schulen werden an Schultagen von etwa 4 520 Heranwachsenden genutzt. Lange genug hat es gedauert, bis die Stadt sich dieses Schwerpunkts angenommen hat und noch immer harren einige Vorhaben ihrer Erledigung.

 

 

 

Zu bedauern ist, dass dies mancherorts in belastenden Bauabschnitten erfolgt, aber der Wille der Stadtoberen ist unverkennbar, die Rückstände abzuarbeiten. Nutznießer sind unsere Kinder und Jugendlichen. Denen gute bis optimale Lernbedingungen zu bieten, kann nicht warten.

 

 

 

Für vieles anderes, wie auch die Stadthalle, gibt es bald Kommunalwahlen. Dies ist für die nächsten fünf Jahre die Gelegenheit, den Parteien und politischen Vereinen Sanierungszusagen abzuringen oder anderslautende Positionen zur Kenntnis zu nehmen und im Anschluss zur Wahl zu gehen.

 

 

 

Andreas Müller, stellv. Schulleiter

 

Joliot-Curie-Gymnasium

 

 

 

 

 

SZ 18.02.2014

 

 

 

Stadthalle muss ein Zentrum für Jung und Alt sein

 

 

 

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. So steht es im Grundgesetz. Natürlich ist die Stadt nicht verpflichtet, die Stadthalle zu betreiben. Aber für den Erhalt zu sorgen, ist sie schon verpflichtet. Auch könnte sie die Stadthalle verkaufen. Vor einigen Jahren wurde die Stadthalle schon mal europaweit ausgeschrieben. Der Erfolg war überschaubar.

 

 

 

Viele Einwände der „Sanierungsgegner“ sind erst mal nicht von der Hand zu weisen. Aber eines ist nicht richtig: dass die Stadthalle nur für die älteren Bürger saniert werden soll. Die Stadthalle muss ein Zentrum für Jung und Alt sein. Natürlich sind bei uns älteren Menschen die Erinnerungen an die Stadthalle ausgeprägter als bei vielen jüngeren Menschen. Mit unseren Eltern haben wir im Stadthallengarten gesessen, dann gingen wir als Jugendliche zum Fasching. Es gab spannende Boxkämpfe und Tanzturniere. Viele namhafte Künstler sind hier aufgetreten.

 

 

 

Und was soll aus der Stadthalle werden, wenn nichts passiert? Erwägt jemand ernsthaft, diesen wundervollen Jugendstilbau abreißen zu lassen? Und ein Argument verstehe ich überhaupt nicht: Die Stadthalle sei für den Bedarf von vor 100 Jahren gebaut worden. Wer etwas vom Handel versteht, weiß, wie schwierig die Situation der Kaufhäuser in Deutschland sich darstellt. Und trotzdem traut sich jemand, das Kaufhaus am Demianiplatz wieder aufleben zu lassen und sagt nicht: „Es sind ja in den vergangenen Jahren in Bautzen und in Dresden große Einkaufsstätten entstanden.“

 

 

 

Oder der Görlitzer Bahnhof, was wird aus diesem, wenn die Deutsche Bahn nicht mehr fährt? Sagen wir dann auch, dass der für den Bedarf von vor 100 Jahren gebaut worden sei?

 

 

 

Ich wünsche mir, dass sich die Gegner und Befürworter einer Sanierung schnell an einen großen Tisch setzen. Es muss einen Weg geben, dieses Denkmal zu erhalten.

 

 

 

Dietmar Knospe, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Altstadt-Million für die Stadthalle einsetzen

 

 

 

Wenn den Görlitzern wirklich am Erhalt der Stadthalle etwas liegt, sollte die 20. Altstadt-Million – so sie wieder eingeht – nicht aufgesplittet werden, sondern für die Komplettsanierung des wunderschönen ostsächsischen Jugendstilbaus Stadthalle Görlitz genutzt werden. Die Bürger, die 2014 auf einen Zuschuss für ihre Sanierung gehofft haben, haben sicherlich Verständnis dafür, dass ihr Vorhaben in diesem Jahr zugunsten der Stadthalle nicht bedacht werden kann. Damit zeigen sie wahre Größe und ein Herz für Görlitz.

 

 

 

Mit einer solchen Entscheidung könnte auch Druck auf die Landesregierung ausgeübt und ihr klargemacht werden, dass auch sie Verantwortung für die Erhaltung einmaliger Denkmale außerhalb ihres „beschränkten“ Gesichtsfeldes trägt und entsprechende Fördermittel bereitzustellen hat.

 

 

 

Sollte dieser Vorschlag nicht gewollt oder möglich sein, ist es die beste Lösung, die Stadthalle so rasch wie möglich abzureißen und den Baugrund an einen Investor zu veräußern, der bereit ist, an dieser Stelle ein repräsentatives Gebäude für Tagungen, Ausstellungen, Großveranstaltungen und Konzerte zu errichten. Dazu sollte man vielleicht als Erstes erneut zur Mercure-Gruppe Verbindung aufnehmen, die bereits früher Interesse bekundet hatte. Auf alle Fälle muss so oder so der derzeitige Schandfleck am Grenzübergang beseitigt und dem jahrelangen Hin und Her endlich ein Ende gemacht werden. Die möglichen Kosten werden im Laufe der Jahre nicht geringer und das zur Verfügung stehende Geld nicht mehr.

 

 

 

Christa Poltorek, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Bekommt der Förderverein einen Maulkorb?

 

 

 

Die Sitzungen vom 29. Dezember und 30. Januar haben mich emotional außerordentlich erregt. In der ersteren überreichte Stadtrat Thomas Leder und ein weiterer Vertreter des Vorstandes des Fördervereins Stadthalle einen Scheck über 12 000 Euro an OB Deinege zur Unterstützung der baulichen Notsicherung der Stadthalle. Beschämend und erschütternd für mich war die lieblose Entgegennahme dieser Spende durch Herrn Deinege. In der anderen Sitzung wurde im Rahmen der Stadträte-Fragestunde Thomas Leder zur Korrespondenz des Fördervereins mit der Staatsregierung und über beantragte Fördermittel seitens der Stadtverwaltung zur Sicherung der Stadthalle arg brüskiert.

 

 

 

Soll dem Förderverein ein Maulkorb umgehängt werden? Was sagen die Stadträte zu all diesen Vorgängen? Dem Argument, die Stadthalle könnte nach einer Sanierung mit Veranstaltungen nicht ausgelastet werden, steht die stark frequentierte Halle in Löbau entgegen. Die zeitweise Nutzung der Stadthalle, durch hier durchgeführte Filmarbeiten, brachte doch auch der Stadt und ihren Bürgern Ansehen und ökonomischen Nutzen.

 

 

 

Rudolf Berndt, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

SZ 21.02.2014

 

 

 

Die Stadthalle zwischen Abriss und „Vergoldung“

 

Nur wer die Fakten kennt, kann sich eine Meinung bilden

 

 

 

Gut, dass die SZ der Bevölkerung einen konkreteren Einblick in die Situation der Stadthalle gegeben hat. Eigentlich wäre dies Aufgabe des Oberbürgermeisters gewesen. Aber die Entscheidungsträger behandeln ja das Thema geheim. Allerdings meine ich, dass der Kommentar von Herrn Beutler die finanzielle Situation des Objektes noch zu verniedlicht dargestellt hat. Um Hunderttausende geht es bei jährlichen Aufwendungen für Sicherung und eventuell schrittweise Sanierung. Bei einer ordentlichen Investition geht es um Summen zwischen 40 und 60 Millionen Euro.

 

 

 

Der polnische Hallenneubau wird zehn Millionen kosten. Wo soll in Görlitz, selbst bei teilweiser Förderung, dieses Geld herkommen, ohne den bereits ausreichend vorhandenen Sanierungsstau zu verschlimmern? Der Wegfall des geplanten Jugendzentrums ist weder eine akzeptable noch eine finanziell ausreichende Lösung.

 

 

 

Mindest so bedeutsam wie die Investkosten sind nach abgeschlossener Sanierung die laufenden Betriebskosten und der Kapitaldienst, die sicherlich kaum unter jährlich einer Million Euro liegen werden. Dies würde dauerhaft große Abstriche am Kulturhaushalt und anderen gewünschten Aufgaben zur Folge haben. An einer ordentlichen Stadthallensanierung wird die Stadt finanziell Jahrzehnte zu tragen haben.

 

 

 

Bei Schließung der Halle musste damals allen Entscheidungsträgern klar sein, dass nicht genutzte Gebäude in kurzer Zeit dem Untergang geweiht sind. Trotzdem haben seit dieser Zeit die Oberbürgermeister und die Stadträte das Thema immer wieder ausgesessen und wie wir jetzt erst erfahren, regelmäßig Geld in ein Fass ohne Boden geworfen. Und dies gilt unverändert.

 

 

 

Nachdem bereits zwei Millionen Euro für die Planung ausgegeben wurden, kann es für die Bürgermeister nicht schwer sein, folgende Fragen zu beantworten: Ist es möglich, in dem Altbau unter Beachtung des Denkmalsschutzes und der sicher zu engen Platzverhältnisse eine moderne Veranstaltungshalle zu errichten, die auch den Anforderungen in 20 oder 30 Jahren gerecht wird und dem anstehenden Konkurrenzkampf um Besucher und Veranstaltungen mit einer Messehalle in Löbau und einer Halle in Zgorzelec gewachsen ist? Wo sollen die zahlreich erhofften auswärtigen Besucher parken? Was wird diese Sanierung kosten, kann es dazu Fördermittel geben und wo soll der Eigenanteil herkommen? Wurden die Kosten angesichts der technischen Risiken mit ausreichender Sicherheit ermittelt? Wie viel wird die sanierte Stadthalle jährlich an Betriebskosten erfordern und zu wessen Lasten können diese bereitgestellt werden?

 

 

 

Nur wer diese Fakten kennt, kann sich eine Meinung zur Stadthallensanierung bilden. Wer dann die Stadthalle will, muss aber auch bereit sein, auf anderes zu verzichten. Nur auf dieser Basis darf eine erforderliche umfangreiche Diskussion erfolgen.

 

 

 

Jürgen Adam, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Ein erstklassiger Veranstaltungsort verrottet

 

 

 

Es ist kein nostalgischer Rückblick, wenn man die Stadthalle als den erstklassigen Veranstaltungsort bezeichnet und als ein Jugendstilbauwerk ersten Ranges. Seit Jahren ist sie schon geschlossen, es ist Sache der Stadtverwaltung, endlich zu handeln. Das bereitgestellte Fördergeld wurde anderweitig vertan. Wie weit ist in der Verwaltung schon Überheblichkeit und Anmaßung gediehen, dass man der Stadthalle das Etikett „nicht wichtig“ verleiht?

 

 

 

Als Schnellschuss wurde ein Gutachten zum rasanten Verfall durch eindringendes Wasser erstellt. Also haben die Filmleute wohl unter Gefahr für Leib und Leben gedreht? Den Stadträten sollte es nicht egal sein, ob sie über die Wirklichkeit informiert werden, oder ob man im stillen Kämmerlein konstruierte und verabredete Dinge vorgelegt bekommt.

 

 

 

Alles riecht nach einem Rezept für jetzige und künftige Wahlthemen, wo man erneut etwas vorgegaukelt bekommt. Es ist gut, dass so viele Bürger sich für Hintergründe von Entscheidungen interessieren. Pro – Stadthalle, das ist eigentlich eine Pflichtaufgabe, darum hofft auch der Stadthallenverein auf das wache, kluge Nachdenken und das Engagement der Görlitzer und auf die Unterstützung aller Freunde von nah und fern, die Görlitz lieben.

 

 

 

Günter Scholz und Marianne Scholz-Paul,

 

02829 Königshain

 

 

 

 

 

Offenbar gibt es kein gültiges Sanierungskonzept

 

 

 

Das nun schon zehnjährige Hin und Her zur Sanierung der Stadthalle bestätigt das konzeptionslose Handeln des Stadtrates von Görlitz. Der Beschluss zur Schließung der Stadthalle 2004 und der Sanierungsstopp durch OB Siegfried Deinege vom Oktober 2012 waren Fehlentscheidungen. OB Deinege sagte am 11. Oktober 2012 in der SZ: „Für eine spätere Sanierung sind wir nun so gut vorbereitet wie noch zu keinem Zeitpunkt nach der Schließung der Stadthalle.“

 

 

 

Was für eine vertrauensvolle Aussage. Aber warum hat man von den sechs Millionen Eigenmitteln, die für die Stadthalle eingeplant und vorhanden waren, nicht ein bis zwei Millionen sofort zur Sanierung des Daches eingesetzt? Diese Entscheidung hätte vom OB kommen müssen. Offenbar gibt es kein gültiges Sanierungskonzept. Es gibt nicht einmal für das Dach ein schlüssiges Konzept, um vorhandenes Geld sofort einzusetzen.

 

 

 

Es ist auch sehr seltsam, wie der Stadtrat mit den Mitgliedern des Fördervereins Stadthalle umgeht. Das grenzt schon an Arroganz und Nichtachtung der Arbeit dieser Bürger. Muss das sein? Für ein solches Klima ist in erster Linie der OB zuständig. Verlorenes Vertrauen sollte ganz schnell wieder in Ordnung gebracht werden. Was macht eigentlich der Denkmalschutz?

 

 

 

Dr. Klaus Strohbach, 02894 Reichenbach

 

 

 

 

 

Warten bis die Stadthalle ein zweites Mal einstürzt

 

 

 

Der großzügige Spender, der bis jetzt Millionen der Stadt Görlitz für Sanierungen hat zukommen lassen, hätte bestimmt nichts dagegen gehabt, wenn auch Geld für die Stadthalle eingesetzt worden wäre. Was zu DDR-Zeiten nicht verkommen ist, lässt man jetzt vor sich hin verfaulen. Will man warten, bis die Stadthalle ein zweites Mal einstürzt? Nach dem ersten Einsturz in der Bauphase wurde sie aber wieder aufgebaut.

 

 

 

Für viel Unnötiges wurde Geld ausgegeben, beispielsweise für die Umgestaltung des Marienplatzes und des Postplatzes sowie für das rote Eisenungetüm am Neißeufer. Damit habe ich meinen Unmut zum Ausdruck gebracht, über die Entsorgung der Stadthalle.

 

 

 

Brigitte Kurth, 02829 Markersdorf

 

 

 

 

 

Dieses Gebäude ist ein Glücksfall für Görlitz

 

 

 

Etliche Aspekte wurden noch immer nicht aufgegriffen: die herausragende musikhistorische Bedeutung der Stadthalle oder die einzigartige architektonische Gestaltung im Jugendstil, der in dieser Hallenart nur ein zweites Mal im hessischen Darmstadt auf der Mathildenhöhe vorkommt. Görlitz müsste dieses Juwel von Baukultur eigentlich aus Stolz „vergolden“, um es der Welt der Kunstbauten zu offerieren. Auch war die Halle Standort zahlreicher Messen, auf denen nicht nur Handelswerte, sondern technischer, chemischer und medizinischer Erfindergeist der Region demonstriert wurden. Dann ist da die historische Dimension eines ersten versöhnenden Kinderfestes des sowjetischen Stadtkommandanten zu Pfingsten 1945 und des Schauprozesses gegen zwei NS-Kriegsverbrecher, den Görlitzer OB Meinshausen und seinen Kreisvorsitzenden Malitz.

 

 

 

Der Erholungswert eines „Palmengartens“ im Stadthallengarten– wenn die Stadt auf diese Art Denkmalschutz Wert legte – könnte enorm sein. Und auch die Straßenbahn hatte ihren Grund auf der Strecke nach Görlitz-Moys (heute Zgarzelc-Ujazd) an der Stadthalle direkt am Jakob-Böhme-Denkmal eine Station zu haben. Alles in allem: Die Stadthalle mit ihrer Vergangenheit wäre auch für die Zukunft ein Glücksfall für Görlitz.

 

 

 

Wolfgang Liebehenschel, Berlin

 

 

 

 

 

Die Stadt hat die Zukunft verschlafen

 

 

 

Ich war immer gern in der Stadthalle. Selbst nach der Wende fanden da noch sehr schöne Veranstaltungen statt. Als Jugendlicher durfte ich beim Einlass von Veranstaltungen mitarbeiten und konnte mir so mein Taschengeld verdienen. Drei tolle Tage zum Fasching waren damals der Renner, jedenfalls für uns. Nach der Wende gab es den Tanzstunden-Abschlussball mit Thomas Matzke. Die Jugendweihe unseres Sohnes war Top. Marianne Rosenberg, Howard Carpendale, Irischer Stepptanz und so weiter, alles wunderbare Veranstaltungen. Und nun ist schon so lang nichts mehr geschehen, als nur Luftblasen.

 

 

 

Es tut mir leid, aber die Stadt hat die Zukunft verschlafen, wie bei vielen anderen Dingen auch. Ich glaube nicht mehr an die Neueröffnung der Stadthalle in den nächsten Jahren. Und so wird der Zahn der Zeit am Objekt sein Übriges tun, bis sich dann der Rest von selbst ergibt. Aber vielleicht findet sich ja noch ein Investor, der das Risiko wagt und restauriert. Nur: Wer soll dann dort noch hingehen, wenn die Bevölkerung der Stadt immer älter wird und deren finanziellen Möglichkeiten immer geringer.

 

 

 

Matthias Damczyk, 02829 Schöpstal

 

 

 

 

 

SZ 26.02.2014

 

 

 

Graffitiwand für die Stadthalle

 

Die Ecke gegenüber dem Bahnhof ist kein Schandfleck mehr. Ein buntes Bild wirbt für ein wichtiges Anliegen.

 

Von Ines Eifler

 

 

 

Ein tanzendes Paar, ein Sänger mit Mikrofon, ein Boxhandschuh und die Silhouette der Stadthalle: Am Montagmittag sind es noch zarte Linien, mit denen der Görlitzer Graffitikünstler Desra an der Ecke Berliner/Bahnhofstraße andeutet, was hier entsteht. Doch im Laufe des Tages verwandelt er das Bild langsam und konzentriert, Sprühstrich für Sprühstrich, zu einem bunten Graffito. Ein roter Vorhang wird sichtbar, eine Zuschauermenge und die Schriftzüge: „Stadthalle Görlitz, Hala Miejska“.

 

 

 

Seit Montag wirbt an der Ecke Berliner/Bahnhofstraße der Förderverein Stadthalle um Unterstützung. Mit einem Bild des Graffitikünstlers Desra.Foto: Nikolai Schmidt

 

Auch wenn Leute stehen bleiben und sagen: „Das ist doch verboten!“ – hier entsteht nichts Verbotenes. Sondern der Förderverein der Stadthalle nutzt die unschöne Ecke des ehemaligen Hotels „Haus des Handwerks“ für eine 15 Quadratmeter große Werbung für die Stadthalle. Und beginnt zugleich mit einer Unterschriftensammlung für deren Notsanierung.

 

 

 

Vereinsmitglied Renate Wiegand hatte die Idee, die Wand gegenüber dem Bahnhof zu gestalten. Die vor einigen Jahren in ihre Heimatstadt zurückgekehrte Görlitzerin sagt: „Die Wand war so hässlich mit ihren alten, herabhängenden Plakatresten.“ Sie machte die Stadtverwaltung auf den Schandfleck aufmerksam, erwirkte eine Genehmigung, die Wand zu bemalen, und schlug im Stadthallenförderverein vor, man könne die Wand doch für einen guten Zweck nutzen. Es fand sich ein Weg, die Fläche zu mieten, und einige jüngere Vereinsmitglieder erinnerten sich an die Graffitisprayer um Albrecht Goetze, die 2004 an den „Bildern einer Ausstellung“ mitgewirkt hatten, die zum Abschiedskonzert vor der Schließung der Stadthalle zu sehen waren. Desra gehörte dazu. Er hat damals auch den ICE-Kopf mitgestaltet, der wochenlang am Theater hing. Der Förderverein engagierte den inzwischen 28-Jährigen nun für die Gestaltung der Wand. Er nahm den Auftrag an und nutzte das neue, von Andreas Neumann-Nochten gestaltete Vereinslogo als Basis für seinen Entwurf. Ängste des Vereins, jemand könne das fertige Bild besprühen, sind unbegründet. „Ich kenne alle Sprayer in Görlitz“, sagt Desra, „die wissen, dieses Bild ist von mir.“

 

 

 

Solange die Farbe hält, will der Verein mit dem Graffitikunstwerk auf die Stadthalle aufmerksam machen und zugleich zeigen, dass sie sowohl von älteren als auch jungen Görlitzern gewollt ist.

 

 

 

Viele Beispiele finden sich dafür allerdings nicht am Montagnachmittag. Die anwesenden Vereinsmitglieder sind eher älterer Jahrgänge, die interessierten Passanten auch. Und Desra, der ein junger Fürsprecher sein könnte, sagt: „Ich bin zwiegespalten.“ Einerseits wolle auch er, dass die Stadthalle wiedereröffnet. „Aber ich bin mit Subkultur aufgewachsen. Und ich befürchte, wenn Görlitz in die Stadthalle investiert, ist dafür kein Geld mehr da.“

 

 

 

 

 

SZ 28.02.2014

 

 

 

Stadthallenverein will Stiftung gründen

 

Um auch größerer Spenden entgegennehmen zu können, ist eine neue Form geplant.

 

 

 

Görlitz. Der Förderverein Stadthalle Görlitz plant, für die Sanierung der Stadthalle einer Stiftung zu gründen. Damit wolle er potenziellen Spendern größerer Summen entgegenkommen, sagt Vereinschef Thomas Leder. Denn ein gemeinnütziger Verein darf keine freien Rücklagen bilden, sondern muss seine Mittel spätestens im folgenden Jahr für seinen satzungsmäßigen Zweck verwenden. Die längerfristige Ansammlung von Vermögen führt zum Verlust der Gemeinnützigkeit. Würde das passieren, müsste der Verein alle Einkünfte, etwa die Beiträge seiner Mitglieder, versteuern. In einer Stiftung aber wäre das Geld über viele Jahre für einen festen Zweck bestimmt. Zur Gründung einer Stiftung braucht der Verein aber eine Grundsumme von 50000 Euro. Thomas Leder hofft, dass sich diese zusammentragen lässt, und will die Stadt Görlitz, den Landkreis, den Kulturraum und die Stadt Zgorzelec um Unterstützung bitten. (ie)

 

 

 

 

 

SZ 06.03.2014

 

 

 

Unterschriftenlisten für die Stadthalle

 

Görlitz. In verschiedenen Einrichtungen der Stadt, in Läden, Cafés und Restaurants liegen zurzeit Listen aus, auf denen jeder mit seiner Unterschrift bekunden kann, dass ihm die Stadthalle wichtig ist. „Als Unterzeichner befürworte ich die unverzügliche Sicherung der Bausubstanz und die dazu zwingend erforderliche Dachsanierung“, steht darauf. Seit Anfang voriger Woche sind die Mitglieder des Fördervereins Stadthalle in Görlitz unterwegs, legen diese Listen aus und hoffen auf viele Bürger der Stadt, die ihr Anliegen unterstützen möchten. Ziel des Vereins ist es, die Görlitzer Kommunalpolitik zu bewegen, durch Beschlüsse und deren Umsetzung dem Verfall des Gebäudes Einhalt zu gebieten, sagt Vereinschef Thomas Leder. „Und je mehr Unterschriften desto besser.“

 

 

 

Wer selbst eine Liste auslegen möchte, kann sich in der Tanzschule Matzke in der Straßburg-Passage eine oder mehrere davon abholen. Thomas Leder will aber in den nächsten Tagen auch dafür sorgen, dass man die Liste von der Homepage des Vereins abrufen kann. (ie)

 

 

 

 

 

SZ  22.03.2014

 

 

 

Aus der Stadthalle ein Filmhaus machen

 

 

 

Eine Görlitzerin hat gute Ideen für ihre Heimatstadt. Auch wenn es reine Visionen sind, will sie damit nicht hinterm Berg halten.

 

 

 

Von Ines Eifler

 

So wie die Stadthalle im Film als Grand Budapest Hotel beeindruckt, könnte sie auch als großes Filmhaus wirken. Vielleicht.Foto: Wolfgang WittchenSo wie die Stadthalle im Film als Grand Budapest Hotel beeindruckt, könnte sie auch als großes Filmhaus wirken. Vielleicht. Foto: Wolfgang Wittchen ©wolfgang wittchen

 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Davon ist Christa Knittel fest überzeugt. Es erfordere natürlich Mut und Risikobereitschaft, etwas anzugehen, das nicht bis ins letzte Detail durchgeplant und abgesichert sei, sagt sie. Aber auch die beste Planung sei nichts wert ohne Fantasie. Und die hat die 66-jährige Görlitzerin.

 

 

 

Immer wenn sie etwas über die Stadthalle liest, über „Görliwood“ und Versuche, mit dem Thema Film mehr Touristen nach Görlitz zu ziehen, dann kommen ihr so viele Ideen in den Sinn, dass sie sich gar nicht vorstellen kann, wieso die Stadt das, was sie hat, nicht deutlicher ins Licht rückt. „Man müsste die Stadthalle dafür nutzen, alles, was in Görlitz mit Film zu tun hat, auszustellen“, sagt sie. Christa Knittel malt sich aus, dass alle je hier gedrehten Filme in ihrer „geliebten Stadthalle“ gezeigt werden. Stellt sich vor, wie ehemalige Komparsen von Bildschirmen aus erzählen, wie sie die Filmdrehs erlebt haben und an welche Anekdoten sie sich in dem Zusammenhang erinnern können. Sie träumt von Medienstationen, wo man sich per Baukastensystem selber Postkarten, Schirme oder Taschen mit Görlitzer Stadt- und Filmmotiven kreieren und sich später zuschicken lassen kann. Und wünscht sich, der Stadthallengarten könnte eine Art Kulissenpark werden, in dem man einfach herumspazieren oder seinen Kopf in Löcher über den Körpern von Filmfiguren stecken kann, um sich fotografieren zu lassen. Für einen „Walk of Fame“ wäre rund um die Stadthalle genug Platz. „Und wenn man die kleineren Räume des Gebäudes für die Filmausstellung nutzen würde“, sagt Christa Knittel, „dann könnten im großen Saal Filmfeste, Bälle, Partys und Konzerte stattfinden.“ Wenn die Görlitzer Hotels Zimmer wie in Filmszenen einrichteten, wenn die Restaurants Speisen anböten, die auch die Stars hier gegessen haben, und wenn die Kinos, die Reise- und Touristenbüros mitziehen würden, dann könnte man einen kompletten „Urlaub in den Filmkulissen“ anbieten. Wer ein so groß angelegtes Projekt finanzieren und koordinieren könnte, dazu hat Knittel keine Idee: „Man muss es einfach von hinten sehen und daran denken, wie viel Geld damit in die Stadt gespült werden könnte. Wir haben Vereine, Studenten und sicher noch mehr Leute mit guten Ideen. Und ich bin überzeugt, dass man alles erreichen kann, wenn man es wirklich will.“ Auch wenn sie selbst keine Zeit hat, sich zu engagieren, weil sie ihre Mutter pflegt: Christa Knittel möchte wenigstens einen Anstoß geben.

 

 

 

 

 

SZ 25.03.2014

 

 

 

Der Kampf für die Stadthalle lohnt sich

 

Die Kommunen brauchen finanzielle Freiräume, findet unser Autor. Er scheidet mit der Wahl aus dem Stadtrat aus.

 

 

 

Von Detlef Rauh

 

 

 

Die zahlreichen Leserbriefe zum Thema Stadthalle zeigen deutlich, wie wichtig vielen Menschen aus unserer Region diese Halle ist. Die Verantwortlichen in der Verwaltung und im Stadtrat stehen seit Jahren vor demselben Dilemma. Es fehlt einfach an einer fundierten finanziellen Ausstattung der Kommunen.

 

 

 

Das fragwürdige Szenario um die Schließung der Stadthalle wurde schon ausführlich dargestellt, ist aber leider nicht mehr rückgängig zu machen. Tatsache ist, aus den mir vorliegenden Erkenntnissen, dass die Schließung vermeidbar gewesen wäre. Es lagen zum Zeitpunkt der Schließung keine gravierenden Mängel an der Bausubstanz vor, die diese erforderlich gemacht hätten. Auch die finanzielle Situation stellte sich bei genauem Betrachten anders da, als der Öffentlichkeit und den Stadträten versucht wurde glaubhaft zu machen. Zum Zeitpunkt der Schließung der Stadthalle gab es ein großes Thema, die Bewerbung der Stadt als „Kulturhauptstadt Europas 2010“. Die Staatsregierung sicherte zwar damals Unterstützung zu, verwies dabei aber immer wieder auf die notwendige Haushaltskonsolidierung der Stadt und die erforderlichen Eigenmittel.

 

 

 

Woher die finanziellen Mittel nehmen bei knappen Kassen? Allein das extra eingerichtete „Kulturhauptstadt-Büro“ mit fünf Mitarbeitern und Herrn Baumgart an der Spitze benötigte nicht unerhebliche Mittel. Da kam die Schließung der Stadthalle gerade recht. Die dabei eingesparten Gelder konnte man so für das neue Großprojekt nutzen. Welche Ironie: Im Zuge der Kulturhauptstadtbewerbung wurde die größte kulturelle Einrichtung der Region unter fadenscheinigen Gründen geschlossen.

 

 

 

Seit Jahren mutiert der Begriff „kommunale Selbstverwaltung“ immer mehr zur Farce. Die Pflichtaufgaben der Kommunen belasten deren Haushalte immer stärker. Was übrig bleibt, reicht keineswegs mehr für solche Projekte wie die Sanierung und Betreibung einer Stadthalle.

 

 

 

Andererseits ist überall dort, wo der politische Wille für so ein Projekt da ist, auch das notwendige Geld vorhanden. Ich denke an die Waldschlößchenbrücke in Dresden, den City-Tunnel in Leipzig oder die Elbphilharmonie in Hamburg. Wenn Sachsen, ohne nennenswerte Belastung des laufenden Haushaltes in der Lage war, rund 2,3 Milliarden Euro für den Notverkauf der Sachsen-LB als Sicherheit „zur Seite zu legen“, sollte eine großzügige, an keine Forderungen geknüpfte finanzielle Unterstützung für die Sanierung der Görlitzer Stadthalle doch möglich sein. Hinzu kommt, dass der Bund Gesetze verabschiedet, bei denen die Kommunen zusätzlich in die Pflicht genommen werden, aber bei der finanziellen Bewältigung dieser Aufgaben kaum Unterstützung erhalten.

 

 

 

Sollte sich an all diesen Dingen nichts ändern, werden die Kommunen immer weiter in eine finanzielle Schieflage geraten. Dann macht auch ein noch so positiv eingestellter und engagierter Stadtrat keinen Sinn mehr. Der Frust, nichts richtig voranbringen zu können, sondern das Vorhandene nur zu verwalten, wird immer größer. Irgendwann resigniert man, ich weiß das. Dem neuen Stadtrat wünsche ich, dass ein Umdenken in der Bundes- und Landespolitik hinsichtlich der finanziellen Ausstattung der Kommunen stattfindet. Für unsere Stadthalle weiter zu kämpfen lohnt allemal.

 

 

 

 

 

SZ 25.03.2014

 

 

 

Neuer Vorschlag für die Stadthalle

 

Der Stadtrat will die Bauschäden am Gebäude prüfen lassen. Und dringt auf schnelle Abhilfe.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Der Stadtrat soll morgen eine weitere Untersuchung der Bauschäden an der Stadthalle beschließen. Das schlagen die Fraktionen von CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne vor. Über die Ergebnisse der Untersuchung soll im Mai der Technische Ausschuss befinden. Zugleich wird Oberbürgermeister Siegfried Deinege „beauftragt, die dringend notwendigen Sicherungsmaßnahmen unverzüglich einzuleiten“. Der Beschluss ist die Konsequenz aus den Beratungen des Stadthallenausschusses im Januar und der nachfolgenden öffentlichen Diskussionen.

 

 

 

Den Stadträten liegen bereits Untersuchungen der Dächer und tragender Stahlkonstruktionen durch das Görlitzer Architekturbüro Langer & Wünsche vor. Die Bauexperten des Büros schätzen ein, dass allein für die dringendsten Reparaturarbeiten rund 345000 Euro nötig sind. Im Haushalt sind nur 120000 Euro vorgesehen. Zudem sieht der Beschlussantrag der beiden Stadtratsfraktionen bis April die Prüfung vor, ob der kleine Saal genutzt werden kann und eine Stiftung ein möglicher Weg für die Wiederbelebung der Halle ist.

 

 

 

Der Stadthallenförderverein wird zu Beginn der Stadtratssitzung am Donnerstag OB Deinege Unterschriften Görlitzer Bürger zum Erhalt der Stadthalle überreichen. Sie waren in den vergangenen Wochen in Görlitz zusammengetragen worden.

 

 

 

Wer noch solche Unterschriftenlisten hat, soll sie bis heute in der Tanzschule Matzke zurückgeben.

 

 

 

 

 

Verein dringt auf Stadthallen-Reparatur

 

Das Stadtforum wirft dem Rathaus schweres Versagen vor. Und fordert, endlich zu handeln.

 

 

 

Das Stadtforum Görlitz wirft in einem offenen Brief der Stadtverwaltung vor, „bewusst eine Schädigung der Bausubstanz und eine Wertminderung der Stadthalle in Kauf zu nehmen“. Die Vereinigung sieht möglicherweise den Anfangsverdacht der Untreue zu Lasten städtischen Eigentums gegeben. Anlass für das Schreiben an Bürgermeister Michael Wieler sind die Untersuchungen eines Görlitzer Architekturbüros vom November 2013. Demnach seien dringend Reparaturen an der Stadthalle nötig, und zwar für rund 345000 Euro. Trotz dieser Untersuchungen habe die Stadt bislang „keinerlei nennenswerte Notsicherungsmaßnahmen an der Stadthalle durchgeführt“.

 

 

 

Der Stadtrat will heute aufs Neue Untersuchungen des Bauzustandes der Stadthalle beschließen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse soll dann im April oder Mai über Sicherungsarbeiten entschieden werden.

 

 

 

Das Stadtforum ist ein Verein, der sich mit der Städtebauentwicklung in Görlitz beschäftigt. Er hatte bereits die moderne Gestaltung der Berliner Straße kritisiert und eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Hirschwinkelturnhalle initiiert. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 28.03.2014

 

 

 

Stadt prüft Schäden an der Stadthalle

 

Bis Mai sollen die Ergebnisse vorliegen. Wie es langfristig weitergeht, bleibt aber offen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Der Stadtrat drängt auf eine Beseitigung der drängendsten Bauprobleme an der Stadthalle. Das hat er am späten Donnerstagabend deutlich gemacht. So beauftragte der Stadtrat den OB, eine detaillierte bautechnische Untersuchung der Schäden durchführen zu lassen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen im Mai dem Technischen Ausschuss vorgelegt werden. Anschließend soll die Stadt die dringend notwendigen Sicherungsarbeiten einleiten.

 

 

 

Doch auch langfristig will der Stadtrat nun Klarheit haben. So soll der Oberbürgermeister prüfen, ob eine Stiftung eine geeignete Form ist, um die Stadthalle zu sanieren und später zu betreiben. Das Ergebnis dieser Prüfung ist bereits im April dem Stadtrat vorzulegen. Ebenso innerhalb eines Monats will der Stadtrat wissen, ob der kleine Saal der Stadthalle künftig genutzt werden und damit als bespielbare Baustelle dienen kann. Eine große Mehrheit des Stadtrates stimmte für diese Vorschläge, die die Görlitzer Koalition aus CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne eingebracht hatte.

 

 

 

Der Stadtrat reagiert damit auf die seit Herbst vergangenen Jahres vorliegenden Informationen über Bauschäden an der Stadthalle. Umstritten ist aber das Ausmaß dieser Schäden. Ein Görlitzer Architekturbüro, das sehr vertraut mit der Halle ist, kommt in ersten Analysen zu dem Schluss, dass allein 345000 Euro nötig sind, um die dringendsten Bauschäden zu beheben. Die Stadt hat aber nur 120 000 Euro im Haushalt für die Halle zur Verfügung. Auch verweist Architekt und Stadtrat Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz) darauf, dass das Architekturbüro selbst erklärt habe, dass noch weitere Untersuchungen der Schäden in der Stadthalle nötig seien. Das soll nun erfolgen.

 

 

 

Die Sicherung der Halle würde das Gebäude vor einem weiteren Verfall schützen und Zeit geben, über die künftige Nutzung der Stadthalle zu beraten. Seit die Sanierung im Herbst 2012 vom Stadtrat wegen finanzieller und zeitlicher Risiken abgeblasen wurde, herrscht weit herum Ratlosigkeit zur Zukunft der Jugendstilhalle.

 

 

 

 

 

SZ 01.04.2014

 

 

 

Unterschriften und Frühjahrsputz für die Stadthalle

 

Der Förderverein lässt nicht locker und sieht sich von den Görlitzern unterstützt.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

2 615 Unterschriften für die schnelle Sanierung der Stadthalle übergab Fördervereins-Chef Thomas Leder (li.) jetzt dem Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege.

 

 

 

Was der Stadthallen-Förderverein von der Stadt fordert, kann Michael Hannich in drei knappen Sätzen sagen. „Unverzüglich soll die Sicherung der Stadthalle begonnen werden, außerdem soll die Stadt die zwingend nötigen Gelder zur Verfügung stellen und bis Mai einen Zeit- und Finanzplan für eine Dachsanierung vorlegen.“ So erklärte er es vergangene Woche vor dem Stadtrat. Weil er rechtzeitig vor der Debatte aus dem Vorstand des Vereins ausgetreten war, konnte Hannich im Stadtrat das Wort ergreifen. Genauso klar aber wurde an diesem Abend auch: Für diese Forderungen gibt es im Moment keine Mehrheit im Stadtrat. Das Görlitzer Bündnis aus CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne will aber zumindest mal untersuchen lassen, was anschließend an Bauschäden dringend behoben werden muss. Wie umfangreich das sein wird und wie viel die Stadt dafür aufwenden muss, ist nun von der Prüfung abhängig.

 

 

 

Wenn er auch keine Mehrheit im Stadtrat für weitergehende Forderungen hat, so fühlt sich der Förderverein um den CDU-Kommunalpolitiker Thomas Leder von den Görlitzern unterstützt. Unmittelbar vor der Stadtratssitzung übergab Leder 2615 Unterschriften für die Erhaltung der Stadthalle dem Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Leder wollte die Listen am liebsten vor dem Stadtrat dem Stadtoberhaupt übergeben. Doch das Büro von Deinege bat um einen diskreteren Termin unmittelbar vor der Stadtratssitzung. Für den Förderverein war das ein weiteres Indiz dafür, dass im Moment die Stadt das Thema Stadthalle am liebsten niedrig hängen will. Bürgerbeteiligung, Jugendzentrum Werk I und familienfreundliche Kommune scheinen wichtiger zu sein. So wartet der Förderverein beispielsweise auf Antwort von der Stadt auf seinen Antrag vom November, den großen Saal im Juni erneut für eine Benefizveranstaltung nutzen zu dürfen. Künstler wie zuletzt Bill Ramsey kann der Verein dafür weiterhin nicht buchen. Die Antwort soll, so kündigte Oberbürgermeister Siegfried Deinege bei einer Zusammenkunft jüngst an, nun doch bis Donnerstag nächster Woche vorliegen. Vermutlich enthält sie eine Absage für den großen und eine Zusage für den kleinen Saal. Als bespielbare Baustelle. Diese Lösung legt auch der Stadtratsbeschluss vom Donnerstag nahe. Demnach soll Deinege prüfen, ob der Kleine Saal für Veranstaltungen vermietet werden kann. Der immer wieder diskutierte Bestandsschutz, der mit der Schließung erloschen sein soll, steht dem jedenfalls nicht im Wege: Er besteht nach wie vor.

 

 

 

So wichtig diese kurzfristigen Projekte sind, um die Stadthalle im Gespräch zu halten, so wenig ist damit deren Zukunft geklärt. Deinege machte keine Andeutung vor dem Stadtrat, wie er sie sich vorstellt. Auch in dem Beschluss vom Donnerstag sind Ideen für die Zeit nach der Notsicherung nicht vorgesehen. Zumal die Stadt die einst für die Sanierung vorgesehenen Gelder nun für andere Vorhaben nutzt, um an dieser Stelle nicht erneut Fördermittel zurückgeben zu müssen. Im Stadtrat gibt es derzeit aber auch keine politische Mehrheit für einen neuen Sanierungsanlauf. Das Görlitzer Bündnis tut sich damit schwer, die Linkspartei spricht vage von einem europäischen Zentrum für die Stadthalle und löchert andere, die einen Vorschlag einbringen, lediglich mit Fragen.

 

 

 

So ergeht es derzeit auch der FDP, die seit Monaten für eine Stiftungslösung wirbt. Dieser Marschrichtung schloss sich der Stadtrat doch an. Auch hier soll OB Deinege bis Mai prüfen, welche Chancen in einer solchen Stiftung liegen. Für FDP-Stadtrat Frank Wittig ist sie der einzige Weg, um die Konzerthalle in absehbarer Zeit sanieren zu können. Der Görlitzer Rechtsanwalt erinnerte vor dem Stadtrat an die Evangelische Kulturstiftung, die sich um das Heilige Grab, die Nikolaikirche und den Nikolaifriedhof kümmert. „Die Stiftung hat lediglich ein Grundkapital von 40000 Mark“, erläuterte Wittig. „Dennoch war sie in der Lage, für mehrere 100000 Euro einen Neubau zu errichten. Das Beispiel zeigt, was eine Stiftung alles leisten kann.“ Dabei ist Wittig klar, dass die Stadthalle eine größere Nummer als das Heilige Grab ist. Doch hält er Gespräche mit Sachsen, dem Bund und dem Landkreis nicht für aussichtslos. Nur: Bislang hat die Stadt nichts dafür getan. Die Stiftung könnte auch eine schrittweise Instandsetzung der Halle vornehmen. Die hätte den Charme, findet der Förderverein, dass so auch Fördermittel beantragt werden können. Ohne einen beschlossenen Fahrplan zur Instandsetzung bleiben die Geldschatullen in Dresden verschlossen.

 

 

 

Bis Mai will der Förderverein aber an der Stadthalle nicht abwarten. Er ruft an diesem Sonnabend zum Frühjahrsputz im Stadthallengarten auf. Alle können mithelfen, und Thomas Leders Traum wäre es, wenn sich auch Schulklassen beteiligen würden. Schließlich könnte der Stadthallengarten für ganz verschiedene Veranstaltungen genutzt werden. Den Wasseranschluss nehmen die Stadtwerke jetzt wieder in Betrieb, und die Firma Haustechnik Schöpstal setzt die Toiletten instand. Beide nehmen dafür kein Geld – für den Verein wieder ein Zeichen, dass die Stadthalle den Görlitzern noch wichtig ist.

 

 

 

Wer an dem Frühjahrsputz teilnehmen will, melde sich bei info@tanzschule-matzke.de oder 03581 409595 an.

 

 

 

 

 

Stadthallenorgel geht nach Löbau

 

Das Instrument soll in der neuen Messehalle erklingen. Unklar ist, ob Görlitz die Orgel schenkt.

 

 

 

Die Stadthallenorgel wird künftig in der Löbauer Messehalle erklingen. Entsprechende Pläne bestätigte gestern eine Sprecherin der Görlitzer Stadtverwaltung. Da in die Löbauer Halle in diesem Jahr sowieso Garderobe und Toiletten eingebaut werden, könnte auch der Orgelbau erfolgen. Die Stadt würde damit die Konsequenzen aus der verschobenen Sanierung der Stadthalle ziehen. „Da völlig unklar ist, ob und wann die Stadthalle wieder eröffnet werden kann“, so eine Sprecherin von Oberbürgermeister Siegfried Deinege, „ist es für das Instrument doch das Beste.“

 

 

 

Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger hat sich bereits bereiterklärt, das erste Konzert in Löbau zu geben. Seeliger kümmert sich seit Jahren um das Instrument.

 

 

 

So sicher es ist, dass die Orgel nach Löbau kommt, so unklar bleibt vorerst, ob die Stadt das Instrument der Stadt verkauft, schenkt oder doch nur ausleiht. Das muss der Stadtrat demnächst beschließen. Das Rathaus hätte auch mit einer Schenkung keine Probleme. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 02.04.2014

 

 

 

Aprilscherze haben es mitunter in sich. Die einen Leser lachen, die anderen glauben daran, bis sie eines Besseren belehrt werden und wieder andere lassen sich nicht einmal am 2. April aufklären. Das bekam jetzt Margit Bätz zu spüren. Die Stadträtin der Linken musste sich in ihrem Stadtteil Weinhübel einiges über die Zurechnungsfähigkeit des Rates bezüglich Stadthallenorgel und deren angeblich vorgesehenen Umzug in die Löbauer Messehalle anhören. Selbst der Hinweis von Bätz auf das Datum 1. April des Presseartikels vermochte die erregten Gemüter nicht zu besänftigen. Die Stadträte hätten die Meldung nur an diesem Tag geschickt platziert, damit alle denken würden, es sei ein Aprilscherz, wurde ihr mitgeteilt.

 

 

 

 

 

SZ 07.04.2014

 

 

 

Der Förderverein Stadthalle hatte für den vergangenen Sonnabend, von 9 bis 14 Uhr, zum Frühjahrsputz an die Stadthalle gebeten. Der Stadthallengarten sollte gemeinsam so hergerichtet werden, dass er von den Vereinsmitgliedern und anderen genutzt werden kann. Etwa 50 Görlitzer folgten dem Aufruf, packten an, beseitigten abgebrochene Äste, Laub und Abfall, freuten sich aber auch darüber, mit Gleichgesinnten sprechen zu können. Für einen Imbiss, Getränke und etwas Musik war ebenfalls gesorgt.

 

 

 

 

 

SZ 17.04.2014

 

 

 

Sichere Pfeiler für die Stadthalle

 

Die Stadt beginnt mit ersten Sicherungsarbeiten. Der Technische Ausschuss beschließt, was sich der Stadtrat nicht traut.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Abgesperrt werden muss die Stadthalle noch nicht. Aber ganz überraschend gesteht die Verwaltung doch ein, dass die Bauschäden erheblicher sind als bislang eingeräumt.

 

 

 

Völlig überraschend nimmt die Stadt nun doch sofort die Sanierung von vier Strebepfeilern in der Stadthalle in Angriff und gibt dafür mindestens 92 000 Euro aus. Das beschloss der Technische Ausschuss am Mittwoch. Dabei ist es erst drei Wochen her, dass sich eine Mehrheit des Görlitzer Stadtrates auf Vorschlag von CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne lediglich für eine Überprüfung vermuteter Schäden ausgesprochen hatte. Bei dieser Sitzung des Stadtrates Ende März hatte Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz) vehement bestritten, dass schon feststehe, ob und in welchem Umfang Bauschäden bei der Stadthalle vorliegen, die dringend saniert werden müssten. Er verwies auf fehlende detaillierte bautechnische Untersuchungen. Die Aufstellungen eines Görlitzer Planungsbüros, das sich in den vergangenen vier Jahren in besonderer Weise mit der Stadthalle befasst hatte, ließ er dafür nicht gelten. Damals stellte sich dieser Ansicht weder Oberbürgermeister Siegfried Deinege noch Bürgermeister Michael Wieler in der Debatte entgegen.

 

 

 

Nur Michael Hannich von der CDU drängte auf schnellere Maßnahmen. Er gehört mit Thomas Leder zu der kleinen Gruppe in der Union, die die Schäden der Stadthalle als dramatisch ansehen. Deswegen wollten sie anfangs auch einen Beschluss im Stadtrat erwirken, dass unverzüglich mit Bauarbeiten begonnen werde. In wochenlangen Verhandlungen hatten CDU und Bürger für Görlitz sich dann aber auf jenen Kompromiss verständigt, der Ende März eine Mehrheit im Stadtrat erhielt und nur noch die Überprüfung der Schäden vorsah.

 

 

 

Nun aber lag in dieser Woche dem Technischen Ausschuss eine Vorlage des Hochbauamtes vor, das zum Ressort von Wieler gehört. Die Vorlage stammt von Anfang März, entstand also weit vor dem Beschluss im Stadtrat Ende März. Und diese Vorlage kommt in einem wichtigen Teil zu einem völlig gegenteiligen Ergebnis. Auf der Grundlage der Untersuchungen des Görlitzer Planungsbüros spricht sie von solchen Schäden an den Eckpfeilern der Stadthalle, dass die „rechnerischen Sicherheiten der statischen Konstruktion nach Einschätzung des Statikers aufgezehrt“ sind. Bürgermeister Michael Wieler erklärte sogar vor dem Technischen Ausschuss, dass die Verwaltung der Auffassung sei, dass „die Sanierung der Strebepfeiler von hoher Dringlichkeit“ sei, weil mit deren Zustand erhebliche statische Probleme verbunden seien. Die Tragfähigkeit der Strebepfeiler betrage nur noch 50 Prozent. Der Stahl der Pfeiler sei gerade im Übergang vom Dach angerostet. Über diese Pfeiler aber werden vor allem die starken Windkräfte, die an den langen Seiten der Stadthalle zerren, abgeleitet. Für die Mitarbeiterin im Hochbauamt, Kerstin Poost, steht daher fest, dass „uns niemand die Garantie geben kann, dass die Tragfähigkeit der Pfeiler noch gegeben ist.“ Die Stadt habe hier ein sehr großes Problem. Die Eckpfeiler und das besondere System, um Kräfte vom Dach und den Seitenwänden der Stadthalle abzufedern, stammt aus dem Jahre 1908 und war nach dem Teilzusammensturz beim Bau der Halle entwickelt worden.

 

 

 

Wolfgang Kück als Mitglied des Technischen Ausschusses blieb seiner Linie aus dem Stadtrat treu und forderte erneut nur eine Untersuchung der tatsächlichen Schäden. „Es ist ja nicht so, dass die Halle morgen gleich zusammenstürzen wird“, erklärte er. Er berief sich auf eine Besichtigung mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Dieter Gleisberg vom Herbst, bei dem sich beide ein Bild von den Schäden in der Stadthalle gemacht haben sollen. Kück habe damals nicht erkennen können, dass die Pfeiler derart verrostet seien. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Stelle an dem einen Pfeiler, den das Görlitzer Planungsbüro bereits 2011 untersucht hatte, bereits wieder verputzt. Die Pfeiler sind im Ganzen hinter Putz. Die Räte konnten also die Pfeiler gar nicht sehen. Gleisberg stützte jedenfalls Kücks Darstellung am Mittwoch nicht. „Im Vordergrund unserer Besichtigung standen die Dach- und Fensterschäden, durch die Wasser in die Halle eindringt“, sagte Gleisberg. „Die Statik stand nicht im Mittelpunkt damals.“ Den Hinweisen von Kück und Gleisberg kommt im Technischen Ausschuss besonderes Gewicht zu, weil die beiden Stadträre Architekt und Bauingenieur sind.

 

 

 

Nachdem nur Kück und Wolfgang Freudenberg (ebenfalls Bürger für Görlitz) gegen die Sanierung der Pfeiler, aber alle anderen neun Mitglieder des Technischen Ausschusses dafür stimmten, sollen nun die Vorbereitungen beginnen. Ab Ende Juli könnten dann die Pfeiler überprüft und saniert werden. Dabei werden verrostete Stahlteile ausgetauscht. Das Hochbauamt rechnet damit, dass die Sanierung Sicherheit für die nächsten zehn Jahre gibt. Auf ein Wort

 

 

 

 

 

Stadthalle profitiert von Stadtratsdesaster

 

über die Sanierung von vier Eckpfeilern

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Was geht eigentlich im Görlitzer Rathaus vor sich? Da einigen sich die Partner des „Bündnisses für Görlitz“ im Frühjahr mühsam auf einen Wischi-Waschi-Kompromiss zur Stadthalle, bringen ihn auch durch den Stadtrat – und drei Wochen später sagen die Verwaltung und der Technische Ausschuss: Wir machen wieder alles anders. Der Stadthalle kann es recht sein. Endlich passiert etwas. Endlich räumt die Stadt ein, dass die Schäden doch so erheblich sind, wie die Baufachleute es seit Monaten sagen. Endlich wird die Halle vor Schlimmerem bewahrt.

 

 

 

Für die politischen Kräfte in dieser Stadt aber ist die Art, wie es dazu kam, ein Fiasko. Und das noch vor den Wahlen. Die CDU, die sich gern als Stadthallen-Partei sieht, ist genarrt worden. Mit ihrem ursprünglichen Antrag hätte sie ziemlich auf der Linie des jetzigen Beschlusses gelegen. Aber weil ihr der Mut verloren ging, sie in Nibelungentreue zur Rathausspitze steht, knickte sie ein. Was sie sich nicht traute, dafür hat jetzt der Technische Ausschuss eine Stunde benötigt. Bei den Bürgern für Görlitz ist alles noch verheerender. Zwei von ihren drei Mitgliedern im Technischen Ausschuss blieben auch am Mittwoch der abwartenden Stadtrats-Position treu. Dafür stehen sie jetzt aber als unsichere Kantonisten in Sachen Stadthalle da. Einen Eindruck, den die Spitze der Wählervereinigung rechtzeitig vor der Wahl ausmerzen wollte. Und die Linkspartei, die so gern gegen die Stadthalle im Stadtrat wettert, wenn die Kameras des Regionalfernsehens laufen, stimmt im Technischen Ausschuss klammheimlich dafür. Das ist alles ziemlich absurd. Doch selbst Bürgermeister Wieler kann sich nicht freuen: Er steht nun in der Öffentlichkeit da, als würde er die Stadträte schlecht beraten. Ein Desaster ist noch eine fröhliche Umschreibung für das, was geschah.

 

 

 

 

 

10.05.2014 Stadthallenverein bereitet Stiftung für die Konzerthalle vor

 

 

 

Sie soll zum Erhalt des Denkmals beitragen. Bis 2021 strebt der Verein die Sanierung an.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Thomas Leder und der Stadthallenverein machen Druck bei der Sanierung der Konzerthalle.

 

 

 

Die Liberalen hatten die Idee, das Görlitzer Rathaus fremdelte lange mit ihr, nun will sie der Stadthallen-Förderverein umsetzen: Eine Bürgerstiftung für die Stadthalle. Die Mitgliederversammlung des Vereins beauftragte den Vorstand, alles zur Gründung einer solchen Stiftung vorzubereiten. Vereinsvorsitzender Thomas Leder rechnet damit, im Herbst den Mitgliedern die Details vorstellen zu können.

 

 

 

Die Stiftung soll den Charakter einer reinen Förderstiftung besitzen. Gebäude und Grundstücke bleiben bei der Stadt. Die Gelder, die die Stiftung zusammenträgt, könnten aber nach Vorstellungen von Leder beispielsweise in den Erhalt des Gebäudes fließen, in den denkmalpflegerischen Mehraufwand bei einer möglichen Sanierung oder in die Förderung besonderer Konzerte. Eine solche Stiftung hätte im Vergleich zum Förderverein den Vorteil, dass der Förderzweck und damit das Kapital sicherer geschützt sei. Der Haken: Eine Stiftung benötigt erst einmal 25000 Euro, um offiziell genehmigt zu werden, und dieses Kapital darf auch nicht ausgegeben werden. Andere Stiftungen, wie zum Beispiel die Zittauer Bürgerstiftung „Zivita“, haben dieses Problem des Anfangs aber auch gelöst. Sie agierte zunächst unter dem Dach der Dresdner Bürgerstiftung. „Zivita“ ehrt jedes Jahr ehrenamtlich tätige Persönlichkeiten im Südteil des Kreises. Sie war als Teil des Zukunftsprogrammes des damaligen Landkreises Löbau-Zittau ins Leben gerufen worden. Der große Vorteil von Stiftungen: gerade weil sie praktisch ewig bestehen, können sie auch auf Dauer wirken. Das wiederum animiert Stifter und Spender, ihr Geld an diese Stiftungen zu geben. Thomas Leder jedenfalls erhofft sich eine zusätzliche Spendenneigung durch eine solche Stiftung.

 

 

 

Schon beim großen Stadthallenfest am 28. Juni kann der Verein seine Pläne einer größeren Öffentlichkeit vorstellen. Nach einigem Hin und Her stellt Oberbürgermeister Siegfried Deinege den Kleinen Saal in der Halle dem Verein zur Verfügung. Weil der aber nur für 199 Personen zugelassen ist, plant der Verein zum Fest nun zwei aufeinanderfolgende Veranstaltungen. „Künstler, Chöre, Akrobaten – alle können sich bei uns melden und gern mitwirken“, sagt Thomas Leder. Wegen der unsicheren Lage beim Großen Saal konnte der Verein nicht an Künstler wie zuletzt Bill Ramsey herantreten. Fürs Saubermachen des Kleinen Saales und zum Stühlestellen meldeten sich aus den Reihen des Vereins bereits genügend Mitglieder.

 

 

 

Leder, der für die CDU auch wieder bei der Stadtratswahl antritt, strebt weiterhin eine Sanierung der Stadthalle an. Sein neuester Plan: Der Stadtrat soll sich mit einem Beschluss verpflichten, die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier von Görlitz im Jahre 2021 zu sanieren. Als Konzerthalle, so wie sie jetzt dasteht. Und in leistbaren jährlichen Bauabschnitten: Mal das Dach, im nächsten Jahr der Große Saal, darauffolgend der Kleine, und so weiter. „Das machen doch andere Städte mit solchen Hallen auch“, sagt Leder, „wenn der große Wurf finanziell nicht möglich ist“. Eine solche Halle könnte über die Europastadt Görlitz/Zgorzelec oder den städtischen Kulturservice an alle Interessenten vermietet werden und bräuchte Leder zufolge nicht einen Stab an Angestellten.

 

 

 

Ein solcher Stadtratsbeschluss hätte aus Sicht von Leder zudem den Vorteil, dass damit Görlitz gegenüber dem Innenministerium eine Art Sanierungsplan für die Halle vorlegen könnte. Genau der fehlt dem Ministerium, um Bauarbeiten in der Stadthalle finanziell zu fördern. So muss die Stadt derzeit alle Arbeiten in der Stadthalle wie die Sanierung der Strebepfeiler für fast 100000 Euro allein aus der eigenen Tasche zahlen.

 

 

 

 

 

SZ 22.05.2014

 

 

 

Görlitzer hängen an ihrer Stadthalle

 

Für fast jeden Zweiten ist deren Sanierung die wichtigste Aufgabe in den nächsten fünf Jahren.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Wenn es um ihre Stadthalle geht, dann ändern die Görlitzer nicht so schnell ihre Meinung. Seit Jahren rangiert deren Sanierung und Wiedereröffnung stets ganz oben, wenn es um die Wünsche der Görlitzer geht. Das ist auch dieses Mal der Fall, wie eine nicht-repräsentative Umfrage der SZ in der Wahlzeit ergibt. Beteiligt waren daran 250 Görlitzer. Für 47 Prozent der Befragten ist die Sanierung der Konzerthalle das wichtigste Projekt für den neuen Stadtrat. Dann folgen wahlweise der Ausbau des Berzdorfer Sees oder der Bau eines Jugendzentrums. Den See als wichtigste Aufgabe sehen 30 Prozent, nur 22 Prozent würden das geplante Jugendzentrum auf Platz 1 der Wunschliste setzen.

 

 

 

Die Zahlen des SZ-Barometers decken sich auch mit einer Umfrage, die die CDU an ihren Wahlkampfständen durchführt. Sie bittet dort Görlitzer zwölf Themenfelder nach ihrer Wichtigkeit zu bewerten. 88Görlitzer haben sich daran bis vergangenen Sonntag beteiligt. Hier steht die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ganz vorn. 99 Prozent halten das für die entscheidende Aufgabe der nächsten fünf Jahre. Auf Platz zwei folgt der Erhalt der Berufsfeuerwehr und die Stärkung der freiwilligen Wehren. Schließlich folgen die Bürgerbeteiligung und der Erhalt der Straßenbahn. Bereits auf Platz vier und als Erstes der Großvorhaben rangiert die Sanierung der Stadthalle. 45 Prozent der Teilnehmer halten das für sehr wichtig, weitere 24 Prozent für wichtig. Gefolgt vom Ausbau und Erhalt der Spielplätze, der Entwicklung des Berzdorfer Sees und dem Ausbau des schnellen Internets.

 

 

 

Die weitere Sanierung der Schulen hat an Dringlichkeit verloren, auch eine Sanierung der Hirschwinkelhalle ist den meisten nicht ganz so wichtig. Das neue Jugendzentrum finden 20 Prozent sehr wichtig, 37 Prozent wichtig, aber 34 Prozent für weniger wichtig – schlechter schneidet da nur die Sanierung der Hirschwinkelhalle ab. Natürlich entstammen auch die CDU-Zahlen keiner repräsentativen Umfrage, aber beide Ergebnisse zeigen ein klares Stimmungsbild. Ihrem Stadtrat stellen die Görlitzer ein mäßiges Zeugnis aus. Nur jeder zehnte von der SZ Befragte benotet die Arbeit der Räte mit einer eins oder einer zwei. Ein knappes Drittel vergibt das Prädikat befriedigend, aber jeder zweite eine Schulnote von 4 bis 6. Mit der Wahl am Sonntag werden durchaus Hoffnungen verknüpft. 17 Prozent der Befragten denken, dass sich die Stadt nach der Wahl besser entwickeln wird, nur drei Prozent schlechter, aber die Mehrheit von 64 Prozent rechnet mit keinen wesentlichen Veränderungen.

 

 

 

Kommentar - Stadtrat soll dem Volk aufs Maul schauen

 

über die Vorlieben der Görlitzer

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Seit Jahren fragt die SZ bei ihrem Stimmungsbarometer nach den wichtigsten Großprojekten für Görlitz. Und genauso lange hält sich die Sanierung der Stadthalle auf Platz 1. Diese Treue der Görlitzer zu ihrer Konzerthalle ist enorm, und sie sollte auch dem neuen Stadtrat Ansporn sein, das Thema zu befördern. Zwar taucht die Stadthalle in fast allen Wahlprogrammen auf. Aber mancher wie die Linkspartei verknüpft das mit der sportlichen Bedingung, zunächst müsse nachgewiesen sein, dass die Stadthalle ein europäisches Kulturzentrum sein könne. Das riecht eher nach Auf-die-lange-Bank-Schieben als nach dem realistischen Versuch, das denkmalgeschützte Haus bald wieder zu öffnen. In anderen Wahlbroschüren, wie zum Beispiel bei den Bürgern für Görlitz, ist die Stadthalle so versteckt, dass man sie kaum findet. Die Parteien und Wählervereinigungen mögen dafür gute Gründe haben, sie sollten aber in dieser Frage durchaus auch dem Volk mal „aufs Maul schauen“. Dann würden sie und Oberbürgermeister Siegfried Deinege auch erfahren, dass das geplante Jugendzentrum noch immer nicht sehr hoch im Kurs der Görlitzer steht, jedenfalls deutlich hinter der Stadthalle. Wenn ein solches Zwei-Millionen-Projekt Wirklichkeit werden soll, benötigt es dringend mehr Akzeptanz.

 

 

 

 

 

SZ 23.05.2014

 

 

 

Torpediert das Hochbauamt die Benefizkonzerte für die Stadthalle?

 

Der Förderverein kritisiert hohe bürokratische Auflagen für seine Bemühungen um die Halle.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Die Vorbereitung der Benefizkonzerte für die Stadthalle am 28. Juni nehmen für den Stadthallenverein als Organisator bürokratische Ausmaße an. So musste Vereinsvorsitzender Thomas Leder bereits zwei sechsseitige Checklisten für den Stadthallengarten und den Kleinen Saal ausfüllen. Anschließend übermittelte die Chefin des Hochbauamtes, Ute Prechel, dem Verein eine weitere Liste mit Fragen zum Charakter der Konzerte. Darin wurde beispielsweise dem Verein untersagt, im Kleinen Saal oder im Raum davor Kaffee oder Bockwürste zu erwärmen. Vor einem Jahr war das im Foyer des Großen Saals noch möglich. Auch fordert die Stadt einen Toiletten-Mietcontainer mit getrennten WCs für Frauen und Herren sowie Behinderte. Die Toiletten im Stadthallengarten, die der Verein auf eigene Kosten instand gesetzt hat, dürften nur bedingt in Frage kommen. Denn über den Winter sind die Wasserleitungen eingefroren, offensichtlich hatte die Stadt nicht ausreichend Vorsorge getroffen. Nun liegt nur eine provisorische Wasserleitung zu den Toiletten im Garten.

 

 

 

Schließlich soll der Verein allein 500 Euro für Sicherungssysteme an den Eingängen bezahlen – während alle Mitwirkenden an den Konzerten auf ihre Gage verzichten, um möglichst eine hohe Summe für die Sanierung der Stadthalle einzuspielen. Vereinsvorsitzender Thomas Leder sieht in all diesen Auflagen des Hochbauamtes ein „bewusstes Hintertreiben des Vorhabens, dem der OB zugestimmt hat“.

 

 

 

 

 

24.05.2014

 

 

 

Wieler wehrt sich gegen Stadthallen-Kritik

 

Das Rathaus tue alles für die Benefizkonzerte am 28. Juni. Alles andere sei nicht richtig.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Bürgermeister Michael Wieler wehrt sich gegen Vorwürfe des Stadthallen-Fördervereins, das städtische Hochbauamt würde die Vorbereitungen für die Benefizveranstaltungen am 28. Juni behindern. „Die Stadtverwaltung setzt mehrere Tausend Euro ein, um die Veranstaltung möglich zu machen“, erklärte Wieler am Freitag. „Außerdem stellt das Görlitzer Rathaus dem Verein auf Verwaltungskosten einen Toilettencontainer vor die Tür.“ Und die Verwaltung käme den Organisatoren bei allen Wünschen entgegen. Ein Großteil der städtischen Zusagen erhielt der Förderverein bei einem Vor-Ort-Termin Donnerstagmittag in der Stadthalle. In den beiden Wochen zuvor waren dagegen Forderungen des Hochbauauamtes beim Verein eingetroffen, dessen Vertreter sogar am vergangenen Wochenende ein Treffen mit OB Siegfried Deinege aus diesem Grund erreichten. Dabei versicherte Deinege, dass sowohl der Kleine Saal dem Verein für die Benefizaktion zur Verfügung gestellt als auch breite Hilfe der Stadt angeboten wird.

 

 

 

Wieler weist auch den Verdacht der Vernachlässigung der Toiletten-Anlagen im Stadthallengarten zurück, den der Verein geäußert hatte. Nach Angaben der Stadt werden die Toiletten im Garten seit 2005 mit einem Schlauch betrieben. Sie können also seiner Meinung nach in diesem Winter nicht eingefroren sein.

 

 

 

Derweil wurde am Freitag bekannt, dass der Technische Ausschuss am Mittwoch ausfällt. Dort war erwartet worden, dass die Stadt ihre Erkenntnisse bekannt gibt, ob sich durch das Einregnen in der Stadthalle Schwamm gebildet hat und wie schnell ein solcher Schaden behoben wird.

 

 

 

 

 

SZ 30.05.2014

 

 

 

Sommerfest lockt in die Stadthalle

 

 

 

Görlitz. Der Förderverein Stadthalle Görlitz lädt ein zu seinem Sommerfest. Vorbereitet wird diese Veranstaltung für den Sonnabend, den 28. Juni. Gefeiert wird im kleinen Saal der Stadthalle, vielen auch unter der Bezeichnung Bankettsaal bekannt. Wegen der erwartet großen Nachfrage sind nacheinander zwei Veranstaltungen vorgesehen, informierte der Vereinsvorstand. Die erste beginnt um 14.30 Uhr, die zweite um 18Uhr. Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.

 

 

 

Der Kartenvorverkauf startet am 4.Juni in der Tanzschule Matzke in der Straßburg-Passage und beim Treffpunkt der Sächsischen Zeitung in der ersten Etage des City-Centers. Der Eintritt kostet zehn Euro. Geboten werden soll ein abwechslungsreiches Programm mit Band, Tanz, Ballmusik, Gesang, Sketchen, Oper und Zauberei. Alle Künstlern haben spontan zugesagt, ohne Gage aufzutreten. In der Pause ist zudem ein Imbiss vorgesehen. Da jeweils nur 170 Sitzplätze vorhanden sind, rät der Verein, den Vorverkauf schnell zu nutzen.

 

 

 

Zuvor hatte es Kritik an der Stadt gegeben, das Bauamt würde das Vorhaben behindern. Bürgermeister Wieler wies das zurück. Die Stadt setze mehrere Tausend Euro ein, um die Veranstaltung möglich zu machen, erklärte er. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 11.06.2014

 

 

 

 

 

Stadt akzeptiert Schadensbilanz an der Stadthalle

 

 

 

Der Stadtrat beschließt eine Reparatur in der Halle nach der anderen. Doch nun ist das Geld erst einmal alle.

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Seit ein paar Tagen hängen die Plakate für die Stadthallen-Benefizkonzerte im Görlitzer Stadtbild. Der Förderverein organisiert Künstler, spricht Firmeninhaber als Sponsoren an und ist trotz mancher Hürden guter Dinge, am 28. Juni erneut ein paar Hundert Euro für Bauarbeiten zusammenzutragen, mit denen das Denkmal Stadthalle erhalten wird.

 

 

 

Dass die gespendeten Gelder nur einen Teil der nötigen Mittel allein schon für die Sicherung der Halle ausmachen, wird heute im Technischen Ausschuss deutlich werden. Die Räte sollen grundsätzlich darüber entscheiden, wie mit den Feuchtigkeitsschäden in den Treppenhäusern sowie über dem Foyer umgegangen wird. Dass das Thema heute auf der Tagesordnung steht, ist einem Stadtratsbeschluss vom 27.März zu danken. Nach monatelangen Verhandlungen hatten sich zuvor CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne auf einen gemeinsamen Beschluss geeinigt, dem der Rat auch mehrheitlich folgte. Danach beauftragte der Stadtrat Oberbürgermeister Siegfried Deinege, eine „detaillierte bautechnische Untersuchung der Schadensbilder an der Stadthalle in Auftrag zu geben, die Ergebnisse dem Technischen Ausschuss bis Mai 2014 zur Überprüfung vorzulegen und die dringend notwendigen Sicherungsmaßnahmen unverzüglich einzuleiten“.

 

 

 

Nun ist es Juni geworden. Doch ist das nicht das Einzige, was die Stadtverwaltung etwas anders an dem Beschluss verstanden hat. Nach Angaben von Bürgermeister Michael Wieler verzichtete die Stadt auf eine detaillierte bautechnische Untersuchung. Stattdessen nimmt sie die Planungen für die letztlich abgeblasene Generalsanierung von 2011/2012 sowie die damals festgestellten Schäden als Grundlage für ihr weiteres Vorgehen. Demnach schlägt Wieler heute vor, die durch das Einregnen angegriffenen Holzbalkendecken in den Treppenhäusern komplett gegen Betondecken auszutauschen. Das wird knapp 200000 Euro kosten und nicht mehr in diesem Jahr geschehen. Doch sei das auch nicht nötig, weil nach Wielers Angaben derzeit die Dächer der Stadthalle so dicht sind, dass es an keiner Stelle einregnet. Ohnehin fehlen die Mittel noch in der Finanzplanung des städtischen Haushaltes – sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr. Doch begründet Wieler sein Vorgehen auch mit der Einschätzung der zuletzt an der Stadthalle wirkenden Bauingenieure, dass zwar ein schnelles, aber kein sofortiges Handeln nötig sei. Eine Position, die der Chef des Stadthallen-Fördervereins Thomas Leder momentan weder einnehmen noch ablehnen kann. Denn Leder will zunächst einmal wissen, ob sich durch das Einregnen Hausschwamm gebildet hat. Erst danach könne seriös gesagt werden, wie dringend auch die Decken in der Halle saniert werden müssen. Seit Monaten dringt Leder deshalb auf Untersuchungen, die Klarheit bringen. Tatsächlich erwartet die Stadt nun nach Aussagen Wielers in diesem Monat Ergebnisse zur Hausschwamm-Diagnose.

 

 

 

Für Stadthallen-Befürworter wie Thomas Leder geht das alles natürlich viel zu langsam. Aber deren beharrliches Dranbleiben hat seit November die Stadthalle doch wieder in den Mittelpunkt der Görlitzer Politik gerückt: Die Strebepfeiler werden jetzt saniert, den Feuchteschäden in absehbarer Zeit auf den Leib gerückt. Dabei war die Stadthalle nach der Absage der Sanierung im Herbst 2012 auf der Prioritätenliste der Stadt ziemlich weit nach unten gepurzelt. Nun ist sie wieder da. Dass das alles nicht immer auf Gegenliebe selbst von Oberbürgermeister Siegfried Deinege stößt, war beim Mai-Stadtrat zu beobachten. Deinege gab erstmals selber die Legende zum Besten, dass in der Stadt Jugendzentrum gegen Stadthalle und damit Jugend gegen Senioren ausgespielt werde. Als wenn die Stadthalle ein Projekt ohne Jugend wäre. „Ich will die Stadt zukunftssicher machen“, redete sich Deinege in Rage. „Und da helfen mir nicht Bewertungen von zwei Projekten“, sagte er mit Blick auf nicht-repräsentative Umfragen vor der Wahl, in denen die Stadthalle besser als das Jugendzentrum abschnitt.

 

 

 

Doch der Kurswechsel der Stadt kostet Geld. Die für dieses Jahr vorgesehenen 134000 Euro sind bereits aufgezehrt. Rund 30 000 Euro versucht die Verwaltung nun noch für die Sanierung der Fenster im Großen Saal im Etat zu finden. Wie es finanziell weitergeht, müssen die Räte erst mit dem Etat 2015 noch beschließen.

 

 

 

 

 

 

 

Rathaus bewegt sich in Stadthallen-Frage

 

über die Bauarbeiten in der Konzerthalle

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Wer die Stadthallen-Debatte im Stadtrat von Ende März noch im Ohr hat, muss sich seitdem wie in einem falschen Film vorkommen. Wurde vor acht Wochen noch darüber gestritten, ob die Stadthalle durch ausgebliebene Investitionen in der Vergangenheit und dem anschließenden zehnjährigen Leerstand wirklich Schaden genommen hat, so ist das jetzt offensichtlich nicht mehr die Frage. Die Strebepfeiler sollten zunächst nur auf Standfestigkeit geprüft werden, jetzt werden sie saniert. Die Feuchteschäden an den Decken sollten erst einmal auf Schwamm untersucht werden, jetzt sollen im nächsten Jahr die Decken gleich mal ausgewechselt werden. Mit jedem dieser Beschlüsse akzeptiert die Stadt ein kleinwenig mehr die Schadensbilanz an der Halle, die ein Görlitzer Ingenieurbüro dem Stadthallenausschuss im Januar vorgelegt hatte und die damals ziemlich abgekanzelt wurde. Zugleich aber wächst der Druck auf OB Deinege, ein Konzept zur Sanierung der Stadthalle zu entwickeln. Denn bei jeder Reparatur schwingt immer die Frage mit, für welche künftige Nutzung sollen jetzt eigentlich neue Decken oder Strebepfeiler eingezogen werden. Es hängt eben doch alles miteinander zusammen. Es nützt nichts: Görlitz braucht Klarheit über seine Stadthalle.

 

 

 

 

 

SZ 13.06.2014

 

 

 

Ausschuss will Klarheit über den Zustand der Stadthalle

 

Bürgermeister Michael Wieler erleidet eine Niederlage. Der Druck auf OB Deinege wächst.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Die Sanierung der Stadthalle abzublasen, war das eine. Wie es weitergehen soll, ist das andere. Auf unserem Archivfoto erläuterte im Herbst 2012 Oberbürgermeister Siegfried Deinege den Görlitzern, warum er die Sanierung stoppen ließ. Foto: Nikolai Schmidt

 

Die Sanierung der Stadthalle abzublasen, war das eine. Wie es weitergehen soll, ist das andere. Auf unserem Archivfoto erläuterte im Herbst 2012 Oberbürgermeister Siegfried Deinege den Görlitzern, warum er die Sanierung stoppen ließ. Foto: Nikolai Schmidt ©- keine angabe im hugo-archivsys

 

Der Technische Ausschuss drängt darauf, Näheres über den wirklichen Bauzustand der Stadthalle zu erfahren. Erst danach wird er entscheiden, welche Schritte zur Behebung der Schäden zu gehen sind. Darauf verständigte sich der Ausschuss am Mittwoch und lehnte es ab, über eine Vorlage der Verwaltung zu entscheiden, die bereits jetzt wichtige Festlegungen enthielt. Die Stadträte hingegen wollen erst von der Bauverwaltung detailliert darüber informiert werden, was bei den Untersuchungen der Strebepfeiler, aber vor allem der Feuchteschäden an Decken im Treppenhaus festgestellt wurde. Hier geht es darum, ob die Nässe bereits dazu geführt hat, dass sich Hausschwamm ausbilden konnte. Wäre das der Fall, dann müsste die Stadt schnell handeln, denn Schwamm kann sich ausbreiten und große Schäden hinterlassen. Da aber erst im Laufe dieses Monats mit den Ergebnissen der Untersuchung zu rechnen ist, hielt Wolfgang Kück von den Bürgern für Görlitz fest: „Es gibt keinen Hausschwamm in der Stadthalle so lange, wie es nicht bewiesen wurde.“ Und so lange gebe es auch keine Eile bei der Stadthalle.

 

 

 

Baubürgermeister Michael Wieler hingegen wollte den Ausschuss dazu bringen, sich schon jetzt darauf festzulegen, dass die Holzbalkendecken im Treppenhaus bei einer Sanierung durch Betondecken ersetzt werden. Die Leiterin des Hochbauamtes, Ute Prechel, nannte das ein „Stützkorsett für die alte Dame“, weil dadurch die Statik der Halle und der Brandschutz verbessert werden. Wann dieser Austausch aber stattfinden soll, ist völlig offen. In der städtischen Finanzplanung ist dafür bis 2017 kein Euro eingestellt. Über den Zeitpunkt, so sagte Wieler, müssten die Stadträte in der anstehenden Haushaltsdiskussion für den Doppeletat 2015/2016 entscheiden.

 

 

 

Die Räte sahen das aber ganz anders. „Wir sollen den Austausch von Decken beschließen, ohne zu wissen, ob überhaupt ein Balken ausgewechselt werden muss“, sagte Kück. Um das herauszufinden, hatte der Stadtrat im März nach langwierigen Verhandlungen Oberbürgermeister Siegfried Deinege beauftragt, die Schäden in der Stadthalle gründlich untersuchen zu lassen und anschließend dem Technischen Ausschuss Vorschläge zu unterbreiten. Doch schon im April hatte die Bauverwaltung nicht nur die Prüfung der Strebepfeiler vorgeschlagen, sondern auch gleich deren Sanierung. Das fand damals eine Mehrheit. Wieler verteidigte sein Vorgehen am Mittwoch, auch wenn seine Vorlagen im Technischen Ausschuss „sinnfälligerweise über den Stadtratsbeschluss hinausgingen, um Geld zu sparen“. Beispielsweise muss nun nur einmal das Gerüst in der Halle an den Pfeilern gestellt werden. Doch ging dieser Beschluss bereits über den Willen des Gesamtstadtrates hinaus. Ein zweites Mal wollte das der Technische Ausschuss nicht tun, zumal der Austausch der Decken knapp 200000 Euro kosten wird, Fördermittel stehen zudem nicht in Aussicht.

 

 

 

Sahen die Räte also für den Austausch der Decken im Moment keine Notwendigkeit, so störte sie auch die Absicht Wielers, mit den Vorlagen Klarheit über das weitere Vorgehen mit der Stadthalle zu bekommen. „Seit einem Jahr wissen wir nicht, wie wir mit dem Gebäude umgehen“, sagt Wieler. „Dadurch werden wir in der Verwaltung zermürbt, die Arbeit der Verwaltung wird belastet oder gar behindert.“ Der scheidende SPD-Stadtrat Peter Wirth aber fand die Vorlage „kein geeignetes Mittel, um politische Diskussionsprozesse zu beschleunigen“. Stattdessen müsse der Oberbürgermeister in einer so wichtigen Frage wie der Stadthalle ein Konzept zu deren Sanierung mithilfe der Verwaltung entwickeln und sich anschließend politische Mehrheiten im Stadtrat suchen. „Alles andere funktioniert nicht“, erklärte Wirth.

 

 

 

Wieler entgegnete darauf, dass es nur die Alternative gebe, die Stadthalle scheibchenweise zu sanieren oder in einem großen Wurf, wie er 2012 abgebrochen worden war. Aber für den großen Wurf fehlen der Stadt die Eigenmittel. Die 2012 noch vorhandenen städtischen Gelder fließen mittlerweile in andere Vorhaben.

 

 

 

 

 

SZ 14.06.2014

 

 

 

Wischkommando schrubbt Stadthalle

 

Der Förderverein trifft an diesem Sonnabend Vorbereitungen für die Benefizkonzerte Ende Juni.

 

 

 

Mitglieder des Stadthallen-Fördervereins reinigen ab 9Uhr an diesem Sonnabend den Kleinen Saal der Halle und die Treppenhäuser für die Benefizkonzerte am 28.Juni. Sie leisten diese Arbeit unter schwereren Bedingungen als gedacht, weil sie die Eimer voll heißem Wasser durch den ganzen Keller unterm großen Saal im Halbdunkel zum Kleinen Saal sowie den Treppenhäusern schleppen müssen. Ursprünglich hatte der Verein gehofft, dass die rostbraunen Sicherheitsbleche, die Fenster und Eingangstüren des Erdgeschosses der Halle schützen, bereits für die Vorbereitungen an diesem Wochenende abmontiert werden, zumindest an der Tür zum Treppenhaus auf der Parkseite. Doch das ist nicht der Fall. Deshalb kann das Wisch-Kommando auch nicht durch diese Türen in die Stadthalle gelangen, sondern muss andere Eingänge zur Halle nutzen.

 

 

 

Auch vor dem Eingang an der Parkseite ist noch einiges bis zu den Benefizkonzerten zu tun. So wird das Sachgebiet Grünflächen des Görlitzer Rathauses den Schlamm wegräumen, den Regenwasser von den Wegen des Stadtparks an der Stadthalle angeschwemmt hat. (SZ/sb)

 

 

 

 

 

SZ 18.06.2014

 

 

 

„Ihr könntet doch in der Stadthalle auftreten“

 

Eine junge Band aus Erlangen spielt zum Sommerfest am 28.Juni im kleinen Saal. Die Sängerin verbindet es mit einem Besuch bei Oma und Opa.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

Die Band Crimson aus Erlangen mit Sängerin Julia Schaab, deren Vater aus Görlitz stammt.Foto: privat

 

Die Band Crimson aus Erlangen mit Sängerin Julia Schaab, deren Vater aus Görlitz stammt. Foto: privat ©- keine angabe im hugo-archivsys

 

Es war eine dieser Ideen, die plötzlich jemand ausspricht, aber anfangs nicht ernst genommen wird. „Ihr könntet doch in der Stadthalle auftreten“, sagte Olaf Schmidt, der Onkel von Julia Schaab, als die von ihrer Band erzählte. Das war, als sie das letzte Mal zu Besuch in Görlitz war – zu einer Goldenen Hochzeit in der Verwandtschaft.

 

 

 

Eigentlich lebt Julia Schaab aber in Erlangen, hat hier seit einem Jahr mit ihren Freunden Lukas, Marcel, Jonathan und Pedro eine Band. „Crimson“ nennen sie sich und spielen vor allem Coverversionen von bekannten Songs. Ein paar davon werden sie am 28.Juni zum Sommerfest präsentieren, neben zwei eigenen Liedern. Denn Julia hat bei der Familienfeier zu ihrem Onkel, der im Stadthallenverein Mitglied ist, gesagt: „Klar, wir können gern auftreten.“ So richtig sicher wurde das aber erst, als alle Bandmitglieder zustimmten und der Förderverein der Stadthalle zusagten, Benzin- und Übernachtungskosten zu übernehmen. Gage bekommen die fünf Musiker nicht. Es sind immerhin Benefizkonzerte zugunsten der Stadthalle, die am 28.Juni stattfinden. Außer Crimson treten die Lumpacius Vagabundus aus Freiberg auf, die Ballmusik machen.

 

 

 

Für Julia Schaab und ihre Musikerkollegen wird es einer ihrer bisher größten Auftritte. „Bislang haben wir eher vor Mitschülern und Freunden gesungen“, sagt die 17-Jährige. Zurzeit laufe es aber immer besser, erst vergangene Woche sind sie vor Hunderten Erlangern aufgetreten. Julia Schaab würde gern ihr Geld später mit Musik verdienen. Deshalb stellt sie schon fleißig Videos auf dem Kanal Youtube ins Internet ein. Nicht nur unter Crimson, sondern auch unter „Pepe & Julia“ kann man sie finden und ihre Stimme bewundern. „Ich weiß trotzdem, dass es schwer wird, weil viele Musiker werden wollen. Deshalb habe ich einen Plan B.“ Und der ist, irgendwas mit Kindern zu machen. Dass das genau ihr Ding ist, stellt sie gerade wieder bei einem Praktikum in einem Kindergarten fest.

 

 

 

Am 27.Juni aber geht es erstmal für drei Tage nach Görlitz. Sie hat ihren Freunden schon erzählt, wie schön die Stadt ist. Pedro freut sich besonders, weil er Kinofan ist und gehört hat, dass Görlitz Filmstadt ist. Für Julia, deren Vater aus Görlitz stammt, steht auch ein Besuch bei den Großeltern auf dem Programm. Lange haben sie in der Stadt gelebt, wohnen mittlerweile in Markersdorf. „Ich denke, sie kommen bestimmt auch, um mich in der Stadthalle singen zu hören“, sagt sie.

 

 

 

Karten für das Sommerfest gibt es bei der Tanzschule Matzke und im SZ-Treffpunkt im City Center.

 

 

 

 

 

SZ 30.06.2014

 

 

 

Görlitzer stürmen die Stadthalle

 

Von Ines Eifler

 

 

 

Das erste Benefizkonzert für das geliebte Kulturzentrum ruft Erinnerungen wach. Wie viel Geld übrig bleibt, ist offen.

 

 

 

Trotz mehrerer Feste am Wochenende hielten die Görlitzer der Stadthalle die Treue. 340 Gäste kamen in denKleinen Saal. Mehrwaren nicht zuge- lassen.Foto: Pawel Sosnowski

 

Trotz mehrerer Feste am Wochenende hielten die Görlitzer der Stadthalle die Treue. 340 Gäste kamen in den Kleinen Saal. Mehr waren nicht zugelassen. Foto:

 

 

 

Das Parkett glänzt noch wie früher, das Stimmengemurmel zeugt von vielen Konzertbesuchern. Flügel, Schlagzeug, Mikrofone warten auf der Bühne, im Nebenraum steigt das Lampenfieber. Alles ist so, wie es sein könnte. Doch an der Decke des Bankettsaals der Stadthalle fehlt ein Stück Putz. Gegenüber dem Tresen, wo Helfer des Fördervereins in der Pause Getränke ausschenken, hängt ein großes Stück Tapete von der Wand.

 

 

 

Die Treppe nach weiter oben ist gesperrt, die Türen zum großen Saal sind verschlossen. Wehmut ist im Raum. Und als Patricia Bänsch vom Theater ihre erste Arie singt, als ihr Mezzosopran den ganzen Saal erfüllt, wird auch hörbar, wie sehr ein wahrer Konzertsaal in Görlitz fehlt. „Was für eine Akustik, mein lieber Mann“, sagt jemand in den hinteren Reihen. Der Applaus bestätigt die Worte.

 

 

 

Für die meisten anderen Gruppen und Künstler des „bunten Programms“, das der Förderverein der Stadthalle am Sonnabend zweimal als Benefizveranstaltung organisiert hat, ist der Klang im Bankettsaal nicht entscheidend. Da geht es eher um Vielfalt, wie sie früher hier zu Hause war.

 

 

 

Die Kinder- und eine Jugendgruppe der Tanzschule Matzke führen Choreografien vor. Verschiedene Bands treten auf. Mit dem „Flotten Heinrich“ ist ein Komiker zu Gast, an dessen Auftritte in der Stadthalle sich Thomas Matzke noch aus seiner Kindheit erinnert. Und auch Michael Prochnow als Oberbürgermeister Hugo Sattig weckt Erinnerungen. „Was war das für ein Leben!“, sagt er. Zu Festen, Bällen und Konzerten seien die Görlitzer fast 100 Jahre lang gekommen. „Und ach, die Orgel. Was waren das für Klänge, wie war das Herz noch Tage später erfüllt davon!“ Die Geschichte der Stadthalle in den vergangenen zwölf Jahren allerdings sei Stoff genug für eine Oper. Und dass so viele Argumente gegen ihre Sanierung und Betreibung genannt würden, erfülle ihn mit Trauer.

 

 

 

Fördervereins-Chef Thomas Leder ist zunächst froh, dass trotz mehrerer Feste und Sportveranstaltungen am Sonnabend so viele Leute in die Stadthalle gekommen sind. Über 300 Karten waren vorbestellt, die restlichen 40 Plätze füllten sich vor Ort. Damit ist der Verein seinem Ziel, die Halle wieder zu bespielen, ein Stück nähergerückt. Wie viel Geld nach Deckung der Veranstaltungskosten tatsächlich als Spende für die Sanierung verwendet werden kann, steht aber noch nicht fest.

 

 

 

 

 

SZ 02.07.2014

 

 

 

Glücklich saß Margot Wüsthoff-Garbe am Sonnabend im Kleinen Saal der Stadthalle und genoss das Programm und die tolle Akustik. „Was die Mitglieder und Helfer des Stadthallen-Fördervereins in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben, konnte sich sehen lassen“, sagt die Rentnerin. Sie und weitere Leser danken allen, die das möglich gemacht haben, insbesondere den fleißigen Helfern, die vor und in der Stadthalle aufgeräumt haben. „Wenn vor der Stadthalle Stühle gestanden hätten, wäre ich draußen auch noch eine Weile sitzen geblieben und hätte der Musik gelauscht“, sagt Frau Wüsthoff-Garbe. Es sei eine wunderschöne Veranstaltung gewesen, die an vergangene Zeiten erinnerte, als die Konzerthalle noch in Betrieb war. Sie wünscht sich, dass das Haus nicht weiter verfällt und die Sanierung vorangetrieben wird. Ihres Erachtens sollte die Stadt kein Geld für die Weltkulturerbebewerbung ausgeben, sondern lieber für den Erhalt der Stadthalle.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 04.07.2014

 

 

 

Oberbürgermeister Deinege hat richtiges Zeichen gesetzt

 

 

 

Wir danken von Herzen Thomas Leder und seiner Frau Regina für die Organisation des wunderschönen Sommerfestes im Kleinen Saal der Stadthalle am 28. Juni. Es war ein voller Erfolg. Die Gäste waren begeistert und voller Bewunderung. Alle, mit denen wir sprachen, wünschen sich bald ein weiteres Fest. Viele wollen Mitglied werden in unserem Förderverein Stadthalle Görlitz oder auch spenden.

 

 

 

Alle Mitglieder und Freunde des Vereins haben zum Gelingen beigetragen. Wir danken Herrn Oberbürgermeister Deinege, dass er ein Zeichen setzte und unser Fest besuchte. Wir alle werden unsere wunderschöne Stadthalle erhalten.

 

 

 

Renate und Ulrich Wiegand, 02826 Görlitz

 

 

 

Zum Beitrag „Mehr Ehrenamt soll Königshain beleben“, SZ vom 28./29. Juni:

 

 

 

 

 

SZ 16.07.2014

 

 

 

Die Stadtväter dürfen diese Kulturstätte nicht vergessen

 

 

 

Sie war schon bald nach der Wende ein Ort der Zusammenkunft – auch für vertriebene Schlesier. So vieles mussten diese Menschen aufgeben und diese Stadthalle war und ist ein Stück zurück gewonnenes Erbe.

 

 

 

Die Stadthalle von Görlitz war zwischen Dresden und Breslau das repräsentative Gebäude für Konzerte, Theater- und andere Aufführungen, für Ausstellungen und Sportveranstaltungen, um nur einige zu nennen. Die Schlesischen Musik- und Sängerfeste fanden hier ihre Heimat.

 

 

 

Ein Verein ist entstanden, der sich um die Erhaltung bemüht, bis die Stadt Görlitz neben all ihren Verpflichtungen des Aufbaus sich dieser Kulturstätte zuwenden kann. Man sollte diesen Verein darin unterstützen und die Stadtväter ermuntern, diese Kulturstätte nicht zu vergessen.

 

 

 

Barbara Weber-Heinrich, Görlitz

 

 

 

 

 

SZ 19.07.2014

 

 

 

Förderverein Stadthalle macht Druck

 

Beim Tippelmarkt soll an einem Stand über Neuigkeiten und Pläne informiert werden.

 

 

 

Der Förderverein Stadthalle Görlitz bemüht sich aktiv um die Gründung einer Bürgerstiftung. „Damit wollen wir Spendern die Gelegenheit geben, gezielt die Sanierung der Stadthalle zu unterstützen“, sagt Vereinsvorsitzender Thomas Leder. Mit einem Stand auf dem Schlesischen Tippelmarkt wolle man an diesem Wochenende allen Interessierten erläutern, wie eine schrittweise Instandsetzung in sinnvollen Bauabschnitten ab 2015 bis zur 950-Jahr-Feier 2021 möglich ist. Ein wichtiges Ziel sei die etappenweise Nutzung des kleinen und des großen Saals unter den Bedingungen einer „bespielbaren Baustelle“ ab 2015, so der CDU-Stadtrat: „Wir wollen durch diese auch ehemalige Görlitzer, ihre Heimat besuchende Schlesier und Freunde der Stadt zum Mittun bewegen.“

 

 

 

Zur Finanzierung des Projektes Stadthalle will der Verein alle Möglichkeiten, wie Fördermittel, Spenden oder Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, maximal ausschöpfen. Die in diesem Jahr erfolgenden Reparaturen zur Sicherung der Statik des Gebäudes muss der Verein komplett mit Eigenmitteln finanzieren. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 23.07.2014

 

 

 

Stadthallenverein bringt Denkmalstiftung ins Spiel

 

Wer hilft dabei, die Stadthalle zu einer bespielbaren Baustelle zu machen? Der Verein hat Ideen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Während in dieser Woche die Sanierung der Strebepfeiler in der Stadthalle begann, richtet der Förderverein der Stadthalle seinen Blick schon auf das nächste Jahr. Ermutigt fühlen sich die Vereinsmitglieder dabei durch die jüngsten Aussagen von Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Im SZ-Interview hatte der Rathauschef die Veranstaltungshalle als unverzichtbar für Görlitz beschrieben und in Aussicht gestellt, den Kleinen Saal künftig zumindest im Sommer zu nutzen und selbst den Großen Saal wieder instandzusetzen.

 

 

 

Das liegt ganz auf der Linie des Fördervereins, dessen Vorsitzender Thomas Leder seit Monaten für die Idee wirbt, die Halle in Schritten zu sanieren – und zwar so, wie sie jetzt dasteht. Damit das nicht wie in diesem Jahr ausschließlich mit städtischen Mitteln geschehen muss, steht der Förderverein auch mit Fördermittelgebern in Verbindung. Beispielsweise mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Deren Projektreferentin für Sachsen, Anette Mittring, bestätigte dem Verein jetzt die Möglichkeit, dass die Stadt für die Stadthalle einen Fördermittelantrag abgeben kann. Allerdings muss sie sich sputen. Denn die Frist läuft Ende August ab. Deshalb bat der Förderverein nun Oberbürgermeister Deinege, „umgehend einen Antrag zu stellen, um von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für das Jahr 2015 Mittel für die Stadthalle zu bekommen“. Aus Sicht des Vereins wäre es wichtig, den Großen Saal wieder so weit herzurichten, dass er als Baustelle bespielbar wird. Auch könnten dann wieder Filme in der Halle gedreht werden. Dazu müsste allerdings die Kellerdecke stabilisiert werden. Möglicherweise bietet sich für den Antrag auch die Instandsetzung der denkmalgeschützten Eingangsbrücke an.

 

 

 

Ob die Stiftung sich wirklich finanziell an der Sicherung und Sanierung der Stadthalle beteiligt, ist freilich trotz des freundlichen Briefes der Projektreferentin völlig offen. Allerdings bestätigt Frau Mittring in ihrem Schreiben, dass sie das Geschehen um die Stadthalle aufmerksam verfolgt. Und am 17. September wird sie sich die Halle sogar persönlich anschauen – zusammen mit der Projektarchitektin für Sachsen, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Görlitzer Denkmalchef Peter Mitsching.

 

 

 

 

 

SZ 21.08.2014

 

 

 

Kein Hausschwamm in der Stadthalle

 

Die Stadtverwaltung atmet auf: Der schlimmste Schaden ist nicht eingetreten. Die Sanierung der Strebepfeiler aber kommt nur schleppend voran.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

Monatelang war immer wieder gemunkelt worden, jetzt kommt die Entwarnung. „In der Stadthalle gibt es keinen echten Hausschwamm“, verrät Baubürgermeister Michael Wieler exklusiv beim SZ-Vor-Ort-Termin. Eine Untersuchung des Daches habe zwar einige Schäden aufgezeigt, aber der schlimmste Fall sei nicht eingetreten. Seit Kurzem liegt der Stadt das Schwammgutachten eines Görlitzer Ingenieurbüros vor. Demnach ist die Schalung zermürbt, auch brauner Kellerschwamm hat sich ausgebreitet. „Aber das ist alles nicht so schlimm wie der echte Hausschwamm“, so Wieler.

 

 

 

Ein bisschen weniger fröhlich ist er, wenn es um die Sanierung der vier Strebepfeiler am Dach geht. Zwar liegt die Baugenehmigung dafür seit 17. Juli vor, aber so richtig begonnen haben die Arbeiten noch nicht. Der erste Pfeiler wurde eingerüstet, der Prüfstatiker hat mit den Proben angefangen. Doch nach Aussage von Christian Wünsche vom Görlitzer Büro Wünsche + Langer müssen die Arbeiten trotzdem noch ruhen: „Es darf erst weitergehen, wenn der Prüfbericht vorliegt.“ Weil der Statiker zwischendurch Urlaub hatte und jetzt noch mit der Nachbearbeitung beschäftigt ist, zieht sich seine Aufgabe nun schon fünf oder sechs Wochen hin. Wieler rechnet aber damit, dass der Bericht in den nächsten Tagen vorliegt. Dann könnten die Arbeiten in der ersten Septemberwoche endlich beginnen.

 

 

 

Die vier Pfeiler sind extrem wichtig, denn sie geben dem Gebäude Halt. Unter ihrem Mauerwerk versteckt sich ein Stahlfachwerk. Allerdings wurde bei stichprobenhaften Untersuchungen an einer Stelle entdeckt, dass das Fachwerk nicht mehr in Ordnung ist. „Mit solchen Schäden sind die statischen Reserven eines Gebäudes aufgebraucht“, sagt Wünsche. Zwar halte es noch, aber es dürfe dann kein weiteres Problem hinzu kommen. Große Schneelasten würden das Risiko noch erhöhen. „Wir müssen das Fachwerk jetzt überall öffnen und prüfen, ob es in Ordnung ist“, so Wünsche. Da die Prüfung ergebnisoffen ist, lassen sich Kosten und Bauzeitraum ganz schwer abschätzen. Wieler hofft, „dass wir noch vor dem Winter fertig werden.“ Nach seinen Worten soll ein Pfeiler nach dem anderen saniert werden, nicht alle gleichzeitig.

 

 

 

Während die Stadt ursprünglich von 92000 Euro Kosten ausgegangen war, liegt die Zahl nach neuesten Schätzungen bei 119000 Euro. Hinzu kommen 7000 Euro für die jetzt abgeschlossene Untersuchung der Dachschäden, 5000 Euro für die Instandsetzung der Abstützkonstruktion unter der Brücke, 4500 Euro für die baufachliche Beratung zu den Prioritäten der Sicherung und Instandsetzung, 3840 Euro für die Nutzbarmachung des Kleinen Saals und rund 10000 Euro für sonstige Arbeiten. Außerdem würde die Stadt gerne für 30000 Euro eine Notsicherung der Saalfenster vornehmen. Alles in allem ergeben sich also Kosten von fast 180000 Euro.

 

 

 

Auf der Habenseite stehen aber nur 148000 Euro, darunter 122000 Euro aus dem Haushalt, 14000 Euro umgesetzte Mittel von der Turnhalle Jonas-Cohn-Straße und eine 12 000-Euro-Spende vom Förderverein Stadthalle. „Wir können die Saalfenster also noch nicht notsichern, weil das noch nicht finanziert ist“, so Wieler.

 

 

 

Auch sonst steht nicht fest, wie es mit der Sicherung und Sanierung der Stadthalle weitergeht. „Wie viele Maßnahmen wie schnell gemacht werden sollen, ist letztlich eine politische Entscheidung, die der Stadtrat treffen muss“, sagt Wieler. Aus fachlicher Sicht wäre nach den Strebepfeilern und den Saalfenstern dann das Dach die nächstsinnvolle Sanierung. Die größten Dachschäden gibt es an der Südseite, also zur Stadtbrücke hin. Dort schlagen die Planer einen Ersatz durch eine Massivdecke vor. Das würde vermutlich um die 180000 Euro kosten. „Dafür stellen wir bis zur Frist Ende August noch einen Antrag bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, sagt Wieler. Den Rest der Summe müsste die Stadt über Eigenmittel oder Geld aus der Altstadtstiftung bezahlen – falls der Stadtrat die Stadthalle als Priorität sehen sollte. „Über den Treppenhäusern und dem Kleinen Saal gibt es auch ein paar schlechte Stellen im Dach, die gemacht werden müssten“, blickt Wieler noch weiter voraus. Dort aber will der Denkmalschutz keine Massivdecken zulassen, sondern die Holzdecken erhalten. Die Kosten hier sind noch völlig offen.

 

 

 

 

 

SZ 26.08.2014

 

 

 

Glanz und Verfall der Stadthalle

 

Zwei junge Görlitzer zeigen in einer Ausstellung die zwei Seiten des Gebäudes – und wollen damit auch aufrütteln.

 

 

 

Von Jenny Thümmler

 

Robert Gottwald (links) und Matthias Schöneich haben die Ausstellung zur Stadthalle gemeinsam erstellt. Sie wollen, dass die Görlitzer das Haus in Erinnerung behalten.Foto: Nikolai Schmidt

 

 

 

Die Pflanzenranke ist vielleicht das Eindrücklichste. Sie windet sich außen an der Mauer der Stadthalle hoch, um durchs Fenster ins Innere vorzudringen. Die Natur erobert sich das Areal zurück. Matthias Schöneich vom Förderverein der Stadthalle blickt ernst auf das Foto. „Der Zustand ist mittlerweile so, dass die Schäden immer größer werden, wenn wir jetzt nichts tun.“

 

 

 

Gemeinsam mit Robert Gottwald hat er eine Ausstellung initiiert, die derzeit im Foyer der Sparkasse auf der Berliner Straße zu sehen ist. Gut zwei Dutzend Fotos zeigen die schönen und die verfallenden Seiten der Stadthalle. Prächtige Ornamente neben abbröckelndem Putz, der beeindruckende große Saal neben leeren ungenutzten Räumen. Mit diesen Aufnahmen wollen die beiden Männer die Stadthalle in Erinnerung halten. Unter den 200 Mitgliedern des Fördervereins sind nicht nur ältere Bürger, die Erinnerungen aus Jahrzehnten mit dem Kulturhaus verknüpfen. Sondern auch junge Leute, die eines Tages in der Stadthalle feiern wollen. Darum organisiert der Verein Konzerte. Und darum wird die Stadthalle auch zum Tag des offenen Denkmals am 14. September offen sein. Denn nach der Überzeugung vieler Vereinsmitglieder braucht Görlitz sie nach wie vor. Das größte Gebäude der Stadt an zentraler Stelle, das für deutsche und polnische Görlitzer gleichermaßen wichtig ist, wie es Matthias Schöneich formuliert. Im Förderverein sind inzwischen auch ein paar Polen Mitglied. „Es ärgert uns häufig, dass es so schwierig ist, den genauen Stand um die Stadthalle zu kennen.“ Nichtöffentliche Verhandlungen, dann Hiobsbotschaften wie die zur Statik.

 

 

 

Alle Fotos der kleinen Ausstellung stammen von Robert Gottwald. Als Hobbyfotograf und Schwimmer bei Lok und DLRG Görlitz beschäftigt sich der 24-Jährige sonst eher mit Sportfotografie. Jetzt will er auch andere Bereiche erobern. „Es ist schön, Orte wie die Stadthalle zu dokumentieren und nach außen zu tragen, was innen passiert.“ Denn schließlich kann nicht jeder jederzeit hineingehen. Auch die Ausstellungsbilder sind am Tag des jüngsten Konzerts Ende Juni entstanden. Das Spiel mit Belichtungszeit und Perspektive hat den beiden Spaß gemacht – bei allem Ernst hinter dem Projekt. Jetzt wäre es für sie das Größte, zur 950-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2021 neue Fotos der Stadthalle zu schießen – schönere. Ohne Verfall.

 

 

 

Die Ausstellung ist bis 12. September in der Sparkasse zu sehen.

 

 

 

 

 

SZ 04.09.2014

 

 

 

Stadt hat Fördermittel für die Stadthalle beantragt

 

Die Verwaltung stellt nur einen einzigen Antrag. Der Förderverein will mehr. Warum das nicht geht, erklärt Bürgermeister Wieler.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Fristgerecht zum 31. August hat die Stadt einen Fördermittelantrag für die Sicherung des südlichen Teiles des Stadthallendaches bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) eingereicht. Das teilt Bürgermeister Michael Wieler auf Nachfrage mit. Er rechnet allein für diesen Teil mit Kosten von 180000 Euro. Wie viel Geld die Stadt konkret bei der DSD beantragt hat, lässt er offen. Allerdings spricht er von einer Mischfinanzierung. Die Stadt müsste also auch einen Eigenanteil beisteuern, es könnte Geld aus der Altstadtstiftung genommen werden und der Stadthallen-Förderverein sowie weitere Drittmittelgeber könnten eventuell auch etwas beisteuern.

 

 

 

Fördervereinschef Thomas Leder versteht nicht, warum die Stadt nur diesen einen Antrag gestellt hat. Auch bei der kürzlich begonnenen Sanierung der Strebepfeiler sieht er nicht ein, dass die Stadt 136000 Euro Eigenanteil aufbringt, aber keine Fördermittel nutzt. „Das ist in Görlitz ein Novum“, sagt er. Für 100000 Euro hätte die Stadt doch eine Million Euro Fördermittel bekommen müssen, sagt er – und empfiehlt, zum Beispiel die europäischen Efre-Fördermittel zu beantragen.

 

 

 

Laut Wieler ist das gar nicht möglich: „Bei Efre und fast allen anderen Fördermitteln sagen die Bedingungen, dass am Ende der Arbeiten ein fertiges Haus stehen muss.“ Sogar bei reinen Sicherungsmitteln muss binnen fünf Jahren mit der Komplettsanierung begonnen werden – oder das Geld ist zurückzuzahlen. Bei der Stadthalle aber gebe es keinen Stadtratsbeschluss, der eine Komplettsanierung vorsieht. „Wir als Stadt erarbeiten auch keine Vorlage, wenn wir wissen, dass diese im Stadtrat sowieso nicht konsensfähig ist“, erklärt Wieler.

 

 

 

Selbst wenn es so wäre, bräuchte die Stadt mehrere Millionen Euro Eigenmittel, um die Fördergelder zur Gesamtsanierung beantragen zu können. Eigenmittel in dieser Größe sind aber nicht im Haushalt eingestellt. Mit dem Nachtragshaushalt hatte der Stadtrat erst im Juni eine Investitionsliste beschlossen. Auch auf dieser steht die Stadthalle nicht. „Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Herr Leder das im Juni beantragt hätte“, sagt Wieler. Die DSD gehöre zu den ganz wenigen Fördermittelgebern, die nicht erwarten, dass das Gebäude demnächst wieder genutzt wird. Ihr gehe es um den Erhalt des Denkmals. „Falls Herr Leder weitere Geldgeber kennt, bei denen das so ist, kann er diese gern mitteilen“, so Wieler. Er selbst kenne sonst niemanden.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 10.09.2014

 

 

 

So bunt wird der Denkmaltag

 

Das Programm steht diesmal unter dem Motto „Farbe“. Das lässt viel Spielraum für Abwechslung.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

In der Stadthalle können großer und kleiner Saal im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Im großen Saal erklingt zudem die Orgel. Dazu gibt es im Stadthallengarten ein buntes Jugend- und Familienprogramm.

 

 

 

Das Loensche Gut in Biesnitz wird von jungen Görlitzern nach und nach saniert. Die Pension im Wohnhaus ist längst fertig, im Herrenhaus laufen die Bauarbeiten. Geöffnet ist das Gut am Sonntag, von 11 bis 18 Uhr. Die 130 Jahre alte Pferdestraßenbahn wurde 2002 wiederentdeckt und danach restauriert. Zum Denkmaltag fährt sie, 11.30 bis 16.30 Uhr, jede halbe Stunde vom Demianiplatz ab. Passagiere zahlen zwei Euro. In der Verrätergasse gibt es, wie schon in den Vorjahren, ein Gassenfest mit Kunstausstellung und Kulturprogramm. Es startet schon Freitag, 19 Uhr, geht bis Sonntag und läuft im Rahmenprogramm des Denkmaltages. Neben der Dorfkirche ist auch das ehemalige Pfarrhaus Tauchritz geöffnet – beides von 11 bis 17 Uhr. Darin befindet sich seit diesem Jahr ein kleines Heimatmuseum. Ab 14 Uhr gibt es hier fortlaufend Führungen. Nicht im Programmheft enthalten, aber trotzdem geöffnet ist das Schloss Ober-Neundorf – allerdings nur von 14 bis 18 Uhr. Geplant ist ein buntes kulturelles Programm mit Ausstellungen, Theater und Chorgesang. Das Freisebad an der Dr.-Kahlbaum-Allee war voriges Jahr ein Publikumsmagnet beim Denkmaltag. Deshalb ist es auch dieses Jahr wieder geöffnet. Fotos: Archiv

 

Farbe ist beim Denkmal mehr als nur der Anstrich. Da spielt auch die Helligkeit des Sandsteins eine Rolle oder die Frage, ob Holzbauteile unbehandelt bleiben, gebeizt oder farbig gestaltet werden. Mit all diesen Fragen beschäftigt sich der Tag des offenen Denkmals am Sonntag. Er steht diesmal deutschlandweit unter dem Motto „Farbe“.

 

 

 

In Görlitz lässt das Thema viel Spielraum für Abwechslung. Die reicht vom Freisebad bis hin zum Weinbergturm und vom Kahlbaum-Areal bis zum Kaufhaus am Demianiplatz. In Letzterem ist eine kleine Ausstellung von zwölf Fotografen geplant, ein bunter Bilderbogen, aber nicht speziell zum Thema Kaufhaus. Mit besonders viel Elan geht der Stadthallen-Förderverein den Tag an. Im Stadthallengarten treten die Band Rany aus Dresden und renommierte DJs auf, dazu gibt es Riesenseifenblasen von Mike Nelde, Schminken für Kinder und Erwachsene, einen Hula-Hoop-Workshop, Hüpfburg und vieles mehr.

 

 

 

Das Rahmenprogramm für den Denkmaltag startet schon am Donnerstag. Enthalten sind diverse Führungen, ein Gassenfest und der Tag der offenen Jugendbauhütte am Sonnabend. Höhepunkt hier ist freilich der Handwerkermarkt, der am Sonntag auf dem Untermarkt stattfindet.

 

 

 

Achtung geboten ist bei den Öffnungszeiten. Zwar gilt in aller Regel die Zeit von 10 bis 18 Uhr, aber einzelne Objekte sind kürzer geöffnet. Genaue Infos, auch zum Rahmenprogramm, gibt es im Programmheft, das für einen Euro in der Denkmalbehörde, Untermarkt 20, verkauft wird. Die Erlöse dienen der Finanzierung des Tages.

 

 

 

 

 

Radio Lausitz 10.09.2014:

 

 

 

Schock in Görlitz: Stadthalle einsturzgefährdet - Förderverein tobt

 

 

 

Die Schäden an der Görlitzer Stadthalle sind schwerwiegender als befüchtet.Der Jugendstilbau an der Neiße ist einsturzgefährdet. Das ergab eine aktuelle Untersuchung der vier Stützpfeiler. Die Ergebnisse teilte heute die Stadtverwaltung mit.

 

 

 

Wie sich jetzt herausstellte, sind die 100 Jahre alten Strebepfeiler mittlerweile so angegriffen, dass die Standsicherheit der gesamten Halle in Gefahr ist. Als Konsequenz sperrte die Stadtverwaltung heute die Halle für jegliche öffentliche Nutzung. Damit entfallen auch die geplanten Führungen am kommenden Sonntag zum Tag des öffentlichen Denkmals. Darüber hinaus wurde ein Bauzaun um die Stadthalle errichtet. Rad- und Fußweg unter dem Hauptzugang sind dadurch momentan nicht passierbar.

 

 

 

Die Mitglieder des Fördervereins "Stadthalle Görlitz" sind geschockt. Vereinsvorsitzender Thomas Leder sprach von einem sehr schlimmen Schlag. Der Förderverein will trotzdem nicht alles absagen. Die Veranstaltung am kommenden Sonntag soll in den Stadthallengarten verlegt werden. Leder rief zugleich zum Protest gegen die Stadtverwaltung auf.

 

 

 

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege war für eine kurzfristige Stellungnahme nicht zu erreichen.

 

 

 

Audiobeitrag „Schock in Görlitz: Stadthalle einsturzgefährdet - Förderverein tobt“

 

 

 

 

 

 

 

SZ 11.09.2014

 

 

 

Stadthalle ist akut einsturzgefährdet

 

Seit vorgestern liegen neue Untersuchungsergebnisse vor. Schon gestern hat die Stadt Absperrungen aufgebaut.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Einmal ist die Stadthalle schon eingestürzt. Das war 1908, mitten in der Bauzeit. Jetzt könnte es ein zweites Mal passieren. „Ohne funktionsfähige Strebepfeiler besteht nun wieder, ähnlich der Situation 1908, die Gefahr des Spontanversagens der Tragkonstruktion des Gebäudes“, erklärt Stadtsprecherin Ina Rueth. Weil das jederzeit passieren kann – aber nicht muss – hat die Stadt gestern Nachmittag rund um die Stadthalle Bauzäune aufgestellt. Und zwar in einem Radius, der so groß ist, dass bei einem Einsturz des Gebäudes kein Passant zu Schaden kommt. Zum Glück nicht betroffen sind die Stadtbrücke und der Fußweg an der Brücke. Auch die geplante Öffnung des Gebäudes zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag ist somit hinfällig.

 

 

 

Doch der Reihe nach: Was ist geschehen, dass die Stadt so hastig aktiv wird? Eigentlich sollten jetzt die Arbeiten zur Sanierung der vier Strebepfeiler am Dach beginnen. Die Pfeiler sind extrem wichtig, denn sie geben dem Gebäude Halt. Sie sind Teil der Verstärkung, die nach dem Einsturz der Stadthalle vorgenommen wurde. Damals hatte sich gezeigt, dass die Gesamtstabilität des Gebäudes nach dem ursprünglichen Konzept erhebliche Schwächen hatte. Deshalb wurden verschiedene nachträgliche Verstärkungen überlegt. Die allerdings wurden – warum auch immer – nur teilweise umgesetzt. Unter anderem wurde die Dachkonstruktion so verstärkt, dass sie die erheblichen Windkräfte auf die Saalwände mit aufnehmen konnte. Zur Ableitung dieser Windkräfte aus der Dachebene wurden an den vier Außenecken des Saales außenliegende Stahlkonstruktionen errichtet. Dieses Stahlfachwerk wurde komplett mit den Strebepfeilern ummauert. Dadurch war es nicht mehr zugängig und konnte nicht mehr gewartet werden.

 

 

 

Nun wurde bei stichprobenhaften Untersuchungen an einer Stelle entdeckt, dass das Stahlfachwerk nicht mehr in Ordnung ist. „Mit solchen Schäden sind die statischen Reserven eines Gebäudes aufgebraucht“, hatte Christian Wünsche vom Görlitzer Büro Wünsche + Langer kürzlich erklärt. Zwar halte es noch, aber es dürfe dann kein weiteres Problem hinzukommen. Große Schneelasten würden das Risiko noch erhöhen. „Wir müssen das Fachwerk jetzt überall öffnen und prüfen, ob es in Ordnung ist“, sagte Wünsche kürzlich.

 

 

 

Das ist jetzt an einer Stelle passiert. Das Ergebnis war offenbar fatal. „Nach der Abnahme der Sandsteinverkleidungen und der weiteren Öffnung der Konstruktion zeigte sich, dass die Schäden größer als erwartet sind und die Standsicherheit der gesamten Halle erheblich gefährdet ist“, erklärt Ina Rueth. Die Pfeiler seien über 100 Jahre komplett der Witterung ausgesetzt gewesen. Das habe dazu geführt, dass die stählerne Stützkonstruktion und das Mauerwerk der Pfeiler durch Korrosion und Verschleiß so geschwächt sind, dass sie ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen können. „Die Konstruktion hat ohne eine umfassende Sanierung ihre Nutzungsgrenze erreicht“, erklärt die Sprecherin.

 

 

 

OB Siegfried Deinege hat vorgestern davon erfahren. Gestern hat er die Stadträte im Verwaltungsausschuss informiert, aber auch den Stadthallen-Förderverein, der für den Denkmaltag viel vor hatte. Anneliese Karst vom Förderverein hat daraufhin mitgeteilt, dass der Verein heute im Stadtrat eine Erklärung abgeben will. Tenor: Der Verein fordert eine schnelle Sanierung.

 

 

 

Die Stadt kann noch nicht sagen, wie es weitergeht. „Wir sind selbst noch ganz frisch mit der ernsten Lage konfrontiert“, so Ina Rueth. Die Fachleute, also Wünsche + Langer sowie der Prüfingenieur und das städtische Hochbauamt, seien jetzt gefragt, ein Sanierungskonzept für die Strebepfeiler zu entwickeln. Sowohl Arbeitsablauf und Zeitrahmen als auch die Finanzierung müssen dabei dringend geklärt werden. Wie schnell ein solches Konzept vorliegen wird, lässt sich noch nicht einschätzen. Somit ist auch unklar, ob in diesem Jahr noch gebaut wird. Fakt ist nur, dass die Sanierung weitaus teurer wird als gedacht. Kürzlich war von 119000 Euro die Rede.

 

 

 

Eine ganz schnelle Lösung sucht die Stadt hingegen für das Programm zum Denkmaltag. Der Förderverein wollte auch im Stadthallengarten einiges veranstalten. Zu welchen Teilen der Garten noch genutzt werden kann, ist offen: „Deshalb suchen wir jetzt nach einer Ausweichlösung für das Programm.“Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Sanierungsstopp war goldrichtig

 

über die Situation der Stadthalle

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

Ein paar Monate nach seiner Amtsübernahme hat OB Siegfried Deinege Ende 2012 die geplante Komplettsanierung der Stadthalle gestoppt. Eine wesentliche Begründung damals war, dass das Risiko zu groß wäre, dass die Stadt den Bau nicht wie gefordert bis Mitte 2015 abschließen und auch schon komplett abrechnen kann. In diesem Fall aber hätte die Rückzahlung aller EU-Fördermittel in Höhe von 17 Millionen Euro gedroht. Dann wäre Görlitz pleite gewesen.

 

 

 

Mit den jetzigen Befunden ist klar, dass der damals ohnehin schon viel zu knappe Zeitplan endgültig gescheitert wäre, wenn der wahre Zustand der Strebepfeiler bekannt geworden wäre. An dieser Stelle hätte die Stadt ein echtes Problem gehabt. Insofern war der Sanierungsstopp aus heutiger Perspektive goldrichtig.

 

 

 

Trotzdem hat die Stadt nun ein Riesenproblem: Wie soll es mit der Stadthalle weitergehen? Aus finanzieller Sicht wäre ein Abriss scheinbar die einzig sinnvolle Variante. Dafür aber wird es keine Genehmigung geben, denn die Halle steht unter Denkmalschutz. Also muss sie wohl oder übel erhalten bleiben. Und die Stadt muss dringend dafür sorgen, dass sie eben nicht einstürzt. Eigentum verpflichtet. Das aber wird in diesem Falle richtig teuer. Und momentan ist noch völlig offen, wie viel es wirklich kosten wird und vor allem, wo die Stadt das Geld hernehmen soll und an welchen anderen Stellen sie sparen kann, um die Sanierung der Strebepfeiler anzugehen.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 12.09.2014

 

 

 

„Jetzt stellt sich die grundsätzliche Frage der Stadthalle neu“

 

Schnelle Sanierung oder Abriss: Die Reaktionen auf die Statikprüfung sind gemischt.

 

 

 

Von Ingo Kramer und Sebastian Beutler

 

 

 

Seit vorgestern steht ein Absperrgerüst um die Stadthalle. Der Förderverein wirbt dort bereits für eine Wiedereröffnung. Foto: N. Schmidt

 

Seit vorgestern steht ein Absperrgerüst um die Stadthalle. Der Förderverein wirbt dort bereits für eine Wiedereröffnung. Foto: N. Schmidt

 

 

 

Schnell trommelte gestern der Förderverein Stadthalle einige Mitglieder zusammen. Auch unter ihnen hatte sich die Nachricht von der akut einsturzgefährdeten Stadthalle verbreitet. Den Stadträten, die zufälligerweise gestern Abend tagten, wollten die Vereinsmitglieder mit vereinter Kraft verdeutlichen, dass sie weiterhin für eine Sanierung der Halle eintreten. Sogar einige Schilder hatte die Handvoll Mitglieder vorbereitet. Anneliese Karst durfte deren Meinung in drei Minuten auch vortragen. Frau Karst hatte in den vergangenen Wochen das Programm für den Sonntag vorbereitet, das nun über Nacht erledigt ist. Sie nutzte die Redegelegenheit für einen Appell an die Stadträte: „Wir erwarten und fordern von der Stadtverwaltung und den Stadträten, dass nach zehn Jahren Leerstand und Nichtstun zügig ein Plan entwickelt wird, wie und in welchen Abschnitten die Stadthalle gesichert und schrittweise wieder nutzbar gemacht werden kann.“ Dabei bot der Verein Hilfe an.

 

 

 

Seit die Stadt am Mittwochnachmittag die Ergebnisse der statischen Untersuchung der Eckpfeiler bekannt gemacht hat, bestimmt die Stadthalle die Görlitzer Stadtdebatte. Selten äußerten sich Leser so rege zu einem Thema auf der Görlitzer SZ-Facebook-Seite. Bis aus Berlin trafen Leserbriefe in der Redaktion ein. Doch vor allem in Görlitz wird nun heftig über Für und Wider der Konzerthalle diskutiert.

 

 

 

Entsetzen und Verzweiflung waren seine ersten Reaktionen, gesteht Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums. Und er fügt an: „Jetzt stellt sich die grundsätzliche Frage der Stadthalle neu.“ Egal, ob eine erhebliche Investition aus der Stadtkasse nötig ist oder die Stadt das Gebäude aufgeben muss – beides wäre aus Bauers Sicht eine Katastrophe. Wie die Stadt aus dem Dilemma rauskommt, kann er nicht sagen: „Der einzige Vorteil an der Situation ist vielleicht, dass jetzt wirklich eine Entscheidung getroffen werden muss.“

 

 

 

Das sieht auch Roland Skupin so. Der ehemalige Technische Leiter der Stadthalle und Organisator der Modellbahn-Ausstellung, nennt die Varianten Bau oder Abriss. Vorher sollte seiner Ansicht nach aber erst einmal geprüft werden, ob wirklich alle vier Strebepfeiler so kaputt sind wie der eine, der bisher untersucht wurde. Skupin bedauert, dass an der Halle seit vielen Jahrzehnten nichts Grundlegendes gemacht worden ist: „Ich habe das Gefühl, dass die Sanierung mit allen Mitteln verhindert wird.“ Er würde die Wiedereröffnung gern miterleben, glaubt aber nicht mehr daran.

 

 

 

Weniger erschüttert sind die Macher der Jazztage. „Für uns war die Stadthalle nie eine relevante Spielstätte“, sagt Vereinschef Friedemann Dreßler. Der Große Saal war stets zu groß und zu teuer, der Kleine Saal habe den Charakter eines Festsaales. In seinen Augen gibt es Alternativen für größere Veranstaltungen: Die Brauerei, die neue Basketballhalle in Zgorzelec, das Theater, die Kulturscheune in Tauchritz. Falls sich die Stadt jetzt für eine Sanierung entscheiden sollte, warnt er vor ungedeckten Folgekosten: „Die berechneten städtischen Zuschüsse für eine neue Stadthalle reichen, um jährlich zehn bis 20 Festivals oder 350 Kleinprojekte üppig zu fördern.“

 

 

 

Deutlicher wird Landskron-Chefin Katrin Bartsch: „Ich habe das Gefühl, dass sich niemand traut, eine Abriss-Prüfung auszusprechen.“ Sie ist froh, dass sie das nicht entscheiden muss: „Das ist Sache der Stadträte, eine schwere Entscheidung.“ Sie selber versteht sich als mahnende Stimme. Es sei wichtig, die Stadthalle aus betriebswirtschaftlicher und Machbarkeitssicht zu betrachten: „Und da sehe ich, dass wir die Mittel nicht haben.“ Rein aus Landskron-Perspektive dagegen würde sie die Stadthalle nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Bereicherung: „Wir könnten ja auch dort unser Bier verkaufen.“ Und aus Sicht des Tourismusvereins, den sie ebenfalls leitet, wäre die Halle ein wichtiger Faktor für die Nebensaison. „Allerdings können wir uns den nicht selber leisten“, sagt sie.

 

 

 

Musikschuldirektor Robert Koegler hat die Nachricht von der Einsturzgefahr der Stadthalle nicht schockiert: „Das ist ein altes Gemäuer, da sind Überraschungen absehbar.“ Er mahnt, jetzt den Kosten-Nutzen-Faktor im Auge zu behalten: „Die Vereine brauchen einen Raum, den sie sich auch leisten können.“ Prinzipiell hätte er durchaus Interesse, den kleinen Saal ab und an zu nutzen: „Ein Raum mit 400 Sitzplätzen und Flügel fehlt in Görlitz.“ Das Theater sei oft ausgebucht, die Musikschule weicht dann auf Berufsschulzentrum und Jahnsporthalle aus, aber beides hat eben nicht die perfekte Atmosphäre für Musikveranstaltungen.

 

 

 

Diese Atmosphäre der Stadthalle ist es auch, die die Befürworter einer Sanierung in die Waagschale werfen. Die Halle, so erklärte Frau Karst vor den Stadträten, sei ein „unverzichtbares Denkmal, einer der letzten original erhaltenen Saalbauten dieser Art mit einer weltweit einmaligen Orgel.“

 

 

 

Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Stadthalle erzwingt Richtungswechsel

 

über die neue Lage in der Görlitzer Politik

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Praktisch über Nacht sind alle fruchtlosen Debatten über die Stadthalle beendet. Sie wurden immer unter der Annahme geführt, dass die Stadt die Halle in ihrem jetzigen Zustand konserviert, es also Zeit gebe, sich über die Zukunft der Halle in aller Ruhe klarzuwerden. Das kann nun niemand mehr sagen. Das statische Gutachten hält den Einsturz der Halle unter bestimmten Bedingungen für möglich, das Holzgutachten weist mehr als zwei Handvoll Stellen an der Decke auf, wo der Schwamm wächst. Es mag zwar nicht der Hausschwamm sein – aber Schwamm ist Schwamm. Das nur ausgewählt veröffentlichte Gutachten stellt auch beste Voraussetzungen in der Stadthalle fest, dass sich Hausschwamm doch noch bildet. Es geht also nicht mehr um die Frage, ob an der Stadthalle etwas getan wird, sondern wann die Bauarbeiter anrücken. Ansonsten wird der Denkmalschutz unruhig werden. Die beinah verzweifelte Hoffnung der Stadthallengegner, die Dresdner Denkmalpflege könnte den Abriss der Stadthalle genehmigen, ist weltfremd. Dieselbe Behörde schreibt noch nicht einmal ein altes Ziegelhaus in der Kurve der Hugo-Keller-Straße ab, das dem Neubau eines Parkdecks neben der Jägerkaserne im Wege stand. Warum sollte sie dann die im Denkmalwert weitaus höher stehende Stadthalle abschreiben?

 

 

 

Kurioserweise bringen die neuesten Nachrichten über die Stadthalle nicht die Stadthallenfreunde in die Bredouille, sondern ihre Gegner. Denn nun muss schneller als gedacht mit liebgewordenen Legenden aufgeräumt werden. Zum Beispiel mit der, dass die Stadt kein Geld für die Halle habe. Im städtischen Etat ist genug vorhanden. Dort sind in diesem Jahr mehrere Hunderttausend Euro für Investitionen vorgesehen, die noch gar nicht begonnen wurden oder deren Umsetzung völlig offen ist. Dieses Geld kann die Stadt sofort für die Stadthalle verwenden. Sie müsste es politisch nur wollen.

 

 

 

Eine weitere Legende ist auch, dass OB Deinege mit seiner Entscheidung richtig lag, 2012 die Sanierung der Stadthalle abzublasen. Schließlich sahen die Pläne vor, die statische Konstruktion der Halle deutlich zu verstärken, also genau die Missstände zu beseitigen, die nun beklagt werden. Wenigstens diese Elemente des Sanierungsplanes hätten – sicher modifiziert – umgesetzt werden können. Vielleicht sogar umgesetzt werden müssen. Die größte Legende aber ist, dass es keinen Bedarf für die Stadthalle gebe. Wie ein Angebot Nachfrage schafft, dazu reicht ein Blick nach Löbau. Niemand hatte mit einem solchen Erfolg der Mehrzweckhalle auch nach der Landesgartenschau gerechnet. Stattdessen spielten OB und Stadtrat seit zwei Jahren auf Zeit. Getreu dem Motto: Vielleicht erweist die Stadthalle uns ja einen letzten Dienst und fällt noch freiwillig zusammen. Das tut sie aber (noch) nicht. Die jetzt nötigen Sicherungen an der Halle greifen so gewaltig in den Baukörper ein, dass es sinnvoll wäre, sie mit einer Sanierung zu verknüpfen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es darf auch nicht mehr auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. Stadtrat Thomas Leder (CDU) nannte vor Kurzem das Jahr 2021 für die Eröffnung der sanierten Halle. Dann feiert die Stadt ihre erste Erwähnung vor 950 Jahren. Ein Konzert der Berliner Philharmoniker in der Stadthalle zum Auftakt im Görlitzer Jubiläumsjahr – man darf ja wohl noch träumen.

 

 

 

 

 

Abriss oder Sanierung?

 

Wie es mit der Stadthalle weitergehen soll, wird auch auf der SZ-Seite im sozialen Netzwerk Facebook heftig kommentiert:

 

 

 

Martin Wolf: Wenn die Stadt die Mittel für eine Sanierung und Betreibung nicht aufbringen kann, dann sollte endlich ein Investor gesucht werden. Die Stadthalle hätte schon vor Jahren verkauft werden sollen. Den einen oder anderen Interessenten mit einem guten Konzept gab es bestimmt.

 

 

 

Jens Jäschke: Bin mal gespannt, wann sie die Hirschwinkelturnhalle als „einsturzgefährdet“ einstufen.

 

 

 

Katja Pe: Damit hat sich der Tag des Denkmals für die Stadthalle erledigt. Traurig, dass es soweit kommen musste.

 

 

 

Sissy Bachstein: Ist ja nicht das erste Gebäude, was die Stadt verfallen lässt. Hätten wir nicht so viele engagierte Privatleute, wäre die halbe Altstadt verfallen.

 

 

 

Jörg Hrdlika: Egal, wie leid es einem um die Stadthalle tut: Görlitz wird sie sich nicht leisten können. Wenn schon eine 50-Cent- Preiserhöhung beim Asia-Imbiss für Diskussionen beim Bürger sorgt, würde ein kostendeckender Eintrittspreis für Veranstaltungen erst recht nicht gezahlt. Wir sollten uns am Theater und dem Kaufhaus erfreuen, das sind realistische Projekte.

 

 

 

Diana Lusatia: Jetzt haben sie einen Grund gefunden, um das Gebäude abzureißen.

 

 

 

Felix Zirpel: Die Stadthalle ist genauso ein Wahrzeichen von Görlitz wie da Kaufhaus auf dem Demianiplatz. Es wäre eine Schande, sie einfach dahinrotten zu lassen.

 

 

 

Peter Hoffmann: Reißt dieses Ding endlich ab und setzt eine moderne Mehrzweckhalle hin, die allen Anforderungen entspricht.

 

 

 

Franz Michel: Eine moderne Mehrzweckhalle für die Fachhochschule würde junge Leute nach Görlitz locken und wäre attraktiv für beide Seiten der Neiße.

 

 

 

Silke Schaffer: Ein Jammer. Andere Städte wären froh, so etwas zu besitzen.

 

 

 

Philipp Riedl: Gibt es neben „Kulturbauwerk“ und „Wahrzeichen“ irgendeinen triftigen Grund oder eine Nutzungsidee, die einen Erhalt rechtfertigt?

 

 

 

Maik Herrmann: Die Stadthalle wird dringend gebraucht. Ich würde mir einen oder mehrere Investoren wünschen.

 

 

 

Jens Leopold: Es geht hier um ein Denkmal der Architektur- und Kulturgeschichte. Ein Abriss wäre die schlechteste Lösung. Die Stadthalle sollte durch die Verwaltung notgesichert werden. Nach erfolgter Sanierung könnte sie für Kulturveranstaltungen, für Vereine und als deutsch-polnisches Begegnungszentrum genutzt werden.

 

 

 

 

 

SZ 16.09.2014

 

 

 

Ärger, Vorwürfe, Verdächtigungen

 

Die Debatte um die Stadthalle wird schärfer. Besonnene Stimmen sind in der Unterzahl.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Ein letztes Erinnerungsfoto? Mancher nutzte den „Tag des geschlossenen Denkmals“ an der Stadthalle auch dafür.

 

 

 

Die Nerven liegen blank, auf allen Seiten. Wer in diesen Tagen über die Stadthalle spricht, greift häufig zu drastischen Formulierungen. Anneliese Karst, Sprecherin des Fördervereins Stadthalle, machte am Donnerstag vor dem Stadtrat den Anfang. Verantwortungslos sei es gewesen, die Sanierung hinauszuzögern, warf sie der Stadtverwaltung und dem Stadtrat vor. Die Stadt habe 2013 außer Gerede nichts getan, „obwohl sie zum Erhalt und für die Sicherheit als Eigentümerin des Denkmals rechtlich verpflichtet ist“. Auch hätte das Rathaus trotz aufgeschobener Sanierung mit einem Teil der Fördermittel Schäden an der Halle beseitigen müssen. „Das sei beim Freistaat bestimmt zu erreichen gewesen“, vermutet Frau Karst.

 

 

 

Oberbürgermeister Siegfried Deinege kontert am Tag danach. Es seien „primitive Vorwürfe“ seitens des Fördervereins, kartet er in einem Interview mit Radio Lausitz nach. Als er im Herbst vor zwei Jahren die Sanierung der Stadthalle stoppte, habe er die Stadt vor nicht mehr und nicht weniger als „einer Katastrophe“ bewahrt. Die Planung habe sich im Rückstand befunden, Genehmigungen fehlten – selbst der Bau eines Privathauses wäre so nicht rechtzeitig bis Ende 2015 abzurechnen gewesen. Geschweige denn die Stadthalle. Und dann hätte die Stadt die Fördermittel in Höhe von 17 Millionen Euro zurückzahlen müssen. Der Streit um das Wohl und Wehe der Stadthalle gewinnt mit der Klarheit über die Bauschäden an dem Gebäude nochmals an Schärfe. Das zeigen auch die Äußerungen im Internet. Mike Altmann, bekennender Stadthallengegner, beklagt den „fehlenden Arsch in der Hose der Entscheidungsträger“. Jeder wisse, wie unrealistisch ein Engagement in dieser Angelegenheit ist, aber alle haben Angst vor dem Wähler. „Dabei ist der Wähler nicht doof und schon gar nicht repräsentiert durch einen Förderverein“. Olaf Schmidt, eines der Mitglieder des Vereins, ärgert sich hingegen über die Äußerungen Deineges und stellt dem OB die Frage, warum er den Förderverein dafür beschimpfe, dass dessen Mitglieder an „freien Wochenenden den Stadthallengarten säubern, bis die Finger bluten und der Rücken ächzt oder die freien Wochenenden, Nachmittage und Nächte opfern, damit wieder Leben in die Stadthalle kommt“. Das Bemerkenswerte an beiden Äußerungen: Altmann und Schmidt sind fast ein Alter, gehören den Mittvierzigern an. Bislang hieß es immer, die Front verlaufe zwischen Alt und Jung.

 

 

 

Wie aufgeheizt die Stimmung ist, wird auch an den Mutmaßungen deutlich, die übers Wochenende zum Rücktritt der städtischen Hochbauamtsleiterin Ute Prechel angestellt wurden. Das Rathaus machte diesen Schritt am Freitag öffentlich. Zwar dementierte Deinege einen Zusammenhang mit dem Stadthallen-Problem und versuchte so die anhebende Debatte noch einzufangen. Aber da war sie längst voll am Laufen. Für den freien Journalisten Markus Kremser ist diese Darstellung wenig glaubhaft. Er ist vielmehr der Ansicht, dass es in Görlitz zum dritten Mal seit der Wende so richtig rappelt im Karton! „Nach dem Deponie-Skandal und der Abwahl von Oberbürgermeister Matthias Lechner scheint sich jetzt die Causa Stadthalle zu einer größeren Sache auszuwachsen.“

 

 

 

Dabei hatte der OB in der Sache nach SZ-Informationen hier recht. Die Entscheidung zum Rückzug von Ute Prechel fiel bereits in der Ferienzeit, seitdem stand auch fest, dass sie künftig als Sachbearbeiterin im städtischen Hochbauamt arbeiten wird. In der Baubranche machten entsprechende Nachrichten seitdem die Runde, also lange bevor die Ergebnisse des statischen Gutachtens für die Stadthalle bekannt wurden. Eine Anfrage der SZ wurde seit Anfang September vom Görlitzer Rathaus weder dementiert noch bestätigt. Gleichwohl war seit Monaten bekannt, dass Deinege auf einen Personalwechsel drängte. Dabei war die Stadthalle noch nicht mal ausschlaggebend. Es gab auch Probleme beim Neubau der Turnhalle neben der Jägerkaserne.

 

 

 

Besonnene Worte fallen in der jetzigen Situation besonders auf. So mahnt CDU-Landtagsabgeordneter und Stadtrat Octavian Ursu, „die Emotionen jetzt herunterzufahren und einen klaren Plan für eine schrittweise Sicherung und Sanierung der Stadthalle aufzustellen“. Dazu will er die nun beginnende Haushaltsdiskussion nutzen sowie mit der Landesregierung über Möglichkeiten der Unterstützung reden. Am Sonnabend verbreitete Siegfried Deinege auf Facebook die Nachricht: „Toll, was hier wieder auf die Beine gestellt wurde!“ Der Görlitzer OB meinte das Fokus-Festival. Zum Stadthallenverein und seinem Programm am Sonntag schwieg er.

 

 

 

Kommentar

 

Deinege fehlt Amtsautorität

 

über die Rolle des Görlitzer OBs

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Nach zwei Jahren hat die Stadthalle Oberbürgermeister Siegfried Deinege bereits wieder eingeholt. Statt Zeit gibt es nun Druck. Das mag er nicht, was auch sein gestörtes Verhältnis zum Stadthallenverein begründet. Dabei wird ein Mangel seiner bisherigen Amtszeit besonders deutlich: Es fehlt ihm an Autorität als Oberbürgermeister. Auch mehr als zwei Jahre nach seinem Amtsantritt bezieht er sie ausschließlich aus seiner früheren Tätigkeit als Bombardier-Manager. Das zeigt sich in Kleinigkeiten: im Modellbahnzug auf dem Tisch seines Amtszimmers. Die häufigen Verweise in seinen Reden auf seine Waggonbauer-Zeit. Die soufflierende Hilfe seines Büroleiters beim Leiten des Stadtrates. Beinahe hilflos wirken dann solche Zungenschläge wie „am Tisch des Oberbürgermeisters“ sei das statische Gutachten der Stadthalle ausgewertet worden. Als wenn es auf diesen Tisch ankäme. Als Deinege noch bei Bombardier das Sagen hatte, widersprach nur die Berliner und kanadische Konzernleitung. Als Rathauschef ist das aber ganz anders. Im Widerstreit gegensätzlicher Interessen ist er als Moderator gefragt. Dazu bedarf es aber Autorität. Denn moderieren kann nur, wer von allen Seiten als ehrlicher Makler angesehen wird. Im Stadthallen-Streit ist das im Moment nicht der Görlitzer OB.

 

 

 

SZ 17.09.2014

 

 

 

Denkmalpfleger heute an der Stadthalle

 

Görlitz. Zwei Vertreterinnen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) sind heute in der Stadt Görlitz zu Gast. Zusammen mit Peter Mitsching, dem Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, werden sich Anette Mittring und Hannelore Schmelzer unter anderem auch die Stadthalle anschauen. Allerdings nur von außen, denn auch sie dürfen das Gebäude nicht betreten. Einen Termin mit Journalisten gibt es bei dem Besuch nicht.

 

 

 

Noch Ende August hatte die Stadtverwaltung fristgerecht einen Förderantrag für die Stadthalle bei der DSD gestellt. Es ging darin um die Sicherung des südlichen Teiles des Stadthallendaches. Baubürgermeister Michael Wieler rechnete allein für diesen Teil mit Kosten von 180 000 Euro. Wie viel Geld die Stadt konkret bei der Stiftung beantragt hat, ließ er offen. Nach den vorige Woche bekannt gewordenen statischen Problemen der Stadthalle stellen sich nun jedoch alle Fragen neu. Bevor am Dach gearbeitet werden kann, müssen die Strebepfeiler saniert werden. (ik)

 

 

 

 

 

SZ 18.09.2014

 

 

 

„Es gibt keinen zweiten Ort für diese Orgel“

 

Mit der Stadthalle ist auch die Orgel im großen Saal bedroht. Reinhard Seeliger sagt, wie sehr.

 

 

 

Reinhard Seeliger, Kirchenmusikdirektor, fühlt sich für die Sauer-Orgel verantwortlich.

 

 

 

 

 

Herr Seeliger, seit Kurzem heißt es, die Stadthalle sei einsturzgefährdet. Wie haben Sie auf diese Botschaft reagiert?

 

 

 

Auf der einen Seite war ich schockiert, auf der anderen Seite denke ich, diese akute Bedrohung kann eine Chance für die Stadthalle sein. Die Denkmalpfleger werden ja wohl nicht zulassen, dass sie einstürzt.

 

 

 

Was bedeutet die aktuelle Lage für die Orgel? Muss man sie jetzt ganz schnell abbauen und einlagern?

 

 

 

Ich hoffe nicht! Bei der Sanierung der Orgel 1991 ist ihre sehr empfindliche pneumatische Traktur mühevoll restauriert worden, einer ihrer wichtigsten Bestandteile. Müsste man die ausbauen, würde das sehr aufwendig und teuer werden. Außerdem gibt es die Befürchtung, dass, wenn die Orgel einmal abgebaut ist, kein Grund mehr dafür da ist, die Stadthalle stehen zu lassen.

 

 

 

Welchen Wert hat die Orgel denn?

 

 

 

Einen unschätzbaren. Sie ist die weltweit einzige erhaltene viermanualige Orgel von Wilhelm Sauer, einem der berühmtesten Orgelbauer vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Allein die Restaurierung hat damals eine Million D-Mark gekostet.

 

 

 

Gäbe es denn einen anderen Ort, an dem man sie wieder aufbauen könnte?

 

 

 

Nein. Sie ist für die Stadthalle und deren Akustik konzipiert. Man müsste sehr lange suchen, um ein ähnliches Gebäude zu finden, in dem sie so klingen kann. Und ich glaube nicht, dass es in Deutschland eines gibt. Denken Sie an die Orgel aus der Breslauer Jahrhunderthalle. Einen Teil hat man eingelagert, einen Teil im Dom wieder aufgebaut. Das ist nicht mehr dieselbe Orgel.

 

 

 

Wie sollte man jetzt Ihrer Meinung nach mit der Sauer-Orgel verfahren?

 

 

 

Es gab ja bereits Überlegungen, wie sie bei einer Sanierung der Stadthalle gesichert werden könnte. Ich dachte, man könne sie komplett einhausen, also eine raumhohe Wand davor einziehen, sodass die Orgel geschützt, aber noch spielbar wäre. Jetzt aber, wenn für eine Sanierung das Dach abgenommen werden müsste, geht das nicht mehr. Da die Orgel selbst bis zum Dach reicht, würde sie in dem Fall der Witterung ausgesetzt sein. Dann würde sich ihr Zustand rapide verschlechtern.

 

 

 

Wie ist der Zustand jetzt?

 

 

 

Ich war seit der Schließung etwa alle zwei Monate drin, denn die Orgel mit ihrer empfindlichen Pneumatik muss regelmäßig gespielt werden. Auch um zu prüfen, ob sich Ungeziefer eingenistet hat. Kurz nach der Schließung war ja einmal ein Marder drin, aber die kleinen Lederbälgchen und die Bleirohre haben ihm wohl nicht geschmeckt. Zum Glück ist die Orgel noch immer in tadellosem Zustand.

 

 

 

Gibt es eine Alternative zwischen Einhausen und Komplettausbau?

 

 

 

Mir wäre es am liebsten, wenn man die Orgelpfeifen ausbauen und einlagern, die kompakte Traktur aber stehenlassen und luftdicht in Folie einschweißen würde. Dann könnten der Orgel Feuchtigkeit, Baustaub und Marder nichts anhaben. Ich entscheide das aber nicht, sondern es wird eine Zusammenkunft aller Beteiligten geben: des sächsischen Orgelsachverständigen, der Denkmalpflege, der Statiker, jemandem von der Stadt und mir. Und dann gibt es hoffentlich bald eine Lösung.

 

 

 

Gespräch: Ines Eifler

 

 

 

 

 

SZ 19.09.2014

 

Bürgerverein kritisiert Stimmungsmache

 

Der Verein Bürger für Görlitz wirft dem Stadthallenverein vor, Emotionen anzuheizen.

 

 

 

Von Peter Chemnitz

 

Mit einer harschen Kritik an dem von CDU-Stadtrat Thomas Leder geführten Stadthallen-Förderverein hat sich gestern der Vorstand des Vereins „Bürger für Görlitz“ (BfG) zu Wort gemeldet. Das Auftreten des Stadthallenvereins „war und ist – anscheinend auch weiterhin – äußerst bedenklich“, heißt es in einem von Geschäftsstellenleiterin Anke Hollain verschickten Schreiben. Es würden „mit Emotionen Stimmungen in der Bevölkerung angeheizt, die in keiner Weise zu einer Lösung des Problems beitragen“, kritisierten die „Bürger für Görlitz“.

 

 

 

Aus Sicht der BfG bedeuten die neu entdeckten Schäden an den Stützpfeilern nicht, dass das Problem Stadthalle völlig neu bewertet werden müsse. Es bestehe kein Zweifel, dass das Gebäude gesichert werden müsse, das sei aber nicht gleichbedeutend mit einer Sanierung. Diese und die anschließende Betreibung nach den bekannten Konzepten würden die Finanzkraft der Stadt übersteigen. Darüber habe der OB vor zwei Jahren detailliert berichtet und der Stadtrat hat mit großer Mehrheit zustimmend entschieden.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 20.09.2014

 

 

 

„Es war ein heftiges Jahr“

 

Andrea Sanguineti hat die erste Spielzeit hinter sich. Der Generalmusikdirektor erzählt, wie er sie erlebt hat.

 

 

 

Andrea Sanguineti, Chefdirigent des Theaters, wurde 2013 für Eckehard Stiers Nachfolge ausgewählt. Jetzt ist er hier fast schon zu Hause

 

 

 

 

 

Herr Sanguineti, als Sie vor einem Jahr am Theater begannen, haben Sie gesagt, Sie freuten sich „riesig“ auf Ihre neue Aufgabe. Sind Sie heute immer noch so euphorisch?

 

 

 

Ich bin damals zum ersten Mal Generalmusikdirektor geworden. Vorher, in Würzburg, war ich Stellvertreter und kannte die Aufgaben eines GMD nicht zu 100 Prozent aus eigener Erfahrung. An einem relativ kleinen Haus wie in Görlitz ist der GMD sehr, sehr beschäftigt. Ich sitze ungeheuer viel im Büro, habe viel zu organisieren, zu verwalten, zu kontrollieren. Jeder einzelne Musiker kommt mit seinen Fragen zu mir. Verschiedenste Probleme gilt es zu lösen, viele Regeln zu beachten. Und zwischendrin macht man Musik. Es war ein heftiges Jahr, in dem ich sehr viel lernen musste.

 

 

 

Glauben Sie, dass es in Zukunft weniger heftig wird?

 

 

 

Es wird nicht weniger Arbeit werden, aber mit etwas mehr Methode wird sie leichter zu bewältigen sein.

 

 

 

Wie haben Sie die Spielzeit musikalisch erlebt?

 

 

 

Es war ja eine Übergangsphase, die Philharmonischen Konzerte hatte noch mein Vorgänger Eckehard Stier konzipiert. Die Programme waren sehr schön, aber nicht auf das fokussiert, was mir am Herzen liegt. Die Konzertreihe der neuen Spielzeit habe ich komplett zusammengestellt, auch bei den Musiktheaterstücken mitentschieden.

 

 

 

Was sind diese Dinge, die Ihnen am Herzen liegen?

 

 

 

Ich denke, der Klang unseres Orchesters kann sich verbessern, wenn wir mehr klassisches Repertoire spielen. Das hat in der vergangenen Spielzeit nicht gefehlt, aber es war ein anderes, als ich gewählt hätte. Mir sind alle kommenden Konzerte wichtig, aber besonders das fünfte Konzert „Klassisch“ mit Beethovens vierter Sinfonie, seiner Cariolan-Ouvertüre und dem Klavierkonzert von Martinu. Und auch das sechste Konzert „Liebestod“ mit Werken von Richard Wagner und Richard Strauß mit der Sopranistin Patricia Bänsch wird ein besonderer Höhepunkt sein. Für das Musiktheater würde ich mir eine italienische Oper wünschen. Wir haben zwar mit dem lyrischen Bariton Ji Su Park und der Sopranistin Cristina Piccardi zwei neue Ensemblemitglieder, mit denen eine italienische Oper möglich wäre. Aber so weit, eine einzustudieren, sind wir jetzt noch nicht.

 

 

 

Die Proben für die Konzerte finden unter dem Dach der Obermühle statt. Sind Sie mit diesem Probenraum zufrieden?

 

 

 

Um ehrlich zu sein, es ist nicht optimal. Besonders schwierig ist es im Sommer, da es sehr heiß wird, trotz technischer Hilfen, die Temperatur zu regulieren. Und unter der niedrigen Decke ist keine gute Akustik. Anfang der Woche waren wir für zwei Probentage in der Lausitzhalle in Hoyerswerda, und ich muss sagen, in solch einem Konzertsaal immer zu proben, hätte unser Orchester wirklich verdient. Aber Hoyerswerda ist zu weit. Die Hohenzollernburg in Biesnitz steht nicht mehr zur Debatte. Für einen neuen Probenraum ist kein Geld da, und selbst wenn, stünde es in keinem Verhältnis dazu, welches für einen Raum auszugeben, während die Theatermitarbeiter seit Jahren auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Und so ist die Obermühle die zurzeit einzige mögliche Lösung.

 

 

 

Und nun stürzt auch noch die Stadthalle ein…

 

 

 

Ich muss zugeben, ich weiß gar nicht, ob das vorige Woche eine gute oder schlechte Nachricht war. Es ist schwer zu wetten, was jetzt passieren wird. Wir hatten auch ein paar Pläne mit der Stadthalle, die jetzt nichts werden. Mit Reinhard Seeliger wollten wir ein Konzert mit Orgel und Orchester aufnehmen. Mit der CD hätte man etwas Geld sammeln können. Schade.

 

 

 

Was würden Sie sich für die Stadthalle wünschen?

 

 

 

Sie ist wie eine heiße Kartoffel: Es ist klar, dass ich mir als Musiker und Dirigent natürlich wünsche, dass die Stadthalle als Konzertsaal bald wieder nutzbar wird, egal unter welcher Bedingung. Auf der anderen Seite möchte ich nicht, dass das Musiktheater Schaden nimmt. Wenn die Sanierung der Stadthalle bedeuten würde, dass das Theater nur noch die Hälfte an Mitteln bekommt, dann wird das früher oder später das Ende des Theaters sein. Denn noch mehr sparen können wir nicht.

 

 

 

Wie ist es Ihnen privat in Görlitz ergangen? Pendeln Sie immer noch zwischen hier und Hannover?

 

 

 

Ja, ich wohne in Hannover, unterrichte in Würzburg und bin GMD in Görlitz. Und ich fühle mich wohl hier. Die Architektur ist toll, ich habe eine herrliche Wohnung und auch die Lokale gefallen mir. Neulich habe ich das Vino e Cultura entdeckt, in dem wir mit Kammerkonzerten auftreten. Das Einzige, was mir nicht so gefällt, ist, dass die Küchen der Restaurants so zeitig schließen. Nicht nur ich, auch das Theaterpublikum ist ja oft spätabends unterwegs. Wir könnten den Wirten zu etwas mehr Umsatz verhelfen. Außerdem fehlen in Görlitz Zebrastreifen. Sonst ist alles wunderbar.

 

 

 

Komplett hierher umziehen möchten Sie aber nicht?

 

 

 

Nein, meine Frau ist an der Oper Hannover engagiert, unser Sohn ist gerade ein halbes Jahr alt, und ich möchte nicht, dass die beiden pendeln. Lieber richte ich es mir ein, immer ein paar Tage am Stück bei ihnen zu sein. Ich habe zum Glück einen schnellen Wagen. Das kann alles bleiben, wie es ist.

 

 

 

Gespräch: Ines Eifler

 

 

 

 

 

SZ 25.09.2014

 

 

 

Ex-OB für schnelle Stadthallen-Sicherung

 

„Zur Sache“ dringt auf Baubeschluss im Stadtrat. Die Bürgerfraktion klärt ihre Position.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wenn heute der Görlitzer Stadtrat im Rathaus zu seiner Sitzung zusammenkommt, dann wird auch die Stadthalle wieder angesprochen werden. Die Fraktion „Zur Sache“ von Ex-OB Joachim Paulick wird gar einen Antrag einbringen, der im Oktober behandelt werden muss. Darin soll der OB beauftragt werden, „unverzüglich Maßnahmen einzuleiten“, die die Gefahr des Einsturzes der Stadthalle bannen. Dafür sollen Fördermittel und Gelder aus dem Stadt-Etat verwendet werden.

 

 

 

Auch in der Fragestunde der Stadträte, so kündigten Vertreter von Fraktionen bereits an, solle nach den Plänen gefragt werden, wie es mit der Konzerthalle weitergeht. Zwar hat die Stadt aufgrund eines statischen Gutachtens die Halle gesperrt und weiträumig abgesperrt, doch wie Oberbürgermeister Siegfried Deinege die angekündigte Sicherung des denkmalgeschützten Gebäudes finanzieren will, das ist noch offen. Rechtzeitig vor dieser Sitzung hat sich die Fraktion Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne/Piraten als zweitstärkste Kraft im Stadtrat auf eine gemeinsame Position geeinigt. Fraktionsvorsitzender Rolf Weidle legte nach einer ausführlichen Diskussion am Montagabend in der Fraktion ein Papier vor. Dessen Kernpunkte lauten:

 

 

 

Die Stadthalle muss als Gebäude erhalten werden.

 

 

 

Der Freistaat soll die Sicherung der Stadthalle in Millionenhöhe komplett finanzieren.

 

 

 

Die Wiedereröffnung der Stadthalle mit einem städtischen Betreiberkonzept zum jetzigen Zeitpunkt ist unrealistisch.

 

 

 

Als Alternativen bieten sich die Suche nach einem Investor und Betreiber an sowie die Grundsanierung der Halle in ihrer jetzigen Form. Parallel könnten neue Nutzungskonzepte für die Zukunft entworfen werden.

 

 

 

Die Erklärung der Fraktion ist politisch brisant, weil sie über die Stellungnahme des Vereinsvorstandes der „Bürger für Görlitz“ hinausgeht – die immerhin die größte Gruppe innerhalb der Fraktion stellt. Während die Wählervereinigung ihren Fokus ausschließlich auf die Kernpunkte zwei und drei legte, eröffnet die Fraktion nun auch neue Zukunftsstrategien. Denn immerhin nähert sich die Fraktion damit dem Vorschlag von CDU-Stadtrat und Chef des Fördervereins Stadthalle, Thomas Leder, der die Stadthalle in ihrer heutigen Form bis 2021 sanieren und wiedereröffnen will – pünktlich zur 950-Jahr-Feier der Stadt. Dieser Vorschlag gewinnt auch in Leders eigener Partei langsam an Zustimmung. So erklärte Landtagsabgeordneter und Stadtrat Octavian Ursu jüngst, er sehe in einer schrittweisen Sicherung und Sanierung der Stadthalle den einzigen Ausweg aus der zugespitzten Situation. Mit diesem Ziel führe er auch Gespräche mit Vertretern der amtierenden Landesregierung.

 

 

 

Zugleich verteidigen Rolf Weidle und Stadtrat Wolfgang Kück als Autoren des Stadthallen-Papiers der Bürgerfraktion nochmals den Abbruch des Sanierungsvorhabens vor zwei Jahren. Aufgrund „unkalkulierbarer Rahmenbedingungen musste der Versuch abgebrochen werden“. Seit dieser Entscheidung gebe es keine Klarheit über die künftige Modernisierung, Nutzung und Betreibung der Stadthalle. Zu groß sei die Gefahr, dass der ohnehin zu gering ausgestattete städtische Finanzhaushalt durch die Stadthalle überfordert werde. „Mit monatlichen Zuschusskosten in Höhe von 70- bis 80000 Euro muss gerechnet werden“, schreiben die Autoren im Namen der Fraktion, „abgesehen von den erforderlichen Eigenmitteln in Millionenhöhe für die Modernisierung. Diese Mittel stehen derzeit und auf absehbare Zeit im städtischen Haushalt nicht zur Verfügung.“

 

 

 

Zugleich müssten die Görlitzer Bürger auch sehen, dass sich die Stadt ein Kulturangebot, „inklusive eines öffentlichen Nahverkehrs, leiste, das im Vergleich anderer gleichgroßer Städte in Deutschland weit über dem Durchschnitt liegt.“ Dieses Angebot in der Zukunft zu erhalten, sei nicht selbstverständlich.

 

 

 

Kommentar

 

 

 

Stadtrat heute ab 16.15 Uhr im Rathaus.

 

 

 

 

 

Leserbriefe

 

 

 

Die offene Zukunft der Jugendstil-Stadthalle beschäftigt auch weiterhin die Görlitzer:

 

 

 

Die Stadthalle muss gerettet werden

 

 

 

Die Ereignisse um die Stadthalle lassen die Emotionen der Görlitzer Bürger hochkochen. Die Frage, Abriss ja oder nein, stellt sich nicht. Sogar kleinere Städte in Deutschland stehen zu ihrer Stadthalle und zu ihrer Verantwortung für historische Kulturgüter. Auch unsere Stadthalle muss gerettet werden.

 

 

 

Die Stadt ist zur Erhaltung ihres Eigentums, wie jeder private Eigentümer auch, verpflichtet. Hier handelt es sich um ein hochkarätiges Einzeldenkmal, das unbedingt für nachfolgende Generationen zu bewahren ist. Die Stadt Görlitz mit ihren Ambitionen auf den Welterbetitel und eine einsturzgefährdete Stadthalle, wie passt das zusammen?

 

 

 

Der Umgang der Verantwortlichen mit unserer schlesischen Musikhalle erinnert an vergangene Zeiten. Bis 1989 gammelten die meisten Denkmale genauso vor sich hin. Wir als Vertreter des Vereins Stadtforum Görlitz fordern sofortige Schritte zur Sicherung der Stadthalle, insbesondere unverzügliche statische Maßnahmen vor Wintereinbruch zu ergreifen. Vorhaben, bei denen zweckentfremdet die Eigenmittel für die Sanierung der Stadthalle verwendet werden sollen, müssen sofort zurückgestellt werden.

 

 

 

Andreas Vogel, Markus Henkel und

 

Joachim Kepstein, Stadtforum Görlitz

 

 

 

 

 

Die Bevölkerung müsste auf die Barrikaden gehen

 

 

 

Ich unterstütze die Forderung des Förderverein zur Erhaltung der Stadthalle Görlitz uneingeschränkt. Ich bin Jahrgang 1947 und kenne die Stadthalle seit meiner Jugend. Die Stadt Görlitz als Eigentümer und damit die Rathausspitze hat die Pflicht, die Stadthalle als Kulturstätte zu erhalten: Eigentum verpflichtet!

 

 

 

Görlitz wollte Kulturhauptstadt werden und gibt sich als Europastadt aus. Das passt absolut nicht mit der schon seit längerem zu beobachtenen Verfahrensweise bezüglich der Halle zusammen. Wollen diese Verantwortlichen etwa, dass sich das Problem mit dem Einsturz der Halle von selbst löst? Warum wurden die einst vorhandenen Fördermittel nicht eingesetzt? Bekennen sich der Stadtrat und der Bürgermeister zum Erhalt der Stadthalle? Die Bevölkerung der Stadt und der Umgebung müsste eigentlich auf die Barrikaden gehen, um die Stadthalle zu erhalten.

 

 

 

Arno Kunath, per E-Mail

 

 

 

 

 

Stadtrat soll schnelle Reparatur durchsetzen

 

 

 

Jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals gehe ich gerne in die Stadt, um mir Häuser anzusehen, die restauriert werden. Dieses Jahr habe ich mich besonders für die Stadthalle interessiert. Die Enttäuschung war sehr groß, als ich erfuhr, wegen Einsturzgefahr nicht möglich. Da kam meine Wut gegen den Oberbürgermeister und die Stadträte der letzten Jahre hoch. Seit zehn Jahren ist die Stadthalle geschlossen und kein OB hat es geschafft, sie wieder in Betrieb zu nehmen.

 

 

 

Die Blamage wird noch größer, wenn man an 1908 erinnert. Kurz vor der Eröffnung der Konzerthalle stürzt diese ein. Zwei Jahre später wird sie wieder aufgebaut und hält 100 Jahre. Die schnelle Reparatur sollten sich Oberbürgermeister und Stadträte zur Aufgabe machen.

 

 

 

Edgar Sandner, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Zum Beitrag: „Bürgerverein kritisiert Stimmungsmache“, SZ vom 19. September:

 

 

 

Kostendeckende Betreibung mit polnischer Unterstützung

 

 

 

Der Verein „Bürger für Görlitz“ behauptet, dass die Betreibung der Stadthalle nach den „bekannten Konzepten“ die Finanzkraft der Stadt übersteigen würde. Diese Behauptung ist nicht nachvollziehbar. Zum einen sind Konzepte über die Nutzung der Stadthalle in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Zum anderen ist es nötig, in der Europastadt eine gemeinsame Nutzung der beiden Stadt-Teile in Betracht zu ziehen. Alteingesessene Görlitzer schwärmen noch heute von den großen Veranstaltungen in der Stadthalle, und die traditionsbewussten Polen würden ihre Feste mit großer Wahrscheinlichkeit gern in einem so stilvollen Ambiente feiern.

 

 

 

Ein zeitgemäßes gemeinsames Konzept beider Städte könnte eine kostendeckende Betreibung ermöglichen und dazu das Zusammenwachsen fördern. Für ein solches binationales Projekt würden zur Sanierung des Gebäudes europäische und Landesfördermittel zur Verfügung gestellt werden.

 

 

 

Völlig unverständlich ist die Äußerung des Bürgervereins, dass das Auftreten des Stadthallenvereins „äußerst bedenklich“ sei. Für Theater, Kaufhaus, Synagoge und Stadthalle bestehen Fördervereine, deren Mitglieder mit viel Engagement in ehrenamtlicher Tätigkeit Großes für die Stadt leisten. Sie sind wahre Bürger für Görlitz.

 

 

 

Dieter von Kopp, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

Stadthalle hält Stadtrat auf Trab

 

über neue Bewegungen in der Debatte

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Es kommt Bewegung in die Stadthallen-Debatte. Das war auch gar nicht anders möglich. Und sie zielt in eine Richtung, wie auch jetzt der Antrag der Wählervereinigung „Zur Sache“ zeigt: Die schnelle Sicherung der Halle, damit nicht weitere Schäden an dem Gebäude auftreten oder sie gar einstürzt. Viele plädieren darüber hinaus dafür, die Sicherung mit einer schrittweisen Sanierung der Halle zu verbinden. Zuerst hatte CDU-Stadtrat Thomas Leder das vorgeschlagen, dann bekam er Unterstützung von seinem Parteifreund Octavian Ursu, und nun scheint sich auch die Fraktion Bürger für Görlitz/Bündnisgüne/Piraten mit diesem Gedanken anfreunden zu können. Noch steht auch bei ihr die Sicherung im Vordergrund. Ihre Forderung nach voller Kostenübernahme durch den Freistaat soll den Druck der Bürger vom Görlitzer Rathaus nach Dresden weiterleiten. Das ist legitim, aber es dürfte Wunschdenken bleiben. Wenn der Freistaat die Sicherung mit 80 oder 90 Prozent fördert, kann die Stadt froh sein. Doch davor müsste sich, nach allem was Dresden zu diesem Thema bislang gesagt hat, die Stadt zu einer anschließenden Sanierung bekennen. Bislang gab es dafür keine politische Mehrheit im Rat. Doch könnte sich das ändern: Anders als die Wählervereinigung will die Bürgerfraktion diese Möglichkeit nicht ausschließen. Damit eröffnet sich die Aussicht auf eine Mehrheit im Stadtrat für eine Sanierung der Halle, wenn Leder und Ursu auch ihre CDU-Fraktion davon überzeugen können. Das ist mehr als in der kurzen Zeit erhofft werden konnte. Doch Vorsicht: Noch sind viele Fragen offen. Anders als nach dem Sanierungsabbruch 2012 muss die Görlitzer Politik jetzt an der Stadthalle dranbleiben.

 

 

 

 

 

SZ 29.09.2014

 

 

 

Stadträte beraten über Stadthallen-Sicherung

 

Görlitz. An diesem Mittwoch sollen den Stadträten im Technischen Ausschuss die einzelnen Sicherungsarbeiten an der Stadthalle vorgestellt werden. Das kündigte Oberbürgermeister Siegfried Deinege an. Vor allem geht es um die Sanierung der vier Strebepfeiler, damit die Standfestigkeit des Gebäudes erhöht wird, sowie der Dächer, damit keine weitere Nässe in die Konzerthalle eindringt. Das Görlitzer Planungsbüro Wünsche + Langer war von der Stadt beauftragt worden, entsprechende Pläne auf ihre Kosten und zeitlichen Abläufe zu prüfen. Für die Dächersanierung hat die Stadt einen Fördermittelantrag in unbekannter Höhe bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestellt. Ob das Aufstellen eines Abstützgerüstes in der Halle nötig ist, wird gegenwärtig ebenfalls geprüft.

 

 

 

Zugleich laufen nach Angaben von Deinege derzeit Gespräche mit der Landesregierung über eine mögliche Sanierung des Hauses. „Sicherung und Sanierung sind zwei unterschiedliche Dinge“, sagte der OB vor dem Stadtrat, „die aber teilweise ineinander übergehen.“ (SZ/sb)

 

 

 

 

 

SZ 16.10.2014

 

 

 

Stadt sichert Stadthalle für eine halbe Million

 

Rat soll heute dafür den Weg freimachen. Die Vollsperrung der Halle könnte Mitte nächsten Jahres Geschichte sein.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Als Ministerpräsident Stanislaw Tillich Anfang August auf den Görlitzer Oberbürgermeister traf, da rief er Siegfried Deinege wegen der Stadthalle fröhlich zu: „Da müssen wir noch was machen“. Die Anwesenden lachten herzlich. Manchem ist das Lachen seitdem vergangen. Seit die Ergebnisse der statischen Untersuchungen vorliegen und die Standsicherheit der Halle nicht mehr gegeben ist, lautet die Frage nicht mehr, ob an der Stadthalle gebaut wird, sondern wann.

 

 

 

Darauf reagiert nun die Stadt. Der Görlitzer Stadtrat soll heute den Weg freimachen für die Sanierung der Strebepfeiler. Zusammen mit zwei Seitendächern über den früheren Garderoben werden die Kosten für diese Arbeiten auf rund 555000 Euro geschätzt. Zur Erinnerung: Der Technische Ausschuss war im April noch davon ausgegangen, dass die Instandsetzung der vier Pfeiler 92000 Euro kostet. Zwar hinkt der Vergleich, weil nun die Dächer dazukommen und auch die Schäden an den Pfeilern gravierender ausgefallen sind als zunächst vermutet. Aber es zeigt doch, wie sehr sich die Stadt bei der Sicherung der Stadthalle bis heute verschätzt hat.

 

 

 

Ob das nötig gewesen wäre, wird immer fraglicher. Nach der Vorlage des Stadtrates gab es zumindest für einen Pfeiler bereits 2011 Hinweise auf dessen schlechten Zustand. Die Linksfraktion hatte davon gehört und im Herbst 2012 einen Brief an den Oberbürgermeister Deinege geschickt. Der hatte damals die Sanierung der Stadthalle gerade abgebrochen. Schon in diesem Schreiben hatte die Linke auf die schweren Konstruktionsschäden hingewiesen – allerdings in den nächsten zwei Jahren auch keinen Druck auf die Stadt ausgeübt, diesen Schäden schnell nachzugehen.

 

 

 

Erst durch eine Aufstellung der vermutlichen Probleme im November 2013, die dem Stadthallenausschuss im Januar 2014 vorgelegt wurde, kamen die Erkenntnisse über den Bauzustand der Stadthalle zum Vorschein, die das Architektur- und Ingenieurbüro Wünsche + Langer bei der Vorbereitung der Sanierung in den Jahren 2011 und 2012 gewonnen hatte. Da es sich dabei um erste, provisorische Untersuchungen handelte, musste im Grunde davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Situation nochmals schlechter war.

 

 

 

Trotzdem dauerte es noch weitere Monate bis Ende April dieses Jahres, ehe der Technische Ausschuss die Sanierung der Strebepfeiler guthieß. Schon damals aber, vor allem aber in der Mai-Sitzung des Ausschusses gab es Diskussionen darüber, ob das Hochbauamt beim Bauzustand der Stadthalle nicht dramatisiert. Vor allem der Architekt Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz) trat in dieser Richtung auf und forderte doch noch im Mai vom Hochbauamt, dass es den Stadträten die Standsicherheit der Stadthalle bestätigen sollte. Doch war der Ausschuss damals auch nicht bereit, weitere Sicherungsarbeiten zu beschließen. Vier Monate später sperrte die Stadt die Konzerthalle für Jedermann ab.

 

 

 

In einem Papier über den Zustand der Stadthalle schreibt nun Ende September das Görlitzer Architekturbüro Wünsche + Langer, dass „der Verschleiß der Stahlkonstruktion augenscheinlich so weit vorangeschritten“ ist, dass von „einer stark verminderten Funktionsfähigkeit ausgegangen werden muss“. Das Metall sei so weit verrostet, dass nicht mehr die stählernen Strebepfeiler die Lasten der Halle tragen, sondern lediglich das Mauerwerk rund um die Pfeiler. „Damit ist die Standsicherheit der gesamten Halle gefährdet. Ohne funktionsfähige Pfeilerkonstruktion besteht wieder annähernd der Zustand, der 1908 zu dem Einsturz geführt hatte“, schreiben die Görlitzer Architekten. Um das zu ändern, sollen die vier Pfeiler nun mit einem Stahlbetonmantel saniert werden. Um diese Arbeiten ausführen zu können, müssen alle Pfeiler durch eine Stahlkonstruktion abgestützt werden. Anschließend werden die Seitendächer so saniert, dass sie die Standsicherheit der langen Wände der Stadthalle deutlich erhöhen. Während die Stahlstützen für die Pfeiler noch in diesem Jahr errichtet werden können, werden sich die Gesamtarbeiten bis Mitte nächsten Jahres hinziehen. Dann dürfte zumindest der Kleine Saal wieder zu nutzen, aber auch gegen Führungen im Großen Saal nichts einzuwenden sein. Und die Orgel dürfte dann auch wieder gepflegt werden.

 

 

 

Finanziert werden die Kosten durch eigene Mittel der Stadt sowie Stadtumbaugelder des Landes, die ursprünglich für das so nicht mehr vorgesehene Parkhaus an der Jägerkaserne gedacht waren.

 

 

 

 

 

SZ 30.10.2014

 

 

 

„Die Stadthalle wird schwarze Zahlen schreiben“

 

Hans-Peter Bauer glaubt, dass sich ein gutes Konzept finden lässt. Aus dem Theater kommt hingegen eine ganz neue Idee.

 

 

 

Von Ines Eifler

 

Hans-Peter Bauer wünscht sich, dass die Stadthalle wieder Konzertsaal wird. Und Hauptsitz der Neuen Lausitzer Philharmonie.

 

 

 

Kein Konzept für die Stadthalle? Lauter Ideen, die sich nicht vereinbaren lassen? Angst, die Stadthalle würde anderen etwas wegnehmen? Hans-Peter Bauer kann nicht begreifen, warum seit Jahren eine riesige Diskussion geführt wird, deren Fäden einfach nicht zusammenfinden. Er meint, die Stadt Görlitz solle viel mutiger sein und die Stadthalle wieder als größten Konzertsaal der Region etablieren und vermieten. „Warum nehmen wir nicht einfach einen Kredit auf?“, fragt er. „50 Millionen, Geld ist gerade billig.“ Davon könne das Gebäude komplett saniert werden. Das im genauen Detail passende Konzept würde sich später finden. „Die Stadthalle wird schwarze Zahlen schreiben“, da ist er sich sicher.

 

 

 

Das sagt Hans-Peter Bauer nicht nur, weil er seine „ganze Jugend in der Stadthalle verbracht“ hat und die Konzertakustik im Saal mit der einmaligen Sauer-Orgel vermisst. Er hat auch ein bisschen Ahnung vom Kulturbetrieb. Denn er ist gelernter Betriebswirt und war 1992 einmal kurz Verwaltungsdirektor des Theaters. Das ist zwar lange her, aber er hat sich auch in der Gegenwart umgehört. War in Wien, wo ihn faszinierte, wie gut die „Vereinten Bühnen“, drei Theater mit Orchestern, kooperieren. Er nennt Cottbus, wo Theater und Stadthalle gut nebeneinander existieren. Und er war in Weinheim an der Ruhr, wo die Kommune ihre Stadthalle mit nur zwei Leuten betreibt und temporär vermietet. An Konzert-, Messe-, Kongress- und andere Veranstalter. „Warum sollte so etwas in Görlitz nicht auch funktionieren?“ Die Stadt selbst oder eine ihrer Tochtergesellschaften kann er sich allerdings nicht als Betreiber vorstellen. Wer sonst dafür infrage käme, das müsse man gründlich überlegen. Am wichtigsten ist Hans-Peter Bauer, dass die Stadthalle Heimstätte der Neuen Lausitzer Philharmonie wird. „Die Probenräume in der Obermühle sind kein Zustand“, sagt er. Die Konzerte im Theater auch nicht. Ganze 14-mal, darunter Doppelvorstellungen, habe das Orchester 2013 das Weihnachtskonzert in Görlitz spielen müssen. Dazu noch im Umland. Das sei hochstrapaziös für die Künstler und zudem Verschwendung. Drei oder vier solcher Konzerte könne man durch nur eines in der Stadthalle ersetzen.

 

 

 

Der Görlitzer Theaterintendant Klaus Arauner stimmt mit Bauer darin überein, dass die Stadthalle optimale Rahmenbedingungen für das Orchester bieten würde, sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich. Sie wäre auch keine Konkurrenz zur Spielstätte Theater, sondern könne deren Möglichkeiten erweitern. Gerade die Weihnachtskonzerte aber brauchten die intime Atmosphäre des Theatersaals. Arauner schätzt, dass in der Stadthalle höchstens 15 Konzerttermine der Philharmonie pro Jahr stattfinden könnten. „Das wäre zwar ein Beitrag zur Auslastung, könnte aber keinesfalls tragendes Rückgrat eines Betriebskonzepts sein.“ Generell kann sich Arauner ein mit den Strukturen des Theaters verknüpftes Betriebsmodell der Halle genau wie beim Via Thea durchaus vorstellen. Aber das erfordere „umfängliche zusätzliche Kapazitäten“. Genau könne man nur kalkulieren, wenn ein Betriebskonzept vorliege. Auch würden die Spielräume der Haushalte von Stadt und Landkreis nicht größer. Und falls doch, gehe er davon aus, dass sie dazu genutzt würden, den Verzicht des Theaterpersonals auf 15 Prozent ihres Gehalts abzumildern. Als Idee für die Nutzung der Stadthalle schlägt Klaus Arauner vor, den im neuen sächsischen Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vorgeschlagenen internationalen Fernsehsender „Arte-Ost“ in der Stadthalle unterzubringen.

 

 

 

„Ein Fernsehsender?“, sagt Hans-Peter Bauer dazu. „Aber doch nicht in der Stadthalle!“

 

 

 

 

 

SZ 15.11.2014

 

 

 

Stadthalle rückt wieder ins Licht

 

Mit der einen Million Euro vom Bund soll das Gebäude gesichert werden. Ein Nutzungskonzept aber fehlt noch immer.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Einsam und abgesperrt steht die Stadthalle dieser Tage im Abendlicht. Damit sich das ändert, stellt der Bund eine Million Euro zur Verfügung. Foto: Nikolai Schmidt

 

Einsam und abgesperrt steht die Stadthalle dieser Tage im Abendlicht. Damit sich das ändert, stellt der Bund eine Million Euro zur Verfügung. Foto: Nikolai Schmidt

 

© nikolaischmidt.de

 

 

 

Wie ein Lauffeuer macht die Nachricht die Runde: Der Bund stellt aus Investitionsmitteln für die inländische Kulturförderung eine Million Euro für die Görlitzer Stadthalle bereit. Eingesetzt werden kann sie sowohl für die Sicherung als auch für die Sanierung des Gebäudes. „Das Geld steht für 2015 zur Verfügung, kann bei Bedarf aber auch auf 2016 übertragen werden“, bestätigt der Görlitzer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer.

 

 

 

OB Siegfried Deinege erklärt, von der Entscheidung nicht überrascht gewesen zu sein, denn er habe in den zurückliegenden Wochen und Monaten intensive Gespräche auf Bundes- und Landesebene zu den notwendigen Maßnahmen für die Erhaltung der Stadthalle geführt. „Die jetzige Entscheidung des Bundes ist das Ergebnis von beständiger und besonnener Arbeit“, so Deinege. Nach seiner Auskunft hat Kretschmer maßgeblichen Anteil daran, dass das Geld fließt: „Mit ihm hatte ich viele Gespräche, und bei ihm bedanke ich mich.“ Als Erster bekannt gegeben hatte die Nachricht hingegen vorgestern der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk.

 

 

 

Laut Deinege kostet allein die Sicherung der Halle 2,5 bis drei Millionen Euro: „Dafür wollen wir das Geld jetzt nutzen.“ Der erste Schritt sei die statische, der zweite die denkmalgerechte Sicherung. Dass die Million vom Bund nur der Anfang sein wird, daraus machen weder Kretschmer und Deinege noch der CDU-Landtagsabgeordnete Octavian Ursu einen Hehl. „Ich hoffe, dass ein ähnlicher Anteil vom Land so schnell wie möglich zustande kommt“, erklärt Ursu. Der Stadtrat hatte kürzlich Sicherungsarbeiten für 555 000 Euro beschlossen, darunter 240 000 Euro städtische Eigenmittel. Ob die Stadt dieses Geld nun tatsächlich aus eigener Tasche aufbringen muss, ist noch offen. Deinege erklärt, er müsse sich jetzt die Spielregeln der Bundesmittel ansehen, um zu erfahren, ob die Stadt Eigenmittel sparen kann. Ziel sollte es natürlich sein, so wenig wie möglich städtisches Geld einsetzen zu müssen.

 

 

 

Für Thomas Leder, Chef des Stadthallen-Fördervereins, ist die Nachricht „so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk vor dem Advent“. Er sieht darin auch den Beweis, dass es etwas bringt, wenn der Förderverein immer wieder Gespräche sucht. „Mit diesem Geld bekommt man jetzt zumindest die Dächer dicht und die Eingangsbrücke stabil“, sagt Leder. Im nächsten Schritt könnte dann vielleicht im Großen Saal die Kellerdecke stabilisiert werden.

 

 

 

Ungefähr in dieser Reihenfolge wird es wohl tatsächlich laufen, bestätigt Baubürgermeister Michael Wieler. „Wir wollen die Stadthalle nachhaltig sichern und nicht nur provisorisch“, erklärt er. Allerdings wolle die Stadt Maßnahmen ausweichen, die Vorentscheidungen für Sanierungen sind: „Dafür gibt es noch viel Diskussionsbedarf.“ Die Stadträte seien noch sehr unsicher, wohin es mit der Halle gehen kann, gerade in der Frage der Betreibung.

 

 

 

Das bestätigen die Chefs der drei großen Fraktionen im Rat. „Ich möchte erst einmal genau überlegen, wie das Konzept für die Sanierung lauten soll“, sagt Dieter Gleisberg (CDU). Eine schrittweise Sanierung wie bei der ehemaligen Synagoge sei für ihn gut vorstellbar. Den Fördermittelgebern sei klar, dass eine Million nicht reichen wird, aber sie erwarten ein Konzept. „Ich habe noch keins“, gesteht Gleisberg.

 

 

 

Rolf Weidle, Fraktionschef von Bürgern für Görlitz/Bündnisgrünen/Piraten, ist in dieser Frage auch noch nicht weiter. Vielleicht sei eine Stiftung der beste Weg. „Wir brauchen auf jeden Fall schnell ein mit Zahlen untersetztes Betreiberkonzept, da kann sich auch der Förderverein Gedanken machen“, sagt er. Thorsten Ahrens, Fraktionschef der Linken, sieht nicht den Verein in der Pflicht: „Der OB muss jetzt endlich Ideen und Nutzungsprofile entwickeln.“ Da wolle seine Fraktion gern mithelfen, „aber der OB muss das Thema überhaupt erst einmal ansprechen“. Gut wäre es aus seiner Sicht, sich neuen Nutzungsideen nicht zu verschließen, beispielsweise einem großen Raum für Kunstausstellungen, für die in anderen Städten der Platz fehlt.

 

 

 

Deinege weist die Forderung von Ahrens zurück: „Wir machen jetzt erst einmal die Sicherung, und dann werden wir sehen, wie es weitergeht.“ Alles gleichzeitig sei nicht zu schaffen. Die Sicherung werde mindestens bis Ende 2015 dauern, vermutlich sogar bis 2016. Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Betreiber dringend gesucht

 

über die Zukunft der Görlitzer Stadthalle

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

Eine Million Euro vom Bund also. Und vermutlich demnächst eine ähnliche Summe vom Freistaat. Und irgendwann wieder was aus Berlin und dann wieder was aus Dresden. Mit ein bisschen Glück zwischendurch vielleicht auch mal was aus Brüssel. Bei der Sanierung der ehemaligen Synagoge jedenfalls funktioniert dieses Spiel sehr gut. Nach und nach wird das schlummernde Juwel an der Otto-Müller-Straße zu einem strahlenden.

 

 

 

So ähnlich könnte es mit der Stadthalle auch laufen. OB Deinege und die Görlitzer Abgeordneten in Berlin und Dresden sind sich in dieser Frage jedenfalls einig, und das ist schon mal die halbe Miete. Allerdings gibt es bei der Stadthalle zwei Probleme: Für die Zeit nach der Sanierung gibt es weder ein Nutzungskonzept noch einen Betreiber. Einfach nur drauflos bauen und dann mal schauen, das wird nicht funktionieren. Alle bisherigen Schätzungen gehen davon aus, dass die Stadt jährlich zwischen einer halben und einer ganzen Million Euro Zuschuss leisten muss, damit die Halle betrieben werden kann. Dieses Geld müsste sie woanders einsparen – vielleicht beim Theater, vielleicht bei der Jugend. Bisher jedenfalls kann niemand mit Zahlen unterlegen, dass der Betrieb eines einzigen Hauses nicht den Rest der Stadt ruiniert. Diese Frage muss schnell geklärt werden.

 

 

 

 

 

SZ 24.11.2014

 

 

 

Rückenwind für die Stadthallen-Anhänger

 

Zusätzliche Millionen, der Rat der Landesdenkmalchefin: Berlin und Dresden schauen, was die Stadt mit der Halle macht. Und in Görlitz gibt es bald eine Bürgerstiftung dafür.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Kaum war die Nachricht von der einen Million des Bundes für die Sicherung der Stadthalle bis nach Görlitz gedrungen, da brachen sich die Klagen schon wieder bahn. Der Kreisvorsitzende der Linkspartei, Mirko Schultze, rechnete vor, dass „die eine Million und die 0,5 Millionen Euro aus dem Stadthaushalt bei Weitem nicht ausreichen“ für eine Sanierung der Stadthalle. Dass die Million dafür gar nicht gedacht ist, war für den Landtagsabgeordneten nicht so wichtig. Auch nicht, dass der Freistaat aus der einen Million zwei Millionen Euro machen wird. Grünen-Stadtrat Joachim Schulze riss deswegen auch der Geduldsfaden und teilte im sozialen Netzwerk mit: „Vermutlich ist Görlitz die einzige Stadt auf der Welt, in der es Leute gibt, die sich über ein ,Eine-Million-Euro-Geschenk‘ aufregen.“

 

 

 

Der grüne Stadtrat galt beim letzten Anlauf als ein Verfechter des Ausbaus der Stadthalle. Er hatte damals bereits eine Kultur- und Wissenschaftsmeile zusammen mit dem Hochschulcampus am Neißeufer vor Augen. Die Fraktion allerdings aus Bürger für Görlitz, Bündnisgrünen und Piraten, der Schulze angehört, ist nicht ganz unschuldig an der momentanen Situation. Unterstützte die Fraktion erst zähneknirschend die Sanierung, so hat sie sich zunehmend davon distanziert. Zuletzt verlangten Fraktionschef Rolf Weidle und Stadtrat Wolfgang Kück vom Freistaat und dem Bund, die Sicherung der Stadthalle finanziell zu 100 Prozent zu übernehmen und vermittelten den Eindruck, als wenn Bund und Land Schuld am Verfall eines städtischen Gebäudes hätten.

 

 

 

Immerhin ist sich der Stadtrat – mit Ausnahme der Linkspartei – einig, dass die Stadthalle gesichert werden muss. Doch damit endet im Moment auch die Einigkeit. Vor allem die Frage, ob die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier der Stadt saniert werden soll, wie es der Förderverein Stadthalle anstrebt, ist umstritten. Das hängt auch damit zusammen, dass zwangsläufig die Nutzung der Halle offen ist. In diese offene Flanke stoßen die Linkspartei und ihre Anhänger genüsslich hinein. Obwohl es kein Nutzungskonzept gibt, wissen sie schon, dass der Bau 20 bis 38 Millionen Euro kostet und welche jährlichen Betriebskosten die Stadt sich mit der Stadthalle auflasten würde. Deswegen malen sie unablässig umfangreiche Streichungen beim Theater und bei den Jugendausgaben an die Wand. Selbst städtische Angestellte äußern sich so auf Internetseiten der Bürger für Görlitz. CDU-Stadtchef Octavian Ursu hält das für gefährlich: „Wir sollten keine Einrichtung in der Stadt gegen die andere ausspielen“, sagt er. Und sein Parteifreund Thomas Leder, der dem Förderverein Stadthalle vorsteht, wundert sich, warum diese Rechnungen immer nur bei der Stadthalle angestellt werden.

 

 

 

Tatsächlich hat der Stadtrat allein in diesem Jahr dauerhafte jährliche Mehrausgaben von rund 200 000 Euro beschlossen. Für das Projekt Bürgerbeteiligung, für die familiengerechte Kommune und bald dafür, um die Kürzungen im Kulturraum für das Theater auszugleichen. Nicht einmal fragten dabei Stadträte: „Müssen wir jetzt bei der Sport- oder Jugendförderung kürzen?“ Weitere Mehrausgaben zeichnen sich ab: Der Betrieb des geplanten Jugendzentrums, der einmal auf jährliche Kosten von 250 000 Euro geschätzt wurde, wird nicht ohne städtischen Anteil ausbleiben. Und mit dem neuen Postplatz sind höhere Pflegekosten in einem hohen fünfstelligen Euro-Betrag verbunden. Auch hier wurden andere Ausgaben, beispielsweise fürs Theater oder die Jugend, nie infrage gestellt.

 

 

 

Am Wochenende nun hat Sachsens oberste Denkmalschützerin Rosemarie Pohlack in der SZ vehement den Stadthallen-Befürwortern den Rücken gestärkt. „Die Stadthalle ist der Raum, in dem die Bürger der Stadt feiern können. Hier drückt sich das Selbstbewusstsein der Stadtgesellschaft aus, und hier speist es sich immer neu“, erklärte sie darin. Sie ließ keine Zweifel daran, wie die Halle künftig genutzt werden könnte: „Genauso wie sie immer genutzt wurde.“ Für Leder und seinen Förderverein ist das Rückenwind, bestätigt es doch deren Auffassungen in vollem Umfang. Doch sind sie auch selbst nicht untätig. Stattdessen hat der Verein mittlerweile eine Satzung für eine Bürgerstiftung Stadthalle entworfen und mit der Landesdirektion abgestimmt, die für Stiftungen zuständig ist. Die Gelder der Stiftung sollen künftig der Stadthalle und dem Stadthallengarten zugutekommen. Auf der Mitgliederversammlung des Vereins am 10. Dezember wird die gemeinnützige Stiftung vorgestellt. Damit hofft der Verein einen Schritt zum großen Ziel näher zu kommen: die Stadthalle bis 2021 zu sanieren.

 

 

 

 

 

09.12.2014

 

 

 

SZ 09.122014

 

 

 

Auf Distanz

 

In der Stadthallendebatte gehen Förderverein und Oberbürgermeister getrennte Wege. Ob auf Dauer, wird sich zeigen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Morgen geht es wieder um die Zukunft der Stadthalle. Dann treffen sich die Mitglieder des Fördervereins. Dessen Vorsitzender Thomas Leder wird eine Satzung für eine Bürgerstiftung vorlegen, die künftig helfen soll Gelder für den Unterhalt der Stadthalle zusammenzutragen und damit die Stadt entlasten soll. Doch dafür muss die Halle erst saniert werden. Unablässig versucht der Verein, die Stadt zu diesem Schritt zu bewegen. Oberbürgermeister Siegfried Deinege und der Stadtrat könnten sich über so viel bürgerschaftliches Engagement eigentlich freuen. Doch ungetrübt fällt die Freude nicht aus. Sie fühlen sich gedrängt, unter Druck gesetzt. Mal mit einer Unterschriftenaktion, mal mit einer Erklärung im Stadtrat. Das könne am Ende genau den gegenteiligen Effekt haben, heißt es dann. Die Halle sei eben nicht einfach von heute auf morgen saniert.

 

 

 

Auch in dem Ende vergangener Woche erst erneuerten Bündnis der beiden größten Fraktionen im Stadtrat kommt diese Vorsicht zum Ausdruck. Zur Stadthalle heißt es da unter der Überschrift „Kultur, Freizeit und Familie“: „Sicherung und Substanzerhalt des Baudenkmals Stadthalle unter Verwendung von Fördermitteln mit Eigenbeteiligung der Stadt mit dem Ziel der Vorbereitung eines abschließenden und wirtschaftlich tragbaren Sanierungs- und Betreiberkonzepts. Suche nach Kauf- und/oder Betreiberinteressenten für die Stadthalle.“ Vor fünf Jahren hatten beide Seiten noch kurz und bündig erklärt, dass der Wiederinbetriebnahme der Stadthalle eine besondere Bedeutung bei der weiteren Belebung der Innenstadt zukomme – und zwar „in der laufenden Wahlperiode“.

 

 

 

So einfach scheint es jetzt nicht mehr zu sein. Das Bündnis vermittelte sogar am Freitag den Anschein, als wäre es froh, die Stadthalle überhaupt in ihrem Arbeitspapier zu erwähnen. „Es ist kein Geheimnis, dass sich meine Fraktion mit der Stadthalle schwertut“, sagte Rolf Weidle für die Bürgerfraktion. Mit dem Passus sei man bereits weit gegangen. Und auch CDU-Stadtchef Octavian Ursu gestand ein, dass im Vergleich zu 2009 der Optimismus zur Stadthalle einer realistischeren Einschätzung gewichen sei. Er selbst hält am meisten von einer scheibchenweisen Sanierung der Stadthalle, ähnlich der Görlitzer Synagoge.

 

 

 

Ein solches Vorgehen hatte freilich der Stadthallenverein schon immer favorisiert – am besten mit einem Beschluss im Stadtrat, die Halle zur 950-Jahr-Feier 2021 wiederzueröffnen. Genau vor einem solchen selbst auferlegten Druck scheut die Mehrheit im Stadtrat momentan zurück: Die Stadt müsse erst schauen, wie sie das Geld zusammenbekommt, und sie hat auch so genügend Aufgaben zu bewältigen, heißt es dann immer. Beispielsweise die Zukunft der Straßenbahn, die Schulsanierungen, Investitionen ins Straßennetz, der Erhalt von Theater und Städtischem Klinikum.

 

 

 

Die Stadthallen-Lobby sieht das eben anders, weil sich nach ihrem Eindruck die Stadt nur bei Druck bewegt. So hätte sich monatelang nichts getan, obwohl die Bauschäden an der Stadthalle spätestens seit den Untersuchungen 2011/12 abzusehen waren. Als dann die schlimmsten Schäden behoben werden sollten, stellten sie sich als noch gravierender heraus. Seit der Stadtrat beschloss, sie auszumerzen, obwohl das Ganze nun nicht 90 000 Euro, sondern eine halbe Million Euro kosten wird, tut sich immer noch nichts. Im November-Stadtrat erklärte OB Deinege, man warte jetzt auf die Zusicherung von Bund und Land, dass die zugesagten Fördermittel auch dann kommen, wenn die Stadt schon mal mit der Sicherung beginne. Thomas Leder fragte danach: „Droht die Stadthalle nun einzustürzen oder nicht? Wenn ja, haben wir doch nicht Zeit auf irgendwelche Genehmigungen zu warten.“ Denn was passiere denn, wenn es plötzlich viel schneie und auf dem Dach und den Seitenwänden der Stadthalle enorme zusätzliche Lasten liegen. Doch werden solche Spekulationen im Rathaus auch schon wieder als der Versuch interpretiert, Druck zu erhöhen. Immerhin bot OB Deinege letztens an, ab neuem Jahr über die künftige Nutzung der Halle nachzudenken – und nicht erst nach der Sicherung 2016.

 

 

 

Wie die Stadthalle genutzt werden kann, ist die offene Flanke der Befürworter. Zwar erhielten sie Auftrieb unlängst durch ein Interview der Landesdenkmalpflegerin Rosemarie Pohlack in der SZ, die auf eine entsprechende Frage einfach meinte: „So wie bisher auch.“ Was das im Detail bedeutet, ist damit längst noch nicht geklärt. Vereinsmitglied Hans-Peter Bauer hat nun eine „Denkschrift zur Kultur in Görlitz“ vorgelegt, die einen Bühnenverbund aus dem Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau und der Stadthalle vorsieht. Die Halle wird in dem Papier als Sitz der Neuen Lausitzer Philharmonie bezeichnet. Die Überlegungen knüpfen an Strukturen in Wien an. Ähnlich wie dort sollen alle Bühnen im Landkreis von einer Gesellschaft bespielt werden. Über dem Technischen und dem Künstlerischen Direktor soll ein Gesamt-Geschäftsführer thronen. Das Papier hat Bauer auch bereits Landrat Bernd Lange übergeben. Zu ganz ähnlichen Überlegungen kam unabhängig davon der frühere Direktor der Kema, Hans-Dieter Scharon. In einem Brief an die SZ beschrieb er das gleiche Szenario einer engeren Verbindung von Theater und Stadthalle. Die zentrale Annahme dieser Vorschläge lautet: Das Theater hat bereits Personal, das auch die Stadthalle bespielen kann. Dadurch würden die Personalkosten niedriger als in allen bisherigen Studien für die Stadthalle ausfallen. Diese Papiere für eine klassische Konzerthalle sind keine fertigen Konzepte. Doch sie zeigen, wie viele die Stadthalle nicht loslässt.

 

 

 

 

 

Erste Engagementbörse beflügelt Ehrenamtliche

 

Mitarbeiter von 40 Vereinen und Initiativen tauschen sich über ihre Arbeit aus und schauen dabei über ihren Tellerrand.

 

Von Christine Marakanow

 

 

 

 

 

„Beflügelt“ fühlt sich Birgit Beltle vom Ideenfluss-Verein, der für die Organisation der 1. Görlitzer Engagementbörse zusammen mit dem SeniorKompetenzTeam den Hut auf hatte. Und nicht nur sie. Das Börsenmotto „Görlitz vereint“ traf ins Schwarze. Es war, als hätten die Ehrenamtlichen von rund 40 Vereinen und Initiativen nur auf die Gelegenheit gewartet, miteinander zu reden und einmal nicht als Konkurrenten aufzutreten. „Die Stimmung unter den Mitwirkenden war fantastisch“, freut sich Birgit Beltle. Es sei ein wohltuendes Miteinander vor und während der Veranstaltung gewesen. Keiner habe sich in den Vordergrund gespielt, schätzt sie ein. Die Börse sei gelungen, besser als sie jemals zu hoffen gewagt habe.

 

Von der ersten bis zur letzten Stunde herrschte im KulTourPunkt des Bahnhofs während der Börse Hochbetrieb, vor allem an den dicht an dicht stehenden Ständen. Einige Vereine kenne ich noch gar nicht. Gut, dass ich mal die Gesichter der Macher sehe und erfahre, womit sie sich beschäftigen. Diese Sätze waren immer wieder zu hören. Zu den noch nicht so bekannten Vereinen gehören der Görlitzer Gebärdenchor mit Nicole Friedrich als Ansprechpartnerin. Sie musste viele Fragen beantworten. Auch Steve Gerlach vom Görlitzer See-Verein. Er nutzte die Chance, sein Netz für mehr Kultur und Kunst am Berzdorfer See zu vergrößern. „Wenn es passt, stehen wir auch als Partner zur Verfügung“, sagte der 28-Jährige. Die Vereine notierten Kontaktadressen und Ideen, manche verabredeten Vorhaben für 2015. Das nächste Mal sollten noch mehr Bürger zum Mitmachen eingeladen werden, war der Wunsch vieler. Vielleicht könnte man die Börse im Stadthallengarten veranstalten und mit einem Fest verbinden, war ein Vorschlag. Im nächsten Jahr könnte man im Stadthallengarten ein großes deutsch-polnisches Kinderfest feiern, schlugen Mitarbeiter des Demokratischen Frauenbundes vor. „Warum nicht“, sagte Anneliese Karst vom Stadthallen-Verein. Sie sammelte eifrig Ideen und Anfragen zur Nutzung des Stadthallengartens und ist zuversichtlich, dass 2015 dort einiges passieren wird.

 

Dass sich OB Siegfried Deinege am letzten Börsentag Zeit für jeden Verein nahm, kam gut an. „Sieben Minuten hat er sich mit uns unterhalten“, sagt Dietmar Hawelky vom „Alkanti-Magazin“. Dass der OB den Wunsch des Vereins, der in der Suchtprävention tätig ist, nach größeren Räumen nicht gleich erfüllen kann, ist für Dietmar Hawelky verständlich. Gefreut habe er sich darüber, dass der OB die Arbeit der Ehrenamtlichen wertschätzt.

 

 

 

 

 

20.12.2014 Der nächste Geldregen für die Stadthalle

 

 

 

Insgesamt stehen 4,3 Millionen Euro bereit. Das reicht für weit mehr als nur die Sicherung. Der Zeitplan ist noch offen.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Im Trubel der Stadtratssitzung am Donnerstagabend ist die Nachricht vollkommen verpufft. „Wir haben beim Freistaat ein Paket von 2,3 Millionen Euro für die Stadthalle beantragt“, informierte OB Siegfried Deinege während der Fragestunde. Und gab im nächsten Satz bekannt, dass das Geld vom Freistaat jetzt beiseitegelegt worden sei: „Wir werden dieses Paket nun Stück für Stück abarbeiten.“

 

 

 

Bisher war immer von einer Million Euro die Rede gewesen. Und die sollte vom Bund kommen. „Kommt sie auch“, erklärt Bürgermeister Michael Wieler im Exklusiv-Interview mit der Sächsischen Zeitung. Der Bund habe eine Million schriftlich zugesagt und der Freistaat eine weitere Million mündlich angekündigt, sodass Bund und Land gemeinsam ein Zwei-Millionen-Paket zur Verfügung stellen werden. Die 2,3 Millionen, die der OB genannt hat, seien hingegen reine Landesmittel. „Über diese Mittel verhandeln wir seit neun Monaten sehr intensiv mit dem Freistaat“, so Wieler. Insgesamt stehen also nach seiner Aussage 4,3 Millionen Euro zur Verfügung.

 

 

 

Kein Termin für Wiedereröffnung

 

 

 

Wofür welche Summe eingesetzt werden darf, ist allerdings nur teilweise klar. Sicher ist: Die 2,3 Millionen sollen scheibchenweise für die Sicherung zur Verfügung gestellt werden. Allerdings nicht nur für die reine Sicherung. „Das, was wir sichern, können wir im gleichen Bauabschnitt auch gleich sanieren, denn sonst müssten wir ja später noch ein zweites Mal ran“, erklärt der Bürgermeister. Bei den 2,3 Millionen sind die Strebepfeiler enthalten, die dabei auch gleich mit Beton ummantelt werden können, um sie für die Zukunft sicher zu machen. Ebenfalls enthalten sind die Dächer und andere Arbeiten an der Statik. Die Parkettdecke soll ausgebaut und stattdessen eine Stahlbetondecke eingezogen werden. „Dieses gesamte Paket hat der Freistaat im Grundsatz akzeptiert“, so Wieler.

 

 

 

Wofür die zwei Millionen von Bund und Land genutzt werden können, ist hingegen noch unklar. Ebenfalls offen ist dort der Eigenanteil der Stadt. Laut Wieler wird er maximal zehn Prozent betragen, vielleicht auch weit weniger. Bei den 2,3 Millionen dagegen steht fest, dass die Stadt zehn Prozent selbst tragen muss, also 230 000 Euro. Zum Vergleich: Bei dem Plan, den der Stadtrat noch im Oktober beschlossen hatte, sollte die Stadthalle für 555 000 Euro gesichert werden, davon 240 000 Euro Eigenmittel. Jetzt wird also mit einem fast identischen Eigenmittelanteil die vierfache Bausumme erreicht, vielleicht sogar die achtfache. Wichtig für die Stadt: An die Fördermittel ist nicht die Bedingung geknüpft, dass die Halle am Tag X wiedereröffnen muss. Bisher ist nämlich völlig unklar, wie der Rest der Sanierung und vor allem ein Betrieb der Halle finanziert werden sollen.

 

 

 

Der Haken an all den Fördermitteln: Die Stadt kann nicht sofort losbauen, auch wenn sie das gern tun würde. Stattdessen müssen überall einzelne Anträge eingereicht und dabei konkrete Bauabschnitte neu aufgeteilt und beschrieben werden. Anschließend muss die Stadt auf die jeweiligen Zusagen warten. Wann die kommen, ist unklar. Wieler rechnet aber damit, dass das nicht mehr ewig dauert, zumindest nicht für den ersten Teil der Gelder.

 

 

 

Stadt will schnell loslegen

 

 

 

Laut Deinege hat die Stadt einen Antrag auf „förderunschädlichen Baubeginn“ gestellt. Das heißt also, dass sie loslegen will, bevor die Fördermittel da sind. Auf eine Antwort wartet die Stadt derzeit. Erst dann kann sie Firmen beauftragen. Und hoffen, dass diese dann Zeit haben und möglichst schnell anfangen. Aber was, wenn diese Zusage im tiefsten Winter kommt? „Dann müssen wir sehen, was möglich ist“, sagt Wieler. Auf jeden Fall soll möglich unverzüglich gebaut werden, sobald die Stadt die Genehmigungen hat. Alles in allem rechnet er fest damit, dass die gesamten 4,3 Millionen Euro in den Jahren 2015 und 2016 verbaut werden können: „Und wir können damit erheblich mehr tun als gedacht.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 2015 Stadthalle Zeitung

 

 

 

 

 

10.01.2015

 

Ein neuer Ruck für die Stadthalle

 

Der Miteigentümer des Mercure-Hotels startet eine neue Benefizaktion für die Stadthalle. Ein neues Nutzungskonzept soll es auch geben.

 

 

 

Von Dr. Hans Fey

 

 

 

Liebe Görlitzer,

 

 

 

ich äußere mich als Außenstehender zur Stadthalle und höre im Geiste schon die erste verärgerte Reaktion: „Was bildet denn der sich ein, da will einer der Görlitzer Stadtpolitik den Spiegel vorhalten, ein Unbekannter, der noch dazu aus dem satten München kommt und unsere Haushaltsnöte nicht kennt“. Bitte lesen Sie weiter. Ich stelle mich vor. Vor 15 Jahren bin ich als Bankvorstand in Pension gegangen. Ich kümmere mich jetzt um einige wenige wirtschaftliche Engagements. In meinem früheren Leben konnte ich auch kulturelle Initiativen begründen, die bis heute Bestand haben. So habe ich 1983 die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung ins Leben gerufen, die mit jährlich 300 000 Besuchern eine geradezu unentbehrliche Einrichtung des Münchner Kulturlebens geworden ist.

 

 

 

In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts gegründet, die in Görlitz das Mercure-Parkhotel errichtete. Die Stadt verkaufte ihr das benötigte Grundstück und opferte dafür sogar eine öffentliche Einrichtung, nämlich den Sportplatz an der Neiße. So stark war also ihr Interesse an einem großen Hotel als einer unentbehrlichen Ergänzung der benachbarten Stadthalle, von deren Betrieb und künftigem Gedeihen man selbstverständlich ausging. Das Hotel wurde planmäßig gebaut und läuft gut. Wie es mit der Stadthalle weiterging, wissen Sie. Die genannte Gesellschaft des bürgerlichen Rechts musste aus mehreren Gründen im Jahre 2014 völlig umstrukturiert werden. Betreiberin des Mercure-Parkhotels ist jetzt die von mir gegründete „Tetolia Hotelbetriebsgesellschaft mbH“, deren Geschäftsführer ich bin. Ich bin einer der Hotelinvestoren der ersten Stunde und bin heute auch Komplementär der „KG Grundstücksverwaltung Parkhotel Görlitz“. Insofern bin ich zwar kein Görlitzer, aber eigentlich auch kein Außenstehender, und vielleicht bin ich als Vertreter des unmittelbaren Nachbarn der Stadthalle sogar in besonderer Weise legitimiert, mich zu äußern. Nun fürchte ich, dass ich damit bereits einen zweiten Einwand provoziert habe: „Der will ja nur sein Hotel voll kriegen“. Ja, da ist was dran. Aber das „nur“ stimmt nicht. Was ich für die Hotelinvestoren in Sachen Stadthalle will, ist nicht gegenläufig zu den wohlverstandenen Interessen der Stadt, sondern entspricht ihnen hundertprozentig. Und: Die Investoren müssen sich nicht schämen, wenn sie die Gegebenheiten realisiert sehen wollen, die seinerzeit mit der Stadt abgesprochen waren und die die Grundlage ihrer Bereitschaft waren, ihr Geld hinzugeben. Das Investment hat ihnen bisher alles andere als Freude bereitet.

 

 

 

Görlitz ist eine wunderbare Stadt, die schönste der schönen, wie manche sagen. Ich liebe sie, wie das viele tun. Ihre Vorzüge muss ich hier nicht ausmalen. Ich habe es nie fassen können, dass dieses Görlitz es einfach nicht fertig bringt, die Stadthalle zu sanieren und wieder zu eröffnen. Dabei hat die Stadt auch hier viele Trümpfe in der Hand. Sie besitzt für die Stadthalle als eines der Wahrzeichen der Stadt ein Jugendstil-Juwel mit hervorragender Akustik und einer himmlischen Orgel mit Weltgeltung und von unschätzbarem Wert – wie würden sich da andere Kommunen die Finger ablecken, die so etwas nicht haben und gleichwohl auf eine Stadthalle nicht verzichten. In Deutschland sind nach dem Krieg in großer Zahl Stadthallen emporgeschossen, nicht wenige sind Klötze von bemerkenswerter Scheußlichkeit. Jede Stadt, die auf sich hält, hat eine Stadthalle und betreibt sie aktiv. Görlitz, ausgerechnet Görlitz, aber schafft es nicht.

 

 

 

Eine wieder eröffnete Stadthalle würde das Kulturleben ungemein bereichern. Sie würde auch berühmte Künstler in die Stadt ziehen, allein schon wegen der einzigartigen Sauer-Orgel. Eine klug gemanagte Stadthalle dient nicht zuletzt der Jugendarbeit, der die Görlitzer Stadtregierung mit Recht hohen Rang einräumt. Natürlich muss eine Stadthalle insgesamt wirtschaftlich arbeiten, kann sich daher nicht nur den schönen Musen widmen, sondern muss sich bemühen, für die in ihr durchgeführten Veranstaltungen (darunter auch größenmäßig geeignete Messen) Interessenten von nah und fern anzuziehen, im Wettbewerb mit anderen Städten. Die Stadthalle in Görlitz hätte dabei unschätzbare Startvorteile, nämlich eine herrliche Stadtkulisse, eine kulturelle Atmosphäre und ein dadurch geprägtes Image in einer breiten Öffentlichkeit.

 

 

 

Aber: Das offizielle Görlitz wuchert nicht mit seinen Pfunden, sondern ergeht sich in Verzagtheit. Und es ist noch viel schlimmer. Nach allem, was ich in der letzten Zeit in Gesprächen mit unterschiedlichen Görlitzern und aus den Veröffentlichungen im Internet erfahren habe, wollen manche Leute, darunter vor allem stadtpolitische Entscheidungsträger, die Stadthalle gar nicht ernsthaft, und einige möchten sie sogar verhindern. Vielleicht, weil sie Kürzungen der bisherigen Zuwendungen aus städtischen Mitteln befürchten (so soll es beim Theater sein) oder weil die ihnen gehörenden Lokalitäten, die derzeit als notdürftiger Ersatz für die geschlossene Stadthalle dienen, nach deren Wiedereröffnung nicht mehr gebraucht würden. Die Gegner der Stadthalle machen einen gewaltigen Fehler, wenn sie nur Partikularinteressen folgen und nicht das große Ganze sehen. Eine Stadthalle ist nun mal auch ein Wirtschaftsfaktor. Görlitz hat eine lebhafte Sommer-, aber eine trübe Wintersaison. Die Stadthalle würde nachhaltig Abhilfe schaffen. Sie würde auch im Winter mehr Leben in die Stadt bringen. Stichwort: Ganzjahrestourismus. Das käme nicht nur den Hotels zugute, sondern natürlich auch dem Handel und Gewerbe sowie allen sonstigen Leistungsträgern. Die Stadthalle ist eine Trägerin der Stadtentwicklung, und sie ist Werbung für die Stadt als Standort. Wenn die Stadt so insgesamt voran gebracht wird, fließen der öffentlichen Verwaltung mehr Mittel zu und auf diesem Wege profitieren dann alle. Stellung und Ansehen von Görlitz, und nicht zuletzt auch der Stolz der Bürger auf ihre Stadt und die Bindung an sie würden steigen. An einem „Stadtmarketing“ dieser Art ist normalerweise jede Kommune interessiert.

 

 

 

Aber es fehlt nicht das Geld, sondern der Wille, jedenfalls der politische Wille. Wenn sich die Stadt und insbesondere die Stadtpolitiker einig wären im unbedingten Wollen, wäre die Stadthalle längst schon wieder eröffnet. Man kann alles erreichen, wenn man es nur wirklich will. Ich weiß, und das ist das Gute an der Sache, dass ich bei den meisten Görlitzer Bürgern offene Türen einrenne. Aus dem Internet und den Leserbriefen an die SZ habe ich überaus viele Zeugnisse sowohl emotionaler als auch rationaler Bindung an die Stadthalle und tiefes Bedauern weiter Bevölkerungskreise über den derzeitigen Zustand entnommen. Ein großes Aktivum ist auch, dass in der Stadt mit dem Förderverein der Stadthalle bereits eine unentbehrliche und zielführende Einrichtung besteht. Ich bewundere den beständigen, durch Rückschläge nicht zu erschütternden Einsatz dieses Vereins.

 

 

 

Natürlich weiß ich, dass die Finanzierung der Stadthalle kein einfaches Unterfangen ist. Man kann auch kaum auf einen privaten Investor warten, den es aus dem Himmel regnet und der alle Probleme löst. Denn woher soll für diesen die Rendite kommen, wenn die Betriebsgesellschaft keine Pacht zahlen kann, weil sie schon die Betriebskosten nicht voll erwirtschaftet. Und von Letzterem muss man vorsorglich ausgehen, auch wenn ein kluges Konzept und ein ebenso kluges Management der Betriebsgesellschaft den von der Stadt auszugleichenden Fehlbetrag auf ein Minimum reduzieren können, das tragbar ist. Die Stadt ist aber nicht allein auf sich gestellt, sondern kann erwarten, dass der weitaus größte Anteil der Finanzierung von Land, Bund und der EU geschultert wird. Natürlich wird aller Voraussicht nach trotz Anzapfens aller nur irgendwie möglichen Finanzierungsquellen letztendlich ein Eigenmittelanteil bei der Stadt verbleiben. Das ist dann sicher ein Kraftakt, der aber wohl durch die Aufnahme eines Kommunaldarlehens zeitlich gestreckt und damit stark gemildert werden kann. Es wäre bei den aktuell extrem niedrigen Zinsen fast schon sträflich, diese derzeit so besondere Chance auszulassen.

 

 

 

Um eine Wende herbeizuführen, bedarf es eines neuen, glaubhaften Anlaufes, und dazu will ich ermuntern. Dabei denke ich an einen Weg, der bisher in Görlitz jedenfalls in dieser Form noch nicht diskutiert worden ist. Um zu verdeutlichen, was ich mir vorstelle, ein Beispiel aus München: Edmund Stoiber, gerade bayerischer Ministerpräsident geworden und voll des Spareifers, verkündete in seiner Regierungserklärung patzig, eine Pinakothek der Moderne sei zwar wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig. Daraufhin nahm 1994 die Bürgerschaft die Sache in die Hand und gründete eine Stiftung. Deren umfassende Aktivitäten brachten rund 13 Millionen Euro ein. Die öffentliche Hand verweigerte sich nun nicht mehr; die Pinakothek der Moderne wurde gebaut.

 

 

 

Wie die Stadthalle vor mehr als 100 Jahren gebaut wurde, ist ein weiteres Beispiel. Obwohl damals eine reiche Stadt, hatte Görlitz für den Bau der lange im Gespräch befindlichen Stadthalle keineswegs so ohne Weiteres die Mittel dazu. Man verwies – wie heute – auf das Loch im städtischen Haushalt. Auch damals musste eine Bürgerinitiative helfen, deren Initiator Graf Bolko von Hochberg war. Mittels einer Lotterie brachte man 300 000 Reichsmark und damit die heute unvorstellbare Größenordnung von über einem Drittel der Bausumme zusammen. Aus neuerer Zeit sei auch noch die Frauenkirche in Dresden erwähnt. Am Anfang waren es nur zehn Bürger, die sich die Initiative zum Wiederaufbau der Frauenkirche auf die Fahne schrieben. Das brachte die Wende in einem bis dahin geführten Streit. Die Initiative wuchs rapid, es bildeten sich sogar Freundeskreise in 23 Staaten. Spendenaufkommen insgesamt 90 Millionen. Selbstverständlich beteiligten sich dann auch der Freistaat Sachsen und der Bund. Auf die Stadt Dresden entfielen so von den 180 Millionen Gesamtkosten nur 12 Millionen. Man sieht: Es geht also. Bürger können etwas bewirken. Warum soll in Görlitz nicht gehen, was in München, Dresden, Berlin ging oder gerade geht? Die hohen Beträge in diesen Beispielen müssen nicht schrecken. Sie sind kein Maßstab für Görlitz. Es geht auch einige Nummern kleiner. Hauptsache ist, dass sich der Bürgerwille auf diese Weise manifestiert und dadurch eine Anschubfinanzierung zustande bringt. Und in unserem speziellen Fall können die Görlitzer auf diese Weise demonstrieren, dass sie in ihrer überwältigenden Mehrheit die Stadthalle tatsächlich wollen. Das ist nach dem, was passiert ist, nötiger denn je. Mein Ziel ist, dass unter dem Dache des Fördervereins eine Initiative „Neuer Beginn Stadthalle“ Geld einsammelt, das dann im Sinne einer Anschubfinanzierung Teil der Gesamtfinanzierung ist, sobald die Komplettsanierung und Wiedereröffnung der Stadthalle gesichert ist. Die Rechtsform der Initiative wird zur Zeit noch geprüft, das Gleiche gilt für die Wege, Geld einzusammeln.

 

 

 

Von der zur Zeit in der Diskussion befindlichen Sanierung in Teilschrittchen halte ich nichts. Es gibt auch keine staatliche Förderung in Teilschritten. Die Stadthalle braucht schnellstens eine Zukunft, darum muss sich Görlitz bemühen. Ein Anpeilen des Jubiläumsjahres 2021 würde bedeuten, dass man den jetzt schon zehnjährigen Dornröschenschlaf der Stadthalle heute bewusst um sieben Jahre verlängert, ohne zu wissen, ob es dann was wird. Das hieße: auf die lange Bank schieben. Görlitz muss endlich einmal den großen Wurf wagen, auch gegen den Widerstand der ewigen Taktierer, Bedenkenträger und Ängstlichen. Den Menschen, vor allem den jüngeren wird viel zu wenig gesagt, was ihnen durch das Fehlen der Stadthalle an Kunst, Unterhaltung, Wissensvermittlung, Sporterlebnissen, Ausstellungsereignissen, Geselligkeit und vielem anderen, kurz gesagt: an Lebensbereicherung, entgeht.

 

 

 

Allgemein wird beklagt, dass ein schlüssiges Nutzungskonzept bisher nicht vorliegt. Ich habe deshalb eine Studie zu diesem Thema bei einer auf Stadthallen spezialisierten Beratungsgesellschaft beauftragt. Nicht als Gegengutachten zu dem 2011 von Drees und Sommer bekanntlich erstellten umfangreichen Gutachten, sondern als eine Ergänzung. Die Kosten dafür übernimmt die das Parkhotel betreibende Tetolia. Liebe Görlitzer, ich richte an alle Görlitzer einschließlich Umgebung die herzliche Bitte: Unterstützen Sie die Initiative „Neuer Beginn Stadthalle“ mit Rat und Tat. Wie Sie das im Einzelnen tun können, werden wir Ihnen noch mitteilen. Schließen Sie sich bitte auch dem Förderverein an.

 

 

 

 

 

 

 

16.01.2015

 

 

 

Stadt vergibt Stadthallen-Auftrag

 

Die Firma beginnt jetzt mit dem Bau der Strebepfeiler. Sie werden im April angeliefert.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Der Freistaat hat am Dienstag der Stadt erlaubt, mit der Sicherung der Stadthalle zu beginnen. Darüber informierte jetzt Baubürgermeister Michael Wieler im Technischen Ausschuss: „Noch am gleichen Tag haben wir der Firma den Auftrag erteilt.“

 

 

 

Die Stahlkonstruktion der neuen Strebepfeiler wird jetzt in einem Werk angefertigt und später per Tieflader nach Görlitz gefahren. „Nach Angaben der Firma werden die Strebepfeiler in 14 Wochen angeliefert“, erklärt Wieler auf SZ-Nachfrage. Das wäre also in der zweiten April-Hälfte.

 

 

 

Bei den jetzt beauftragten Arbeiten handelt es sich um das 555 000-Euro-Projekt zur Sicherung der Stadthalle, das der Stadtrat beschlossen hatte. Die Arbeiten im Umfang von 4,3 Millionen Euro, für die bereits Fördermittel aus verschiedenen Töpfen bei Bund und Land zugesagt sind, müssen hingegen noch geplant werden. Das wird bis April dauern.

 

 

 

„Es stehen noch weitere Abstimmungsgespräche an, bei denen es darum geht, was alles gefördert werden kann“, erklärt Wieler.

 

 

 

 

 

Die Angst geht auf Streife

 

Die Bürgerinitiative „Sicheres Ostritz“ kontrolliert den Übergang nach Polen – mit Erfolg. Die Polizei sieht das kritisch.

 

 

 

Von Thomas Christmann

 

Vier Männer von der Initiative „Sicheres Ostritz“ schauen von der Grenzbrücke nach potenziellen Dieben. Foto: Matthias Weber

 

Vier Männer von der Initiative „Sicheres Ostritz“ schauen von der Grenzbrücke nach potenziellen Dieben. Foto: Matthias Weber

 

Sie stehen auf der Brücke. Dunkle Kleidung, Kapuzen oder Mützen tragen die Männer, zwei schauen durch ein Fernglas. Erkannt werden will keiner unbedingt. Die Vier gehören zur Bürgerinitiative „Sicheres Ostritz“. Vom Grenzübergang aus haben sie die Neiße im Blick, um potenzielle Diebe aus Polen auf-, besser noch abhalten zu können. „Wir kennen schon langsam unsere Pappenheimer“, sagt der Gründer der Gruppe, 37 Jahre alt, berufstätig und zweifacher Familienvater.

 

 

 

Auch er ist von Diebstählen betroffen, durch seinen Kleingarten am Grenzfluss. Vor drei Jahren begannen diese. Anfangs verbrachte der Ostritzer mit Frau und Kindern die Wochenenden in der Laube. Das ist vorbei, seit Unbekannte in einer der Nächte versuchten, einzubrechen, während sie schliefen. Rund 20 Fälle zählt der Familienvater inzwischen. Fernseher, Receiver, Kabel, Gartentor, Gummistiefel, Schubkarre, Springbrunnenpumpe – alles haben die Täter mitgenommen. „Die Klauerei in meinem Garten noch das kleinste Übel, sie nimmt insgesamt überhand“, sagt er. Habe man noch vor der Grenzöffnung das Auto auf dem Grundstück offen stehen lassen können, müsse jetzt jeder Gartenstuhl beaufsichtigt werden. Alle würden rumheulen, die wenigsten aber etwas machen. Der 37-Jährige handelte und begann mit seinen zwei Brüdern auf nächtliche Streife zu gehen. Weitere Männer stießen dazu. Nun sind sie zwei- bis dreimal die Woche – wie ihre Arbeitszeit das zulässt – unterwegs, kontrollieren die Grenzbrücke.

 

 

 

Schon manchen Diebstahl konnte die Initiative verhindern oder beim Ermitteln der Täter helfen, auch kurz vor Weihnachten. Stunden zuvor bemerkte der Gründer zwei Polen, die mit Jogginghose, Kapuzenpullover und Rucksack ausgestattet, in die Grundstücke schauten. Wenn diese tagsüber herumschleichen würden, sei nachts mit einem Diebstahl zu rechnen, sagt er. Deshalb standen die selbst ernannten Wächter gegen Mitternacht in der Nähe der Brücke, als zwei Polen in ein nahe gelegenes Gebäude eindrangen. Zu viert und mit einem Anhänger kamen diese dort heraus. Die Ostritzer schrien „Stehen bleiben“, doch einer entkam über die Brücke, zwei flohen ins ehemalige Armeegelände und einer flüchtete in die Neiße. Die Initiative rief die Polizei und blieb am Fluss. Erst kam eine zivile Streife, die laut Initiative aber nicht auf die polnische Seite durfte, dann folgten Uniformierte, die rüber konnten, doch erst die polnischen Kollegen holten den Dieb aus dem Wasser.

 

 

 

Was die Mitglieder ärgert: nach Aufnahme der Personalien durfte dieser gehen. Eine Stunde später hörten sie, wie Türen schlugen, ein Auto wegfuhr. Vermutlich stiegen dort die anderen Diebe ein. Die Initiative ist enttäuscht von der Polizei, die sich ihrer Aussage nach in den Fällen gerne mit zügigen Einsätzen und einer tollen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit rühmt – doch die fast eine Stunde brauchte, um den Polen aus der Neiße zu holen. „Dabei sind die Beamten selber unzufrieden“, sagt der 37-Jährige angesichts täglicher Vorkommnisse. Der Eigentümer des Anhängers hat sogar den Eindruck, dass die Diebe gar nicht gefangen werden sollen. „Das ist doch die beste Arbeitsplatzgarantie“, sagt Alexander Junge, der rund 30 Einbrüche in sein Grundstück zählte – und der Polizei schon mangels Vertrauen keine Fälle mehr meldet. Er freut sich deshalb, dass die Initiative nun aushilft.

 

 

 

Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz spricht bei dem Fall erst einmal von einem Erfolg, weil der Eigentümer die Beute zurückerhielt und ein Verdächtiger auf frischer Tat durch das Zusammenwirken sächsischer und polnischer Kollegen gestellt werden konnte. Eingetroffen sind alle Einsatzkräfte zwischen 0.10 und 0.30 Uhr. Dass zivile nicht auf polnisches Hoheitsgebiet dürfen, stimmt nicht. „Polizeibeamte müssen lediglich als solche eindeutig erkennbar sein“, sagt er und meint damit eine Uniform, Warnweste oder andere Kennzeichnung. Dahinter steckt die sogenannte Nacheile mit dem Ziel, Tatverdächtige zu stellen und an die zuständige Polizei im Ausland zu übergeben. Jedoch besteht laut Knaup nicht die Möglichkeit, diese unmittelbar auf deutsches Gebiet mitzunehmen. Wenn die Polizei des anderen Landes bereits vor Ort ist, entfällt die Nacheile.

 

 

 

Dass in dem Fall der gefasste Pole nach Feststellung seiner Personalien und einer ersten Vernehmung wieder auf freien Fuß kam, ist nach Auskunft des Sprechers den Gesetzen auf beiden Seiten der Neiße geschuldet. Wenn keine Haftgründe zu erkennen seien, müsse der Mann laufen gelassen werden, sagt er. Die Ermittlungen laufen derzeit. Die Polizei ist nach Sicht von Knaup bei ihren Ermittlungen immer auf Bürger und Zeugen angewiesen, die Fälle bemerken und schnellstens darüber informieren. Alles, was darüber hinausgehe, überschreite eine rote Linie. „Eine Bürgerwehr, die außerhalb bestehender Gesetze für Sicherheit und Ordnung sorgen möchte, lehnt die Polizei entschieden ab.“ Die Initiative aber will weiter machen, sagt der 37-jährige Gründungschef. Angst habe der Familienvater nicht. Er hofft, dass sich die Kontrollen herumsprechen. Im benachbarten Leuba gibt es ähnliche Bestrebungen.

 

 

 

 

 

SZ 20.01.2015

 

 

 

Wofür reichen vier Millionen für die Stadthalle?

 

Die Bürger für Görlitz lösen eine Debatte aus: Wird nur gesichert oder schon saniert?

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Hat mit seinenÄußerungen zur Stadthalle eine heftige Debatte ausgelöst:Rolf Weidle.Foto: BfG

 

Hat mit seinen Äußerungen zur Stadthalle eine heftige Debatte ausgelöst: Rolf Weidle.Foto: BfG

 

© andré schulze

 

Rolf Weidle hatte zur Stadthalle schon alles gesagt. Der Fraktionschef der Bürger für Görlitz erläuterte nochmals beim Neujahrsempfang das Ja seiner Wählervereinigung zur Sicherung und schrittweisen Sanierung der Stadthalle, er begrüßte die Initiative des Stadthallenvereins zur Gründung der Stiftung für die Halle wie auch für eine Spendensammlung durch den Mitinhaber des Mercure-Hotels. Dessen Kritik an der Art und Weise, wie die Stadt mit der Stadthalle umgeht, sowie dessen Aufforderung, schneller als bislang geplant, das Haus zu sanieren, ließ Weidle aber noch einen weiteren Satz in sein Manuskript einfügen. „Aus heutiger Sicht sehen wir jedenfalls keine Möglichkeit in den nächsten zwei bis drei Jahren die Stadthalle zu einem führenden Wirtschaftsfaktor in unserer Stadt zu entwickeln.“

 

 

 

Seit der Satz in der Welt ist, reißen die Reaktionen nicht ab. „Jetzt, wo die ersten Gelder fließen können, wird zurückgerudert“, fragt SZ-Leserin Ursula Lindner. „Mit dieser Haltung werden sich die Bürger für Görlitz aber sehr unbeliebt machen.“ Stadthallenvereins-Chef und CDU-Stadtrat Thomas Leder schüttelt ebenso den Kopf: „Jetzt nach der Zusage von über vier Millionen Euro ist das nicht nachvollziehbar. Wem nutzt es ein Haus der Kultur und Stadtgemeinschaft in Görlitz nicht zu eröffnen? Der Stadt Görlitz und seinen Bürgern nicht!“ Andere wiederum stoßen sich an dem „führenden Wirtschaftsfaktor“, den Weidle als Maßstab für eine Sanierung der Stadthalle anlegte. Ist denn das der Stadt am Berzdorfer See gelungen, so fragen SZ-Leser im sozialen Netzwerk Facebook, der doch seit Jahren von der Görlitzer Stadtpolitik als besonders wichtiger Wirtschaftsfaktor bezeichnet werde? Und obwohl das am See augenscheinlich nicht erreicht wurde, bleibt der See ganz oben auf der Aufgabenliste der Stadt.

 

 

 

Die Aufregung um Weidles Aussage ist nicht allein mit seinen Worten zu erklären. Im Grunde hat er nur wiederholt, was auch schon im Bündnisvertrag mit der CDU beschrieben wurde, der bis 2019 gelten soll. Dort steht zur Stadthalle: „Sicherung und Substanzerhalt des Baudenkmals Stadthalle unter Verwendung von Fördermitteln mit Eigenbeteiligung der Stadt mit dem Ziel der Vorbereitung eines abschließenden und wirtschaftlich tragbaren Sanierungs- und Betreiberkonzepts. Suche nach Kauf- und/oder Betreiberinteressenten für die Stadthalle.“ Kein Wort von einer Sanierung.

 

 

 

Das war bereits ein Rückschritt im Vergleich zum Vertrag, den CDU, FDP, Bürgerverein und Bündnisgrüne 2009 abgeschlossen hatten. Damals hieß es: „Strategische Kernbereiche der Stadtentwicklung in der laufenden Wahlperiode sind die weitere Belebung der Görlitzer Innenstadt, hierbei kommt der Wiederinbetriebnahme der Stadthalle eine besondere Bedeutung zu.“

 

 

 

Wenn es also nicht nur an den, wenngleich klaren Worten Weidles liegt, dann hat es womöglich etwas mit dem Zeitpunkt zu tun. Denn seit die beiden größten Fraktionen im Stadtrat ihr Bündnispapier unterschrieben haben, ist für die Stadthalle viel geschehen. Wider Erwarten haben Bund und Freistaat mittlerweile 4,3 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre zugesagt. Eine Summe, die weit über die ursprünglich geplanten Bauarbeiten für die dringlichsten Bauschäden hinausgeht. Trotzdem weiß niemand so recht, was die Stadt mit den Millionen an der Stadthalle bis April planen und anschließend bauen will. Wie weit werden die Säle nutzbar sein? Werden die Toiletten in der Halle instand gesetzt? Was ist mit der Heizung? Deswegen hat der Stadthallen-Förderverein am Wochenende nun eine Frageliste an Oberbürgermeister Siegfried Deinege geschickt. Der Verein will Klarheit darüber haben, welche Bauschäden an der Stadthalle vorliegen, wer die Arbeiten plant, welche Bauteile im Rahmen der Sicherung instand gesetzt werden und welche Bauarbeiten mit den Mitteln vorgenommen werden, die über eine Sicherung hinausgehen.

 

 

 

Schließlich spricht Deinege immer davon, dass eben nicht nur gesichert, sondern in manchen Bereichen auch saniert wird. Am Wochenende erklärte er vage nach Gesprächen in Ministerien, es sehe für die Stadthalle gut aus. Genau das aber nährt die Erwartungshaltung unter den Bürgern, dass eben die Sanierung der Stadthalle jetzt beginne und dann natürlich fortgesetzt wird.

 

 

 

Genau diesen Punkt griff auch Mercure-Mitinhaber Hans Fey in seinem Beitrag in der SZ auf. Unterstützung von Berlin und Dresden, so meinte der pensionierte Bankvorstand aus München, sei ja also nachgewiesenermaßen da, jetzt müsse die Stadt einfach mutig die gesamte Sanierung in Angriff nehmen. Beispielsweise, indem sie auch im Moment besonders zinsgünstige Kredite für die Stadthalle aufnimmt. Für Fey ist es nicht eine Frage der Leistungsfähigkeit, sondern einfach des Wollens.

 

 

 

Genau das aber streitet Weidle ab. „Viele unserer Kritiker akzeptieren nicht die bestehende Wirtschafts- und Finanzlage der Stadt.“ Und an anderer Stelle erklärte er, dass die Stadt wie jede Familie oder erfolgreiches Unternehmen nicht mehr Geld ausgeben kann als Einnahmen vorhanden sind. Doch ganz stimmt das eben nicht: Für den Bau der neuen Turnhalle an der Hugo-Keller-Straße kündigte die Stadt an, einen Kredit aufzunehmen – weil ihre Einnahmen dafür nicht reichen.

 

 

 

 

 

26.01.2015

 

 

 

Die Leidenschaft ging verloren

 

Es ist Zeit für ein klares Bekenntnis zur Stadthalle. Die Stadt soll endlich agieren – statt nur zu reagieren.

 

 

 

Von Renate Schwarze

 

 

 

Was wir brauchen, ist ein klares Bekenntnis zur Stadthalle, das auch den Reden der Neujahrsempfänge und bevorstehenden Wahlen standhält. Wie kann dieses Ziel erreicht werden? Dazu müssen wir, wie das in einer Stadtgesellschaft üblich ist, dieses Thema mit der Bürgerschaft diskutieren. Bereitschaft dazu signalisiert nicht nur der Förderverein der Stadthalle.

 

 

 

Wie Siegfried Deinege in seiner Neujahrsrede selbst anführte und was letztlich dazu führte, die Sanierung nicht zu beginnen, war lediglich „der zur Verfügung stehende Zeitrahmen, in dem das Projekt nicht fertig zu stellen war und möglicherweise zur Rückzahlung der Fördermittel geführt hätte. Um finanziellen Schaden von der Stadt abzuhalten, wurde dieser Beschluss letztlich im Stadtrat gefasst. Aber wie ist es mit immateriellen Schäden, wie Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit?

 

 

 

Seit diesem Rückzug ist die Leidenschaft verloren gegangen, mit der wir vorher für die Komplettsanierung der Stadthalle votierten. Die 2012 im Haushalt vorhandenen Eigenmittel zur Sanierung sind in andere Projekte geflossen. Reagieren statt agieren, je nach öffentlicher Wirksamkeit ist jedoch für ein solches Projekt, das alle Altersgruppen tendiert, nicht zielführend und kann nicht die Herangehensweise für die künftige Entwicklung unserer Europastadt sein.

 

 

 

 

 

07.02.2015

 

 

 

 

 

Stadthallenausschuss soll wieder tagen

 

Eine hitzige Debatte zu den Schäden und der Sicherung des Gebäudes gab es im Stadtrat.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

So viele Fragen. So viele Meinungen. Die Stadthalle ist eines der Top-Themen in der Stadt. Höchste Zeit, dass nun auch der Stadthallenausschuss mal wieder tagt. Das zumindest forderte Stadträtin Renate Schwarze (SPD) in der jüngsten Stadtratssitzung. Joachim Paulick („Zur Sache“) schloss sich dem an.

 

 

 

Anlass war eine Debatte über die Stadthalle. Thomas Leder, CDU-Stadtrat und Vorsitzender des Stadthallen-Fördervereins, hatte einen ganzen Fragenkatalog zur Stadthalle an den OB gerichtet. Unter anderem wollte er wissen, wann die Hilfsstützen errichtet werden, die das einsturzgefährdete Gebäude statisch sichern sollen. Da diese erst angefertigt werden müssen und das nicht in Görlitz geschieht, sei damit erst Ende März zu rechnen, so die Antwort von Bürgermeister Michael Wieler.

 

 

 

Die Stützen sind Teil der statischen Sicherung, der die Sicherung des Denkmals folgen würde, so OB Siegfried Deinege. Der dritte Schritt ist die eigentliche Sanierung. Michael Wieler sagte, dass die Abstimmung zwischen Bund und Freistaat zur Verwendung der Fördermittel derzeit laufe. Vertreter aus Berlin seien bereits in Görlitz gewesen.

 

 

 

2,3 Millionen Euro kommen vom Freistaat, eine Million vom Bund. „Wir wollen genau wissen, welche Vorgaben es zur Verwendung des Geldes gibt, denn das ist nicht so einfach in diesem Fall“, so Wieler. Erst wenn das klar ist, könne die Stadt eine klare Aufgabenstellung formulieren, mit der es in die Planung gehen kann.

 

 

 

Eine Diskussion darüber, wie detailreich alle Schäden des Gebäudes publik gemacht werden müssten, beendete Michael Wieler mit dem Satz: „Es wäre unangemessen, das für ein Gebäude zu tun. Es würde den Eindruck erwecken, dieses hätte einen besonderen Status. Wenn, dann müssten wir das für alle Gebäude tun, die Schäden haben.“

 

 

 

 

 

25.02.2015

 

 

 

Wieder 100 Euro für die Stadthalle

 

50 Gäste waren beim Konzert in der früheren Hefefabrik. Doch es ging um mehr als nur Geld.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Beim Benefizkonzert des Second-Attempt-Vereins sind am Sonnabend 207 Euro zusammengekommen. „Davon werden wir, wie angekündigt, die Hälfte für die Stadthalle spenden“, sagt Inga Dreger vom Vereinsvorstand. Gut 50 zahlende Gäste wollten die Band Postmodern Orchestra in der früheren Hefefabrik der Bautzener Straße erleben. Allerdings sei das Geld nicht das Wichtigste an dem Abend gewesen: „Wir wollten einen symbolischen Schritt auf den Stadthallen-Förderverein zugehen, um zu zeigen, dass wir nicht gegeneinander arbeiten.“ Zwei Mitglieder des Stadthallen-Vereins seien vor Ort und sehr begeistert gewesen.

 

 

 

Inga Dreger sieht das als einen ersten Schritt, um auch künftig zu schauen, wo man sich gegenseitig unterstützen kann. Sie könnte sich vorstellen, dass sich beide Seiten demnächst einmal zusammensetzen und dann ins Detail gehen werden.

 

 

 

Das Benefizkonzert war Teil eines Aktionswochenendes, bei dem Projekte besprochen wurden, die künftig auf dem Gelände an der Bautzener Straße umgesetzt werden können. Bestandteil war auch eine Führung durch das Areal.

 

 

 

Ausschuss zur Stadthalle abgelehnt

 

Görlitz. Der Stadtrat hat gestern Abend nach intensiver Debatte die erneute Bildung eines Stadthallenausschusses abgelehnt. 21 Räte stimmten dagegen, acht dafür, zwei enthielten sich. Laut Joachim Paulick („Zur Sache“), der den Antrag einbrachte, sollte der Ausschuss aus Fraktionsmitgliedern und sachkundigen Bürgern bestehen und alle Themen zur Sicherung und Sanierung der Stadthalle intensiv beraten.

 

 

 

Doch Oberbürgermeister Siegfried Deinege gab zu Bedenken, dass der Antrag anfechtbar sei. So wäre laut Sächsischer Gemeindeordnung automatisch er als OB der Vorsitzende des Gremiums und nicht ein Mitglied, das von den anderen ernannt wird. „Ich bin gezwungen, inhaltlich Einspruch zu erheben“, so Deinege. Zudem sehe auch er keine Sondersituation, die einen solchen Ausschuss rechtfertige.

 

 

 

Ähnlich sahen es viele Stadträte. Umstrittene Punkte waren vor allem der Zeitpunkt und die vermeintliche Bürgerbeteiligung. Die müsse bei der Stadthalle über andere Wege erreicht werden, als durch einige wenige Bürger in einem Ausschuss, in dem sie ohnehin zu Verschwiegenheit verpflichtet würden. Auch sei der Zeitpunkt für einen Sonderausschuss nicht jetzt, sondern erst, wenn es konkret um Sanierungs- und Betreibungskonzepte gehe. (SZ/dan)

 

 

 

 

 

05.03.2015

 

 

 

Veranstaltungen in der Stadthalle sollen verhindert werden

 

 

 

Linken-Fraktionschef Mirko Schultze dürfte es wohl nicht entgangen sein, das sich seit vielen Jahren ein Stadthallenverein sowie viele Bürger für die Wiederbelebung der Stadthalle als Veranstaltungshalle einsetzen. Auf den sehr emotionalen Brief an die Stadt von Herrn Dr. Hans Fey habe ich auch noch keine gebührende Stellungnahme gehört. Stattdessen wird von den Gegnern der Stadthalle eine Diskussion über die Umwidmung zu einem Museum losgetreten. Noch nie habe ich von Bürgern gehört, das ihnen jetzt ein Museum fehlt, zumal in den letzten Jahren 30 Millionen Euro an Investitionen in Museen dieser Stadt geflossen sind. Man fragt sich, wo überhaupt die neuen 19 Millionen Euro so schnell herkommen?

 

 

 

Würde es dazu kommen, stellt sich die Frage, ob die Stadthalle als Museum ohne Zuwendung der Stadt auskäme? Oder ist man in diesem Bereich eher bereit, Zuschüsse zu zahlen? Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Stadthalle für Veranstaltungen mit allen Mitteln verhindert werden soll. Offenbar hat man Angst, anderen Veranstaltern in der Region ein paar Besucher streitig zu machen. Aus meiner Sicht wird der Wille der Bürger ignoriert.

 

 

 

Herbert Keller, Görlitz

 

 

 

 

 

05.03.2015 Zgorzelec will der Stadthalle helfen

 

Bürgermeister Rafal Gronicz wird die Schirmherrschaft über eine Aktion des Fördervereins Stadthalle Görlitz zum Tag des offenen Denkmals übernehmen.

 

 

 

Die Stadt Zgorzelec setzt sich für eine Revitalisierung der Stadthalle ein. Das sagte Bürgermeister Rafal Gronicz in einem Gespräch mit den Vertretern des Stadthallen-Fördervereins. Hintergrund ist die Absicht von Zgorzelec, unmittelbar an der Stadtbrücke ein Boulevard als neue Stadtmitte entstehen zu lassen. Deshalb hätten die Zgorzelecer Interesse daran, dass der derzeit bedrückende Zustand der Stadthalle auf der deutschen Seite beseitigt werde und das Haus samt dem Umfeld genutzt werden könne, teilte Anneliese Karst vom Förderverein mit. Gronicz habe seine Bereitschaft erklärt, die Wiederbelebung der Stadthalle zu unterstützen.

 

 

 

Als erste Schritte der Zusammenarbeit sollen Kulturprojekte wie das Kinderfest „Wir, die Neißekinder“ und Konzerte des Mandolinenorchesters wieder aktiviert werden und im Stadthallengarten oder ab 2016 in der Stadthalle stattfinden. Konkret wurde vereinbart, dass der Förderverein anlässlich des „Tag des offenen Denkmals“ gemeinsam mit dem Dom Kultury eine Ausstellung zur Stadthalle gestaltet. Diese wird unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Gronicz am 12. September im Dom Kultury eröffnet. (SZ/pc)

 

 

 

 

 

07.03.2015

 

 

 

„Wir wollen mehr Aufmerksamkeit aus dem Rathaus“

 

Thomas Leder, CDU-Stadtrat und Vorsitzender des Stadthallen-Vereins über Bürgerbeteiligung und das Interesse Polens.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Thomas Leder kämpft seit Jahren um die Sanierung der Görlitzer Stadthalle. Als es im Stadtrat jüngst um die Bildung eines Stadthallen-Ausschusses ging, wurde er als Vorsitzender des Fördervereins wegen Befangenheit von der Abstimmung ausgeschlossen. Unverständlich für ihn. Dass die Mehrheit des Rates gegen einen solchen Ausschuss stimmt, ebenso. Auch aus dem Rathaus fehlt ihm nach wie vor ein klares Bekenntnis zur Stadthalle. Im SZ-Gespräch sagt Leder auch, was er von einer Beteiligung der Bürger im Sicherungs- und Sanierungsvorhaben Stadthalle hält.

 

 

 

Herr Leder, Sie hätten sich die Wiederbelebung eines Stadthallen-Ausschusses gewünscht. Warum?

 

 

 

Um jetzt, wo Sicherung und Sanierung der Stadthalle beginnt, über den Betrieb und seine Kosten zu beraten. Kritiker im Stadtrat bemängeln ja immer, dass es nicht geht. Oder über Parkplätze an der Stadthalle, die einen Betrieb dann eben günstiger gestalten. Und außerdem geht es darum, weiteres Geld zu beschaffen. In den anderen Ausschüssen des Stadtrates findet dazu doch bislang nichts statt. Warum wird ein solcher Ausschuss abgelehnt? Es wird nicht offen gesagt, warum. Die Begründungen, die ich hörte, waren nur Ausflüchte. Bislang weiß zudem niemand, wie und wann die über vier Millionen Euro Fördermittel verbaut werden sollen.

 

 

 

Würden Sie die Görlitzer Bürger gern beteiligen an diesem Prozess?

 

 

 

Ich denke, man hätte im Rahmen eines Ausschusses Bürger beteiligen können. Wir brauchen sachkundige Leute mit anderen Sichtweisen. Als Stadtrat ist man manchmal durch die vielen anderen Themen und Termine blockiert, da sind neue Gedanken von außen sicher hilfreich.

 

 

 

Wäre die Stadthalle nicht auch für die vom OB viel gepriesene Bürgerbeteiligung ein Paradebeispiel?

 

 

 

Die Stadthalle selbst ist ja ein Denkmal bürgerschaftlicher Beteiligung. Sie steht hier heute nur, weil die Bürger von Görlitz den Bau damals wollten, nicht, weil es der damalige Stadtrat initiiert hatte. Im Konzept vom Oberbürgermeister heißt es, dass bürgerschaftliche Beteiligung für die Gemeinschaft, die Politik und die Verwaltung gewinnbringend ist, wenn aus dem Wissensschatz der Bürgerschaft neue Ideen und Impulse geschöpft werden können. Das passt hier genau! Bürger sollen dabei in Großprojekte einbezogen und vor allem informiert werden.

 

 

 

Sie haben zusammen mit Ihren Vereinsmitgliedern gerade enge Kontakte nach Polen geknüpft, es soll im September eine Ausstellung zur Stadthalle im Dom Kultury geben. Wie sollen die Aktivitäten jenseits der Neiße die Stadthalle voranbringen?

 

 

 

Wir beide wollen, dass die Stadthalle die neue Mitte der Europastadt wird. Die Polen bauen auf der anderen Seite an einem Boulevard an der „neuen Mitte“, dessen ideale Verlängerung auf deutscher Seite die Stadthalle ist. Sie haben deshalb ein großes Interesse daran, dass hier keine Ruine steht, sondern etwas, was auch sie nutzen können. Dort drüben wird die Stadthallenentwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Dass das Gebäude immer noch so dasteht, stößt auf Unverständnis. Dass man die Stadthalle in Zgorzelec offenbar unbedingt will, freut uns sehr. Die Offenheit und die positive Einstellung, die uns im Zgorzelecer Rathaus entgegen gebracht wurde, erwarten wir auch aus dem Görlitzer Rathaus. Dort ist das nicht immer so.

 

 

 

Was sollte die Stadt denn als nächstes tun? Wie sollten die anstehenden Entscheidungen zur Verwendung der 4,3 Millionen Euro Fördermittel getroffen werden?

 

 

 

Dazu würde auch ich mir mal eine öffentliche Information wünschen. Auch für die Leute, denn bei all der Geheimniskrämerei ist es kein Wunder, wenn Mutmaßungen entstehen. Außerdem würde mich sehr interessieren, ob in den Plänen die Brücke am Haupteingang eine Rolle spielt. Sie wird bislang überhaupt nicht erwähnt.

 

 

 

 

 

10.03.2015

 

 

 

Frühjahrsputz an der Stadthalle

 

Görlitz. Für einen Frühjahrsputz an der Stadthalle sucht der Stadthallen-Verein Mitstreiter. Am 28. März soll ab 9 Uhr auf dem Gelände zwischen den Finnhütten und dem Hotel Mercure aufgeräumt werden, teilt Vereinschef Steffen Leder mit. „Dort ist alles verwildert, da muss etwas gemacht werden.“ Arbeit sei genug da, selbst, wenn viele Leute kämen. Die Vereinsmitglieder wünschen sich, dass freiwillige Helfer von zuhause Astscheren und Astsägen mitbringen mögen. Auch Laubrechen und Schubkarren wären hilfreich.

 

 

 

Am Montag hat es bereits eine Besichtigung gegeben – mit Vertretern des Rathauses und des Vereins. „Der Frühjahrsputz ist uns wichtig, damit die Osterspaziergänger sehen, dass es hier vorwärts geht“, so Leder.

 

 

 

Im vergangenen Jahr hatte der Stadthallenverein zum ersten Mal einen Frühjahrsputz initiiert. Damals waren mehr als 50 Helfer gekommen, um den Stadthallengarten so herzurichten, dass er von den Vereinsmitgliedern und anderen genutzt werden kann. (SZ/dan)

 

 

 

 

 

18.03.2015

 

 

 

Die meisten Facebooknutzer wollen statt einer neuen Brücke die Stadthalle

 

Der Rückschlag für den Brückenbau in Görlitz wird auf der Facebook-Seite der SZ vor allem begrüßt. Dass der Bund aber die Nichtvergabe der Fördermittel damit begründet, Görlitz sei keine notleidende Gemeinde, erstaunt viele. Wie soll es weiter gehen?

 

 

 

Bertram Oertel: Hier jagt eine Lachnummer die andere. Damit ist der Stadtratsbeschluss zum Brückenbau hinfällig. OB und Teile des Rates wollten Volkes Stimme ignorieren, jetzt sind sie gezwungen, neu zu beraten. Das Ergebnis dürfte ernüchtern, denn Görlitz benötigt die knappen Eigenmittel für sinnvollere Projekte.

 

 

 

Wolfgang Duschek: Schön, dass es mal was Positives zu berichten gibt.

 

 

 

Lilly Rose: Wenn Gelder gekürzt werden, dann ist das nie nicht positiv.

 

 

 

Igor Slowinski: Statt einer Brücke – nichts. Aber viele von Euch werden bestimmt froh sein. Ich dachte, so ein Verhalten wäre typisch polnisch… Hoffentlich gibt es noch vernünftig denkende Menschen in Görlitz und Zgorzelec.

 

 

 

Urs Ruetl: Mach dir keine Sorgen, davon gibt es genug. Die schreien nur nicht so laut.

 

 

 

Marcel Lange: Ich wusste gar nicht, dass es Görlitz so gut geht.

 

 

 

Eno Strauss: Bei 36 Millionen Schulden fallen die paar Hunderttausend Euro nicht ins Gewicht. Wir haben es ja.

 

 

 

Kornelia Fischer: Wozu noch eine Brücke? Der Erhalt der Stadthalle ist wichtiger.

 

 

 

Mike Neugebauer: Ich halte das Ganze für eine hinter den Kulissen diplomatisch erdachte Lösung des Problems. Deinege und Wieler können dabei sogar ihr Gesicht wahren.

 

 

 

Shupac Ghk: Görlitz braucht bestimmt nicht noch eine Brücke. Zwei reichen völlig aus. Alles andere ist Geldverschwendung.

 

 

 

Ralf Thies: Welch peinliche Geschichte… Jetzt nur nicht zurückweichen. Keine Ausreden! Brücken verbinden Menschen, gerade in den Köpfen.

 

 

 

Ti Na: Ein Glück. Hoffentlich ist die Stadt schlau genug und lässt die Brücke ganz weg.

 

 

 

Nadine Lohse: Wofür brauchen wir noch eine Brücke? Eine fürs Auto, eine für Fußgänger, reicht das nicht?

 

 

 

Martin Wolf: Schade für die Stadt und die Touristen. Eine weitere Brücke hätte die Neißegegend beidseits aufgewertet und käme Gaststätten und Händlern zugute.

 

 

 

Hans-Peter Bauer: Das hat man nun von den Querelen um die Brücke. Hoffentlich bleibt die Finanzierung der Stadthalle erhalten. Bei der Einsicht in den städtischen Haushalt sah das nicht gerade gut aus. Wieso hat die Stadtverwaltung Görlitz denn die 4,3 Millionen Euro bis ins Jahr 2019 gestückelt? Will sie uns weismachen, sie hätte recht behalten, die Stadthalle vor 2020 nicht in Betrieb gehen zu lassen? Ich kenne den Status der Finanzen nicht, aber wenn es Fördermittel sind, dann steht ein zeitlicher Verbrauchsrahmen dahinter, und wenn der nicht eingehalten wird, droht die Rückzahlung.

 

 

 

65 000 000 Euro

 

Neue Schulen, neue Brücken, neue Plätze, neue Straßen, neues Neißeufer: Die Stadt legt für die nächsten fünf Jahre einen großen Investitionsplan auf.

 

 

 

 

 

20.03.2015

 

 

 

 

 

Und wo bleibt die Stadthalle?

 

Im Namen von „Zur Sache“ fordert unser Autor ein Umdenken beim Geldausgeben. Ein Kuratorium soll entscheiden, wofür die 1,4 Millionen Euro von Turow eingesetzt werden.

 

 

 

Von Conrad Jacob

 

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Bürgerbeteiligung wird in Görlitz angeblich groß geschrieben. Und die Stadt erhält 1,4 Millionen Euro geschenkt. Sicherlich ist es eine schwierige Aufgabe, dieses Geld für Jugend, Sport und Kultur gleichmäßig und gerecht zu verteilen. Die Wünsche und Hoffnungen, von dem großen Kuchen etwas abzubekommen, sind natürlich groß.

 

 

 

Unbestritten ist sicherlich, dass sich das Bemühen und der Erfolg des Oberbürgermeisters in der Sache in seinem Mitspracherecht niederschlagen muss. Unverständlich, dass im Übereifer eines Aktionismus schnell mal ganz wichtige Projekte genannt werden, die eigentlich schon vor Jahren geplant und demzufolge auch in den Haushaltsplänen finanziell abgesichert sind, wie zum Beispiel das Soziokulturelle Begegnungszentrum oder auch das Stadion der Freundschaft.

 

 

 

Projekte an der Neiße müssten bevorzugt behandelt werden. Enttäuschend ist immer wieder die Tatsache dass die Stadthalle nicht genannt wird, immerhin liegt sie auch an der Neiße. Warum spielt sie wieder keine Rolle? Positiv zu werten ist, dass wenigstens an die Hirschwinkelturnhalle gedacht wurde. Ihre Sanierung sollte aber einen Schwerpunkt bilden. Viele Görlitzer verstehen den Leerstand ohnehin nicht. Für den Schul- und Freizeitsport wird sie dringend gebraucht. Eltern und Kinder werden es danken. Selbstverständlich kann man auch Gelder in die direkte Förderung der Kinder- und Jugendarbeit fließen lassen , indem man die Pauschale etwas erhöht.

 

 

 

Im übrigen nur zur Erinnerung: Dringend wird noch Geld für die Toilette am Busbahnhof benötigt. Wichtig ist meiner Meinung nach, Nägel mit Köpfen zu machen. Trotz aller Bekundungen und Versicherungen an die Bevölkerung, dass die eine Million Euro wirklich ein Geschenk ist, bedeutet es für mich ein Schuldeingeständnis der polnischen Seite. Überhaupt frage ich mich, was diese Geheimniskrämerei soll? Ganz abgesehen davon, dass sich der mündige Bürger sowieso seinen Teil denkt.

 

 

 

Bei allem positiven Denken sollte eines nicht passieren, dass dieses Geld – und wenn nur zum kleinen Teil – zum Stopfen von Haushaltslöchern genommen wird. Vielleicht denkt man bei den Maßnahmen an die katastrophal geschädigten Gebiete entlang der Neiße von Hagenwerder bis Ludwigsdorf/Ober Neundorf, und setzt dafür entsprechende Mittel ein. Ein Beispiel wäre hier die Sanierung der Rothenburger Landstraße, die durch die Überflutung und Unterspülungen sehr stark gelitten hat und nicht repariert wurde. Der Bitte der Ortschaftsräte von Ludwigsdorf und Hagenwerder schließe ich mich gern an, aber nicht mit dieser Bescheidenheit.

 

 

 

Aus diesem Grunde schlage ich im Namen meiner Wählervereinigung „Zur Sache“ vor, eine Arbeitsgruppe ähnlich des Kuratoriums für die Altstadtmillion aus allen Fraktionen zu gründen. Es ist genügend Zeit, mit viel Sachkenntnis und Verantwortungsbewusstsein Projekte auszuwählen, und diese auch für den Bürger nachvollziehbar auf den Weg zu bringen.

 

 

 

An dieser Stelle noch eine kurze Bemerkung zur geplanten dritten Neißebrücke: Es ist schon erstaunlich, wie sich das Blatt wendet. Jetzt erfolgt wieder ein Schnellschuss, indem der Standort ganz ohne eine sachliche Prüfung verändert wird. Die Lindenwegbrücke muss nicht mehr standortgebunden gebaut werden. Ein Schelm der Arges dabei denkt… Dabei sollte die Brücke am Viadukt laut Bürgermeister Dr. Wieler doch von der polnischen Seite gebaut werden?

 

 

 

 

 

08.04.2015

 

 

 

Wie die Stadthalle funktionieren könnte

 

Neue Studie hält die Veranstaltungshalle auch ohne Anbau für nutzbar. Am Zuschuss der Stadt ändert das aber nichts.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

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Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen.

 

Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen.

 

© nikolaischmidt.de

 

Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen. Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen. Kann die Stadt ihre Stadthalle sanieren und wieder öffnen? Eine neue Studie zeichnet ein positives Bild. Fotos: Christian Suhrbier, Nikolai Schmidt, Stadt

 

Hinter der Absperrung lagern derzeit die Metallstützen, die künftig die Stadthalle wieder etwas sicherer machen sollen. In den nächsten Wochen werden die Teile eingebaut, um die Stützpfeiler der Stadthalle zu stärken. Sie sollen den Auftakt zu mehrjährigen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Görlitzer Veranstaltungshalle bilden. 4,3 Millionen Euro Fördermittel stehen dafür zur Verfügung, erst 2018 will die Stadt diese Gelder verbaut haben. Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Halle zur 950-Jahr-Feier der Stadt 2021 wieder eingeweiht werden kann. Dabei kommt eine neue Nutzungsstudie zur Stadthalle zum Schluss, die Halle möglichst zeitnah zu sanieren. Angestoßen hatte die Studie Dr. Hans Fey, Eigentümer des Mercure-Hotels in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Münchner Benevue GmbH legte jetzt das knapp 90 Seiten umfassende Konzept vor. Die SZ stellt die Details vor.

 

 

 

Vorteile der Stadthalle: Architektur, Image, Orgel und der Klang

 

 

 

Eine sanierte Stadthalle habe Potenzial für attraktive Veranstaltungen. Die einzigartige Sauer-Orgel, der Klang des Großen Saales, aber auch das Image als Jugendstil-Gebäude gibt es nur in der Stadthalle. Christopher Rörig von der Benevue GmbH als Autor kommt zu dem Schluss: „Das Haus erzählt eine Geschichte, die Vermarktungspotenzial bietet.“

 

 

 

Nachteile der Stadthalle: Zustand, fehlende Parkplätze und kleine Säle

 

 

 

Zwar funktioniert die Halle grundsätzlich, doch muss sie zeitnah saniert werden. Denn in wichtigen Punkten entspricht die Halle nicht mehr den heutigen Anforderungen. Dazu fehlen kleinere Säle, um gerade für Kongresse interessant zu sein. Auch die Zahl der Parkplätze ist zu gering. Beides ist nicht neu. Deswegen sollten beim abgeblasenen Sanierungsprojekt 2012 auch mithilfe eines Anbaus zusätzliche Räume geschaffen werden. Die jetzige Studie hält es aber für möglich, auch ohne Anbau das Problem teilweise zu beheben, indem das Schlesische Zimmer, das Rundzimmer, die bisherige Hausmeister-Wohnung und Räume der Verwaltung so umgebaut werden, dass sie an Kongress-Veranstalter neben dem Großen und Kleinen Saal vermietet werden können. Dadurch würde die Stadthalle „für wirtschaftlich attraktive Veranstaltungen aus dem privaten und wirtschaftsnahen Segment attraktiv“.

 

 

 

Sanierung: Stadthalle modernisieren, wie sie dasteht

 

 

 

So nimmt die neue Studie auch Abstand von einem Anbau an der Stadthalle. Empfohlen wird eine Sanierung der Halle in ihrer jetzigen Form. Da ein Sanierungskonzept nicht Gegenstand der Studie war, gibt es keine Aussagen über die Kosten eines solchen Umbaus. Das Görlitzer Rathaus rechnet mit bis zu 20 Millionen Euro Baukosten für eine solche Variante.

 

 

 

Künftiger Betrieb: Wenige Mitarbeiter – Mercure-Hotel deckt Gastronomie ab

 

 

 

4,5 Stellen sieht die Studie für die Betreibung der Stadthalle vor: einen Geschäftsführer, eine halbe Assistenzstelle sowie je eine Stelle für Veranstaltungsmanagement, für Technik und Gebäudemanagement. Die Buchhaltung sollte an Dritte vergeben werden, die Gastronomie durch das benachbarte Mercure-Hotel abgedeckt werden. Die Position eines Geschäftsführers soll aber als „Gesicht des Hauses“ bereits zwölf bis 18 Monate vor Eröffnung der Halle besetzt werden, um den branchenüblichen Vorlauf bei der Planung von Veranstaltungen zu berücksichtigen.

 

 

 

Veranstaltungen: Kultur macht

 

 

 

noch 40 Prozent aus

 

 

 

Die Studienautoren schlagen vor, dass künftig 40 Prozent aller Veranstaltungen aus der Hoch- und Unterhaltungskultur kommen sollen, rund 23 Prozent könnten Bankette und Bälle sein, ein knappes Drittel Produktpräsentationen, Firmenveranstaltungen, Konferenzen und Seminare sowie acht Prozent Messen und Ausstellungen. Insgesamt rechnet die Studie mit 200 Veranstaltungen und rund 60 000 Besuchern im Jahr.

 

 

 

Rahmenbedingung: Görlitz braucht noch ein großes Hotel

 

 

 

Um Konferenzen und Tagungen an Land zu ziehen, halten die Münchner Autoren die Ansiedlung eines weiteren Hotels oder einer überregionalen Hotelmarke in Görlitz für sinnvoll. Bislang hat nur das Mercure mit 186 Zimmern eine Größe, um mehr als 50 Personen für solche Veranstaltungen unterbringen zu können.

 

 

 

Finanzen: Rund 500 000 Euro pro Jahr muss die Stadt leisten

 

 

 

Stadthallen können nicht wirtschaftlich betrieben werden, es bleibt immer ein Zuschuss. So leistet sich die Stadt Unna eine Stadthalle mit einem Defizit von rund 600 000 Euro, Gießen kommt auf dieselbe Summe, die Stadthalle in Oberursel auf 750 000 Euro, und Bayreuth schießt 700 000 Euro zu seiner Stadthalle bei. Auch die Görlitzer Halle wird ein Defizit einfahren. Es liegt in den Anfangsjahren – je nach Auslastung – zwischen 430 000 und 530 000 Euro. Also in dem Bereich, der auch bislang genannt wurde. Zugleich rechnen die Autoren mit einem Kaufkraftgewinn für Görlitz von 2,75 Millionen Euro pro Jahr sowie rund 65 Arbeitsplätze, die durch die Stadthalle indirekt geschaffen werden könnten. Die bislang vorliegenden Studien kamen auf 1,8 Millionen Euro und 25 bis 30 Arbeitsplätze. Die Jobs entstehen vornehmlich in der Gastronomie, im Hotelwesen, im Handel und bei der Reinigung. Die Stadt selbst kann auf 86 000 Euro zusätzliche Steuereinnahmen hoffen. Auf ein Wort

 

 

 

08.05.2015

 

 

 

Stadthallengarten ist wieder nutzbar

 

Mitglieder des Fördervereins haben alles geputzt. Sogar Gardinen wurden aufgehängt.

 

 

 

Mitglieder des Fördervereins Stadthalle haben die Finnhütten von dem angesammelten Schmutz und den Spinnweben befreit, die Schutzplatten von den Fenstern abgenommen und die Fenster geputzt sowie die Bänke und Tische gereinigt. Das teilte Anneliese Karst vom Förderverein Stadthalle mit: „Die Gardinen wurden gewaschen wieder aufgehängt.“ Der Hausmeisterdienst Andreas Böhmer hat erneut den Rasen kostenlos gemäht und die Reste abtransportiert. Jetzt kann der Stadthallengarten von Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen genutzt werden. Am 19. Mai, um 18 Uhr, wird das Picknick des deutsch-polnischen Sprachbegegnungsprojektes „Tandem“ im Rahmen des Programms „Görlitz/Zgorzelec – zwei Städte, ein Fluss. Grenzerfahrungen“ in den Finnhütten stattfinden. Am 18. Juni trifft sich dann der deutsch-polnische Club „Femina“ zum Abschluss eines Parkrundgangs in den Hütten zu Kaffee und Kuchen.

 

 

 

„Es würde uns freuen, wenn das Angebot von den Görlitzern und Gästen angenommen und der Stadthallengarten für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wird“. so Anneliese Karst. Bei der Antragstellung und Vorbereitung gibt der Förderverein gern Unterstützung und Hilfe. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

19.05.2015

 

 

 

Verein will sanierte Stadthalle 2021

 

Zur 950-Jahr-Feier könnte das Veranstaltungshaus wieder öffnen. Wenn sich alle bemühen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Der Förderverein Stadthalle drängt auf einen verbindlichen Eröffnungstermin für eine sanierte Stadthalle. In einem offenen Brief an den Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege greift der Verein das Thema erneut auf. Sein Vorschlag: Die Stadthalle sollte anlässlich der 950-Jahr-Feier von Görlitz im Jahre 2021 wieder eröffnet werden. „Das sind sechs Jahre Bauzeit“, schreibt Vereinsvorsitzender Thomas Leder, „das Doppelte der Planung von 2012, nunmehr ohne Anbau“. Durch einen solchen Grundsatzbeschluss würde die „Planung und Beschaffung von Geldmitteln erleichtert und auch erst möglich“, heißt es in dem Schreiben weiter. Zugleich würde die Stadt dadurch das klare Bekenntnis zur Stadthalle abgeben, „das auch vom Freistaat, dem Landkreis und der Denkmalpflege für die Bereitstellung weiterer Mittel erwartet wird“.

 

 

 

Zugleich äußert sich der Stadthallenverein kritisch zu den bislang bekannt gewordenen Bauplänen an der Stadthalle. Nach Einschätzung Leders, der für die CDU auch im Görlitzer Stadtrat sitzt, wäre das Ergebnis dieser Pläne „ein kleiner Saal mit 200 Plätzen, in dem drei Jahre Bauarbeiten stattfinden“. Die Stadt plant, dass der kleines Saal ab dem Jahr 2018 von Juni bis September nutzbar ist. Desweiteren soll die Erneuerung der Brücke am Haupteingang und der Dächer mit Ausnahme des großen Saales bereits im kommenden Jahr erfolgen. Anliegen des Vereins ist es nun, „die Bauzeit am kleinen Saal zu straffen und den großen Saal schnellstmöglich, unmittelbar nach Erneuerung der Kellerdecke im nächsten Jahr so herzurichten, dass er als bespielbare Baustelle nutzbar ist“. Schließlich sei der große Saal mit der Orgel das Herzstück der Stadthalle. Mit der Nutzung des großen Saales könnten zudem Mittel für die weitere Erhaltung und Sanierung der Stadthalle eingespielt werden. Der Verein verbindet damit zugleich die Erwartung einer „frühzeitigen touristischen Vermarktung der Halle“.

 

 

 

Der Verein hält eine kürzere Bauzeit als von der Stadt vorgeschlagen für realistisch und verweist auf die Planungen vom Frühjahr 2012. „Das In-die-Länge-ziehen der Bau- und Sanierungsmaßnahmen birgt zudem das hohe Risiko der Kostenerhöhung und Verschlechterung der Bedingungen, das erforderliche Geld zu beschaffen.“ Neben Fördergeldern vom Bund und Land bringt der Verein auch eine angemessene Kreditfinanzierung ins Spiel. Derzeit liegen die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau. Nicht vergessen werden sollten Lösungen für das Parken sowie das Umfeld der Stadthalle mit dem Meridian und dem früherem Grenzübergang.

 

 

 

 

 

22.05.2015

 

 

 

Neue Verzögerung bei Stadthallensicherung

 

Die Stützpfeiler könnten eingebaut werden, wenn es nicht wieder Nachforderungen gäbe.

 

 

 

Noch immer kann mit der Sanierung der Stützpfeiler in der Stadthalle nicht begonnen werden. Das teilte Kerstin Poost vom städtischen Hochbauamt am Mittwoch im Technischen Ausschuss mit. Zwar sind die Ersatzpfeiler bereits seit Längerem da und auch die Baugenehmigung ist erteilt. Doch bestehe der Prüfstatiker darauf, dass das Arbeitsgerüst noch einmal separat auf seine Statik hin überprüft werde.

 

 

 

„Das ist kein normales Fassadengerüst, sondern ein Sonderbau“, so Kerstin Poost. Sie hoffe, dass das bald erledigt ist, da ja ein „Spontanversagen“, das heißt ein Einsturz der Stadthalle immer noch nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Im Sommer war festgestellt worden, dass die vier Strebepfeiler, die saniert werden sollen, schon so bröckeln, dass die Sicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet werden kann, woraufhin die Stadthalle gesperrt wurde.

 

 

 

Zum Abstützen der Strebepfeiler nun sind neue Pfeiler nötig, die da sind und auf Einbau warten. Insgesamt stehen für Sicherung und Sanierung 4,3 Millionen Euro zur Verfügung. (SZ/dan)

 

 

 

 

 

 

 

06.06.2015

 

 

 

Bürgerabend zur Stadthalle

 

Görlitz. Die Stadthalle ist ein Dauerbrenner, seit sie vor mehr als zehn Jahren geschlossen wurde. Damals konnte die Stadt den jährlichen Betriebskostenzuschuss nicht mehr zahlen. Doch hoffte die damalige Rathausspitze um OB Rolf Karbaum und Finanzbürgermeister Rainer Neumer, die Halle nach einer zügigen Sanierung wieder zu öffnen. Daraus ist bislang trotz aller Bemühungen nichts geworden. Am kommenden Dienstag nun lädt das Herbert-Wehner-Bildungswerk für Kommunalpolitik zu einer Bürgerversammlung ein. Ab 19 Uhr können Bürger unter dem Motto „Rettung in Sicht? Die Zukunft der Stadthalle Görlitz“ mit Vertretern aus Politik und Verwaltung diskutieren. Zu Gast sind Bau-Bürgermeister Michael Wieler, die Stadtratsmitglieder Renate Schwarze (SPD) und Frank Wittig (FDP) sowie der Vorsitzende des Fördervereins Stadthalle Görlitz, Thomas Leder. Die Bürgerversammlung findet im Schlesischen Museum zu Görlitz, Eingang Fischmarkt 5 statt.

 

 

 

Bis zu ihrer Schließung war die Görlitzer Stadthalle eines der größten Konzerthäuser im Freistaat Sachsen und bot Platz für viele große Sport-, Tanz- und Musikveranstaltungen. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10.06.2015

 

 

 

Unversöhnliche Fronten im Stadthallen-Streit

 

Anhänger der Halle trafen am Dienstag im Schlesischen Museum auf Bürgermeister Michael Wieler. Der hatte einen ungemütlichen Abend.

 

Von Matthias Klaus

 

 

 

Volles Haus im Schlesischen Museum: Um die 100 Gäste haben sich am Dienstagabend eingefunden, um über die Zukunft der Stadthalle zu debattieren. Gefühlt die Mehrheit im Saal sind Mitglieder des Fördervereins. Thomas Leder, Chef des Vereins, sitzt dann auch gleich mit im Podium. „Die Stadthalle ist Görlitz – da könnte ich schon aufhören“, sagt er gleich am Anfang und bekommt dafür natürlich Applaus.

 

 

 

Kulturbürgermeister Michael Wieler hat indes an diesem Abend einen schweren Stand. Gegner gegen Befürworter, er findet diese Polarisierung nicht gut, sagt der Bürgermeister. Immer wieder muss er sich dennoch im Laufe der Bürgerversammlung anhören, nicht genug für den Erhalt, den künftigen Betrieb der Stadthalle zu tun. „Die Stadthalle ist es wert, das eine klare Entscheidung getroffen wird“, sagt Stadträtin Renate Schwarze (SPD). Solle das Gebäude nun wirklich saniert werden oder gebe es nur Maßnahmen, damit es nicht einfällt?, fragt sie sich.

 

 

 

Er verstehe ja, sagt Michael Wieler, dass manche sagen, die Sanierung der Stadthalle gehe zu zögerlich voran. Das hatte zuvor Thomas Leder bemängelt. Der Förderverein möchte einen verbindlichen Eröffnungstermin für die Stadthalle, schrieb deswegen einen offenen Brief an Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Die Idee: 2021, zur 950-Jahr-Feier der Stadt, soll die Stadthalle wieder eröffnet werden. Bisher plant die Stadt, dass zumindest der Kleine Saal ab dem Jahr 2018 im Sommer genutzt werden kann. „Ich befürchte, dass der Kleine Saal zwar saniert wird, es aber dann nicht mehr systematisch weitergeht“, sagt SPD-Stadträtin Renate Schwarze. Eine Kapazität, wie sie der Kleine Saal aufweist, gebe es anderswo auch. „Das macht doch die Stadthalle nicht aus“, sagt sie. Die Bürgerversammlung im Schlesischen Museum macht vor allem eines deutlich: Den Stadthallen-Befürwortern geht es zu langsam voran.

 

 

 

Inzwischen gibt es die Idee einer Stiftung, angeregt von der FDP. „Die Stiftungssatzung liegt derzeit beim Finanzamt zur Prüfung“, so Bürgermeister Michael Wieler. Einen Kredit für die Sanierung aufzunehmen, hält er nicht für zielführend, das sei auch mit den Chefs der großen Fraktionen im Stadtrat so besprochen worden. Ebenso erteilt er der Idee eines Parkhauses direkt an der Stadthalle eine Absage. „Das würde zwar bei Veranstaltungen ausgelastet sein. Aber doch nicht im Alltag“, sagt der Bürgermeister. Dafür befinde sich die Stadthalle zu sehr „am Rand“ von Görlitz. „Warum gibt es eigentlich keine Bürgerbefragung zum Thema Stadthalle, wo doch der Oberbürgermeister so auf Bürgerbeteiligung in der Stadt setzt?“, fragt sich derweil Anneliese Karst vom Förderverein. Zudem solle die Stadt doch überlegen, inwieweit das geplante Soziokulturelle Zentrum in die Stadthalle integriert werden könnte.

 

 

 

Alfred Theisen, Chef des Senfkorn-Verlages, regt an, die Stadthalle gemeinsam mit den polnischen Nachbarn zu sanieren und zu betreiben. Ja, sagt Vereinschef Leder, es habe Gespräche dazu mit der polnischen Seite gegeben. Es wird im September eine Ausstellung in der Ruhmeshalle zum Thema Stadthalle geben.

 

 

 

Ein konkretes Ergebnis bringt die Diskussionsrunde, organisiert vom Herbert-Wehner-Bildungswerk Dresden, an diesem Abend nicht. „Die Stadt hat erste Schritte zur Sanierung gemacht“, sagt Bürgermeister Michael Wieler und erntet Widerspruch aus dem Publikum. Sein Kommentar: „Sie mögen dazu raunen, oder auch nicht.“

 

 

 

 

 

 

 

12.06.2015

 

Stadthallen-Verein will keine Konfrontation

 

Görlitz. Eine Bürgerbefragung zum Thema Sanierung Stadthalle lehnt Anneliese Karst ab. Das teilt sie als Mitglied des Fördervereins mit. Einer Konfrontation zu diesem Thema steht sie ebenso ablehnend gegenüber. „Wir brauchen dringend die Zusammenarbeit Förderverein und Stadt“, erklärte sie gestern gegenüber der SZ. Eine Eskalation wie Anfang des Jahres im Brückenstreit dürfe es ihrer Ansicht nach bei der Stadthalle nicht geben. Sie bemühe sich im Gegenteil sehr um eine Zusammenarbeit mit der Stadt.

 

 

 

Während einer Bürgerversammlung am Dienstagabend im Schlesischen Museum hatte sich Kulturbürgermeister Michael Wieler gegen Vorwürfe verteidigen müssen, die Stadt treibe die Bemühungen um die Sanierung der Stadthalle nicht konsequent genug voran. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18.06.2015

 

 

 

Zum Denkmaltag droht eine geschlossene Stadthalle

 

Mindestens zehn Wochen soll die Notsicherung des Gebäudes dauern. Doch bislang gibt es kein grünes Licht für die statische Unbedenklichkeit des Baugerüstes.

 

Es hat das Zeug zur unendlichen Geschichte: Allein das Kapitel Notsicherung zieht sich im Buch der Stadthallensanierungsgeschichte offenbar ewig. Ein Dreivierteljahr gilt die Stadthalle inzwischen als einsturzgefährdet. Es könnte ein Jahr und vielleicht noch länger dauern, bis die strengen Auflagen zur Begehbarkeit des Gebäudes gelockert werden.

 

 

 

Denn die geplante Notsicherung der Strebepfeiler kann noch immer nicht beginnen. Es scheint, als sei dafür ein Papier nach dem anderen nötig. Kerstin Poost vom städtischen Bauamt spricht von verschiedenen Nachforderungen, die bei so komplexen Vorhaben eben immer wieder kommen können. Und bei der Stadthalle auch kommen. An der Stadt selbst liege es nicht, dass es noch nicht losgeht mit dem Austauschen der vier Strebepfeiler. Sie hat ihre Hausaufgaben Poost zufolge erledigt. „Die Statik ist bei der städtischen Bauaufsicht eingereicht worden und dann zum Prüfingenieur nach Dresden gegangen“, erklärt Poost. Der beurteile dann die Unterlagen, und das offenbar so lange und so gründlich, bis jegliches Risiko ausgeschlossen werden kann. Schließlich ist er derjenige, der im Unglücksfall haften würde.

 

 

 

Aber was ist so riskant an der Notsicherung? Der Dreh- und Angelpunkt ist anscheinend das besondere Gerüst, das für den Austausch der Pfeiler aufgebaut werden muss. „Ein normales Baugerüst ist an der Fassade verankert“, sagt Frau Poost. Beim ohnehin schon sensiblen und unsicheren Stadthallen-Gebäude geht das nicht. Deshalb nimmt man hier ein Sondergerüst, das allein steht – und durch Schrägen abgestützt wird.

 

 

 

Auch für die Zwischenpfeiler, die als Interimslösung bis zur Sanierung der richtigen Pfeiler an das Gebäude kommen, muss die Stadt noch Sicherheiten nachweisen – bestimmte Verstärkungen etwa. „Alle Unterlagen liegen dem Prüfingenieur in Dresden vor“, so Kerstin Poost. „Er hat mir für diese Woche eine Antwort versprochen.“

 

 

 

Ein Grund zum Jubeln ist das trotzdem nicht unbedingt. Denn wenn das grüne Licht aus Dresden kommt, kommt es noch lange nicht aus Görlitz. Dann gehen die Unterlagen erst mal wieder an das städtische Statikbüro, das dann noch von Dresden geforderte Änderungen einarbeiten muss. Oder der Ludwigsdorfer Metallbaubetrieb Weiner, der die Ersatzpfeiler herstellt, muss noch Änderungen vornehmen. Erst wenn alles geklärt ist, fangen die Metallbauer mit dem Herstellen der Pfeiler an. Das, was schon seit Wochen vor der Stadthalle liegt, sei nur ein kleiner Teil dessen, was noch kommt und nötig ist.

 

 

 

Etwa eineinhalb Wochen, so schätzt Frau Poost, wird dann der Einbau des ersten Ersatzpfeilers dauern, etwa zehn, bis alle vier stehen. Erst danach kann mit der Sanierung der originalen Pfeiler begonnen werden. Ist diese abgeschlossen, kommen die anderen wieder heraus. Dann wäre der erste Teil des Sanierungsplanes erfüllt, zu dem auch die Erneuerung der Seitendächer gehörten. Als Teil zwei sollen die Fenster erneuert und das Dach des Kleinen Saales abgedichtet werden. Gesamtkosten für die Sicherung: 2,3 Millionen Euro – aus dem Topf der Denkmalpflege.

 

 

 

„Wenn erst mal die Ersatzpfeiler stehen, haben wir zumindest schon einen gewissen Status erreicht“, sagt Kerstin Poost. Dann sei die Einsturzgefahr nicht mehr so akut. Ab wann die Stadthalle auch offiziell nicht mehr als einsturzgefährdet gilt und wieder betreten werden darf, ist noch völlig unklar. Zurzeit jedenfalls gibt es strenge Auflagen zum Begehen der Stadthalle, auch abhängig von der Witterung. Bei oder nach starkem Wind etwa ist es nicht erlaubt. Dazu steht die Stadt mit der Wetterwarte am Flugplatz in engem Kontakt.

 

 

 

Ob das Gebäude zum Denkmaltag im September öffnen kann, vermag Kerstin Poost nicht zu beurteilen. „Das muss unser OB gemeinsam mit den Statikern entscheiden. Letztlich müssen wir bedenken, dass es eine Baustelle ist.“

 

 

 

Anneliese Karst wird das gar nicht gern hören. Die Görlitzerin engagiert sich für die Stadthalle wie kaum eine Zweite, ist Mitglied im Förderverein und will zum Tag des offenen Denkmals unbedingt Besucher im Großen wie im Kleinen Saal sehen. „Den Antrag dafür haben wir beim Amt für Liegenschaften gestellt. Es wird aber noch geprüft.“ Unverständlich findet sie, dass bis heute nicht viel passiert ist – wo doch die Einsturzgefahr als so akut proklamiert worden war. Auch werde ihr zu wenig Druck gemacht. Kerstin Poost hingegen betont noch einmal die Besonderheit der Stadthalle: „Das ist keine einfache Baustelle. Wir alle haben wahnsinnigen Respekt davor, wenn in dieses statische System eingegriffen wird, und jede Eile ist in diesem Fall völlig unangebracht.“

 

 

 

 

 

20.06.2015

 

 

 

Jugendzentrum kann Stadthalle nicht ersetzen

 

Warum Görlitz und Zgorzelec die Jugendstilhalle benötigen, erklärt unser Autor als Reaktion auf Stadträtin Carolin Mahn-Gauseweg.

 

Von Hans-Peter Bauer

 

 

 

Die Bürgerversammlung zur Zukunft der Stadthalle, die jüngst unter der Ägide des Herbert-Wehner-Bildungswerkes für Kommunalpolitik im Schlesischen Museum stattfand, machte deutlich, wie wichtig den Bürgern unserer Stadt ihre Stadthalle ist. Das Denkmal Stadthalle ist ein „unbezahlbares Kleinod“, eine Konzert- und Gastspielhalle, dessen Wertevorstellung nicht in Zahlen zu kleiden ist, dessen wirklicher materieller Wert aber mit jedem weiteren Jahr des Verfalls abnimmt. Die Schließung der Stadthalle vor zehn Jahren und der damit verbundene Leerstand führte unweigerlich zu einer abermaligen Verschlechterung des nun leer stehenden denkmalgeschützten Gebäudes.

 

Die Voraussetzungen zur Schließung waren wirtschaftliche Gründe, die für den außenstehenden Betrachter nicht nachzuvollziehen sind. Aufgegeben wurde die Stadthalle, weil deren Aufrechterhaltung nicht zu den gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben der Stadt zählt.

 

In Zeiten knapper Kassen der öffentlichen Hand und deren Kontrolle durch die Kommunalaufsicht steht die Stadt als Eigentümer von Baudenkmalen wie der Stadthalle vor einem Dilemma. In wirtschaftlich guten Zeiten wurden für dieses Gebäude keine Rückstellungen für Modernisierungen und Sanierungen gebildet. Dies hat nun einen kaum noch zu bewältigenden Sanierungsstau an dem so vernachlässigten Denkmal zur Folge. Dieser Sanierungsstau zieht gleichzeitig einen stetig steigenden Unterhaltungsaufwand nach sich, der nur noch schwer aus dem laufenden Haushalt zu erbringen ist. Das ist ein richtiger Teufelskreis. Mit jedem Jahr des Leerstandes fallen die nötigen Investitionen höher aus, um die Stadthalle sanieren zu können.

 

Wäre der Verkauf der Stadthalle ein vermeintlicher Ausweg? Das wäre gleichzusetzen mit dem Verscherbeln des „Tafelsilbers“ der Stadt. Ein anderer Ausweg ist der Rückgriff auf das Instrument der privaten Investoren, denen anheimgestellt wird, wie sie die Stadthalle nutzen oder ob sie das denkmalgeschützte Gebäude gleich ganz abreißen wollen. Auch solche Überlegungen wurden bereits angestellt! Im Rahmen einer solchen rein ökonomischen Betrachtungsweise muss jedoch das Interesse des Denkmalschutzes und der Bürger nahezu zwingend hinten anstehen und letztlich auf der Strecke bleiben.

 

Den Bürgermeister für Kultur und Bau für die stockende Sicherung der Stadthalle verantwortlich zu machen und als Buhmann der Stadt abzustempeln, ist im Übrigen verwerflich. Er ist derjenige, der den Willen dieser Stadträte in der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen muss. Im Podiumsgespräch hat er sich für den Erhalt der Stadthalle ausgesprochen. Allerdings fehlt bei ihm die Vehemenz, die er bei den Sanierungsprojekten der Schulen und Kitas gezeigt hat, wo er sich nicht zu schade war, sogar die „Klinken zu putzen“, um für die Projekte die nötigen Finanzen zu erhalten. Diese Vehemenz von ihm hätten wir uns für unsere Stadthalle gewünscht. Eigentlich sehr schade: Von einem ehemaligen Intendanten unseres Theaters hätten wir mehr Engagement für den Erhalt des so wichtigen Kulturzentrums erwartet. Aber egal, er hat sich zur Stadthalle bekannt und nur das zählt.

 

Vor allem die Stadträte der Bürgerfraktion unterschätzen den Willen des Souveräns, der die Wiederinbetriebnahme der Stadthalle will. Es gibt in Görlitz einfach keine Alternative zur Stadthalle. Auch mit Blick auf unsere Nachbarn in Zgorzelec ist die Erhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahme politisch von außerordentlicher Bedeutung und für das kulturelle Zusammenleben der viel gepriesenen Europastadt Görlitz/Zgorzelec der von beiden Seiten gewollte Kulturpunkt.

 

Umso schwerer wiegen die Äußerungen von Carolin Mahn-Gauseweg zum Jugendzentrum und der Stadthalle in der SZ vom vergangenen Wochenende. Der Beitrag zeugt davon, dass Carolin Mahn-Gauseweg vom kulturellen Leben unserer Stadt meilenweit entfernt ist. Sie spricht von einem Dreispartenprogramm (in Wirklichkeit Vierspartenhaus) des Theaters und ist sich anscheinend nicht bewusst, das dazu auch das Haus Zittau gehört. Das Theater ist ein regionaler Betrieb, kein Stadttheater, dem Schauspiel, Tanz, Musiktheater und ein großartiges Orchester angehören. Es ist für die kulturelle Betreuung des gesamten Landkreises und des Kulturraumes (Orchester) zuständig. Eine im Theater integrierte Stadthalle könnte eine Bereicherung sein. Die fragwürdigen Formulierungen zum Jugendzentrum lassen doch erkennen, dass Carolin Mahn-Gauseweg von der Materie „Kultur“ und „Ökonomie“ wenig am Hut hat. Als Stadthallen-Förderverein haben wir ein gutes Verhältnis zum Second Attempt-Verein, reden miteinander, und das ist immer gut. Nichts ist also gegen ein Jugendzentrum einzuwenden. Aber nur, wenn es den Erfordernissen der Entwicklung des Stadtlebens genüge tut. Eine überregionale Bedeutung aber hat dieses Jugendzentrum nicht.

 

Das Ziel der Stadtgesellschaft ist ein anderes, zumindest aber der Mehrheit der Stadtgesellschaft liegt ein wirkliches kulturelles Zentrum am Herzen. Die Stadthalle besteht bereits seit über hundert Jahren und muss „nur“ wieder auf Vordermann gebracht werden. Sie ist zwischen Breslau und Berlin die einzige Musik- und Konzerthalle, die dieses Niveau aufweist. Das, was die Stadt bisher versäumt hat, muss sie jetzt auch ausbaden, nämlich ihre Stadthalle, die sie verkommen ließ, wieder herzurichten, um das „Tafelsilber“ der Gemeinde wieder zur Geltung zu bringen.

 

Die Stadt als Eigentümer ist laut Denkmalschutzgesetz verpflichtet, sich um die Stadthalle zu kümmern. Zumutbar ist dabei, die Halle ohne jeglichen Schnickschnack in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, der sie wieder für die Menschen nutzbar macht. Schön wäre es, wenn zum 950-jährigen Bestehen unserer Stadt die Neue Lausitzer Philharmonie im Großen Saal der Stadthalle das Festkonzert spielen könnte.

 

 

 

Stadt plant großen Grüngürtel

 

Der „Brautwiesenbogen“ soll bis 2020 die Attraktivität der westlichen Innenstadt erhöhen. Jetzt geht’s ums Geld.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Ein Sorgenkind ist die westliche Innenstadt von Leipziger Platz bis Brautwiesenstraße schon. Von einem sozialen Problemgebiet will Hartmut Wilke zwar nicht sprechen. Schließlich habe die gesamte Görlitzer Innenstadt aus der Sicht des Görlitzer Stadtentwicklers eine vernünftige Entwicklung genommen. Und doch ballen sich in dem Quartier die Schwierigkeiten: viele leere Wohnungen, soziale Schieflagen und Industriebrachen. Deswegen kündigte Oberbürgermeister Siegfried Deinege vor einem knappen Jahr auch an, das Augenmerk auf dieses Stadtviertel zu richten.

 

 

 

Nun wird langsam erkennbar, was die Stadtverwaltung darunter versteht. Zum Tag der offenen Sanierungstür an diesem Sonntag wird sie erste Überlegungen für das Gebiet rund um den Brautwiesenplatz öffentlich machen. Unter der Überschrift: Brautwiesenbogen. Den gibt es zwar nur in den Köpfen der Stadtplaner, doch in einigen Jahren könnte er als großer Grüngürtel vom Görlitzer Bahnhof bis zur Reichenbacher Straße und wieder zurück über Weiße Mauer, Schlachthofgelände bis zum früheren Waggonbaugelände Werk I reichen. Mit Hilfe europäischer Fördermittel aus dem Efre-Programm hoffen die Stadtplaner um Hartmut Wilke, in den nächsten Jahren über sechs Millionen Euro in die Aufwertung des Gebietes stecken zu können. Vielleicht sogar mehr.

 

 

 

Einige Vorstellungen sind schon ziemlich konkret. Für den Güterbahnhof ist die Nutzung als Fachmarktzentrum vom Tisch. Die Bahn wiederum benötigt das Gelände nicht mehr, hat es entwidmet. „Zumeist will sie es dann auch verkaufen“, sagt Hartmut Wilke. Das könnte die Chance eröffnen, das lang gestreckte Gebäude zu erhalten, dessen Dach mit Sonnenkollektoren genutzt werden soll. Dadurch könnte auch das Haus teilweise finanziert werden. Über einen Radweg, der auf den nicht mehr genutzten Gleisen über den Brautwiesentunnel verlaufen könnte, würde der Brautwiesengarten auf dem Areal des früheren Kohlehandels hinter der Brautwiesenstraße erreicht. Uwe Berndt, der für die Stadtsanierung im Rathaus zuständige Mitarbeiter, hat sich das Gelände schon mal angeschaut: „Da hat sich viel spontanes Grün gebildet, der Aufwand für den Brautwiesengarten ist gar nicht so groß.“

 

 

 

Der Cottbuser Park könnte die Flächen der früheren Getreidewirtschaft, rund um die frühere Schule an der Cottbuser Straße, die zu einem Labor ausgebaut wird, und dem geplanten Feuerwehrhaus für die Stadtmitte an der Cottbuser Straße umfassen. Berndt denkt daran, auf der Trasse des stillgelegten Gleises des früheren Waggonbau-Werkes 3 einen Radweg zum Helenenbad einzurichten oder die Ponte, die im Siebenbörner-Areal entspringt und gegenwärtig unterirdisch in Kanälen fließt, wieder ans Tageslicht zu holen. Ähnliches hat Leipzig bei Pleiße und Elster mit großem Erfolg getan oder auch die Lutherstadt Wittenberg. „Damit könnten wir auch etwas für das Klima in der Stadt tun“, sagt Uwe Berndt. Wichtige Frischluftschneisen verlaufen vom Siebenbörner über die Lüders-Straße in die Stadt. Wenn dort zusätzlich Wasser verdunsten würde, verstärke das den kühlenden Effekt.

 

 

 

Der Brautwiesenbogen könnte auch das Schlachthof-Viertel und das Werk 1 einschließen. Während sich die Eigentümer des Schlachthofes, die Familie Gausepohl, nach Angaben von Hartmut Wilke derzeit bemühen, eine Folgenutzung für das Areal zu finden und dabei vor allem an kleinteiliges Gewerbe und ergänzendes Wohnen denken, geht es beim Werk 1 zusammen mit dem Verein Second Attempt um die Gartenprojekte.

 

 

 

Noch steht das Rathaus am Anfang seiner Bemühungen um den Brautwiesenbogen. Bis Ende August muss der Antrag für die Efre-Mittel bei der EU vorliegen. Doch geben sich Wilke und Berndt optimistisch, dass Görlitz bei der Vergabe der Gelder berücksichtigt wird. In den vergangenen Jahren flossen schon in das Fördergebiet Gründerzeitstadt mehr als sieben Millionen Euro aus den Efre-Programmen der EU. Damit konnte der Toberenzbrunnen auf dem Postplatz saniert, die Straße vor dem Joliot-Curie-Gymnasium Wilhelmsplatz wie auch die Schule selbst instand gesetzt, der Schutt des Massa-Marktes an der Uferstraße beräumt und der Uferpark eingerichtet werden. Ebenso stand Geld für die Sanierung der Turnhalle der Böttcher-Grundschule zur Verfügung, der Spielplatz im Stadtpark wurde erweitert, neue Fenster in die Synagoge eingebaut und zeitweise das City-Management unterstützt. Lediglich die Neugestaltung des Molkereigeländes an der Emmerichstraße scheiterte, weil die Interessen eines Eigentümers andere waren. Darin liegt nun auch die wichtigste Arbeit der Stadtplaner. Zwar sind im Brautwiesenbogen manche Flächen bereits in städtischem Besitz, doch müssen nun private Eigentümer für die Pläne gewonnen werden. Hartmut Wilke ist zuversichtlich: „Wir können nicht nur finanziell unterstützen, sondern die privaten Investoren auch bei ihren Plänen beraten.“ Auf ein Wort

 

 

 

Über den Brautwiesenbogen informiert die Stadt an diesem Sonntag, von 10 bis 17 Uhr, beim Sanierungstag im Info-Punkt Brüderstraße. Dort läuft auch ein ZDF-Film von 1992, der das noch weitgehend unsanierte Görlitz zeigt.

 

 

 

 

 

30.06.2015

 

 

 

Stadthalle erst im August Thema im Stadtrat

 

Görlitz. Der Stadtrat wird frühestens im August darüber entscheiden, ob die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier 2021 saniert wird. Eigentlich stand der Vorschlag von der Wählervereinigung „Zur Sache“ bereits auf der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag. Aber weil die Tagesordnung so umfangreich war, konnten nicht alle Beschlussvorlagen bis 22 Uhr abgearbeitet werden. Nach dieser Uhrzeit kann der Stadtrat aber nur noch tagen, wenn seine Mitglieder dem zustimmen. Das taten sie aber nicht. Nachdem die Verschärfung der Polizeiverordnung und das Alkoholverbot auf zentralen innerstädtischen Plätzen wochentags von 7 bis 18 Uhr beschlossen waren, lehnten die Räte es ab, die Stadthallen-Vorlage als letzten Tagesordnungspunkt der Sitzung noch abzuarbeiten. So muss sie nun nach der Sommerpause behandelt werden.

 

 

 

Die Vorlage von „Zur Sache“ enthält nicht nur das Ziel 2021 für die Eröffnung der Stadthalle. Zugleich sollen noch in diesem Jahr Planungen für die Verbesserung der Parkplatz-Situation rund um die Halle beginnen. (SZ/sb)

 

 

 

08.07.2015

 

 

 

Gold und Silber für die Stadthalle

 

Hobby-Münzmeister Thomas Raschke prägt Medaillen mit dem Motiv des berühmten Hauses. Die ersten waren gleich vergriffen.

 

 

 

Von Ralph Schermann

 

 

 

Das Zeremoniell konnte historischer nicht sein: Schrill tönte die Glocke, der Münzmeister rief „Hammer fällt!“, und dann donnerte mit der Wucht von 50 Tonnen Metall auf Metall. Im Gewölbe des Obermarktes 26 vollzog Thomas Raschke im mittelalterlichen Kostüm den Erstabschlag einer Spendenmedaille zugunsten der Görlitzer Stadthalle. Die Prägung in 333er Gold soll ein Unikat bleiben und bei einer Internet-Versteigerung Geld in die Kasse des Stadthallen-Fördervereins bringen. Um das Gold dafür überhaupt einsetzen zu können, ging Thomas Raschke vor dem Abschlag mit dem Klingelbeutel herum. Die 60 Zuschauer legten spontan rund hundert Euro hinein. „Das zeigt doch, wie sehr die Görlitzer ihre Stadthalle vermissen“, war deshalb Thomas Leder überzeugt. Der Vorsitzende des Vereins trat als „Bauarbeiter der Stadthalle“ mit gelbem Helm auf, und mit Zylinder und Gehrock folgte Ernst Kretzschmar. Der Görlitzer Historiker verkörperte Oberbürgermeister Georg Snay, in dessen Amtszeit die Stadthalle entstand. Aus dem heutigen Rathaus indes wurde Besuch vermisst. Wolf-Dieter Fiedler und weitere Zuschauer ärgerte das: Es wäre ein Zeichen für das Interesse an der Wiederbelebung der Kulturstätte gewesen. Ein Zeichen setzen jetzt die Medaillen mit der Inschrift „Taler nahm ich, Euro gab ich für die Stadthalle“.

 

 

 

Der vor 28 Jahren aus Brandenburg zugezogene Thomas Raschke sammelt als Hobby-Numismatiker schon seit seinem achten Lebensjahr Münzen und schuf auch schon einige eigene Kreationen. Geprägt wird an einem Original-Fallhammer aus dem 18. Jahrhundert, der auch für Nicht-Sammler ein technisches Meisterwerk darstellt. Die Prägestempel für die aktuelle Medaille ließ Raschke von einer Fachfirma in Baden-Württemberg nach seinem Entwurf fertigen. Die ersten Medaillen mit Stadthallenmotiv sind es dennoch nicht, wie als Besucher Lothar Kaulfers mitteilte. Der Görlitzer Feinmachaniker, Medizintechniker und Erfinder von Zauberrequisiten präsentierte gleich mehrere seiner bisherigen Stadthallen-Prägungen, die allerdings noch nie öffentlich zugänglich waren. Eingearbeitet in historische Postkarten denkt aber auch Lothar Kaulfers nun über einen Verkauf nach. Dass das Interesse daran groß ist, bewies das kräftige Schauprägen. Thomas Raschke hatte 25 Silberrohlinge mitgebracht, die sofort alle weggingen – für 30 Euro, von denen ein Teil als Spende für die Stadthalle gilt. Jetzt prägt der Hobby-Münzmeister eine Weile ohne Publikum weiter, um die nächsten Silberlinge in den Verkauf zu bringen, zum Beispiel an einem Stand beim Tippelmarkt am 18. Juli.

 

 

 

 

 

 

 

15.07.2015

 

 

 

Die Saalfenster werden saniert

 

Der Stadthallenförderverein hatte eine Spende an die Stadt übergeben und fragt nach dem Verbleib.

 

Von Christine Marakanow

 

 

 

In der jüngsten Bürgerfragestunde der Stadtratssitzung wurde nach dem Verbleib der Spende des Fördervereins für die Stadthalle gefragt. Die Antwort von Bürgermeister Michael Wieler lautete, diese 12 000 Euro seien unter „Haushaltsrest“ verbucht worden. Was diese Aussage bedeutet, möchte Anneliese Karst wissen.

 

 

 

Laut Stadtverwaltung fließt das Geld in die Gesamt-Eigenmittel für die Sanierung der Stadthalle, also zusammen mit den Haushaltsrest aus 2014. Die Eigenmittel werden für den ersten und zweiten Bauabschnitt verwendet, die Sanierung der Strebepfeiler und Seitendächer sowie die Sanierung der Nebendächer, der Erdgeschoss-Decke und der Saalfenster. Damit werde der Spendenzweck erfüllt.

 

 

 

Engagement: Auch als Rentner setzten wir uns noch für die Stadthalle ein

 

 

 

„Ich hoffe, dass die Stadthallensanierung bald vorankommt", sagt Brigitte Hanke. Beim Brauereifest sah die Rentnerin, die Landskronhalle ist „kein Ersatz“. Zusammen mit ihrem Mann habe sie viele Veranstaltungen in der Stadthalle erlebt, darunter glanzvolle Tanzturniere und Konzerte, erzählt sie. „Wir werden die Stadthalle vielleicht nicht mehr in neuem Glanz erleben, denn ich bin 83 Jahre“, sagt Frau Hanke. Aber dennoch engagiere sie sich ebenso wie ihr Mann. Beide seien an der Reinigung des Stadthallengartens beteiligt gewesen und wollen nun den Stadthallenverein als Mitglieder unterstützen.

 

 

 

 

 

16.07.2015

 

Vorverkauf fürs Sommerfest im Stadthallengarten

 

 

 

Görlitz. Ab sofort gibt es im SZ-Treffpunkt im City-Center Karten für das Sommerfest mit Mark Oh, Renft und Andreas Martin. Der Auftritt von Mark Oh findet am Freitag, dem 7. August, statt. Eine Karte kostet zwölf Euro. Einlass ist ab 18 Uhr. Im Vorprogramm legen das DJ-Team The Electric Brothers und Detroyt auf. Für diese Veranstaltung gibt es auch VIP-Tickets in der Konzertmuschel mit zwei Freigetränken für 25 Euro.

 

 

 

Am Sonnabend, dem 8. August, folgt das Konzert der legendären Ost-Band Renft. Hier beginnt der Einlass bereits um 17 Uhr. Als Vorband spielen die jungen Musiker von Ramroad aus Zittau. Die Tickets kosten im Vorverkauf 12 Euro. Zudem gibt es eine begrenzte Zahl von Sitzplätzen direkt vor der Bühne mit zwei Freigetränken für jeweils 25 Euro.

 

 

 

Den Abschluss des Sommerfestes am Sonntag, dem 9. August, bildet ein Familienfest. Als Höhepunkt tritt Schlagerstar Andreas Martin am Abend auf. Der Sonntag startet um 11 Uhr mit einem Frühschoppen. Ab 15 Uhr treten in einem gemischten Programm Künstler der Region auf. Im Vorverkauf kosten die Karten 15 Euro. Auch hier gibt es VIP-Tickets in der Konzertmuschel auf überdachten und gepolsterten Stühlen mit zwei Freigetränken für jeweils 25 Euro. Der Vorverkauf für alle Tickets endet am 5. August. (SZ)

 

 

 

SZ-Treffpunkt im City-Center, 1. Obergeschoss, geöffnet montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr

 

 

 

 

 

23.07.2015

 

 

 

Stadthalle wird notgesichert

 

 

 

Die Vorbereitungen zur Notsicherung der Görlitzer Stadthalle laufen. Zwei von vier Ersatzpfeilern aus Stahl sind bereits eingebaut. Sie sollen das Gebäude stabilisieren, wenn die vier originalen Strebepfeiler saniert werden und damit die Stadthalle wieder sicher steht.

 

 

 

Für den Einbau der Stahlpfeiler ist ein spezielles Baugerüst notwendig, ein Prüfingenieur aus Dresden musste erst seine Zustimmung dafür geben. Die beiden übrigen Stahlpfeiler sollen bis spätestens Ende August eingesetzt sein. Diese Ersatzpfeiler werden nach der Sanierung der Originalteile wieder entfernt.

 

 

 

 

 

 

 

25.07.2015

 

 

 

Wüster Stadthallengarten

 

Der Förderverein versucht vor dem Sommerfest, vieles herzurichten, wünscht sich aber deutlich mehr Hilfe von der Stadt.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Thomas Leder ist zuversichtlich, den Stadthallengarten für das Sommerfest noch ein bisschen auf Vordermann bringen zu können.Fotos: Pawel Sosnowski Die Finnhütten im Stadthallengarten: Dass hier ab und an ungebetene Gäste vorbeischauen, sieht man den notdürftig zugezimmerten Fenstern an, die Unbekannte zerschlagen hatten.

 

In den Finnhütten gibt es gar nichts zu holen. Trotzdem wird hier immer wieder eingebrochen, in den kleinen Häuschen im Garten hinter der Stadthalle. Ein beliebter Ort zum Feiern war der kleine Park immer, und er ist es bis heute. Private Geburtstagsfeiern und Vereinsfeste werden nach wie vor gern hier unten an der Neiße gebucht. Da überwiegt offenbar doch der schöne erste Eindruck des Parks.

 

 

 

Nur genauer hinsehen darf man nicht. Dann löst sich das idyllische Bild ganz schnell in Luft auf. Neben den notdürftig zugezimmerten Finnhütten sieht man auch eine demolierte Toilettentür. Drinnen sind sogar die Abflüsse abgetreten worden. Das stammt vom jüngsten Einbruch, wie Thomas Leder vom Förderverein Stadthalle berichtet. Wie das Gebäude selbst und dessen Sanierung liegt ihm und dem Verein auch der Stadthallengarten am Herzen. Obwohl er so heruntergekommen ist. Denn Vandalismus ist nicht das einzige Problem. Der Zahn der Zeit nagt kräftig an dem Gelände. Immerhin wird es seit zehn Jahren nicht mehr betrieben. So ist die Bühne nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Fußbodenplatten wölben sich, platzen stellenweise auseinander. Beim Frühjahrsputz, den der Förderverein jedes Jahr macht, haben sie innen Deckenteile entfernen müssen, weil sie schon herunter hingen.

 

 

 

Die Pfeiler der Bühne sind verrostet, zwischen den Stufen der breiten Treppe hinüber zur Stadthalle sprießt das Unkraut hoch, Mauern bröckeln. Der große Drehgrill kann zwar noch benutzt werden, aber der Motor funktioniert nicht mehr. Ganz hinten ist die Treppe, die hoch in den Stadtpark führt, auch schon ziemlich zugewachsen. Vermutlich ist es besser so, denn sie ist ohnehin gesperrt und hier und da allmählich auch verrostet und verbogen.

 

 

 

Doch diesen traurigen Anblick sollen die Gäste des Sommerfestes nicht sehen. Anfang August nämlich wird es hier drei tolle Tage geben. Bis dahin soll schon noch ein bisschen repariert und verschönert werden. Beim Toilettenhäuschen hat man begonnen: Die Tür wird wieder ganz gemacht, aus den bisherigen drei werden elf Toiletten – acht Damen- und drei Herrentoiletten. Dass die Stadtwerke hier als Sponsor dabei sind, hilft sehr.

 

 

 

Doch auch von der Stadt würde sich der Verein mehr wünschen. Zwei neue Fensterscheiben oder die Reparatur der undichten Stelle auf dem Dach der Finnhütten sollten doch möglich sein. Registriert wird der Vandalismus bei der Stadtverwaltung sehr wohl. Die Beschädigung an der Toilettentür wurde gemeldet, heißt es aus dem Rathaus. Auch, dass die Schäden an den Fenstern der Finnhütten von früheren Einbruchversuchen stammen. Generell gäbe es an der Stadthalle immer wieder Angriffe gegen städtisches Eigentum. Ein festes Budget steht laut Rathaus-Sprecherin Anett Böttger für Stadthalle und Garten aber nicht zur Verfügung. „Jegliche Aufwendungen zur Unterhaltung, auch zur Beseitigung von Sachbeschädigungen, gehen zu Lasten anderer wichtiger Objekte in der Stadt.“

 

 

 

Vor dem Sommerfest des Fördervereins will die Stadt zumindest eine Baumkontrolle und -pflege durchführen, damit die Gäste der Veranstaltungen keiner Gefahr ausgesetzt sind. „Die Grünpflege innerhalb des Gartens ist vertraglich mit dem Förderverein vereinbart.“

 

 

 

Und der kümmert sich auch darum, versichert Thomas Leder. Aber ihm geht es auch ums Prinzip. „Wenn wir beim Frühjahrsputz ein ganzes Auto voller Müll aus dem Stadthallengarten karren, frage ich mich schon, ob zumindest die Kosten für die fachgerechte Entsorgung nicht die Stadt übernehmen kann“, sagt Thomas Leder. „Es kommen immer nur leere Worte aus dem Rathaus, aber nie mal eine symbolische Geste.“

 

 

 

 

 

 

 

29.07.2015

 

 

 

20 Helfer räumen im Stadthallengarten auf

 

Görlitz. Zwei Stunden lang putzten gestern 20 Leute den Stadthallengarten. Mit von der Partie waren Mitglieder des Stadthallenfördervereins, des Demokratischen Frauenbundes und Mitarbeiter des Hausmeisterdienstes Böhmer sowie Freunde der Stadthalle. Mit Rechen, Rasenmäher, Besen und Gartenscheren brachten sie das Gelände auf Vordermann und einige Sträucher in Form. Der Hausmeisterdienst hat das Schnittgut und einen Berg Unkraut abgefahren. Jetzt müsse man noch die kürzlich demolierten die Toiletten in Ordnung bringen, dann könne das Sommerfest kommen, sagt Thomas Leder vom Stadthallenverein zufrieden. Eine Bühne und rund 160 Stühle werden für das Fest vom 7. bis 9. August aufgestellt. Die Stühle werden nicht für alle Gäste reichen, wer will, könne sich einen Hocker mitbringen. Der Vereinsvorsitzende freut sich schon auf die Veranstaltung, die für viele etwas bereithält. Eintrittsfrei seien Frühschoppen und Familienfest, nur für die abendlichen Konzerte müssten Besucher Eintritt bezahlen. (cm)

 

 

 

 

 

05.08.2015      

 

 

 

DJ-Legende legt zum Sommerfest auf

 

Am Freitag beginnt das Stadthallengarten-Sommerfest. Altrocker sind genauso dabei wie neue DJs.

 

 

 

Görlitz. Den Auftakt zum Stadthallengarten Open Air am Freitag macht der DJ Mark’Oh. Bekannt ist er aus den 90er Jahren zu den Hochzeiten der Loveparade. Dazu werden auch Nachwuchs-DJs aus der Region auflegen, zum Beispiel The Electric Brothers aus Eibau, die das Publikum mit House und Elektro auf den Abend einstimmen. Danach steht Roy Neumann, der als DJ seit 2007 in Sachsen unterwegs ist, an den Plattentellern. Mit beim Open Air dabei ist auch DJ und Produzent Mike Schuenemann. Seine hausgemachte elektronische Musik führte ihn bisher größtenteils durch England.

 

 

 

Das Sommerfest im Stadthallengarten wird vom Stadthallen-Verein und der Incaming Media GmbH organisiert und läuft bis Sonntag. Am Sonnabend sind zum Beispiel die Altrocker der Ost-Band Renft zu Gast. Am Sonntag findet dann ein Familienfest mit einem bunten Programm von Künstlern aus der Region statt. Am Abend wird Schlagersänger Andreas Martin auf der Bühne stehen. Der Vorverkauf läuft bis heute, Karten gibt es unter anderem im SZ-Treffpunkt im City-Center. (SZ)

 

 

 

 

 

06.08.2015

 

 

 

Amor traf beim Renft-Konzert

 

Ein Görlitzer Ehepaar fiebert der Band beim Stadthallen-Sommerfest besonders entgegen.

 

 

 

Von Steffen Schreiber

 

 

 

Es wird wohl ein Abend voll schöner Erinnerungen, wenn Kerstin und Michael Brückner an diesem Sonnabend zum Konzert der legendären „Renft-Combo“ in den Görlitzer Stadthallengarten gehen. Denn während das Weinhübler Ehepaar eigentlich gar keine Ost-Rock-Fans sind, verbinden sie mit der Musik der vierköpfigen Band einen ganz besonderen Moment, wie Michael Brückner erzählt. „Wir haben uns vor 43 Jahren bei einem Renft-Konzert in Görlitz kennen und lieben gelernt.“

 

 

 

Es war der 4. November 1972. Kerstin Brückner war damals noch zarte 16 Jahre alt und durfte das erste Mal allein ausgehen. „Das Konzert fand in den ’Zwei Linden‘ statt, dem damals bei Jung und Alt angesagtesten Tanzlokal der Stadt“, erinnert sich die 59-Jährige. Doch beinahe hätte sie dort ihren späteren Mann nie kennengelernt, wie Michael Brückner erzählt. Ich wollte eigentlich gar nicht hingehen, aber ein Kumpel sagte, dass die zeitweise verbotene Renft-Combo in Rauschwalde spielte.“ Der damals 20-Jährige, der an diesem Freitag 64 Jahre alt wird, ließ sich überzeugen und bereut diese Entscheidung bis heute nicht. „Ich habe Kerstin gesehen und sofort zum Tanzen aufgefordert. Erst kurz vor Mitternacht trennten sich unsere Wege.“

 

 

 

Und liefen in den darauffolgenden Monaten dann immer öfter zusammen. Knapp zwei Jahre später wurde geheiratet und nach und nach eine vierköpfige Familie gegründet. Heute leben die Brückners in einem Ein-Familienhaus in Weinhübel. Er führt die über einhundertjährige Tischlertradition seiner Familie als selbstständiger Meister auf der Krölstraße fort, sie arbeitet heute als Angestellte, nachdem sie zu DDR-Zeiten lange Zeit Krippenerzieherin war.

 

 

 

In ihrer Freizeit spielen heute Konzertbesuche eine eher seltene Rolle, sagt Kerstin Brückner. „Wenn wir Musik hören, sind das eher Schlager aus den 80er Jahren. Doch dafür gehen wir nach wie vor gerne tanzen – einmal pro Woche geht es in die Tanzschule Matzke.“ Doch beim Konzert am Sonnabend stehen nicht nur Nostalgie und die unruhigen Tanzbeine im Vordergrund. „Für uns ist das Thema Stadthalle sehr wichtig. Deshalb hoffen wir, dass solch eine Veranstaltung zum Erhalt und zur hoffentlich baldigen Wiederbelebung dieses Gebäudes beitragen wird.“

 

 

 

Das hofft auch der Görlitzer Stadthallen-Verein, der gemeinsam mit der Incaming Media GmbH das dreitägige Sommerfest organisiert. Den Auftakt zum Stadthallengarten-Open-Air macht am Freitag der in den 90er Jahren bekannt gewordene DJ Mark ’Oh. Am Sonnabend sind dann die Altrocker von Renft am Start, während sonntags ein Familienfest mit einem bunten Programm von Künstlern aus der Region stattfindet. Am Abend beschließt der Schlagersänger Andreas Martin das Fest. Der Vorverkauf läuft bis heute, Karten gibt es unter anderem im SZ-Treffpunkt im City-Center, ansonsten an der Abendkasse.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 10.08.2015

 

 

 

 

 

Renft bringt Schwung

 

Schlager, Rock und 80er-Musik klangen am Wochenende auf dem Sommerfest des Fördervereins der Stadthalle. Das machte Mut: 2021 soll die Halle wieder offen sein.

 

 

 

Von Sabrina Winter

 

 

 

Der Förderverein für die Sanierung der Stadthalle zeigte beim Sommerfest natürlich Flagge. Das dreitägige Fest im Stadthallengarten ist ein Höhepunkt des Jahres. Rückblicke und Blicke nach vorn: Als die DDR-Rocklegende Renft auf die Bühne kam (kl. Foto) mischten sich im Publikum Erinnerungen an schöne Veranstaltungen in der Stadthalle mit der Hoffnung auf baldige Sanierung. Fotos: Pawel Sosnowski

 

Görlitz. Das Ehepaar Bettermann sitzt an einem Biertisch im Stadthallengarten und wartet darauf, dass es losgeht. „Wir sind hier, weil wir Renft sehen wollen. Das ist die Musik unserer Zeit – unser Ostrock“, sagt Dieter Bettermann. Er und seine Frau kennen den Stadthallengarten noch von früher. Damals waren sie Dauergäste in der Stadthalle. Sogar an ihre Jugendweihe und die ihres Sohnes erinnern sie sich. „Es ist traurig, dass es nun keine Veranstaltungen mehr in der Stadthalle gibt. Sie sollte wieder das werden, was sie früher war“, so der 62-Jährige.

 

 

 

Dieser Meinung ist auch der Förderverein der Stadthalle und veranstaltet deswegen jedes Jahr im Sommer ein Fest. Weil die Säle in der Jugendstilhalle gesperrt sind, musste man dieses Jahr auf den Stadthallengarten ausweichen. Dort bot sich von Freitag bis Sonntag eine Mischung aus Familienfest, Frühschoppen und Konzerten. Freitagabend legte DJ Mark’OH auf und Sonntag sang Schlagerstar Andreas Martin. Ein anderer Höhepunkt war die Ostrockgruppe Renft. Sie zog – trotz Regenschauer – etwa 500 Fans in den Garten.

 

 

 

Noch vor ein paar Monaten war dieser Garten zugewachsen und kaum begehbar. In mehreren Aktionen haben die Mitglieder des Stadthallen-Fördervereins ihn im Frühjahr wieder hergerichtet. Das bedeutete: Müll sammeln, Dächer von Laub befreien, Gestrüpp schneiden, Reparaturen.

 

 

 

Seitdem haben Firmen, Vereine und Privatleute den Garten für Feste gemietet. Fast jedes Wochenende war etwas los. Thomas Leder ist der Vorsitzende des Fördervereins der Stadthalle. Er sagt: „Wir wollen zeigen, dass uns die Stadthalle wichtig ist! Hier findet etwas statt und man kann den Garten nutzen – selbst wenn die Halle geschlossen ist.“

 

 

 

Auch die Gruppe Renft weiß, warum sie hier ist. Während des Konzerts richtet sich Lead-Sänger Thomas Schoppe an das Publikum: „Alle Kraft voran für den Erhalt der Stadthalle! Es muss etwas getan werden!“ Durch die Menge huschen zustimmende Laute und Applaus. Hinter der Bühne ragt die Jugendstilfassade in die Höhe. Scheinwerfer tauchen sie in buntes Licht.

 

 

 

Die Ostrocker waren schon öfter in Görlitz. Das letzte Mal vor einigen Jahren zum Altstadtfest. Schoppe erinnert sich: „Das war super! Irgendwie habe ich ein Faible für die Stadt. 1970 war ich das erste Mal hier – sogar eine Nacht länger als geplant, weil ich eine nette Bekanntschaft gemacht hatte.“

 

 

 

Während am Freitag wenige Besucher den Weg in den Stadthallengarten fanden, wurde es am Sonntag richtig voll. Der Förderverein nutzte das Fest, um sich vorzustellen und Mitglieder zu werben. Anneliese Karst, Mitglied des Fördervereins, ist zufrieden mit der Werbeaktion: „Es gab einige Leute, die sich ehrlichen Herzens einen Flyer mitgenommen haben.“ Für die kommenden Jahre hat der Verein einiges geplant. Spätestens, wenn Görlitz 950 Jahre alt wird, will er wieder in die Stadthalle rein. Das ist im Jahr 2021. Thomas Leder ist überzeugt: „Das kann man schaffen. Man muss es nur wollen.“

 

 

 

Vor 25 Jahren gab es übrigens das erste Benefizkonzert in der Stadthalle. Damals war der Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey das Zugpferd und sammelte ganz allgemein für die Sanierung der maroden Altstadt von Görlitz. 2013 trat Bill Ramsey noch einmal hier auf, obwohl die Halle eigentlich seit Ende 2004 dicht ist. Im Sommer 2013 warb Bill Ramsey dann ausdrücklich für die Stadthalle. (mit SZ/fs)

 

 

 

 

 

 

 

SZ 14.08.2015

 

 

 

Beschluss zur Stadthalle gefordert

 

Im August soll der Stadtrat eine Sanierung bis 2021 beschließen. Um Fördergelder zu erhalten.

 

Görlitz. Der Stadthallen-Förderverein hält daran fest, dass sich die Görlitzer Kommunalpolitik zur Sanierung der Jugendstilhalle bis 2021 verpflichten sollte. Ein entsprechender Antrag liegt dem Stadtrat vor. Aus Zeitgründen war er vor der Sommerpause im Juli als letzter und einziger Tagesordnungspunkt nicht mehr behandelt worden. Die Mehrheit der Stadträte wollte das Thema nicht nach 22 Uhr behandeln. So wird der Antrag, den die Fraktion Zur Sache eingebracht hat, nun Thema in der August-Sitzung. Thomas Leder, Vorsitzender des Vereins und CDU-Stadtrat, hält einen solchen Beschluss für unabdingbar. „Allein um weitere Fördermittel und Spenden einzuwerben sind ein klares Bekenntnis zur Sanierung der Stadthalle und ein Zeithorizont unerlässlich“, erklärte er nach dem Sommerfest an der Stadthalle am Wochenende. Das Sommerfest wertet der Verein als vollen Erfolg. Vor allem bei den Konzerten von Renft und Andreas Martin war der Stadthallengarten gut besucht.

 

Renft würde auch im nächsten Jahr in der Stadthalle spielen, allerdings ist die Halle im Moment noch immer gesperrt. Ob und welche Säle nach der Sicherung freigegeben werden, ist völlig offen. Auch der Familiennachmittag sowie der Frühschoppen fanden große Akzeptanz beim Publikum. Oberbürgermeister Siegfried Deinege besuchte das Fest ebenso und erhielt ein Stadthallenbrot der Bäckerei Hübner aus Horka. „Das Sommerfest im Stadthallengarten hat allen Görlitzern und ihren Gästen gezeigt“, sagt Leder, „wie schön diese Anlage ist. Mit weiteren Reparaturen kann der Garten im nächsten Sommer fast durchgängig genutzt werden.“ Der Verein hofft zudem, möglichst bald den kleinen und vor allem den großen Saal für Benefizveranstaltungen zur Sanierung der Halle nutzen zu können. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 28.08.2015

 

 

 

Offene Stadthalle zum Denkmaltag?

 

Ein Benefizkonzert wird es zum Denkmaltag wohl nicht geben. So voll dürfte die Stadthalle trotzdem werden, falls sie tatsächlich geöffnet ist.

 

Ein Benefizkonzert wird es zum Denkmaltag wohl nicht geben. So voll dürfte die Stadthalle trotzdem werden, falls sie tatsächlich geöffnet ist.

 

 

 

Seit über einem Jahr ist die Stadthalle für alle Besucher gesperrt. Das könnte sich jetzt rechtzeitig vor dem Tag des offenen Denkmals am 13. September ändern. Wie die SZ erfuhr, prüft die Stadt, ob die Halle zu dem Denkmaltag für Besucher geöffnet werden könnte. Nachdem die maroden Stützpfeiler gesichert sind, ist das größte Sicherheitsrisiko erledigt. Wenn der Prüfstatiker grünes Licht gibt, soll die geöffnete Stadthalle der Höhepunkt des Denkmaltages werden. Bei der nötigen Sanierung bleibt die Stadt vermutlich aber auf ihrem Kurs, sich nicht festlegen zu wollen. Zwar gibt es im Stadtrat am heutigen Donnerstag einen Antrag, die Halle bis 2021 zu sanieren. Da ihn aber der frühere OB Joachim Paulick und seine Wählervereinigung Zur Sache einbringen, hat der Vorstoß kaum Aussichten auf Erfolg. Der Stadtrat tagt ab 16.15 Uhr im Rathaus. (SZ).

 

 

 

 

 

Beschluss zur Stadthalle abgelehnt

 

 

 

„Zur Sache“-Fraktionschef Joachim Paulick bezeichnete es als durchaus realistisch, die Halle in fünf Jahren öffnen zu können. „Die Planungen gibt es ja noch“, so Paulick.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

Eine volle Stadthalle – wie hier beim letzten Sinfoniekonzert der Neuen Lausitzer Philharmonie im Jahr 2004 – wünschen sich viele Görlitzer. Doch die Politik tut sich schwer damit.

 

Eine volle Stadthalle – wie hier beim letzten Sinfoniekonzert der Neuen Lausitzer Philharmonie im Jahr 2004 – wünschen sich viele Görlitzer. Doch die Politik tut sich schwer damit.

 

© Rolf Ullmann

 

Selbst wenn dieser Beschluss Donnerstagabend im Stadtrat durchgegangen wäre: Nach Angaben von Oberbürgermeister Siegfried Deinege hätte die Rechtsaufsicht des Landkreises ihn sofort kassiert. Ein so weitreichender Beschluss ohne klare Finanzierung – ein Unding.

 

 

 

Deshalb lehnten 19 Räte die Vorlage von „Zur Sache“, die Stadthalle bis 2021 wiederzueröffnen ab. Sechs stimmten ihr zu, drei Räte enthielten sich der Stimme.

 

 

 

„Zur Sache“-Fraktionschef Joachim Paulick bezeichnete es als durchaus realistisch, die Halle in fünf Jahren öffnen zu können. „Die Planungen gibt es ja noch“, so Paulick. Sie müssten lediglich hier und da angepasst werden. Dass es bereits mehrere Grundsatzbeschlüsse zur Wiedereröffnung der Stadthalle gegeben hat, räumte Paulick eingangs selbst ein. Doch sei bisher alles nicht zielführend gewesen und Bekenntnisse könne man mehrfach wiederholen. „Nichts anderes ist es: ein Bekenntnis der Stadt. Das ist wichtig für Fördermittelgeber, Unterstützer und Spender. Die Details kommen später“, so Paulick gegenüber der SZ.

 

 

 

Inhaltliches Konzept fehlt

 

 

 

Wichtige Details wie Finanzierung und inhaltliches Konzept. Das fehlt und genau das wird immer wieder kritisiert. Weil die Stadthallensanierung nicht „klar durchfinanziert“ ist, stimmen sie dagegen, sagt Renate Schwarze für die SPD-Fraktion. Thorsten Ahrens von den Linken wünscht sich endlich eine inhaltliche Auseinandersetzung. Ideen, wie die Stadthalle betrieben werden soll, gebe es nicht – von keiner Seite – weder von Seiten der CDU noch von „Zur Sache“. Obgleich das natürlich zuallererst Aufgabe der Stadt als Eigentümerin des Hauses ist.

 

 

 

Links zum Thema

 

 

 

Kommentar: Kleiner Lichtblick im Trauerspiel Stadthalle

 

Die CDU bemängelte, dass Paulicks Vorlage nicht den Inhalt habe, den sie als Grundsatzbeschluss brauche. Man sei da zu Diskussionen gern bereit. „Aber ich werde mich nicht dazu bringen lassen, mich auf eine Eröffnung 2021 festzulegen“, so Fraktionschef Dieter Gleisberg.

 

 

 

Deutliche Worte kamen auch von Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz): „In den Fragen Betreibung und Finanzierung bringt uns diese Vorlage nicht weiter. Und was ein klares Bekenntnis zur Stadthalle angeht: Da hat sich die Stadt genügend geäußert.“ Darum gehe es nicht mehr, sondern um das eigentliche Problem: Die Stadt habe nicht die nötigen Mittel zur Betreibung und Nutzbarmachung der Stadthalle.

 

 

 

Seitenhieb auf Ex-OB Paulick

 

 

 

Bürgermeister Wieler, der sich einen Rückblick in die Vergangenheit mit unter OB Paulick verpassten Chancen auf Fördermittel nicht verkneifen wollte, unterstrich Kücks Aussage, indem er die schlechte Aussicht auf Fördersummen betonte, die große Schritte ermöglichen würden. Auch seien die Eigenmittel nicht da, die dafür nötig wären. Die 2012 noch vorhandenen Mittel hat die Stadt mittlerweile für andere Projekte ausgegeben. Nicht zuletzt wäre ein jährlicher städtischer Zuschuss zu den Betriebskosten von etwa einer Million Euro zu stemmen. Bisher waren in den Gutachten der Stadt immer 500 000 Euro angegeben – ohne Abschreibungen.

 

 

 

Auch die vier Millionen Euro Fördermittel, die nach SZ-Informationen Sachsens Innenminister Markus Ulbig in der kommenden Woche in Görlitz übergeben will, sind da zunächst wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Geld soll für die Sicherung verwendet werden, zum Teil aber auch schon für den Beginn der Sanierung. Angesichts dieses „Geschenks“, forderte Renate Schwarze noch mal: „Wir sind in der Pflicht, uns zu Werterhaltung, Sicherung und Sanierung der Stadthalle zu positionieren. Es geht hier um unser Gesicht.“

 

 

 

 

 

 

 

31.08.2015

 

 

 

Innenminister bringt Geld für die Stadthalle

 

Görlitz. Das Innenministerium bestätigte am Wochenende, dass Minister Markus Ulbig an diesem Freitag zwei Förderbescheide in Görlitz übergeben wird. Es handelt sich dabei um die Fördermittel von mehr als vier Millionen Euro aus Denkmalhilfe-Programmen für die Sicherung und Sanierung der Stadthalle. Deswegen findet die Übergabe nach Angaben der Staatsregierung am Freitagvormittag auch an der Stadthalle statt.

 

 

 

Am Donnerstag hatte der Stadtrat noch abgelehnt, die Stadthalle bis 2021 zu sanieren. Weder habe die Stadt ein Konzept für den Betrieb der Stadthalle, hieß es in der Diskussion, noch sei absehbar, so schnell die nötigen Investitionsmittel für eine Sanierung einwerben zu können. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

01.09.2015

 

 

 

„Bedenkenträger haben sich bei der Stadthalle wieder durchgesetzt“

 

Wenn es um die Stadthalle geht, schlagen die Emotionen hohe Wellen. Die einen hätten sie gern wieder, auch wenn es viel Geld kostet, die anderen haben sie abgeschrieben. Der Stadtrat hat jetzt einen Grundsatzbeschluss zur Halle abgelehnt. Das ist bei Facebook zum Thema zu lesen:

 

 

 

Maik Herrmann: Lieber Stadtrat, ich denke, die Stadt Görlitz braucht die Stadthalle dringend, und meiner Meinung nach sind Sie als gewählte Vertreter der Stadtbevölkerung für ein sinnvolles und umsetzbares Konzept verantwortlich.

 

 

 

Lilly Rose: Ja aber diese Räumlichkeiten entsprechenden nicht modernen Standards. Wir sind nicht mehr in der DDR, heute braucht man mehr, um mitzuhalten oder ein attraktiver Raum für Kongresse oder Messen zu sein. Es gibt genügend Hallen in Görlitz, die diese Voraussetzungen erfüllen. Eine wirklich moderne Alternative wäre es nicht. Attraktive Konzerte und Veranstaltungen gibt es schon jetzt hier nicht. Die Stadthalle ist einfach überholt.

 

 

 

Maik Herrmann:Im derzeitigen Zustand der Stadthalle geht es nicht ohne Sanierung, und in dem Zusammenhang kann man die Halle auf einen modernen Ausstattungsstand bringen. Wenn keine geeignete Location da ist, kann man keinen „Künstler“ davon überzeugen, nach Görlitz zu kommen. Meiner Meinung nach gibt es in Görlitz keine Alternative.

 

 

 

Eric Maetschke: Lilly Rose, waren Sie schon mal zu Veranstaltungen in der Brauerei oder im Rosenhof? Ich ja, und ich bin der Meinung, dass der Platz und das Ambiente einfach nicht reicht und passt.

 

 

 

Olaf Schmidt: Wir brauchen dringend einen Saal für unsere Tanzturniere. Was wir hier haben, ist zu klein. Das reicht nicht mal für Abschlussbälle der Tanzschulen.

 

 

 

Sylvia Littke-Hennersdorf: Bereits 2005 – ich war damals im Kulturhauptstadtbüro, und es wurde die 27-Millionen- Variante diskutiert – war klar, dass zum Beispiel der Eintrittspreis für einen Tanzstundenball bei etwa 70 Euro je Person liegen wird/ muss. Wer soll oder kann das bezahlen? Zu bedenken ist aber auch, dass für etliche Künstler, die sicher viel Geld in die Kasse spülen, die Halle zu klein ist.

 

 

 

Clemens Habedank. Die Stadt müsste eine Million Euro aufbringen, um eine fertige Stadthalle zu unterstützen, trotz Veranstaltungen. Da sind keinerlei Bau- und Sanierungskosten im Voraus berücksichtigt. Wenn der Stadtrat nun vorschlagen würde, liebe Stadthallenfans, wir bringen die Kosten auf, dafür fällt beispielsweise die Straßenbahn in Görlitz weg und wir kürzen die Mittel für das Theater weiter, würden Sie weiter an Ihrem kruden Plan der Stadthallensanierung festhalten, liebe Befürworter?

 

 

 

Clemens Habedank. Wo parken sie die Fahrzeuge der 1 700 Besucher? Geschweige denn den Fahrzeugtross der Künstler, die sich dann wöchentlich die Klinke in die Hand geben? Schließt sich da vielleicht ein Parkhausbau für mehrere Millionen Euro an? Wie sieht es aus mit dem Hochwasserschutz?

 

 

 

Holger Herrmann: Ganz einfach abreißen!

 

 

 

Bertram Oertel. Die eigene Profilierung und die ihrer Wählervereinigung ist den hiesigen Stadträten offensichtlich wichtiger als das Wohl der Stadt. Warum schließen sich nicht parteiübergreifend die Befürworter der für die Stadt so wichtigen Stadthallensanierung zusammen und erarbeiten gemeinsam, auch unter Beteiligung der Bürger, ein tragfähiges Konzept?

 

 

 

Eno Strauss. Also wieder ein Flop. Vier Millionen zu Sicherung und Erhalt, und es passiert auf absehbare Zeit nix.

 

 

 

Gabriele Ullrich: Es ist traurig für Görlitz, dass die Stadthalle nicht wiedereröffnet wird, kein gutes Omen. Es war doch auch eine Attraktion, als Künstler aus dem In- und Ausland auftraten.

 

 

 

Mike Neugebauer: Die Bedenkenträger haben sich wieder durchgesetzt. Typisch für Görlitz. Traurig für Görlitz.

 

 

 

Ringel Blume. Ich habe die Abstimmung gesehen, und ich muss sagen, dass ich das Gefühl habe, es besteht ein riesiges Desinteresse vonseiten der Stadt, der Stadträte und vor allem auch vom OB. Und das ist schon sehr traurig.

 

 

 

Detlef Lothar Renner: Nehmt doch endlich Zgorzelec mit ins Boot, dann gibt’s auch mehr Fördermittel. Eine gemeinsam betriebene Stadthalle der Europastadt Görlitz-Zgorzelec lässt den Gedanken der EU dann auch wahr werden.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 03.09.2015

 

 

 

Rathaus sucht Sanierungsbeschluss für Stadthalle

 

Offensichtlich gibt es gar kein gültiges Votum des Stadtrates für den Bau. Was hat das für Folgen?

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Die Anspannung in den Reihen der Großen Koalition war im Stadtrat zuletzt groß. Aus ihrer Sicht ausgerechnet der frühere Oberbürgermeister Joachim Paulick hatte einen Antrag eingebracht, die Stadthalle bis 2021 zu sanieren. Ein Grundsatzbeschluss für die Konzerthalle. Er sei nötig, so argumentierten Zur Sache, FDP und SPD, um Land, Bund und der EU zu signalisieren, wir meinen es ernst mit der Halle. Die Mehrheit im Stadtrat aber sah das nicht als nötig an. Ihre Argumente: Es gibt genug Grundsatzbeschlüsse, der Kreis schätze den Antrag als rechtswidrig ein und er helfe auch nicht weiter bei der Suche nach Fördermitteln und Konzepten. Vor allem der Görlitzer Architekt Wolfgang Kück für die Bürgerfraktion argumentierte so. Die Mehrheit folgte ihm, so kam der Antrag nicht durch.

 

 

 

Kein Grundsatzbeschluss gilt mehr

 

Seitdem rätseln alle, was eigentlich noch die Beschlusslage zur Stadthalle ist. Will die Stadt sie sanieren oder nicht, hat das der Stadtrat beschlossen oder nicht, gibt es einen Auftrag an den Oberbürgermeister, sich um die Halle zu kümmern? Die Fragen lenken den Blick zwangsläufig in die Vergangenheit. Der letzte Grundsatzbeschluss stammt vom 6. September 2011. Damals bekannten sich 21 Stadträte bei sechs Gegenstimmen „zur Sanierung der Stadthalle durch die Stadt selbst mit einem Bauvolumen von voraussichtlich 33,3 Millionen Euro“. Das Projekt sah die Instandsetzung und Modernisierung der Halle und einen Anbau zur Neiße hin vor. Dann kam es zum OB-Wechsel von Paulick zu Deinege. Und am 18. Oktober 2012 beschloss der Stadtrat mit 31 Ja-Stimmen bei nur einer einzigen Gegenstimme, auf Vorschlag Deineges „das Sanierungsvorhaben Stadthalle auf dem Stand der Entwurfsplanung einzustellen“. Der 2011er Beschluss war damit aus der Welt. Seitdem gab es nach Angaben der Stadt keinen neuerlichen Grundsatzbeschluss. Selbst Oberbürgermeister Siegfried Deinege räumt gegenüber der SZ ein, dass es vermutlich so sei. Er lasse das gerade im Rathaus prüfen. Sollte die Prüfung das bisherige Ergebnis bestätigen, dann würde das die Meinung des Münchner Unternehmers Hans Fey bestätigen, der schon im Januar den fehlenden politischen Willen in Görlitz beklagte, die Stadthalle zu sanieren. Gestern meldete er sich mit einem Offenen Brief an den Innenminister Markus Ulbig. Der will am Freitag der Stadt Fördermillionen für die Stadt übergeben. Fey appelliert an Ulbig, bei der Gelegenheit den Vertretern der Stadt „eindringlich vor Augen zu führen, dass mit der bisherigen verantwortungslosen Einstellung in Sachen Stadthalle Schluss sein muss“. Schließlich seien bereits Millionen in die Stadthalle geflossen, ohne dass die Bürger davon etwas gehabt hätten. Fey nennt die eine Million Mark für die Sauer-Orgel, auch in die Sanierung der Gaststätte waren damals D-Mark-Millionen geflossen. Nicht zuletzt kann die Stadt die rund 2,5 Millionen Euro Planungskosten für das 2011er Projekt abschreiben, da überhaupt nicht feststeht, ob es in dieser Art noch einmal umgesetzt wird.

 

Zugleich beschloss der Stadtrat 2012 aber auch, den Oberbürgermeister zu beauftragen, „mit den potenziellen Fördermittelgebern über eine finanzielle Unterstützung des Vorhabens in der nächsten Förderperiode zu verhandeln.“ Deinege versteht das als Auftrag, sich um „die Stadthalle zu kümmern“. Da aber mit dem Begriff „Vorhaben“ das 2011er Projekt gemeint ist, läuft dieser Satz ins Leere. Denn dieses Projekt hatte der Stadtrat im selben Beschluss ja „eingestellt“. Es gibt also formal auch keinen Auftrag an den OB.

 

Rechtswidrige Vorlage?

 

Noch kritischer steht es um die Erklärung von OB Siegfried Deinege im Stadtrat, der Kreis habe den Antrag Paulicks als rechtswidrig eingeschätzt. Selbst wenn der Stadtrat zustimme, müsse er dem Antrag widersprechen. Kommunalamtsleiter Karl Ilg bestätigt der SZ, dass „die Stadt Görlitz kurz vor der Stadtratssitzung telefonisch über den Antrag auf einen Grundsatzbeschluss zur Wiedereröffnung der Stadthalle Görlitz informiert“ habe. Dabei sei kurz erörtert worden, ob der Antrag rechtswidrig sei. „Da nach dem Antrag die Instandsetzung der Stadthalle bedingungslos bis 2021 ohne jegliche finanzielle Untersetzung festgelegt werden soll, haben wir die Anfrage bejaht.“ Auch sei es erwünscht, dass sich Kommunen bei Zweifeln an der Rechtssicherheit vorab an den Kreis wenden. Nur: Paulick brachte den Antrag im Mai ein, denn er stand ja bereits Ende Juni auf der Tagesordnung des Stadtrates, wurde damals aber nicht beraten, weil die Sitzungszeit abgelaufen war. Warum also fragte die Stadt nicht viel früher beim Kreis nach und informierte den Antragsteller, damit er den Beschlusstext noch „rechtssicher“ hätte gestalten können. Und die FDP hatte noch im Stadtrat vorgeschlagen, den Beschluss zur Sanierung weicher zu gestalten. Ob auch das rechtswidrig gewesen wäre, wer weiß das schon. Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Stadt sitzt in der Stadthallen-Falle

 

über Unklarheiten nach dem Ratsbeschluss

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Es war ein großes Schauspiel, das uns die Große Koalition im Stadtrat am vergangenen Donnerstag gespielt hat. Die einstige Stadthallenpartei CDU und die Bürgerfraktion echauffierten sich im Gleichklang, warum überhaupt ein neuer Grundsatzbeschluss für die Sicherung und Sanierung der Stadthalle beschlossen werden sollte. Erstens gebe es genug von ihnen, und zweitens würden dadurch weder Geld noch Konzept für eine künftige Nutzung der Stadthalle praktisch aus dem Boden sprießen. Nun zeigt sich: Es ist gar nicht so einfach, noch einen gültigen Grundsatzbeschluss zu finden. Selbst Deinege zweifelt mittlerweile daran. Die bisher getroffenen Beschlüsse hat die Mehrheit im Stadtrat im Oktober 2012 kassiert. Seitdem gibt es nichts mehr.

 

Nun sucht das Rathaus nach einem solchen Beschluss. Das fällt ausgerechnet vor dem Besuch von Innenminister Markus Ulbig morgen in Görlitz ins Gewicht. Er will Förderbescheide mitbringen, mit denen für vier Millionen Euro Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Stadthalle durchgeführt werden sollen. Auf welcher Grundlage diese Steuergelder nach Görlitz fließen, ist umstrittener denn je. Die Stadt als Eigentümer und der Stadtrat als ihr höchstes Organ können dem Minister aktuell nicht nachweisen, dass sie den politischen Willen haben, die Halle in absehbarer Zeit zu sanieren. Ja der Stadtrat lehnte es jetzt sogar ab, das Zieldatum 2021 für die Halle anzupeilen. Offensichtlich rechnet die Mehrheit im Stadtrat sogar damit, dass die Halle noch viel später fertig wird, wenn überhaupt. Und niemand kann im Moment ausschließen, dass der alte Kasten vielleicht auch noch die nächsten 30 Jahre einfach so dasteht.

 

Über die Folgen gehen die Meinungen auseinander. Angesichts der Schäden müsse gesichert werden, da brauche man keinen Grundsatzbeschluss, heißt es im Rathaus. Doch die Gelder sollen auch für eine beginnende Sanierung verwendet werden. Doch ob an deren Ende eine sanierte Konzerthalle oder ein aufgemotztes Messezentrum steht, ist nicht entschieden. So steckt die Stadt in einer Falle, die sie sich selbst gestellt hat.

 

 

 

 

 

05.09.2015

 

 

 

Dresden öffnet Geldbörse für Stadthalle

 

Görlitz hat zwar noch keinen Plan für die Sanierung der Halle. Aber der Innenminister spendiert 1,7 Millionen Euro.

 

Von Matthias Klaus

 

 

 

Freistaat zu reisen. „Es gibt tatsächlich viel zu tun im Lande“, sagt Markus Ulbig. Deshalb überlege er es sich gut, welche Termine er wahrnehme. Der gestrige in Görlitz dürfte dem CDU-Politiker einigermaßen positiv im Gedächtnis geblieben sein. „Nicht überall werde ich in Sachsen derzeit so freundlich empfangen“, freut er sich und denkt wahrscheinlich an Asylbewerber, Proteste, Heidenau.

 

Aber dass Markus Ulbig am Freitagmittag in Görlitz vergleichsweise nett begrüßt wird, ist kein Wunder. Der Innenminister hat das Scheckbuch mitgebracht. Sechs Zuwendungsbescheide, Fördermittelbewilligungen für die Stadt, trägt er unter dem Arm. Fast vier Millionen Euro sind sie wert. Vier der Papiere kommen dem Städtebau zugute, einer ist für die Stadthalle, ein weiterer für die Synagoge vorgesehen. Allein für die Stadthalle macht der Freistaat knapp 1,7 Millionen Euro locker, für die Synagoge 300 000 Euro. Der Innenminister hat sich für die Übergabe dann auch die Stadthalle ausgesucht, das wohl mit Abstand in Görlitz am meisten diskutierte Bauvorhaben. „Ich weiß, dass es um das Gebäude eine große Debatte in der Stadt gibt“, sagt er. Aber, so sei die Meinung in Dresden, das Haus dürfe nicht weiter verfallen, müsse zunächst gesichert werden. „Dann muss es aber auch aktiv an die Sanierung gehen. Und: Es muss über die künftige Nutzung nachgedacht werden“, mahnt Markus Ulbig.

 

Noch am 27. August hatte der Stadtrat allerdings abgelehnt, sich auf einen Sanierungstermin bis 2021 festzulegen. Eine entsprechende Vorlage von „Zur Sache“ wurde gekippt. Es gibt dadurch weiterhin keinen Grundsatzbeschluss zum Gebäude, nur Lippenbekenntnisse. Bürgermeister Michael Wieler nimmt am Freitag zwar mit einem Lächeln die Fördermittelbescheide aus Dresden entgegen. Aber er macht auch noch einmal klar: „Die Stadt kann innerhalb der kommenden fünf Jahre ein Projekt wie die Sanierung der Stadthalle nicht stemmen.“ Eigentlich möchte der Bürgermeister die Diskussionen nicht weiter anheizen. „Es geht einfach nicht, wenn gesagt wird: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir haben derzeit keine Mittel, um die Stadthalle in einem Großvorhaben zu sanieren“, sagt Michael Wieler – auch mit Blick auf die zahlreichen Mitglieder des Fördervereins Stadthalle, die den Minister aus Dresden begrüßen.

 

Ja, es gebe kleine Schritte, sagt Michael Wieler. Dazu gehören die vier riesigen Stahlpfeiler, die das Haus stabilisieren. Sie wurden innerhalb des geplanten Zeitrahmens eingebaut. Nun können die originalen Strebepfeiler erneuert werden. Danach, schildert der Bürgermeister, werden die Seitendächer mit einer Decke aus Stahlbeton versehen. Bisher liegen die auf Holzbalken mit einer Dachpappen-Beschichtung. „Die Halle bekommt einen statischen Ring“, erläutert der Bürgermeister. Wenn der fertig ist, sei das Gebäude so weit standsicher, dass es an den Bauabschnitt zwei gehen kann. Für den wird das Geld verwendet, dass Innenminister Markus Ulbig mitgebracht hat. Konkret heißt das unter anderem: Erneuerung der Erdgeschossdecke und der Fenster im Großen Saal, Sanierung der Nebendächer.

 

Bürgermeister Michael Wieler sieht als Ziel für die absehbare Zukunft, in zwei, drei Jahren, dass der Kleine Saal wieder nutzbar gemacht werden könnte – zumindest in der heizungsfreien Zeit. Der Görlitzer CDU-Landtagsabgeordnete Octavian Ursu schaut da schon ein Stück weiter in die Zukunft. Er möchte sobald wie möglich wieder Trompete spielen, im Großen Saal der Stadthalle. „Ich habe schon in vielen Häusern zwischen Breslau und Dresden gespielt“, erzählt er. Nirgends gebe es so eine besondere Akustik, wie in der Görlitzer Stadthalle. „Ich hoffe“, sagt Octavian Ursu, „das ist auch nach der Sanierung noch so.“ Dass Dresden Geld an die Neiße gebracht hat, sieht er als einen „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Wie lange die Reise bis zu einer sanierten Stadthalle allerdings dauert, bleibt auch am Freitag noch offen, trotz der Millionen aus Dresden.

 

Auf ein Wort

 

 

 

 

 

Nur Geld aus Dresden ist nicht die Lösung

 

über die Stadthalle Görlitz und ihre Zukunft

 

Von Matthias Klaus

 

 

 

Markus Ulbig hatte sich zum Wochenausklang einen netten Termin ausgemacht. Der sächsische Innenminister kam am Freitag als Geldbote nach Görlitz. Und als solcher wurde er mit Orgelmusik empfangen, kein Gedanke an Asylpolitik, Proteste und ein Willkommensfest in Heidenau, auf dem er nicht willkommen war – zumindest von einigen Leuten. Und fast hätte sich die gute Stimmung bis zum Ende seines Görlitz-Besuches gehalten, wenn nicht ein ARD-Fernsehteam aufgetaucht wäre, dem es weniger um die Stadthalle, als vielmehr um Markus Ulbigs Asylpolitik ging. Da hatte es der Innenminister etwas eilig, ins Auto gen Dresden zu steigen. Glücklicherweise waren zu diesem Zeitpunkt bereits die Fördermittelbescheide an den Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler übergeben: Minister weg, Geld hier. Alles gut? Nein. Zumindest nicht, was die Stadthalle betrifft. Görlitz hat ein Stadthallen-Problem. Und Dresden vielleicht auch. Erstaunlich, dass Geld in die Neißestadt fließt, obwohl es keinen Grundsatzbeschluss für eine Sanierung des alten Gemäuers gibt. Markus Ulbig hatte gestern zwar gemahnt, dass nach der Sicherung der Stadthalle „aktiv“ an die Sanierung gegangen werden müsste. Und dass die Stadt über eine künftige Nutzung nachzudenken habe. Wunschdenken. Görlitz fehlen die Mittel. Jetzt wird also erst einmal gesichert, was an der Hallenhülle zu sichern ist. Später neue Fenster? Schön und gut. Aber ein konkreter Plan, wie es mit der Stadthalle generell weitergehen soll, fehlt. Trotz 1,7 Millionen aus Dresden.

 

 

 

 

 

 

 

10.09.2015

 

 

 

Miss Stadthalle

 

Anneliese Karst bereitet eine Ausstellung über die Konzerthalle vor. Zum Denkmaltag ist sie erstmals zu sehen. Wie die Halle nach langer Zeit auch.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wer alles so in der Stadthalle gastierte? Autogrammkarten hängen in der Ausstellung über die Halle, die Anneliese Karst und Fernando Tandel im Dom Kultury gestern vorbereiteten. 

 

 

 

Anneliese Karst schaut unentwegt auf die Uhr. Jede Minute zählt bei der kleinen, aber so energiegeladenen Frau. Bis zum Abend muss die Ausstellung über die Stadthalle stehen. Alles ist vorbereitet. Die Bilder sind ausgesucht, die Texte verfasst und ins Polnische übersetzt. Viele haben geholfen: Historiker, Museumsleute, Fotografen. Jetzt gestalten drei junge Arbeitssuchende vom Berufsfortbildungswerk die Rahmen für die Schau. Sie haben sich in den vergangenen Wochen mit der Stadthalle beschäftigt, Reinhard Seeliger spielte ihnen sogar auf der Orgel vor. Schön sei es gewesen, sagt eine der Teilnehmerinnen. So schön, dass auch bei ihnen durchaus der Wunsch gewachsen ist, dass die Stadthalle doch irgendwie bald wieder mal öffnen könnte.

 

 

 

Anneliese Karst hat diesen Wunsch schon lange. Die frühere Logistikleiterin beim Görlitzer Turbinenwerk von Siemens verbindet mit der Stadthalle schlichtweg pulsierendes Leben. Jetzt findet sie es in den Bildern wieder. Tanzmeisterschaften, Boxveranstaltungen, große Konzerte, Bandauftritte beispielsweise von Karat. Am liebsten ging Frau Karst mit ihrer Schwiegermutter in die Sinfoniekonzerte. Ihrem Mann liegt die ernste Musik nicht so, dafür traf sich eben der Geschmack der beiden Frauen. Auch große Galakonzerte, exotische Balletts – all das ist in ihrer Erinnerung geblieben. Natürlich auch die Abiturfeiern, Betriebsveranstaltungen und dergleichen mehr. Eben all das, was ein Leben ausmacht neben der Arbeit. Genau das will sie mit der Ausstellung auch zeigen: „Man hört ja oft, die Stadthalle sei nur etwas für die oberen Zehntausend gewesen. Aber das war sie nicht.“ Das liest die 68-jährige Rentnerin aus den vielen Zuschriften heraus, die der Stadthallen-Förderverein nach dem Aufruf erhielt, Fotos und Gegenstände für eine Ausstellung zu spenden. Darunter war auch der frühere Tambourmajor des Görlitzer Faschings, der dem Prinzenpaar vorneweg marschierte. Seine Fotos füllen eine ganze Tafel. Doch auch die Jahre bis zur Schließung 2004 und die Bemühungen des Vereins, wieder Leben in die Halle zu bringen, werden in der Schau nachverfolgt. Sie ist vielleicht nicht professionell gemacht, aber mit Herz und Verstand.

 

 

 

Beides führte Anneliese Karst vor einem Jahr auch zu dem Verein. Sie war nun Rentnerin und ihr Schwiegersohn, der in Freiburg lebt, sagte einfach zu ihr: „Du hast doch jetzt Zeit, da könntest Du Dich um die Stadthalle kümmern.“ Doch es bedurfte noch eines Anstoßes. Und den gaben die „Bürger für Görlitz“. Dass die Wählervereinigung ihren Austritt aus dem Stadthallenverein erklärte, erboste die rührige Frau sehr. So machte sie sich auf und ließ sich gleich für die Öffentlichkeitsarbeit einspannen. Wenn sie auf dieses erste Jahr zurückblick, staunt sie selbst, wie viel passiert ist: Sperrung der Halle, Tag der geschlossenen Stadthalle, Neujahrsempfang und Sommerfest, die Initiative des Mercure-Mitinhabers Dr. Hans Fey, die Engagementsbörse im Bahnhof. Da trafen sich viele Vereine, knüpften Kontakte. Anneliese Karst nutzte diese Chance, der enge Kontakt zum Femina-Verein ist Frucht dieses Tages.

 

 

 

Die Sanierung der Stadthalle ist darüber aber nicht wirklich näher gerückt. Wie nötig sie wäre, das werden auch alle Besucher der Stadthalle beim Tag des offenen Denkmals sehen können: abblätternder Putz, Löcher in Wänden, Stützkonstruktionen am Dach. Manche Regenstelle bleibt sowieso ihrem Blick verborgen. Und mehr als 25 Personen sollen auch nicht zeitgleich im großen Saal sein. Dort greifen Reinhard Seeliger und weitere Organisten in die Tasten der wertvollen Sauer-Orgel. Und wenn sie eine Pause einlegen, dann könnten auch Solisten oder kleine Kammergruppen bis vier Personen mit und ohne Instrument in der Stadthalle auftreten und das Klangerlebnis auf sich wirken lassen, berichtet Fördervereins-Chef Thomas Leder. „Wenn wir vorher von den Musikern Bescheid erhalten, können wir das zeitlich etwas planen.“ Eine Urkunde mit dem Schriftzug „Aufgetreten in der Stadthalle Görlitz am 13.09.2015“ bereitet der CDU-Politiker schon mal vor. Anneliese Karst und ihre Helfer haben es fast geschafft. Am Sonnabend wird die Ausstellung im Dom Kultury eröffnet. Ausgerechnet in der Ruhmeshalle, die zwar zehn Jahre vor der Stadthalle, aber wie die Konzerthalle zu großen Teilen mit Lotterie- und Spendengeldern errichtet wurde. Der Zgorzelecer Bürgermeister Rafael Gronicz musste nicht lange von der Idee des Vereins überredet werden, er war gleich begeistert und stellte das städtische Kulturhaus dafür zur Verfügung. Ach, wenn es doch überall so wäre, seufzt Anneliese Karst, schaut nochmals auf die Uhr, und ruft noch im Wegeilen hinterher: „Nützt nichts, weitermachen.“

 

 

 

Die Ausstellung über die Stadthalle wird am Sonnabend, 14 Uhr, im Dom Kultury eröffnet. Sie ist bis 11. Oktober zu sehen. Die Stadthalle ist am Sonntag ab 10 Uhr geöffnet. Künstlergruppen, die auftreten wollen, rufen bitte 738174 an oder schicken eine Mail an info@shg-ev.de.

 

 

 

Ein Konzert vor einem vollen Saal ist nicht erlaubt.

 

 

 

 

 

12.09.2015

 

 

 

Verewigt im Goldenen Buch

 

Der Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey besucht derzeit Görlitz. Auf Einladung von OB Siegfried Deinege trug er sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

 

 

 

Görlitz. Der aus den USA stammende Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey besucht am Wochenende die Stadt Görlitz. Auf Einladung von Oberbürgermeister Siegfried Deinege trug er sich heute Mittag im Görlitzer Rathaus ins Goldene Buch der Stadt Görlitz ein.

 

 

 

Bill Ramsey – seit 1984 deutscher Staatsbürger - hat in den vergangenen 25 Jahren mehrere Benefizkonzerte in Görlitz gegeben. Am 2. Juli 1990, einen Tag nach der Währungsunion, sang er in der Stadthalle, um Geld zur Rettung der Görlitzer Altstadt zu sammeln. In den Jahren darauf folgten Auftritte zugunsten verschiedener Projekte, etwa der Historienspiele auf dem Görlitzer Untermarkt, für das Helenenbad und 2013 zugunsten der Görlitzer Stadthalle.