2014 - 2017


Zeitungsmeldungen zur Stadthalle

 

und Förderverein

 

 

 

SZ 01.02.2014

 

 

 

Freistaat gibt kein Geld für Stadthallen-Sicherung

 

Die Stadt will 122000 Euro Eigenmittel in dringende Arbeiten stecken. Dem Förderverein ist das zu wenig.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Stadthalle und kein Ende: Erneut sind Fördervereinschef und CDU-Stadtrat Thomas Leder sowie OB Siegfried Deinege und Baubürgermeister Michael Wieler wegen des seit Ende 2004 geschlossenen Gebäudes im Stadtrat aneinander geraten. Hauptproblem diesmal: Leder wollte wissen, wann und wo die Stadt neue Fördermittel für die Sanierung beantragt hat. „Sie haben sich mit diesen Fragen auch ans Staatsministerium gewandt und von dort die Antworten erhalten“, so der OB.

 

 

 

Leder beteuert, kein Schreiben erhalten zu haben. Wieler liegt es vor. Es stammt vom 20. Dezember und ist an Leder und den Förderverein adressiert. Inhalt: „Fördermittel für ein Einzelobjekt können in der Größenordnung, wie es für die Sanierung der Stadthalle notwendig wäre, nicht mehr bereitgestellt werden.“ Ähnlich unerfreulich ist die nächste Passage: „Auch eine Förderung der Sicherung der Stadthalle kommt leider nicht in Betracht.“ Das wäre nur möglich, wenn das Gebäude in absehbarer Zeit saniert wird. Das sei aber bei der Stadthalle nicht erkennbar. Mit anderen Worten: Die Stadt kann dieses Jahr nur die 122000 Euro Eigenmittel, die der Stadtrat in den Haushalt eingestellt hat, für die Sicherung ausgeben. „Das Geld werden wir jetzt im Frühling zum Beispiel für die Sanierung verrosteter Köpfe der Tragkonstruktion und die weitere provisorische Dachsicherung verwenden“, so Wieler.

 

 

 

Damit will sich der Förderverein nicht zufrieden geben. „Fazit ist: Wenn eine Sanierung, auch schrittweise, erfolgen würde, wenn man anfangen würde, könnte es Fördermittel geben“, sagt Thomas Leder. Wieler weist das ganz entschieden zurück: „Das ist falsch, einfach falsch. Jede Förderung schließt eine Schritt-für-Schritt-Sanierung grundsätzlich aus.“ Wenn der Freistaat außerhalb jeder Fördertöpfe und Regeln entsprechende Mittel bereitstellen würde, wäre das etwas anderes.

 

 

 

Prinzipiell aber hat die Stadt noch ein ganz anderes Problem. Die Sächsische Bauordnung schreibt vor, dass Kommunen viele Pflichtaufgaben an ihren Gebäuden zu erfüllen haben, darunter Hausschwammsanierung und Brandschutz. „Wir haben aber nicht genug Geld, um alle Anforderungen der Bauordnung zu erfüllen“, gestand Wieler im Stadtrat ein. Als er das Bauressort vor vier Jahren übernommen habe, seien allein in der ersten Priorität Arbeiten für ungefähr 50 Millionen Euro offen gewesen. „Einen guten Teil davon haben wir inzwischen abgebaut“, so Wieler. Allerdings nicht den Hausschwammbefall der Stadthalle. „Bei der Abarbeitung habe ich mit Gebäuden angefangen, die regelmäßig von vielen Menschen genutzt werden, insbesondere von Kindern und Jugendlichen“, so Wieler. An zweiter Stelle standen Schäden, deren Nichtbehebung schnell deutlich größere Schäden zur Folge gehabt hätte.

 

 

 

Neue Fördermittel für die Stadthalle hat die Stadt aktuell nicht beantragt. „Wir stellen nur Anträge, wenn sich aus den Vorgesprächen ergibt, dass es sinnvoll ist, das zu tun“, so Wieler. Auch bei der Stadthalle gab es Vorgespräche – aus städtischer Sicht aber ohne den gewünschten Erfolg. Die bereits für die Stadthalle bewilligten Gelder hat die Stadt inzwischen für andere Projekte in der Innenstadt verplant, darunter den Postplatz. „Das haben der OB und ich mit dem Innenminister vereinbart, damit das Geld nicht verfällt“, erklärt Wieler.

 

 

 

Auf ein Wort

 

 

 

Absurdes Theater um die Stadthalle

 

über die Frage, wie es mit der Halle weitergeht

 

 

 

 

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Das Ringen um die Stadthalle nimmt absurde Züge an. Da wirft Bürgermeister Michael Wieler Stadtrat Thomas Leder wirklich vor, einen Brief an der Stadtverwaltung vorbei ans Ministerium geschickt zu haben. Das würde kein vertrauensvoller Umgang sein. Als wenn sich ein Bürger nicht an eine Behörde wenden kann – und zwar an eine seiner Wahl. Der Stadthallenverein misstraut seit längerem den Angaben der Doppelspitze Deinege/Wieler zur Stadthalle. Ganz zu unrecht scheint das nicht der Fall zu sein.

 

 

 

Seit Monaten wartet die Öffentlichkeit auf die Ergebnisse der Prüfung verschiedener Sanierungsvarianten für die Stadthalle durch die Verwaltung. Da geht es beispielsweise um die Errichtung einer Stiftung, die die FDP bei ihrem Neujahrsempfang erst wieder ins Gespräch brachte und die OB Deinege ablehnt, weil kein Geld vorhanden sei. Es geht dabei um 50000 Euro zunächst. Im Stadthallenausschuss soll es ein Papier geben, das entweder die Suche nach einem Käufer oder die schrittweise Sanierung der Stadthalle empfiehlt. Ob das stimmt, wer weiß das schon – der Ausschuss tagt geheim.

 

 

 

Es ist nicht die Aufgabe von Stadträten wie Thomas Leder, es Wieler und Deinege leicht zu machen, sondern den Finger in die Wunde zu legen. In der Stadthalle frisst sich der Schwamm durch die Decke, tragende Metallteile rosten vor sich hin. Man stelle sich nur mal vor, im Theater würden diese Zustände herrschen. Was für einen Aufstand gebe es vermutlich in der Stadt. Und zwar zu recht. Dass Leder so auffällt, liegt auch daran, dass fast alle verstummt sind, die bis Mitte 2012 für die Stadthalle waren. Vielleicht muss man Stadträte wie den CDU-Fraktionschef Dieter Gleisberg an seine Worte von 2009 erinnern: „Entweder uns gelingt jetzt eine Sanierung, oder ich stelle den Abrissantrag“.

 

 

 

 

 

SZ 03.02.2014

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wird es einmalig bleiben: Das Benefizkonzert Ende Juni 2013 in der geschlossenen Stadthalle. Foto: Pawel SosnowskiWird es einmalig bleiben: Das Benefizkonzert Ende Juni 2013 in der geschlossenen Stadthalle. Foto: Pawel Sosnowski ©- keine angabe im hugo-archivsys

 

Die Stadt will einem weiteren Benefizkonzert des Stadthallen-Fördervereins nicht zustimmen. Bürgermeister Michael Wieler teilte dem Verein nach Rücksprache mit Oberbürgermeister Siegfried Deinege mit, dass „eine Genehmigung der von Ihnen für den 28. Juni beantragten Veranstaltung in der Stadthalle nicht in Aussicht gestellt werden kann.“

 

 

 

Als Gründe für die Absage nennt Wieler „eine neue Bewertung der baulichen Sicherheit in der Stadthalle“ sowie den Brandschutz. Beim Förderverein stößt die Absage auf Unverständnis. „Beim Brandschutz hat sich doch seit dem vergangenen Jahr, in dem auch monatelang ein Film gedreht werden konnte, nichts geändert“, erklärt der Vize-Vorsitzende des Vereins, Thomas Matzke, in einer Erklärung. Wieler schreibt aber, dass die Durchführung einer Veranstaltung wie im Jahr 2013 nicht zu verantworten ist. OB Deinege hätte damals „ein sehr hohes persönliches Risiko eingegangen, als er dem Wunsch des Fördervereins entsprochen hat“. Nun habe er sich entschlossen, dem Rat der sicherheitstechnischen Fachleute zu folgen. Beim Konzert mit Bill Ramsey hatte OB Deinege jedoch der SZ gesagt, dass er sich durchaus weitere Konzerte vorstellen könne. Nur sollten dann klare Spielregeln gelten, sagte er. Weitere Investitionen in die Sicherheit der Halle, besonders in die Lichtanlage, konnte sich der Oberbürgermeister genauso vorstellen wie vielleicht auch die separate Inbetriebnahme des kleinen Saales. Doch ist seitdem nichts geschehen.

 

 

 

Nun scheint Deinege auch noch seine Position für weitere Konzerte in der Halle geändert zu haben. Allerdings wird aus Wielers Brief nicht völlig klar, ob die Schäden an der Stadthalle schlimmer geworden sind oder einfach nur die Verwaltung größere Sorgen hat, dass bei einer Veranstaltung etwas geschieht. Auch bleibt offen, warum ein Benefizkonzert des Fördervereins nicht möglich sei, Wieler aber damit kein generelles Verbot in der Stadthalle verbindet. Denn in seinem Brief steht an anderer Stelle. „Positiv kann ich Ihnen gleichwohl mitteilen, dass Veranstaltungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.“ Da aber die Stadt sich auf keinen Kriterienkatalog für mögliche Veranstaltungen in der Stadthalle einigen konnte, handele es sich jedes Mal um eine Einzelfall-Entscheidung.

 

 

 

Der Förderverein hält an seinen Plänen fest und will nun in einem Gespräch mit Wieler klären, welche Auflagen zu erfüllen sind, um den großem Saal im Jahr 2014 wieder zu nutzen. „Wir hoffen den Oberbürgermeister umzustimmen, wenn wir einen höheren Sicherheitsaufwand betreiben, zum Beispiel mit einer in Bereitschaft stehenden Feuerwehr oder anderen Maßnahmen“, erklärt Thomas Matzke.

 

 

 

 

 

„Absurdes Theater um die Stadthalle“ und „Freistaat gibt kein Geld für Stadthallen-Sicherung“ SZ vom 1./2. Februar 2014

 

 

 

Viele Görlitzer fühlen

 

wie Stadtrat Leder

 

 

 

Die derzeitigen Spitzenpolitiker im Rathaus werden sich daran gewöhnen müssen, dass sie auf Beschlüsse oder auch nur Ideen von Parlamentariern konstruktiv zu reagieren haben. Absurd, dass gerade Dr. Wieler empört ist, wenn ein nur seinem Gewissen verantwortlicher Parlamentarier oder auch „nur“ der Mensch Thomas Leder sich an übergeordnete Behörden wendet, weil er wie viele Görlitzer empfindet, dass das Problem Stadthallensanierung und -sicherung lieblos und wenig engagiert angegangen wird. Mag sein, dass Dr. Wieler die Emotionalität von Ur-Görlitzern für dieses Gebäude nicht nachvollziehen kann, aber schließlich ist er nun Bürgermeister in dieser Stadt und sollte es zumindest versuchen. Erinnerung täte wohl auch daran gut, dass er selbst vom früheren OB Paulick wegen Eigeninitiativen gegen „Rechts“ schikaniert wurde und die Solidarität vieler Görlitzer erfuhr. Die DDR-Zeiten sind vorbei, als Sanktionen drohten, wenn man nicht penibel den Dienstweg einhielt und wo Mandatsträger zu bloßen „Ja-Sagern“ mutierten. „Ja und Amen“ gilt es selbst in der Kirche nicht mehr!

 

 

 

Dr. Rudolf Grzegorek, Görlitz

 

 

 

Stadthalle wäre so wichtig

 

 

 

für das Leben in Görlitz

 

 

 

Ich danke sehr für die Beiträge am Sonnabend. Als Görlitzer Bürger weiß ich, was die Stadthalle als multifunktionelles Haus für eine unverzichtbare Bedeutung als Zentrum für die gesamte Bürgerschaft, einschließlich der Jugend, und für das städtische Leben in Görlitz besitzt.

 

 

 

Dr. Jürgen Wenske, Görlitz

 

 

 

 

 

SZ 04.02.2014

 

 

 

Rost und Schwamm fressen an der Stadthalle

 

Architekturbüro schlägt in einem Geheimgutachten Alarm. Schäden sind schlimmer als bislang befürchtet.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wasserschäden an der Wand, undichte Fenster, Rost an tragenden Stahlträgern – die Stadthalle braucht schnellstens eine Zukunft.

 

 

 

Die Schäden an der Stadthalle sind gravierender als bisher von der Stadt öffentlich eingestanden. Das geht aus Untersuchungen des Görlitzer Architekturbüros Wünsche + Langer vom November vergangenen Jahres hervor, deren Ergebnisse dem geheim tagenden Stadthallenausschuss bei seiner Sitzung am 16. Januar vorgestellt wurden. So frisst sich der Rost durch die Konstruktion der Saalfenster zur Parkseite hin. Zudem sind sie undicht, sodass Feuchtigkeit in den Saal eindringt. Bei der Zugangsbrücke zum Haupteingang sind die seitlichen Brüstungen schwer beschädigt. Außerdem sind die provisorischen Stützen, die die Brücke halten, mittlerweile selbst schon wieder sanierungsbedürftig, weil die Hölzer zerbröseln. Teile des Dachs über den Treppenaufgängen auf der Seite des Haupteingangs sind undicht. „Folgeschäden bis hin zu Schwammbefall sind bereits eingetreten und müssen dringend beseitigt werden“, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss, die der SZ vorliegt. So hat es im zweiten Rang bereits massiv eingeregnet. Die Architekten vermuten auch, dass dadurch im Übergang von Dach zu Saalwänden die Eisenkonstruktionen rosten. Sie haben weiterhin „schwere Feuchteschäden an den Decken über dem Foyer im zweiten Rang festgestellt sowie einen Schwammbefall der Holzbalken der Decke. Schließlich rostet die Stahlkonstruktion in Strebepfeilern, dadurch könnte die Stabilität des gesamten Gebäudes gefährdet sein.

 

 

 

Um allein diese Schäden zu beseitigen, müsste die Stadt schätzungsweise 345 000 Euro aufwenden. Als Eigenmittel stehen aber lediglich 122000 Euro zur Verfügung. Das Innenministerium hat letztens darauf verwiesen, dass es kein Geld für eine Sicherung zuschießen kann, wenn die Halle nicht in absehbarer Zeit saniert wird. Das nimmt Stadthallen-Fördervereins-Chef Thomas Leder anders als die Stadt nicht als kategorische Absage: „Wenn wir dem Innenministerium einen Plan vorlegen, wie wir in den nächsten Jahren die Stadthalle abschnittsweise sanieren“, sagt Leder, „dann ist dieser Punkt erledigt und wir könnten Hilfe in Dresden beantragen.“ Ob das wirklich so ist, müsste aber die Stadt beim SMI herausbekommen.

 

 

 

Nur ist es damit ja noch nicht getan. Denn das Görlitzer Architekturbüro hat weitere Schäden aufgelistet, die mit hoher Dringlichkeit beseitigt werden müssten. Dazu zählt die Reparatur des Dachs über dem Kleinen Saal und seinem Vorraum sowie über den Treppenhäusern zum Stadthallengarten hin. Das macht noch einmal knapp 20000 Euro. Weitere Schäden sind zwar nicht so dringend zu beheben. Wenn die Substanz erhalten werden soll, sind sie aber ebenso zu beseitigen, und machen nochmals 180000 Euro aus. Dazu zählen die Sicherung von Fassadenzierelementen, das Dachtragwerk des Saales vor Rost zu schützen, die Sicherung der Fenster an der Ostfassade sowie die Instandsetzung der verbleibenden Dächer. Auf Grund dieser Expertise jedenfalls hält die Stadt Veranstaltungen in der Stadthalle für zu gefährlich und hat deshalb auch dem Förderverein keine Aussichten auf ein nochmaliges Benefizkonzert gemacht.

 

 

 

Allerdings fehlen der Stadt Alternativen, wie sie mit der Stadthalle umgeht. Denn die noch vor zwei Jahren vorhandenen eigenen Mittel in Höhe von sechs Millionen Euro sind weg. Mehr als zwei Millionen Euro hat die Planung für die gestoppte Sanierung gekostet, die weiteren vier Millionen Euro steckte die Stadt in andere Bauprojekte. Schon im November 2012 erklärte Oberbürgermeister Deinege, dass für einen neuen Anlauf zur Sanierung der Stadthalle zinsgünstige Kommunaldarlehen aufzunehmen sind. Deshalb empfiehlt die Verwaltung nun dem Stadtrat den Verkauf der Stadthalle, zunächst unter bestimmten Auflagen und der Gewährung eines städtischen Zuschusses zum Betrieb der Halle. Sollte kein Käufer gefunden werden, dann soll die Stadthalle sogar ohne Bedingungen, aber auch ohne städtischen Betreiberzuschuss angepriesen werden. Und erst wenn sich wirklich niemand findet, der das Haus für irgendeine Nutzung kaufen will, dann könnte sich die Stadt eine schrittweise Instandsetzung zur Schaffung einer bespielbaren Baustelle vorstellen. Kein Wort gibt es aber in der Vorlage dazu, ob die Beseitigung der dringendsten Schäden von rund 345000 Euro so lange warten kann.

 

 

 

Auf ein Wort

 

 

 

 

 

Nichtstun ist der Tod der Stadthalle

 

über die Lebenslügen der Sanierungsgegner

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Die Stadthalle braucht dringend Hilfe. Wer das bislang nicht eingesehen hat, dem sollten die Einschätzungen des Görlitzer Architekturbüros die Augen öffnen. Es kennt die Stadthalle, so wie sie jetzt dasteht, am besten. Hätte die Stadt die Sanierung durchgezogen, dann hätten Wünsche + Langer zusammen mit einem Dortmunder Büro den Bau geplant und umgesetzt. Ihre Einschätzungen entlarven die Lebenslügen der Gegner einer schnellen Sanierung der Stadthalle. So fürchteten viele, dass mit der Stadthalle wichtige freiwillige Aufgaben in der Stadt gestrichen werden müssten, weil die Gelder für die Betriebskosten der Halle aufgewendet werden müssten. Dabei geschieht das schon jetzt. Jedes Jahr stehen für Vereine der Stadt 25000 Euro weniger zur Verfügung, die für den Unterhalt der Stadthalle anfallen – ohne dass die Stadt auch nur irgendwas davon hat.

 

 

 

Im Gegenteil. Den Verfall der Halle halten diese Mittel nicht mal auf. Er verschärft sich vielmehr. Vor vier Jahren schätzte Thomas Leder den Finanzbedarf für die Dächer auf 200000 Euro ein. Jetzt rechnen die Bauexperten mit 330 000 Euro. Es wird also alles teurer für die Stadt. Und dass sie am Ende das ausbaden muss, wird ebenso mit jedem Tag wahrscheinlicher. Welcher Investor will eine Halle, bei der Schwamm und Rost in dieser Art wüten und damit die Kosten der Sanierung in die Höhe treiben? Und wieder wird das andere Projekte gefährden. Denn irgendwoher wird die Stadt das Geld nehmen müssen, spätestens wenn die Denkmalpflege sie dazu zwingt. Und es wäre höchste Zeit dafür. So könnten beispielsweise die Mittel genommen werden, die bislang für ein freiwilliges Jugendzentrum gebunkert werden, für dessen Notwendigkeit die Stadt bislang jede Bedarfsanalyse verweigert. So aber verliert das Jugendzentrum an Legitimität – und die Stadthalle ihre Zukunft.

 

 

 

 

 

SZ 05.02.2014

 

 

 

Räte für Sicherung der Stadthalle

 

Der Stadthallenausschuss will die schlimmsten Bauschäden schnell beheben. Anders als das Rathaus.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Unter den Stadträten im Stadthallenausschuss zeichnet sich eine Mehrheit gegen die Absicht der Stadtverwaltung ab, die Stadthalle unter allen Umständen zu verkaufen. Vielmehr drängen die Stadträte zunächst darauf, die Stadthalle wenigstens so weit herzustellen, dass sie als bespielbare Baustelle beispielsweise für Benefizkonzerte des Stadthallen-Fördervereins dienen kann. Erst danach soll ein Verkauf oder eine andere langfristige Lösung geprüft werden. Auch bekam das Rathaus den Auftrag, nun bis zur nächsten Ausschuss-Sitzung die Vor- und Nachteile einer Stiftungslösung für die Stadthalle ernsthaft zu prüfen. Obwohl die FDP seit fast einem Jahr darauf drängt und die Stadtspitze um OB Deinege und Bürgermeister Wieler das mehrfach auch zugesichert hatte, ist das bislang offenbar nur oberflächlich geschehen.

 

 

 

Die Stadt rechnet aber nicht damit, dass die Stadthalle noch in diesem Jahr als bespielbare Baustelle zur Verfügung steht. Denn fünf Tage nach der Sitzung des Stadthallenausschusses schrieb Bürgermeister Michael Wieler seinen Brief an den Stadthallen-Förderverein mit der Absage für ein Konzert im Juni. Tatsächlich kostet die Beseitigung der schlimmsten Bauschäden an der Stadthalle schätzungsweise 345000 Euro. Weitere 200000 Euro wären notwendig, um vor allem das gesamte Dach der Stadthalle dicht zu bekommen. Im städtischen Haushalt sind aber nur 122000 Euro vorhanden, und der Freistaat hat es jüngst abgelehnt, sich an den Sicherungskosten zu beteiligen, wenn nicht die Sanierung in absehbarer Zeit stattfindet. Also müsste die Stadt auf andere freiwillige Investitionen verzichten, etwa auf das Jugendzentrum, an anderer Stelle im Haushalt Geld auftreiben oder neue Kredite aufnehmen. Diese Möglichkeit hatte OB Deinege schon im Herbst 2012 ins Spiel gebracht. Nach SZ-Informationen favorisiert er aber weiterhin den Verkauf der Stadthalle.

 

 

 

 

 

Görlitzer Anzeiger 11.02.2014

 

 

 

Ruinen schaffen ohne Waffen

 

 

 

Ruinen schaffen ohne  WaffenGörlitz, 6. Februar 2014. Von Thomas E. Beier. Genügend Geld, um das Dach der hundertjährigen Stadthalle Görlitz dicht zu machen, hat die Stadt Görlitz nicht. Das Gebäude an sich ist schon seit Ende 2004 dicht, sprich: Der Betrieb wurde eingestellt. Vielleicht, weil allem Anfang ein ganz besonderer Zauber innewohnt, beschäftigt sich die Görlitzer Stadtverwaltungsführung lieben mit Gedanken an ein "Jugendzentrum", das weniger auf einer Bedarfsanalyse als vielmehr auf einer Ideensammlung interessierter Kreise basiert.

 

 

 

Was soll das so genannte Jugendzentrum bieten, was der Jugend in der Stadt fehlt?

 

 

 

Von Probenräumen, von Platz für Vorträge und Workshops und Kino im anvisionierten "Jugendzentrum" ist die Rede. Zumindest an Kinos herrscht kein Mangel in Görlitz, sofern man nicht gerade in Konkurrenz zu den kleineren Studio-Kinos in der Stadt gehen möchte. Proben- und andere Räume – da sollte in einer umgestalteten Stadthalle genügend Platz sein.

 

 

 

Würde denn die Jugend die Stadthalle als Location annehmen? Möglicherweise sind die Jugendzentrum-Befürworter in die Falle getappt, "Jugend“ im wehmütigen Rückblick nur an der Zahl der gelebten (resp. noch nicht gelebten) Jahre festzumachen. Aus dieser Sichtweise hat Görlitz keinen Mangel an jugendspezifischen Angeboten: Das Nostromo, das Jugendkulturzentrum Basta!, diverse Festivals sind schon da.

 

 

 

Jugendkultur ist heute mehr denn je keine Frage des Alters, sondern der Lebenseinstellung – the winner ist „Forever Young“. Wenn man gelegentlich durch die Szene urbaner Kulturen mitteldeutscher Städte schleicht, dann erlebt man, was Görlitz nicht hat: Kulturelle Orte generationsübergreifender Begegnung.

 

 

 

Dafür wäre die Stadthalle Görlitz ein wohlfeiler Ort. Nicht in totalsanierter Form, die wohl vor allem für Handwerksbetriebe interessant wäre, sondern in einem substanzerhaltenden und nutzungsfähigen Zustand. Gern mit vielen Improvisationen, dafür aber ohne "Bitte nicht berühren!“

 

 

 

 

 

SZ 11.02.2014

 

 

 

Was soll nur aus der Stadthalle werden?

 

Hier diskutieren SZ-Leser, ob das Jugendstiljuwel an der Stadtbrücke eine Chance hat oder schnell abgerissen werden muss.

 

 

 

 

 

Die Schließung der Stadthalle wegen Baufälligkeit, war ein Vorwand. Nicht nur die Orgel wurde für eine ungeheure Summe restauriert, auch die Kücheneinrichtung und die Toiletten waren neu.

 

Um ja nie wieder eine Veranstaltung dort stattfinden zu lassen, wurde auf schnellstem Wege das Inventar verschleudert.

 

Andere Städte wären froh und stolz, so ein Jugendstil-Juwel zu besitzen. Dieses gilt es, auch unter größten Anstrengungen, zu erhalten. Ich glaube nicht, dass die Stadt da vom Land Sachsen alleingelassen würde. Aber tun muss man etwas. Doch es gibt noch mehr Beispiele, wo die Stadt anfangs versichert hat, dass sie alles tun werde, damit es weitergeht. Es ist ein relativ kleines Objekt, mit der Stadthalle nicht vergleichbar, der Landskronklub, eine trotzdem sehr beliebte Kultureinrichtung der Stadt, welche sich selbst getragen und sogar noch Pacht an die Stadt abgeführt hat. Jeder, der jetzt mit dem Bus zur Endhaltestelle Landeskronsiedlung fährt, kann sich überzeugen, was aus der Sache geworden ist: ein Abriss.

 

Dieses Wort ist sogar schon in Zusammenhang in der Diskussion mit der Stadthalle gefallen. Ein kommunaler Politiker hat zwar wörtlich gesagt: „Wir wollen ja die Stadthalle nicht abreißen.“ Doch wenn einmal so ein böses Wort von jemandem ausgesprochen wird, dann war es meist nicht mehr weit bis zur Realität. Damit dieses nicht passiert, möchte ich selbst dazu beitragen. Ich bin ab sofort bereit, im Verein zur Erhaltung der Stadthalle mitzuarbeiten.Herbert Keller, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Dafür habe ich Herrn Deinege nicht zum OB gewählt

 

 

 

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. OB Deinege, Baubürgermeister Wieler und der Stadtrat spielen mit den Görlitzern Schwarzer Peter. Hier gehören die Karten auf den Tisch der Öffentlichkeit! Das wird wohl nichts mehr, wenn man Geld in den Postplatz versenkt, was für die Stadthalle genehmigt war.

 

 

 

Der Postplatz war schön, besonders die wunderbaren Bepflanzungen der Stadtgärtner. Nun müssen wir Bauzäune und planierte Flächen sehen. Die Stadthalle wäre ein grenzübergreifendes und in die Zukunft der Region gerichtetes Signal. Deren Wiederbelebung würde viele Energien freisetzen. Hier könnte man ein Projekt verwirklichen, das als positives Signal für die Stadt und Region wahrgenommen würde.

 

 

 

Seit einiger Zeit kostet Baugeld fast nichts, wann will man denn Bauen, wenn nicht jetzt? Ich denke auch, dass wir den OB nicht für dieses Klein-Klein, was jetzt in Görlitz noch geht, gewählt haben.

 

 

 

Bernd Meier, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

Denkmale sind per Gesetz zu erhalten

 

 

 

Die Stadthalle ist ein Denkmal und damit schon per Gesetz zu erhalten. Und wollte Görlitz nicht Welterbestätte werden? Die Stadthalle muss jetzt vor dem Verfall gesichert werden und Görlitz benötigt ein derartiges Gebäude. Natürlich ist klar, dass Kultur, dass beispielsweise Museen, Theater, Stadthalle, aber auch Schulen, Kindergärten Geld kosten.

 

 

 

Wer aber in so einer Situation ohne Not und ohne Bürgerzustimmung Plätze und Straßen umgestaltet, verschwendet Geld. Dazu kommt, dass die jetzt für den Postplatz verwendeten Fördermittel für die Stadthalle gedacht waren. Für Planungen und Gutachten zur Stadthalle sowie die Orgelsanierung sind Millionen ausgegeben worden, wenn jetzt nicht anschließend saniert wird, ist das wieder pure Geldverschwendung. Wer sind die Verantwortlichen?

 

 

 

Familie Wiegand, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

Die Schäden sind seit Ende der 90er Jahre bekannt

 

 

 

Bereits Ende der 90er Jahre waren die Schäden am Dach bekannt, die zu Schwamm und Feuchtigkeit im Gebäude geführt haben. Es wollte nur damals niemand so richtig wahrhaben. Das Gleiche betrifft die durchgerosteten Fenster im großen Saal. Auch diesen Schaden habe ich schon vor vielen Jahren beim Bau- und Kulturamt angezeigt.

 

 

 

Die Halle wurde wegen angeblicher baulicher Mängel geschlossen. Bei der öffentlichen Ausschreibung zum Verkauf war zu lesen, dass sich das Gebäude in einem guten baulichen Zustand befindet. Ich hatte im Juli 2004 in einem öffentlichen Brief an die Stadtratsfraktionen darauf hingewiesen, was bei einer Schließung passiert. Das wurde abgewiegelt und ich wurde zum Buhmann gemacht.

 

 

 

Jetzt sind die Furniertüren in der ehemaligen Küche verschimmelt, in der ehemaligen Kantine fällt der Putz von der Decke, in vielen Bereichen blättert die Farbe von der Wand und vieles mehr. Das Gebäude befindet sich in keinem guten Zustand mehr. Davon konnte ich mir bereits bei den Dreharbeiten zum „Grand Hotel Budapest“ ein Bild machen.

 

 

 

Man sollte den Stadträten den Artikel der „SZ“ vom 28. Januar 2004 unter die Nase halten und mal nachfragen, wie man heute zu den Äußerungen von damals steht. Da war angeblich Geld da und ein Konzept, das man nur aus der Schublade nehmen musste. Letzteres wird heute plötzlich gebraucht und muss noch erstellt werden?

 

 

 

Inzwischen ist so vieles im Veranstaltungsbereich passiert, neue Hallen sind anderswo entstanden und es hat sich ein Wandel in der Bevölkerungsstruktur vollzogen, der die Frage zulassen muss: Brauchen wir die Halle noch?

 

 

 

Ich denke, hier wurde bewusst auf Zeit gespielt und ab und an wird der Bevölkerung wieder mal suggeriert, dass man sich mit dem Thema Stadthalle sehr ernsthaft beschäftigt. Ich könnte ein Buch über den Umgang mit der Stadthalle schreiben, aber dafür ist mir inzwischen die Zeit zu schade. Bauen oder abreißen, so sollte die Entscheidung lauten und die muss endlich und schnell gefällt werden, denn auch die ungenutzte Halle kostet Geld. Am 31. Dezember 2014 feiern wir das nächste Jubiläum: Zehn Jahre Schließung der Stadthalle Görlitz.

 

 

 

Roland Skupin, ehemaliger

 

Technischer Leiter der Stadthalle

 

 

 

 

 

Die Görlitzer würden gern sanieren und ein Fest feiern

 

 

 

Die Stadthalle zu verkaufen, können nur „Zugereiste“ empfehlen. Die Görlitzer würden sie gern sanieren, reparieren, um dann „das Fest der Stadt Görlitz“ in ihr begehen zu können.

 

 

 

Ch. Schmidt, 02826 Görlitz

 

 

 

Bald gibt es Kommunalwahlen

 

 

 

Wer meint, dass er die Sanierung der Schulen zugunsten der Stadthalle aussetzen soll, leistet den Befürwortern einer Stadthallensanierung einen Bärendienst. 14 Görlitzer Schulen werden an Schultagen von etwa 4 520 Heranwachsenden genutzt. Lange genug hat es gedauert, bis die Stadt sich dieses Schwerpunkts angenommen hat und noch immer harren einige Vorhaben ihrer Erledigung.

 

 

 

Zu bedauern ist, dass dies mancherorts in belastenden Bauabschnitten erfolgt, aber der Wille der Stadtoberen ist unverkennbar, die Rückstände abzuarbeiten. Nutznießer sind unsere Kinder und Jugendlichen. Denen gute bis optimale Lernbedingungen zu bieten, kann nicht warten.

 

 

 

Für vieles anderes, wie auch die Stadthalle, gibt es bald Kommunalwahlen. Dies ist für die nächsten fünf Jahre die Gelegenheit, den Parteien und politischen Vereinen Sanierungszusagen abzuringen oder anderslautende Positionen zur Kenntnis zu nehmen und im Anschluss zur Wahl zu gehen.

 

 

 

Andreas Müller, stellv. Schulleiter

 

Joliot-Curie-Gymnasium

 

 

 

 

 

SZ 18.02.2014

 

 

 

Stadthalle muss ein Zentrum für Jung und Alt sein

 

 

 

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. So steht es im Grundgesetz. Natürlich ist die Stadt nicht verpflichtet, die Stadthalle zu betreiben. Aber für den Erhalt zu sorgen, ist sie schon verpflichtet. Auch könnte sie die Stadthalle verkaufen. Vor einigen Jahren wurde die Stadthalle schon mal europaweit ausgeschrieben. Der Erfolg war überschaubar.

 

 

 

Viele Einwände der „Sanierungsgegner“ sind erst mal nicht von der Hand zu weisen. Aber eines ist nicht richtig: dass die Stadthalle nur für die älteren Bürger saniert werden soll. Die Stadthalle muss ein Zentrum für Jung und Alt sein. Natürlich sind bei uns älteren Menschen die Erinnerungen an die Stadthalle ausgeprägter als bei vielen jüngeren Menschen. Mit unseren Eltern haben wir im Stadthallengarten gesessen, dann gingen wir als Jugendliche zum Fasching. Es gab spannende Boxkämpfe und Tanzturniere. Viele namhafte Künstler sind hier aufgetreten.

 

 

 

Und was soll aus der Stadthalle werden, wenn nichts passiert? Erwägt jemand ernsthaft, diesen wundervollen Jugendstilbau abreißen zu lassen? Und ein Argument verstehe ich überhaupt nicht: Die Stadthalle sei für den Bedarf von vor 100 Jahren gebaut worden. Wer etwas vom Handel versteht, weiß, wie schwierig die Situation der Kaufhäuser in Deutschland sich darstellt. Und trotzdem traut sich jemand, das Kaufhaus am Demianiplatz wieder aufleben zu lassen und sagt nicht: „Es sind ja in den vergangenen Jahren in Bautzen und in Dresden große Einkaufsstätten entstanden.“

 

 

 

Oder der Görlitzer Bahnhof, was wird aus diesem, wenn die Deutsche Bahn nicht mehr fährt? Sagen wir dann auch, dass der für den Bedarf von vor 100 Jahren gebaut worden sei?

 

 

 

Ich wünsche mir, dass sich die Gegner und Befürworter einer Sanierung schnell an einen großen Tisch setzen. Es muss einen Weg geben, dieses Denkmal zu erhalten.

 

 

 

Dietmar Knospe, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Altstadt-Million für die Stadthalle einsetzen

 

 

 

Wenn den Görlitzern wirklich am Erhalt der Stadthalle etwas liegt, sollte die 20. Altstadt-Million – so sie wieder eingeht – nicht aufgesplittet werden, sondern für die Komplettsanierung des wunderschönen ostsächsischen Jugendstilbaus Stadthalle Görlitz genutzt werden. Die Bürger, die 2014 auf einen Zuschuss für ihre Sanierung gehofft haben, haben sicherlich Verständnis dafür, dass ihr Vorhaben in diesem Jahr zugunsten der Stadthalle nicht bedacht werden kann. Damit zeigen sie wahre Größe und ein Herz für Görlitz.

 

 

 

Mit einer solchen Entscheidung könnte auch Druck auf die Landesregierung ausgeübt und ihr klargemacht werden, dass auch sie Verantwortung für die Erhaltung einmaliger Denkmale außerhalb ihres „beschränkten“ Gesichtsfeldes trägt und entsprechende Fördermittel bereitzustellen hat.

 

 

 

Sollte dieser Vorschlag nicht gewollt oder möglich sein, ist es die beste Lösung, die Stadthalle so rasch wie möglich abzureißen und den Baugrund an einen Investor zu veräußern, der bereit ist, an dieser Stelle ein repräsentatives Gebäude für Tagungen, Ausstellungen, Großveranstaltungen und Konzerte zu errichten. Dazu sollte man vielleicht als Erstes erneut zur Mercure-Gruppe Verbindung aufnehmen, die bereits früher Interesse bekundet hatte. Auf alle Fälle muss so oder so der derzeitige Schandfleck am Grenzübergang beseitigt und dem jahrelangen Hin und Her endlich ein Ende gemacht werden. Die möglichen Kosten werden im Laufe der Jahre nicht geringer und das zur Verfügung stehende Geld nicht mehr.

 

 

 

Christa Poltorek, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Bekommt der Förderverein einen Maulkorb?

 

 

 

Die Sitzungen vom 29. Dezember und 30. Januar haben mich emotional außerordentlich erregt. In der ersteren überreichte Stadtrat Thomas Leder und ein weiterer Vertreter des Vorstandes des Fördervereins Stadthalle einen Scheck über 12 000 Euro an OB Deinege zur Unterstützung der baulichen Notsicherung der Stadthalle. Beschämend und erschütternd für mich war die lieblose Entgegennahme dieser Spende durch Herrn Deinege. In der anderen Sitzung wurde im Rahmen der Stadträte-Fragestunde Thomas Leder zur Korrespondenz des Fördervereins mit der Staatsregierung und über beantragte Fördermittel seitens der Stadtverwaltung zur Sicherung der Stadthalle arg brüskiert.

 

 

 

Soll dem Förderverein ein Maulkorb umgehängt werden? Was sagen die Stadträte zu all diesen Vorgängen? Dem Argument, die Stadthalle könnte nach einer Sanierung mit Veranstaltungen nicht ausgelastet werden, steht die stark frequentierte Halle in Löbau entgegen. Die zeitweise Nutzung der Stadthalle, durch hier durchgeführte Filmarbeiten, brachte doch auch der Stadt und ihren Bürgern Ansehen und ökonomischen Nutzen.

 

 

 

Rudolf Berndt, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

SZ 21.02.2014

 

 

 

Die Stadthalle zwischen Abriss und „Vergoldung“

 

Nur wer die Fakten kennt, kann sich eine Meinung bilden

 

 

 

Gut, dass die SZ der Bevölkerung einen konkreteren Einblick in die Situation der Stadthalle gegeben hat. Eigentlich wäre dies Aufgabe des Oberbürgermeisters gewesen. Aber die Entscheidungsträger behandeln ja das Thema geheim. Allerdings meine ich, dass der Kommentar von Herrn Beutler die finanzielle Situation des Objektes noch zu verniedlicht dargestellt hat. Um Hunderttausende geht es bei jährlichen Aufwendungen für Sicherung und eventuell schrittweise Sanierung. Bei einer ordentlichen Investition geht es um Summen zwischen 40 und 60 Millionen Euro.

 

 

 

Der polnische Hallenneubau wird zehn Millionen kosten. Wo soll in Görlitz, selbst bei teilweiser Förderung, dieses Geld herkommen, ohne den bereits ausreichend vorhandenen Sanierungsstau zu verschlimmern? Der Wegfall des geplanten Jugendzentrums ist weder eine akzeptable noch eine finanziell ausreichende Lösung.

 

 

 

Mindest so bedeutsam wie die Investkosten sind nach abgeschlossener Sanierung die laufenden Betriebskosten und der Kapitaldienst, die sicherlich kaum unter jährlich einer Million Euro liegen werden. Dies würde dauerhaft große Abstriche am Kulturhaushalt und anderen gewünschten Aufgaben zur Folge haben. An einer ordentlichen Stadthallensanierung wird die Stadt finanziell Jahrzehnte zu tragen haben.

 

 

 

Bei Schließung der Halle musste damals allen Entscheidungsträgern klar sein, dass nicht genutzte Gebäude in kurzer Zeit dem Untergang geweiht sind. Trotzdem haben seit dieser Zeit die Oberbürgermeister und die Stadträte das Thema immer wieder ausgesessen und wie wir jetzt erst erfahren, regelmäßig Geld in ein Fass ohne Boden geworfen. Und dies gilt unverändert.

 

 

 

Nachdem bereits zwei Millionen Euro für die Planung ausgegeben wurden, kann es für die Bürgermeister nicht schwer sein, folgende Fragen zu beantworten: Ist es möglich, in dem Altbau unter Beachtung des Denkmalsschutzes und der sicher zu engen Platzverhältnisse eine moderne Veranstaltungshalle zu errichten, die auch den Anforderungen in 20 oder 30 Jahren gerecht wird und dem anstehenden Konkurrenzkampf um Besucher und Veranstaltungen mit einer Messehalle in Löbau und einer Halle in Zgorzelec gewachsen ist? Wo sollen die zahlreich erhofften auswärtigen Besucher parken? Was wird diese Sanierung kosten, kann es dazu Fördermittel geben und wo soll der Eigenanteil herkommen? Wurden die Kosten angesichts der technischen Risiken mit ausreichender Sicherheit ermittelt? Wie viel wird die sanierte Stadthalle jährlich an Betriebskosten erfordern und zu wessen Lasten können diese bereitgestellt werden?

 

 

 

Nur wer diese Fakten kennt, kann sich eine Meinung zur Stadthallensanierung bilden. Wer dann die Stadthalle will, muss aber auch bereit sein, auf anderes zu verzichten. Nur auf dieser Basis darf eine erforderliche umfangreiche Diskussion erfolgen.

 

 

 

Jürgen Adam, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Ein erstklassiger Veranstaltungsort verrottet

 

 

 

Es ist kein nostalgischer Rückblick, wenn man die Stadthalle als den erstklassigen Veranstaltungsort bezeichnet und als ein Jugendstilbauwerk ersten Ranges. Seit Jahren ist sie schon geschlossen, es ist Sache der Stadtverwaltung, endlich zu handeln. Das bereitgestellte Fördergeld wurde anderweitig vertan. Wie weit ist in der Verwaltung schon Überheblichkeit und Anmaßung gediehen, dass man der Stadthalle das Etikett „nicht wichtig“ verleiht?

 

 

 

Als Schnellschuss wurde ein Gutachten zum rasanten Verfall durch eindringendes Wasser erstellt. Also haben die Filmleute wohl unter Gefahr für Leib und Leben gedreht? Den Stadträten sollte es nicht egal sein, ob sie über die Wirklichkeit informiert werden, oder ob man im stillen Kämmerlein konstruierte und verabredete Dinge vorgelegt bekommt.

 

 

 

Alles riecht nach einem Rezept für jetzige und künftige Wahlthemen, wo man erneut etwas vorgegaukelt bekommt. Es ist gut, dass so viele Bürger sich für Hintergründe von Entscheidungen interessieren. Pro – Stadthalle, das ist eigentlich eine Pflichtaufgabe, darum hofft auch der Stadthallenverein auf das wache, kluge Nachdenken und das Engagement der Görlitzer und auf die Unterstützung aller Freunde von nah und fern, die Görlitz lieben.

 

 

 

Günter Scholz und Marianne Scholz-Paul,

 

02829 Königshain

 

 

 

 

 

Offenbar gibt es kein gültiges Sanierungskonzept

 

 

 

Das nun schon zehnjährige Hin und Her zur Sanierung der Stadthalle bestätigt das konzeptionslose Handeln des Stadtrates von Görlitz. Der Beschluss zur Schließung der Stadthalle 2004 und der Sanierungsstopp durch OB Siegfried Deinege vom Oktober 2012 waren Fehlentscheidungen. OB Deinege sagte am 11. Oktober 2012 in der SZ: „Für eine spätere Sanierung sind wir nun so gut vorbereitet wie noch zu keinem Zeitpunkt nach der Schließung der Stadthalle.“

 

 

 

Was für eine vertrauensvolle Aussage. Aber warum hat man von den sechs Millionen Eigenmitteln, die für die Stadthalle eingeplant und vorhanden waren, nicht ein bis zwei Millionen sofort zur Sanierung des Daches eingesetzt? Diese Entscheidung hätte vom OB kommen müssen. Offenbar gibt es kein gültiges Sanierungskonzept. Es gibt nicht einmal für das Dach ein schlüssiges Konzept, um vorhandenes Geld sofort einzusetzen.

 

 

 

Es ist auch sehr seltsam, wie der Stadtrat mit den Mitgliedern des Fördervereins Stadthalle umgeht. Das grenzt schon an Arroganz und Nichtachtung der Arbeit dieser Bürger. Muss das sein? Für ein solches Klima ist in erster Linie der OB zuständig. Verlorenes Vertrauen sollte ganz schnell wieder in Ordnung gebracht werden. Was macht eigentlich der Denkmalschutz?

 

 

 

Dr. Klaus Strohbach, 02894 Reichenbach

 

 

 

 

 

Warten bis die Stadthalle ein zweites Mal einstürzt

 

 

 

Der großzügige Spender, der bis jetzt Millionen der Stadt Görlitz für Sanierungen hat zukommen lassen, hätte bestimmt nichts dagegen gehabt, wenn auch Geld für die Stadthalle eingesetzt worden wäre. Was zu DDR-Zeiten nicht verkommen ist, lässt man jetzt vor sich hin verfaulen. Will man warten, bis die Stadthalle ein zweites Mal einstürzt? Nach dem ersten Einsturz in der Bauphase wurde sie aber wieder aufgebaut.

 

 

 

Für viel Unnötiges wurde Geld ausgegeben, beispielsweise für die Umgestaltung des Marienplatzes und des Postplatzes sowie für das rote Eisenungetüm am Neißeufer. Damit habe ich meinen Unmut zum Ausdruck gebracht, über die Entsorgung der Stadthalle.

 

 

 

Brigitte Kurth, 02829 Markersdorf

 

 

 

 

 

Dieses Gebäude ist ein Glücksfall für Görlitz

 

 

 

Etliche Aspekte wurden noch immer nicht aufgegriffen: die herausragende musikhistorische Bedeutung der Stadthalle oder die einzigartige architektonische Gestaltung im Jugendstil, der in dieser Hallenart nur ein zweites Mal im hessischen Darmstadt auf der Mathildenhöhe vorkommt. Görlitz müsste dieses Juwel von Baukultur eigentlich aus Stolz „vergolden“, um es der Welt der Kunstbauten zu offerieren. Auch war die Halle Standort zahlreicher Messen, auf denen nicht nur Handelswerte, sondern technischer, chemischer und medizinischer Erfindergeist der Region demonstriert wurden. Dann ist da die historische Dimension eines ersten versöhnenden Kinderfestes des sowjetischen Stadtkommandanten zu Pfingsten 1945 und des Schauprozesses gegen zwei NS-Kriegsverbrecher, den Görlitzer OB Meinshausen und seinen Kreisvorsitzenden Malitz.

 

 

 

Der Erholungswert eines „Palmengartens“ im Stadthallengarten– wenn die Stadt auf diese Art Denkmalschutz Wert legte – könnte enorm sein. Und auch die Straßenbahn hatte ihren Grund auf der Strecke nach Görlitz-Moys (heute Zgarzelc-Ujazd) an der Stadthalle direkt am Jakob-Böhme-Denkmal eine Station zu haben. Alles in allem: Die Stadthalle mit ihrer Vergangenheit wäre auch für die Zukunft ein Glücksfall für Görlitz.

 

 

 

Wolfgang Liebehenschel, Berlin

 

 

 

 

 

Die Stadt hat die Zukunft verschlafen

 

 

 

Ich war immer gern in der Stadthalle. Selbst nach der Wende fanden da noch sehr schöne Veranstaltungen statt. Als Jugendlicher durfte ich beim Einlass von Veranstaltungen mitarbeiten und konnte mir so mein Taschengeld verdienen. Drei tolle Tage zum Fasching waren damals der Renner, jedenfalls für uns. Nach der Wende gab es den Tanzstunden-Abschlussball mit Thomas Matzke. Die Jugendweihe unseres Sohnes war Top. Marianne Rosenberg, Howard Carpendale, Irischer Stepptanz und so weiter, alles wunderbare Veranstaltungen. Und nun ist schon so lang nichts mehr geschehen, als nur Luftblasen.

 

 

 

Es tut mir leid, aber die Stadt hat die Zukunft verschlafen, wie bei vielen anderen Dingen auch. Ich glaube nicht mehr an die Neueröffnung der Stadthalle in den nächsten Jahren. Und so wird der Zahn der Zeit am Objekt sein Übriges tun, bis sich dann der Rest von selbst ergibt. Aber vielleicht findet sich ja noch ein Investor, der das Risiko wagt und restauriert. Nur: Wer soll dann dort noch hingehen, wenn die Bevölkerung der Stadt immer älter wird und deren finanziellen Möglichkeiten immer geringer.

 

 

 

Matthias Damczyk, 02829 Schöpstal

 

 

 

 

 

SZ 26.02.2014

 

 

 

Graffitiwand für die Stadthalle

 

Die Ecke gegenüber dem Bahnhof ist kein Schandfleck mehr. Ein buntes Bild wirbt für ein wichtiges Anliegen.

 

Von Ines Eifler

 

 

 

Ein tanzendes Paar, ein Sänger mit Mikrofon, ein Boxhandschuh und die Silhouette der Stadthalle: Am Montagmittag sind es noch zarte Linien, mit denen der Görlitzer Graffitikünstler Desra an der Ecke Berliner/Bahnhofstraße andeutet, was hier entsteht. Doch im Laufe des Tages verwandelt er das Bild langsam und konzentriert, Sprühstrich für Sprühstrich, zu einem bunten Graffito. Ein roter Vorhang wird sichtbar, eine Zuschauermenge und die Schriftzüge: „Stadthalle Görlitz, Hala Miejska“.

 

 

 

Seit Montag wirbt an der Ecke Berliner/Bahnhofstraße der Förderverein Stadthalle um Unterstützung. Mit einem Bild des Graffitikünstlers Desra.Foto: Nikolai Schmidt

 

Auch wenn Leute stehen bleiben und sagen: „Das ist doch verboten!“ – hier entsteht nichts Verbotenes. Sondern der Förderverein der Stadthalle nutzt die unschöne Ecke des ehemaligen Hotels „Haus des Handwerks“ für eine 15 Quadratmeter große Werbung für die Stadthalle. Und beginnt zugleich mit einer Unterschriftensammlung für deren Notsanierung.

 

 

 

Vereinsmitglied Renate Wiegand hatte die Idee, die Wand gegenüber dem Bahnhof zu gestalten. Die vor einigen Jahren in ihre Heimatstadt zurückgekehrte Görlitzerin sagt: „Die Wand war so hässlich mit ihren alten, herabhängenden Plakatresten.“ Sie machte die Stadtverwaltung auf den Schandfleck aufmerksam, erwirkte eine Genehmigung, die Wand zu bemalen, und schlug im Stadthallenförderverein vor, man könne die Wand doch für einen guten Zweck nutzen. Es fand sich ein Weg, die Fläche zu mieten, und einige jüngere Vereinsmitglieder erinnerten sich an die Graffitisprayer um Albrecht Goetze, die 2004 an den „Bildern einer Ausstellung“ mitgewirkt hatten, die zum Abschiedskonzert vor der Schließung der Stadthalle zu sehen waren. Desra gehörte dazu. Er hat damals auch den ICE-Kopf mitgestaltet, der wochenlang am Theater hing. Der Förderverein engagierte den inzwischen 28-Jährigen nun für die Gestaltung der Wand. Er nahm den Auftrag an und nutzte das neue, von Andreas Neumann-Nochten gestaltete Vereinslogo als Basis für seinen Entwurf. Ängste des Vereins, jemand könne das fertige Bild besprühen, sind unbegründet. „Ich kenne alle Sprayer in Görlitz“, sagt Desra, „die wissen, dieses Bild ist von mir.“

 

 

 

Solange die Farbe hält, will der Verein mit dem Graffitikunstwerk auf die Stadthalle aufmerksam machen und zugleich zeigen, dass sie sowohl von älteren als auch jungen Görlitzern gewollt ist.

 

 

 

Viele Beispiele finden sich dafür allerdings nicht am Montagnachmittag. Die anwesenden Vereinsmitglieder sind eher älterer Jahrgänge, die interessierten Passanten auch. Und Desra, der ein junger Fürsprecher sein könnte, sagt: „Ich bin zwiegespalten.“ Einerseits wolle auch er, dass die Stadthalle wiedereröffnet. „Aber ich bin mit Subkultur aufgewachsen. Und ich befürchte, wenn Görlitz in die Stadthalle investiert, ist dafür kein Geld mehr da.“

 

 

 

 

 

SZ 28.02.2014

 

 

 

Stadthallenverein will Stiftung gründen

 

Um auch größerer Spenden entgegennehmen zu können, ist eine neue Form geplant.

 

 

 

Görlitz. Der Förderverein Stadthalle Görlitz plant, für die Sanierung der Stadthalle einer Stiftung zu gründen. Damit wolle er potenziellen Spendern größerer Summen entgegenkommen, sagt Vereinschef Thomas Leder. Denn ein gemeinnütziger Verein darf keine freien Rücklagen bilden, sondern muss seine Mittel spätestens im folgenden Jahr für seinen satzungsmäßigen Zweck verwenden. Die längerfristige Ansammlung von Vermögen führt zum Verlust der Gemeinnützigkeit. Würde das passieren, müsste der Verein alle Einkünfte, etwa die Beiträge seiner Mitglieder, versteuern. In einer Stiftung aber wäre das Geld über viele Jahre für einen festen Zweck bestimmt. Zur Gründung einer Stiftung braucht der Verein aber eine Grundsumme von 50000 Euro. Thomas Leder hofft, dass sich diese zusammentragen lässt, und will die Stadt Görlitz, den Landkreis, den Kulturraum und die Stadt Zgorzelec um Unterstützung bitten. (ie)

 

 

 

 

 

SZ 06.03.2014

 

 

 

Unterschriftenlisten für die Stadthalle

 

Görlitz. In verschiedenen Einrichtungen der Stadt, in Läden, Cafés und Restaurants liegen zurzeit Listen aus, auf denen jeder mit seiner Unterschrift bekunden kann, dass ihm die Stadthalle wichtig ist. „Als Unterzeichner befürworte ich die unverzügliche Sicherung der Bausubstanz und die dazu zwingend erforderliche Dachsanierung“, steht darauf. Seit Anfang voriger Woche sind die Mitglieder des Fördervereins Stadthalle in Görlitz unterwegs, legen diese Listen aus und hoffen auf viele Bürger der Stadt, die ihr Anliegen unterstützen möchten. Ziel des Vereins ist es, die Görlitzer Kommunalpolitik zu bewegen, durch Beschlüsse und deren Umsetzung dem Verfall des Gebäudes Einhalt zu gebieten, sagt Vereinschef Thomas Leder. „Und je mehr Unterschriften desto besser.“

 

 

 

Wer selbst eine Liste auslegen möchte, kann sich in der Tanzschule Matzke in der Straßburg-Passage eine oder mehrere davon abholen. Thomas Leder will aber in den nächsten Tagen auch dafür sorgen, dass man die Liste von der Homepage des Vereins abrufen kann. (ie)

 

 

 

 

 

SZ  22.03.2014

 

 

 

Aus der Stadthalle ein Filmhaus machen

 

 

 

Eine Görlitzerin hat gute Ideen für ihre Heimatstadt. Auch wenn es reine Visionen sind, will sie damit nicht hinterm Berg halten.

 

 

 

Von Ines Eifler

 

So wie die Stadthalle im Film als Grand Budapest Hotel beeindruckt, könnte sie auch als großes Filmhaus wirken. Vielleicht.Foto: Wolfgang WittchenSo wie die Stadthalle im Film als Grand Budapest Hotel beeindruckt, könnte sie auch als großes Filmhaus wirken. Vielleicht. Foto: Wolfgang Wittchen ©wolfgang wittchen

 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Davon ist Christa Knittel fest überzeugt. Es erfordere natürlich Mut und Risikobereitschaft, etwas anzugehen, das nicht bis ins letzte Detail durchgeplant und abgesichert sei, sagt sie. Aber auch die beste Planung sei nichts wert ohne Fantasie. Und die hat die 66-jährige Görlitzerin.

 

 

 

Immer wenn sie etwas über die Stadthalle liest, über „Görliwood“ und Versuche, mit dem Thema Film mehr Touristen nach Görlitz zu ziehen, dann kommen ihr so viele Ideen in den Sinn, dass sie sich gar nicht vorstellen kann, wieso die Stadt das, was sie hat, nicht deutlicher ins Licht rückt. „Man müsste die Stadthalle dafür nutzen, alles, was in Görlitz mit Film zu tun hat, auszustellen“, sagt sie. Christa Knittel malt sich aus, dass alle je hier gedrehten Filme in ihrer „geliebten Stadthalle“ gezeigt werden. Stellt sich vor, wie ehemalige Komparsen von Bildschirmen aus erzählen, wie sie die Filmdrehs erlebt haben und an welche Anekdoten sie sich in dem Zusammenhang erinnern können. Sie träumt von Medienstationen, wo man sich per Baukastensystem selber Postkarten, Schirme oder Taschen mit Görlitzer Stadt- und Filmmotiven kreieren und sich später zuschicken lassen kann. Und wünscht sich, der Stadthallengarten könnte eine Art Kulissenpark werden, in dem man einfach herumspazieren oder seinen Kopf in Löcher über den Körpern von Filmfiguren stecken kann, um sich fotografieren zu lassen. Für einen „Walk of Fame“ wäre rund um die Stadthalle genug Platz. „Und wenn man die kleineren Räume des Gebäudes für die Filmausstellung nutzen würde“, sagt Christa Knittel, „dann könnten im großen Saal Filmfeste, Bälle, Partys und Konzerte stattfinden.“ Wenn die Görlitzer Hotels Zimmer wie in Filmszenen einrichteten, wenn die Restaurants Speisen anböten, die auch die Stars hier gegessen haben, und wenn die Kinos, die Reise- und Touristenbüros mitziehen würden, dann könnte man einen kompletten „Urlaub in den Filmkulissen“ anbieten. Wer ein so groß angelegtes Projekt finanzieren und koordinieren könnte, dazu hat Knittel keine Idee: „Man muss es einfach von hinten sehen und daran denken, wie viel Geld damit in die Stadt gespült werden könnte. Wir haben Vereine, Studenten und sicher noch mehr Leute mit guten Ideen. Und ich bin überzeugt, dass man alles erreichen kann, wenn man es wirklich will.“ Auch wenn sie selbst keine Zeit hat, sich zu engagieren, weil sie ihre Mutter pflegt: Christa Knittel möchte wenigstens einen Anstoß geben.

 

 

 

 

 

SZ 25.03.2014

 

 

 

Der Kampf für die Stadthalle lohnt sich

 

Die Kommunen brauchen finanzielle Freiräume, findet unser Autor. Er scheidet mit der Wahl aus dem Stadtrat aus.

 

 

 

Von Detlef Rauh

 

 

 

Die zahlreichen Leserbriefe zum Thema Stadthalle zeigen deutlich, wie wichtig vielen Menschen aus unserer Region diese Halle ist. Die Verantwortlichen in der Verwaltung und im Stadtrat stehen seit Jahren vor demselben Dilemma. Es fehlt einfach an einer fundierten finanziellen Ausstattung der Kommunen.

 

 

 

Das fragwürdige Szenario um die Schließung der Stadthalle wurde schon ausführlich dargestellt, ist aber leider nicht mehr rückgängig zu machen. Tatsache ist, aus den mir vorliegenden Erkenntnissen, dass die Schließung vermeidbar gewesen wäre. Es lagen zum Zeitpunkt der Schließung keine gravierenden Mängel an der Bausubstanz vor, die diese erforderlich gemacht hätten. Auch die finanzielle Situation stellte sich bei genauem Betrachten anders da, als der Öffentlichkeit und den Stadträten versucht wurde glaubhaft zu machen. Zum Zeitpunkt der Schließung der Stadthalle gab es ein großes Thema, die Bewerbung der Stadt als „Kulturhauptstadt Europas 2010“. Die Staatsregierung sicherte zwar damals Unterstützung zu, verwies dabei aber immer wieder auf die notwendige Haushaltskonsolidierung der Stadt und die erforderlichen Eigenmittel.

 

 

 

Woher die finanziellen Mittel nehmen bei knappen Kassen? Allein das extra eingerichtete „Kulturhauptstadt-Büro“ mit fünf Mitarbeitern und Herrn Baumgart an der Spitze benötigte nicht unerhebliche Mittel. Da kam die Schließung der Stadthalle gerade recht. Die dabei eingesparten Gelder konnte man so für das neue Großprojekt nutzen. Welche Ironie: Im Zuge der Kulturhauptstadtbewerbung wurde die größte kulturelle Einrichtung der Region unter fadenscheinigen Gründen geschlossen.

 

 

 

Seit Jahren mutiert der Begriff „kommunale Selbstverwaltung“ immer mehr zur Farce. Die Pflichtaufgaben der Kommunen belasten deren Haushalte immer stärker. Was übrig bleibt, reicht keineswegs mehr für solche Projekte wie die Sanierung und Betreibung einer Stadthalle.

 

 

 

Andererseits ist überall dort, wo der politische Wille für so ein Projekt da ist, auch das notwendige Geld vorhanden. Ich denke an die Waldschlößchenbrücke in Dresden, den City-Tunnel in Leipzig oder die Elbphilharmonie in Hamburg. Wenn Sachsen, ohne nennenswerte Belastung des laufenden Haushaltes in der Lage war, rund 2,3 Milliarden Euro für den Notverkauf der Sachsen-LB als Sicherheit „zur Seite zu legen“, sollte eine großzügige, an keine Forderungen geknüpfte finanzielle Unterstützung für die Sanierung der Görlitzer Stadthalle doch möglich sein. Hinzu kommt, dass der Bund Gesetze verabschiedet, bei denen die Kommunen zusätzlich in die Pflicht genommen werden, aber bei der finanziellen Bewältigung dieser Aufgaben kaum Unterstützung erhalten.

 

 

 

Sollte sich an all diesen Dingen nichts ändern, werden die Kommunen immer weiter in eine finanzielle Schieflage geraten. Dann macht auch ein noch so positiv eingestellter und engagierter Stadtrat keinen Sinn mehr. Der Frust, nichts richtig voranbringen zu können, sondern das Vorhandene nur zu verwalten, wird immer größer. Irgendwann resigniert man, ich weiß das. Dem neuen Stadtrat wünsche ich, dass ein Umdenken in der Bundes- und Landespolitik hinsichtlich der finanziellen Ausstattung der Kommunen stattfindet. Für unsere Stadthalle weiter zu kämpfen lohnt allemal.

 

 

 

 

 

SZ 25.03.2014

 

 

 

Neuer Vorschlag für die Stadthalle

 

Der Stadtrat will die Bauschäden am Gebäude prüfen lassen. Und dringt auf schnelle Abhilfe.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Der Stadtrat soll morgen eine weitere Untersuchung der Bauschäden an der Stadthalle beschließen. Das schlagen die Fraktionen von CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne vor. Über die Ergebnisse der Untersuchung soll im Mai der Technische Ausschuss befinden. Zugleich wird Oberbürgermeister Siegfried Deinege „beauftragt, die dringend notwendigen Sicherungsmaßnahmen unverzüglich einzuleiten“. Der Beschluss ist die Konsequenz aus den Beratungen des Stadthallenausschusses im Januar und der nachfolgenden öffentlichen Diskussionen.

 

 

 

Den Stadträten liegen bereits Untersuchungen der Dächer und tragender Stahlkonstruktionen durch das Görlitzer Architekturbüro Langer & Wünsche vor. Die Bauexperten des Büros schätzen ein, dass allein für die dringendsten Reparaturarbeiten rund 345000 Euro nötig sind. Im Haushalt sind nur 120000 Euro vorgesehen. Zudem sieht der Beschlussantrag der beiden Stadtratsfraktionen bis April die Prüfung vor, ob der kleine Saal genutzt werden kann und eine Stiftung ein möglicher Weg für die Wiederbelebung der Halle ist.

 

 

 

Der Stadthallenförderverein wird zu Beginn der Stadtratssitzung am Donnerstag OB Deinege Unterschriften Görlitzer Bürger zum Erhalt der Stadthalle überreichen. Sie waren in den vergangenen Wochen in Görlitz zusammengetragen worden.

 

 

 

Wer noch solche Unterschriftenlisten hat, soll sie bis heute in der Tanzschule Matzke zurückgeben.

 

 

 

 

 

Verein dringt auf Stadthallen-Reparatur

 

Das Stadtforum wirft dem Rathaus schweres Versagen vor. Und fordert, endlich zu handeln.

 

 

 

Das Stadtforum Görlitz wirft in einem offenen Brief der Stadtverwaltung vor, „bewusst eine Schädigung der Bausubstanz und eine Wertminderung der Stadthalle in Kauf zu nehmen“. Die Vereinigung sieht möglicherweise den Anfangsverdacht der Untreue zu Lasten städtischen Eigentums gegeben. Anlass für das Schreiben an Bürgermeister Michael Wieler sind die Untersuchungen eines Görlitzer Architekturbüros vom November 2013. Demnach seien dringend Reparaturen an der Stadthalle nötig, und zwar für rund 345000 Euro. Trotz dieser Untersuchungen habe die Stadt bislang „keinerlei nennenswerte Notsicherungsmaßnahmen an der Stadthalle durchgeführt“.

 

 

 

Der Stadtrat will heute aufs Neue Untersuchungen des Bauzustandes der Stadthalle beschließen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse soll dann im April oder Mai über Sicherungsarbeiten entschieden werden.

 

 

 

Das Stadtforum ist ein Verein, der sich mit der Städtebauentwicklung in Görlitz beschäftigt. Er hatte bereits die moderne Gestaltung der Berliner Straße kritisiert und eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Hirschwinkelturnhalle initiiert. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 28.03.2014

 

 

 

Stadt prüft Schäden an der Stadthalle

 

Bis Mai sollen die Ergebnisse vorliegen. Wie es langfristig weitergeht, bleibt aber offen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Der Stadtrat drängt auf eine Beseitigung der drängendsten Bauprobleme an der Stadthalle. Das hat er am späten Donnerstagabend deutlich gemacht. So beauftragte der Stadtrat den OB, eine detaillierte bautechnische Untersuchung der Schäden durchführen zu lassen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen im Mai dem Technischen Ausschuss vorgelegt werden. Anschließend soll die Stadt die dringend notwendigen Sicherungsarbeiten einleiten.

 

 

 

Doch auch langfristig will der Stadtrat nun Klarheit haben. So soll der Oberbürgermeister prüfen, ob eine Stiftung eine geeignete Form ist, um die Stadthalle zu sanieren und später zu betreiben. Das Ergebnis dieser Prüfung ist bereits im April dem Stadtrat vorzulegen. Ebenso innerhalb eines Monats will der Stadtrat wissen, ob der kleine Saal der Stadthalle künftig genutzt werden und damit als bespielbare Baustelle dienen kann. Eine große Mehrheit des Stadtrates stimmte für diese Vorschläge, die die Görlitzer Koalition aus CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne eingebracht hatte.

 

 

 

Der Stadtrat reagiert damit auf die seit Herbst vergangenen Jahres vorliegenden Informationen über Bauschäden an der Stadthalle. Umstritten ist aber das Ausmaß dieser Schäden. Ein Görlitzer Architekturbüro, das sehr vertraut mit der Halle ist, kommt in ersten Analysen zu dem Schluss, dass allein 345000 Euro nötig sind, um die dringendsten Bauschäden zu beheben. Die Stadt hat aber nur 120 000 Euro im Haushalt für die Halle zur Verfügung. Auch verweist Architekt und Stadtrat Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz) darauf, dass das Architekturbüro selbst erklärt habe, dass noch weitere Untersuchungen der Schäden in der Stadthalle nötig seien. Das soll nun erfolgen.

 

 

 

Die Sicherung der Halle würde das Gebäude vor einem weiteren Verfall schützen und Zeit geben, über die künftige Nutzung der Stadthalle zu beraten. Seit die Sanierung im Herbst 2012 vom Stadtrat wegen finanzieller und zeitlicher Risiken abgeblasen wurde, herrscht weit herum Ratlosigkeit zur Zukunft der Jugendstilhalle.

 

 

 

 

 

SZ 01.04.2014

 

 

 

Unterschriften und Frühjahrsputz für die Stadthalle

 

Der Förderverein lässt nicht locker und sieht sich von den Görlitzern unterstützt.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

2 615 Unterschriften für die schnelle Sanierung der Stadthalle übergab Fördervereins-Chef Thomas Leder (li.) jetzt dem Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege.

 

 

 

Was der Stadthallen-Förderverein von der Stadt fordert, kann Michael Hannich in drei knappen Sätzen sagen. „Unverzüglich soll die Sicherung der Stadthalle begonnen werden, außerdem soll die Stadt die zwingend nötigen Gelder zur Verfügung stellen und bis Mai einen Zeit- und Finanzplan für eine Dachsanierung vorlegen.“ So erklärte er es vergangene Woche vor dem Stadtrat. Weil er rechtzeitig vor der Debatte aus dem Vorstand des Vereins ausgetreten war, konnte Hannich im Stadtrat das Wort ergreifen. Genauso klar aber wurde an diesem Abend auch: Für diese Forderungen gibt es im Moment keine Mehrheit im Stadtrat. Das Görlitzer Bündnis aus CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne will aber zumindest mal untersuchen lassen, was anschließend an Bauschäden dringend behoben werden muss. Wie umfangreich das sein wird und wie viel die Stadt dafür aufwenden muss, ist nun von der Prüfung abhängig.

 

 

 

Wenn er auch keine Mehrheit im Stadtrat für weitergehende Forderungen hat, so fühlt sich der Förderverein um den CDU-Kommunalpolitiker Thomas Leder von den Görlitzern unterstützt. Unmittelbar vor der Stadtratssitzung übergab Leder 2615 Unterschriften für die Erhaltung der Stadthalle dem Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Leder wollte die Listen am liebsten vor dem Stadtrat dem Stadtoberhaupt übergeben. Doch das Büro von Deinege bat um einen diskreteren Termin unmittelbar vor der Stadtratssitzung. Für den Förderverein war das ein weiteres Indiz dafür, dass im Moment die Stadt das Thema Stadthalle am liebsten niedrig hängen will. Bürgerbeteiligung, Jugendzentrum Werk I und familienfreundliche Kommune scheinen wichtiger zu sein. So wartet der Förderverein beispielsweise auf Antwort von der Stadt auf seinen Antrag vom November, den großen Saal im Juni erneut für eine Benefizveranstaltung nutzen zu dürfen. Künstler wie zuletzt Bill Ramsey kann der Verein dafür weiterhin nicht buchen. Die Antwort soll, so kündigte Oberbürgermeister Siegfried Deinege bei einer Zusammenkunft jüngst an, nun doch bis Donnerstag nächster Woche vorliegen. Vermutlich enthält sie eine Absage für den großen und eine Zusage für den kleinen Saal. Als bespielbare Baustelle. Diese Lösung legt auch der Stadtratsbeschluss vom Donnerstag nahe. Demnach soll Deinege prüfen, ob der Kleine Saal für Veranstaltungen vermietet werden kann. Der immer wieder diskutierte Bestandsschutz, der mit der Schließung erloschen sein soll, steht dem jedenfalls nicht im Wege: Er besteht nach wie vor.

 

 

 

So wichtig diese kurzfristigen Projekte sind, um die Stadthalle im Gespräch zu halten, so wenig ist damit deren Zukunft geklärt. Deinege machte keine Andeutung vor dem Stadtrat, wie er sie sich vorstellt. Auch in dem Beschluss vom Donnerstag sind Ideen für die Zeit nach der Notsicherung nicht vorgesehen. Zumal die Stadt die einst für die Sanierung vorgesehenen Gelder nun für andere Vorhaben nutzt, um an dieser Stelle nicht erneut Fördermittel zurückgeben zu müssen. Im Stadtrat gibt es derzeit aber auch keine politische Mehrheit für einen neuen Sanierungsanlauf. Das Görlitzer Bündnis tut sich damit schwer, die Linkspartei spricht vage von einem europäischen Zentrum für die Stadthalle und löchert andere, die einen Vorschlag einbringen, lediglich mit Fragen.

 

 

 

So ergeht es derzeit auch der FDP, die seit Monaten für eine Stiftungslösung wirbt. Dieser Marschrichtung schloss sich der Stadtrat doch an. Auch hier soll OB Deinege bis Mai prüfen, welche Chancen in einer solchen Stiftung liegen. Für FDP-Stadtrat Frank Wittig ist sie der einzige Weg, um die Konzerthalle in absehbarer Zeit sanieren zu können. Der Görlitzer Rechtsanwalt erinnerte vor dem Stadtrat an die Evangelische Kulturstiftung, die sich um das Heilige Grab, die Nikolaikirche und den Nikolaifriedhof kümmert. „Die Stiftung hat lediglich ein Grundkapital von 40000 Mark“, erläuterte Wittig. „Dennoch war sie in der Lage, für mehrere 100000 Euro einen Neubau zu errichten. Das Beispiel zeigt, was eine Stiftung alles leisten kann.“ Dabei ist Wittig klar, dass die Stadthalle eine größere Nummer als das Heilige Grab ist. Doch hält er Gespräche mit Sachsen, dem Bund und dem Landkreis nicht für aussichtslos. Nur: Bislang hat die Stadt nichts dafür getan. Die Stiftung könnte auch eine schrittweise Instandsetzung der Halle vornehmen. Die hätte den Charme, findet der Förderverein, dass so auch Fördermittel beantragt werden können. Ohne einen beschlossenen Fahrplan zur Instandsetzung bleiben die Geldschatullen in Dresden verschlossen.

 

 

 

Bis Mai will der Förderverein aber an der Stadthalle nicht abwarten. Er ruft an diesem Sonnabend zum Frühjahrsputz im Stadthallengarten auf. Alle können mithelfen, und Thomas Leders Traum wäre es, wenn sich auch Schulklassen beteiligen würden. Schließlich könnte der Stadthallengarten für ganz verschiedene Veranstaltungen genutzt werden. Den Wasseranschluss nehmen die Stadtwerke jetzt wieder in Betrieb, und die Firma Haustechnik Schöpstal setzt die Toiletten instand. Beide nehmen dafür kein Geld – für den Verein wieder ein Zeichen, dass die Stadthalle den Görlitzern noch wichtig ist.

 

 

 

Wer an dem Frühjahrsputz teilnehmen will, melde sich bei info@tanzschule-matzke.de oder 03581 409595 an.

 

 

 

 

 

Stadthallenorgel geht nach Löbau

 

Das Instrument soll in der neuen Messehalle erklingen. Unklar ist, ob Görlitz die Orgel schenkt.

 

 

 

Die Stadthallenorgel wird künftig in der Löbauer Messehalle erklingen. Entsprechende Pläne bestätigte gestern eine Sprecherin der Görlitzer Stadtverwaltung. Da in die Löbauer Halle in diesem Jahr sowieso Garderobe und Toiletten eingebaut werden, könnte auch der Orgelbau erfolgen. Die Stadt würde damit die Konsequenzen aus der verschobenen Sanierung der Stadthalle ziehen. „Da völlig unklar ist, ob und wann die Stadthalle wieder eröffnet werden kann“, so eine Sprecherin von Oberbürgermeister Siegfried Deinege, „ist es für das Instrument doch das Beste.“

 

 

 

Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger hat sich bereits bereiterklärt, das erste Konzert in Löbau zu geben. Seeliger kümmert sich seit Jahren um das Instrument.

 

 

 

So sicher es ist, dass die Orgel nach Löbau kommt, so unklar bleibt vorerst, ob die Stadt das Instrument der Stadt verkauft, schenkt oder doch nur ausleiht. Das muss der Stadtrat demnächst beschließen. Das Rathaus hätte auch mit einer Schenkung keine Probleme. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 02.04.2014

 

 

 

Aprilscherze haben es mitunter in sich. Die einen Leser lachen, die anderen glauben daran, bis sie eines Besseren belehrt werden und wieder andere lassen sich nicht einmal am 2. April aufklären. Das bekam jetzt Margit Bätz zu spüren. Die Stadträtin der Linken musste sich in ihrem Stadtteil Weinhübel einiges über die Zurechnungsfähigkeit des Rates bezüglich Stadthallenorgel und deren angeblich vorgesehenen Umzug in die Löbauer Messehalle anhören. Selbst der Hinweis von Bätz auf das Datum 1. April des Presseartikels vermochte die erregten Gemüter nicht zu besänftigen. Die Stadträte hätten die Meldung nur an diesem Tag geschickt platziert, damit alle denken würden, es sei ein Aprilscherz, wurde ihr mitgeteilt.

 

 

 

 

 

SZ 07.04.2014

 

 

 

Der Förderverein Stadthalle hatte für den vergangenen Sonnabend, von 9 bis 14 Uhr, zum Frühjahrsputz an die Stadthalle gebeten. Der Stadthallengarten sollte gemeinsam so hergerichtet werden, dass er von den Vereinsmitgliedern und anderen genutzt werden kann. Etwa 50 Görlitzer folgten dem Aufruf, packten an, beseitigten abgebrochene Äste, Laub und Abfall, freuten sich aber auch darüber, mit Gleichgesinnten sprechen zu können. Für einen Imbiss, Getränke und etwas Musik war ebenfalls gesorgt.

 

 

 

 

 

SZ 17.04.2014

 

 

 

Sichere Pfeiler für die Stadthalle

 

Die Stadt beginnt mit ersten Sicherungsarbeiten. Der Technische Ausschuss beschließt, was sich der Stadtrat nicht traut.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Abgesperrt werden muss die Stadthalle noch nicht. Aber ganz überraschend gesteht die Verwaltung doch ein, dass die Bauschäden erheblicher sind als bislang eingeräumt.

 

 

 

Völlig überraschend nimmt die Stadt nun doch sofort die Sanierung von vier Strebepfeilern in der Stadthalle in Angriff und gibt dafür mindestens 92 000 Euro aus. Das beschloss der Technische Ausschuss am Mittwoch. Dabei ist es erst drei Wochen her, dass sich eine Mehrheit des Görlitzer Stadtrates auf Vorschlag von CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne lediglich für eine Überprüfung vermuteter Schäden ausgesprochen hatte. Bei dieser Sitzung des Stadtrates Ende März hatte Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz) vehement bestritten, dass schon feststehe, ob und in welchem Umfang Bauschäden bei der Stadthalle vorliegen, die dringend saniert werden müssten. Er verwies auf fehlende detaillierte bautechnische Untersuchungen. Die Aufstellungen eines Görlitzer Planungsbüros, das sich in den vergangenen vier Jahren in besonderer Weise mit der Stadthalle befasst hatte, ließ er dafür nicht gelten. Damals stellte sich dieser Ansicht weder Oberbürgermeister Siegfried Deinege noch Bürgermeister Michael Wieler in der Debatte entgegen.

 

 

 

Nur Michael Hannich von der CDU drängte auf schnellere Maßnahmen. Er gehört mit Thomas Leder zu der kleinen Gruppe in der Union, die die Schäden der Stadthalle als dramatisch ansehen. Deswegen wollten sie anfangs auch einen Beschluss im Stadtrat erwirken, dass unverzüglich mit Bauarbeiten begonnen werde. In wochenlangen Verhandlungen hatten CDU und Bürger für Görlitz sich dann aber auf jenen Kompromiss verständigt, der Ende März eine Mehrheit im Stadtrat erhielt und nur noch die Überprüfung der Schäden vorsah.

 

 

 

Nun aber lag in dieser Woche dem Technischen Ausschuss eine Vorlage des Hochbauamtes vor, das zum Ressort von Wieler gehört. Die Vorlage stammt von Anfang März, entstand also weit vor dem Beschluss im Stadtrat Ende März. Und diese Vorlage kommt in einem wichtigen Teil zu einem völlig gegenteiligen Ergebnis. Auf der Grundlage der Untersuchungen des Görlitzer Planungsbüros spricht sie von solchen Schäden an den Eckpfeilern der Stadthalle, dass die „rechnerischen Sicherheiten der statischen Konstruktion nach Einschätzung des Statikers aufgezehrt“ sind. Bürgermeister Michael Wieler erklärte sogar vor dem Technischen Ausschuss, dass die Verwaltung der Auffassung sei, dass „die Sanierung der Strebepfeiler von hoher Dringlichkeit“ sei, weil mit deren Zustand erhebliche statische Probleme verbunden seien. Die Tragfähigkeit der Strebepfeiler betrage nur noch 50 Prozent. Der Stahl der Pfeiler sei gerade im Übergang vom Dach angerostet. Über diese Pfeiler aber werden vor allem die starken Windkräfte, die an den langen Seiten der Stadthalle zerren, abgeleitet. Für die Mitarbeiterin im Hochbauamt, Kerstin Poost, steht daher fest, dass „uns niemand die Garantie geben kann, dass die Tragfähigkeit der Pfeiler noch gegeben ist.“ Die Stadt habe hier ein sehr großes Problem. Die Eckpfeiler und das besondere System, um Kräfte vom Dach und den Seitenwänden der Stadthalle abzufedern, stammt aus dem Jahre 1908 und war nach dem Teilzusammensturz beim Bau der Halle entwickelt worden.

 

 

 

Wolfgang Kück als Mitglied des Technischen Ausschusses blieb seiner Linie aus dem Stadtrat treu und forderte erneut nur eine Untersuchung der tatsächlichen Schäden. „Es ist ja nicht so, dass die Halle morgen gleich zusammenstürzen wird“, erklärte er. Er berief sich auf eine Besichtigung mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Dieter Gleisberg vom Herbst, bei dem sich beide ein Bild von den Schäden in der Stadthalle gemacht haben sollen. Kück habe damals nicht erkennen können, dass die Pfeiler derart verrostet seien. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Stelle an dem einen Pfeiler, den das Görlitzer Planungsbüro bereits 2011 untersucht hatte, bereits wieder verputzt. Die Pfeiler sind im Ganzen hinter Putz. Die Räte konnten also die Pfeiler gar nicht sehen. Gleisberg stützte jedenfalls Kücks Darstellung am Mittwoch nicht. „Im Vordergrund unserer Besichtigung standen die Dach- und Fensterschäden, durch die Wasser in die Halle eindringt“, sagte Gleisberg. „Die Statik stand nicht im Mittelpunkt damals.“ Den Hinweisen von Kück und Gleisberg kommt im Technischen Ausschuss besonderes Gewicht zu, weil die beiden Stadträre Architekt und Bauingenieur sind.

 

 

 

Nachdem nur Kück und Wolfgang Freudenberg (ebenfalls Bürger für Görlitz) gegen die Sanierung der Pfeiler, aber alle anderen neun Mitglieder des Technischen Ausschusses dafür stimmten, sollen nun die Vorbereitungen beginnen. Ab Ende Juli könnten dann die Pfeiler überprüft und saniert werden. Dabei werden verrostete Stahlteile ausgetauscht. Das Hochbauamt rechnet damit, dass die Sanierung Sicherheit für die nächsten zehn Jahre gibt. Auf ein Wort

 

 

 

 

 

Stadthalle profitiert von Stadtratsdesaster

 

über die Sanierung von vier Eckpfeilern

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Was geht eigentlich im Görlitzer Rathaus vor sich? Da einigen sich die Partner des „Bündnisses für Görlitz“ im Frühjahr mühsam auf einen Wischi-Waschi-Kompromiss zur Stadthalle, bringen ihn auch durch den Stadtrat – und drei Wochen später sagen die Verwaltung und der Technische Ausschuss: Wir machen wieder alles anders. Der Stadthalle kann es recht sein. Endlich passiert etwas. Endlich räumt die Stadt ein, dass die Schäden doch so erheblich sind, wie die Baufachleute es seit Monaten sagen. Endlich wird die Halle vor Schlimmerem bewahrt.

 

 

 

Für die politischen Kräfte in dieser Stadt aber ist die Art, wie es dazu kam, ein Fiasko. Und das noch vor den Wahlen. Die CDU, die sich gern als Stadthallen-Partei sieht, ist genarrt worden. Mit ihrem ursprünglichen Antrag hätte sie ziemlich auf der Linie des jetzigen Beschlusses gelegen. Aber weil ihr der Mut verloren ging, sie in Nibelungentreue zur Rathausspitze steht, knickte sie ein. Was sie sich nicht traute, dafür hat jetzt der Technische Ausschuss eine Stunde benötigt. Bei den Bürgern für Görlitz ist alles noch verheerender. Zwei von ihren drei Mitgliedern im Technischen Ausschuss blieben auch am Mittwoch der abwartenden Stadtrats-Position treu. Dafür stehen sie jetzt aber als unsichere Kantonisten in Sachen Stadthalle da. Einen Eindruck, den die Spitze der Wählervereinigung rechtzeitig vor der Wahl ausmerzen wollte. Und die Linkspartei, die so gern gegen die Stadthalle im Stadtrat wettert, wenn die Kameras des Regionalfernsehens laufen, stimmt im Technischen Ausschuss klammheimlich dafür. Das ist alles ziemlich absurd. Doch selbst Bürgermeister Wieler kann sich nicht freuen: Er steht nun in der Öffentlichkeit da, als würde er die Stadträte schlecht beraten. Ein Desaster ist noch eine fröhliche Umschreibung für das, was geschah.

 

 

 

 

 

10.05.2014 Stadthallenverein bereitet Stiftung für die Konzerthalle vor

 

 

 

Sie soll zum Erhalt des Denkmals beitragen. Bis 2021 strebt der Verein die Sanierung an.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Thomas Leder und der Stadthallenverein machen Druck bei der Sanierung der Konzerthalle.

 

 

 

Die Liberalen hatten die Idee, das Görlitzer Rathaus fremdelte lange mit ihr, nun will sie der Stadthallen-Förderverein umsetzen: Eine Bürgerstiftung für die Stadthalle. Die Mitgliederversammlung des Vereins beauftragte den Vorstand, alles zur Gründung einer solchen Stiftung vorzubereiten. Vereinsvorsitzender Thomas Leder rechnet damit, im Herbst den Mitgliedern die Details vorstellen zu können.

 

 

 

Die Stiftung soll den Charakter einer reinen Förderstiftung besitzen. Gebäude und Grundstücke bleiben bei der Stadt. Die Gelder, die die Stiftung zusammenträgt, könnten aber nach Vorstellungen von Leder beispielsweise in den Erhalt des Gebäudes fließen, in den denkmalpflegerischen Mehraufwand bei einer möglichen Sanierung oder in die Förderung besonderer Konzerte. Eine solche Stiftung hätte im Vergleich zum Förderverein den Vorteil, dass der Förderzweck und damit das Kapital sicherer geschützt sei. Der Haken: Eine Stiftung benötigt erst einmal 25000 Euro, um offiziell genehmigt zu werden, und dieses Kapital darf auch nicht ausgegeben werden. Andere Stiftungen, wie zum Beispiel die Zittauer Bürgerstiftung „Zivita“, haben dieses Problem des Anfangs aber auch gelöst. Sie agierte zunächst unter dem Dach der Dresdner Bürgerstiftung. „Zivita“ ehrt jedes Jahr ehrenamtlich tätige Persönlichkeiten im Südteil des Kreises. Sie war als Teil des Zukunftsprogrammes des damaligen Landkreises Löbau-Zittau ins Leben gerufen worden. Der große Vorteil von Stiftungen: gerade weil sie praktisch ewig bestehen, können sie auch auf Dauer wirken. Das wiederum animiert Stifter und Spender, ihr Geld an diese Stiftungen zu geben. Thomas Leder jedenfalls erhofft sich eine zusätzliche Spendenneigung durch eine solche Stiftung.

 

 

 

Schon beim großen Stadthallenfest am 28. Juni kann der Verein seine Pläne einer größeren Öffentlichkeit vorstellen. Nach einigem Hin und Her stellt Oberbürgermeister Siegfried Deinege den Kleinen Saal in der Halle dem Verein zur Verfügung. Weil der aber nur für 199 Personen zugelassen ist, plant der Verein zum Fest nun zwei aufeinanderfolgende Veranstaltungen. „Künstler, Chöre, Akrobaten – alle können sich bei uns melden und gern mitwirken“, sagt Thomas Leder. Wegen der unsicheren Lage beim Großen Saal konnte der Verein nicht an Künstler wie zuletzt Bill Ramsey herantreten. Fürs Saubermachen des Kleinen Saales und zum Stühlestellen meldeten sich aus den Reihen des Vereins bereits genügend Mitglieder.

 

 

 

Leder, der für die CDU auch wieder bei der Stadtratswahl antritt, strebt weiterhin eine Sanierung der Stadthalle an. Sein neuester Plan: Der Stadtrat soll sich mit einem Beschluss verpflichten, die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier von Görlitz im Jahre 2021 zu sanieren. Als Konzerthalle, so wie sie jetzt dasteht. Und in leistbaren jährlichen Bauabschnitten: Mal das Dach, im nächsten Jahr der Große Saal, darauffolgend der Kleine, und so weiter. „Das machen doch andere Städte mit solchen Hallen auch“, sagt Leder, „wenn der große Wurf finanziell nicht möglich ist“. Eine solche Halle könnte über die Europastadt Görlitz/Zgorzelec oder den städtischen Kulturservice an alle Interessenten vermietet werden und bräuchte Leder zufolge nicht einen Stab an Angestellten.

 

 

 

Ein solcher Stadtratsbeschluss hätte aus Sicht von Leder zudem den Vorteil, dass damit Görlitz gegenüber dem Innenministerium eine Art Sanierungsplan für die Halle vorlegen könnte. Genau der fehlt dem Ministerium, um Bauarbeiten in der Stadthalle finanziell zu fördern. So muss die Stadt derzeit alle Arbeiten in der Stadthalle wie die Sanierung der Strebepfeiler für fast 100000 Euro allein aus der eigenen Tasche zahlen.

 

 

 

 

 

SZ 22.05.2014

 

 

 

Görlitzer hängen an ihrer Stadthalle

 

Für fast jeden Zweiten ist deren Sanierung die wichtigste Aufgabe in den nächsten fünf Jahren.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Wenn es um ihre Stadthalle geht, dann ändern die Görlitzer nicht so schnell ihre Meinung. Seit Jahren rangiert deren Sanierung und Wiedereröffnung stets ganz oben, wenn es um die Wünsche der Görlitzer geht. Das ist auch dieses Mal der Fall, wie eine nicht-repräsentative Umfrage der SZ in der Wahlzeit ergibt. Beteiligt waren daran 250 Görlitzer. Für 47 Prozent der Befragten ist die Sanierung der Konzerthalle das wichtigste Projekt für den neuen Stadtrat. Dann folgen wahlweise der Ausbau des Berzdorfer Sees oder der Bau eines Jugendzentrums. Den See als wichtigste Aufgabe sehen 30 Prozent, nur 22 Prozent würden das geplante Jugendzentrum auf Platz 1 der Wunschliste setzen.

 

 

 

Die Zahlen des SZ-Barometers decken sich auch mit einer Umfrage, die die CDU an ihren Wahlkampfständen durchführt. Sie bittet dort Görlitzer zwölf Themenfelder nach ihrer Wichtigkeit zu bewerten. 88Görlitzer haben sich daran bis vergangenen Sonntag beteiligt. Hier steht die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ganz vorn. 99 Prozent halten das für die entscheidende Aufgabe der nächsten fünf Jahre. Auf Platz zwei folgt der Erhalt der Berufsfeuerwehr und die Stärkung der freiwilligen Wehren. Schließlich folgen die Bürgerbeteiligung und der Erhalt der Straßenbahn. Bereits auf Platz vier und als Erstes der Großvorhaben rangiert die Sanierung der Stadthalle. 45 Prozent der Teilnehmer halten das für sehr wichtig, weitere 24 Prozent für wichtig. Gefolgt vom Ausbau und Erhalt der Spielplätze, der Entwicklung des Berzdorfer Sees und dem Ausbau des schnellen Internets.

 

 

 

Die weitere Sanierung der Schulen hat an Dringlichkeit verloren, auch eine Sanierung der Hirschwinkelhalle ist den meisten nicht ganz so wichtig. Das neue Jugendzentrum finden 20 Prozent sehr wichtig, 37 Prozent wichtig, aber 34 Prozent für weniger wichtig – schlechter schneidet da nur die Sanierung der Hirschwinkelhalle ab. Natürlich entstammen auch die CDU-Zahlen keiner repräsentativen Umfrage, aber beide Ergebnisse zeigen ein klares Stimmungsbild. Ihrem Stadtrat stellen die Görlitzer ein mäßiges Zeugnis aus. Nur jeder zehnte von der SZ Befragte benotet die Arbeit der Räte mit einer eins oder einer zwei. Ein knappes Drittel vergibt das Prädikat befriedigend, aber jeder zweite eine Schulnote von 4 bis 6. Mit der Wahl am Sonntag werden durchaus Hoffnungen verknüpft. 17 Prozent der Befragten denken, dass sich die Stadt nach der Wahl besser entwickeln wird, nur drei Prozent schlechter, aber die Mehrheit von 64 Prozent rechnet mit keinen wesentlichen Veränderungen.

 

 

 

Kommentar - Stadtrat soll dem Volk aufs Maul schauen

 

über die Vorlieben der Görlitzer

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Seit Jahren fragt die SZ bei ihrem Stimmungsbarometer nach den wichtigsten Großprojekten für Görlitz. Und genauso lange hält sich die Sanierung der Stadthalle auf Platz 1. Diese Treue der Görlitzer zu ihrer Konzerthalle ist enorm, und sie sollte auch dem neuen Stadtrat Ansporn sein, das Thema zu befördern. Zwar taucht die Stadthalle in fast allen Wahlprogrammen auf. Aber mancher wie die Linkspartei verknüpft das mit der sportlichen Bedingung, zunächst müsse nachgewiesen sein, dass die Stadthalle ein europäisches Kulturzentrum sein könne. Das riecht eher nach Auf-die-lange-Bank-Schieben als nach dem realistischen Versuch, das denkmalgeschützte Haus bald wieder zu öffnen. In anderen Wahlbroschüren, wie zum Beispiel bei den Bürgern für Görlitz, ist die Stadthalle so versteckt, dass man sie kaum findet. Die Parteien und Wählervereinigungen mögen dafür gute Gründe haben, sie sollten aber in dieser Frage durchaus auch dem Volk mal „aufs Maul schauen“. Dann würden sie und Oberbürgermeister Siegfried Deinege auch erfahren, dass das geplante Jugendzentrum noch immer nicht sehr hoch im Kurs der Görlitzer steht, jedenfalls deutlich hinter der Stadthalle. Wenn ein solches Zwei-Millionen-Projekt Wirklichkeit werden soll, benötigt es dringend mehr Akzeptanz.

 

 

 

 

 

SZ 23.05.2014

 

 

 

Torpediert das Hochbauamt die Benefizkonzerte für die Stadthalle?

 

Der Förderverein kritisiert hohe bürokratische Auflagen für seine Bemühungen um die Halle.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Die Vorbereitung der Benefizkonzerte für die Stadthalle am 28. Juni nehmen für den Stadthallenverein als Organisator bürokratische Ausmaße an. So musste Vereinsvorsitzender Thomas Leder bereits zwei sechsseitige Checklisten für den Stadthallengarten und den Kleinen Saal ausfüllen. Anschließend übermittelte die Chefin des Hochbauamtes, Ute Prechel, dem Verein eine weitere Liste mit Fragen zum Charakter der Konzerte. Darin wurde beispielsweise dem Verein untersagt, im Kleinen Saal oder im Raum davor Kaffee oder Bockwürste zu erwärmen. Vor einem Jahr war das im Foyer des Großen Saals noch möglich. Auch fordert die Stadt einen Toiletten-Mietcontainer mit getrennten WCs für Frauen und Herren sowie Behinderte. Die Toiletten im Stadthallengarten, die der Verein auf eigene Kosten instand gesetzt hat, dürften nur bedingt in Frage kommen. Denn über den Winter sind die Wasserleitungen eingefroren, offensichtlich hatte die Stadt nicht ausreichend Vorsorge getroffen. Nun liegt nur eine provisorische Wasserleitung zu den Toiletten im Garten.

 

 

 

Schließlich soll der Verein allein 500 Euro für Sicherungssysteme an den Eingängen bezahlen – während alle Mitwirkenden an den Konzerten auf ihre Gage verzichten, um möglichst eine hohe Summe für die Sanierung der Stadthalle einzuspielen. Vereinsvorsitzender Thomas Leder sieht in all diesen Auflagen des Hochbauamtes ein „bewusstes Hintertreiben des Vorhabens, dem der OB zugestimmt hat“.

 

 

 

 

 

24.05.2014

 

 

 

Wieler wehrt sich gegen Stadthallen-Kritik

 

Das Rathaus tue alles für die Benefizkonzerte am 28. Juni. Alles andere sei nicht richtig.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Bürgermeister Michael Wieler wehrt sich gegen Vorwürfe des Stadthallen-Fördervereins, das städtische Hochbauamt würde die Vorbereitungen für die Benefizveranstaltungen am 28. Juni behindern. „Die Stadtverwaltung setzt mehrere Tausend Euro ein, um die Veranstaltung möglich zu machen“, erklärte Wieler am Freitag. „Außerdem stellt das Görlitzer Rathaus dem Verein auf Verwaltungskosten einen Toilettencontainer vor die Tür.“ Und die Verwaltung käme den Organisatoren bei allen Wünschen entgegen. Ein Großteil der städtischen Zusagen erhielt der Förderverein bei einem Vor-Ort-Termin Donnerstagmittag in der Stadthalle. In den beiden Wochen zuvor waren dagegen Forderungen des Hochbauauamtes beim Verein eingetroffen, dessen Vertreter sogar am vergangenen Wochenende ein Treffen mit OB Siegfried Deinege aus diesem Grund erreichten. Dabei versicherte Deinege, dass sowohl der Kleine Saal dem Verein für die Benefizaktion zur Verfügung gestellt als auch breite Hilfe der Stadt angeboten wird.

 

 

 

Wieler weist auch den Verdacht der Vernachlässigung der Toiletten-Anlagen im Stadthallengarten zurück, den der Verein geäußert hatte. Nach Angaben der Stadt werden die Toiletten im Garten seit 2005 mit einem Schlauch betrieben. Sie können also seiner Meinung nach in diesem Winter nicht eingefroren sein.

 

 

 

Derweil wurde am Freitag bekannt, dass der Technische Ausschuss am Mittwoch ausfällt. Dort war erwartet worden, dass die Stadt ihre Erkenntnisse bekannt gibt, ob sich durch das Einregnen in der Stadthalle Schwamm gebildet hat und wie schnell ein solcher Schaden behoben wird.

 

 

 

 

 

SZ 30.05.2014

 

 

 

Sommerfest lockt in die Stadthalle

 

 

 

Görlitz. Der Förderverein Stadthalle Görlitz lädt ein zu seinem Sommerfest. Vorbereitet wird diese Veranstaltung für den Sonnabend, den 28. Juni. Gefeiert wird im kleinen Saal der Stadthalle, vielen auch unter der Bezeichnung Bankettsaal bekannt. Wegen der erwartet großen Nachfrage sind nacheinander zwei Veranstaltungen vorgesehen, informierte der Vereinsvorstand. Die erste beginnt um 14.30 Uhr, die zweite um 18Uhr. Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.

 

 

 

Der Kartenvorverkauf startet am 4.Juni in der Tanzschule Matzke in der Straßburg-Passage und beim Treffpunkt der Sächsischen Zeitung in der ersten Etage des City-Centers. Der Eintritt kostet zehn Euro. Geboten werden soll ein abwechslungsreiches Programm mit Band, Tanz, Ballmusik, Gesang, Sketchen, Oper und Zauberei. Alle Künstlern haben spontan zugesagt, ohne Gage aufzutreten. In der Pause ist zudem ein Imbiss vorgesehen. Da jeweils nur 170 Sitzplätze vorhanden sind, rät der Verein, den Vorverkauf schnell zu nutzen.

 

 

 

Zuvor hatte es Kritik an der Stadt gegeben, das Bauamt würde das Vorhaben behindern. Bürgermeister Wieler wies das zurück. Die Stadt setze mehrere Tausend Euro ein, um die Veranstaltung möglich zu machen, erklärte er. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 11.06.2014

 

 

 

 

 

Stadt akzeptiert Schadensbilanz an der Stadthalle

 

 

 

Der Stadtrat beschließt eine Reparatur in der Halle nach der anderen. Doch nun ist das Geld erst einmal alle.

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Seit ein paar Tagen hängen die Plakate für die Stadthallen-Benefizkonzerte im Görlitzer Stadtbild. Der Förderverein organisiert Künstler, spricht Firmeninhaber als Sponsoren an und ist trotz mancher Hürden guter Dinge, am 28. Juni erneut ein paar Hundert Euro für Bauarbeiten zusammenzutragen, mit denen das Denkmal Stadthalle erhalten wird.

 

 

 

Dass die gespendeten Gelder nur einen Teil der nötigen Mittel allein schon für die Sicherung der Halle ausmachen, wird heute im Technischen Ausschuss deutlich werden. Die Räte sollen grundsätzlich darüber entscheiden, wie mit den Feuchtigkeitsschäden in den Treppenhäusern sowie über dem Foyer umgegangen wird. Dass das Thema heute auf der Tagesordnung steht, ist einem Stadtratsbeschluss vom 27.März zu danken. Nach monatelangen Verhandlungen hatten sich zuvor CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne auf einen gemeinsamen Beschluss geeinigt, dem der Rat auch mehrheitlich folgte. Danach beauftragte der Stadtrat Oberbürgermeister Siegfried Deinege, eine „detaillierte bautechnische Untersuchung der Schadensbilder an der Stadthalle in Auftrag zu geben, die Ergebnisse dem Technischen Ausschuss bis Mai 2014 zur Überprüfung vorzulegen und die dringend notwendigen Sicherungsmaßnahmen unverzüglich einzuleiten“.

 

 

 

Nun ist es Juni geworden. Doch ist das nicht das Einzige, was die Stadtverwaltung etwas anders an dem Beschluss verstanden hat. Nach Angaben von Bürgermeister Michael Wieler verzichtete die Stadt auf eine detaillierte bautechnische Untersuchung. Stattdessen nimmt sie die Planungen für die letztlich abgeblasene Generalsanierung von 2011/2012 sowie die damals festgestellten Schäden als Grundlage für ihr weiteres Vorgehen. Demnach schlägt Wieler heute vor, die durch das Einregnen angegriffenen Holzbalkendecken in den Treppenhäusern komplett gegen Betondecken auszutauschen. Das wird knapp 200000 Euro kosten und nicht mehr in diesem Jahr geschehen. Doch sei das auch nicht nötig, weil nach Wielers Angaben derzeit die Dächer der Stadthalle so dicht sind, dass es an keiner Stelle einregnet. Ohnehin fehlen die Mittel noch in der Finanzplanung des städtischen Haushaltes – sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr. Doch begründet Wieler sein Vorgehen auch mit der Einschätzung der zuletzt an der Stadthalle wirkenden Bauingenieure, dass zwar ein schnelles, aber kein sofortiges Handeln nötig sei. Eine Position, die der Chef des Stadthallen-Fördervereins Thomas Leder momentan weder einnehmen noch ablehnen kann. Denn Leder will zunächst einmal wissen, ob sich durch das Einregnen Hausschwamm gebildet hat. Erst danach könne seriös gesagt werden, wie dringend auch die Decken in der Halle saniert werden müssen. Seit Monaten dringt Leder deshalb auf Untersuchungen, die Klarheit bringen. Tatsächlich erwartet die Stadt nun nach Aussagen Wielers in diesem Monat Ergebnisse zur Hausschwamm-Diagnose.

 

 

 

Für Stadthallen-Befürworter wie Thomas Leder geht das alles natürlich viel zu langsam. Aber deren beharrliches Dranbleiben hat seit November die Stadthalle doch wieder in den Mittelpunkt der Görlitzer Politik gerückt: Die Strebepfeiler werden jetzt saniert, den Feuchteschäden in absehbarer Zeit auf den Leib gerückt. Dabei war die Stadthalle nach der Absage der Sanierung im Herbst 2012 auf der Prioritätenliste der Stadt ziemlich weit nach unten gepurzelt. Nun ist sie wieder da. Dass das alles nicht immer auf Gegenliebe selbst von Oberbürgermeister Siegfried Deinege stößt, war beim Mai-Stadtrat zu beobachten. Deinege gab erstmals selber die Legende zum Besten, dass in der Stadt Jugendzentrum gegen Stadthalle und damit Jugend gegen Senioren ausgespielt werde. Als wenn die Stadthalle ein Projekt ohne Jugend wäre. „Ich will die Stadt zukunftssicher machen“, redete sich Deinege in Rage. „Und da helfen mir nicht Bewertungen von zwei Projekten“, sagte er mit Blick auf nicht-repräsentative Umfragen vor der Wahl, in denen die Stadthalle besser als das Jugendzentrum abschnitt.

 

 

 

Doch der Kurswechsel der Stadt kostet Geld. Die für dieses Jahr vorgesehenen 134000 Euro sind bereits aufgezehrt. Rund 30 000 Euro versucht die Verwaltung nun noch für die Sanierung der Fenster im Großen Saal im Etat zu finden. Wie es finanziell weitergeht, müssen die Räte erst mit dem Etat 2015 noch beschließen.

 

 

 

 

 

 

 

Rathaus bewegt sich in Stadthallen-Frage

 

über die Bauarbeiten in der Konzerthalle

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Wer die Stadthallen-Debatte im Stadtrat von Ende März noch im Ohr hat, muss sich seitdem wie in einem falschen Film vorkommen. Wurde vor acht Wochen noch darüber gestritten, ob die Stadthalle durch ausgebliebene Investitionen in der Vergangenheit und dem anschließenden zehnjährigen Leerstand wirklich Schaden genommen hat, so ist das jetzt offensichtlich nicht mehr die Frage. Die Strebepfeiler sollten zunächst nur auf Standfestigkeit geprüft werden, jetzt werden sie saniert. Die Feuchteschäden an den Decken sollten erst einmal auf Schwamm untersucht werden, jetzt sollen im nächsten Jahr die Decken gleich mal ausgewechselt werden. Mit jedem dieser Beschlüsse akzeptiert die Stadt ein kleinwenig mehr die Schadensbilanz an der Halle, die ein Görlitzer Ingenieurbüro dem Stadthallenausschuss im Januar vorgelegt hatte und die damals ziemlich abgekanzelt wurde. Zugleich aber wächst der Druck auf OB Deinege, ein Konzept zur Sanierung der Stadthalle zu entwickeln. Denn bei jeder Reparatur schwingt immer die Frage mit, für welche künftige Nutzung sollen jetzt eigentlich neue Decken oder Strebepfeiler eingezogen werden. Es hängt eben doch alles miteinander zusammen. Es nützt nichts: Görlitz braucht Klarheit über seine Stadthalle.

 

 

 

 

 

SZ 13.06.2014

 

 

 

Ausschuss will Klarheit über den Zustand der Stadthalle

 

Bürgermeister Michael Wieler erleidet eine Niederlage. Der Druck auf OB Deinege wächst.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Die Sanierung der Stadthalle abzublasen, war das eine. Wie es weitergehen soll, ist das andere. Auf unserem Archivfoto erläuterte im Herbst 2012 Oberbürgermeister Siegfried Deinege den Görlitzern, warum er die Sanierung stoppen ließ. Foto: Nikolai Schmidt

 

Die Sanierung der Stadthalle abzublasen, war das eine. Wie es weitergehen soll, ist das andere. Auf unserem Archivfoto erläuterte im Herbst 2012 Oberbürgermeister Siegfried Deinege den Görlitzern, warum er die Sanierung stoppen ließ. Foto: Nikolai Schmidt ©- keine angabe im hugo-archivsys

 

Der Technische Ausschuss drängt darauf, Näheres über den wirklichen Bauzustand der Stadthalle zu erfahren. Erst danach wird er entscheiden, welche Schritte zur Behebung der Schäden zu gehen sind. Darauf verständigte sich der Ausschuss am Mittwoch und lehnte es ab, über eine Vorlage der Verwaltung zu entscheiden, die bereits jetzt wichtige Festlegungen enthielt. Die Stadträte hingegen wollen erst von der Bauverwaltung detailliert darüber informiert werden, was bei den Untersuchungen der Strebepfeiler, aber vor allem der Feuchteschäden an Decken im Treppenhaus festgestellt wurde. Hier geht es darum, ob die Nässe bereits dazu geführt hat, dass sich Hausschwamm ausbilden konnte. Wäre das der Fall, dann müsste die Stadt schnell handeln, denn Schwamm kann sich ausbreiten und große Schäden hinterlassen. Da aber erst im Laufe dieses Monats mit den Ergebnissen der Untersuchung zu rechnen ist, hielt Wolfgang Kück von den Bürgern für Görlitz fest: „Es gibt keinen Hausschwamm in der Stadthalle so lange, wie es nicht bewiesen wurde.“ Und so lange gebe es auch keine Eile bei der Stadthalle.

 

 

 

Baubürgermeister Michael Wieler hingegen wollte den Ausschuss dazu bringen, sich schon jetzt darauf festzulegen, dass die Holzbalkendecken im Treppenhaus bei einer Sanierung durch Betondecken ersetzt werden. Die Leiterin des Hochbauamtes, Ute Prechel, nannte das ein „Stützkorsett für die alte Dame“, weil dadurch die Statik der Halle und der Brandschutz verbessert werden. Wann dieser Austausch aber stattfinden soll, ist völlig offen. In der städtischen Finanzplanung ist dafür bis 2017 kein Euro eingestellt. Über den Zeitpunkt, so sagte Wieler, müssten die Stadträte in der anstehenden Haushaltsdiskussion für den Doppeletat 2015/2016 entscheiden.

 

 

 

Die Räte sahen das aber ganz anders. „Wir sollen den Austausch von Decken beschließen, ohne zu wissen, ob überhaupt ein Balken ausgewechselt werden muss“, sagte Kück. Um das herauszufinden, hatte der Stadtrat im März nach langwierigen Verhandlungen Oberbürgermeister Siegfried Deinege beauftragt, die Schäden in der Stadthalle gründlich untersuchen zu lassen und anschließend dem Technischen Ausschuss Vorschläge zu unterbreiten. Doch schon im April hatte die Bauverwaltung nicht nur die Prüfung der Strebepfeiler vorgeschlagen, sondern auch gleich deren Sanierung. Das fand damals eine Mehrheit. Wieler verteidigte sein Vorgehen am Mittwoch, auch wenn seine Vorlagen im Technischen Ausschuss „sinnfälligerweise über den Stadtratsbeschluss hinausgingen, um Geld zu sparen“. Beispielsweise muss nun nur einmal das Gerüst in der Halle an den Pfeilern gestellt werden. Doch ging dieser Beschluss bereits über den Willen des Gesamtstadtrates hinaus. Ein zweites Mal wollte das der Technische Ausschuss nicht tun, zumal der Austausch der Decken knapp 200000 Euro kosten wird, Fördermittel stehen zudem nicht in Aussicht.

 

 

 

Sahen die Räte also für den Austausch der Decken im Moment keine Notwendigkeit, so störte sie auch die Absicht Wielers, mit den Vorlagen Klarheit über das weitere Vorgehen mit der Stadthalle zu bekommen. „Seit einem Jahr wissen wir nicht, wie wir mit dem Gebäude umgehen“, sagt Wieler. „Dadurch werden wir in der Verwaltung zermürbt, die Arbeit der Verwaltung wird belastet oder gar behindert.“ Der scheidende SPD-Stadtrat Peter Wirth aber fand die Vorlage „kein geeignetes Mittel, um politische Diskussionsprozesse zu beschleunigen“. Stattdessen müsse der Oberbürgermeister in einer so wichtigen Frage wie der Stadthalle ein Konzept zu deren Sanierung mithilfe der Verwaltung entwickeln und sich anschließend politische Mehrheiten im Stadtrat suchen. „Alles andere funktioniert nicht“, erklärte Wirth.

 

 

 

Wieler entgegnete darauf, dass es nur die Alternative gebe, die Stadthalle scheibchenweise zu sanieren oder in einem großen Wurf, wie er 2012 abgebrochen worden war. Aber für den großen Wurf fehlen der Stadt die Eigenmittel. Die 2012 noch vorhandenen städtischen Gelder fließen mittlerweile in andere Vorhaben.

 

 

 

 

 

SZ 14.06.2014

 

 

 

Wischkommando schrubbt Stadthalle

 

Der Förderverein trifft an diesem Sonnabend Vorbereitungen für die Benefizkonzerte Ende Juni.

 

 

 

Mitglieder des Stadthallen-Fördervereins reinigen ab 9Uhr an diesem Sonnabend den Kleinen Saal der Halle und die Treppenhäuser für die Benefizkonzerte am 28.Juni. Sie leisten diese Arbeit unter schwereren Bedingungen als gedacht, weil sie die Eimer voll heißem Wasser durch den ganzen Keller unterm großen Saal im Halbdunkel zum Kleinen Saal sowie den Treppenhäusern schleppen müssen. Ursprünglich hatte der Verein gehofft, dass die rostbraunen Sicherheitsbleche, die Fenster und Eingangstüren des Erdgeschosses der Halle schützen, bereits für die Vorbereitungen an diesem Wochenende abmontiert werden, zumindest an der Tür zum Treppenhaus auf der Parkseite. Doch das ist nicht der Fall. Deshalb kann das Wisch-Kommando auch nicht durch diese Türen in die Stadthalle gelangen, sondern muss andere Eingänge zur Halle nutzen.

 

 

 

Auch vor dem Eingang an der Parkseite ist noch einiges bis zu den Benefizkonzerten zu tun. So wird das Sachgebiet Grünflächen des Görlitzer Rathauses den Schlamm wegräumen, den Regenwasser von den Wegen des Stadtparks an der Stadthalle angeschwemmt hat. (SZ/sb)

 

 

 

 

 

SZ 18.06.2014

 

 

 

„Ihr könntet doch in der Stadthalle auftreten“

 

Eine junge Band aus Erlangen spielt zum Sommerfest am 28.Juni im kleinen Saal. Die Sängerin verbindet es mit einem Besuch bei Oma und Opa.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

Die Band Crimson aus Erlangen mit Sängerin Julia Schaab, deren Vater aus Görlitz stammt.Foto: privat

 

Die Band Crimson aus Erlangen mit Sängerin Julia Schaab, deren Vater aus Görlitz stammt. Foto: privat ©- keine angabe im hugo-archivsys

 

Es war eine dieser Ideen, die plötzlich jemand ausspricht, aber anfangs nicht ernst genommen wird. „Ihr könntet doch in der Stadthalle auftreten“, sagte Olaf Schmidt, der Onkel von Julia Schaab, als die von ihrer Band erzählte. Das war, als sie das letzte Mal zu Besuch in Görlitz war – zu einer Goldenen Hochzeit in der Verwandtschaft.

 

 

 

Eigentlich lebt Julia Schaab aber in Erlangen, hat hier seit einem Jahr mit ihren Freunden Lukas, Marcel, Jonathan und Pedro eine Band. „Crimson“ nennen sie sich und spielen vor allem Coverversionen von bekannten Songs. Ein paar davon werden sie am 28.Juni zum Sommerfest präsentieren, neben zwei eigenen Liedern. Denn Julia hat bei der Familienfeier zu ihrem Onkel, der im Stadthallenverein Mitglied ist, gesagt: „Klar, wir können gern auftreten.“ So richtig sicher wurde das aber erst, als alle Bandmitglieder zustimmten und der Förderverein der Stadthalle zusagten, Benzin- und Übernachtungskosten zu übernehmen. Gage bekommen die fünf Musiker nicht. Es sind immerhin Benefizkonzerte zugunsten der Stadthalle, die am 28.Juni stattfinden. Außer Crimson treten die Lumpacius Vagabundus aus Freiberg auf, die Ballmusik machen.

 

 

 

Für Julia Schaab und ihre Musikerkollegen wird es einer ihrer bisher größten Auftritte. „Bislang haben wir eher vor Mitschülern und Freunden gesungen“, sagt die 17-Jährige. Zurzeit laufe es aber immer besser, erst vergangene Woche sind sie vor Hunderten Erlangern aufgetreten. Julia Schaab würde gern ihr Geld später mit Musik verdienen. Deshalb stellt sie schon fleißig Videos auf dem Kanal Youtube ins Internet ein. Nicht nur unter Crimson, sondern auch unter „Pepe & Julia“ kann man sie finden und ihre Stimme bewundern. „Ich weiß trotzdem, dass es schwer wird, weil viele Musiker werden wollen. Deshalb habe ich einen Plan B.“ Und der ist, irgendwas mit Kindern zu machen. Dass das genau ihr Ding ist, stellt sie gerade wieder bei einem Praktikum in einem Kindergarten fest.

 

 

 

Am 27.Juni aber geht es erstmal für drei Tage nach Görlitz. Sie hat ihren Freunden schon erzählt, wie schön die Stadt ist. Pedro freut sich besonders, weil er Kinofan ist und gehört hat, dass Görlitz Filmstadt ist. Für Julia, deren Vater aus Görlitz stammt, steht auch ein Besuch bei den Großeltern auf dem Programm. Lange haben sie in der Stadt gelebt, wohnen mittlerweile in Markersdorf. „Ich denke, sie kommen bestimmt auch, um mich in der Stadthalle singen zu hören“, sagt sie.

 

 

 

Karten für das Sommerfest gibt es bei der Tanzschule Matzke und im SZ-Treffpunkt im City Center.

 

 

 

 

 

SZ 30.06.2014

 

 

 

Görlitzer stürmen die Stadthalle

 

Von Ines Eifler

 

 

 

Das erste Benefizkonzert für das geliebte Kulturzentrum ruft Erinnerungen wach. Wie viel Geld übrig bleibt, ist offen.

 

 

 

Trotz mehrerer Feste am Wochenende hielten die Görlitzer der Stadthalle die Treue. 340 Gäste kamen in denKleinen Saal. Mehrwaren nicht zuge- lassen.Foto: Pawel Sosnowski

 

Trotz mehrerer Feste am Wochenende hielten die Görlitzer der Stadthalle die Treue. 340 Gäste kamen in den Kleinen Saal. Mehr waren nicht zugelassen. Foto:

 

 

 

Das Parkett glänzt noch wie früher, das Stimmengemurmel zeugt von vielen Konzertbesuchern. Flügel, Schlagzeug, Mikrofone warten auf der Bühne, im Nebenraum steigt das Lampenfieber. Alles ist so, wie es sein könnte. Doch an der Decke des Bankettsaals der Stadthalle fehlt ein Stück Putz. Gegenüber dem Tresen, wo Helfer des Fördervereins in der Pause Getränke ausschenken, hängt ein großes Stück Tapete von der Wand.

 

 

 

Die Treppe nach weiter oben ist gesperrt, die Türen zum großen Saal sind verschlossen. Wehmut ist im Raum. Und als Patricia Bänsch vom Theater ihre erste Arie singt, als ihr Mezzosopran den ganzen Saal erfüllt, wird auch hörbar, wie sehr ein wahrer Konzertsaal in Görlitz fehlt. „Was für eine Akustik, mein lieber Mann“, sagt jemand in den hinteren Reihen. Der Applaus bestätigt die Worte.

 

 

 

Für die meisten anderen Gruppen und Künstler des „bunten Programms“, das der Förderverein der Stadthalle am Sonnabend zweimal als Benefizveranstaltung organisiert hat, ist der Klang im Bankettsaal nicht entscheidend. Da geht es eher um Vielfalt, wie sie früher hier zu Hause war.

 

 

 

Die Kinder- und eine Jugendgruppe der Tanzschule Matzke führen Choreografien vor. Verschiedene Bands treten auf. Mit dem „Flotten Heinrich“ ist ein Komiker zu Gast, an dessen Auftritte in der Stadthalle sich Thomas Matzke noch aus seiner Kindheit erinnert. Und auch Michael Prochnow als Oberbürgermeister Hugo Sattig weckt Erinnerungen. „Was war das für ein Leben!“, sagt er. Zu Festen, Bällen und Konzerten seien die Görlitzer fast 100 Jahre lang gekommen. „Und ach, die Orgel. Was waren das für Klänge, wie war das Herz noch Tage später erfüllt davon!“ Die Geschichte der Stadthalle in den vergangenen zwölf Jahren allerdings sei Stoff genug für eine Oper. Und dass so viele Argumente gegen ihre Sanierung und Betreibung genannt würden, erfülle ihn mit Trauer.

 

 

 

Fördervereins-Chef Thomas Leder ist zunächst froh, dass trotz mehrerer Feste und Sportveranstaltungen am Sonnabend so viele Leute in die Stadthalle gekommen sind. Über 300 Karten waren vorbestellt, die restlichen 40 Plätze füllten sich vor Ort. Damit ist der Verein seinem Ziel, die Halle wieder zu bespielen, ein Stück nähergerückt. Wie viel Geld nach Deckung der Veranstaltungskosten tatsächlich als Spende für die Sanierung verwendet werden kann, steht aber noch nicht fest.

 

 

 

 

 

SZ 02.07.2014

 

 

 

Glücklich saß Margot Wüsthoff-Garbe am Sonnabend im Kleinen Saal der Stadthalle und genoss das Programm und die tolle Akustik. „Was die Mitglieder und Helfer des Stadthallen-Fördervereins in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben, konnte sich sehen lassen“, sagt die Rentnerin. Sie und weitere Leser danken allen, die das möglich gemacht haben, insbesondere den fleißigen Helfern, die vor und in der Stadthalle aufgeräumt haben. „Wenn vor der Stadthalle Stühle gestanden hätten, wäre ich draußen auch noch eine Weile sitzen geblieben und hätte der Musik gelauscht“, sagt Frau Wüsthoff-Garbe. Es sei eine wunderschöne Veranstaltung gewesen, die an vergangene Zeiten erinnerte, als die Konzerthalle noch in Betrieb war. Sie wünscht sich, dass das Haus nicht weiter verfällt und die Sanierung vorangetrieben wird. Ihres Erachtens sollte die Stadt kein Geld für die Weltkulturerbebewerbung ausgeben, sondern lieber für den Erhalt der Stadthalle.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 04.07.2014

 

 

 

Oberbürgermeister Deinege hat richtiges Zeichen gesetzt

 

 

 

Wir danken von Herzen Thomas Leder und seiner Frau Regina für die Organisation des wunderschönen Sommerfestes im Kleinen Saal der Stadthalle am 28. Juni. Es war ein voller Erfolg. Die Gäste waren begeistert und voller Bewunderung. Alle, mit denen wir sprachen, wünschen sich bald ein weiteres Fest. Viele wollen Mitglied werden in unserem Förderverein Stadthalle Görlitz oder auch spenden.

 

 

 

Alle Mitglieder und Freunde des Vereins haben zum Gelingen beigetragen. Wir danken Herrn Oberbürgermeister Deinege, dass er ein Zeichen setzte und unser Fest besuchte. Wir alle werden unsere wunderschöne Stadthalle erhalten.

 

 

 

Renate und Ulrich Wiegand, 02826 Görlitz

 

 

 

Zum Beitrag „Mehr Ehrenamt soll Königshain beleben“, SZ vom 28./29. Juni:

 

 

 

 

 

SZ 16.07.2014

 

 

 

Die Stadtväter dürfen diese Kulturstätte nicht vergessen

 

 

 

Sie war schon bald nach der Wende ein Ort der Zusammenkunft – auch für vertriebene Schlesier. So vieles mussten diese Menschen aufgeben und diese Stadthalle war und ist ein Stück zurück gewonnenes Erbe.

 

 

 

Die Stadthalle von Görlitz war zwischen Dresden und Breslau das repräsentative Gebäude für Konzerte, Theater- und andere Aufführungen, für Ausstellungen und Sportveranstaltungen, um nur einige zu nennen. Die Schlesischen Musik- und Sängerfeste fanden hier ihre Heimat.

 

 

 

Ein Verein ist entstanden, der sich um die Erhaltung bemüht, bis die Stadt Görlitz neben all ihren Verpflichtungen des Aufbaus sich dieser Kulturstätte zuwenden kann. Man sollte diesen Verein darin unterstützen und die Stadtväter ermuntern, diese Kulturstätte nicht zu vergessen.

 

 

 

Barbara Weber-Heinrich, Görlitz

 

 

 

 

 

SZ 19.07.2014

 

 

 

Förderverein Stadthalle macht Druck

 

Beim Tippelmarkt soll an einem Stand über Neuigkeiten und Pläne informiert werden.

 

 

 

Der Förderverein Stadthalle Görlitz bemüht sich aktiv um die Gründung einer Bürgerstiftung. „Damit wollen wir Spendern die Gelegenheit geben, gezielt die Sanierung der Stadthalle zu unterstützen“, sagt Vereinsvorsitzender Thomas Leder. Mit einem Stand auf dem Schlesischen Tippelmarkt wolle man an diesem Wochenende allen Interessierten erläutern, wie eine schrittweise Instandsetzung in sinnvollen Bauabschnitten ab 2015 bis zur 950-Jahr-Feier 2021 möglich ist. Ein wichtiges Ziel sei die etappenweise Nutzung des kleinen und des großen Saals unter den Bedingungen einer „bespielbaren Baustelle“ ab 2015, so der CDU-Stadtrat: „Wir wollen durch diese auch ehemalige Görlitzer, ihre Heimat besuchende Schlesier und Freunde der Stadt zum Mittun bewegen.“

 

 

 

Zur Finanzierung des Projektes Stadthalle will der Verein alle Möglichkeiten, wie Fördermittel, Spenden oder Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, maximal ausschöpfen. Die in diesem Jahr erfolgenden Reparaturen zur Sicherung der Statik des Gebäudes muss der Verein komplett mit Eigenmitteln finanzieren. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 23.07.2014

 

 

 

Stadthallenverein bringt Denkmalstiftung ins Spiel

 

Wer hilft dabei, die Stadthalle zu einer bespielbaren Baustelle zu machen? Der Verein hat Ideen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Während in dieser Woche die Sanierung der Strebepfeiler in der Stadthalle begann, richtet der Förderverein der Stadthalle seinen Blick schon auf das nächste Jahr. Ermutigt fühlen sich die Vereinsmitglieder dabei durch die jüngsten Aussagen von Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Im SZ-Interview hatte der Rathauschef die Veranstaltungshalle als unverzichtbar für Görlitz beschrieben und in Aussicht gestellt, den Kleinen Saal künftig zumindest im Sommer zu nutzen und selbst den Großen Saal wieder instandzusetzen.

 

 

 

Das liegt ganz auf der Linie des Fördervereins, dessen Vorsitzender Thomas Leder seit Monaten für die Idee wirbt, die Halle in Schritten zu sanieren – und zwar so, wie sie jetzt dasteht. Damit das nicht wie in diesem Jahr ausschließlich mit städtischen Mitteln geschehen muss, steht der Förderverein auch mit Fördermittelgebern in Verbindung. Beispielsweise mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Deren Projektreferentin für Sachsen, Anette Mittring, bestätigte dem Verein jetzt die Möglichkeit, dass die Stadt für die Stadthalle einen Fördermittelantrag abgeben kann. Allerdings muss sie sich sputen. Denn die Frist läuft Ende August ab. Deshalb bat der Förderverein nun Oberbürgermeister Deinege, „umgehend einen Antrag zu stellen, um von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für das Jahr 2015 Mittel für die Stadthalle zu bekommen“. Aus Sicht des Vereins wäre es wichtig, den Großen Saal wieder so weit herzurichten, dass er als Baustelle bespielbar wird. Auch könnten dann wieder Filme in der Halle gedreht werden. Dazu müsste allerdings die Kellerdecke stabilisiert werden. Möglicherweise bietet sich für den Antrag auch die Instandsetzung der denkmalgeschützten Eingangsbrücke an.

 

 

 

Ob die Stiftung sich wirklich finanziell an der Sicherung und Sanierung der Stadthalle beteiligt, ist freilich trotz des freundlichen Briefes der Projektreferentin völlig offen. Allerdings bestätigt Frau Mittring in ihrem Schreiben, dass sie das Geschehen um die Stadthalle aufmerksam verfolgt. Und am 17. September wird sie sich die Halle sogar persönlich anschauen – zusammen mit der Projektarchitektin für Sachsen, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Görlitzer Denkmalchef Peter Mitsching.

 

 

 

 

 

SZ 21.08.2014

 

 

 

Kein Hausschwamm in der Stadthalle

 

Die Stadtverwaltung atmet auf: Der schlimmste Schaden ist nicht eingetreten. Die Sanierung der Strebepfeiler aber kommt nur schleppend voran.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

Monatelang war immer wieder gemunkelt worden, jetzt kommt die Entwarnung. „In der Stadthalle gibt es keinen echten Hausschwamm“, verrät Baubürgermeister Michael Wieler exklusiv beim SZ-Vor-Ort-Termin. Eine Untersuchung des Daches habe zwar einige Schäden aufgezeigt, aber der schlimmste Fall sei nicht eingetreten. Seit Kurzem liegt der Stadt das Schwammgutachten eines Görlitzer Ingenieurbüros vor. Demnach ist die Schalung zermürbt, auch brauner Kellerschwamm hat sich ausgebreitet. „Aber das ist alles nicht so schlimm wie der echte Hausschwamm“, so Wieler.

 

 

 

Ein bisschen weniger fröhlich ist er, wenn es um die Sanierung der vier Strebepfeiler am Dach geht. Zwar liegt die Baugenehmigung dafür seit 17. Juli vor, aber so richtig begonnen haben die Arbeiten noch nicht. Der erste Pfeiler wurde eingerüstet, der Prüfstatiker hat mit den Proben angefangen. Doch nach Aussage von Christian Wünsche vom Görlitzer Büro Wünsche + Langer müssen die Arbeiten trotzdem noch ruhen: „Es darf erst weitergehen, wenn der Prüfbericht vorliegt.“ Weil der Statiker zwischendurch Urlaub hatte und jetzt noch mit der Nachbearbeitung beschäftigt ist, zieht sich seine Aufgabe nun schon fünf oder sechs Wochen hin. Wieler rechnet aber damit, dass der Bericht in den nächsten Tagen vorliegt. Dann könnten die Arbeiten in der ersten Septemberwoche endlich beginnen.

 

 

 

Die vier Pfeiler sind extrem wichtig, denn sie geben dem Gebäude Halt. Unter ihrem Mauerwerk versteckt sich ein Stahlfachwerk. Allerdings wurde bei stichprobenhaften Untersuchungen an einer Stelle entdeckt, dass das Fachwerk nicht mehr in Ordnung ist. „Mit solchen Schäden sind die statischen Reserven eines Gebäudes aufgebraucht“, sagt Wünsche. Zwar halte es noch, aber es dürfe dann kein weiteres Problem hinzu kommen. Große Schneelasten würden das Risiko noch erhöhen. „Wir müssen das Fachwerk jetzt überall öffnen und prüfen, ob es in Ordnung ist“, so Wünsche. Da die Prüfung ergebnisoffen ist, lassen sich Kosten und Bauzeitraum ganz schwer abschätzen. Wieler hofft, „dass wir noch vor dem Winter fertig werden.“ Nach seinen Worten soll ein Pfeiler nach dem anderen saniert werden, nicht alle gleichzeitig.

 

 

 

Während die Stadt ursprünglich von 92000 Euro Kosten ausgegangen war, liegt die Zahl nach neuesten Schätzungen bei 119000 Euro. Hinzu kommen 7000 Euro für die jetzt abgeschlossene Untersuchung der Dachschäden, 5000 Euro für die Instandsetzung der Abstützkonstruktion unter der Brücke, 4500 Euro für die baufachliche Beratung zu den Prioritäten der Sicherung und Instandsetzung, 3840 Euro für die Nutzbarmachung des Kleinen Saals und rund 10000 Euro für sonstige Arbeiten. Außerdem würde die Stadt gerne für 30000 Euro eine Notsicherung der Saalfenster vornehmen. Alles in allem ergeben sich also Kosten von fast 180000 Euro.

 

 

 

Auf der Habenseite stehen aber nur 148000 Euro, darunter 122000 Euro aus dem Haushalt, 14000 Euro umgesetzte Mittel von der Turnhalle Jonas-Cohn-Straße und eine 12 000-Euro-Spende vom Förderverein Stadthalle. „Wir können die Saalfenster also noch nicht notsichern, weil das noch nicht finanziert ist“, so Wieler.

 

 

 

Auch sonst steht nicht fest, wie es mit der Sicherung und Sanierung der Stadthalle weitergeht. „Wie viele Maßnahmen wie schnell gemacht werden sollen, ist letztlich eine politische Entscheidung, die der Stadtrat treffen muss“, sagt Wieler. Aus fachlicher Sicht wäre nach den Strebepfeilern und den Saalfenstern dann das Dach die nächstsinnvolle Sanierung. Die größten Dachschäden gibt es an der Südseite, also zur Stadtbrücke hin. Dort schlagen die Planer einen Ersatz durch eine Massivdecke vor. Das würde vermutlich um die 180000 Euro kosten. „Dafür stellen wir bis zur Frist Ende August noch einen Antrag bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, sagt Wieler. Den Rest der Summe müsste die Stadt über Eigenmittel oder Geld aus der Altstadtstiftung bezahlen – falls der Stadtrat die Stadthalle als Priorität sehen sollte. „Über den Treppenhäusern und dem Kleinen Saal gibt es auch ein paar schlechte Stellen im Dach, die gemacht werden müssten“, blickt Wieler noch weiter voraus. Dort aber will der Denkmalschutz keine Massivdecken zulassen, sondern die Holzdecken erhalten. Die Kosten hier sind noch völlig offen.

 

 

 

 

 

SZ 26.08.2014

 

 

 

Glanz und Verfall der Stadthalle

 

Zwei junge Görlitzer zeigen in einer Ausstellung die zwei Seiten des Gebäudes – und wollen damit auch aufrütteln.

 

 

 

Von Jenny Thümmler

 

Robert Gottwald (links) und Matthias Schöneich haben die Ausstellung zur Stadthalle gemeinsam erstellt. Sie wollen, dass die Görlitzer das Haus in Erinnerung behalten.Foto: Nikolai Schmidt

 

 

 

Die Pflanzenranke ist vielleicht das Eindrücklichste. Sie windet sich außen an der Mauer der Stadthalle hoch, um durchs Fenster ins Innere vorzudringen. Die Natur erobert sich das Areal zurück. Matthias Schöneich vom Förderverein der Stadthalle blickt ernst auf das Foto. „Der Zustand ist mittlerweile so, dass die Schäden immer größer werden, wenn wir jetzt nichts tun.“

 

 

 

Gemeinsam mit Robert Gottwald hat er eine Ausstellung initiiert, die derzeit im Foyer der Sparkasse auf der Berliner Straße zu sehen ist. Gut zwei Dutzend Fotos zeigen die schönen und die verfallenden Seiten der Stadthalle. Prächtige Ornamente neben abbröckelndem Putz, der beeindruckende große Saal neben leeren ungenutzten Räumen. Mit diesen Aufnahmen wollen die beiden Männer die Stadthalle in Erinnerung halten. Unter den 200 Mitgliedern des Fördervereins sind nicht nur ältere Bürger, die Erinnerungen aus Jahrzehnten mit dem Kulturhaus verknüpfen. Sondern auch junge Leute, die eines Tages in der Stadthalle feiern wollen. Darum organisiert der Verein Konzerte. Und darum wird die Stadthalle auch zum Tag des offenen Denkmals am 14. September offen sein. Denn nach der Überzeugung vieler Vereinsmitglieder braucht Görlitz sie nach wie vor. Das größte Gebäude der Stadt an zentraler Stelle, das für deutsche und polnische Görlitzer gleichermaßen wichtig ist, wie es Matthias Schöneich formuliert. Im Förderverein sind inzwischen auch ein paar Polen Mitglied. „Es ärgert uns häufig, dass es so schwierig ist, den genauen Stand um die Stadthalle zu kennen.“ Nichtöffentliche Verhandlungen, dann Hiobsbotschaften wie die zur Statik.

 

 

 

Alle Fotos der kleinen Ausstellung stammen von Robert Gottwald. Als Hobbyfotograf und Schwimmer bei Lok und DLRG Görlitz beschäftigt sich der 24-Jährige sonst eher mit Sportfotografie. Jetzt will er auch andere Bereiche erobern. „Es ist schön, Orte wie die Stadthalle zu dokumentieren und nach außen zu tragen, was innen passiert.“ Denn schließlich kann nicht jeder jederzeit hineingehen. Auch die Ausstellungsbilder sind am Tag des jüngsten Konzerts Ende Juni entstanden. Das Spiel mit Belichtungszeit und Perspektive hat den beiden Spaß gemacht – bei allem Ernst hinter dem Projekt. Jetzt wäre es für sie das Größte, zur 950-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2021 neue Fotos der Stadthalle zu schießen – schönere. Ohne Verfall.

 

 

 

Die Ausstellung ist bis 12. September in der Sparkasse zu sehen.

 

 

 

 

 

SZ 04.09.2014

 

 

 

Stadt hat Fördermittel für die Stadthalle beantragt

 

Die Verwaltung stellt nur einen einzigen Antrag. Der Förderverein will mehr. Warum das nicht geht, erklärt Bürgermeister Wieler.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Fristgerecht zum 31. August hat die Stadt einen Fördermittelantrag für die Sicherung des südlichen Teiles des Stadthallendaches bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) eingereicht. Das teilt Bürgermeister Michael Wieler auf Nachfrage mit. Er rechnet allein für diesen Teil mit Kosten von 180000 Euro. Wie viel Geld die Stadt konkret bei der DSD beantragt hat, lässt er offen. Allerdings spricht er von einer Mischfinanzierung. Die Stadt müsste also auch einen Eigenanteil beisteuern, es könnte Geld aus der Altstadtstiftung genommen werden und der Stadthallen-Förderverein sowie weitere Drittmittelgeber könnten eventuell auch etwas beisteuern.

 

 

 

Fördervereinschef Thomas Leder versteht nicht, warum die Stadt nur diesen einen Antrag gestellt hat. Auch bei der kürzlich begonnenen Sanierung der Strebepfeiler sieht er nicht ein, dass die Stadt 136000 Euro Eigenanteil aufbringt, aber keine Fördermittel nutzt. „Das ist in Görlitz ein Novum“, sagt er. Für 100000 Euro hätte die Stadt doch eine Million Euro Fördermittel bekommen müssen, sagt er – und empfiehlt, zum Beispiel die europäischen Efre-Fördermittel zu beantragen.

 

 

 

Laut Wieler ist das gar nicht möglich: „Bei Efre und fast allen anderen Fördermitteln sagen die Bedingungen, dass am Ende der Arbeiten ein fertiges Haus stehen muss.“ Sogar bei reinen Sicherungsmitteln muss binnen fünf Jahren mit der Komplettsanierung begonnen werden – oder das Geld ist zurückzuzahlen. Bei der Stadthalle aber gebe es keinen Stadtratsbeschluss, der eine Komplettsanierung vorsieht. „Wir als Stadt erarbeiten auch keine Vorlage, wenn wir wissen, dass diese im Stadtrat sowieso nicht konsensfähig ist“, erklärt Wieler.

 

 

 

Selbst wenn es so wäre, bräuchte die Stadt mehrere Millionen Euro Eigenmittel, um die Fördergelder zur Gesamtsanierung beantragen zu können. Eigenmittel in dieser Größe sind aber nicht im Haushalt eingestellt. Mit dem Nachtragshaushalt hatte der Stadtrat erst im Juni eine Investitionsliste beschlossen. Auch auf dieser steht die Stadthalle nicht. „Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Herr Leder das im Juni beantragt hätte“, sagt Wieler. Die DSD gehöre zu den ganz wenigen Fördermittelgebern, die nicht erwarten, dass das Gebäude demnächst wieder genutzt wird. Ihr gehe es um den Erhalt des Denkmals. „Falls Herr Leder weitere Geldgeber kennt, bei denen das so ist, kann er diese gern mitteilen“, so Wieler. Er selbst kenne sonst niemanden.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 10.09.2014

 

 

 

So bunt wird der Denkmaltag

 

Das Programm steht diesmal unter dem Motto „Farbe“. Das lässt viel Spielraum für Abwechslung.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

In der Stadthalle können großer und kleiner Saal im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Im großen Saal erklingt zudem die Orgel. Dazu gibt es im Stadthallengarten ein buntes Jugend- und Familienprogramm.

 

 

 

Das Loensche Gut in Biesnitz wird von jungen Görlitzern nach und nach saniert. Die Pension im Wohnhaus ist längst fertig, im Herrenhaus laufen die Bauarbeiten. Geöffnet ist das Gut am Sonntag, von 11 bis 18 Uhr. Die 130 Jahre alte Pferdestraßenbahn wurde 2002 wiederentdeckt und danach restauriert. Zum Denkmaltag fährt sie, 11.30 bis 16.30 Uhr, jede halbe Stunde vom Demianiplatz ab. Passagiere zahlen zwei Euro. In der Verrätergasse gibt es, wie schon in den Vorjahren, ein Gassenfest mit Kunstausstellung und Kulturprogramm. Es startet schon Freitag, 19 Uhr, geht bis Sonntag und läuft im Rahmenprogramm des Denkmaltages. Neben der Dorfkirche ist auch das ehemalige Pfarrhaus Tauchritz geöffnet – beides von 11 bis 17 Uhr. Darin befindet sich seit diesem Jahr ein kleines Heimatmuseum. Ab 14 Uhr gibt es hier fortlaufend Führungen. Nicht im Programmheft enthalten, aber trotzdem geöffnet ist das Schloss Ober-Neundorf – allerdings nur von 14 bis 18 Uhr. Geplant ist ein buntes kulturelles Programm mit Ausstellungen, Theater und Chorgesang. Das Freisebad an der Dr.-Kahlbaum-Allee war voriges Jahr ein Publikumsmagnet beim Denkmaltag. Deshalb ist es auch dieses Jahr wieder geöffnet. Fotos: Archiv

 

Farbe ist beim Denkmal mehr als nur der Anstrich. Da spielt auch die Helligkeit des Sandsteins eine Rolle oder die Frage, ob Holzbauteile unbehandelt bleiben, gebeizt oder farbig gestaltet werden. Mit all diesen Fragen beschäftigt sich der Tag des offenen Denkmals am Sonntag. Er steht diesmal deutschlandweit unter dem Motto „Farbe“.

 

 

 

In Görlitz lässt das Thema viel Spielraum für Abwechslung. Die reicht vom Freisebad bis hin zum Weinbergturm und vom Kahlbaum-Areal bis zum Kaufhaus am Demianiplatz. In Letzterem ist eine kleine Ausstellung von zwölf Fotografen geplant, ein bunter Bilderbogen, aber nicht speziell zum Thema Kaufhaus. Mit besonders viel Elan geht der Stadthallen-Förderverein den Tag an. Im Stadthallengarten treten die Band Rany aus Dresden und renommierte DJs auf, dazu gibt es Riesenseifenblasen von Mike Nelde, Schminken für Kinder und Erwachsene, einen Hula-Hoop-Workshop, Hüpfburg und vieles mehr.

 

 

 

Das Rahmenprogramm für den Denkmaltag startet schon am Donnerstag. Enthalten sind diverse Führungen, ein Gassenfest und der Tag der offenen Jugendbauhütte am Sonnabend. Höhepunkt hier ist freilich der Handwerkermarkt, der am Sonntag auf dem Untermarkt stattfindet.

 

 

 

Achtung geboten ist bei den Öffnungszeiten. Zwar gilt in aller Regel die Zeit von 10 bis 18 Uhr, aber einzelne Objekte sind kürzer geöffnet. Genaue Infos, auch zum Rahmenprogramm, gibt es im Programmheft, das für einen Euro in der Denkmalbehörde, Untermarkt 20, verkauft wird. Die Erlöse dienen der Finanzierung des Tages.

 

 

 

 

 

Radio Lausitz 10.09.2014:

 

 

 

Schock in Görlitz: Stadthalle einsturzgefährdet - Förderverein tobt

 

 

 

Die Schäden an der Görlitzer Stadthalle sind schwerwiegender als befüchtet.Der Jugendstilbau an der Neiße ist einsturzgefährdet. Das ergab eine aktuelle Untersuchung der vier Stützpfeiler. Die Ergebnisse teilte heute die Stadtverwaltung mit.

 

 

 

Wie sich jetzt herausstellte, sind die 100 Jahre alten Strebepfeiler mittlerweile so angegriffen, dass die Standsicherheit der gesamten Halle in Gefahr ist. Als Konsequenz sperrte die Stadtverwaltung heute die Halle für jegliche öffentliche Nutzung. Damit entfallen auch die geplanten Führungen am kommenden Sonntag zum Tag des öffentlichen Denkmals. Darüber hinaus wurde ein Bauzaun um die Stadthalle errichtet. Rad- und Fußweg unter dem Hauptzugang sind dadurch momentan nicht passierbar.

 

 

 

Die Mitglieder des Fördervereins "Stadthalle Görlitz" sind geschockt. Vereinsvorsitzender Thomas Leder sprach von einem sehr schlimmen Schlag. Der Förderverein will trotzdem nicht alles absagen. Die Veranstaltung am kommenden Sonntag soll in den Stadthallengarten verlegt werden. Leder rief zugleich zum Protest gegen die Stadtverwaltung auf.

 

 

 

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege war für eine kurzfristige Stellungnahme nicht zu erreichen.

 

 

 

Audiobeitrag „Schock in Görlitz: Stadthalle einsturzgefährdet - Förderverein tobt“

 

 

 

 

 

 

 

SZ 11.09.2014

 

 

 

Stadthalle ist akut einsturzgefährdet

 

Seit vorgestern liegen neue Untersuchungsergebnisse vor. Schon gestern hat die Stadt Absperrungen aufgebaut.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Einmal ist die Stadthalle schon eingestürzt. Das war 1908, mitten in der Bauzeit. Jetzt könnte es ein zweites Mal passieren. „Ohne funktionsfähige Strebepfeiler besteht nun wieder, ähnlich der Situation 1908, die Gefahr des Spontanversagens der Tragkonstruktion des Gebäudes“, erklärt Stadtsprecherin Ina Rueth. Weil das jederzeit passieren kann – aber nicht muss – hat die Stadt gestern Nachmittag rund um die Stadthalle Bauzäune aufgestellt. Und zwar in einem Radius, der so groß ist, dass bei einem Einsturz des Gebäudes kein Passant zu Schaden kommt. Zum Glück nicht betroffen sind die Stadtbrücke und der Fußweg an der Brücke. Auch die geplante Öffnung des Gebäudes zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag ist somit hinfällig.

 

 

 

Doch der Reihe nach: Was ist geschehen, dass die Stadt so hastig aktiv wird? Eigentlich sollten jetzt die Arbeiten zur Sanierung der vier Strebepfeiler am Dach beginnen. Die Pfeiler sind extrem wichtig, denn sie geben dem Gebäude Halt. Sie sind Teil der Verstärkung, die nach dem Einsturz der Stadthalle vorgenommen wurde. Damals hatte sich gezeigt, dass die Gesamtstabilität des Gebäudes nach dem ursprünglichen Konzept erhebliche Schwächen hatte. Deshalb wurden verschiedene nachträgliche Verstärkungen überlegt. Die allerdings wurden – warum auch immer – nur teilweise umgesetzt. Unter anderem wurde die Dachkonstruktion so verstärkt, dass sie die erheblichen Windkräfte auf die Saalwände mit aufnehmen konnte. Zur Ableitung dieser Windkräfte aus der Dachebene wurden an den vier Außenecken des Saales außenliegende Stahlkonstruktionen errichtet. Dieses Stahlfachwerk wurde komplett mit den Strebepfeilern ummauert. Dadurch war es nicht mehr zugängig und konnte nicht mehr gewartet werden.

 

 

 

Nun wurde bei stichprobenhaften Untersuchungen an einer Stelle entdeckt, dass das Stahlfachwerk nicht mehr in Ordnung ist. „Mit solchen Schäden sind die statischen Reserven eines Gebäudes aufgebraucht“, hatte Christian Wünsche vom Görlitzer Büro Wünsche + Langer kürzlich erklärt. Zwar halte es noch, aber es dürfe dann kein weiteres Problem hinzukommen. Große Schneelasten würden das Risiko noch erhöhen. „Wir müssen das Fachwerk jetzt überall öffnen und prüfen, ob es in Ordnung ist“, sagte Wünsche kürzlich.

 

 

 

Das ist jetzt an einer Stelle passiert. Das Ergebnis war offenbar fatal. „Nach der Abnahme der Sandsteinverkleidungen und der weiteren Öffnung der Konstruktion zeigte sich, dass die Schäden größer als erwartet sind und die Standsicherheit der gesamten Halle erheblich gefährdet ist“, erklärt Ina Rueth. Die Pfeiler seien über 100 Jahre komplett der Witterung ausgesetzt gewesen. Das habe dazu geführt, dass die stählerne Stützkonstruktion und das Mauerwerk der Pfeiler durch Korrosion und Verschleiß so geschwächt sind, dass sie ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen können. „Die Konstruktion hat ohne eine umfassende Sanierung ihre Nutzungsgrenze erreicht“, erklärt die Sprecherin.

 

 

 

OB Siegfried Deinege hat vorgestern davon erfahren. Gestern hat er die Stadträte im Verwaltungsausschuss informiert, aber auch den Stadthallen-Förderverein, der für den Denkmaltag viel vor hatte. Anneliese Karst vom Förderverein hat daraufhin mitgeteilt, dass der Verein heute im Stadtrat eine Erklärung abgeben will. Tenor: Der Verein fordert eine schnelle Sanierung.

 

 

 

Die Stadt kann noch nicht sagen, wie es weitergeht. „Wir sind selbst noch ganz frisch mit der ernsten Lage konfrontiert“, so Ina Rueth. Die Fachleute, also Wünsche + Langer sowie der Prüfingenieur und das städtische Hochbauamt, seien jetzt gefragt, ein Sanierungskonzept für die Strebepfeiler zu entwickeln. Sowohl Arbeitsablauf und Zeitrahmen als auch die Finanzierung müssen dabei dringend geklärt werden. Wie schnell ein solches Konzept vorliegen wird, lässt sich noch nicht einschätzen. Somit ist auch unklar, ob in diesem Jahr noch gebaut wird. Fakt ist nur, dass die Sanierung weitaus teurer wird als gedacht. Kürzlich war von 119000 Euro die Rede.

 

 

 

Eine ganz schnelle Lösung sucht die Stadt hingegen für das Programm zum Denkmaltag. Der Förderverein wollte auch im Stadthallengarten einiges veranstalten. Zu welchen Teilen der Garten noch genutzt werden kann, ist offen: „Deshalb suchen wir jetzt nach einer Ausweichlösung für das Programm.“Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Sanierungsstopp war goldrichtig

 

über die Situation der Stadthalle

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

Ein paar Monate nach seiner Amtsübernahme hat OB Siegfried Deinege Ende 2012 die geplante Komplettsanierung der Stadthalle gestoppt. Eine wesentliche Begründung damals war, dass das Risiko zu groß wäre, dass die Stadt den Bau nicht wie gefordert bis Mitte 2015 abschließen und auch schon komplett abrechnen kann. In diesem Fall aber hätte die Rückzahlung aller EU-Fördermittel in Höhe von 17 Millionen Euro gedroht. Dann wäre Görlitz pleite gewesen.

 

 

 

Mit den jetzigen Befunden ist klar, dass der damals ohnehin schon viel zu knappe Zeitplan endgültig gescheitert wäre, wenn der wahre Zustand der Strebepfeiler bekannt geworden wäre. An dieser Stelle hätte die Stadt ein echtes Problem gehabt. Insofern war der Sanierungsstopp aus heutiger Perspektive goldrichtig.

 

 

 

Trotzdem hat die Stadt nun ein Riesenproblem: Wie soll es mit der Stadthalle weitergehen? Aus finanzieller Sicht wäre ein Abriss scheinbar die einzig sinnvolle Variante. Dafür aber wird es keine Genehmigung geben, denn die Halle steht unter Denkmalschutz. Also muss sie wohl oder übel erhalten bleiben. Und die Stadt muss dringend dafür sorgen, dass sie eben nicht einstürzt. Eigentum verpflichtet. Das aber wird in diesem Falle richtig teuer. Und momentan ist noch völlig offen, wie viel es wirklich kosten wird und vor allem, wo die Stadt das Geld hernehmen soll und an welchen anderen Stellen sie sparen kann, um die Sanierung der Strebepfeiler anzugehen.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 12.09.2014

 

 

 

„Jetzt stellt sich die grundsätzliche Frage der Stadthalle neu“

 

Schnelle Sanierung oder Abriss: Die Reaktionen auf die Statikprüfung sind gemischt.

 

 

 

Von Ingo Kramer und Sebastian Beutler

 

 

 

Seit vorgestern steht ein Absperrgerüst um die Stadthalle. Der Förderverein wirbt dort bereits für eine Wiedereröffnung. Foto: N. Schmidt

 

Seit vorgestern steht ein Absperrgerüst um die Stadthalle. Der Förderverein wirbt dort bereits für eine Wiedereröffnung. Foto: N. Schmidt

 

 

 

Schnell trommelte gestern der Förderverein Stadthalle einige Mitglieder zusammen. Auch unter ihnen hatte sich die Nachricht von der akut einsturzgefährdeten Stadthalle verbreitet. Den Stadträten, die zufälligerweise gestern Abend tagten, wollten die Vereinsmitglieder mit vereinter Kraft verdeutlichen, dass sie weiterhin für eine Sanierung der Halle eintreten. Sogar einige Schilder hatte die Handvoll Mitglieder vorbereitet. Anneliese Karst durfte deren Meinung in drei Minuten auch vortragen. Frau Karst hatte in den vergangenen Wochen das Programm für den Sonntag vorbereitet, das nun über Nacht erledigt ist. Sie nutzte die Redegelegenheit für einen Appell an die Stadträte: „Wir erwarten und fordern von der Stadtverwaltung und den Stadträten, dass nach zehn Jahren Leerstand und Nichtstun zügig ein Plan entwickelt wird, wie und in welchen Abschnitten die Stadthalle gesichert und schrittweise wieder nutzbar gemacht werden kann.“ Dabei bot der Verein Hilfe an.

 

 

 

Seit die Stadt am Mittwochnachmittag die Ergebnisse der statischen Untersuchung der Eckpfeiler bekannt gemacht hat, bestimmt die Stadthalle die Görlitzer Stadtdebatte. Selten äußerten sich Leser so rege zu einem Thema auf der Görlitzer SZ-Facebook-Seite. Bis aus Berlin trafen Leserbriefe in der Redaktion ein. Doch vor allem in Görlitz wird nun heftig über Für und Wider der Konzerthalle diskutiert.

 

 

 

Entsetzen und Verzweiflung waren seine ersten Reaktionen, gesteht Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums. Und er fügt an: „Jetzt stellt sich die grundsätzliche Frage der Stadthalle neu.“ Egal, ob eine erhebliche Investition aus der Stadtkasse nötig ist oder die Stadt das Gebäude aufgeben muss – beides wäre aus Bauers Sicht eine Katastrophe. Wie die Stadt aus dem Dilemma rauskommt, kann er nicht sagen: „Der einzige Vorteil an der Situation ist vielleicht, dass jetzt wirklich eine Entscheidung getroffen werden muss.“

 

 

 

Das sieht auch Roland Skupin so. Der ehemalige Technische Leiter der Stadthalle und Organisator der Modellbahn-Ausstellung, nennt die Varianten Bau oder Abriss. Vorher sollte seiner Ansicht nach aber erst einmal geprüft werden, ob wirklich alle vier Strebepfeiler so kaputt sind wie der eine, der bisher untersucht wurde. Skupin bedauert, dass an der Halle seit vielen Jahrzehnten nichts Grundlegendes gemacht worden ist: „Ich habe das Gefühl, dass die Sanierung mit allen Mitteln verhindert wird.“ Er würde die Wiedereröffnung gern miterleben, glaubt aber nicht mehr daran.

 

 

 

Weniger erschüttert sind die Macher der Jazztage. „Für uns war die Stadthalle nie eine relevante Spielstätte“, sagt Vereinschef Friedemann Dreßler. Der Große Saal war stets zu groß und zu teuer, der Kleine Saal habe den Charakter eines Festsaales. In seinen Augen gibt es Alternativen für größere Veranstaltungen: Die Brauerei, die neue Basketballhalle in Zgorzelec, das Theater, die Kulturscheune in Tauchritz. Falls sich die Stadt jetzt für eine Sanierung entscheiden sollte, warnt er vor ungedeckten Folgekosten: „Die berechneten städtischen Zuschüsse für eine neue Stadthalle reichen, um jährlich zehn bis 20 Festivals oder 350 Kleinprojekte üppig zu fördern.“

 

 

 

Deutlicher wird Landskron-Chefin Katrin Bartsch: „Ich habe das Gefühl, dass sich niemand traut, eine Abriss-Prüfung auszusprechen.“ Sie ist froh, dass sie das nicht entscheiden muss: „Das ist Sache der Stadträte, eine schwere Entscheidung.“ Sie selber versteht sich als mahnende Stimme. Es sei wichtig, die Stadthalle aus betriebswirtschaftlicher und Machbarkeitssicht zu betrachten: „Und da sehe ich, dass wir die Mittel nicht haben.“ Rein aus Landskron-Perspektive dagegen würde sie die Stadthalle nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Bereicherung: „Wir könnten ja auch dort unser Bier verkaufen.“ Und aus Sicht des Tourismusvereins, den sie ebenfalls leitet, wäre die Halle ein wichtiger Faktor für die Nebensaison. „Allerdings können wir uns den nicht selber leisten“, sagt sie.

 

 

 

Musikschuldirektor Robert Koegler hat die Nachricht von der Einsturzgefahr der Stadthalle nicht schockiert: „Das ist ein altes Gemäuer, da sind Überraschungen absehbar.“ Er mahnt, jetzt den Kosten-Nutzen-Faktor im Auge zu behalten: „Die Vereine brauchen einen Raum, den sie sich auch leisten können.“ Prinzipiell hätte er durchaus Interesse, den kleinen Saal ab und an zu nutzen: „Ein Raum mit 400 Sitzplätzen und Flügel fehlt in Görlitz.“ Das Theater sei oft ausgebucht, die Musikschule weicht dann auf Berufsschulzentrum und Jahnsporthalle aus, aber beides hat eben nicht die perfekte Atmosphäre für Musikveranstaltungen.

 

 

 

Diese Atmosphäre der Stadthalle ist es auch, die die Befürworter einer Sanierung in die Waagschale werfen. Die Halle, so erklärte Frau Karst vor den Stadträten, sei ein „unverzichtbares Denkmal, einer der letzten original erhaltenen Saalbauten dieser Art mit einer weltweit einmaligen Orgel.“

 

 

 

Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Stadthalle erzwingt Richtungswechsel

 

über die neue Lage in der Görlitzer Politik

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Praktisch über Nacht sind alle fruchtlosen Debatten über die Stadthalle beendet. Sie wurden immer unter der Annahme geführt, dass die Stadt die Halle in ihrem jetzigen Zustand konserviert, es also Zeit gebe, sich über die Zukunft der Halle in aller Ruhe klarzuwerden. Das kann nun niemand mehr sagen. Das statische Gutachten hält den Einsturz der Halle unter bestimmten Bedingungen für möglich, das Holzgutachten weist mehr als zwei Handvoll Stellen an der Decke auf, wo der Schwamm wächst. Es mag zwar nicht der Hausschwamm sein – aber Schwamm ist Schwamm. Das nur ausgewählt veröffentlichte Gutachten stellt auch beste Voraussetzungen in der Stadthalle fest, dass sich Hausschwamm doch noch bildet. Es geht also nicht mehr um die Frage, ob an der Stadthalle etwas getan wird, sondern wann die Bauarbeiter anrücken. Ansonsten wird der Denkmalschutz unruhig werden. Die beinah verzweifelte Hoffnung der Stadthallengegner, die Dresdner Denkmalpflege könnte den Abriss der Stadthalle genehmigen, ist weltfremd. Dieselbe Behörde schreibt noch nicht einmal ein altes Ziegelhaus in der Kurve der Hugo-Keller-Straße ab, das dem Neubau eines Parkdecks neben der Jägerkaserne im Wege stand. Warum sollte sie dann die im Denkmalwert weitaus höher stehende Stadthalle abschreiben?

 

 

 

Kurioserweise bringen die neuesten Nachrichten über die Stadthalle nicht die Stadthallenfreunde in die Bredouille, sondern ihre Gegner. Denn nun muss schneller als gedacht mit liebgewordenen Legenden aufgeräumt werden. Zum Beispiel mit der, dass die Stadt kein Geld für die Halle habe. Im städtischen Etat ist genug vorhanden. Dort sind in diesem Jahr mehrere Hunderttausend Euro für Investitionen vorgesehen, die noch gar nicht begonnen wurden oder deren Umsetzung völlig offen ist. Dieses Geld kann die Stadt sofort für die Stadthalle verwenden. Sie müsste es politisch nur wollen.

 

 

 

Eine weitere Legende ist auch, dass OB Deinege mit seiner Entscheidung richtig lag, 2012 die Sanierung der Stadthalle abzublasen. Schließlich sahen die Pläne vor, die statische Konstruktion der Halle deutlich zu verstärken, also genau die Missstände zu beseitigen, die nun beklagt werden. Wenigstens diese Elemente des Sanierungsplanes hätten – sicher modifiziert – umgesetzt werden können. Vielleicht sogar umgesetzt werden müssen. Die größte Legende aber ist, dass es keinen Bedarf für die Stadthalle gebe. Wie ein Angebot Nachfrage schafft, dazu reicht ein Blick nach Löbau. Niemand hatte mit einem solchen Erfolg der Mehrzweckhalle auch nach der Landesgartenschau gerechnet. Stattdessen spielten OB und Stadtrat seit zwei Jahren auf Zeit. Getreu dem Motto: Vielleicht erweist die Stadthalle uns ja einen letzten Dienst und fällt noch freiwillig zusammen. Das tut sie aber (noch) nicht. Die jetzt nötigen Sicherungen an der Halle greifen so gewaltig in den Baukörper ein, dass es sinnvoll wäre, sie mit einer Sanierung zu verknüpfen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es darf auch nicht mehr auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. Stadtrat Thomas Leder (CDU) nannte vor Kurzem das Jahr 2021 für die Eröffnung der sanierten Halle. Dann feiert die Stadt ihre erste Erwähnung vor 950 Jahren. Ein Konzert der Berliner Philharmoniker in der Stadthalle zum Auftakt im Görlitzer Jubiläumsjahr – man darf ja wohl noch träumen.

 

 

 

 

 

Abriss oder Sanierung?

 

Wie es mit der Stadthalle weitergehen soll, wird auch auf der SZ-Seite im sozialen Netzwerk Facebook heftig kommentiert:

 

 

 

Martin Wolf: Wenn die Stadt die Mittel für eine Sanierung und Betreibung nicht aufbringen kann, dann sollte endlich ein Investor gesucht werden. Die Stadthalle hätte schon vor Jahren verkauft werden sollen. Den einen oder anderen Interessenten mit einem guten Konzept gab es bestimmt.

 

 

 

Jens Jäschke: Bin mal gespannt, wann sie die Hirschwinkelturnhalle als „einsturzgefährdet“ einstufen.

 

 

 

Katja Pe: Damit hat sich der Tag des Denkmals für die Stadthalle erledigt. Traurig, dass es soweit kommen musste.

 

 

 

Sissy Bachstein: Ist ja nicht das erste Gebäude, was die Stadt verfallen lässt. Hätten wir nicht so viele engagierte Privatleute, wäre die halbe Altstadt verfallen.

 

 

 

Jörg Hrdlika: Egal, wie leid es einem um die Stadthalle tut: Görlitz wird sie sich nicht leisten können. Wenn schon eine 50-Cent- Preiserhöhung beim Asia-Imbiss für Diskussionen beim Bürger sorgt, würde ein kostendeckender Eintrittspreis für Veranstaltungen erst recht nicht gezahlt. Wir sollten uns am Theater und dem Kaufhaus erfreuen, das sind realistische Projekte.

 

 

 

Diana Lusatia: Jetzt haben sie einen Grund gefunden, um das Gebäude abzureißen.

 

 

 

Felix Zirpel: Die Stadthalle ist genauso ein Wahrzeichen von Görlitz wie da Kaufhaus auf dem Demianiplatz. Es wäre eine Schande, sie einfach dahinrotten zu lassen.

 

 

 

Peter Hoffmann: Reißt dieses Ding endlich ab und setzt eine moderne Mehrzweckhalle hin, die allen Anforderungen entspricht.

 

 

 

Franz Michel: Eine moderne Mehrzweckhalle für die Fachhochschule würde junge Leute nach Görlitz locken und wäre attraktiv für beide Seiten der Neiße.

 

 

 

Silke Schaffer: Ein Jammer. Andere Städte wären froh, so etwas zu besitzen.

 

 

 

Philipp Riedl: Gibt es neben „Kulturbauwerk“ und „Wahrzeichen“ irgendeinen triftigen Grund oder eine Nutzungsidee, die einen Erhalt rechtfertigt?

 

 

 

Maik Herrmann: Die Stadthalle wird dringend gebraucht. Ich würde mir einen oder mehrere Investoren wünschen.

 

 

 

Jens Leopold: Es geht hier um ein Denkmal der Architektur- und Kulturgeschichte. Ein Abriss wäre die schlechteste Lösung. Die Stadthalle sollte durch die Verwaltung notgesichert werden. Nach erfolgter Sanierung könnte sie für Kulturveranstaltungen, für Vereine und als deutsch-polnisches Begegnungszentrum genutzt werden.

 

 

 

 

 

SZ 16.09.2014

 

 

 

Ärger, Vorwürfe, Verdächtigungen

 

Die Debatte um die Stadthalle wird schärfer. Besonnene Stimmen sind in der Unterzahl.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Ein letztes Erinnerungsfoto? Mancher nutzte den „Tag des geschlossenen Denkmals“ an der Stadthalle auch dafür.

 

 

 

Die Nerven liegen blank, auf allen Seiten. Wer in diesen Tagen über die Stadthalle spricht, greift häufig zu drastischen Formulierungen. Anneliese Karst, Sprecherin des Fördervereins Stadthalle, machte am Donnerstag vor dem Stadtrat den Anfang. Verantwortungslos sei es gewesen, die Sanierung hinauszuzögern, warf sie der Stadtverwaltung und dem Stadtrat vor. Die Stadt habe 2013 außer Gerede nichts getan, „obwohl sie zum Erhalt und für die Sicherheit als Eigentümerin des Denkmals rechtlich verpflichtet ist“. Auch hätte das Rathaus trotz aufgeschobener Sanierung mit einem Teil der Fördermittel Schäden an der Halle beseitigen müssen. „Das sei beim Freistaat bestimmt zu erreichen gewesen“, vermutet Frau Karst.

 

 

 

Oberbürgermeister Siegfried Deinege kontert am Tag danach. Es seien „primitive Vorwürfe“ seitens des Fördervereins, kartet er in einem Interview mit Radio Lausitz nach. Als er im Herbst vor zwei Jahren die Sanierung der Stadthalle stoppte, habe er die Stadt vor nicht mehr und nicht weniger als „einer Katastrophe“ bewahrt. Die Planung habe sich im Rückstand befunden, Genehmigungen fehlten – selbst der Bau eines Privathauses wäre so nicht rechtzeitig bis Ende 2015 abzurechnen gewesen. Geschweige denn die Stadthalle. Und dann hätte die Stadt die Fördermittel in Höhe von 17 Millionen Euro zurückzahlen müssen. Der Streit um das Wohl und Wehe der Stadthalle gewinnt mit der Klarheit über die Bauschäden an dem Gebäude nochmals an Schärfe. Das zeigen auch die Äußerungen im Internet. Mike Altmann, bekennender Stadthallengegner, beklagt den „fehlenden Arsch in der Hose der Entscheidungsträger“. Jeder wisse, wie unrealistisch ein Engagement in dieser Angelegenheit ist, aber alle haben Angst vor dem Wähler. „Dabei ist der Wähler nicht doof und schon gar nicht repräsentiert durch einen Förderverein“. Olaf Schmidt, eines der Mitglieder des Vereins, ärgert sich hingegen über die Äußerungen Deineges und stellt dem OB die Frage, warum er den Förderverein dafür beschimpfe, dass dessen Mitglieder an „freien Wochenenden den Stadthallengarten säubern, bis die Finger bluten und der Rücken ächzt oder die freien Wochenenden, Nachmittage und Nächte opfern, damit wieder Leben in die Stadthalle kommt“. Das Bemerkenswerte an beiden Äußerungen: Altmann und Schmidt sind fast ein Alter, gehören den Mittvierzigern an. Bislang hieß es immer, die Front verlaufe zwischen Alt und Jung.

 

 

 

Wie aufgeheizt die Stimmung ist, wird auch an den Mutmaßungen deutlich, die übers Wochenende zum Rücktritt der städtischen Hochbauamtsleiterin Ute Prechel angestellt wurden. Das Rathaus machte diesen Schritt am Freitag öffentlich. Zwar dementierte Deinege einen Zusammenhang mit dem Stadthallen-Problem und versuchte so die anhebende Debatte noch einzufangen. Aber da war sie längst voll am Laufen. Für den freien Journalisten Markus Kremser ist diese Darstellung wenig glaubhaft. Er ist vielmehr der Ansicht, dass es in Görlitz zum dritten Mal seit der Wende so richtig rappelt im Karton! „Nach dem Deponie-Skandal und der Abwahl von Oberbürgermeister Matthias Lechner scheint sich jetzt die Causa Stadthalle zu einer größeren Sache auszuwachsen.“

 

 

 

Dabei hatte der OB in der Sache nach SZ-Informationen hier recht. Die Entscheidung zum Rückzug von Ute Prechel fiel bereits in der Ferienzeit, seitdem stand auch fest, dass sie künftig als Sachbearbeiterin im städtischen Hochbauamt arbeiten wird. In der Baubranche machten entsprechende Nachrichten seitdem die Runde, also lange bevor die Ergebnisse des statischen Gutachtens für die Stadthalle bekannt wurden. Eine Anfrage der SZ wurde seit Anfang September vom Görlitzer Rathaus weder dementiert noch bestätigt. Gleichwohl war seit Monaten bekannt, dass Deinege auf einen Personalwechsel drängte. Dabei war die Stadthalle noch nicht mal ausschlaggebend. Es gab auch Probleme beim Neubau der Turnhalle neben der Jägerkaserne.

 

 

 

Besonnene Worte fallen in der jetzigen Situation besonders auf. So mahnt CDU-Landtagsabgeordneter und Stadtrat Octavian Ursu, „die Emotionen jetzt herunterzufahren und einen klaren Plan für eine schrittweise Sicherung und Sanierung der Stadthalle aufzustellen“. Dazu will er die nun beginnende Haushaltsdiskussion nutzen sowie mit der Landesregierung über Möglichkeiten der Unterstützung reden. Am Sonnabend verbreitete Siegfried Deinege auf Facebook die Nachricht: „Toll, was hier wieder auf die Beine gestellt wurde!“ Der Görlitzer OB meinte das Fokus-Festival. Zum Stadthallenverein und seinem Programm am Sonntag schwieg er.

 

 

 

Kommentar

 

Deinege fehlt Amtsautorität

 

über die Rolle des Görlitzer OBs

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Nach zwei Jahren hat die Stadthalle Oberbürgermeister Siegfried Deinege bereits wieder eingeholt. Statt Zeit gibt es nun Druck. Das mag er nicht, was auch sein gestörtes Verhältnis zum Stadthallenverein begründet. Dabei wird ein Mangel seiner bisherigen Amtszeit besonders deutlich: Es fehlt ihm an Autorität als Oberbürgermeister. Auch mehr als zwei Jahre nach seinem Amtsantritt bezieht er sie ausschließlich aus seiner früheren Tätigkeit als Bombardier-Manager. Das zeigt sich in Kleinigkeiten: im Modellbahnzug auf dem Tisch seines Amtszimmers. Die häufigen Verweise in seinen Reden auf seine Waggonbauer-Zeit. Die soufflierende Hilfe seines Büroleiters beim Leiten des Stadtrates. Beinahe hilflos wirken dann solche Zungenschläge wie „am Tisch des Oberbürgermeisters“ sei das statische Gutachten der Stadthalle ausgewertet worden. Als wenn es auf diesen Tisch ankäme. Als Deinege noch bei Bombardier das Sagen hatte, widersprach nur die Berliner und kanadische Konzernleitung. Als Rathauschef ist das aber ganz anders. Im Widerstreit gegensätzlicher Interessen ist er als Moderator gefragt. Dazu bedarf es aber Autorität. Denn moderieren kann nur, wer von allen Seiten als ehrlicher Makler angesehen wird. Im Stadthallen-Streit ist das im Moment nicht der Görlitzer OB.

 

 

 

SZ 17.09.2014

 

 

 

Denkmalpfleger heute an der Stadthalle

 

Görlitz. Zwei Vertreterinnen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) sind heute in der Stadt Görlitz zu Gast. Zusammen mit Peter Mitsching, dem Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, werden sich Anette Mittring und Hannelore Schmelzer unter anderem auch die Stadthalle anschauen. Allerdings nur von außen, denn auch sie dürfen das Gebäude nicht betreten. Einen Termin mit Journalisten gibt es bei dem Besuch nicht.

 

 

 

Noch Ende August hatte die Stadtverwaltung fristgerecht einen Förderantrag für die Stadthalle bei der DSD gestellt. Es ging darin um die Sicherung des südlichen Teiles des Stadthallendaches. Baubürgermeister Michael Wieler rechnete allein für diesen Teil mit Kosten von 180 000 Euro. Wie viel Geld die Stadt konkret bei der Stiftung beantragt hat, ließ er offen. Nach den vorige Woche bekannt gewordenen statischen Problemen der Stadthalle stellen sich nun jedoch alle Fragen neu. Bevor am Dach gearbeitet werden kann, müssen die Strebepfeiler saniert werden. (ik)

 

 

 

 

 

SZ 18.09.2014

 

 

 

„Es gibt keinen zweiten Ort für diese Orgel“

 

Mit der Stadthalle ist auch die Orgel im großen Saal bedroht. Reinhard Seeliger sagt, wie sehr.

 

 

 

Reinhard Seeliger, Kirchenmusikdirektor, fühlt sich für die Sauer-Orgel verantwortlich.

 

 

 

 

 

Herr Seeliger, seit Kurzem heißt es, die Stadthalle sei einsturzgefährdet. Wie haben Sie auf diese Botschaft reagiert?

 

 

 

Auf der einen Seite war ich schockiert, auf der anderen Seite denke ich, diese akute Bedrohung kann eine Chance für die Stadthalle sein. Die Denkmalpfleger werden ja wohl nicht zulassen, dass sie einstürzt.

 

 

 

Was bedeutet die aktuelle Lage für die Orgel? Muss man sie jetzt ganz schnell abbauen und einlagern?

 

 

 

Ich hoffe nicht! Bei der Sanierung der Orgel 1991 ist ihre sehr empfindliche pneumatische Traktur mühevoll restauriert worden, einer ihrer wichtigsten Bestandteile. Müsste man die ausbauen, würde das sehr aufwendig und teuer werden. Außerdem gibt es die Befürchtung, dass, wenn die Orgel einmal abgebaut ist, kein Grund mehr dafür da ist, die Stadthalle stehen zu lassen.

 

 

 

Welchen Wert hat die Orgel denn?

 

 

 

Einen unschätzbaren. Sie ist die weltweit einzige erhaltene viermanualige Orgel von Wilhelm Sauer, einem der berühmtesten Orgelbauer vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Allein die Restaurierung hat damals eine Million D-Mark gekostet.

 

 

 

Gäbe es denn einen anderen Ort, an dem man sie wieder aufbauen könnte?

 

 

 

Nein. Sie ist für die Stadthalle und deren Akustik konzipiert. Man müsste sehr lange suchen, um ein ähnliches Gebäude zu finden, in dem sie so klingen kann. Und ich glaube nicht, dass es in Deutschland eines gibt. Denken Sie an die Orgel aus der Breslauer Jahrhunderthalle. Einen Teil hat man eingelagert, einen Teil im Dom wieder aufgebaut. Das ist nicht mehr dieselbe Orgel.

 

 

 

Wie sollte man jetzt Ihrer Meinung nach mit der Sauer-Orgel verfahren?

 

 

 

Es gab ja bereits Überlegungen, wie sie bei einer Sanierung der Stadthalle gesichert werden könnte. Ich dachte, man könne sie komplett einhausen, also eine raumhohe Wand davor einziehen, sodass die Orgel geschützt, aber noch spielbar wäre. Jetzt aber, wenn für eine Sanierung das Dach abgenommen werden müsste, geht das nicht mehr. Da die Orgel selbst bis zum Dach reicht, würde sie in dem Fall der Witterung ausgesetzt sein. Dann würde sich ihr Zustand rapide verschlechtern.

 

 

 

Wie ist der Zustand jetzt?

 

 

 

Ich war seit der Schließung etwa alle zwei Monate drin, denn die Orgel mit ihrer empfindlichen Pneumatik muss regelmäßig gespielt werden. Auch um zu prüfen, ob sich Ungeziefer eingenistet hat. Kurz nach der Schließung war ja einmal ein Marder drin, aber die kleinen Lederbälgchen und die Bleirohre haben ihm wohl nicht geschmeckt. Zum Glück ist die Orgel noch immer in tadellosem Zustand.

 

 

 

Gibt es eine Alternative zwischen Einhausen und Komplettausbau?

 

 

 

Mir wäre es am liebsten, wenn man die Orgelpfeifen ausbauen und einlagern, die kompakte Traktur aber stehenlassen und luftdicht in Folie einschweißen würde. Dann könnten der Orgel Feuchtigkeit, Baustaub und Marder nichts anhaben. Ich entscheide das aber nicht, sondern es wird eine Zusammenkunft aller Beteiligten geben: des sächsischen Orgelsachverständigen, der Denkmalpflege, der Statiker, jemandem von der Stadt und mir. Und dann gibt es hoffentlich bald eine Lösung.

 

 

 

Gespräch: Ines Eifler

 

 

 

 

 

SZ 19.09.2014

 

Bürgerverein kritisiert Stimmungsmache

 

Der Verein Bürger für Görlitz wirft dem Stadthallenverein vor, Emotionen anzuheizen.

 

 

 

Von Peter Chemnitz

 

Mit einer harschen Kritik an dem von CDU-Stadtrat Thomas Leder geführten Stadthallen-Förderverein hat sich gestern der Vorstand des Vereins „Bürger für Görlitz“ (BfG) zu Wort gemeldet. Das Auftreten des Stadthallenvereins „war und ist – anscheinend auch weiterhin – äußerst bedenklich“, heißt es in einem von Geschäftsstellenleiterin Anke Hollain verschickten Schreiben. Es würden „mit Emotionen Stimmungen in der Bevölkerung angeheizt, die in keiner Weise zu einer Lösung des Problems beitragen“, kritisierten die „Bürger für Görlitz“.

 

 

 

Aus Sicht der BfG bedeuten die neu entdeckten Schäden an den Stützpfeilern nicht, dass das Problem Stadthalle völlig neu bewertet werden müsse. Es bestehe kein Zweifel, dass das Gebäude gesichert werden müsse, das sei aber nicht gleichbedeutend mit einer Sanierung. Diese und die anschließende Betreibung nach den bekannten Konzepten würden die Finanzkraft der Stadt übersteigen. Darüber habe der OB vor zwei Jahren detailliert berichtet und der Stadtrat hat mit großer Mehrheit zustimmend entschieden.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 20.09.2014

 

 

 

„Es war ein heftiges Jahr“

 

Andrea Sanguineti hat die erste Spielzeit hinter sich. Der Generalmusikdirektor erzählt, wie er sie erlebt hat.

 

 

 

Andrea Sanguineti, Chefdirigent des Theaters, wurde 2013 für Eckehard Stiers Nachfolge ausgewählt. Jetzt ist er hier fast schon zu Hause

 

 

 

 

 

Herr Sanguineti, als Sie vor einem Jahr am Theater begannen, haben Sie gesagt, Sie freuten sich „riesig“ auf Ihre neue Aufgabe. Sind Sie heute immer noch so euphorisch?

 

 

 

Ich bin damals zum ersten Mal Generalmusikdirektor geworden. Vorher, in Würzburg, war ich Stellvertreter und kannte die Aufgaben eines GMD nicht zu 100 Prozent aus eigener Erfahrung. An einem relativ kleinen Haus wie in Görlitz ist der GMD sehr, sehr beschäftigt. Ich sitze ungeheuer viel im Büro, habe viel zu organisieren, zu verwalten, zu kontrollieren. Jeder einzelne Musiker kommt mit seinen Fragen zu mir. Verschiedenste Probleme gilt es zu lösen, viele Regeln zu beachten. Und zwischendrin macht man Musik. Es war ein heftiges Jahr, in dem ich sehr viel lernen musste.

 

 

 

Glauben Sie, dass es in Zukunft weniger heftig wird?

 

 

 

Es wird nicht weniger Arbeit werden, aber mit etwas mehr Methode wird sie leichter zu bewältigen sein.

 

 

 

Wie haben Sie die Spielzeit musikalisch erlebt?

 

 

 

Es war ja eine Übergangsphase, die Philharmonischen Konzerte hatte noch mein Vorgänger Eckehard Stier konzipiert. Die Programme waren sehr schön, aber nicht auf das fokussiert, was mir am Herzen liegt. Die Konzertreihe der neuen Spielzeit habe ich komplett zusammengestellt, auch bei den Musiktheaterstücken mitentschieden.

 

 

 

Was sind diese Dinge, die Ihnen am Herzen liegen?

 

 

 

Ich denke, der Klang unseres Orchesters kann sich verbessern, wenn wir mehr klassisches Repertoire spielen. Das hat in der vergangenen Spielzeit nicht gefehlt, aber es war ein anderes, als ich gewählt hätte. Mir sind alle kommenden Konzerte wichtig, aber besonders das fünfte Konzert „Klassisch“ mit Beethovens vierter Sinfonie, seiner Cariolan-Ouvertüre und dem Klavierkonzert von Martinu. Und auch das sechste Konzert „Liebestod“ mit Werken von Richard Wagner und Richard Strauß mit der Sopranistin Patricia Bänsch wird ein besonderer Höhepunkt sein. Für das Musiktheater würde ich mir eine italienische Oper wünschen. Wir haben zwar mit dem lyrischen Bariton Ji Su Park und der Sopranistin Cristina Piccardi zwei neue Ensemblemitglieder, mit denen eine italienische Oper möglich wäre. Aber so weit, eine einzustudieren, sind wir jetzt noch nicht.

 

 

 

Die Proben für die Konzerte finden unter dem Dach der Obermühle statt. Sind Sie mit diesem Probenraum zufrieden?

 

 

 

Um ehrlich zu sein, es ist nicht optimal. Besonders schwierig ist es im Sommer, da es sehr heiß wird, trotz technischer Hilfen, die Temperatur zu regulieren. Und unter der niedrigen Decke ist keine gute Akustik. Anfang der Woche waren wir für zwei Probentage in der Lausitzhalle in Hoyerswerda, und ich muss sagen, in solch einem Konzertsaal immer zu proben, hätte unser Orchester wirklich verdient. Aber Hoyerswerda ist zu weit. Die Hohenzollernburg in Biesnitz steht nicht mehr zur Debatte. Für einen neuen Probenraum ist kein Geld da, und selbst wenn, stünde es in keinem Verhältnis dazu, welches für einen Raum auszugeben, während die Theatermitarbeiter seit Jahren auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Und so ist die Obermühle die zurzeit einzige mögliche Lösung.

 

 

 

Und nun stürzt auch noch die Stadthalle ein…

 

 

 

Ich muss zugeben, ich weiß gar nicht, ob das vorige Woche eine gute oder schlechte Nachricht war. Es ist schwer zu wetten, was jetzt passieren wird. Wir hatten auch ein paar Pläne mit der Stadthalle, die jetzt nichts werden. Mit Reinhard Seeliger wollten wir ein Konzert mit Orgel und Orchester aufnehmen. Mit der CD hätte man etwas Geld sammeln können. Schade.

 

 

 

Was würden Sie sich für die Stadthalle wünschen?

 

 

 

Sie ist wie eine heiße Kartoffel: Es ist klar, dass ich mir als Musiker und Dirigent natürlich wünsche, dass die Stadthalle als Konzertsaal bald wieder nutzbar wird, egal unter welcher Bedingung. Auf der anderen Seite möchte ich nicht, dass das Musiktheater Schaden nimmt. Wenn die Sanierung der Stadthalle bedeuten würde, dass das Theater nur noch die Hälfte an Mitteln bekommt, dann wird das früher oder später das Ende des Theaters sein. Denn noch mehr sparen können wir nicht.

 

 

 

Wie ist es Ihnen privat in Görlitz ergangen? Pendeln Sie immer noch zwischen hier und Hannover?

 

 

 

Ja, ich wohne in Hannover, unterrichte in Würzburg und bin GMD in Görlitz. Und ich fühle mich wohl hier. Die Architektur ist toll, ich habe eine herrliche Wohnung und auch die Lokale gefallen mir. Neulich habe ich das Vino e Cultura entdeckt, in dem wir mit Kammerkonzerten auftreten. Das Einzige, was mir nicht so gefällt, ist, dass die Küchen der Restaurants so zeitig schließen. Nicht nur ich, auch das Theaterpublikum ist ja oft spätabends unterwegs. Wir könnten den Wirten zu etwas mehr Umsatz verhelfen. Außerdem fehlen in Görlitz Zebrastreifen. Sonst ist alles wunderbar.

 

 

 

Komplett hierher umziehen möchten Sie aber nicht?

 

 

 

Nein, meine Frau ist an der Oper Hannover engagiert, unser Sohn ist gerade ein halbes Jahr alt, und ich möchte nicht, dass die beiden pendeln. Lieber richte ich es mir ein, immer ein paar Tage am Stück bei ihnen zu sein. Ich habe zum Glück einen schnellen Wagen. Das kann alles bleiben, wie es ist.

 

 

 

Gespräch: Ines Eifler

 

 

 

 

 

SZ 25.09.2014

 

 

 

Ex-OB für schnelle Stadthallen-Sicherung

 

„Zur Sache“ dringt auf Baubeschluss im Stadtrat. Die Bürgerfraktion klärt ihre Position.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wenn heute der Görlitzer Stadtrat im Rathaus zu seiner Sitzung zusammenkommt, dann wird auch die Stadthalle wieder angesprochen werden. Die Fraktion „Zur Sache“ von Ex-OB Joachim Paulick wird gar einen Antrag einbringen, der im Oktober behandelt werden muss. Darin soll der OB beauftragt werden, „unverzüglich Maßnahmen einzuleiten“, die die Gefahr des Einsturzes der Stadthalle bannen. Dafür sollen Fördermittel und Gelder aus dem Stadt-Etat verwendet werden.

 

 

 

Auch in der Fragestunde der Stadträte, so kündigten Vertreter von Fraktionen bereits an, solle nach den Plänen gefragt werden, wie es mit der Konzerthalle weitergeht. Zwar hat die Stadt aufgrund eines statischen Gutachtens die Halle gesperrt und weiträumig abgesperrt, doch wie Oberbürgermeister Siegfried Deinege die angekündigte Sicherung des denkmalgeschützten Gebäudes finanzieren will, das ist noch offen. Rechtzeitig vor dieser Sitzung hat sich die Fraktion Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne/Piraten als zweitstärkste Kraft im Stadtrat auf eine gemeinsame Position geeinigt. Fraktionsvorsitzender Rolf Weidle legte nach einer ausführlichen Diskussion am Montagabend in der Fraktion ein Papier vor. Dessen Kernpunkte lauten:

 

 

 

Die Stadthalle muss als Gebäude erhalten werden.

 

 

 

Der Freistaat soll die Sicherung der Stadthalle in Millionenhöhe komplett finanzieren.

 

 

 

Die Wiedereröffnung der Stadthalle mit einem städtischen Betreiberkonzept zum jetzigen Zeitpunkt ist unrealistisch.

 

 

 

Als Alternativen bieten sich die Suche nach einem Investor und Betreiber an sowie die Grundsanierung der Halle in ihrer jetzigen Form. Parallel könnten neue Nutzungskonzepte für die Zukunft entworfen werden.

 

 

 

Die Erklärung der Fraktion ist politisch brisant, weil sie über die Stellungnahme des Vereinsvorstandes der „Bürger für Görlitz“ hinausgeht – die immerhin die größte Gruppe innerhalb der Fraktion stellt. Während die Wählervereinigung ihren Fokus ausschließlich auf die Kernpunkte zwei und drei legte, eröffnet die Fraktion nun auch neue Zukunftsstrategien. Denn immerhin nähert sich die Fraktion damit dem Vorschlag von CDU-Stadtrat und Chef des Fördervereins Stadthalle, Thomas Leder, der die Stadthalle in ihrer heutigen Form bis 2021 sanieren und wiedereröffnen will – pünktlich zur 950-Jahr-Feier der Stadt. Dieser Vorschlag gewinnt auch in Leders eigener Partei langsam an Zustimmung. So erklärte Landtagsabgeordneter und Stadtrat Octavian Ursu jüngst, er sehe in einer schrittweisen Sicherung und Sanierung der Stadthalle den einzigen Ausweg aus der zugespitzten Situation. Mit diesem Ziel führe er auch Gespräche mit Vertretern der amtierenden Landesregierung.

 

 

 

Zugleich verteidigen Rolf Weidle und Stadtrat Wolfgang Kück als Autoren des Stadthallen-Papiers der Bürgerfraktion nochmals den Abbruch des Sanierungsvorhabens vor zwei Jahren. Aufgrund „unkalkulierbarer Rahmenbedingungen musste der Versuch abgebrochen werden“. Seit dieser Entscheidung gebe es keine Klarheit über die künftige Modernisierung, Nutzung und Betreibung der Stadthalle. Zu groß sei die Gefahr, dass der ohnehin zu gering ausgestattete städtische Finanzhaushalt durch die Stadthalle überfordert werde. „Mit monatlichen Zuschusskosten in Höhe von 70- bis 80000 Euro muss gerechnet werden“, schreiben die Autoren im Namen der Fraktion, „abgesehen von den erforderlichen Eigenmitteln in Millionenhöhe für die Modernisierung. Diese Mittel stehen derzeit und auf absehbare Zeit im städtischen Haushalt nicht zur Verfügung.“

 

 

 

Zugleich müssten die Görlitzer Bürger auch sehen, dass sich die Stadt ein Kulturangebot, „inklusive eines öffentlichen Nahverkehrs, leiste, das im Vergleich anderer gleichgroßer Städte in Deutschland weit über dem Durchschnitt liegt.“ Dieses Angebot in der Zukunft zu erhalten, sei nicht selbstverständlich.

 

 

 

Kommentar

 

 

 

Stadtrat heute ab 16.15 Uhr im Rathaus.

 

 

 

 

 

Leserbriefe

 

 

 

Die offene Zukunft der Jugendstil-Stadthalle beschäftigt auch weiterhin die Görlitzer:

 

 

 

Die Stadthalle muss gerettet werden

 

 

 

Die Ereignisse um die Stadthalle lassen die Emotionen der Görlitzer Bürger hochkochen. Die Frage, Abriss ja oder nein, stellt sich nicht. Sogar kleinere Städte in Deutschland stehen zu ihrer Stadthalle und zu ihrer Verantwortung für historische Kulturgüter. Auch unsere Stadthalle muss gerettet werden.

 

 

 

Die Stadt ist zur Erhaltung ihres Eigentums, wie jeder private Eigentümer auch, verpflichtet. Hier handelt es sich um ein hochkarätiges Einzeldenkmal, das unbedingt für nachfolgende Generationen zu bewahren ist. Die Stadt Görlitz mit ihren Ambitionen auf den Welterbetitel und eine einsturzgefährdete Stadthalle, wie passt das zusammen?

 

 

 

Der Umgang der Verantwortlichen mit unserer schlesischen Musikhalle erinnert an vergangene Zeiten. Bis 1989 gammelten die meisten Denkmale genauso vor sich hin. Wir als Vertreter des Vereins Stadtforum Görlitz fordern sofortige Schritte zur Sicherung der Stadthalle, insbesondere unverzügliche statische Maßnahmen vor Wintereinbruch zu ergreifen. Vorhaben, bei denen zweckentfremdet die Eigenmittel für die Sanierung der Stadthalle verwendet werden sollen, müssen sofort zurückgestellt werden.

 

 

 

Andreas Vogel, Markus Henkel und

 

Joachim Kepstein, Stadtforum Görlitz

 

 

 

 

 

Die Bevölkerung müsste auf die Barrikaden gehen

 

 

 

Ich unterstütze die Forderung des Förderverein zur Erhaltung der Stadthalle Görlitz uneingeschränkt. Ich bin Jahrgang 1947 und kenne die Stadthalle seit meiner Jugend. Die Stadt Görlitz als Eigentümer und damit die Rathausspitze hat die Pflicht, die Stadthalle als Kulturstätte zu erhalten: Eigentum verpflichtet!

 

 

 

Görlitz wollte Kulturhauptstadt werden und gibt sich als Europastadt aus. Das passt absolut nicht mit der schon seit längerem zu beobachtenen Verfahrensweise bezüglich der Halle zusammen. Wollen diese Verantwortlichen etwa, dass sich das Problem mit dem Einsturz der Halle von selbst löst? Warum wurden die einst vorhandenen Fördermittel nicht eingesetzt? Bekennen sich der Stadtrat und der Bürgermeister zum Erhalt der Stadthalle? Die Bevölkerung der Stadt und der Umgebung müsste eigentlich auf die Barrikaden gehen, um die Stadthalle zu erhalten.

 

 

 

Arno Kunath, per E-Mail

 

 

 

 

 

Stadtrat soll schnelle Reparatur durchsetzen

 

 

 

Jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals gehe ich gerne in die Stadt, um mir Häuser anzusehen, die restauriert werden. Dieses Jahr habe ich mich besonders für die Stadthalle interessiert. Die Enttäuschung war sehr groß, als ich erfuhr, wegen Einsturzgefahr nicht möglich. Da kam meine Wut gegen den Oberbürgermeister und die Stadträte der letzten Jahre hoch. Seit zehn Jahren ist die Stadthalle geschlossen und kein OB hat es geschafft, sie wieder in Betrieb zu nehmen.

 

 

 

Die Blamage wird noch größer, wenn man an 1908 erinnert. Kurz vor der Eröffnung der Konzerthalle stürzt diese ein. Zwei Jahre später wird sie wieder aufgebaut und hält 100 Jahre. Die schnelle Reparatur sollten sich Oberbürgermeister und Stadträte zur Aufgabe machen.

 

 

 

Edgar Sandner, 02827 Görlitz

 

 

 

 

 

Zum Beitrag: „Bürgerverein kritisiert Stimmungsmache“, SZ vom 19. September:

 

 

 

Kostendeckende Betreibung mit polnischer Unterstützung

 

 

 

Der Verein „Bürger für Görlitz“ behauptet, dass die Betreibung der Stadthalle nach den „bekannten Konzepten“ die Finanzkraft der Stadt übersteigen würde. Diese Behauptung ist nicht nachvollziehbar. Zum einen sind Konzepte über die Nutzung der Stadthalle in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Zum anderen ist es nötig, in der Europastadt eine gemeinsame Nutzung der beiden Stadt-Teile in Betracht zu ziehen. Alteingesessene Görlitzer schwärmen noch heute von den großen Veranstaltungen in der Stadthalle, und die traditionsbewussten Polen würden ihre Feste mit großer Wahrscheinlichkeit gern in einem so stilvollen Ambiente feiern.

 

 

 

Ein zeitgemäßes gemeinsames Konzept beider Städte könnte eine kostendeckende Betreibung ermöglichen und dazu das Zusammenwachsen fördern. Für ein solches binationales Projekt würden zur Sanierung des Gebäudes europäische und Landesfördermittel zur Verfügung gestellt werden.

 

 

 

Völlig unverständlich ist die Äußerung des Bürgervereins, dass das Auftreten des Stadthallenvereins „äußerst bedenklich“ sei. Für Theater, Kaufhaus, Synagoge und Stadthalle bestehen Fördervereine, deren Mitglieder mit viel Engagement in ehrenamtlicher Tätigkeit Großes für die Stadt leisten. Sie sind wahre Bürger für Görlitz.

 

 

 

Dieter von Kopp, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

Stadthalle hält Stadtrat auf Trab

 

über neue Bewegungen in der Debatte

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Es kommt Bewegung in die Stadthallen-Debatte. Das war auch gar nicht anders möglich. Und sie zielt in eine Richtung, wie auch jetzt der Antrag der Wählervereinigung „Zur Sache“ zeigt: Die schnelle Sicherung der Halle, damit nicht weitere Schäden an dem Gebäude auftreten oder sie gar einstürzt. Viele plädieren darüber hinaus dafür, die Sicherung mit einer schrittweisen Sanierung der Halle zu verbinden. Zuerst hatte CDU-Stadtrat Thomas Leder das vorgeschlagen, dann bekam er Unterstützung von seinem Parteifreund Octavian Ursu, und nun scheint sich auch die Fraktion Bürger für Görlitz/Bündnisgüne/Piraten mit diesem Gedanken anfreunden zu können. Noch steht auch bei ihr die Sicherung im Vordergrund. Ihre Forderung nach voller Kostenübernahme durch den Freistaat soll den Druck der Bürger vom Görlitzer Rathaus nach Dresden weiterleiten. Das ist legitim, aber es dürfte Wunschdenken bleiben. Wenn der Freistaat die Sicherung mit 80 oder 90 Prozent fördert, kann die Stadt froh sein. Doch davor müsste sich, nach allem was Dresden zu diesem Thema bislang gesagt hat, die Stadt zu einer anschließenden Sanierung bekennen. Bislang gab es dafür keine politische Mehrheit im Rat. Doch könnte sich das ändern: Anders als die Wählervereinigung will die Bürgerfraktion diese Möglichkeit nicht ausschließen. Damit eröffnet sich die Aussicht auf eine Mehrheit im Stadtrat für eine Sanierung der Halle, wenn Leder und Ursu auch ihre CDU-Fraktion davon überzeugen können. Das ist mehr als in der kurzen Zeit erhofft werden konnte. Doch Vorsicht: Noch sind viele Fragen offen. Anders als nach dem Sanierungsabbruch 2012 muss die Görlitzer Politik jetzt an der Stadthalle dranbleiben.

 

 

 

 

 

SZ 29.09.2014

 

 

 

Stadträte beraten über Stadthallen-Sicherung

 

Görlitz. An diesem Mittwoch sollen den Stadträten im Technischen Ausschuss die einzelnen Sicherungsarbeiten an der Stadthalle vorgestellt werden. Das kündigte Oberbürgermeister Siegfried Deinege an. Vor allem geht es um die Sanierung der vier Strebepfeiler, damit die Standfestigkeit des Gebäudes erhöht wird, sowie der Dächer, damit keine weitere Nässe in die Konzerthalle eindringt. Das Görlitzer Planungsbüro Wünsche + Langer war von der Stadt beauftragt worden, entsprechende Pläne auf ihre Kosten und zeitlichen Abläufe zu prüfen. Für die Dächersanierung hat die Stadt einen Fördermittelantrag in unbekannter Höhe bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestellt. Ob das Aufstellen eines Abstützgerüstes in der Halle nötig ist, wird gegenwärtig ebenfalls geprüft.

 

 

 

Zugleich laufen nach Angaben von Deinege derzeit Gespräche mit der Landesregierung über eine mögliche Sanierung des Hauses. „Sicherung und Sanierung sind zwei unterschiedliche Dinge“, sagte der OB vor dem Stadtrat, „die aber teilweise ineinander übergehen.“ (SZ/sb)

 

 

 

 

 

SZ 16.10.2014

 

 

 

Stadt sichert Stadthalle für eine halbe Million

 

Rat soll heute dafür den Weg freimachen. Die Vollsperrung der Halle könnte Mitte nächsten Jahres Geschichte sein.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Als Ministerpräsident Stanislaw Tillich Anfang August auf den Görlitzer Oberbürgermeister traf, da rief er Siegfried Deinege wegen der Stadthalle fröhlich zu: „Da müssen wir noch was machen“. Die Anwesenden lachten herzlich. Manchem ist das Lachen seitdem vergangen. Seit die Ergebnisse der statischen Untersuchungen vorliegen und die Standsicherheit der Halle nicht mehr gegeben ist, lautet die Frage nicht mehr, ob an der Stadthalle gebaut wird, sondern wann.

 

 

 

Darauf reagiert nun die Stadt. Der Görlitzer Stadtrat soll heute den Weg freimachen für die Sanierung der Strebepfeiler. Zusammen mit zwei Seitendächern über den früheren Garderoben werden die Kosten für diese Arbeiten auf rund 555000 Euro geschätzt. Zur Erinnerung: Der Technische Ausschuss war im April noch davon ausgegangen, dass die Instandsetzung der vier Pfeiler 92000 Euro kostet. Zwar hinkt der Vergleich, weil nun die Dächer dazukommen und auch die Schäden an den Pfeilern gravierender ausgefallen sind als zunächst vermutet. Aber es zeigt doch, wie sehr sich die Stadt bei der Sicherung der Stadthalle bis heute verschätzt hat.

 

 

 

Ob das nötig gewesen wäre, wird immer fraglicher. Nach der Vorlage des Stadtrates gab es zumindest für einen Pfeiler bereits 2011 Hinweise auf dessen schlechten Zustand. Die Linksfraktion hatte davon gehört und im Herbst 2012 einen Brief an den Oberbürgermeister Deinege geschickt. Der hatte damals die Sanierung der Stadthalle gerade abgebrochen. Schon in diesem Schreiben hatte die Linke auf die schweren Konstruktionsschäden hingewiesen – allerdings in den nächsten zwei Jahren auch keinen Druck auf die Stadt ausgeübt, diesen Schäden schnell nachzugehen.

 

 

 

Erst durch eine Aufstellung der vermutlichen Probleme im November 2013, die dem Stadthallenausschuss im Januar 2014 vorgelegt wurde, kamen die Erkenntnisse über den Bauzustand der Stadthalle zum Vorschein, die das Architektur- und Ingenieurbüro Wünsche + Langer bei der Vorbereitung der Sanierung in den Jahren 2011 und 2012 gewonnen hatte. Da es sich dabei um erste, provisorische Untersuchungen handelte, musste im Grunde davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Situation nochmals schlechter war.

 

 

 

Trotzdem dauerte es noch weitere Monate bis Ende April dieses Jahres, ehe der Technische Ausschuss die Sanierung der Strebepfeiler guthieß. Schon damals aber, vor allem aber in der Mai-Sitzung des Ausschusses gab es Diskussionen darüber, ob das Hochbauamt beim Bauzustand der Stadthalle nicht dramatisiert. Vor allem der Architekt Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz) trat in dieser Richtung auf und forderte doch noch im Mai vom Hochbauamt, dass es den Stadträten die Standsicherheit der Stadthalle bestätigen sollte. Doch war der Ausschuss damals auch nicht bereit, weitere Sicherungsarbeiten zu beschließen. Vier Monate später sperrte die Stadt die Konzerthalle für Jedermann ab.

 

 

 

In einem Papier über den Zustand der Stadthalle schreibt nun Ende September das Görlitzer Architekturbüro Wünsche + Langer, dass „der Verschleiß der Stahlkonstruktion augenscheinlich so weit vorangeschritten“ ist, dass von „einer stark verminderten Funktionsfähigkeit ausgegangen werden muss“. Das Metall sei so weit verrostet, dass nicht mehr die stählernen Strebepfeiler die Lasten der Halle tragen, sondern lediglich das Mauerwerk rund um die Pfeiler. „Damit ist die Standsicherheit der gesamten Halle gefährdet. Ohne funktionsfähige Pfeilerkonstruktion besteht wieder annähernd der Zustand, der 1908 zu dem Einsturz geführt hatte“, schreiben die Görlitzer Architekten. Um das zu ändern, sollen die vier Pfeiler nun mit einem Stahlbetonmantel saniert werden. Um diese Arbeiten ausführen zu können, müssen alle Pfeiler durch eine Stahlkonstruktion abgestützt werden. Anschließend werden die Seitendächer so saniert, dass sie die Standsicherheit der langen Wände der Stadthalle deutlich erhöhen. Während die Stahlstützen für die Pfeiler noch in diesem Jahr errichtet werden können, werden sich die Gesamtarbeiten bis Mitte nächsten Jahres hinziehen. Dann dürfte zumindest der Kleine Saal wieder zu nutzen, aber auch gegen Führungen im Großen Saal nichts einzuwenden sein. Und die Orgel dürfte dann auch wieder gepflegt werden.

 

 

 

Finanziert werden die Kosten durch eigene Mittel der Stadt sowie Stadtumbaugelder des Landes, die ursprünglich für das so nicht mehr vorgesehene Parkhaus an der Jägerkaserne gedacht waren.

 

 

 

 

 

SZ 30.10.2014

 

 

 

„Die Stadthalle wird schwarze Zahlen schreiben“

 

Hans-Peter Bauer glaubt, dass sich ein gutes Konzept finden lässt. Aus dem Theater kommt hingegen eine ganz neue Idee.

 

 

 

Von Ines Eifler

 

Hans-Peter Bauer wünscht sich, dass die Stadthalle wieder Konzertsaal wird. Und Hauptsitz der Neuen Lausitzer Philharmonie.

 

 

 

Kein Konzept für die Stadthalle? Lauter Ideen, die sich nicht vereinbaren lassen? Angst, die Stadthalle würde anderen etwas wegnehmen? Hans-Peter Bauer kann nicht begreifen, warum seit Jahren eine riesige Diskussion geführt wird, deren Fäden einfach nicht zusammenfinden. Er meint, die Stadt Görlitz solle viel mutiger sein und die Stadthalle wieder als größten Konzertsaal der Region etablieren und vermieten. „Warum nehmen wir nicht einfach einen Kredit auf?“, fragt er. „50 Millionen, Geld ist gerade billig.“ Davon könne das Gebäude komplett saniert werden. Das im genauen Detail passende Konzept würde sich später finden. „Die Stadthalle wird schwarze Zahlen schreiben“, da ist er sich sicher.

 

 

 

Das sagt Hans-Peter Bauer nicht nur, weil er seine „ganze Jugend in der Stadthalle verbracht“ hat und die Konzertakustik im Saal mit der einmaligen Sauer-Orgel vermisst. Er hat auch ein bisschen Ahnung vom Kulturbetrieb. Denn er ist gelernter Betriebswirt und war 1992 einmal kurz Verwaltungsdirektor des Theaters. Das ist zwar lange her, aber er hat sich auch in der Gegenwart umgehört. War in Wien, wo ihn faszinierte, wie gut die „Vereinten Bühnen“, drei Theater mit Orchestern, kooperieren. Er nennt Cottbus, wo Theater und Stadthalle gut nebeneinander existieren. Und er war in Weinheim an der Ruhr, wo die Kommune ihre Stadthalle mit nur zwei Leuten betreibt und temporär vermietet. An Konzert-, Messe-, Kongress- und andere Veranstalter. „Warum sollte so etwas in Görlitz nicht auch funktionieren?“ Die Stadt selbst oder eine ihrer Tochtergesellschaften kann er sich allerdings nicht als Betreiber vorstellen. Wer sonst dafür infrage käme, das müsse man gründlich überlegen. Am wichtigsten ist Hans-Peter Bauer, dass die Stadthalle Heimstätte der Neuen Lausitzer Philharmonie wird. „Die Probenräume in der Obermühle sind kein Zustand“, sagt er. Die Konzerte im Theater auch nicht. Ganze 14-mal, darunter Doppelvorstellungen, habe das Orchester 2013 das Weihnachtskonzert in Görlitz spielen müssen. Dazu noch im Umland. Das sei hochstrapaziös für die Künstler und zudem Verschwendung. Drei oder vier solcher Konzerte könne man durch nur eines in der Stadthalle ersetzen.

 

 

 

Der Görlitzer Theaterintendant Klaus Arauner stimmt mit Bauer darin überein, dass die Stadthalle optimale Rahmenbedingungen für das Orchester bieten würde, sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich. Sie wäre auch keine Konkurrenz zur Spielstätte Theater, sondern könne deren Möglichkeiten erweitern. Gerade die Weihnachtskonzerte aber brauchten die intime Atmosphäre des Theatersaals. Arauner schätzt, dass in der Stadthalle höchstens 15 Konzerttermine der Philharmonie pro Jahr stattfinden könnten. „Das wäre zwar ein Beitrag zur Auslastung, könnte aber keinesfalls tragendes Rückgrat eines Betriebskonzepts sein.“ Generell kann sich Arauner ein mit den Strukturen des Theaters verknüpftes Betriebsmodell der Halle genau wie beim Via Thea durchaus vorstellen. Aber das erfordere „umfängliche zusätzliche Kapazitäten“. Genau könne man nur kalkulieren, wenn ein Betriebskonzept vorliege. Auch würden die Spielräume der Haushalte von Stadt und Landkreis nicht größer. Und falls doch, gehe er davon aus, dass sie dazu genutzt würden, den Verzicht des Theaterpersonals auf 15 Prozent ihres Gehalts abzumildern. Als Idee für die Nutzung der Stadthalle schlägt Klaus Arauner vor, den im neuen sächsischen Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vorgeschlagenen internationalen Fernsehsender „Arte-Ost“ in der Stadthalle unterzubringen.

 

 

 

„Ein Fernsehsender?“, sagt Hans-Peter Bauer dazu. „Aber doch nicht in der Stadthalle!“

 

 

 

 

 

SZ 15.11.2014

 

 

 

Stadthalle rückt wieder ins Licht

 

Mit der einen Million Euro vom Bund soll das Gebäude gesichert werden. Ein Nutzungskonzept aber fehlt noch immer.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Einsam und abgesperrt steht die Stadthalle dieser Tage im Abendlicht. Damit sich das ändert, stellt der Bund eine Million Euro zur Verfügung. Foto: Nikolai Schmidt

 

Einsam und abgesperrt steht die Stadthalle dieser Tage im Abendlicht. Damit sich das ändert, stellt der Bund eine Million Euro zur Verfügung. Foto: Nikolai Schmidt

 

© nikolaischmidt.de

 

 

 

Wie ein Lauffeuer macht die Nachricht die Runde: Der Bund stellt aus Investitionsmitteln für die inländische Kulturförderung eine Million Euro für die Görlitzer Stadthalle bereit. Eingesetzt werden kann sie sowohl für die Sicherung als auch für die Sanierung des Gebäudes. „Das Geld steht für 2015 zur Verfügung, kann bei Bedarf aber auch auf 2016 übertragen werden“, bestätigt der Görlitzer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer.

 

 

 

OB Siegfried Deinege erklärt, von der Entscheidung nicht überrascht gewesen zu sein, denn er habe in den zurückliegenden Wochen und Monaten intensive Gespräche auf Bundes- und Landesebene zu den notwendigen Maßnahmen für die Erhaltung der Stadthalle geführt. „Die jetzige Entscheidung des Bundes ist das Ergebnis von beständiger und besonnener Arbeit“, so Deinege. Nach seiner Auskunft hat Kretschmer maßgeblichen Anteil daran, dass das Geld fließt: „Mit ihm hatte ich viele Gespräche, und bei ihm bedanke ich mich.“ Als Erster bekannt gegeben hatte die Nachricht hingegen vorgestern der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk.

 

 

 

Laut Deinege kostet allein die Sicherung der Halle 2,5 bis drei Millionen Euro: „Dafür wollen wir das Geld jetzt nutzen.“ Der erste Schritt sei die statische, der zweite die denkmalgerechte Sicherung. Dass die Million vom Bund nur der Anfang sein wird, daraus machen weder Kretschmer und Deinege noch der CDU-Landtagsabgeordnete Octavian Ursu einen Hehl. „Ich hoffe, dass ein ähnlicher Anteil vom Land so schnell wie möglich zustande kommt“, erklärt Ursu. Der Stadtrat hatte kürzlich Sicherungsarbeiten für 555 000 Euro beschlossen, darunter 240 000 Euro städtische Eigenmittel. Ob die Stadt dieses Geld nun tatsächlich aus eigener Tasche aufbringen muss, ist noch offen. Deinege erklärt, er müsse sich jetzt die Spielregeln der Bundesmittel ansehen, um zu erfahren, ob die Stadt Eigenmittel sparen kann. Ziel sollte es natürlich sein, so wenig wie möglich städtisches Geld einsetzen zu müssen.

 

 

 

Für Thomas Leder, Chef des Stadthallen-Fördervereins, ist die Nachricht „so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk vor dem Advent“. Er sieht darin auch den Beweis, dass es etwas bringt, wenn der Förderverein immer wieder Gespräche sucht. „Mit diesem Geld bekommt man jetzt zumindest die Dächer dicht und die Eingangsbrücke stabil“, sagt Leder. Im nächsten Schritt könnte dann vielleicht im Großen Saal die Kellerdecke stabilisiert werden.

 

 

 

Ungefähr in dieser Reihenfolge wird es wohl tatsächlich laufen, bestätigt Baubürgermeister Michael Wieler. „Wir wollen die Stadthalle nachhaltig sichern und nicht nur provisorisch“, erklärt er. Allerdings wolle die Stadt Maßnahmen ausweichen, die Vorentscheidungen für Sanierungen sind: „Dafür gibt es noch viel Diskussionsbedarf.“ Die Stadträte seien noch sehr unsicher, wohin es mit der Halle gehen kann, gerade in der Frage der Betreibung.

 

 

 

Das bestätigen die Chefs der drei großen Fraktionen im Rat. „Ich möchte erst einmal genau überlegen, wie das Konzept für die Sanierung lauten soll“, sagt Dieter Gleisberg (CDU). Eine schrittweise Sanierung wie bei der ehemaligen Synagoge sei für ihn gut vorstellbar. Den Fördermittelgebern sei klar, dass eine Million nicht reichen wird, aber sie erwarten ein Konzept. „Ich habe noch keins“, gesteht Gleisberg.

 

 

 

Rolf Weidle, Fraktionschef von Bürgern für Görlitz/Bündnisgrünen/Piraten, ist in dieser Frage auch noch nicht weiter. Vielleicht sei eine Stiftung der beste Weg. „Wir brauchen auf jeden Fall schnell ein mit Zahlen untersetztes Betreiberkonzept, da kann sich auch der Förderverein Gedanken machen“, sagt er. Thorsten Ahrens, Fraktionschef der Linken, sieht nicht den Verein in der Pflicht: „Der OB muss jetzt endlich Ideen und Nutzungsprofile entwickeln.“ Da wolle seine Fraktion gern mithelfen, „aber der OB muss das Thema überhaupt erst einmal ansprechen“. Gut wäre es aus seiner Sicht, sich neuen Nutzungsideen nicht zu verschließen, beispielsweise einem großen Raum für Kunstausstellungen, für die in anderen Städten der Platz fehlt.

 

 

 

Deinege weist die Forderung von Ahrens zurück: „Wir machen jetzt erst einmal die Sicherung, und dann werden wir sehen, wie es weitergeht.“ Alles gleichzeitig sei nicht zu schaffen. Die Sicherung werde mindestens bis Ende 2015 dauern, vermutlich sogar bis 2016. Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Betreiber dringend gesucht

 

über die Zukunft der Görlitzer Stadthalle

 

Von Ingo Kramer

 

 

 

Eine Million Euro vom Bund also. Und vermutlich demnächst eine ähnliche Summe vom Freistaat. Und irgendwann wieder was aus Berlin und dann wieder was aus Dresden. Mit ein bisschen Glück zwischendurch vielleicht auch mal was aus Brüssel. Bei der Sanierung der ehemaligen Synagoge jedenfalls funktioniert dieses Spiel sehr gut. Nach und nach wird das schlummernde Juwel an der Otto-Müller-Straße zu einem strahlenden.

 

 

 

So ähnlich könnte es mit der Stadthalle auch laufen. OB Deinege und die Görlitzer Abgeordneten in Berlin und Dresden sind sich in dieser Frage jedenfalls einig, und das ist schon mal die halbe Miete. Allerdings gibt es bei der Stadthalle zwei Probleme: Für die Zeit nach der Sanierung gibt es weder ein Nutzungskonzept noch einen Betreiber. Einfach nur drauflos bauen und dann mal schauen, das wird nicht funktionieren. Alle bisherigen Schätzungen gehen davon aus, dass die Stadt jährlich zwischen einer halben und einer ganzen Million Euro Zuschuss leisten muss, damit die Halle betrieben werden kann. Dieses Geld müsste sie woanders einsparen – vielleicht beim Theater, vielleicht bei der Jugend. Bisher jedenfalls kann niemand mit Zahlen unterlegen, dass der Betrieb eines einzigen Hauses nicht den Rest der Stadt ruiniert. Diese Frage muss schnell geklärt werden.

 

 

 

 

 

SZ 24.11.2014

 

 

 

Rückenwind für die Stadthallen-Anhänger

 

Zusätzliche Millionen, der Rat der Landesdenkmalchefin: Berlin und Dresden schauen, was die Stadt mit der Halle macht. Und in Görlitz gibt es bald eine Bürgerstiftung dafür.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Kaum war die Nachricht von der einen Million des Bundes für die Sicherung der Stadthalle bis nach Görlitz gedrungen, da brachen sich die Klagen schon wieder bahn. Der Kreisvorsitzende der Linkspartei, Mirko Schultze, rechnete vor, dass „die eine Million und die 0,5 Millionen Euro aus dem Stadthaushalt bei Weitem nicht ausreichen“ für eine Sanierung der Stadthalle. Dass die Million dafür gar nicht gedacht ist, war für den Landtagsabgeordneten nicht so wichtig. Auch nicht, dass der Freistaat aus der einen Million zwei Millionen Euro machen wird. Grünen-Stadtrat Joachim Schulze riss deswegen auch der Geduldsfaden und teilte im sozialen Netzwerk mit: „Vermutlich ist Görlitz die einzige Stadt auf der Welt, in der es Leute gibt, die sich über ein ,Eine-Million-Euro-Geschenk‘ aufregen.“

 

 

 

Der grüne Stadtrat galt beim letzten Anlauf als ein Verfechter des Ausbaus der Stadthalle. Er hatte damals bereits eine Kultur- und Wissenschaftsmeile zusammen mit dem Hochschulcampus am Neißeufer vor Augen. Die Fraktion allerdings aus Bürger für Görlitz, Bündnisgrünen und Piraten, der Schulze angehört, ist nicht ganz unschuldig an der momentanen Situation. Unterstützte die Fraktion erst zähneknirschend die Sanierung, so hat sie sich zunehmend davon distanziert. Zuletzt verlangten Fraktionschef Rolf Weidle und Stadtrat Wolfgang Kück vom Freistaat und dem Bund, die Sicherung der Stadthalle finanziell zu 100 Prozent zu übernehmen und vermittelten den Eindruck, als wenn Bund und Land Schuld am Verfall eines städtischen Gebäudes hätten.

 

 

 

Immerhin ist sich der Stadtrat – mit Ausnahme der Linkspartei – einig, dass die Stadthalle gesichert werden muss. Doch damit endet im Moment auch die Einigkeit. Vor allem die Frage, ob die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier der Stadt saniert werden soll, wie es der Förderverein Stadthalle anstrebt, ist umstritten. Das hängt auch damit zusammen, dass zwangsläufig die Nutzung der Halle offen ist. In diese offene Flanke stoßen die Linkspartei und ihre Anhänger genüsslich hinein. Obwohl es kein Nutzungskonzept gibt, wissen sie schon, dass der Bau 20 bis 38 Millionen Euro kostet und welche jährlichen Betriebskosten die Stadt sich mit der Stadthalle auflasten würde. Deswegen malen sie unablässig umfangreiche Streichungen beim Theater und bei den Jugendausgaben an die Wand. Selbst städtische Angestellte äußern sich so auf Internetseiten der Bürger für Görlitz. CDU-Stadtchef Octavian Ursu hält das für gefährlich: „Wir sollten keine Einrichtung in der Stadt gegen die andere ausspielen“, sagt er. Und sein Parteifreund Thomas Leder, der dem Förderverein Stadthalle vorsteht, wundert sich, warum diese Rechnungen immer nur bei der Stadthalle angestellt werden.

 

 

 

Tatsächlich hat der Stadtrat allein in diesem Jahr dauerhafte jährliche Mehrausgaben von rund 200 000 Euro beschlossen. Für das Projekt Bürgerbeteiligung, für die familiengerechte Kommune und bald dafür, um die Kürzungen im Kulturraum für das Theater auszugleichen. Nicht einmal fragten dabei Stadträte: „Müssen wir jetzt bei der Sport- oder Jugendförderung kürzen?“ Weitere Mehrausgaben zeichnen sich ab: Der Betrieb des geplanten Jugendzentrums, der einmal auf jährliche Kosten von 250 000 Euro geschätzt wurde, wird nicht ohne städtischen Anteil ausbleiben. Und mit dem neuen Postplatz sind höhere Pflegekosten in einem hohen fünfstelligen Euro-Betrag verbunden. Auch hier wurden andere Ausgaben, beispielsweise fürs Theater oder die Jugend, nie infrage gestellt.

 

 

 

Am Wochenende nun hat Sachsens oberste Denkmalschützerin Rosemarie Pohlack in der SZ vehement den Stadthallen-Befürwortern den Rücken gestärkt. „Die Stadthalle ist der Raum, in dem die Bürger der Stadt feiern können. Hier drückt sich das Selbstbewusstsein der Stadtgesellschaft aus, und hier speist es sich immer neu“, erklärte sie darin. Sie ließ keine Zweifel daran, wie die Halle künftig genutzt werden könnte: „Genauso wie sie immer genutzt wurde.“ Für Leder und seinen Förderverein ist das Rückenwind, bestätigt es doch deren Auffassungen in vollem Umfang. Doch sind sie auch selbst nicht untätig. Stattdessen hat der Verein mittlerweile eine Satzung für eine Bürgerstiftung Stadthalle entworfen und mit der Landesdirektion abgestimmt, die für Stiftungen zuständig ist. Die Gelder der Stiftung sollen künftig der Stadthalle und dem Stadthallengarten zugutekommen. Auf der Mitgliederversammlung des Vereins am 10. Dezember wird die gemeinnützige Stiftung vorgestellt. Damit hofft der Verein einen Schritt zum großen Ziel näher zu kommen: die Stadthalle bis 2021 zu sanieren.

 

 

 

 

 

09.12.2014

 

 

 

SZ 09.122014

 

 

 

Auf Distanz

 

In der Stadthallendebatte gehen Förderverein und Oberbürgermeister getrennte Wege. Ob auf Dauer, wird sich zeigen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Morgen geht es wieder um die Zukunft der Stadthalle. Dann treffen sich die Mitglieder des Fördervereins. Dessen Vorsitzender Thomas Leder wird eine Satzung für eine Bürgerstiftung vorlegen, die künftig helfen soll Gelder für den Unterhalt der Stadthalle zusammenzutragen und damit die Stadt entlasten soll. Doch dafür muss die Halle erst saniert werden. Unablässig versucht der Verein, die Stadt zu diesem Schritt zu bewegen. Oberbürgermeister Siegfried Deinege und der Stadtrat könnten sich über so viel bürgerschaftliches Engagement eigentlich freuen. Doch ungetrübt fällt die Freude nicht aus. Sie fühlen sich gedrängt, unter Druck gesetzt. Mal mit einer Unterschriftenaktion, mal mit einer Erklärung im Stadtrat. Das könne am Ende genau den gegenteiligen Effekt haben, heißt es dann. Die Halle sei eben nicht einfach von heute auf morgen saniert.

 

 

 

Auch in dem Ende vergangener Woche erst erneuerten Bündnis der beiden größten Fraktionen im Stadtrat kommt diese Vorsicht zum Ausdruck. Zur Stadthalle heißt es da unter der Überschrift „Kultur, Freizeit und Familie“: „Sicherung und Substanzerhalt des Baudenkmals Stadthalle unter Verwendung von Fördermitteln mit Eigenbeteiligung der Stadt mit dem Ziel der Vorbereitung eines abschließenden und wirtschaftlich tragbaren Sanierungs- und Betreiberkonzepts. Suche nach Kauf- und/oder Betreiberinteressenten für die Stadthalle.“ Vor fünf Jahren hatten beide Seiten noch kurz und bündig erklärt, dass der Wiederinbetriebnahme der Stadthalle eine besondere Bedeutung bei der weiteren Belebung der Innenstadt zukomme – und zwar „in der laufenden Wahlperiode“.

 

 

 

So einfach scheint es jetzt nicht mehr zu sein. Das Bündnis vermittelte sogar am Freitag den Anschein, als wäre es froh, die Stadthalle überhaupt in ihrem Arbeitspapier zu erwähnen. „Es ist kein Geheimnis, dass sich meine Fraktion mit der Stadthalle schwertut“, sagte Rolf Weidle für die Bürgerfraktion. Mit dem Passus sei man bereits weit gegangen. Und auch CDU-Stadtchef Octavian Ursu gestand ein, dass im Vergleich zu 2009 der Optimismus zur Stadthalle einer realistischeren Einschätzung gewichen sei. Er selbst hält am meisten von einer scheibchenweisen Sanierung der Stadthalle, ähnlich der Görlitzer Synagoge.

 

 

 

Ein solches Vorgehen hatte freilich der Stadthallenverein schon immer favorisiert – am besten mit einem Beschluss im Stadtrat, die Halle zur 950-Jahr-Feier 2021 wiederzueröffnen. Genau vor einem solchen selbst auferlegten Druck scheut die Mehrheit im Stadtrat momentan zurück: Die Stadt müsse erst schauen, wie sie das Geld zusammenbekommt, und sie hat auch so genügend Aufgaben zu bewältigen, heißt es dann immer. Beispielsweise die Zukunft der Straßenbahn, die Schulsanierungen, Investitionen ins Straßennetz, der Erhalt von Theater und Städtischem Klinikum.

 

 

 

Die Stadthallen-Lobby sieht das eben anders, weil sich nach ihrem Eindruck die Stadt nur bei Druck bewegt. So hätte sich monatelang nichts getan, obwohl die Bauschäden an der Stadthalle spätestens seit den Untersuchungen 2011/12 abzusehen waren. Als dann die schlimmsten Schäden behoben werden sollten, stellten sie sich als noch gravierender heraus. Seit der Stadtrat beschloss, sie auszumerzen, obwohl das Ganze nun nicht 90 000 Euro, sondern eine halbe Million Euro kosten wird, tut sich immer noch nichts. Im November-Stadtrat erklärte OB Deinege, man warte jetzt auf die Zusicherung von Bund und Land, dass die zugesagten Fördermittel auch dann kommen, wenn die Stadt schon mal mit der Sicherung beginne. Thomas Leder fragte danach: „Droht die Stadthalle nun einzustürzen oder nicht? Wenn ja, haben wir doch nicht Zeit auf irgendwelche Genehmigungen zu warten.“ Denn was passiere denn, wenn es plötzlich viel schneie und auf dem Dach und den Seitenwänden der Stadthalle enorme zusätzliche Lasten liegen. Doch werden solche Spekulationen im Rathaus auch schon wieder als der Versuch interpretiert, Druck zu erhöhen. Immerhin bot OB Deinege letztens an, ab neuem Jahr über die künftige Nutzung der Halle nachzudenken – und nicht erst nach der Sicherung 2016.

 

 

 

Wie die Stadthalle genutzt werden kann, ist die offene Flanke der Befürworter. Zwar erhielten sie Auftrieb unlängst durch ein Interview der Landesdenkmalpflegerin Rosemarie Pohlack in der SZ, die auf eine entsprechende Frage einfach meinte: „So wie bisher auch.“ Was das im Detail bedeutet, ist damit längst noch nicht geklärt. Vereinsmitglied Hans-Peter Bauer hat nun eine „Denkschrift zur Kultur in Görlitz“ vorgelegt, die einen Bühnenverbund aus dem Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau und der Stadthalle vorsieht. Die Halle wird in dem Papier als Sitz der Neuen Lausitzer Philharmonie bezeichnet. Die Überlegungen knüpfen an Strukturen in Wien an. Ähnlich wie dort sollen alle Bühnen im Landkreis von einer Gesellschaft bespielt werden. Über dem Technischen und dem Künstlerischen Direktor soll ein Gesamt-Geschäftsführer thronen. Das Papier hat Bauer auch bereits Landrat Bernd Lange übergeben. Zu ganz ähnlichen Überlegungen kam unabhängig davon der frühere Direktor der Kema, Hans-Dieter Scharon. In einem Brief an die SZ beschrieb er das gleiche Szenario einer engeren Verbindung von Theater und Stadthalle. Die zentrale Annahme dieser Vorschläge lautet: Das Theater hat bereits Personal, das auch die Stadthalle bespielen kann. Dadurch würden die Personalkosten niedriger als in allen bisherigen Studien für die Stadthalle ausfallen. Diese Papiere für eine klassische Konzerthalle sind keine fertigen Konzepte. Doch sie zeigen, wie viele die Stadthalle nicht loslässt.

 

 

 

 

 

Erste Engagementbörse beflügelt Ehrenamtliche

 

Mitarbeiter von 40 Vereinen und Initiativen tauschen sich über ihre Arbeit aus und schauen dabei über ihren Tellerrand.

 

Von Christine Marakanow

 

 

 

 

 

„Beflügelt“ fühlt sich Birgit Beltle vom Ideenfluss-Verein, der für die Organisation der 1. Görlitzer Engagementbörse zusammen mit dem SeniorKompetenzTeam den Hut auf hatte. Und nicht nur sie. Das Börsenmotto „Görlitz vereint“ traf ins Schwarze. Es war, als hätten die Ehrenamtlichen von rund 40 Vereinen und Initiativen nur auf die Gelegenheit gewartet, miteinander zu reden und einmal nicht als Konkurrenten aufzutreten. „Die Stimmung unter den Mitwirkenden war fantastisch“, freut sich Birgit Beltle. Es sei ein wohltuendes Miteinander vor und während der Veranstaltung gewesen. Keiner habe sich in den Vordergrund gespielt, schätzt sie ein. Die Börse sei gelungen, besser als sie jemals zu hoffen gewagt habe.

 

Von der ersten bis zur letzten Stunde herrschte im KulTourPunkt des Bahnhofs während der Börse Hochbetrieb, vor allem an den dicht an dicht stehenden Ständen. Einige Vereine kenne ich noch gar nicht. Gut, dass ich mal die Gesichter der Macher sehe und erfahre, womit sie sich beschäftigen. Diese Sätze waren immer wieder zu hören. Zu den noch nicht so bekannten Vereinen gehören der Görlitzer Gebärdenchor mit Nicole Friedrich als Ansprechpartnerin. Sie musste viele Fragen beantworten. Auch Steve Gerlach vom Görlitzer See-Verein. Er nutzte die Chance, sein Netz für mehr Kultur und Kunst am Berzdorfer See zu vergrößern. „Wenn es passt, stehen wir auch als Partner zur Verfügung“, sagte der 28-Jährige. Die Vereine notierten Kontaktadressen und Ideen, manche verabredeten Vorhaben für 2015. Das nächste Mal sollten noch mehr Bürger zum Mitmachen eingeladen werden, war der Wunsch vieler. Vielleicht könnte man die Börse im Stadthallengarten veranstalten und mit einem Fest verbinden, war ein Vorschlag. Im nächsten Jahr könnte man im Stadthallengarten ein großes deutsch-polnisches Kinderfest feiern, schlugen Mitarbeiter des Demokratischen Frauenbundes vor. „Warum nicht“, sagte Anneliese Karst vom Stadthallen-Verein. Sie sammelte eifrig Ideen und Anfragen zur Nutzung des Stadthallengartens und ist zuversichtlich, dass 2015 dort einiges passieren wird.

 

Dass sich OB Siegfried Deinege am letzten Börsentag Zeit für jeden Verein nahm, kam gut an. „Sieben Minuten hat er sich mit uns unterhalten“, sagt Dietmar Hawelky vom „Alkanti-Magazin“. Dass der OB den Wunsch des Vereins, der in der Suchtprävention tätig ist, nach größeren Räumen nicht gleich erfüllen kann, ist für Dietmar Hawelky verständlich. Gefreut habe er sich darüber, dass der OB die Arbeit der Ehrenamtlichen wertschätzt.

 

 

 

 

 

20.12.2014 Der nächste Geldregen für die Stadthalle

 

 

 

Insgesamt stehen 4,3 Millionen Euro bereit. Das reicht für weit mehr als nur die Sicherung. Der Zeitplan ist noch offen.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Im Trubel der Stadtratssitzung am Donnerstagabend ist die Nachricht vollkommen verpufft. „Wir haben beim Freistaat ein Paket von 2,3 Millionen Euro für die Stadthalle beantragt“, informierte OB Siegfried Deinege während der Fragestunde. Und gab im nächsten Satz bekannt, dass das Geld vom Freistaat jetzt beiseitegelegt worden sei: „Wir werden dieses Paket nun Stück für Stück abarbeiten.“

 

 

 

Bisher war immer von einer Million Euro die Rede gewesen. Und die sollte vom Bund kommen. „Kommt sie auch“, erklärt Bürgermeister Michael Wieler im Exklusiv-Interview mit der Sächsischen Zeitung. Der Bund habe eine Million schriftlich zugesagt und der Freistaat eine weitere Million mündlich angekündigt, sodass Bund und Land gemeinsam ein Zwei-Millionen-Paket zur Verfügung stellen werden. Die 2,3 Millionen, die der OB genannt hat, seien hingegen reine Landesmittel. „Über diese Mittel verhandeln wir seit neun Monaten sehr intensiv mit dem Freistaat“, so Wieler. Insgesamt stehen also nach seiner Aussage 4,3 Millionen Euro zur Verfügung.

 

 

 

Kein Termin für Wiedereröffnung

 

 

 

Wofür welche Summe eingesetzt werden darf, ist allerdings nur teilweise klar. Sicher ist: Die 2,3 Millionen sollen scheibchenweise für die Sicherung zur Verfügung gestellt werden. Allerdings nicht nur für die reine Sicherung. „Das, was wir sichern, können wir im gleichen Bauabschnitt auch gleich sanieren, denn sonst müssten wir ja später noch ein zweites Mal ran“, erklärt der Bürgermeister. Bei den 2,3 Millionen sind die Strebepfeiler enthalten, die dabei auch gleich mit Beton ummantelt werden können, um sie für die Zukunft sicher zu machen. Ebenfalls enthalten sind die Dächer und andere Arbeiten an der Statik. Die Parkettdecke soll ausgebaut und stattdessen eine Stahlbetondecke eingezogen werden. „Dieses gesamte Paket hat der Freistaat im Grundsatz akzeptiert“, so Wieler.

 

 

 

Wofür die zwei Millionen von Bund und Land genutzt werden können, ist hingegen noch unklar. Ebenfalls offen ist dort der Eigenanteil der Stadt. Laut Wieler wird er maximal zehn Prozent betragen, vielleicht auch weit weniger. Bei den 2,3 Millionen dagegen steht fest, dass die Stadt zehn Prozent selbst tragen muss, also 230 000 Euro. Zum Vergleich: Bei dem Plan, den der Stadtrat noch im Oktober beschlossen hatte, sollte die Stadthalle für 555 000 Euro gesichert werden, davon 240 000 Euro Eigenmittel. Jetzt wird also mit einem fast identischen Eigenmittelanteil die vierfache Bausumme erreicht, vielleicht sogar die achtfache. Wichtig für die Stadt: An die Fördermittel ist nicht die Bedingung geknüpft, dass die Halle am Tag X wiedereröffnen muss. Bisher ist nämlich völlig unklar, wie der Rest der Sanierung und vor allem ein Betrieb der Halle finanziert werden sollen.

 

 

 

Der Haken an all den Fördermitteln: Die Stadt kann nicht sofort losbauen, auch wenn sie das gern tun würde. Stattdessen müssen überall einzelne Anträge eingereicht und dabei konkrete Bauabschnitte neu aufgeteilt und beschrieben werden. Anschließend muss die Stadt auf die jeweiligen Zusagen warten. Wann die kommen, ist unklar. Wieler rechnet aber damit, dass das nicht mehr ewig dauert, zumindest nicht für den ersten Teil der Gelder.

 

 

 

Stadt will schnell loslegen

 

 

 

Laut Deinege hat die Stadt einen Antrag auf „förderunschädlichen Baubeginn“ gestellt. Das heißt also, dass sie loslegen will, bevor die Fördermittel da sind. Auf eine Antwort wartet die Stadt derzeit. Erst dann kann sie Firmen beauftragen. Und hoffen, dass diese dann Zeit haben und möglichst schnell anfangen. Aber was, wenn diese Zusage im tiefsten Winter kommt? „Dann müssen wir sehen, was möglich ist“, sagt Wieler. Auf jeden Fall soll möglich unverzüglich gebaut werden, sobald die Stadt die Genehmigungen hat. Alles in allem rechnet er fest damit, dass die gesamten 4,3 Millionen Euro in den Jahren 2015 und 2016 verbaut werden können: „Und wir können damit erheblich mehr tun als gedacht.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 2015 Stadthalle Zeitung

 

 

 

 

 

10.01.2015

 

Ein neuer Ruck für die Stadthalle

 

Der Miteigentümer des Mercure-Hotels startet eine neue Benefizaktion für die Stadthalle. Ein neues Nutzungskonzept soll es auch geben.

 

 

 

Von Dr. Hans Fey

 

 

 

Liebe Görlitzer,

 

 

 

ich äußere mich als Außenstehender zur Stadthalle und höre im Geiste schon die erste verärgerte Reaktion: „Was bildet denn der sich ein, da will einer der Görlitzer Stadtpolitik den Spiegel vorhalten, ein Unbekannter, der noch dazu aus dem satten München kommt und unsere Haushaltsnöte nicht kennt“. Bitte lesen Sie weiter. Ich stelle mich vor. Vor 15 Jahren bin ich als Bankvorstand in Pension gegangen. Ich kümmere mich jetzt um einige wenige wirtschaftliche Engagements. In meinem früheren Leben konnte ich auch kulturelle Initiativen begründen, die bis heute Bestand haben. So habe ich 1983 die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung ins Leben gerufen, die mit jährlich 300 000 Besuchern eine geradezu unentbehrliche Einrichtung des Münchner Kulturlebens geworden ist.

 

 

 

In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts gegründet, die in Görlitz das Mercure-Parkhotel errichtete. Die Stadt verkaufte ihr das benötigte Grundstück und opferte dafür sogar eine öffentliche Einrichtung, nämlich den Sportplatz an der Neiße. So stark war also ihr Interesse an einem großen Hotel als einer unentbehrlichen Ergänzung der benachbarten Stadthalle, von deren Betrieb und künftigem Gedeihen man selbstverständlich ausging. Das Hotel wurde planmäßig gebaut und läuft gut. Wie es mit der Stadthalle weiterging, wissen Sie. Die genannte Gesellschaft des bürgerlichen Rechts musste aus mehreren Gründen im Jahre 2014 völlig umstrukturiert werden. Betreiberin des Mercure-Parkhotels ist jetzt die von mir gegründete „Tetolia Hotelbetriebsgesellschaft mbH“, deren Geschäftsführer ich bin. Ich bin einer der Hotelinvestoren der ersten Stunde und bin heute auch Komplementär der „KG Grundstücksverwaltung Parkhotel Görlitz“. Insofern bin ich zwar kein Görlitzer, aber eigentlich auch kein Außenstehender, und vielleicht bin ich als Vertreter des unmittelbaren Nachbarn der Stadthalle sogar in besonderer Weise legitimiert, mich zu äußern. Nun fürchte ich, dass ich damit bereits einen zweiten Einwand provoziert habe: „Der will ja nur sein Hotel voll kriegen“. Ja, da ist was dran. Aber das „nur“ stimmt nicht. Was ich für die Hotelinvestoren in Sachen Stadthalle will, ist nicht gegenläufig zu den wohlverstandenen Interessen der Stadt, sondern entspricht ihnen hundertprozentig. Und: Die Investoren müssen sich nicht schämen, wenn sie die Gegebenheiten realisiert sehen wollen, die seinerzeit mit der Stadt abgesprochen waren und die die Grundlage ihrer Bereitschaft waren, ihr Geld hinzugeben. Das Investment hat ihnen bisher alles andere als Freude bereitet.

 

 

 

Görlitz ist eine wunderbare Stadt, die schönste der schönen, wie manche sagen. Ich liebe sie, wie das viele tun. Ihre Vorzüge muss ich hier nicht ausmalen. Ich habe es nie fassen können, dass dieses Görlitz es einfach nicht fertig bringt, die Stadthalle zu sanieren und wieder zu eröffnen. Dabei hat die Stadt auch hier viele Trümpfe in der Hand. Sie besitzt für die Stadthalle als eines der Wahrzeichen der Stadt ein Jugendstil-Juwel mit hervorragender Akustik und einer himmlischen Orgel mit Weltgeltung und von unschätzbarem Wert – wie würden sich da andere Kommunen die Finger ablecken, die so etwas nicht haben und gleichwohl auf eine Stadthalle nicht verzichten. In Deutschland sind nach dem Krieg in großer Zahl Stadthallen emporgeschossen, nicht wenige sind Klötze von bemerkenswerter Scheußlichkeit. Jede Stadt, die auf sich hält, hat eine Stadthalle und betreibt sie aktiv. Görlitz, ausgerechnet Görlitz, aber schafft es nicht.

 

 

 

Eine wieder eröffnete Stadthalle würde das Kulturleben ungemein bereichern. Sie würde auch berühmte Künstler in die Stadt ziehen, allein schon wegen der einzigartigen Sauer-Orgel. Eine klug gemanagte Stadthalle dient nicht zuletzt der Jugendarbeit, der die Görlitzer Stadtregierung mit Recht hohen Rang einräumt. Natürlich muss eine Stadthalle insgesamt wirtschaftlich arbeiten, kann sich daher nicht nur den schönen Musen widmen, sondern muss sich bemühen, für die in ihr durchgeführten Veranstaltungen (darunter auch größenmäßig geeignete Messen) Interessenten von nah und fern anzuziehen, im Wettbewerb mit anderen Städten. Die Stadthalle in Görlitz hätte dabei unschätzbare Startvorteile, nämlich eine herrliche Stadtkulisse, eine kulturelle Atmosphäre und ein dadurch geprägtes Image in einer breiten Öffentlichkeit.

 

 

 

Aber: Das offizielle Görlitz wuchert nicht mit seinen Pfunden, sondern ergeht sich in Verzagtheit. Und es ist noch viel schlimmer. Nach allem, was ich in der letzten Zeit in Gesprächen mit unterschiedlichen Görlitzern und aus den Veröffentlichungen im Internet erfahren habe, wollen manche Leute, darunter vor allem stadtpolitische Entscheidungsträger, die Stadthalle gar nicht ernsthaft, und einige möchten sie sogar verhindern. Vielleicht, weil sie Kürzungen der bisherigen Zuwendungen aus städtischen Mitteln befürchten (so soll es beim Theater sein) oder weil die ihnen gehörenden Lokalitäten, die derzeit als notdürftiger Ersatz für die geschlossene Stadthalle dienen, nach deren Wiedereröffnung nicht mehr gebraucht würden. Die Gegner der Stadthalle machen einen gewaltigen Fehler, wenn sie nur Partikularinteressen folgen und nicht das große Ganze sehen. Eine Stadthalle ist nun mal auch ein Wirtschaftsfaktor. Görlitz hat eine lebhafte Sommer-, aber eine trübe Wintersaison. Die Stadthalle würde nachhaltig Abhilfe schaffen. Sie würde auch im Winter mehr Leben in die Stadt bringen. Stichwort: Ganzjahrestourismus. Das käme nicht nur den Hotels zugute, sondern natürlich auch dem Handel und Gewerbe sowie allen sonstigen Leistungsträgern. Die Stadthalle ist eine Trägerin der Stadtentwicklung, und sie ist Werbung für die Stadt als Standort. Wenn die Stadt so insgesamt voran gebracht wird, fließen der öffentlichen Verwaltung mehr Mittel zu und auf diesem Wege profitieren dann alle. Stellung und Ansehen von Görlitz, und nicht zuletzt auch der Stolz der Bürger auf ihre Stadt und die Bindung an sie würden steigen. An einem „Stadtmarketing“ dieser Art ist normalerweise jede Kommune interessiert.

 

 

 

Aber es fehlt nicht das Geld, sondern der Wille, jedenfalls der politische Wille. Wenn sich die Stadt und insbesondere die Stadtpolitiker einig wären im unbedingten Wollen, wäre die Stadthalle längst schon wieder eröffnet. Man kann alles erreichen, wenn man es nur wirklich will. Ich weiß, und das ist das Gute an der Sache, dass ich bei den meisten Görlitzer Bürgern offene Türen einrenne. Aus dem Internet und den Leserbriefen an die SZ habe ich überaus viele Zeugnisse sowohl emotionaler als auch rationaler Bindung an die Stadthalle und tiefes Bedauern weiter Bevölkerungskreise über den derzeitigen Zustand entnommen. Ein großes Aktivum ist auch, dass in der Stadt mit dem Förderverein der Stadthalle bereits eine unentbehrliche und zielführende Einrichtung besteht. Ich bewundere den beständigen, durch Rückschläge nicht zu erschütternden Einsatz dieses Vereins.

 

 

 

Natürlich weiß ich, dass die Finanzierung der Stadthalle kein einfaches Unterfangen ist. Man kann auch kaum auf einen privaten Investor warten, den es aus dem Himmel regnet und der alle Probleme löst. Denn woher soll für diesen die Rendite kommen, wenn die Betriebsgesellschaft keine Pacht zahlen kann, weil sie schon die Betriebskosten nicht voll erwirtschaftet. Und von Letzterem muss man vorsorglich ausgehen, auch wenn ein kluges Konzept und ein ebenso kluges Management der Betriebsgesellschaft den von der Stadt auszugleichenden Fehlbetrag auf ein Minimum reduzieren können, das tragbar ist. Die Stadt ist aber nicht allein auf sich gestellt, sondern kann erwarten, dass der weitaus größte Anteil der Finanzierung von Land, Bund und der EU geschultert wird. Natürlich wird aller Voraussicht nach trotz Anzapfens aller nur irgendwie möglichen Finanzierungsquellen letztendlich ein Eigenmittelanteil bei der Stadt verbleiben. Das ist dann sicher ein Kraftakt, der aber wohl durch die Aufnahme eines Kommunaldarlehens zeitlich gestreckt und damit stark gemildert werden kann. Es wäre bei den aktuell extrem niedrigen Zinsen fast schon sträflich, diese derzeit so besondere Chance auszulassen.

 

 

 

Um eine Wende herbeizuführen, bedarf es eines neuen, glaubhaften Anlaufes, und dazu will ich ermuntern. Dabei denke ich an einen Weg, der bisher in Görlitz jedenfalls in dieser Form noch nicht diskutiert worden ist. Um zu verdeutlichen, was ich mir vorstelle, ein Beispiel aus München: Edmund Stoiber, gerade bayerischer Ministerpräsident geworden und voll des Spareifers, verkündete in seiner Regierungserklärung patzig, eine Pinakothek der Moderne sei zwar wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig. Daraufhin nahm 1994 die Bürgerschaft die Sache in die Hand und gründete eine Stiftung. Deren umfassende Aktivitäten brachten rund 13 Millionen Euro ein. Die öffentliche Hand verweigerte sich nun nicht mehr; die Pinakothek der Moderne wurde gebaut.

 

 

 

Wie die Stadthalle vor mehr als 100 Jahren gebaut wurde, ist ein weiteres Beispiel. Obwohl damals eine reiche Stadt, hatte Görlitz für den Bau der lange im Gespräch befindlichen Stadthalle keineswegs so ohne Weiteres die Mittel dazu. Man verwies – wie heute – auf das Loch im städtischen Haushalt. Auch damals musste eine Bürgerinitiative helfen, deren Initiator Graf Bolko von Hochberg war. Mittels einer Lotterie brachte man 300 000 Reichsmark und damit die heute unvorstellbare Größenordnung von über einem Drittel der Bausumme zusammen. Aus neuerer Zeit sei auch noch die Frauenkirche in Dresden erwähnt. Am Anfang waren es nur zehn Bürger, die sich die Initiative zum Wiederaufbau der Frauenkirche auf die Fahne schrieben. Das brachte die Wende in einem bis dahin geführten Streit. Die Initiative wuchs rapid, es bildeten sich sogar Freundeskreise in 23 Staaten. Spendenaufkommen insgesamt 90 Millionen. Selbstverständlich beteiligten sich dann auch der Freistaat Sachsen und der Bund. Auf die Stadt Dresden entfielen so von den 180 Millionen Gesamtkosten nur 12 Millionen. Man sieht: Es geht also. Bürger können etwas bewirken. Warum soll in Görlitz nicht gehen, was in München, Dresden, Berlin ging oder gerade geht? Die hohen Beträge in diesen Beispielen müssen nicht schrecken. Sie sind kein Maßstab für Görlitz. Es geht auch einige Nummern kleiner. Hauptsache ist, dass sich der Bürgerwille auf diese Weise manifestiert und dadurch eine Anschubfinanzierung zustande bringt. Und in unserem speziellen Fall können die Görlitzer auf diese Weise demonstrieren, dass sie in ihrer überwältigenden Mehrheit die Stadthalle tatsächlich wollen. Das ist nach dem, was passiert ist, nötiger denn je. Mein Ziel ist, dass unter dem Dache des Fördervereins eine Initiative „Neuer Beginn Stadthalle“ Geld einsammelt, das dann im Sinne einer Anschubfinanzierung Teil der Gesamtfinanzierung ist, sobald die Komplettsanierung und Wiedereröffnung der Stadthalle gesichert ist. Die Rechtsform der Initiative wird zur Zeit noch geprüft, das Gleiche gilt für die Wege, Geld einzusammeln.

 

 

 

Von der zur Zeit in der Diskussion befindlichen Sanierung in Teilschrittchen halte ich nichts. Es gibt auch keine staatliche Förderung in Teilschritten. Die Stadthalle braucht schnellstens eine Zukunft, darum muss sich Görlitz bemühen. Ein Anpeilen des Jubiläumsjahres 2021 würde bedeuten, dass man den jetzt schon zehnjährigen Dornröschenschlaf der Stadthalle heute bewusst um sieben Jahre verlängert, ohne zu wissen, ob es dann was wird. Das hieße: auf die lange Bank schieben. Görlitz muss endlich einmal den großen Wurf wagen, auch gegen den Widerstand der ewigen Taktierer, Bedenkenträger und Ängstlichen. Den Menschen, vor allem den jüngeren wird viel zu wenig gesagt, was ihnen durch das Fehlen der Stadthalle an Kunst, Unterhaltung, Wissensvermittlung, Sporterlebnissen, Ausstellungsereignissen, Geselligkeit und vielem anderen, kurz gesagt: an Lebensbereicherung, entgeht.

 

 

 

Allgemein wird beklagt, dass ein schlüssiges Nutzungskonzept bisher nicht vorliegt. Ich habe deshalb eine Studie zu diesem Thema bei einer auf Stadthallen spezialisierten Beratungsgesellschaft beauftragt. Nicht als Gegengutachten zu dem 2011 von Drees und Sommer bekanntlich erstellten umfangreichen Gutachten, sondern als eine Ergänzung. Die Kosten dafür übernimmt die das Parkhotel betreibende Tetolia. Liebe Görlitzer, ich richte an alle Görlitzer einschließlich Umgebung die herzliche Bitte: Unterstützen Sie die Initiative „Neuer Beginn Stadthalle“ mit Rat und Tat. Wie Sie das im Einzelnen tun können, werden wir Ihnen noch mitteilen. Schließen Sie sich bitte auch dem Förderverein an.

 

 

 

 

 

 

 

16.01.2015

 

 

 

Stadt vergibt Stadthallen-Auftrag

 

Die Firma beginnt jetzt mit dem Bau der Strebepfeiler. Sie werden im April angeliefert.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Der Freistaat hat am Dienstag der Stadt erlaubt, mit der Sicherung der Stadthalle zu beginnen. Darüber informierte jetzt Baubürgermeister Michael Wieler im Technischen Ausschuss: „Noch am gleichen Tag haben wir der Firma den Auftrag erteilt.“

 

 

 

Die Stahlkonstruktion der neuen Strebepfeiler wird jetzt in einem Werk angefertigt und später per Tieflader nach Görlitz gefahren. „Nach Angaben der Firma werden die Strebepfeiler in 14 Wochen angeliefert“, erklärt Wieler auf SZ-Nachfrage. Das wäre also in der zweiten April-Hälfte.

 

 

 

Bei den jetzt beauftragten Arbeiten handelt es sich um das 555 000-Euro-Projekt zur Sicherung der Stadthalle, das der Stadtrat beschlossen hatte. Die Arbeiten im Umfang von 4,3 Millionen Euro, für die bereits Fördermittel aus verschiedenen Töpfen bei Bund und Land zugesagt sind, müssen hingegen noch geplant werden. Das wird bis April dauern.

 

 

 

„Es stehen noch weitere Abstimmungsgespräche an, bei denen es darum geht, was alles gefördert werden kann“, erklärt Wieler.

 

 

 

 

 

Die Angst geht auf Streife

 

Die Bürgerinitiative „Sicheres Ostritz“ kontrolliert den Übergang nach Polen – mit Erfolg. Die Polizei sieht das kritisch.

 

 

 

Von Thomas Christmann

 

Vier Männer von der Initiative „Sicheres Ostritz“ schauen von der Grenzbrücke nach potenziellen Dieben. Foto: Matthias Weber

 

Vier Männer von der Initiative „Sicheres Ostritz“ schauen von der Grenzbrücke nach potenziellen Dieben. Foto: Matthias Weber

 

Sie stehen auf der Brücke. Dunkle Kleidung, Kapuzen oder Mützen tragen die Männer, zwei schauen durch ein Fernglas. Erkannt werden will keiner unbedingt. Die Vier gehören zur Bürgerinitiative „Sicheres Ostritz“. Vom Grenzübergang aus haben sie die Neiße im Blick, um potenzielle Diebe aus Polen auf-, besser noch abhalten zu können. „Wir kennen schon langsam unsere Pappenheimer“, sagt der Gründer der Gruppe, 37 Jahre alt, berufstätig und zweifacher Familienvater.

 

 

 

Auch er ist von Diebstählen betroffen, durch seinen Kleingarten am Grenzfluss. Vor drei Jahren begannen diese. Anfangs verbrachte der Ostritzer mit Frau und Kindern die Wochenenden in der Laube. Das ist vorbei, seit Unbekannte in einer der Nächte versuchten, einzubrechen, während sie schliefen. Rund 20 Fälle zählt der Familienvater inzwischen. Fernseher, Receiver, Kabel, Gartentor, Gummistiefel, Schubkarre, Springbrunnenpumpe – alles haben die Täter mitgenommen. „Die Klauerei in meinem Garten noch das kleinste Übel, sie nimmt insgesamt überhand“, sagt er. Habe man noch vor der Grenzöffnung das Auto auf dem Grundstück offen stehen lassen können, müsse jetzt jeder Gartenstuhl beaufsichtigt werden. Alle würden rumheulen, die wenigsten aber etwas machen. Der 37-Jährige handelte und begann mit seinen zwei Brüdern auf nächtliche Streife zu gehen. Weitere Männer stießen dazu. Nun sind sie zwei- bis dreimal die Woche – wie ihre Arbeitszeit das zulässt – unterwegs, kontrollieren die Grenzbrücke.

 

 

 

Schon manchen Diebstahl konnte die Initiative verhindern oder beim Ermitteln der Täter helfen, auch kurz vor Weihnachten. Stunden zuvor bemerkte der Gründer zwei Polen, die mit Jogginghose, Kapuzenpullover und Rucksack ausgestattet, in die Grundstücke schauten. Wenn diese tagsüber herumschleichen würden, sei nachts mit einem Diebstahl zu rechnen, sagt er. Deshalb standen die selbst ernannten Wächter gegen Mitternacht in der Nähe der Brücke, als zwei Polen in ein nahe gelegenes Gebäude eindrangen. Zu viert und mit einem Anhänger kamen diese dort heraus. Die Ostritzer schrien „Stehen bleiben“, doch einer entkam über die Brücke, zwei flohen ins ehemalige Armeegelände und einer flüchtete in die Neiße. Die Initiative rief die Polizei und blieb am Fluss. Erst kam eine zivile Streife, die laut Initiative aber nicht auf die polnische Seite durfte, dann folgten Uniformierte, die rüber konnten, doch erst die polnischen Kollegen holten den Dieb aus dem Wasser.

 

 

 

Was die Mitglieder ärgert: nach Aufnahme der Personalien durfte dieser gehen. Eine Stunde später hörten sie, wie Türen schlugen, ein Auto wegfuhr. Vermutlich stiegen dort die anderen Diebe ein. Die Initiative ist enttäuscht von der Polizei, die sich ihrer Aussage nach in den Fällen gerne mit zügigen Einsätzen und einer tollen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit rühmt – doch die fast eine Stunde brauchte, um den Polen aus der Neiße zu holen. „Dabei sind die Beamten selber unzufrieden“, sagt der 37-Jährige angesichts täglicher Vorkommnisse. Der Eigentümer des Anhängers hat sogar den Eindruck, dass die Diebe gar nicht gefangen werden sollen. „Das ist doch die beste Arbeitsplatzgarantie“, sagt Alexander Junge, der rund 30 Einbrüche in sein Grundstück zählte – und der Polizei schon mangels Vertrauen keine Fälle mehr meldet. Er freut sich deshalb, dass die Initiative nun aushilft.

 

 

 

Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz spricht bei dem Fall erst einmal von einem Erfolg, weil der Eigentümer die Beute zurückerhielt und ein Verdächtiger auf frischer Tat durch das Zusammenwirken sächsischer und polnischer Kollegen gestellt werden konnte. Eingetroffen sind alle Einsatzkräfte zwischen 0.10 und 0.30 Uhr. Dass zivile nicht auf polnisches Hoheitsgebiet dürfen, stimmt nicht. „Polizeibeamte müssen lediglich als solche eindeutig erkennbar sein“, sagt er und meint damit eine Uniform, Warnweste oder andere Kennzeichnung. Dahinter steckt die sogenannte Nacheile mit dem Ziel, Tatverdächtige zu stellen und an die zuständige Polizei im Ausland zu übergeben. Jedoch besteht laut Knaup nicht die Möglichkeit, diese unmittelbar auf deutsches Gebiet mitzunehmen. Wenn die Polizei des anderen Landes bereits vor Ort ist, entfällt die Nacheile.

 

 

 

Dass in dem Fall der gefasste Pole nach Feststellung seiner Personalien und einer ersten Vernehmung wieder auf freien Fuß kam, ist nach Auskunft des Sprechers den Gesetzen auf beiden Seiten der Neiße geschuldet. Wenn keine Haftgründe zu erkennen seien, müsse der Mann laufen gelassen werden, sagt er. Die Ermittlungen laufen derzeit. Die Polizei ist nach Sicht von Knaup bei ihren Ermittlungen immer auf Bürger und Zeugen angewiesen, die Fälle bemerken und schnellstens darüber informieren. Alles, was darüber hinausgehe, überschreite eine rote Linie. „Eine Bürgerwehr, die außerhalb bestehender Gesetze für Sicherheit und Ordnung sorgen möchte, lehnt die Polizei entschieden ab.“ Die Initiative aber will weiter machen, sagt der 37-jährige Gründungschef. Angst habe der Familienvater nicht. Er hofft, dass sich die Kontrollen herumsprechen. Im benachbarten Leuba gibt es ähnliche Bestrebungen.

 

 

 

 

 

SZ 20.01.2015

 

 

 

Wofür reichen vier Millionen für die Stadthalle?

 

Die Bürger für Görlitz lösen eine Debatte aus: Wird nur gesichert oder schon saniert?

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Hat mit seinenÄußerungen zur Stadthalle eine heftige Debatte ausgelöst:Rolf Weidle.Foto: BfG

 

Hat mit seinen Äußerungen zur Stadthalle eine heftige Debatte ausgelöst: Rolf Weidle.Foto: BfG

 

© andré schulze

 

Rolf Weidle hatte zur Stadthalle schon alles gesagt. Der Fraktionschef der Bürger für Görlitz erläuterte nochmals beim Neujahrsempfang das Ja seiner Wählervereinigung zur Sicherung und schrittweisen Sanierung der Stadthalle, er begrüßte die Initiative des Stadthallenvereins zur Gründung der Stiftung für die Halle wie auch für eine Spendensammlung durch den Mitinhaber des Mercure-Hotels. Dessen Kritik an der Art und Weise, wie die Stadt mit der Stadthalle umgeht, sowie dessen Aufforderung, schneller als bislang geplant, das Haus zu sanieren, ließ Weidle aber noch einen weiteren Satz in sein Manuskript einfügen. „Aus heutiger Sicht sehen wir jedenfalls keine Möglichkeit in den nächsten zwei bis drei Jahren die Stadthalle zu einem führenden Wirtschaftsfaktor in unserer Stadt zu entwickeln.“

 

 

 

Seit der Satz in der Welt ist, reißen die Reaktionen nicht ab. „Jetzt, wo die ersten Gelder fließen können, wird zurückgerudert“, fragt SZ-Leserin Ursula Lindner. „Mit dieser Haltung werden sich die Bürger für Görlitz aber sehr unbeliebt machen.“ Stadthallenvereins-Chef und CDU-Stadtrat Thomas Leder schüttelt ebenso den Kopf: „Jetzt nach der Zusage von über vier Millionen Euro ist das nicht nachvollziehbar. Wem nutzt es ein Haus der Kultur und Stadtgemeinschaft in Görlitz nicht zu eröffnen? Der Stadt Görlitz und seinen Bürgern nicht!“ Andere wiederum stoßen sich an dem „führenden Wirtschaftsfaktor“, den Weidle als Maßstab für eine Sanierung der Stadthalle anlegte. Ist denn das der Stadt am Berzdorfer See gelungen, so fragen SZ-Leser im sozialen Netzwerk Facebook, der doch seit Jahren von der Görlitzer Stadtpolitik als besonders wichtiger Wirtschaftsfaktor bezeichnet werde? Und obwohl das am See augenscheinlich nicht erreicht wurde, bleibt der See ganz oben auf der Aufgabenliste der Stadt.

 

 

 

Die Aufregung um Weidles Aussage ist nicht allein mit seinen Worten zu erklären. Im Grunde hat er nur wiederholt, was auch schon im Bündnisvertrag mit der CDU beschrieben wurde, der bis 2019 gelten soll. Dort steht zur Stadthalle: „Sicherung und Substanzerhalt des Baudenkmals Stadthalle unter Verwendung von Fördermitteln mit Eigenbeteiligung der Stadt mit dem Ziel der Vorbereitung eines abschließenden und wirtschaftlich tragbaren Sanierungs- und Betreiberkonzepts. Suche nach Kauf- und/oder Betreiberinteressenten für die Stadthalle.“ Kein Wort von einer Sanierung.

 

 

 

Das war bereits ein Rückschritt im Vergleich zum Vertrag, den CDU, FDP, Bürgerverein und Bündnisgrüne 2009 abgeschlossen hatten. Damals hieß es: „Strategische Kernbereiche der Stadtentwicklung in der laufenden Wahlperiode sind die weitere Belebung der Görlitzer Innenstadt, hierbei kommt der Wiederinbetriebnahme der Stadthalle eine besondere Bedeutung zu.“

 

 

 

Wenn es also nicht nur an den, wenngleich klaren Worten Weidles liegt, dann hat es womöglich etwas mit dem Zeitpunkt zu tun. Denn seit die beiden größten Fraktionen im Stadtrat ihr Bündnispapier unterschrieben haben, ist für die Stadthalle viel geschehen. Wider Erwarten haben Bund und Freistaat mittlerweile 4,3 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre zugesagt. Eine Summe, die weit über die ursprünglich geplanten Bauarbeiten für die dringlichsten Bauschäden hinausgeht. Trotzdem weiß niemand so recht, was die Stadt mit den Millionen an der Stadthalle bis April planen und anschließend bauen will. Wie weit werden die Säle nutzbar sein? Werden die Toiletten in der Halle instand gesetzt? Was ist mit der Heizung? Deswegen hat der Stadthallen-Förderverein am Wochenende nun eine Frageliste an Oberbürgermeister Siegfried Deinege geschickt. Der Verein will Klarheit darüber haben, welche Bauschäden an der Stadthalle vorliegen, wer die Arbeiten plant, welche Bauteile im Rahmen der Sicherung instand gesetzt werden und welche Bauarbeiten mit den Mitteln vorgenommen werden, die über eine Sicherung hinausgehen.

 

 

 

Schließlich spricht Deinege immer davon, dass eben nicht nur gesichert, sondern in manchen Bereichen auch saniert wird. Am Wochenende erklärte er vage nach Gesprächen in Ministerien, es sehe für die Stadthalle gut aus. Genau das aber nährt die Erwartungshaltung unter den Bürgern, dass eben die Sanierung der Stadthalle jetzt beginne und dann natürlich fortgesetzt wird.

 

 

 

Genau diesen Punkt griff auch Mercure-Mitinhaber Hans Fey in seinem Beitrag in der SZ auf. Unterstützung von Berlin und Dresden, so meinte der pensionierte Bankvorstand aus München, sei ja also nachgewiesenermaßen da, jetzt müsse die Stadt einfach mutig die gesamte Sanierung in Angriff nehmen. Beispielsweise, indem sie auch im Moment besonders zinsgünstige Kredite für die Stadthalle aufnimmt. Für Fey ist es nicht eine Frage der Leistungsfähigkeit, sondern einfach des Wollens.

 

 

 

Genau das aber streitet Weidle ab. „Viele unserer Kritiker akzeptieren nicht die bestehende Wirtschafts- und Finanzlage der Stadt.“ Und an anderer Stelle erklärte er, dass die Stadt wie jede Familie oder erfolgreiches Unternehmen nicht mehr Geld ausgeben kann als Einnahmen vorhanden sind. Doch ganz stimmt das eben nicht: Für den Bau der neuen Turnhalle an der Hugo-Keller-Straße kündigte die Stadt an, einen Kredit aufzunehmen – weil ihre Einnahmen dafür nicht reichen.

 

 

 

 

 

26.01.2015

 

 

 

Die Leidenschaft ging verloren

 

Es ist Zeit für ein klares Bekenntnis zur Stadthalle. Die Stadt soll endlich agieren – statt nur zu reagieren.

 

 

 

Von Renate Schwarze

 

 

 

Was wir brauchen, ist ein klares Bekenntnis zur Stadthalle, das auch den Reden der Neujahrsempfänge und bevorstehenden Wahlen standhält. Wie kann dieses Ziel erreicht werden? Dazu müssen wir, wie das in einer Stadtgesellschaft üblich ist, dieses Thema mit der Bürgerschaft diskutieren. Bereitschaft dazu signalisiert nicht nur der Förderverein der Stadthalle.

 

 

 

Wie Siegfried Deinege in seiner Neujahrsrede selbst anführte und was letztlich dazu führte, die Sanierung nicht zu beginnen, war lediglich „der zur Verfügung stehende Zeitrahmen, in dem das Projekt nicht fertig zu stellen war und möglicherweise zur Rückzahlung der Fördermittel geführt hätte. Um finanziellen Schaden von der Stadt abzuhalten, wurde dieser Beschluss letztlich im Stadtrat gefasst. Aber wie ist es mit immateriellen Schäden, wie Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit?

 

 

 

Seit diesem Rückzug ist die Leidenschaft verloren gegangen, mit der wir vorher für die Komplettsanierung der Stadthalle votierten. Die 2012 im Haushalt vorhandenen Eigenmittel zur Sanierung sind in andere Projekte geflossen. Reagieren statt agieren, je nach öffentlicher Wirksamkeit ist jedoch für ein solches Projekt, das alle Altersgruppen tendiert, nicht zielführend und kann nicht die Herangehensweise für die künftige Entwicklung unserer Europastadt sein.

 

 

 

 

 

07.02.2015

 

 

 

 

 

Stadthallenausschuss soll wieder tagen

 

Eine hitzige Debatte zu den Schäden und der Sicherung des Gebäudes gab es im Stadtrat.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

So viele Fragen. So viele Meinungen. Die Stadthalle ist eines der Top-Themen in der Stadt. Höchste Zeit, dass nun auch der Stadthallenausschuss mal wieder tagt. Das zumindest forderte Stadträtin Renate Schwarze (SPD) in der jüngsten Stadtratssitzung. Joachim Paulick („Zur Sache“) schloss sich dem an.

 

 

 

Anlass war eine Debatte über die Stadthalle. Thomas Leder, CDU-Stadtrat und Vorsitzender des Stadthallen-Fördervereins, hatte einen ganzen Fragenkatalog zur Stadthalle an den OB gerichtet. Unter anderem wollte er wissen, wann die Hilfsstützen errichtet werden, die das einsturzgefährdete Gebäude statisch sichern sollen. Da diese erst angefertigt werden müssen und das nicht in Görlitz geschieht, sei damit erst Ende März zu rechnen, so die Antwort von Bürgermeister Michael Wieler.

 

 

 

Die Stützen sind Teil der statischen Sicherung, der die Sicherung des Denkmals folgen würde, so OB Siegfried Deinege. Der dritte Schritt ist die eigentliche Sanierung. Michael Wieler sagte, dass die Abstimmung zwischen Bund und Freistaat zur Verwendung der Fördermittel derzeit laufe. Vertreter aus Berlin seien bereits in Görlitz gewesen.

 

 

 

2,3 Millionen Euro kommen vom Freistaat, eine Million vom Bund. „Wir wollen genau wissen, welche Vorgaben es zur Verwendung des Geldes gibt, denn das ist nicht so einfach in diesem Fall“, so Wieler. Erst wenn das klar ist, könne die Stadt eine klare Aufgabenstellung formulieren, mit der es in die Planung gehen kann.

 

 

 

Eine Diskussion darüber, wie detailreich alle Schäden des Gebäudes publik gemacht werden müssten, beendete Michael Wieler mit dem Satz: „Es wäre unangemessen, das für ein Gebäude zu tun. Es würde den Eindruck erwecken, dieses hätte einen besonderen Status. Wenn, dann müssten wir das für alle Gebäude tun, die Schäden haben.“

 

 

 

 

 

25.02.2015

 

 

 

Wieder 100 Euro für die Stadthalle

 

50 Gäste waren beim Konzert in der früheren Hefefabrik. Doch es ging um mehr als nur Geld.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Beim Benefizkonzert des Second-Attempt-Vereins sind am Sonnabend 207 Euro zusammengekommen. „Davon werden wir, wie angekündigt, die Hälfte für die Stadthalle spenden“, sagt Inga Dreger vom Vereinsvorstand. Gut 50 zahlende Gäste wollten die Band Postmodern Orchestra in der früheren Hefefabrik der Bautzener Straße erleben. Allerdings sei das Geld nicht das Wichtigste an dem Abend gewesen: „Wir wollten einen symbolischen Schritt auf den Stadthallen-Förderverein zugehen, um zu zeigen, dass wir nicht gegeneinander arbeiten.“ Zwei Mitglieder des Stadthallen-Vereins seien vor Ort und sehr begeistert gewesen.

 

 

 

Inga Dreger sieht das als einen ersten Schritt, um auch künftig zu schauen, wo man sich gegenseitig unterstützen kann. Sie könnte sich vorstellen, dass sich beide Seiten demnächst einmal zusammensetzen und dann ins Detail gehen werden.

 

 

 

Das Benefizkonzert war Teil eines Aktionswochenendes, bei dem Projekte besprochen wurden, die künftig auf dem Gelände an der Bautzener Straße umgesetzt werden können. Bestandteil war auch eine Führung durch das Areal.

 

 

 

Ausschuss zur Stadthalle abgelehnt

 

Görlitz. Der Stadtrat hat gestern Abend nach intensiver Debatte die erneute Bildung eines Stadthallenausschusses abgelehnt. 21 Räte stimmten dagegen, acht dafür, zwei enthielten sich. Laut Joachim Paulick („Zur Sache“), der den Antrag einbrachte, sollte der Ausschuss aus Fraktionsmitgliedern und sachkundigen Bürgern bestehen und alle Themen zur Sicherung und Sanierung der Stadthalle intensiv beraten.

 

 

 

Doch Oberbürgermeister Siegfried Deinege gab zu Bedenken, dass der Antrag anfechtbar sei. So wäre laut Sächsischer Gemeindeordnung automatisch er als OB der Vorsitzende des Gremiums und nicht ein Mitglied, das von den anderen ernannt wird. „Ich bin gezwungen, inhaltlich Einspruch zu erheben“, so Deinege. Zudem sehe auch er keine Sondersituation, die einen solchen Ausschuss rechtfertige.

 

 

 

Ähnlich sahen es viele Stadträte. Umstrittene Punkte waren vor allem der Zeitpunkt und die vermeintliche Bürgerbeteiligung. Die müsse bei der Stadthalle über andere Wege erreicht werden, als durch einige wenige Bürger in einem Ausschuss, in dem sie ohnehin zu Verschwiegenheit verpflichtet würden. Auch sei der Zeitpunkt für einen Sonderausschuss nicht jetzt, sondern erst, wenn es konkret um Sanierungs- und Betreibungskonzepte gehe. (SZ/dan)

 

 

 

 

 

05.03.2015

 

 

 

Veranstaltungen in der Stadthalle sollen verhindert werden

 

 

 

Linken-Fraktionschef Mirko Schultze dürfte es wohl nicht entgangen sein, das sich seit vielen Jahren ein Stadthallenverein sowie viele Bürger für die Wiederbelebung der Stadthalle als Veranstaltungshalle einsetzen. Auf den sehr emotionalen Brief an die Stadt von Herrn Dr. Hans Fey habe ich auch noch keine gebührende Stellungnahme gehört. Stattdessen wird von den Gegnern der Stadthalle eine Diskussion über die Umwidmung zu einem Museum losgetreten. Noch nie habe ich von Bürgern gehört, das ihnen jetzt ein Museum fehlt, zumal in den letzten Jahren 30 Millionen Euro an Investitionen in Museen dieser Stadt geflossen sind. Man fragt sich, wo überhaupt die neuen 19 Millionen Euro so schnell herkommen?

 

 

 

Würde es dazu kommen, stellt sich die Frage, ob die Stadthalle als Museum ohne Zuwendung der Stadt auskäme? Oder ist man in diesem Bereich eher bereit, Zuschüsse zu zahlen? Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Stadthalle für Veranstaltungen mit allen Mitteln verhindert werden soll. Offenbar hat man Angst, anderen Veranstaltern in der Region ein paar Besucher streitig zu machen. Aus meiner Sicht wird der Wille der Bürger ignoriert.

 

 

 

Herbert Keller, Görlitz

 

 

 

 

 

05.03.2015 Zgorzelec will der Stadthalle helfen

 

Bürgermeister Rafal Gronicz wird die Schirmherrschaft über eine Aktion des Fördervereins Stadthalle Görlitz zum Tag des offenen Denkmals übernehmen.

 

 

 

Die Stadt Zgorzelec setzt sich für eine Revitalisierung der Stadthalle ein. Das sagte Bürgermeister Rafal Gronicz in einem Gespräch mit den Vertretern des Stadthallen-Fördervereins. Hintergrund ist die Absicht von Zgorzelec, unmittelbar an der Stadtbrücke ein Boulevard als neue Stadtmitte entstehen zu lassen. Deshalb hätten die Zgorzelecer Interesse daran, dass der derzeit bedrückende Zustand der Stadthalle auf der deutschen Seite beseitigt werde und das Haus samt dem Umfeld genutzt werden könne, teilte Anneliese Karst vom Förderverein mit. Gronicz habe seine Bereitschaft erklärt, die Wiederbelebung der Stadthalle zu unterstützen.

 

 

 

Als erste Schritte der Zusammenarbeit sollen Kulturprojekte wie das Kinderfest „Wir, die Neißekinder“ und Konzerte des Mandolinenorchesters wieder aktiviert werden und im Stadthallengarten oder ab 2016 in der Stadthalle stattfinden. Konkret wurde vereinbart, dass der Förderverein anlässlich des „Tag des offenen Denkmals“ gemeinsam mit dem Dom Kultury eine Ausstellung zur Stadthalle gestaltet. Diese wird unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Gronicz am 12. September im Dom Kultury eröffnet. (SZ/pc)

 

 

 

 

 

07.03.2015

 

 

 

„Wir wollen mehr Aufmerksamkeit aus dem Rathaus“

 

Thomas Leder, CDU-Stadtrat und Vorsitzender des Stadthallen-Vereins über Bürgerbeteiligung und das Interesse Polens.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Thomas Leder kämpft seit Jahren um die Sanierung der Görlitzer Stadthalle. Als es im Stadtrat jüngst um die Bildung eines Stadthallen-Ausschusses ging, wurde er als Vorsitzender des Fördervereins wegen Befangenheit von der Abstimmung ausgeschlossen. Unverständlich für ihn. Dass die Mehrheit des Rates gegen einen solchen Ausschuss stimmt, ebenso. Auch aus dem Rathaus fehlt ihm nach wie vor ein klares Bekenntnis zur Stadthalle. Im SZ-Gespräch sagt Leder auch, was er von einer Beteiligung der Bürger im Sicherungs- und Sanierungsvorhaben Stadthalle hält.

 

 

 

Herr Leder, Sie hätten sich die Wiederbelebung eines Stadthallen-Ausschusses gewünscht. Warum?

 

 

 

Um jetzt, wo Sicherung und Sanierung der Stadthalle beginnt, über den Betrieb und seine Kosten zu beraten. Kritiker im Stadtrat bemängeln ja immer, dass es nicht geht. Oder über Parkplätze an der Stadthalle, die einen Betrieb dann eben günstiger gestalten. Und außerdem geht es darum, weiteres Geld zu beschaffen. In den anderen Ausschüssen des Stadtrates findet dazu doch bislang nichts statt. Warum wird ein solcher Ausschuss abgelehnt? Es wird nicht offen gesagt, warum. Die Begründungen, die ich hörte, waren nur Ausflüchte. Bislang weiß zudem niemand, wie und wann die über vier Millionen Euro Fördermittel verbaut werden sollen.

 

 

 

Würden Sie die Görlitzer Bürger gern beteiligen an diesem Prozess?

 

 

 

Ich denke, man hätte im Rahmen eines Ausschusses Bürger beteiligen können. Wir brauchen sachkundige Leute mit anderen Sichtweisen. Als Stadtrat ist man manchmal durch die vielen anderen Themen und Termine blockiert, da sind neue Gedanken von außen sicher hilfreich.

 

 

 

Wäre die Stadthalle nicht auch für die vom OB viel gepriesene Bürgerbeteiligung ein Paradebeispiel?

 

 

 

Die Stadthalle selbst ist ja ein Denkmal bürgerschaftlicher Beteiligung. Sie steht hier heute nur, weil die Bürger von Görlitz den Bau damals wollten, nicht, weil es der damalige Stadtrat initiiert hatte. Im Konzept vom Oberbürgermeister heißt es, dass bürgerschaftliche Beteiligung für die Gemeinschaft, die Politik und die Verwaltung gewinnbringend ist, wenn aus dem Wissensschatz der Bürgerschaft neue Ideen und Impulse geschöpft werden können. Das passt hier genau! Bürger sollen dabei in Großprojekte einbezogen und vor allem informiert werden.

 

 

 

Sie haben zusammen mit Ihren Vereinsmitgliedern gerade enge Kontakte nach Polen geknüpft, es soll im September eine Ausstellung zur Stadthalle im Dom Kultury geben. Wie sollen die Aktivitäten jenseits der Neiße die Stadthalle voranbringen?

 

 

 

Wir beide wollen, dass die Stadthalle die neue Mitte der Europastadt wird. Die Polen bauen auf der anderen Seite an einem Boulevard an der „neuen Mitte“, dessen ideale Verlängerung auf deutscher Seite die Stadthalle ist. Sie haben deshalb ein großes Interesse daran, dass hier keine Ruine steht, sondern etwas, was auch sie nutzen können. Dort drüben wird die Stadthallenentwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Dass das Gebäude immer noch so dasteht, stößt auf Unverständnis. Dass man die Stadthalle in Zgorzelec offenbar unbedingt will, freut uns sehr. Die Offenheit und die positive Einstellung, die uns im Zgorzelecer Rathaus entgegen gebracht wurde, erwarten wir auch aus dem Görlitzer Rathaus. Dort ist das nicht immer so.

 

 

 

Was sollte die Stadt denn als nächstes tun? Wie sollten die anstehenden Entscheidungen zur Verwendung der 4,3 Millionen Euro Fördermittel getroffen werden?

 

 

 

Dazu würde auch ich mir mal eine öffentliche Information wünschen. Auch für die Leute, denn bei all der Geheimniskrämerei ist es kein Wunder, wenn Mutmaßungen entstehen. Außerdem würde mich sehr interessieren, ob in den Plänen die Brücke am Haupteingang eine Rolle spielt. Sie wird bislang überhaupt nicht erwähnt.

 

 

 

 

 

10.03.2015

 

 

 

Frühjahrsputz an der Stadthalle

 

Görlitz. Für einen Frühjahrsputz an der Stadthalle sucht der Stadthallen-Verein Mitstreiter. Am 28. März soll ab 9 Uhr auf dem Gelände zwischen den Finnhütten und dem Hotel Mercure aufgeräumt werden, teilt Vereinschef Steffen Leder mit. „Dort ist alles verwildert, da muss etwas gemacht werden.“ Arbeit sei genug da, selbst, wenn viele Leute kämen. Die Vereinsmitglieder wünschen sich, dass freiwillige Helfer von zuhause Astscheren und Astsägen mitbringen mögen. Auch Laubrechen und Schubkarren wären hilfreich.

 

 

 

Am Montag hat es bereits eine Besichtigung gegeben – mit Vertretern des Rathauses und des Vereins. „Der Frühjahrsputz ist uns wichtig, damit die Osterspaziergänger sehen, dass es hier vorwärts geht“, so Leder.

 

 

 

Im vergangenen Jahr hatte der Stadthallenverein zum ersten Mal einen Frühjahrsputz initiiert. Damals waren mehr als 50 Helfer gekommen, um den Stadthallengarten so herzurichten, dass er von den Vereinsmitgliedern und anderen genutzt werden kann. (SZ/dan)

 

 

 

 

 

18.03.2015

 

 

 

Die meisten Facebooknutzer wollen statt einer neuen Brücke die Stadthalle

 

Der Rückschlag für den Brückenbau in Görlitz wird auf der Facebook-Seite der SZ vor allem begrüßt. Dass der Bund aber die Nichtvergabe der Fördermittel damit begründet, Görlitz sei keine notleidende Gemeinde, erstaunt viele. Wie soll es weiter gehen?

 

 

 

Bertram Oertel: Hier jagt eine Lachnummer die andere. Damit ist der Stadtratsbeschluss zum Brückenbau hinfällig. OB und Teile des Rates wollten Volkes Stimme ignorieren, jetzt sind sie gezwungen, neu zu beraten. Das Ergebnis dürfte ernüchtern, denn Görlitz benötigt die knappen Eigenmittel für sinnvollere Projekte.

 

 

 

Wolfgang Duschek: Schön, dass es mal was Positives zu berichten gibt.

 

 

 

Lilly Rose: Wenn Gelder gekürzt werden, dann ist das nie nicht positiv.

 

 

 

Igor Slowinski: Statt einer Brücke – nichts. Aber viele von Euch werden bestimmt froh sein. Ich dachte, so ein Verhalten wäre typisch polnisch… Hoffentlich gibt es noch vernünftig denkende Menschen in Görlitz und Zgorzelec.

 

 

 

Urs Ruetl: Mach dir keine Sorgen, davon gibt es genug. Die schreien nur nicht so laut.

 

 

 

Marcel Lange: Ich wusste gar nicht, dass es Görlitz so gut geht.

 

 

 

Eno Strauss: Bei 36 Millionen Schulden fallen die paar Hunderttausend Euro nicht ins Gewicht. Wir haben es ja.

 

 

 

Kornelia Fischer: Wozu noch eine Brücke? Der Erhalt der Stadthalle ist wichtiger.

 

 

 

Mike Neugebauer: Ich halte das Ganze für eine hinter den Kulissen diplomatisch erdachte Lösung des Problems. Deinege und Wieler können dabei sogar ihr Gesicht wahren.

 

 

 

Shupac Ghk: Görlitz braucht bestimmt nicht noch eine Brücke. Zwei reichen völlig aus. Alles andere ist Geldverschwendung.

 

 

 

Ralf Thies: Welch peinliche Geschichte… Jetzt nur nicht zurückweichen. Keine Ausreden! Brücken verbinden Menschen, gerade in den Köpfen.

 

 

 

Ti Na: Ein Glück. Hoffentlich ist die Stadt schlau genug und lässt die Brücke ganz weg.

 

 

 

Nadine Lohse: Wofür brauchen wir noch eine Brücke? Eine fürs Auto, eine für Fußgänger, reicht das nicht?

 

 

 

Martin Wolf: Schade für die Stadt und die Touristen. Eine weitere Brücke hätte die Neißegegend beidseits aufgewertet und käme Gaststätten und Händlern zugute.

 

 

 

Hans-Peter Bauer: Das hat man nun von den Querelen um die Brücke. Hoffentlich bleibt die Finanzierung der Stadthalle erhalten. Bei der Einsicht in den städtischen Haushalt sah das nicht gerade gut aus. Wieso hat die Stadtverwaltung Görlitz denn die 4,3 Millionen Euro bis ins Jahr 2019 gestückelt? Will sie uns weismachen, sie hätte recht behalten, die Stadthalle vor 2020 nicht in Betrieb gehen zu lassen? Ich kenne den Status der Finanzen nicht, aber wenn es Fördermittel sind, dann steht ein zeitlicher Verbrauchsrahmen dahinter, und wenn der nicht eingehalten wird, droht die Rückzahlung.

 

 

 

65 000 000 Euro

 

Neue Schulen, neue Brücken, neue Plätze, neue Straßen, neues Neißeufer: Die Stadt legt für die nächsten fünf Jahre einen großen Investitionsplan auf.

 

 

 

 

 

20.03.2015

 

 

 

 

 

Und wo bleibt die Stadthalle?

 

Im Namen von „Zur Sache“ fordert unser Autor ein Umdenken beim Geldausgeben. Ein Kuratorium soll entscheiden, wofür die 1,4 Millionen Euro von Turow eingesetzt werden.

 

 

 

Von Conrad Jacob

 

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Bürgerbeteiligung wird in Görlitz angeblich groß geschrieben. Und die Stadt erhält 1,4 Millionen Euro geschenkt. Sicherlich ist es eine schwierige Aufgabe, dieses Geld für Jugend, Sport und Kultur gleichmäßig und gerecht zu verteilen. Die Wünsche und Hoffnungen, von dem großen Kuchen etwas abzubekommen, sind natürlich groß.

 

 

 

Unbestritten ist sicherlich, dass sich das Bemühen und der Erfolg des Oberbürgermeisters in der Sache in seinem Mitspracherecht niederschlagen muss. Unverständlich, dass im Übereifer eines Aktionismus schnell mal ganz wichtige Projekte genannt werden, die eigentlich schon vor Jahren geplant und demzufolge auch in den Haushaltsplänen finanziell abgesichert sind, wie zum Beispiel das Soziokulturelle Begegnungszentrum oder auch das Stadion der Freundschaft.

 

 

 

Projekte an der Neiße müssten bevorzugt behandelt werden. Enttäuschend ist immer wieder die Tatsache dass die Stadthalle nicht genannt wird, immerhin liegt sie auch an der Neiße. Warum spielt sie wieder keine Rolle? Positiv zu werten ist, dass wenigstens an die Hirschwinkelturnhalle gedacht wurde. Ihre Sanierung sollte aber einen Schwerpunkt bilden. Viele Görlitzer verstehen den Leerstand ohnehin nicht. Für den Schul- und Freizeitsport wird sie dringend gebraucht. Eltern und Kinder werden es danken. Selbstverständlich kann man auch Gelder in die direkte Förderung der Kinder- und Jugendarbeit fließen lassen , indem man die Pauschale etwas erhöht.

 

 

 

Im übrigen nur zur Erinnerung: Dringend wird noch Geld für die Toilette am Busbahnhof benötigt. Wichtig ist meiner Meinung nach, Nägel mit Köpfen zu machen. Trotz aller Bekundungen und Versicherungen an die Bevölkerung, dass die eine Million Euro wirklich ein Geschenk ist, bedeutet es für mich ein Schuldeingeständnis der polnischen Seite. Überhaupt frage ich mich, was diese Geheimniskrämerei soll? Ganz abgesehen davon, dass sich der mündige Bürger sowieso seinen Teil denkt.

 

 

 

Bei allem positiven Denken sollte eines nicht passieren, dass dieses Geld – und wenn nur zum kleinen Teil – zum Stopfen von Haushaltslöchern genommen wird. Vielleicht denkt man bei den Maßnahmen an die katastrophal geschädigten Gebiete entlang der Neiße von Hagenwerder bis Ludwigsdorf/Ober Neundorf, und setzt dafür entsprechende Mittel ein. Ein Beispiel wäre hier die Sanierung der Rothenburger Landstraße, die durch die Überflutung und Unterspülungen sehr stark gelitten hat und nicht repariert wurde. Der Bitte der Ortschaftsräte von Ludwigsdorf und Hagenwerder schließe ich mich gern an, aber nicht mit dieser Bescheidenheit.

 

 

 

Aus diesem Grunde schlage ich im Namen meiner Wählervereinigung „Zur Sache“ vor, eine Arbeitsgruppe ähnlich des Kuratoriums für die Altstadtmillion aus allen Fraktionen zu gründen. Es ist genügend Zeit, mit viel Sachkenntnis und Verantwortungsbewusstsein Projekte auszuwählen, und diese auch für den Bürger nachvollziehbar auf den Weg zu bringen.

 

 

 

An dieser Stelle noch eine kurze Bemerkung zur geplanten dritten Neißebrücke: Es ist schon erstaunlich, wie sich das Blatt wendet. Jetzt erfolgt wieder ein Schnellschuss, indem der Standort ganz ohne eine sachliche Prüfung verändert wird. Die Lindenwegbrücke muss nicht mehr standortgebunden gebaut werden. Ein Schelm der Arges dabei denkt… Dabei sollte die Brücke am Viadukt laut Bürgermeister Dr. Wieler doch von der polnischen Seite gebaut werden?

 

 

 

 

 

08.04.2015

 

 

 

Wie die Stadthalle funktionieren könnte

 

Neue Studie hält die Veranstaltungshalle auch ohne Anbau für nutzbar. Am Zuschuss der Stadt ändert das aber nichts.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

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Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen.

 

Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen.

 

© nikolaischmidt.de

 

Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen. Hier liegen Metallteile vor der Görlitzer Stadthalle, die in den nächsten Wochen für mehr Stabilität der Halle sorgen sollen. Kann die Stadt ihre Stadthalle sanieren und wieder öffnen? Eine neue Studie zeichnet ein positives Bild. Fotos: Christian Suhrbier, Nikolai Schmidt, Stadt

 

Hinter der Absperrung lagern derzeit die Metallstützen, die künftig die Stadthalle wieder etwas sicherer machen sollen. In den nächsten Wochen werden die Teile eingebaut, um die Stützpfeiler der Stadthalle zu stärken. Sie sollen den Auftakt zu mehrjährigen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Görlitzer Veranstaltungshalle bilden. 4,3 Millionen Euro Fördermittel stehen dafür zur Verfügung, erst 2018 will die Stadt diese Gelder verbaut haben. Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Halle zur 950-Jahr-Feier der Stadt 2021 wieder eingeweiht werden kann. Dabei kommt eine neue Nutzungsstudie zur Stadthalle zum Schluss, die Halle möglichst zeitnah zu sanieren. Angestoßen hatte die Studie Dr. Hans Fey, Eigentümer des Mercure-Hotels in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Münchner Benevue GmbH legte jetzt das knapp 90 Seiten umfassende Konzept vor. Die SZ stellt die Details vor.

 

 

 

Vorteile der Stadthalle: Architektur, Image, Orgel und der Klang

 

 

 

Eine sanierte Stadthalle habe Potenzial für attraktive Veranstaltungen. Die einzigartige Sauer-Orgel, der Klang des Großen Saales, aber auch das Image als Jugendstil-Gebäude gibt es nur in der Stadthalle. Christopher Rörig von der Benevue GmbH als Autor kommt zu dem Schluss: „Das Haus erzählt eine Geschichte, die Vermarktungspotenzial bietet.“

 

 

 

Nachteile der Stadthalle: Zustand, fehlende Parkplätze und kleine Säle

 

 

 

Zwar funktioniert die Halle grundsätzlich, doch muss sie zeitnah saniert werden. Denn in wichtigen Punkten entspricht die Halle nicht mehr den heutigen Anforderungen. Dazu fehlen kleinere Säle, um gerade für Kongresse interessant zu sein. Auch die Zahl der Parkplätze ist zu gering. Beides ist nicht neu. Deswegen sollten beim abgeblasenen Sanierungsprojekt 2012 auch mithilfe eines Anbaus zusätzliche Räume geschaffen werden. Die jetzige Studie hält es aber für möglich, auch ohne Anbau das Problem teilweise zu beheben, indem das Schlesische Zimmer, das Rundzimmer, die bisherige Hausmeister-Wohnung und Räume der Verwaltung so umgebaut werden, dass sie an Kongress-Veranstalter neben dem Großen und Kleinen Saal vermietet werden können. Dadurch würde die Stadthalle „für wirtschaftlich attraktive Veranstaltungen aus dem privaten und wirtschaftsnahen Segment attraktiv“.

 

 

 

Sanierung: Stadthalle modernisieren, wie sie dasteht

 

 

 

So nimmt die neue Studie auch Abstand von einem Anbau an der Stadthalle. Empfohlen wird eine Sanierung der Halle in ihrer jetzigen Form. Da ein Sanierungskonzept nicht Gegenstand der Studie war, gibt es keine Aussagen über die Kosten eines solchen Umbaus. Das Görlitzer Rathaus rechnet mit bis zu 20 Millionen Euro Baukosten für eine solche Variante.

 

 

 

Künftiger Betrieb: Wenige Mitarbeiter – Mercure-Hotel deckt Gastronomie ab

 

 

 

4,5 Stellen sieht die Studie für die Betreibung der Stadthalle vor: einen Geschäftsführer, eine halbe Assistenzstelle sowie je eine Stelle für Veranstaltungsmanagement, für Technik und Gebäudemanagement. Die Buchhaltung sollte an Dritte vergeben werden, die Gastronomie durch das benachbarte Mercure-Hotel abgedeckt werden. Die Position eines Geschäftsführers soll aber als „Gesicht des Hauses“ bereits zwölf bis 18 Monate vor Eröffnung der Halle besetzt werden, um den branchenüblichen Vorlauf bei der Planung von Veranstaltungen zu berücksichtigen.

 

 

 

Veranstaltungen: Kultur macht

 

 

 

noch 40 Prozent aus

 

 

 

Die Studienautoren schlagen vor, dass künftig 40 Prozent aller Veranstaltungen aus der Hoch- und Unterhaltungskultur kommen sollen, rund 23 Prozent könnten Bankette und Bälle sein, ein knappes Drittel Produktpräsentationen, Firmenveranstaltungen, Konferenzen und Seminare sowie acht Prozent Messen und Ausstellungen. Insgesamt rechnet die Studie mit 200 Veranstaltungen und rund 60 000 Besuchern im Jahr.

 

 

 

Rahmenbedingung: Görlitz braucht noch ein großes Hotel

 

 

 

Um Konferenzen und Tagungen an Land zu ziehen, halten die Münchner Autoren die Ansiedlung eines weiteren Hotels oder einer überregionalen Hotelmarke in Görlitz für sinnvoll. Bislang hat nur das Mercure mit 186 Zimmern eine Größe, um mehr als 50 Personen für solche Veranstaltungen unterbringen zu können.

 

 

 

Finanzen: Rund 500 000 Euro pro Jahr muss die Stadt leisten

 

 

 

Stadthallen können nicht wirtschaftlich betrieben werden, es bleibt immer ein Zuschuss. So leistet sich die Stadt Unna eine Stadthalle mit einem Defizit von rund 600 000 Euro, Gießen kommt auf dieselbe Summe, die Stadthalle in Oberursel auf 750 000 Euro, und Bayreuth schießt 700 000 Euro zu seiner Stadthalle bei. Auch die Görlitzer Halle wird ein Defizit einfahren. Es liegt in den Anfangsjahren – je nach Auslastung – zwischen 430 000 und 530 000 Euro. Also in dem Bereich, der auch bislang genannt wurde. Zugleich rechnen die Autoren mit einem Kaufkraftgewinn für Görlitz von 2,75 Millionen Euro pro Jahr sowie rund 65 Arbeitsplätze, die durch die Stadthalle indirekt geschaffen werden könnten. Die bislang vorliegenden Studien kamen auf 1,8 Millionen Euro und 25 bis 30 Arbeitsplätze. Die Jobs entstehen vornehmlich in der Gastronomie, im Hotelwesen, im Handel und bei der Reinigung. Die Stadt selbst kann auf 86 000 Euro zusätzliche Steuereinnahmen hoffen. Auf ein Wort

 

 

 

08.05.2015

 

 

 

Stadthallengarten ist wieder nutzbar

 

Mitglieder des Fördervereins haben alles geputzt. Sogar Gardinen wurden aufgehängt.

 

 

 

Mitglieder des Fördervereins Stadthalle haben die Finnhütten von dem angesammelten Schmutz und den Spinnweben befreit, die Schutzplatten von den Fenstern abgenommen und die Fenster geputzt sowie die Bänke und Tische gereinigt. Das teilte Anneliese Karst vom Förderverein Stadthalle mit: „Die Gardinen wurden gewaschen wieder aufgehängt.“ Der Hausmeisterdienst Andreas Böhmer hat erneut den Rasen kostenlos gemäht und die Reste abtransportiert. Jetzt kann der Stadthallengarten von Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen genutzt werden. Am 19. Mai, um 18 Uhr, wird das Picknick des deutsch-polnischen Sprachbegegnungsprojektes „Tandem“ im Rahmen des Programms „Görlitz/Zgorzelec – zwei Städte, ein Fluss. Grenzerfahrungen“ in den Finnhütten stattfinden. Am 18. Juni trifft sich dann der deutsch-polnische Club „Femina“ zum Abschluss eines Parkrundgangs in den Hütten zu Kaffee und Kuchen.

 

 

 

„Es würde uns freuen, wenn das Angebot von den Görlitzern und Gästen angenommen und der Stadthallengarten für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wird“. so Anneliese Karst. Bei der Antragstellung und Vorbereitung gibt der Förderverein gern Unterstützung und Hilfe. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

19.05.2015

 

 

 

Verein will sanierte Stadthalle 2021

 

Zur 950-Jahr-Feier könnte das Veranstaltungshaus wieder öffnen. Wenn sich alle bemühen.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Der Förderverein Stadthalle drängt auf einen verbindlichen Eröffnungstermin für eine sanierte Stadthalle. In einem offenen Brief an den Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege greift der Verein das Thema erneut auf. Sein Vorschlag: Die Stadthalle sollte anlässlich der 950-Jahr-Feier von Görlitz im Jahre 2021 wieder eröffnet werden. „Das sind sechs Jahre Bauzeit“, schreibt Vereinsvorsitzender Thomas Leder, „das Doppelte der Planung von 2012, nunmehr ohne Anbau“. Durch einen solchen Grundsatzbeschluss würde die „Planung und Beschaffung von Geldmitteln erleichtert und auch erst möglich“, heißt es in dem Schreiben weiter. Zugleich würde die Stadt dadurch das klare Bekenntnis zur Stadthalle abgeben, „das auch vom Freistaat, dem Landkreis und der Denkmalpflege für die Bereitstellung weiterer Mittel erwartet wird“.

 

 

 

Zugleich äußert sich der Stadthallenverein kritisch zu den bislang bekannt gewordenen Bauplänen an der Stadthalle. Nach Einschätzung Leders, der für die CDU auch im Görlitzer Stadtrat sitzt, wäre das Ergebnis dieser Pläne „ein kleiner Saal mit 200 Plätzen, in dem drei Jahre Bauarbeiten stattfinden“. Die Stadt plant, dass der kleines Saal ab dem Jahr 2018 von Juni bis September nutzbar ist. Desweiteren soll die Erneuerung der Brücke am Haupteingang und der Dächer mit Ausnahme des großen Saales bereits im kommenden Jahr erfolgen. Anliegen des Vereins ist es nun, „die Bauzeit am kleinen Saal zu straffen und den großen Saal schnellstmöglich, unmittelbar nach Erneuerung der Kellerdecke im nächsten Jahr so herzurichten, dass er als bespielbare Baustelle nutzbar ist“. Schließlich sei der große Saal mit der Orgel das Herzstück der Stadthalle. Mit der Nutzung des großen Saales könnten zudem Mittel für die weitere Erhaltung und Sanierung der Stadthalle eingespielt werden. Der Verein verbindet damit zugleich die Erwartung einer „frühzeitigen touristischen Vermarktung der Halle“.

 

 

 

Der Verein hält eine kürzere Bauzeit als von der Stadt vorgeschlagen für realistisch und verweist auf die Planungen vom Frühjahr 2012. „Das In-die-Länge-ziehen der Bau- und Sanierungsmaßnahmen birgt zudem das hohe Risiko der Kostenerhöhung und Verschlechterung der Bedingungen, das erforderliche Geld zu beschaffen.“ Neben Fördergeldern vom Bund und Land bringt der Verein auch eine angemessene Kreditfinanzierung ins Spiel. Derzeit liegen die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau. Nicht vergessen werden sollten Lösungen für das Parken sowie das Umfeld der Stadthalle mit dem Meridian und dem früherem Grenzübergang.

 

 

 

 

 

22.05.2015

 

 

 

Neue Verzögerung bei Stadthallensicherung

 

Die Stützpfeiler könnten eingebaut werden, wenn es nicht wieder Nachforderungen gäbe.

 

 

 

Noch immer kann mit der Sanierung der Stützpfeiler in der Stadthalle nicht begonnen werden. Das teilte Kerstin Poost vom städtischen Hochbauamt am Mittwoch im Technischen Ausschuss mit. Zwar sind die Ersatzpfeiler bereits seit Längerem da und auch die Baugenehmigung ist erteilt. Doch bestehe der Prüfstatiker darauf, dass das Arbeitsgerüst noch einmal separat auf seine Statik hin überprüft werde.

 

 

 

„Das ist kein normales Fassadengerüst, sondern ein Sonderbau“, so Kerstin Poost. Sie hoffe, dass das bald erledigt ist, da ja ein „Spontanversagen“, das heißt ein Einsturz der Stadthalle immer noch nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Im Sommer war festgestellt worden, dass die vier Strebepfeiler, die saniert werden sollen, schon so bröckeln, dass die Sicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet werden kann, woraufhin die Stadthalle gesperrt wurde.

 

 

 

Zum Abstützen der Strebepfeiler nun sind neue Pfeiler nötig, die da sind und auf Einbau warten. Insgesamt stehen für Sicherung und Sanierung 4,3 Millionen Euro zur Verfügung. (SZ/dan)

 

 

 

 

 

 

 

06.06.2015

 

 

 

Bürgerabend zur Stadthalle

 

Görlitz. Die Stadthalle ist ein Dauerbrenner, seit sie vor mehr als zehn Jahren geschlossen wurde. Damals konnte die Stadt den jährlichen Betriebskostenzuschuss nicht mehr zahlen. Doch hoffte die damalige Rathausspitze um OB Rolf Karbaum und Finanzbürgermeister Rainer Neumer, die Halle nach einer zügigen Sanierung wieder zu öffnen. Daraus ist bislang trotz aller Bemühungen nichts geworden. Am kommenden Dienstag nun lädt das Herbert-Wehner-Bildungswerk für Kommunalpolitik zu einer Bürgerversammlung ein. Ab 19 Uhr können Bürger unter dem Motto „Rettung in Sicht? Die Zukunft der Stadthalle Görlitz“ mit Vertretern aus Politik und Verwaltung diskutieren. Zu Gast sind Bau-Bürgermeister Michael Wieler, die Stadtratsmitglieder Renate Schwarze (SPD) und Frank Wittig (FDP) sowie der Vorsitzende des Fördervereins Stadthalle Görlitz, Thomas Leder. Die Bürgerversammlung findet im Schlesischen Museum zu Görlitz, Eingang Fischmarkt 5 statt.

 

 

 

Bis zu ihrer Schließung war die Görlitzer Stadthalle eines der größten Konzerthäuser im Freistaat Sachsen und bot Platz für viele große Sport-, Tanz- und Musikveranstaltungen. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10.06.2015

 

 

 

Unversöhnliche Fronten im Stadthallen-Streit

 

Anhänger der Halle trafen am Dienstag im Schlesischen Museum auf Bürgermeister Michael Wieler. Der hatte einen ungemütlichen Abend.

 

Von Matthias Klaus

 

 

 

Volles Haus im Schlesischen Museum: Um die 100 Gäste haben sich am Dienstagabend eingefunden, um über die Zukunft der Stadthalle zu debattieren. Gefühlt die Mehrheit im Saal sind Mitglieder des Fördervereins. Thomas Leder, Chef des Vereins, sitzt dann auch gleich mit im Podium. „Die Stadthalle ist Görlitz – da könnte ich schon aufhören“, sagt er gleich am Anfang und bekommt dafür natürlich Applaus.

 

 

 

Kulturbürgermeister Michael Wieler hat indes an diesem Abend einen schweren Stand. Gegner gegen Befürworter, er findet diese Polarisierung nicht gut, sagt der Bürgermeister. Immer wieder muss er sich dennoch im Laufe der Bürgerversammlung anhören, nicht genug für den Erhalt, den künftigen Betrieb der Stadthalle zu tun. „Die Stadthalle ist es wert, das eine klare Entscheidung getroffen wird“, sagt Stadträtin Renate Schwarze (SPD). Solle das Gebäude nun wirklich saniert werden oder gebe es nur Maßnahmen, damit es nicht einfällt?, fragt sie sich.

 

 

 

Er verstehe ja, sagt Michael Wieler, dass manche sagen, die Sanierung der Stadthalle gehe zu zögerlich voran. Das hatte zuvor Thomas Leder bemängelt. Der Förderverein möchte einen verbindlichen Eröffnungstermin für die Stadthalle, schrieb deswegen einen offenen Brief an Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Die Idee: 2021, zur 950-Jahr-Feier der Stadt, soll die Stadthalle wieder eröffnet werden. Bisher plant die Stadt, dass zumindest der Kleine Saal ab dem Jahr 2018 im Sommer genutzt werden kann. „Ich befürchte, dass der Kleine Saal zwar saniert wird, es aber dann nicht mehr systematisch weitergeht“, sagt SPD-Stadträtin Renate Schwarze. Eine Kapazität, wie sie der Kleine Saal aufweist, gebe es anderswo auch. „Das macht doch die Stadthalle nicht aus“, sagt sie. Die Bürgerversammlung im Schlesischen Museum macht vor allem eines deutlich: Den Stadthallen-Befürwortern geht es zu langsam voran.

 

 

 

Inzwischen gibt es die Idee einer Stiftung, angeregt von der FDP. „Die Stiftungssatzung liegt derzeit beim Finanzamt zur Prüfung“, so Bürgermeister Michael Wieler. Einen Kredit für die Sanierung aufzunehmen, hält er nicht für zielführend, das sei auch mit den Chefs der großen Fraktionen im Stadtrat so besprochen worden. Ebenso erteilt er der Idee eines Parkhauses direkt an der Stadthalle eine Absage. „Das würde zwar bei Veranstaltungen ausgelastet sein. Aber doch nicht im Alltag“, sagt der Bürgermeister. Dafür befinde sich die Stadthalle zu sehr „am Rand“ von Görlitz. „Warum gibt es eigentlich keine Bürgerbefragung zum Thema Stadthalle, wo doch der Oberbürgermeister so auf Bürgerbeteiligung in der Stadt setzt?“, fragt sich derweil Anneliese Karst vom Förderverein. Zudem solle die Stadt doch überlegen, inwieweit das geplante Soziokulturelle Zentrum in die Stadthalle integriert werden könnte.

 

 

 

Alfred Theisen, Chef des Senfkorn-Verlages, regt an, die Stadthalle gemeinsam mit den polnischen Nachbarn zu sanieren und zu betreiben. Ja, sagt Vereinschef Leder, es habe Gespräche dazu mit der polnischen Seite gegeben. Es wird im September eine Ausstellung in der Ruhmeshalle zum Thema Stadthalle geben.

 

 

 

Ein konkretes Ergebnis bringt die Diskussionsrunde, organisiert vom Herbert-Wehner-Bildungswerk Dresden, an diesem Abend nicht. „Die Stadt hat erste Schritte zur Sanierung gemacht“, sagt Bürgermeister Michael Wieler und erntet Widerspruch aus dem Publikum. Sein Kommentar: „Sie mögen dazu raunen, oder auch nicht.“

 

 

 

 

 

 

 

12.06.2015

 

Stadthallen-Verein will keine Konfrontation

 

Görlitz. Eine Bürgerbefragung zum Thema Sanierung Stadthalle lehnt Anneliese Karst ab. Das teilt sie als Mitglied des Fördervereins mit. Einer Konfrontation zu diesem Thema steht sie ebenso ablehnend gegenüber. „Wir brauchen dringend die Zusammenarbeit Förderverein und Stadt“, erklärte sie gestern gegenüber der SZ. Eine Eskalation wie Anfang des Jahres im Brückenstreit dürfe es ihrer Ansicht nach bei der Stadthalle nicht geben. Sie bemühe sich im Gegenteil sehr um eine Zusammenarbeit mit der Stadt.

 

 

 

Während einer Bürgerversammlung am Dienstagabend im Schlesischen Museum hatte sich Kulturbürgermeister Michael Wieler gegen Vorwürfe verteidigen müssen, die Stadt treibe die Bemühungen um die Sanierung der Stadthalle nicht konsequent genug voran. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18.06.2015

 

 

 

Zum Denkmaltag droht eine geschlossene Stadthalle

 

Mindestens zehn Wochen soll die Notsicherung des Gebäudes dauern. Doch bislang gibt es kein grünes Licht für die statische Unbedenklichkeit des Baugerüstes.

 

Es hat das Zeug zur unendlichen Geschichte: Allein das Kapitel Notsicherung zieht sich im Buch der Stadthallensanierungsgeschichte offenbar ewig. Ein Dreivierteljahr gilt die Stadthalle inzwischen als einsturzgefährdet. Es könnte ein Jahr und vielleicht noch länger dauern, bis die strengen Auflagen zur Begehbarkeit des Gebäudes gelockert werden.

 

 

 

Denn die geplante Notsicherung der Strebepfeiler kann noch immer nicht beginnen. Es scheint, als sei dafür ein Papier nach dem anderen nötig. Kerstin Poost vom städtischen Bauamt spricht von verschiedenen Nachforderungen, die bei so komplexen Vorhaben eben immer wieder kommen können. Und bei der Stadthalle auch kommen. An der Stadt selbst liege es nicht, dass es noch nicht losgeht mit dem Austauschen der vier Strebepfeiler. Sie hat ihre Hausaufgaben Poost zufolge erledigt. „Die Statik ist bei der städtischen Bauaufsicht eingereicht worden und dann zum Prüfingenieur nach Dresden gegangen“, erklärt Poost. Der beurteile dann die Unterlagen, und das offenbar so lange und so gründlich, bis jegliches Risiko ausgeschlossen werden kann. Schließlich ist er derjenige, der im Unglücksfall haften würde.

 

 

 

Aber was ist so riskant an der Notsicherung? Der Dreh- und Angelpunkt ist anscheinend das besondere Gerüst, das für den Austausch der Pfeiler aufgebaut werden muss. „Ein normales Baugerüst ist an der Fassade verankert“, sagt Frau Poost. Beim ohnehin schon sensiblen und unsicheren Stadthallen-Gebäude geht das nicht. Deshalb nimmt man hier ein Sondergerüst, das allein steht – und durch Schrägen abgestützt wird.

 

 

 

Auch für die Zwischenpfeiler, die als Interimslösung bis zur Sanierung der richtigen Pfeiler an das Gebäude kommen, muss die Stadt noch Sicherheiten nachweisen – bestimmte Verstärkungen etwa. „Alle Unterlagen liegen dem Prüfingenieur in Dresden vor“, so Kerstin Poost. „Er hat mir für diese Woche eine Antwort versprochen.“

 

 

 

Ein Grund zum Jubeln ist das trotzdem nicht unbedingt. Denn wenn das grüne Licht aus Dresden kommt, kommt es noch lange nicht aus Görlitz. Dann gehen die Unterlagen erst mal wieder an das städtische Statikbüro, das dann noch von Dresden geforderte Änderungen einarbeiten muss. Oder der Ludwigsdorfer Metallbaubetrieb Weiner, der die Ersatzpfeiler herstellt, muss noch Änderungen vornehmen. Erst wenn alles geklärt ist, fangen die Metallbauer mit dem Herstellen der Pfeiler an. Das, was schon seit Wochen vor der Stadthalle liegt, sei nur ein kleiner Teil dessen, was noch kommt und nötig ist.

 

 

 

Etwa eineinhalb Wochen, so schätzt Frau Poost, wird dann der Einbau des ersten Ersatzpfeilers dauern, etwa zehn, bis alle vier stehen. Erst danach kann mit der Sanierung der originalen Pfeiler begonnen werden. Ist diese abgeschlossen, kommen die anderen wieder heraus. Dann wäre der erste Teil des Sanierungsplanes erfüllt, zu dem auch die Erneuerung der Seitendächer gehörten. Als Teil zwei sollen die Fenster erneuert und das Dach des Kleinen Saales abgedichtet werden. Gesamtkosten für die Sicherung: 2,3 Millionen Euro – aus dem Topf der Denkmalpflege.

 

 

 

„Wenn erst mal die Ersatzpfeiler stehen, haben wir zumindest schon einen gewissen Status erreicht“, sagt Kerstin Poost. Dann sei die Einsturzgefahr nicht mehr so akut. Ab wann die Stadthalle auch offiziell nicht mehr als einsturzgefährdet gilt und wieder betreten werden darf, ist noch völlig unklar. Zurzeit jedenfalls gibt es strenge Auflagen zum Begehen der Stadthalle, auch abhängig von der Witterung. Bei oder nach starkem Wind etwa ist es nicht erlaubt. Dazu steht die Stadt mit der Wetterwarte am Flugplatz in engem Kontakt.

 

 

 

Ob das Gebäude zum Denkmaltag im September öffnen kann, vermag Kerstin Poost nicht zu beurteilen. „Das muss unser OB gemeinsam mit den Statikern entscheiden. Letztlich müssen wir bedenken, dass es eine Baustelle ist.“

 

 

 

Anneliese Karst wird das gar nicht gern hören. Die Görlitzerin engagiert sich für die Stadthalle wie kaum eine Zweite, ist Mitglied im Förderverein und will zum Tag des offenen Denkmals unbedingt Besucher im Großen wie im Kleinen Saal sehen. „Den Antrag dafür haben wir beim Amt für Liegenschaften gestellt. Es wird aber noch geprüft.“ Unverständlich findet sie, dass bis heute nicht viel passiert ist – wo doch die Einsturzgefahr als so akut proklamiert worden war. Auch werde ihr zu wenig Druck gemacht. Kerstin Poost hingegen betont noch einmal die Besonderheit der Stadthalle: „Das ist keine einfache Baustelle. Wir alle haben wahnsinnigen Respekt davor, wenn in dieses statische System eingegriffen wird, und jede Eile ist in diesem Fall völlig unangebracht.“

 

 

 

 

 

20.06.2015

 

 

 

Jugendzentrum kann Stadthalle nicht ersetzen

 

Warum Görlitz und Zgorzelec die Jugendstilhalle benötigen, erklärt unser Autor als Reaktion auf Stadträtin Carolin Mahn-Gauseweg.

 

Von Hans-Peter Bauer

 

 

 

Die Bürgerversammlung zur Zukunft der Stadthalle, die jüngst unter der Ägide des Herbert-Wehner-Bildungswerkes für Kommunalpolitik im Schlesischen Museum stattfand, machte deutlich, wie wichtig den Bürgern unserer Stadt ihre Stadthalle ist. Das Denkmal Stadthalle ist ein „unbezahlbares Kleinod“, eine Konzert- und Gastspielhalle, dessen Wertevorstellung nicht in Zahlen zu kleiden ist, dessen wirklicher materieller Wert aber mit jedem weiteren Jahr des Verfalls abnimmt. Die Schließung der Stadthalle vor zehn Jahren und der damit verbundene Leerstand führte unweigerlich zu einer abermaligen Verschlechterung des nun leer stehenden denkmalgeschützten Gebäudes.

 

Die Voraussetzungen zur Schließung waren wirtschaftliche Gründe, die für den außenstehenden Betrachter nicht nachzuvollziehen sind. Aufgegeben wurde die Stadthalle, weil deren Aufrechterhaltung nicht zu den gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben der Stadt zählt.

 

In Zeiten knapper Kassen der öffentlichen Hand und deren Kontrolle durch die Kommunalaufsicht steht die Stadt als Eigentümer von Baudenkmalen wie der Stadthalle vor einem Dilemma. In wirtschaftlich guten Zeiten wurden für dieses Gebäude keine Rückstellungen für Modernisierungen und Sanierungen gebildet. Dies hat nun einen kaum noch zu bewältigenden Sanierungsstau an dem so vernachlässigten Denkmal zur Folge. Dieser Sanierungsstau zieht gleichzeitig einen stetig steigenden Unterhaltungsaufwand nach sich, der nur noch schwer aus dem laufenden Haushalt zu erbringen ist. Das ist ein richtiger Teufelskreis. Mit jedem Jahr des Leerstandes fallen die nötigen Investitionen höher aus, um die Stadthalle sanieren zu können.

 

Wäre der Verkauf der Stadthalle ein vermeintlicher Ausweg? Das wäre gleichzusetzen mit dem Verscherbeln des „Tafelsilbers“ der Stadt. Ein anderer Ausweg ist der Rückgriff auf das Instrument der privaten Investoren, denen anheimgestellt wird, wie sie die Stadthalle nutzen oder ob sie das denkmalgeschützte Gebäude gleich ganz abreißen wollen. Auch solche Überlegungen wurden bereits angestellt! Im Rahmen einer solchen rein ökonomischen Betrachtungsweise muss jedoch das Interesse des Denkmalschutzes und der Bürger nahezu zwingend hinten anstehen und letztlich auf der Strecke bleiben.

 

Den Bürgermeister für Kultur und Bau für die stockende Sicherung der Stadthalle verantwortlich zu machen und als Buhmann der Stadt abzustempeln, ist im Übrigen verwerflich. Er ist derjenige, der den Willen dieser Stadträte in der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen muss. Im Podiumsgespräch hat er sich für den Erhalt der Stadthalle ausgesprochen. Allerdings fehlt bei ihm die Vehemenz, die er bei den Sanierungsprojekten der Schulen und Kitas gezeigt hat, wo er sich nicht zu schade war, sogar die „Klinken zu putzen“, um für die Projekte die nötigen Finanzen zu erhalten. Diese Vehemenz von ihm hätten wir uns für unsere Stadthalle gewünscht. Eigentlich sehr schade: Von einem ehemaligen Intendanten unseres Theaters hätten wir mehr Engagement für den Erhalt des so wichtigen Kulturzentrums erwartet. Aber egal, er hat sich zur Stadthalle bekannt und nur das zählt.

 

Vor allem die Stadträte der Bürgerfraktion unterschätzen den Willen des Souveräns, der die Wiederinbetriebnahme der Stadthalle will. Es gibt in Görlitz einfach keine Alternative zur Stadthalle. Auch mit Blick auf unsere Nachbarn in Zgorzelec ist die Erhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahme politisch von außerordentlicher Bedeutung und für das kulturelle Zusammenleben der viel gepriesenen Europastadt Görlitz/Zgorzelec der von beiden Seiten gewollte Kulturpunkt.

 

Umso schwerer wiegen die Äußerungen von Carolin Mahn-Gauseweg zum Jugendzentrum und der Stadthalle in der SZ vom vergangenen Wochenende. Der Beitrag zeugt davon, dass Carolin Mahn-Gauseweg vom kulturellen Leben unserer Stadt meilenweit entfernt ist. Sie spricht von einem Dreispartenprogramm (in Wirklichkeit Vierspartenhaus) des Theaters und ist sich anscheinend nicht bewusst, das dazu auch das Haus Zittau gehört. Das Theater ist ein regionaler Betrieb, kein Stadttheater, dem Schauspiel, Tanz, Musiktheater und ein großartiges Orchester angehören. Es ist für die kulturelle Betreuung des gesamten Landkreises und des Kulturraumes (Orchester) zuständig. Eine im Theater integrierte Stadthalle könnte eine Bereicherung sein. Die fragwürdigen Formulierungen zum Jugendzentrum lassen doch erkennen, dass Carolin Mahn-Gauseweg von der Materie „Kultur“ und „Ökonomie“ wenig am Hut hat. Als Stadthallen-Förderverein haben wir ein gutes Verhältnis zum Second Attempt-Verein, reden miteinander, und das ist immer gut. Nichts ist also gegen ein Jugendzentrum einzuwenden. Aber nur, wenn es den Erfordernissen der Entwicklung des Stadtlebens genüge tut. Eine überregionale Bedeutung aber hat dieses Jugendzentrum nicht.

 

Das Ziel der Stadtgesellschaft ist ein anderes, zumindest aber der Mehrheit der Stadtgesellschaft liegt ein wirkliches kulturelles Zentrum am Herzen. Die Stadthalle besteht bereits seit über hundert Jahren und muss „nur“ wieder auf Vordermann gebracht werden. Sie ist zwischen Breslau und Berlin die einzige Musik- und Konzerthalle, die dieses Niveau aufweist. Das, was die Stadt bisher versäumt hat, muss sie jetzt auch ausbaden, nämlich ihre Stadthalle, die sie verkommen ließ, wieder herzurichten, um das „Tafelsilber“ der Gemeinde wieder zur Geltung zu bringen.

 

Die Stadt als Eigentümer ist laut Denkmalschutzgesetz verpflichtet, sich um die Stadthalle zu kümmern. Zumutbar ist dabei, die Halle ohne jeglichen Schnickschnack in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, der sie wieder für die Menschen nutzbar macht. Schön wäre es, wenn zum 950-jährigen Bestehen unserer Stadt die Neue Lausitzer Philharmonie im Großen Saal der Stadthalle das Festkonzert spielen könnte.

 

 

 

Stadt plant großen Grüngürtel

 

Der „Brautwiesenbogen“ soll bis 2020 die Attraktivität der westlichen Innenstadt erhöhen. Jetzt geht’s ums Geld.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Ein Sorgenkind ist die westliche Innenstadt von Leipziger Platz bis Brautwiesenstraße schon. Von einem sozialen Problemgebiet will Hartmut Wilke zwar nicht sprechen. Schließlich habe die gesamte Görlitzer Innenstadt aus der Sicht des Görlitzer Stadtentwicklers eine vernünftige Entwicklung genommen. Und doch ballen sich in dem Quartier die Schwierigkeiten: viele leere Wohnungen, soziale Schieflagen und Industriebrachen. Deswegen kündigte Oberbürgermeister Siegfried Deinege vor einem knappen Jahr auch an, das Augenmerk auf dieses Stadtviertel zu richten.

 

 

 

Nun wird langsam erkennbar, was die Stadtverwaltung darunter versteht. Zum Tag der offenen Sanierungstür an diesem Sonntag wird sie erste Überlegungen für das Gebiet rund um den Brautwiesenplatz öffentlich machen. Unter der Überschrift: Brautwiesenbogen. Den gibt es zwar nur in den Köpfen der Stadtplaner, doch in einigen Jahren könnte er als großer Grüngürtel vom Görlitzer Bahnhof bis zur Reichenbacher Straße und wieder zurück über Weiße Mauer, Schlachthofgelände bis zum früheren Waggonbaugelände Werk I reichen. Mit Hilfe europäischer Fördermittel aus dem Efre-Programm hoffen die Stadtplaner um Hartmut Wilke, in den nächsten Jahren über sechs Millionen Euro in die Aufwertung des Gebietes stecken zu können. Vielleicht sogar mehr.

 

 

 

Einige Vorstellungen sind schon ziemlich konkret. Für den Güterbahnhof ist die Nutzung als Fachmarktzentrum vom Tisch. Die Bahn wiederum benötigt das Gelände nicht mehr, hat es entwidmet. „Zumeist will sie es dann auch verkaufen“, sagt Hartmut Wilke. Das könnte die Chance eröffnen, das lang gestreckte Gebäude zu erhalten, dessen Dach mit Sonnenkollektoren genutzt werden soll. Dadurch könnte auch das Haus teilweise finanziert werden. Über einen Radweg, der auf den nicht mehr genutzten Gleisen über den Brautwiesentunnel verlaufen könnte, würde der Brautwiesengarten auf dem Areal des früheren Kohlehandels hinter der Brautwiesenstraße erreicht. Uwe Berndt, der für die Stadtsanierung im Rathaus zuständige Mitarbeiter, hat sich das Gelände schon mal angeschaut: „Da hat sich viel spontanes Grün gebildet, der Aufwand für den Brautwiesengarten ist gar nicht so groß.“

 

 

 

Der Cottbuser Park könnte die Flächen der früheren Getreidewirtschaft, rund um die frühere Schule an der Cottbuser Straße, die zu einem Labor ausgebaut wird, und dem geplanten Feuerwehrhaus für die Stadtmitte an der Cottbuser Straße umfassen. Berndt denkt daran, auf der Trasse des stillgelegten Gleises des früheren Waggonbau-Werkes 3 einen Radweg zum Helenenbad einzurichten oder die Ponte, die im Siebenbörner-Areal entspringt und gegenwärtig unterirdisch in Kanälen fließt, wieder ans Tageslicht zu holen. Ähnliches hat Leipzig bei Pleiße und Elster mit großem Erfolg getan oder auch die Lutherstadt Wittenberg. „Damit könnten wir auch etwas für das Klima in der Stadt tun“, sagt Uwe Berndt. Wichtige Frischluftschneisen verlaufen vom Siebenbörner über die Lüders-Straße in die Stadt. Wenn dort zusätzlich Wasser verdunsten würde, verstärke das den kühlenden Effekt.

 

 

 

Der Brautwiesenbogen könnte auch das Schlachthof-Viertel und das Werk 1 einschließen. Während sich die Eigentümer des Schlachthofes, die Familie Gausepohl, nach Angaben von Hartmut Wilke derzeit bemühen, eine Folgenutzung für das Areal zu finden und dabei vor allem an kleinteiliges Gewerbe und ergänzendes Wohnen denken, geht es beim Werk 1 zusammen mit dem Verein Second Attempt um die Gartenprojekte.

 

 

 

Noch steht das Rathaus am Anfang seiner Bemühungen um den Brautwiesenbogen. Bis Ende August muss der Antrag für die Efre-Mittel bei der EU vorliegen. Doch geben sich Wilke und Berndt optimistisch, dass Görlitz bei der Vergabe der Gelder berücksichtigt wird. In den vergangenen Jahren flossen schon in das Fördergebiet Gründerzeitstadt mehr als sieben Millionen Euro aus den Efre-Programmen der EU. Damit konnte der Toberenzbrunnen auf dem Postplatz saniert, die Straße vor dem Joliot-Curie-Gymnasium Wilhelmsplatz wie auch die Schule selbst instand gesetzt, der Schutt des Massa-Marktes an der Uferstraße beräumt und der Uferpark eingerichtet werden. Ebenso stand Geld für die Sanierung der Turnhalle der Böttcher-Grundschule zur Verfügung, der Spielplatz im Stadtpark wurde erweitert, neue Fenster in die Synagoge eingebaut und zeitweise das City-Management unterstützt. Lediglich die Neugestaltung des Molkereigeländes an der Emmerichstraße scheiterte, weil die Interessen eines Eigentümers andere waren. Darin liegt nun auch die wichtigste Arbeit der Stadtplaner. Zwar sind im Brautwiesenbogen manche Flächen bereits in städtischem Besitz, doch müssen nun private Eigentümer für die Pläne gewonnen werden. Hartmut Wilke ist zuversichtlich: „Wir können nicht nur finanziell unterstützen, sondern die privaten Investoren auch bei ihren Plänen beraten.“ Auf ein Wort

 

 

 

Über den Brautwiesenbogen informiert die Stadt an diesem Sonntag, von 10 bis 17 Uhr, beim Sanierungstag im Info-Punkt Brüderstraße. Dort läuft auch ein ZDF-Film von 1992, der das noch weitgehend unsanierte Görlitz zeigt.

 

 

 

 

 

30.06.2015

 

 

 

Stadthalle erst im August Thema im Stadtrat

 

Görlitz. Der Stadtrat wird frühestens im August darüber entscheiden, ob die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier 2021 saniert wird. Eigentlich stand der Vorschlag von der Wählervereinigung „Zur Sache“ bereits auf der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag. Aber weil die Tagesordnung so umfangreich war, konnten nicht alle Beschlussvorlagen bis 22 Uhr abgearbeitet werden. Nach dieser Uhrzeit kann der Stadtrat aber nur noch tagen, wenn seine Mitglieder dem zustimmen. Das taten sie aber nicht. Nachdem die Verschärfung der Polizeiverordnung und das Alkoholverbot auf zentralen innerstädtischen Plätzen wochentags von 7 bis 18 Uhr beschlossen waren, lehnten die Räte es ab, die Stadthallen-Vorlage als letzten Tagesordnungspunkt der Sitzung noch abzuarbeiten. So muss sie nun nach der Sommerpause behandelt werden.

 

 

 

Die Vorlage von „Zur Sache“ enthält nicht nur das Ziel 2021 für die Eröffnung der Stadthalle. Zugleich sollen noch in diesem Jahr Planungen für die Verbesserung der Parkplatz-Situation rund um die Halle beginnen. (SZ/sb)

 

 

 

08.07.2015

 

 

 

Gold und Silber für die Stadthalle

 

Hobby-Münzmeister Thomas Raschke prägt Medaillen mit dem Motiv des berühmten Hauses. Die ersten waren gleich vergriffen.

 

 

 

Von Ralph Schermann

 

 

 

Das Zeremoniell konnte historischer nicht sein: Schrill tönte die Glocke, der Münzmeister rief „Hammer fällt!“, und dann donnerte mit der Wucht von 50 Tonnen Metall auf Metall. Im Gewölbe des Obermarktes 26 vollzog Thomas Raschke im mittelalterlichen Kostüm den Erstabschlag einer Spendenmedaille zugunsten der Görlitzer Stadthalle. Die Prägung in 333er Gold soll ein Unikat bleiben und bei einer Internet-Versteigerung Geld in die Kasse des Stadthallen-Fördervereins bringen. Um das Gold dafür überhaupt einsetzen zu können, ging Thomas Raschke vor dem Abschlag mit dem Klingelbeutel herum. Die 60 Zuschauer legten spontan rund hundert Euro hinein. „Das zeigt doch, wie sehr die Görlitzer ihre Stadthalle vermissen“, war deshalb Thomas Leder überzeugt. Der Vorsitzende des Vereins trat als „Bauarbeiter der Stadthalle“ mit gelbem Helm auf, und mit Zylinder und Gehrock folgte Ernst Kretzschmar. Der Görlitzer Historiker verkörperte Oberbürgermeister Georg Snay, in dessen Amtszeit die Stadthalle entstand. Aus dem heutigen Rathaus indes wurde Besuch vermisst. Wolf-Dieter Fiedler und weitere Zuschauer ärgerte das: Es wäre ein Zeichen für das Interesse an der Wiederbelebung der Kulturstätte gewesen. Ein Zeichen setzen jetzt die Medaillen mit der Inschrift „Taler nahm ich, Euro gab ich für die Stadthalle“.

 

 

 

Der vor 28 Jahren aus Brandenburg zugezogene Thomas Raschke sammelt als Hobby-Numismatiker schon seit seinem achten Lebensjahr Münzen und schuf auch schon einige eigene Kreationen. Geprägt wird an einem Original-Fallhammer aus dem 18. Jahrhundert, der auch für Nicht-Sammler ein technisches Meisterwerk darstellt. Die Prägestempel für die aktuelle Medaille ließ Raschke von einer Fachfirma in Baden-Württemberg nach seinem Entwurf fertigen. Die ersten Medaillen mit Stadthallenmotiv sind es dennoch nicht, wie als Besucher Lothar Kaulfers mitteilte. Der Görlitzer Feinmachaniker, Medizintechniker und Erfinder von Zauberrequisiten präsentierte gleich mehrere seiner bisherigen Stadthallen-Prägungen, die allerdings noch nie öffentlich zugänglich waren. Eingearbeitet in historische Postkarten denkt aber auch Lothar Kaulfers nun über einen Verkauf nach. Dass das Interesse daran groß ist, bewies das kräftige Schauprägen. Thomas Raschke hatte 25 Silberrohlinge mitgebracht, die sofort alle weggingen – für 30 Euro, von denen ein Teil als Spende für die Stadthalle gilt. Jetzt prägt der Hobby-Münzmeister eine Weile ohne Publikum weiter, um die nächsten Silberlinge in den Verkauf zu bringen, zum Beispiel an einem Stand beim Tippelmarkt am 18. Juli.

 

 

 

 

 

 

 

15.07.2015

 

 

 

Die Saalfenster werden saniert

 

Der Stadthallenförderverein hatte eine Spende an die Stadt übergeben und fragt nach dem Verbleib.

 

Von Christine Marakanow

 

 

 

In der jüngsten Bürgerfragestunde der Stadtratssitzung wurde nach dem Verbleib der Spende des Fördervereins für die Stadthalle gefragt. Die Antwort von Bürgermeister Michael Wieler lautete, diese 12 000 Euro seien unter „Haushaltsrest“ verbucht worden. Was diese Aussage bedeutet, möchte Anneliese Karst wissen.

 

 

 

Laut Stadtverwaltung fließt das Geld in die Gesamt-Eigenmittel für die Sanierung der Stadthalle, also zusammen mit den Haushaltsrest aus 2014. Die Eigenmittel werden für den ersten und zweiten Bauabschnitt verwendet, die Sanierung der Strebepfeiler und Seitendächer sowie die Sanierung der Nebendächer, der Erdgeschoss-Decke und der Saalfenster. Damit werde der Spendenzweck erfüllt.

 

 

 

Engagement: Auch als Rentner setzten wir uns noch für die Stadthalle ein

 

 

 

„Ich hoffe, dass die Stadthallensanierung bald vorankommt", sagt Brigitte Hanke. Beim Brauereifest sah die Rentnerin, die Landskronhalle ist „kein Ersatz“. Zusammen mit ihrem Mann habe sie viele Veranstaltungen in der Stadthalle erlebt, darunter glanzvolle Tanzturniere und Konzerte, erzählt sie. „Wir werden die Stadthalle vielleicht nicht mehr in neuem Glanz erleben, denn ich bin 83 Jahre“, sagt Frau Hanke. Aber dennoch engagiere sie sich ebenso wie ihr Mann. Beide seien an der Reinigung des Stadthallengartens beteiligt gewesen und wollen nun den Stadthallenverein als Mitglieder unterstützen.

 

 

 

 

 

16.07.2015

 

Vorverkauf fürs Sommerfest im Stadthallengarten

 

 

 

Görlitz. Ab sofort gibt es im SZ-Treffpunkt im City-Center Karten für das Sommerfest mit Mark Oh, Renft und Andreas Martin. Der Auftritt von Mark Oh findet am Freitag, dem 7. August, statt. Eine Karte kostet zwölf Euro. Einlass ist ab 18 Uhr. Im Vorprogramm legen das DJ-Team The Electric Brothers und Detroyt auf. Für diese Veranstaltung gibt es auch VIP-Tickets in der Konzertmuschel mit zwei Freigetränken für 25 Euro.

 

 

 

Am Sonnabend, dem 8. August, folgt das Konzert der legendären Ost-Band Renft. Hier beginnt der Einlass bereits um 17 Uhr. Als Vorband spielen die jungen Musiker von Ramroad aus Zittau. Die Tickets kosten im Vorverkauf 12 Euro. Zudem gibt es eine begrenzte Zahl von Sitzplätzen direkt vor der Bühne mit zwei Freigetränken für jeweils 25 Euro.

 

 

 

Den Abschluss des Sommerfestes am Sonntag, dem 9. August, bildet ein Familienfest. Als Höhepunkt tritt Schlagerstar Andreas Martin am Abend auf. Der Sonntag startet um 11 Uhr mit einem Frühschoppen. Ab 15 Uhr treten in einem gemischten Programm Künstler der Region auf. Im Vorverkauf kosten die Karten 15 Euro. Auch hier gibt es VIP-Tickets in der Konzertmuschel auf überdachten und gepolsterten Stühlen mit zwei Freigetränken für jeweils 25 Euro. Der Vorverkauf für alle Tickets endet am 5. August. (SZ)

 

 

 

SZ-Treffpunkt im City-Center, 1. Obergeschoss, geöffnet montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr

 

 

 

 

 

23.07.2015

 

 

 

Stadthalle wird notgesichert

 

 

 

Die Vorbereitungen zur Notsicherung der Görlitzer Stadthalle laufen. Zwei von vier Ersatzpfeilern aus Stahl sind bereits eingebaut. Sie sollen das Gebäude stabilisieren, wenn die vier originalen Strebepfeiler saniert werden und damit die Stadthalle wieder sicher steht.

 

 

 

Für den Einbau der Stahlpfeiler ist ein spezielles Baugerüst notwendig, ein Prüfingenieur aus Dresden musste erst seine Zustimmung dafür geben. Die beiden übrigen Stahlpfeiler sollen bis spätestens Ende August eingesetzt sein. Diese Ersatzpfeiler werden nach der Sanierung der Originalteile wieder entfernt.

 

 

 

 

 

 

 

25.07.2015

 

 

 

Wüster Stadthallengarten

 

Der Förderverein versucht vor dem Sommerfest, vieles herzurichten, wünscht sich aber deutlich mehr Hilfe von der Stadt.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Thomas Leder ist zuversichtlich, den Stadthallengarten für das Sommerfest noch ein bisschen auf Vordermann bringen zu können.Fotos: Pawel Sosnowski Die Finnhütten im Stadthallengarten: Dass hier ab und an ungebetene Gäste vorbeischauen, sieht man den notdürftig zugezimmerten Fenstern an, die Unbekannte zerschlagen hatten.

 

In den Finnhütten gibt es gar nichts zu holen. Trotzdem wird hier immer wieder eingebrochen, in den kleinen Häuschen im Garten hinter der Stadthalle. Ein beliebter Ort zum Feiern war der kleine Park immer, und er ist es bis heute. Private Geburtstagsfeiern und Vereinsfeste werden nach wie vor gern hier unten an der Neiße gebucht. Da überwiegt offenbar doch der schöne erste Eindruck des Parks.

 

 

 

Nur genauer hinsehen darf man nicht. Dann löst sich das idyllische Bild ganz schnell in Luft auf. Neben den notdürftig zugezimmerten Finnhütten sieht man auch eine demolierte Toilettentür. Drinnen sind sogar die Abflüsse abgetreten worden. Das stammt vom jüngsten Einbruch, wie Thomas Leder vom Förderverein Stadthalle berichtet. Wie das Gebäude selbst und dessen Sanierung liegt ihm und dem Verein auch der Stadthallengarten am Herzen. Obwohl er so heruntergekommen ist. Denn Vandalismus ist nicht das einzige Problem. Der Zahn der Zeit nagt kräftig an dem Gelände. Immerhin wird es seit zehn Jahren nicht mehr betrieben. So ist die Bühne nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Fußbodenplatten wölben sich, platzen stellenweise auseinander. Beim Frühjahrsputz, den der Förderverein jedes Jahr macht, haben sie innen Deckenteile entfernen müssen, weil sie schon herunter hingen.

 

 

 

Die Pfeiler der Bühne sind verrostet, zwischen den Stufen der breiten Treppe hinüber zur Stadthalle sprießt das Unkraut hoch, Mauern bröckeln. Der große Drehgrill kann zwar noch benutzt werden, aber der Motor funktioniert nicht mehr. Ganz hinten ist die Treppe, die hoch in den Stadtpark führt, auch schon ziemlich zugewachsen. Vermutlich ist es besser so, denn sie ist ohnehin gesperrt und hier und da allmählich auch verrostet und verbogen.

 

 

 

Doch diesen traurigen Anblick sollen die Gäste des Sommerfestes nicht sehen. Anfang August nämlich wird es hier drei tolle Tage geben. Bis dahin soll schon noch ein bisschen repariert und verschönert werden. Beim Toilettenhäuschen hat man begonnen: Die Tür wird wieder ganz gemacht, aus den bisherigen drei werden elf Toiletten – acht Damen- und drei Herrentoiletten. Dass die Stadtwerke hier als Sponsor dabei sind, hilft sehr.

 

 

 

Doch auch von der Stadt würde sich der Verein mehr wünschen. Zwei neue Fensterscheiben oder die Reparatur der undichten Stelle auf dem Dach der Finnhütten sollten doch möglich sein. Registriert wird der Vandalismus bei der Stadtverwaltung sehr wohl. Die Beschädigung an der Toilettentür wurde gemeldet, heißt es aus dem Rathaus. Auch, dass die Schäden an den Fenstern der Finnhütten von früheren Einbruchversuchen stammen. Generell gäbe es an der Stadthalle immer wieder Angriffe gegen städtisches Eigentum. Ein festes Budget steht laut Rathaus-Sprecherin Anett Böttger für Stadthalle und Garten aber nicht zur Verfügung. „Jegliche Aufwendungen zur Unterhaltung, auch zur Beseitigung von Sachbeschädigungen, gehen zu Lasten anderer wichtiger Objekte in der Stadt.“

 

 

 

Vor dem Sommerfest des Fördervereins will die Stadt zumindest eine Baumkontrolle und -pflege durchführen, damit die Gäste der Veranstaltungen keiner Gefahr ausgesetzt sind. „Die Grünpflege innerhalb des Gartens ist vertraglich mit dem Förderverein vereinbart.“

 

 

 

Und der kümmert sich auch darum, versichert Thomas Leder. Aber ihm geht es auch ums Prinzip. „Wenn wir beim Frühjahrsputz ein ganzes Auto voller Müll aus dem Stadthallengarten karren, frage ich mich schon, ob zumindest die Kosten für die fachgerechte Entsorgung nicht die Stadt übernehmen kann“, sagt Thomas Leder. „Es kommen immer nur leere Worte aus dem Rathaus, aber nie mal eine symbolische Geste.“

 

 

 

 

 

 

 

29.07.2015

 

 

 

20 Helfer räumen im Stadthallengarten auf

 

Görlitz. Zwei Stunden lang putzten gestern 20 Leute den Stadthallengarten. Mit von der Partie waren Mitglieder des Stadthallenfördervereins, des Demokratischen Frauenbundes und Mitarbeiter des Hausmeisterdienstes Böhmer sowie Freunde der Stadthalle. Mit Rechen, Rasenmäher, Besen und Gartenscheren brachten sie das Gelände auf Vordermann und einige Sträucher in Form. Der Hausmeisterdienst hat das Schnittgut und einen Berg Unkraut abgefahren. Jetzt müsse man noch die kürzlich demolierten die Toiletten in Ordnung bringen, dann könne das Sommerfest kommen, sagt Thomas Leder vom Stadthallenverein zufrieden. Eine Bühne und rund 160 Stühle werden für das Fest vom 7. bis 9. August aufgestellt. Die Stühle werden nicht für alle Gäste reichen, wer will, könne sich einen Hocker mitbringen. Der Vereinsvorsitzende freut sich schon auf die Veranstaltung, die für viele etwas bereithält. Eintrittsfrei seien Frühschoppen und Familienfest, nur für die abendlichen Konzerte müssten Besucher Eintritt bezahlen. (cm)

 

 

 

 

 

05.08.2015      

 

 

 

DJ-Legende legt zum Sommerfest auf

 

Am Freitag beginnt das Stadthallengarten-Sommerfest. Altrocker sind genauso dabei wie neue DJs.

 

 

 

Görlitz. Den Auftakt zum Stadthallengarten Open Air am Freitag macht der DJ Mark’Oh. Bekannt ist er aus den 90er Jahren zu den Hochzeiten der Loveparade. Dazu werden auch Nachwuchs-DJs aus der Region auflegen, zum Beispiel The Electric Brothers aus Eibau, die das Publikum mit House und Elektro auf den Abend einstimmen. Danach steht Roy Neumann, der als DJ seit 2007 in Sachsen unterwegs ist, an den Plattentellern. Mit beim Open Air dabei ist auch DJ und Produzent Mike Schuenemann. Seine hausgemachte elektronische Musik führte ihn bisher größtenteils durch England.

 

 

 

Das Sommerfest im Stadthallengarten wird vom Stadthallen-Verein und der Incaming Media GmbH organisiert und läuft bis Sonntag. Am Sonnabend sind zum Beispiel die Altrocker der Ost-Band Renft zu Gast. Am Sonntag findet dann ein Familienfest mit einem bunten Programm von Künstlern aus der Region statt. Am Abend wird Schlagersänger Andreas Martin auf der Bühne stehen. Der Vorverkauf läuft bis heute, Karten gibt es unter anderem im SZ-Treffpunkt im City-Center. (SZ)

 

 

 

 

 

06.08.2015

 

 

 

Amor traf beim Renft-Konzert

 

Ein Görlitzer Ehepaar fiebert der Band beim Stadthallen-Sommerfest besonders entgegen.

 

 

 

Von Steffen Schreiber

 

 

 

Es wird wohl ein Abend voll schöner Erinnerungen, wenn Kerstin und Michael Brückner an diesem Sonnabend zum Konzert der legendären „Renft-Combo“ in den Görlitzer Stadthallengarten gehen. Denn während das Weinhübler Ehepaar eigentlich gar keine Ost-Rock-Fans sind, verbinden sie mit der Musik der vierköpfigen Band einen ganz besonderen Moment, wie Michael Brückner erzählt. „Wir haben uns vor 43 Jahren bei einem Renft-Konzert in Görlitz kennen und lieben gelernt.“

 

 

 

Es war der 4. November 1972. Kerstin Brückner war damals noch zarte 16 Jahre alt und durfte das erste Mal allein ausgehen. „Das Konzert fand in den ’Zwei Linden‘ statt, dem damals bei Jung und Alt angesagtesten Tanzlokal der Stadt“, erinnert sich die 59-Jährige. Doch beinahe hätte sie dort ihren späteren Mann nie kennengelernt, wie Michael Brückner erzählt. Ich wollte eigentlich gar nicht hingehen, aber ein Kumpel sagte, dass die zeitweise verbotene Renft-Combo in Rauschwalde spielte.“ Der damals 20-Jährige, der an diesem Freitag 64 Jahre alt wird, ließ sich überzeugen und bereut diese Entscheidung bis heute nicht. „Ich habe Kerstin gesehen und sofort zum Tanzen aufgefordert. Erst kurz vor Mitternacht trennten sich unsere Wege.“

 

 

 

Und liefen in den darauffolgenden Monaten dann immer öfter zusammen. Knapp zwei Jahre später wurde geheiratet und nach und nach eine vierköpfige Familie gegründet. Heute leben die Brückners in einem Ein-Familienhaus in Weinhübel. Er führt die über einhundertjährige Tischlertradition seiner Familie als selbstständiger Meister auf der Krölstraße fort, sie arbeitet heute als Angestellte, nachdem sie zu DDR-Zeiten lange Zeit Krippenerzieherin war.

 

 

 

In ihrer Freizeit spielen heute Konzertbesuche eine eher seltene Rolle, sagt Kerstin Brückner. „Wenn wir Musik hören, sind das eher Schlager aus den 80er Jahren. Doch dafür gehen wir nach wie vor gerne tanzen – einmal pro Woche geht es in die Tanzschule Matzke.“ Doch beim Konzert am Sonnabend stehen nicht nur Nostalgie und die unruhigen Tanzbeine im Vordergrund. „Für uns ist das Thema Stadthalle sehr wichtig. Deshalb hoffen wir, dass solch eine Veranstaltung zum Erhalt und zur hoffentlich baldigen Wiederbelebung dieses Gebäudes beitragen wird.“

 

 

 

Das hofft auch der Görlitzer Stadthallen-Verein, der gemeinsam mit der Incaming Media GmbH das dreitägige Sommerfest organisiert. Den Auftakt zum Stadthallengarten-Open-Air macht am Freitag der in den 90er Jahren bekannt gewordene DJ Mark ’Oh. Am Sonnabend sind dann die Altrocker von Renft am Start, während sonntags ein Familienfest mit einem bunten Programm von Künstlern aus der Region stattfindet. Am Abend beschließt der Schlagersänger Andreas Martin das Fest. Der Vorverkauf läuft bis heute, Karten gibt es unter anderem im SZ-Treffpunkt im City-Center, ansonsten an der Abendkasse.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 10.08.2015

 

 

 

 

 

Renft bringt Schwung

 

Schlager, Rock und 80er-Musik klangen am Wochenende auf dem Sommerfest des Fördervereins der Stadthalle. Das machte Mut: 2021 soll die Halle wieder offen sein.

 

 

 

Von Sabrina Winter

 

 

 

Der Förderverein für die Sanierung der Stadthalle zeigte beim Sommerfest natürlich Flagge. Das dreitägige Fest im Stadthallengarten ist ein Höhepunkt des Jahres. Rückblicke und Blicke nach vorn: Als die DDR-Rocklegende Renft auf die Bühne kam (kl. Foto) mischten sich im Publikum Erinnerungen an schöne Veranstaltungen in der Stadthalle mit der Hoffnung auf baldige Sanierung. Fotos: Pawel Sosnowski

 

Görlitz. Das Ehepaar Bettermann sitzt an einem Biertisch im Stadthallengarten und wartet darauf, dass es losgeht. „Wir sind hier, weil wir Renft sehen wollen. Das ist die Musik unserer Zeit – unser Ostrock“, sagt Dieter Bettermann. Er und seine Frau kennen den Stadthallengarten noch von früher. Damals waren sie Dauergäste in der Stadthalle. Sogar an ihre Jugendweihe und die ihres Sohnes erinnern sie sich. „Es ist traurig, dass es nun keine Veranstaltungen mehr in der Stadthalle gibt. Sie sollte wieder das werden, was sie früher war“, so der 62-Jährige.

 

 

 

Dieser Meinung ist auch der Förderverein der Stadthalle und veranstaltet deswegen jedes Jahr im Sommer ein Fest. Weil die Säle in der Jugendstilhalle gesperrt sind, musste man dieses Jahr auf den Stadthallengarten ausweichen. Dort bot sich von Freitag bis Sonntag eine Mischung aus Familienfest, Frühschoppen und Konzerten. Freitagabend legte DJ Mark’OH auf und Sonntag sang Schlagerstar Andreas Martin. Ein anderer Höhepunkt war die Ostrockgruppe Renft. Sie zog – trotz Regenschauer – etwa 500 Fans in den Garten.

 

 

 

Noch vor ein paar Monaten war dieser Garten zugewachsen und kaum begehbar. In mehreren Aktionen haben die Mitglieder des Stadthallen-Fördervereins ihn im Frühjahr wieder hergerichtet. Das bedeutete: Müll sammeln, Dächer von Laub befreien, Gestrüpp schneiden, Reparaturen.

 

 

 

Seitdem haben Firmen, Vereine und Privatleute den Garten für Feste gemietet. Fast jedes Wochenende war etwas los. Thomas Leder ist der Vorsitzende des Fördervereins der Stadthalle. Er sagt: „Wir wollen zeigen, dass uns die Stadthalle wichtig ist! Hier findet etwas statt und man kann den Garten nutzen – selbst wenn die Halle geschlossen ist.“

 

 

 

Auch die Gruppe Renft weiß, warum sie hier ist. Während des Konzerts richtet sich Lead-Sänger Thomas Schoppe an das Publikum: „Alle Kraft voran für den Erhalt der Stadthalle! Es muss etwas getan werden!“ Durch die Menge huschen zustimmende Laute und Applaus. Hinter der Bühne ragt die Jugendstilfassade in die Höhe. Scheinwerfer tauchen sie in buntes Licht.

 

 

 

Die Ostrocker waren schon öfter in Görlitz. Das letzte Mal vor einigen Jahren zum Altstadtfest. Schoppe erinnert sich: „Das war super! Irgendwie habe ich ein Faible für die Stadt. 1970 war ich das erste Mal hier – sogar eine Nacht länger als geplant, weil ich eine nette Bekanntschaft gemacht hatte.“

 

 

 

Während am Freitag wenige Besucher den Weg in den Stadthallengarten fanden, wurde es am Sonntag richtig voll. Der Förderverein nutzte das Fest, um sich vorzustellen und Mitglieder zu werben. Anneliese Karst, Mitglied des Fördervereins, ist zufrieden mit der Werbeaktion: „Es gab einige Leute, die sich ehrlichen Herzens einen Flyer mitgenommen haben.“ Für die kommenden Jahre hat der Verein einiges geplant. Spätestens, wenn Görlitz 950 Jahre alt wird, will er wieder in die Stadthalle rein. Das ist im Jahr 2021. Thomas Leder ist überzeugt: „Das kann man schaffen. Man muss es nur wollen.“

 

 

 

Vor 25 Jahren gab es übrigens das erste Benefizkonzert in der Stadthalle. Damals war der Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey das Zugpferd und sammelte ganz allgemein für die Sanierung der maroden Altstadt von Görlitz. 2013 trat Bill Ramsey noch einmal hier auf, obwohl die Halle eigentlich seit Ende 2004 dicht ist. Im Sommer 2013 warb Bill Ramsey dann ausdrücklich für die Stadthalle. (mit SZ/fs)

 

 

 

 

 

 

 

SZ 14.08.2015

 

 

 

Beschluss zur Stadthalle gefordert

 

Im August soll der Stadtrat eine Sanierung bis 2021 beschließen. Um Fördergelder zu erhalten.

 

Görlitz. Der Stadthallen-Förderverein hält daran fest, dass sich die Görlitzer Kommunalpolitik zur Sanierung der Jugendstilhalle bis 2021 verpflichten sollte. Ein entsprechender Antrag liegt dem Stadtrat vor. Aus Zeitgründen war er vor der Sommerpause im Juli als letzter und einziger Tagesordnungspunkt nicht mehr behandelt worden. Die Mehrheit der Stadträte wollte das Thema nicht nach 22 Uhr behandeln. So wird der Antrag, den die Fraktion Zur Sache eingebracht hat, nun Thema in der August-Sitzung. Thomas Leder, Vorsitzender des Vereins und CDU-Stadtrat, hält einen solchen Beschluss für unabdingbar. „Allein um weitere Fördermittel und Spenden einzuwerben sind ein klares Bekenntnis zur Sanierung der Stadthalle und ein Zeithorizont unerlässlich“, erklärte er nach dem Sommerfest an der Stadthalle am Wochenende. Das Sommerfest wertet der Verein als vollen Erfolg. Vor allem bei den Konzerten von Renft und Andreas Martin war der Stadthallengarten gut besucht.

 

Renft würde auch im nächsten Jahr in der Stadthalle spielen, allerdings ist die Halle im Moment noch immer gesperrt. Ob und welche Säle nach der Sicherung freigegeben werden, ist völlig offen. Auch der Familiennachmittag sowie der Frühschoppen fanden große Akzeptanz beim Publikum. Oberbürgermeister Siegfried Deinege besuchte das Fest ebenso und erhielt ein Stadthallenbrot der Bäckerei Hübner aus Horka. „Das Sommerfest im Stadthallengarten hat allen Görlitzern und ihren Gästen gezeigt“, sagt Leder, „wie schön diese Anlage ist. Mit weiteren Reparaturen kann der Garten im nächsten Sommer fast durchgängig genutzt werden.“ Der Verein hofft zudem, möglichst bald den kleinen und vor allem den großen Saal für Benefizveranstaltungen zur Sanierung der Halle nutzen zu können. (SZ)

 

 

 

 

 

SZ 28.08.2015

 

 

 

Offene Stadthalle zum Denkmaltag?

 

Ein Benefizkonzert wird es zum Denkmaltag wohl nicht geben. So voll dürfte die Stadthalle trotzdem werden, falls sie tatsächlich geöffnet ist.

 

Ein Benefizkonzert wird es zum Denkmaltag wohl nicht geben. So voll dürfte die Stadthalle trotzdem werden, falls sie tatsächlich geöffnet ist.

 

 

 

Seit über einem Jahr ist die Stadthalle für alle Besucher gesperrt. Das könnte sich jetzt rechtzeitig vor dem Tag des offenen Denkmals am 13. September ändern. Wie die SZ erfuhr, prüft die Stadt, ob die Halle zu dem Denkmaltag für Besucher geöffnet werden könnte. Nachdem die maroden Stützpfeiler gesichert sind, ist das größte Sicherheitsrisiko erledigt. Wenn der Prüfstatiker grünes Licht gibt, soll die geöffnete Stadthalle der Höhepunkt des Denkmaltages werden. Bei der nötigen Sanierung bleibt die Stadt vermutlich aber auf ihrem Kurs, sich nicht festlegen zu wollen. Zwar gibt es im Stadtrat am heutigen Donnerstag einen Antrag, die Halle bis 2021 zu sanieren. Da ihn aber der frühere OB Joachim Paulick und seine Wählervereinigung Zur Sache einbringen, hat der Vorstoß kaum Aussichten auf Erfolg. Der Stadtrat tagt ab 16.15 Uhr im Rathaus. (SZ).

 

 

 

 

 

Beschluss zur Stadthalle abgelehnt

 

 

 

„Zur Sache“-Fraktionschef Joachim Paulick bezeichnete es als durchaus realistisch, die Halle in fünf Jahren öffnen zu können. „Die Planungen gibt es ja noch“, so Paulick.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

Eine volle Stadthalle – wie hier beim letzten Sinfoniekonzert der Neuen Lausitzer Philharmonie im Jahr 2004 – wünschen sich viele Görlitzer. Doch die Politik tut sich schwer damit.

 

Eine volle Stadthalle – wie hier beim letzten Sinfoniekonzert der Neuen Lausitzer Philharmonie im Jahr 2004 – wünschen sich viele Görlitzer. Doch die Politik tut sich schwer damit.

 

© Rolf Ullmann

 

Selbst wenn dieser Beschluss Donnerstagabend im Stadtrat durchgegangen wäre: Nach Angaben von Oberbürgermeister Siegfried Deinege hätte die Rechtsaufsicht des Landkreises ihn sofort kassiert. Ein so weitreichender Beschluss ohne klare Finanzierung – ein Unding.

 

 

 

Deshalb lehnten 19 Räte die Vorlage von „Zur Sache“, die Stadthalle bis 2021 wiederzueröffnen ab. Sechs stimmten ihr zu, drei Räte enthielten sich der Stimme.

 

 

 

„Zur Sache“-Fraktionschef Joachim Paulick bezeichnete es als durchaus realistisch, die Halle in fünf Jahren öffnen zu können. „Die Planungen gibt es ja noch“, so Paulick. Sie müssten lediglich hier und da angepasst werden. Dass es bereits mehrere Grundsatzbeschlüsse zur Wiedereröffnung der Stadthalle gegeben hat, räumte Paulick eingangs selbst ein. Doch sei bisher alles nicht zielführend gewesen und Bekenntnisse könne man mehrfach wiederholen. „Nichts anderes ist es: ein Bekenntnis der Stadt. Das ist wichtig für Fördermittelgeber, Unterstützer und Spender. Die Details kommen später“, so Paulick gegenüber der SZ.

 

 

 

Inhaltliches Konzept fehlt

 

 

 

Wichtige Details wie Finanzierung und inhaltliches Konzept. Das fehlt und genau das wird immer wieder kritisiert. Weil die Stadthallensanierung nicht „klar durchfinanziert“ ist, stimmen sie dagegen, sagt Renate Schwarze für die SPD-Fraktion. Thorsten Ahrens von den Linken wünscht sich endlich eine inhaltliche Auseinandersetzung. Ideen, wie die Stadthalle betrieben werden soll, gebe es nicht – von keiner Seite – weder von Seiten der CDU noch von „Zur Sache“. Obgleich das natürlich zuallererst Aufgabe der Stadt als Eigentümerin des Hauses ist.

 

 

 

Links zum Thema

 

 

 

Kommentar: Kleiner Lichtblick im Trauerspiel Stadthalle

 

Die CDU bemängelte, dass Paulicks Vorlage nicht den Inhalt habe, den sie als Grundsatzbeschluss brauche. Man sei da zu Diskussionen gern bereit. „Aber ich werde mich nicht dazu bringen lassen, mich auf eine Eröffnung 2021 festzulegen“, so Fraktionschef Dieter Gleisberg.

 

 

 

Deutliche Worte kamen auch von Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz): „In den Fragen Betreibung und Finanzierung bringt uns diese Vorlage nicht weiter. Und was ein klares Bekenntnis zur Stadthalle angeht: Da hat sich die Stadt genügend geäußert.“ Darum gehe es nicht mehr, sondern um das eigentliche Problem: Die Stadt habe nicht die nötigen Mittel zur Betreibung und Nutzbarmachung der Stadthalle.

 

 

 

Seitenhieb auf Ex-OB Paulick

 

 

 

Bürgermeister Wieler, der sich einen Rückblick in die Vergangenheit mit unter OB Paulick verpassten Chancen auf Fördermittel nicht verkneifen wollte, unterstrich Kücks Aussage, indem er die schlechte Aussicht auf Fördersummen betonte, die große Schritte ermöglichen würden. Auch seien die Eigenmittel nicht da, die dafür nötig wären. Die 2012 noch vorhandenen Mittel hat die Stadt mittlerweile für andere Projekte ausgegeben. Nicht zuletzt wäre ein jährlicher städtischer Zuschuss zu den Betriebskosten von etwa einer Million Euro zu stemmen. Bisher waren in den Gutachten der Stadt immer 500 000 Euro angegeben – ohne Abschreibungen.

 

 

 

Auch die vier Millionen Euro Fördermittel, die nach SZ-Informationen Sachsens Innenminister Markus Ulbig in der kommenden Woche in Görlitz übergeben will, sind da zunächst wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Geld soll für die Sicherung verwendet werden, zum Teil aber auch schon für den Beginn der Sanierung. Angesichts dieses „Geschenks“, forderte Renate Schwarze noch mal: „Wir sind in der Pflicht, uns zu Werterhaltung, Sicherung und Sanierung der Stadthalle zu positionieren. Es geht hier um unser Gesicht.“

 

 

 

 

 

 

 

31.08.2015

 

 

 

Innenminister bringt Geld für die Stadthalle

 

Görlitz. Das Innenministerium bestätigte am Wochenende, dass Minister Markus Ulbig an diesem Freitag zwei Förderbescheide in Görlitz übergeben wird. Es handelt sich dabei um die Fördermittel von mehr als vier Millionen Euro aus Denkmalhilfe-Programmen für die Sicherung und Sanierung der Stadthalle. Deswegen findet die Übergabe nach Angaben der Staatsregierung am Freitagvormittag auch an der Stadthalle statt.

 

 

 

Am Donnerstag hatte der Stadtrat noch abgelehnt, die Stadthalle bis 2021 zu sanieren. Weder habe die Stadt ein Konzept für den Betrieb der Stadthalle, hieß es in der Diskussion, noch sei absehbar, so schnell die nötigen Investitionsmittel für eine Sanierung einwerben zu können. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

01.09.2015

 

 

 

„Bedenkenträger haben sich bei der Stadthalle wieder durchgesetzt“

 

Wenn es um die Stadthalle geht, schlagen die Emotionen hohe Wellen. Die einen hätten sie gern wieder, auch wenn es viel Geld kostet, die anderen haben sie abgeschrieben. Der Stadtrat hat jetzt einen Grundsatzbeschluss zur Halle abgelehnt. Das ist bei Facebook zum Thema zu lesen:

 

 

 

Maik Herrmann: Lieber Stadtrat, ich denke, die Stadt Görlitz braucht die Stadthalle dringend, und meiner Meinung nach sind Sie als gewählte Vertreter der Stadtbevölkerung für ein sinnvolles und umsetzbares Konzept verantwortlich.

 

 

 

Lilly Rose: Ja aber diese Räumlichkeiten entsprechenden nicht modernen Standards. Wir sind nicht mehr in der DDR, heute braucht man mehr, um mitzuhalten oder ein attraktiver Raum für Kongresse oder Messen zu sein. Es gibt genügend Hallen in Görlitz, die diese Voraussetzungen erfüllen. Eine wirklich moderne Alternative wäre es nicht. Attraktive Konzerte und Veranstaltungen gibt es schon jetzt hier nicht. Die Stadthalle ist einfach überholt.

 

 

 

Maik Herrmann:Im derzeitigen Zustand der Stadthalle geht es nicht ohne Sanierung, und in dem Zusammenhang kann man die Halle auf einen modernen Ausstattungsstand bringen. Wenn keine geeignete Location da ist, kann man keinen „Künstler“ davon überzeugen, nach Görlitz zu kommen. Meiner Meinung nach gibt es in Görlitz keine Alternative.

 

 

 

Eric Maetschke: Lilly Rose, waren Sie schon mal zu Veranstaltungen in der Brauerei oder im Rosenhof? Ich ja, und ich bin der Meinung, dass der Platz und das Ambiente einfach nicht reicht und passt.

 

 

 

Olaf Schmidt: Wir brauchen dringend einen Saal für unsere Tanzturniere. Was wir hier haben, ist zu klein. Das reicht nicht mal für Abschlussbälle der Tanzschulen.

 

 

 

Sylvia Littke-Hennersdorf: Bereits 2005 – ich war damals im Kulturhauptstadtbüro, und es wurde die 27-Millionen- Variante diskutiert – war klar, dass zum Beispiel der Eintrittspreis für einen Tanzstundenball bei etwa 70 Euro je Person liegen wird/ muss. Wer soll oder kann das bezahlen? Zu bedenken ist aber auch, dass für etliche Künstler, die sicher viel Geld in die Kasse spülen, die Halle zu klein ist.

 

 

 

Clemens Habedank. Die Stadt müsste eine Million Euro aufbringen, um eine fertige Stadthalle zu unterstützen, trotz Veranstaltungen. Da sind keinerlei Bau- und Sanierungskosten im Voraus berücksichtigt. Wenn der Stadtrat nun vorschlagen würde, liebe Stadthallenfans, wir bringen die Kosten auf, dafür fällt beispielsweise die Straßenbahn in Görlitz weg und wir kürzen die Mittel für das Theater weiter, würden Sie weiter an Ihrem kruden Plan der Stadthallensanierung festhalten, liebe Befürworter?

 

 

 

Clemens Habedank. Wo parken sie die Fahrzeuge der 1 700 Besucher? Geschweige denn den Fahrzeugtross der Künstler, die sich dann wöchentlich die Klinke in die Hand geben? Schließt sich da vielleicht ein Parkhausbau für mehrere Millionen Euro an? Wie sieht es aus mit dem Hochwasserschutz?

 

 

 

Holger Herrmann: Ganz einfach abreißen!

 

 

 

Bertram Oertel. Die eigene Profilierung und die ihrer Wählervereinigung ist den hiesigen Stadträten offensichtlich wichtiger als das Wohl der Stadt. Warum schließen sich nicht parteiübergreifend die Befürworter der für die Stadt so wichtigen Stadthallensanierung zusammen und erarbeiten gemeinsam, auch unter Beteiligung der Bürger, ein tragfähiges Konzept?

 

 

 

Eno Strauss. Also wieder ein Flop. Vier Millionen zu Sicherung und Erhalt, und es passiert auf absehbare Zeit nix.

 

 

 

Gabriele Ullrich: Es ist traurig für Görlitz, dass die Stadthalle nicht wiedereröffnet wird, kein gutes Omen. Es war doch auch eine Attraktion, als Künstler aus dem In- und Ausland auftraten.

 

 

 

Mike Neugebauer: Die Bedenkenträger haben sich wieder durchgesetzt. Typisch für Görlitz. Traurig für Görlitz.

 

 

 

Ringel Blume. Ich habe die Abstimmung gesehen, und ich muss sagen, dass ich das Gefühl habe, es besteht ein riesiges Desinteresse vonseiten der Stadt, der Stadträte und vor allem auch vom OB. Und das ist schon sehr traurig.

 

 

 

Detlef Lothar Renner: Nehmt doch endlich Zgorzelec mit ins Boot, dann gibt’s auch mehr Fördermittel. Eine gemeinsam betriebene Stadthalle der Europastadt Görlitz-Zgorzelec lässt den Gedanken der EU dann auch wahr werden.

 

 

 

 

 

 

 

SZ 03.09.2015

 

 

 

Rathaus sucht Sanierungsbeschluss für Stadthalle

 

Offensichtlich gibt es gar kein gültiges Votum des Stadtrates für den Bau. Was hat das für Folgen?

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Die Anspannung in den Reihen der Großen Koalition war im Stadtrat zuletzt groß. Aus ihrer Sicht ausgerechnet der frühere Oberbürgermeister Joachim Paulick hatte einen Antrag eingebracht, die Stadthalle bis 2021 zu sanieren. Ein Grundsatzbeschluss für die Konzerthalle. Er sei nötig, so argumentierten Zur Sache, FDP und SPD, um Land, Bund und der EU zu signalisieren, wir meinen es ernst mit der Halle. Die Mehrheit im Stadtrat aber sah das nicht als nötig an. Ihre Argumente: Es gibt genug Grundsatzbeschlüsse, der Kreis schätze den Antrag als rechtswidrig ein und er helfe auch nicht weiter bei der Suche nach Fördermitteln und Konzepten. Vor allem der Görlitzer Architekt Wolfgang Kück für die Bürgerfraktion argumentierte so. Die Mehrheit folgte ihm, so kam der Antrag nicht durch.

 

 

 

Kein Grundsatzbeschluss gilt mehr

 

Seitdem rätseln alle, was eigentlich noch die Beschlusslage zur Stadthalle ist. Will die Stadt sie sanieren oder nicht, hat das der Stadtrat beschlossen oder nicht, gibt es einen Auftrag an den Oberbürgermeister, sich um die Halle zu kümmern? Die Fragen lenken den Blick zwangsläufig in die Vergangenheit. Der letzte Grundsatzbeschluss stammt vom 6. September 2011. Damals bekannten sich 21 Stadträte bei sechs Gegenstimmen „zur Sanierung der Stadthalle durch die Stadt selbst mit einem Bauvolumen von voraussichtlich 33,3 Millionen Euro“. Das Projekt sah die Instandsetzung und Modernisierung der Halle und einen Anbau zur Neiße hin vor. Dann kam es zum OB-Wechsel von Paulick zu Deinege. Und am 18. Oktober 2012 beschloss der Stadtrat mit 31 Ja-Stimmen bei nur einer einzigen Gegenstimme, auf Vorschlag Deineges „das Sanierungsvorhaben Stadthalle auf dem Stand der Entwurfsplanung einzustellen“. Der 2011er Beschluss war damit aus der Welt. Seitdem gab es nach Angaben der Stadt keinen neuerlichen Grundsatzbeschluss. Selbst Oberbürgermeister Siegfried Deinege räumt gegenüber der SZ ein, dass es vermutlich so sei. Er lasse das gerade im Rathaus prüfen. Sollte die Prüfung das bisherige Ergebnis bestätigen, dann würde das die Meinung des Münchner Unternehmers Hans Fey bestätigen, der schon im Januar den fehlenden politischen Willen in Görlitz beklagte, die Stadthalle zu sanieren. Gestern meldete er sich mit einem Offenen Brief an den Innenminister Markus Ulbig. Der will am Freitag der Stadt Fördermillionen für die Stadt übergeben. Fey appelliert an Ulbig, bei der Gelegenheit den Vertretern der Stadt „eindringlich vor Augen zu führen, dass mit der bisherigen verantwortungslosen Einstellung in Sachen Stadthalle Schluss sein muss“. Schließlich seien bereits Millionen in die Stadthalle geflossen, ohne dass die Bürger davon etwas gehabt hätten. Fey nennt die eine Million Mark für die Sauer-Orgel, auch in die Sanierung der Gaststätte waren damals D-Mark-Millionen geflossen. Nicht zuletzt kann die Stadt die rund 2,5 Millionen Euro Planungskosten für das 2011er Projekt abschreiben, da überhaupt nicht feststeht, ob es in dieser Art noch einmal umgesetzt wird.

 

Zugleich beschloss der Stadtrat 2012 aber auch, den Oberbürgermeister zu beauftragen, „mit den potenziellen Fördermittelgebern über eine finanzielle Unterstützung des Vorhabens in der nächsten Förderperiode zu verhandeln.“ Deinege versteht das als Auftrag, sich um „die Stadthalle zu kümmern“. Da aber mit dem Begriff „Vorhaben“ das 2011er Projekt gemeint ist, läuft dieser Satz ins Leere. Denn dieses Projekt hatte der Stadtrat im selben Beschluss ja „eingestellt“. Es gibt also formal auch keinen Auftrag an den OB.

 

Rechtswidrige Vorlage?

 

Noch kritischer steht es um die Erklärung von OB Siegfried Deinege im Stadtrat, der Kreis habe den Antrag Paulicks als rechtswidrig eingeschätzt. Selbst wenn der Stadtrat zustimme, müsse er dem Antrag widersprechen. Kommunalamtsleiter Karl Ilg bestätigt der SZ, dass „die Stadt Görlitz kurz vor der Stadtratssitzung telefonisch über den Antrag auf einen Grundsatzbeschluss zur Wiedereröffnung der Stadthalle Görlitz informiert“ habe. Dabei sei kurz erörtert worden, ob der Antrag rechtswidrig sei. „Da nach dem Antrag die Instandsetzung der Stadthalle bedingungslos bis 2021 ohne jegliche finanzielle Untersetzung festgelegt werden soll, haben wir die Anfrage bejaht.“ Auch sei es erwünscht, dass sich Kommunen bei Zweifeln an der Rechtssicherheit vorab an den Kreis wenden. Nur: Paulick brachte den Antrag im Mai ein, denn er stand ja bereits Ende Juni auf der Tagesordnung des Stadtrates, wurde damals aber nicht beraten, weil die Sitzungszeit abgelaufen war. Warum also fragte die Stadt nicht viel früher beim Kreis nach und informierte den Antragsteller, damit er den Beschlusstext noch „rechtssicher“ hätte gestalten können. Und die FDP hatte noch im Stadtrat vorgeschlagen, den Beschluss zur Sanierung weicher zu gestalten. Ob auch das rechtswidrig gewesen wäre, wer weiß das schon. Auf ein Wort

 

 

 

 

 

 

 

Stadt sitzt in der Stadthallen-Falle

 

über Unklarheiten nach dem Ratsbeschluss

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

Es war ein großes Schauspiel, das uns die Große Koalition im Stadtrat am vergangenen Donnerstag gespielt hat. Die einstige Stadthallenpartei CDU und die Bürgerfraktion echauffierten sich im Gleichklang, warum überhaupt ein neuer Grundsatzbeschluss für die Sicherung und Sanierung der Stadthalle beschlossen werden sollte. Erstens gebe es genug von ihnen, und zweitens würden dadurch weder Geld noch Konzept für eine künftige Nutzung der Stadthalle praktisch aus dem Boden sprießen. Nun zeigt sich: Es ist gar nicht so einfach, noch einen gültigen Grundsatzbeschluss zu finden. Selbst Deinege zweifelt mittlerweile daran. Die bisher getroffenen Beschlüsse hat die Mehrheit im Stadtrat im Oktober 2012 kassiert. Seitdem gibt es nichts mehr.

 

Nun sucht das Rathaus nach einem solchen Beschluss. Das fällt ausgerechnet vor dem Besuch von Innenminister Markus Ulbig morgen in Görlitz ins Gewicht. Er will Förderbescheide mitbringen, mit denen für vier Millionen Euro Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Stadthalle durchgeführt werden sollen. Auf welcher Grundlage diese Steuergelder nach Görlitz fließen, ist umstrittener denn je. Die Stadt als Eigentümer und der Stadtrat als ihr höchstes Organ können dem Minister aktuell nicht nachweisen, dass sie den politischen Willen haben, die Halle in absehbarer Zeit zu sanieren. Ja der Stadtrat lehnte es jetzt sogar ab, das Zieldatum 2021 für die Halle anzupeilen. Offensichtlich rechnet die Mehrheit im Stadtrat sogar damit, dass die Halle noch viel später fertig wird, wenn überhaupt. Und niemand kann im Moment ausschließen, dass der alte Kasten vielleicht auch noch die nächsten 30 Jahre einfach so dasteht.

 

Über die Folgen gehen die Meinungen auseinander. Angesichts der Schäden müsse gesichert werden, da brauche man keinen Grundsatzbeschluss, heißt es im Rathaus. Doch die Gelder sollen auch für eine beginnende Sanierung verwendet werden. Doch ob an deren Ende eine sanierte Konzerthalle oder ein aufgemotztes Messezentrum steht, ist nicht entschieden. So steckt die Stadt in einer Falle, die sie sich selbst gestellt hat.

 

 

 

 

 

05.09.2015

 

 

 

Dresden öffnet Geldbörse für Stadthalle

 

Görlitz hat zwar noch keinen Plan für die Sanierung der Halle. Aber der Innenminister spendiert 1,7 Millionen Euro.

 

Von Matthias Klaus

 

 

 

Freistaat zu reisen. „Es gibt tatsächlich viel zu tun im Lande“, sagt Markus Ulbig. Deshalb überlege er es sich gut, welche Termine er wahrnehme. Der gestrige in Görlitz dürfte dem CDU-Politiker einigermaßen positiv im Gedächtnis geblieben sein. „Nicht überall werde ich in Sachsen derzeit so freundlich empfangen“, freut er sich und denkt wahrscheinlich an Asylbewerber, Proteste, Heidenau.

 

Aber dass Markus Ulbig am Freitagmittag in Görlitz vergleichsweise nett begrüßt wird, ist kein Wunder. Der Innenminister hat das Scheckbuch mitgebracht. Sechs Zuwendungsbescheide, Fördermittelbewilligungen für die Stadt, trägt er unter dem Arm. Fast vier Millionen Euro sind sie wert. Vier der Papiere kommen dem Städtebau zugute, einer ist für die Stadthalle, ein weiterer für die Synagoge vorgesehen. Allein für die Stadthalle macht der Freistaat knapp 1,7 Millionen Euro locker, für die Synagoge 300 000 Euro. Der Innenminister hat sich für die Übergabe dann auch die Stadthalle ausgesucht, das wohl mit Abstand in Görlitz am meisten diskutierte Bauvorhaben. „Ich weiß, dass es um das Gebäude eine große Debatte in der Stadt gibt“, sagt er. Aber, so sei die Meinung in Dresden, das Haus dürfe nicht weiter verfallen, müsse zunächst gesichert werden. „Dann muss es aber auch aktiv an die Sanierung gehen. Und: Es muss über die künftige Nutzung nachgedacht werden“, mahnt Markus Ulbig.

 

Noch am 27. August hatte der Stadtrat allerdings abgelehnt, sich auf einen Sanierungstermin bis 2021 festzulegen. Eine entsprechende Vorlage von „Zur Sache“ wurde gekippt. Es gibt dadurch weiterhin keinen Grundsatzbeschluss zum Gebäude, nur Lippenbekenntnisse. Bürgermeister Michael Wieler nimmt am Freitag zwar mit einem Lächeln die Fördermittelbescheide aus Dresden entgegen. Aber er macht auch noch einmal klar: „Die Stadt kann innerhalb der kommenden fünf Jahre ein Projekt wie die Sanierung der Stadthalle nicht stemmen.“ Eigentlich möchte der Bürgermeister die Diskussionen nicht weiter anheizen. „Es geht einfach nicht, wenn gesagt wird: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir haben derzeit keine Mittel, um die Stadthalle in einem Großvorhaben zu sanieren“, sagt Michael Wieler – auch mit Blick auf die zahlreichen Mitglieder des Fördervereins Stadthalle, die den Minister aus Dresden begrüßen.

 

Ja, es gebe kleine Schritte, sagt Michael Wieler. Dazu gehören die vier riesigen Stahlpfeiler, die das Haus stabilisieren. Sie wurden innerhalb des geplanten Zeitrahmens eingebaut. Nun können die originalen Strebepfeiler erneuert werden. Danach, schildert der Bürgermeister, werden die Seitendächer mit einer Decke aus Stahlbeton versehen. Bisher liegen die auf Holzbalken mit einer Dachpappen-Beschichtung. „Die Halle bekommt einen statischen Ring“, erläutert der Bürgermeister. Wenn der fertig ist, sei das Gebäude so weit standsicher, dass es an den Bauabschnitt zwei gehen kann. Für den wird das Geld verwendet, dass Innenminister Markus Ulbig mitgebracht hat. Konkret heißt das unter anderem: Erneuerung der Erdgeschossdecke und der Fenster im Großen Saal, Sanierung der Nebendächer.

 

Bürgermeister Michael Wieler sieht als Ziel für die absehbare Zukunft, in zwei, drei Jahren, dass der Kleine Saal wieder nutzbar gemacht werden könnte – zumindest in der heizungsfreien Zeit. Der Görlitzer CDU-Landtagsabgeordnete Octavian Ursu schaut da schon ein Stück weiter in die Zukunft. Er möchte sobald wie möglich wieder Trompete spielen, im Großen Saal der Stadthalle. „Ich habe schon in vielen Häusern zwischen Breslau und Dresden gespielt“, erzählt er. Nirgends gebe es so eine besondere Akustik, wie in der Görlitzer Stadthalle. „Ich hoffe“, sagt Octavian Ursu, „das ist auch nach der Sanierung noch so.“ Dass Dresden Geld an die Neiße gebracht hat, sieht er als einen „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Wie lange die Reise bis zu einer sanierten Stadthalle allerdings dauert, bleibt auch am Freitag noch offen, trotz der Millionen aus Dresden.

 

Auf ein Wort

 

 

 

 

 

Nur Geld aus Dresden ist nicht die Lösung

 

über die Stadthalle Görlitz und ihre Zukunft

 

Von Matthias Klaus

 

 

 

Markus Ulbig hatte sich zum Wochenausklang einen netten Termin ausgemacht. Der sächsische Innenminister kam am Freitag als Geldbote nach Görlitz. Und als solcher wurde er mit Orgelmusik empfangen, kein Gedanke an Asylpolitik, Proteste und ein Willkommensfest in Heidenau, auf dem er nicht willkommen war – zumindest von einigen Leuten. Und fast hätte sich die gute Stimmung bis zum Ende seines Görlitz-Besuches gehalten, wenn nicht ein ARD-Fernsehteam aufgetaucht wäre, dem es weniger um die Stadthalle, als vielmehr um Markus Ulbigs Asylpolitik ging. Da hatte es der Innenminister etwas eilig, ins Auto gen Dresden zu steigen. Glücklicherweise waren zu diesem Zeitpunkt bereits die Fördermittelbescheide an den Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler übergeben: Minister weg, Geld hier. Alles gut? Nein. Zumindest nicht, was die Stadthalle betrifft. Görlitz hat ein Stadthallen-Problem. Und Dresden vielleicht auch. Erstaunlich, dass Geld in die Neißestadt fließt, obwohl es keinen Grundsatzbeschluss für eine Sanierung des alten Gemäuers gibt. Markus Ulbig hatte gestern zwar gemahnt, dass nach der Sicherung der Stadthalle „aktiv“ an die Sanierung gegangen werden müsste. Und dass die Stadt über eine künftige Nutzung nachzudenken habe. Wunschdenken. Görlitz fehlen die Mittel. Jetzt wird also erst einmal gesichert, was an der Hallenhülle zu sichern ist. Später neue Fenster? Schön und gut. Aber ein konkreter Plan, wie es mit der Stadthalle generell weitergehen soll, fehlt. Trotz 1,7 Millionen aus Dresden.

 

 

 

 

 

 

 

10.09.2015

 

 

 

Miss Stadthalle

 

Anneliese Karst bereitet eine Ausstellung über die Konzerthalle vor. Zum Denkmaltag ist sie erstmals zu sehen. Wie die Halle nach langer Zeit auch.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

Wer alles so in der Stadthalle gastierte? Autogrammkarten hängen in der Ausstellung über die Halle, die Anneliese Karst und Fernando Tandel im Dom Kultury gestern vorbereiteten. 

 

 

 

Anneliese Karst schaut unentwegt auf die Uhr. Jede Minute zählt bei der kleinen, aber so energiegeladenen Frau. Bis zum Abend muss die Ausstellung über die Stadthalle stehen. Alles ist vorbereitet. Die Bilder sind ausgesucht, die Texte verfasst und ins Polnische übersetzt. Viele haben geholfen: Historiker, Museumsleute, Fotografen. Jetzt gestalten drei junge Arbeitssuchende vom Berufsfortbildungswerk die Rahmen für die Schau. Sie haben sich in den vergangenen Wochen mit der Stadthalle beschäftigt, Reinhard Seeliger spielte ihnen sogar auf der Orgel vor. Schön sei es gewesen, sagt eine der Teilnehmerinnen. So schön, dass auch bei ihnen durchaus der Wunsch gewachsen ist, dass die Stadthalle doch irgendwie bald wieder mal öffnen könnte.

 

 

 

Anneliese Karst hat diesen Wunsch schon lange. Die frühere Logistikleiterin beim Görlitzer Turbinenwerk von Siemens verbindet mit der Stadthalle schlichtweg pulsierendes Leben. Jetzt findet sie es in den Bildern wieder. Tanzmeisterschaften, Boxveranstaltungen, große Konzerte, Bandauftritte beispielsweise von Karat. Am liebsten ging Frau Karst mit ihrer Schwiegermutter in die Sinfoniekonzerte. Ihrem Mann liegt die ernste Musik nicht so, dafür traf sich eben der Geschmack der beiden Frauen. Auch große Galakonzerte, exotische Balletts – all das ist in ihrer Erinnerung geblieben. Natürlich auch die Abiturfeiern, Betriebsveranstaltungen und dergleichen mehr. Eben all das, was ein Leben ausmacht neben der Arbeit. Genau das will sie mit der Ausstellung auch zeigen: „Man hört ja oft, die Stadthalle sei nur etwas für die oberen Zehntausend gewesen. Aber das war sie nicht.“ Das liest die 68-jährige Rentnerin aus den vielen Zuschriften heraus, die der Stadthallen-Förderverein nach dem Aufruf erhielt, Fotos und Gegenstände für eine Ausstellung zu spenden. Darunter war auch der frühere Tambourmajor des Görlitzer Faschings, der dem Prinzenpaar vorneweg marschierte. Seine Fotos füllen eine ganze Tafel. Doch auch die Jahre bis zur Schließung 2004 und die Bemühungen des Vereins, wieder Leben in die Halle zu bringen, werden in der Schau nachverfolgt. Sie ist vielleicht nicht professionell gemacht, aber mit Herz und Verstand.

 

 

 

Beides führte Anneliese Karst vor einem Jahr auch zu dem Verein. Sie war nun Rentnerin und ihr Schwiegersohn, der in Freiburg lebt, sagte einfach zu ihr: „Du hast doch jetzt Zeit, da könntest Du Dich um die Stadthalle kümmern.“ Doch es bedurfte noch eines Anstoßes. Und den gaben die „Bürger für Görlitz“. Dass die Wählervereinigung ihren Austritt aus dem Stadthallenverein erklärte, erboste die rührige Frau sehr. So machte sie sich auf und ließ sich gleich für die Öffentlichkeitsarbeit einspannen. Wenn sie auf dieses erste Jahr zurückblick, staunt sie selbst, wie viel passiert ist: Sperrung der Halle, Tag der geschlossenen Stadthalle, Neujahrsempfang und Sommerfest, die Initiative des Mercure-Mitinhabers Dr. Hans Fey, die Engagementsbörse im Bahnhof. Da trafen sich viele Vereine, knüpften Kontakte. Anneliese Karst nutzte diese Chance, der enge Kontakt zum Femina-Verein ist Frucht dieses Tages.

 

 

 

Die Sanierung der Stadthalle ist darüber aber nicht wirklich näher gerückt. Wie nötig sie wäre, das werden auch alle Besucher der Stadthalle beim Tag des offenen Denkmals sehen können: abblätternder Putz, Löcher in Wänden, Stützkonstruktionen am Dach. Manche Regenstelle bleibt sowieso ihrem Blick verborgen. Und mehr als 25 Personen sollen auch nicht zeitgleich im großen Saal sein. Dort greifen Reinhard Seeliger und weitere Organisten in die Tasten der wertvollen Sauer-Orgel. Und wenn sie eine Pause einlegen, dann könnten auch Solisten oder kleine Kammergruppen bis vier Personen mit und ohne Instrument in der Stadthalle auftreten und das Klangerlebnis auf sich wirken lassen, berichtet Fördervereins-Chef Thomas Leder. „Wenn wir vorher von den Musikern Bescheid erhalten, können wir das zeitlich etwas planen.“ Eine Urkunde mit dem Schriftzug „Aufgetreten in der Stadthalle Görlitz am 13.09.2015“ bereitet der CDU-Politiker schon mal vor. Anneliese Karst und ihre Helfer haben es fast geschafft. Am Sonnabend wird die Ausstellung im Dom Kultury eröffnet. Ausgerechnet in der Ruhmeshalle, die zwar zehn Jahre vor der Stadthalle, aber wie die Konzerthalle zu großen Teilen mit Lotterie- und Spendengeldern errichtet wurde. Der Zgorzelecer Bürgermeister Rafael Gronicz musste nicht lange von der Idee des Vereins überredet werden, er war gleich begeistert und stellte das städtische Kulturhaus dafür zur Verfügung. Ach, wenn es doch überall so wäre, seufzt Anneliese Karst, schaut nochmals auf die Uhr, und ruft noch im Wegeilen hinterher: „Nützt nichts, weitermachen.“

 

 

 

Die Ausstellung über die Stadthalle wird am Sonnabend, 14 Uhr, im Dom Kultury eröffnet. Sie ist bis 11. Oktober zu sehen. Die Stadthalle ist am Sonntag ab 10 Uhr geöffnet. Künstlergruppen, die auftreten wollen, rufen bitte 738174 an oder schicken eine Mail an info@shg-ev.de.

 

 

 

Ein Konzert vor einem vollen Saal ist nicht erlaubt.

 

 

 

 

 

12.09.2015

 

 

 

Verewigt im Goldenen Buch

 

Der Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey besucht derzeit Görlitz. Auf Einladung von OB Siegfried Deinege trug er sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

 

 

 

Görlitz. Der aus den USA stammende Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey besucht am Wochenende die Stadt Görlitz. Auf Einladung von Oberbürgermeister Siegfried Deinege trug er sich heute Mittag im Görlitzer Rathaus ins Goldene Buch der Stadt Görlitz ein.

 

 

 

Bill Ramsey – seit 1984 deutscher Staatsbürger - hat in den vergangenen 25 Jahren mehrere Benefizkonzerte in Görlitz gegeben. Am 2. Juli 1990, einen Tag nach der Währungsunion, sang er in der Stadthalle, um Geld zur Rettung der Görlitzer Altstadt zu sammeln. In den Jahren darauf folgten Auftritte zugunsten verschiedener Projekte, etwa der Historienspiele auf dem Görlitzer Untermarkt, für das Helenenbad und 2013 zugunsten der Görlitzer Stadthalle.

 

 

 

„Bill Ramsey ist ein wahrer Botschafter unserer Stadt. Bei seinen Kontakten mit Freunden schwärmt er von Görlitz“, freute sich Oberbürgermeister Siegfried Deinege und bedankte sich bei dem Künstler für sein Engagement. Der Stadthallen-Förderverein bedankte sich bei Ramsey für sein Engagement und übergab ihm einen Stadthallentaler. Einen ausführlichen Bericht gibt es in der Wochenend-Ausgabe der SZ. (szo)

 

 

 

 

 

 

 

12.09.2015

 

 

 

Bill Ramsey will wieder für Görlitz singen

 

Ob es dazu kommt: ungewiss. Gestern trug sich der Künstler in das Goldene Buch der Stadt ein. Oder wie er es nennt: in das „heilige Ding“.

 

 

 

Von Matthias Klaus

 

 

 

Ein gut gelaunter Bill Ramsey sitzt am Freitagmittag im Görlitzer Rathaus. Na, hat noch jemand Fragen an den Star? „Übrigens, meine Schuhgröße ist 46!“ Bill Ramsey lacht. Gerade hat er sich in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. „Ist das lesbar?“ Bill Ramsey begutachtet kritisch seine Zeilen. „Ach ja, ich denke, das geht schon“, sagt er. Als „großer Görlitz-Fan“, wie der Sänger betont, hat er in dem „heiligen Ding“, so nennt er schmunzelnd das Goldene Buch, unterschrieben.

 

 

 

Seine Kontakte zu Görlitz bestehen seit Anfang der 90er Jahre. Bill Ramsey wohnte in Wiesbaden, bekam über die Städtepartnerschaft mit Görlitz den Draht zum Osten. Damals entstand auch die Idee für ein Benefizkonzert. „Ich hatte keine Ahnung, wo Görlitz ist, was mich erwartet“, erinnert sich Bill Ramsey. Zudem auch noch dieser Termin: Stadthalle, der 2. Juli 1990, ein Tag nach der Währungsunion. „Alle haben mir gesagt: Das ist ja furchtbar, da kommt doch keiner zu der Veranstaltung“, erinnert sich Bill Ramsey. Und dann war die Bude voll. 5 000 Mark brachte das erste Benefizkonzert der Stadt, D-Mark schon. Weitere Auftritte folgten.

 

 

 

Bill Ramsey kam 1951 nach Deutschland. Er trat bei Jazz-Konzerten auf, war mit Schlagern in der (west-)deutschen Hitparade präsent. „Ich wäre gern in der DDR aufgetreten“, sagt er am Freitag in Görlitz. Es gab sogar Einladungen: zum Kessel Buntes, zu einem Jazzfestival. „Aber ein paar Tage vorher wurde mir jedes Mal abgesagt. Ich weiß gar nicht, warum ich für die DDR so eine große Gefahr war.“

 

 

 

Bill Ramsey lächelt. Oberbürgermeister Siegfried Deinege ist sichtlich stolz darauf, dass sich der Mann, der 1931 in Cincinnati, Ohio, USA geboren wurde, im Goldenen Buch der Stadt verewigt. „Im Tal der Ahnungslosen habe ich ihn ja nicht so oft im Fernsehen gesehen“, sagt der OB. Das sei dann eher bei Besuchen bei Bekannten möglich gewesen. Bill Ramsey, sagt Siegfried Deinege, sei ein wahrer Botschafter für Görlitz. Und wenn es möglich ist, antwortet der Künstler daraufhin, würde er auch gern wieder in Görlitz auftreten   – zugunsten der Stadthalle.

 

 

 

Ob das funktioniert, ist derzeit ungewiss. Thomas Leder, Chef des Stadthallen-Vereins, jedenfalls überreicht Bill Ramsey einen der Silbertaler, die am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals käuflich zu erwerben sind. 25 soll es davon in der Stadthalle geben. „Ok, nun ist es einer weniger“, lacht Thomas Leder. Bill Ramsey freut sich über das unerwartete Präsent: „Eine schöne Sache.“ Er wird die Nacht zum Sonnabend im Hotel Tuchmacher verbringen. „Da gibt es verdammt leckeres Essen“, sagt der Sänger. In den nächsten Tagen geht seine Tour zur und mit der Familie weiter: erst nach Hof, dann nach Spanien, verrät er der SZ.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

14.09.2015

 

 

 

Stau in der Stadthalle

 

Das Gebäude war gestern der Anziehungspunkt am Denkmalstag in Görlitz – lange Wartezeiten inklusive.

 

 

 

Von Matthias Klaus

 

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Vereinschef Thomas Leder hatte alle Mühe, die Schar von Besuchern im Zaum zu halten. Denn durch die Stadthalle ging es nur in kleinen Gruppenführungen.Fotos: Jens Trenkler

 

Vereinschef Thomas Leder hatte alle Mühe, die Schar von Besuchern im Zaum zu halten. Denn durch die Stadthalle ging es nur in kleinen Gruppenführungen.Fotos: Jens Trenkler

 

Vereinschef Thomas Leder hatte alle Mühe, die Schar von Besuchern im Zaum zu halten. Denn durch die Stadthalle ging es nur in kleinen Gruppenführungen.Fotos: Jens Trenkler Ebenfalls gut von den Görlitzer Denkmalfans besucht: die Medizinische Klinik auf der Dr.-Kahlbaum-Allee. Das Kaufhaus in Görlitz war ebenfalls Besuchermagnet. Vermutlich im Herbst 2017 soll es wieder öffnen. Auch die Feuerwache auf der Krölstraße hatte zu einem Blick hinter die sonst verschlossenen Tore geladen.Neugier auf Erhaltenswertes

 

Eine gute Nachricht: Zur nächsten vollen Stunde können die nächsten Besucher rein. 25 sind es mit jedem Schub, die sich den großen Saal der Stadthalle anschauen dürfen. Mehr geht nicht, aus Sicherheitsgründen. Vor der Absperrung warten allerdings noch viel mehr Interessenten. Thomas Leder vertröstet, schüttelt Hände. „Als wir heute Vormittag aufgemacht haben, wurden wir fast überrannt“, sagt der Chef des Fördervereins Stadthalle Görlitz. Zwar hatten die Mitglieder schon damit gerechnet, dass sich viele Görlitzer und Besucher der Stadt für das Gebäude interessieren würden. Von der Menge war der Verein dann aber doch überrascht.

 

 

 

Zum Denkmalstag hatte das traditionsreiche Haus gestern geöffnet. Vermutlich war es das meistbesuchte historische Gemäuer in der Stadt. Der Förderverein hat sich mit der Präsentation viel Mühe gegeben, es gibt Musik, von der Orgel im großen Saal bis hin zum Leierkastenmann, ein Imbissangebot vor dem Haupteingang.

 

 

 

„Ich war echt neugierig, wie es in der Stadthalle aussieht“, sagt Margot Stelzer. Im Februar 2000 war die Dame aus der Nähe von Bautzen zum letzten Mal in dem Gebäude. Damals hielt Erich von Däniken hier einen Vortrag. „Ich hatte einen schönen Platz, fand das Gebäude eindrucksvoll. Und natürlich von Däniken und seine Theorien zu Außerirdischen“, schmunzelt Frau Stelzer.

 

 

 

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Neugier auf Erhaltenswertes

 

Am Sonntag ist sie mit ihrem Mann nach Görlitz gereist, nicht nur wegen der Stadthalle, sondern um sich mal wieder hier in der Stadt umzuschauen. „Aus der Bautzener Ecke kommt man nun doch nicht jeden Tag nach Görlitz“, sagt Margot Stelzer. Manche kamen mehr oder weniger per Zufall vorbei. So wie beispielsweise Martyna Kowalski aus Zgorzelec. „Ich habe von Bekannten erfahren, dass das Haus heute für Besucher geöffnet ist“, erzählt sie. Und da sie häufig über die Stadtbrücke nach Görlitz komme, sich dabei immer gefragt habe, was sich wohl hinter der Tür in dem großen Gebäude verstecke, wollte sie am Sonntag nun mal einen Blick hineinwerfen. „Sehr eindrucksvoll“, findet Martyna Kowalski. Sie findet es schade, dass die Halle derzeit nicht für Veranstaltungen genutzt werden kann. „Aber Görlitz bekommt das doch sicher wieder hin, oder?“, fragt die Anwohnerin aus der Nachbarstadt. Aber ob die Stadthalle, vor allem der große Saal, irgendwann im ursprünglichen Sinne wieder nutzbar ist, bleibt abzuwarten. Für ein großes Sanierungsprojekt fehlt der Stadt das Geld, derzeit ist das Motto: erhalten, vor Schlimmeren bewahren. Ein konkretes Nutzungskonzept fehlt. Die Stadt hofft, irgendwann den kleinen Saal für Veranstaltungen öffnen zu können, jedenfalls in der Zeit, wenn nicht geheizt werden muss.

 

 

 

Immerhin konnte das Haus gestern zum Denkmalstag überhaupt öffnen. Möglich machen es die vier riesigen stählernen Stützpfeiler an den Ecken der Halle. Sie übernehmen im Moment mehr oder weniger die Aufgabe der originalen Strebepfeiler, die saniert werden müssen.

 

 

 

Thomas Leder lotst inzwischen die nächsten Besucher in den großen Saal. „Wahnsinn, dieser Andrang“, sagt der Chef des Fördervereins. Und strahlt dabei.

 

 

 

 

 

 

 

15.09.2015

 

 

 

Stadthalle zieht 3 000 Besucher an

 

Görlitz. Die Stadthalle war am Tag des offenen Denkmals der absolute Publikumsmagnet in Görlitz: Rund 3 000 Gäste besuchten das Haus. Der Förderverein kann sich zudem über rund 2 000 Euro an Spenden freuen, die an diesen Tag zusammenkamen. Der Andrang in der Stadthalle war so groß, dass zusätzliche Führer aushelfen mussten. 10 Uhr starteten die Führungen. Sie dauerten jeweils 15 Minuten, 25 bis 30 Personen nahmen jeweils daran teil. Einer der Führer war der gerade wiedergewählte Chef des Fördervereins, Thomas Leder. „Ohne Führungen wäre der Personenstrom nicht steuerbar gewesen“, teilt er mit. Während ihrer jüngsten Mitgliederversammlung bekräftigten die Vereinsmitglieder ihr Ziel, dass spätestens im Jahr der 950-Jahr-Feier von Görlitz 2021 beide Säle wieder nutzbar sein sollen.

 

 

 

Neben der Stadthalle besuchten etwa 1 000  Interessenten das Kühlhaus. Außerdem bildete sich eine lange Besucher- Schlange am Metallhaus in Weinhübel. (SZ)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18.09.2015

 

 

 

„Lieber Herr Beutler, machen Sie Ihr Ding und ich mach meins“

 

Ein öffentliches Streitgespräch: Wie SZ-Redaktionsleiter Sebastian Beutler und Stadtrat Joachim Schulze auf Facebook über die Stadthalle diskutieren.

 

 

 

Wie schnell kann die Stadthalle saniert werden? Darüber gibt es einen erbitterten Streit in der Stadt. Während der Förderverein für 2021 plädiert, sagt Kulturbürgermeister Michael Wieler, die Stadt habe in den nächsten Jahren kein Geld dafür. Über diese Fragen tauschten sich auch der bündnisgrüne Stadtrat Joachim Schulze und Journalist Sebastian Beutler auf der Facebook-Seite der Görlitzer SZ aus – für jedermann dort auch mitzulesen. Schulze ist nicht irgendwer. Als die Stadträte 2011/2012 das letzte Mal einen Anlauf zur Sanierung der Stadthalle unternahmen, sprach sich Schulze im Namen der damaligen Fraktion aus Bürger für Görlitz und Bündnisgrüne für die Sanierung aus. Er sah bereits eine Kultur- und Bildungsmeile entlang der Neiße entstehen.

 

 

 

Am Anfang der öffentlichen Facebook-Debatte zwischen den beiden stand die Frage: Warum lehnte der Stadtrat vor drei Wochen den Grundsatzbeschluss für die Stadthalle ab? Und dann entspann sich dieser Dialog:

 

 

 

Joachim Schulze: Wenn die Mehrheit der Stadträte davon ausgeht, dass sie sich mit einem Grundsatzbeschluss zur Stadthalle bekannt haben – das also so verinnerlicht haben – dann ist das doch gut. Was will Mensch eigentlich mehr?

 

 

 

Sebastian Beutler: Konsequent zu Ende gedacht, würde das bedeuten: Wir brauchen keine Beschlüsse mehr im Stadtrat, weil alle alles verinnerlichen. Es wird irgendwie immer absurder.

 

 

 

Joachim Schulze: Es geht um die sich darin ausdrückende positive Grundhaltung zum Erhalt der Stadthalle, die für die anstehenden Beschlüsse – Verwendung einzuwerbender Mittel unter anderem – begründet Anlass zum Optimismus bietet.

 

 

 

Sebastian Beutler: Der Stadtrat wird ja nicht zum zweiten Mal Fördermittel für die Stadthalle zurückgeben oder ablehnen.

 

 

 

Joachim Schulze: Der Stadtrat hat damals richtig entschieden. Das Risiko der Rückzahlung von zig Millionen wegen der nicht rechtzeitigen Abrechnung aller Mittel war zu groß. Würden Sie riskieren, dafür unter Umständen persönlich haften zu müssen (vergleiche auch die Deponie-Geschichte)??? Die Stadt wäre bankrott gewesen… Also: Lieber Stück für Stück sanieren wie bei der Synagoge. Und Ideen entwickeln für ein Nutzungsprofil, die Vermarktung und die Betreiber, welches die Zukunft einbezieht. Die schönen Erlebnisse der Vergangenheit, der „Kessel-Buntes-Generation“ in allen Ehren – sie werden das Haus nicht füllen. Mir ist klar, dass ein städtischer Zuschuss zwischen 0,5 und 1 Million Euro pro Jahr erforderlich sein wird und hoffe auf eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Da muss jetzt die Priorität liegen.

 

 

 

Sebastian Beutler: Ich verstehe gerade gar nicht die persönliche Aggressivität. Ich gehöre auch nicht der Kessel-Buntes-Generation an, was immer damit gemeint sein soll, im westlichen Teil Deutschlands gibt es vielleicht auch eine gleichgeartete „Die-Goldene-Stimmgabel-Generation“. Das ist eher anmaßend. Ich finde dieses Niveau der Auseinandersetzung weder hilfreich noch lösungsorientiert. Dass die Stadthalle nicht portionsweise saniert werden kann wie die Synagoge, liegt doch auf der Hand: die Synagoge kann nicht anders genutzt werden als ein Gedenk- und Veranstaltungsort in dem historischen Gebäude, das vorgegeben ist. Bei der Stadthalle – siehe auch letztes Projekt der Stadt mit einem Anbau – ist das offensichtlich anders. Bevor man also nicht weiß, ob und wenn, ja wozu die Stadthalle saniert wird, kann man ja nicht zu planen beginnen. Eine reine Konzerthalle muss ganz anders saniert werden als ein Musicaltheater oder eine Messe oder sonstwas. Ansonsten reißt man eben dieselbe Stelle dreimal auf. Auch bei der Synagoge geschieht das übrigens. Es werden jetzt mit öffentlichen Geldern auch Bausünden beseitigt, die in den 1990er Jahren mit öffentlichen Geldern erzeugt wurden. Wollen wir das bei der Stadthalle wiederholen? Die Stadthalle kann ein Element von Wirtschaftsförderung in Görlitz sein: um zusätzlichen Umsatz in die Stadt zu holen und für ganzjährigen Tourismus, also für nichts Rückwärtsgewandtes. Und zum Schluss ein Wort von Dieter Hallervorden, das ich jetzt in der FAZ las und mit dem er sein 1,7 Millionen Euro teures Engagement zur Wiedereröffnung des Berliner Schlosspark-Theaters begründete: „Gebäude, die für das Publikum geschaffen sind, machen geschlossen keinen Sinn.“

 

 

 

Joachim Schulze: Stück für Stück geht natürlich nur bis zu einem bestimmten Punkt, und dann muss man wissen, wohin man eigentlich will. Das aber scheint das Problem zu sein. Mit welchem Profil kann sich das Haus auf dem (Zukunfts-)Markt wirtschaftlich verantwortbar behaupten? Meine Bemerkungen zum Erfahrungshintergrund früherer Nutzergenerationen sind überhaupt nicht herabsetzend gemeint. Da konstruieren Sie jetzt etwas. Unnötige Schärfe in die Debatte bringen mit ihrem Stadträte-Bashing vor allem diverse „Freunde der Stadthalle“ oder gewisse „offene Briefe“.

 

 

 

Sebastian Beutler: Wenn Stadträte wie Herr Kück aus Ihrer Fraktion in der Stadtrats-Debatte erklären, es gebe genügend Grundsatzbeschlüsse und sich durch SZ-Recherche nachträglich herausstellt, dass es vermutlich gar keinen gültigen gibt, dann finde ich, muss sich der Stadtrat nicht über kritische Reaktionen wundern. Denn der Eindruck lautet: Hier wird die Realität zurechtgebogen, um ja seinen Standpunkt nicht erschüttern zu lassen. Es wäre allen Seiten im Stadtrat keine Zacke aus der Krone gefallen, wenn der Stadtrat sich zur Sanierung der Stadthalle bekannt und zugleich OB Deinege beauftragt hätte, bis Ende 2016 ein Betreiber- und Finanzkonzept vorzulegen.

 

 

 

Joachim Schulze: Ich schlage vor, eine Bestandsaufnahme der bisherigen Studien zur Stadthalle zu machen in übersichtlicher Form unter anderem zu den Punkten Profil, erforderliche Betriebsressourcen, Betreibermodelle, Marktchancen, Risiken, Umfeldinvestitionen, Erträge einschließlich Umwegrentabilitäten, Zuschussbedarf und anderes mehr. Wir wissen dann, was wir wissen und was wir noch klären müssen. Die daraus folgende Aufgabenliste muss dann abgearbeitet werden. Liegen die Ergebnisse vor , müssen sie mit den Akteuren, möglichen Nutzern und Kooperationspartnern in geeignete Formate zur Auswertung und Diskussion gebracht werden. Unter Umständen ist dieser Ablauf mehrfach zu wiederholen . Wir brauchen dazu sicher auch externen Sachverstand.

 

 

 

Sebastian Beutler: Bringen Sie diesen Vorschlag doch als Stadtratsbeschluss ein, zusammen mit einem Datum, zu dem alles vorliegen soll.

 

 

 

Joachim Schulze: Ein entsprechender Beschluss kann nach Vorgesprächen mit Ratskollegen und Ratskolleginnen und der Verwaltung sicher in überschaubarer Zeit auf den Weg gebracht werden.

 

 

 

Sebastian Beutler: Diese Unverbindlichkeit enttäuscht mich jetzt. Warum sagen Sie nicht, ich gehe mit diesem Vorschlag in meine Fraktion und in den Stadtrat und mein Ziel ist es, dass wir in der Oktober-Sitzung das beschließen? Das wäre doch mal ein abrechenbares Ziel. Wir sind hier nicht in der großen Politik, wo sich durch Formelkompromisse niemand festlegen will.

 

 

 

Joachim Schulze: Lieber Herr Beutler, machen Sie Ihr Ding und ich mach meins.

 

 

 

 

 

23.09.2015

 

 

 

Stadthallenstiftung steckt im Finanzamt fest

 

Bürgermeister Wieler hofft auf möglichst schnelle Klärung mit der Behörde.

 

 

 

Die angestrebte Stadthallenstiftung muss noch Hürden im Görlitzer Finanzamt nehmen. Wie Bürgermeister Michael Wieler mitteilt, sei die Stadt noch in Abstimmung mit der Finanzbehörde über einige Passagen in der Stiftungssatzung. „Wir hoffen, dass dieser Prozess zügig zu einer Klärung führt“, sagt Wieler. Die Stadt hatte im April als Ziel erklärt, dass der Stadtrat nach der Sommerpause über die Gründung der Stiftung abstimmen kann.

 

 

 

Die Stadt will eine Stiftung mit den Stadtwerken und der städtischen Tochtergesellschaft Kommwohnen gründen. Die beiden Unternehmen werden sich bis 2018 mit 400 000 Euro an der Stiftung beteiligen, die Stadt steuert 50 000 Euro bei. Die „Stiftung Görlitzer Stadthalle“ soll einerseits Mittel für die Sicherung und Sanierung der Stadthalle einwerben, zum anderen dauerhafte Erlöse erwirtschaften, um einen Teil künftiger Kosten zu tragen. Unklar ist, ob vor diesem Hintergrund der Förderverein an seiner eigenen Stiftung festhält. (SZ/sb

 

 

 

 

 

 

 

26.09.2015

 

 

 

Stadt sucht neues Planungsbüro für die Stadthalle

 

Im Stadtrat gibt es keine einzige Gegenstimme. Ein Rat sieht im Beschluss sogar ein Bekenntnis zur Wiederinbetriebsetzung.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Weil die bisher beauftragten Planungsbüros ihre Arbeit an der Stadthalle nicht fortsetzen wollen, startet die Stadt eine Ausschreibung, mit der ein neues Planungsbüro gefunden werden soll. Das hat der Stadtrat am Donnerstag mit 25 Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen beschlossen. Um ein Büro zu finden, ist eine europaweite Ausschreibung nötig. Die Stadt rechnet deshalb damit, dass es ein halbes Jahr dauert.

 

 

 

„Es geht um nicht mehr und nicht weniger als den Umbau und die Sanierung der Stadthalle“, sagte Stadtrat Joachim Schulze (Grüne) vor dem Beschluss. Die Suche nach einem Planungsbüro mache nur Sinn, wenn anschließend auch saniert wird, ansonsten sei das eine Verschleuderung von Geldern. „Damit ist der Beschluss ein Bekenntnis zur Wiederinbetriebsetzung der Stadthalle“, so Schulze.

 

 

 

Sein Namensvetter Mirko Schultze (Linkspartei) mahnte indes, die Diskussion zu versachlichen. Bisher habe es immer nur zwei Lager zur Stadthalle gegeben: pro und contra. Das müsse enden: „Es muss eine sachorientierte Planung beginnen, anstatt immer nur zu sagen, dass die Gegenseite doof ist.“ Sachorientiert heißt für ihn, so zu planen, dass die Stadt am Ende nicht 750 000 Euro pro Jahr zuschießen muss, damit die Halle betrieben werden kann.

 

 

 

CDU-Stadtrat und Fördervereinsmitglied Michael Hannich erklärte indes, dass die Befürworter der Halle nicht nur nostalgisch an die Vergangenheit denken: „Wir haben das Gebäude geerbt, deshalb sind wir verpflichtet, es zu nutzen“, erklärte er stattdessen. Nutzen bedeute aber nicht Betreiben. Das funktioniere auch anderswo: „Ich kann mir für die Stadthalle ein Modell wie beim Kölner Dom vorstellen.“

 

 

 

 

 

 

 

01.10.2015

 

 

 

Stadthalle beschäftigt Europa

 

Die Stadt sucht grenzüberschreitend nach einem neuen Planungsbüro. Die Arbeit der Vorgänger soll aber nicht umsonst gewesen sein.

 

 

 

Von Ingo Kramer

 

Im Sommer wurden die Strebepfeiler an der Görlitzer Stadthalle notgesichert. Hier schraubt Diethelm Schmidt vom Stahl- und Metallbau Weiner aus Ludwigsdorf an der provisorischen Stabilisierung. Archivfoto: Nikolai Schmidt

 

Im Sommer wurden die Strebepfeiler an der Görlitzer Stadthalle notgesichert. Hier schraubt Diethelm Schmidt vom Stahl- und Metallbau Weiner aus Ludwigsdorf an der provisorischen Stabilisierung. Archivfoto: Nikolai Schmidt

 

© nikolaischmidt.de

 

Kaum hat der Stadtrat vorige Woche beschlossen, die Planung für die Stadthalle neu auszuschreiben, da machen Sorgen die Runde: Landet jetzt alles im Papierkorb, was die bisherigen Planer erstellt haben? Immerhin sind seit der Schließung der Halle im Jahr 2004 gut zwei Millionen Euro in die Planung geflossen. „Nein“, sagt Bürgermeister Michael Wieler entschlossen: „Alle Planungen der bisherigen Arge bleiben die Grundlage aller weiteren Planungen.“ Die Arge bestand aus dem Görlitzer Architektur- und Ingenieurbüro Wünsche + Langer und einem Dortmunder Büro.

 

 

 

Dieses Team hatte aber erklärt, nicht weitermachen zu wollen. „Die Arge besteht nicht mehr“, begründet Architekt Christian Wünsche. Die Dortmunder Kollegen seien mittlerweile im Ruhestand, zu ihren Nachfolgern bestehe kein Kontakt mehr. Ohne die Dortmunder wäre es aber eine völlig neue Rechtsform. „Wenn wir allein weitermachen wollten, müssten wir uns völlig neu bewerben“, so Wünsche. Er schließt das nicht aus: „Ich kenne die Bedingungen noch nicht, werde sie mir aber auf jeden Fall mal durchlesen.“

 

 

 

Die Stadt musste die Planung jetzt europaweit ausschreiben. Das ist nach Aussage von Wieler aufgrund des aktuellen Auftragswertes zwingend notwendig: „Das ist so in Europa, daran können wir nichts drehen.“ So geht Zeit für die Ausschreibung ins Land. Die Stadt rechnet damit, den Auftrag im März vergeben zu können. Das sei aber nicht schlimm. „Während der Sanierung der Strebepfeiler und des Seitendaches können wir bis August oder September nächsten Jahres ohnehin nichts parallel machen“, sagt Wieler. Bis dahin werden die neuen Planer sicher eingearbeitet und so weit sein, dass sie lückenlos anschließen können. Wünsche erklärt, die Einarbeitungszeit hänge von der Aufgabenstellung ab. „Ein paar Wochen sind aber auf jeden Fall nötig“, weiß er aus Erfahrung.

 

 

 

CDU-Stadtrat und Stadthallen-Fördervereinsmitglied Michael Hannich beschäftigt derweil eine ganz andere Frage: Was wird aus dem Gebäude, wenn es eines Tages saniert sein sollte? Bisher gehen alle davon aus, dass die Stadt für den Betrieb viel Geld zuschießen muss. Die Schätzungen schwanken zwischen einer halben und einer Million Euro im Jahr.

 

 

 

Hannich schlägt nun vor, dass die Halle gar nicht dauerhaft betrieben, sondern nur genutzt werden soll. „Das heißt, jeder, der das Gebäude nutzen will, würde es mieten und hinterher wieder besenrein übergeben“, sagt Hannich. Damit ließen sich vor allem Personalkosten einsparen. Allerdings nicht komplett: „Es müsste mindestens einen Hausmeister geben, der nach dem Rechten sieht“, erklärt der CDU-Mann. Vermutlich würde einer gar nicht reichen. Die Nutzer, so Hannich, sollten eine angemessene Miete bezahlen. Wie hoch diese anzusetzen sei und wie viel Geld die Stadt jährlich zuschießen müsste, habe er allerdings noch nicht berechnet.

 

 

 

In Deutschland, so Hannich, gebe es viele vergleichbare Beispiele. Auch der Kölner Dom wird nicht betrieben, sondern nur genutzt – etwa für Gottesdienste und Führungen. Auch in der (kleineren) Stadthalle in Rottenburg am Neckar und der ehemaligen Synagoge in Görlitz laufe das so – und bei Sportplätzen und -hallen sowieso.

 

 

 

 

 

 

 

19.10.2015

 

 

 

Reichenbacher bauen an der Stadthalle

 

Bei der Sanierung von Pfeilern und Seitendächern an der Görlitzer Stadthalle kommt eine Umland-Firma zum Einsatz.

 

 

 

Görlitz. Die Firma H & B Bau GmbH aus Reichenbach wird an der Görlitzer Stadthalle tätig. Im Technischen Ausschuss hat sie jetzt den Zuschlag für die Bauhauptleistungen im ersten Bauabschnitt bei der Sanierung der Strebepfeiler und Seitendächer erhalten. Die Firma aus dem Görlitzer Umland hatte mit knapp 225 000 Euro das wirtschaftlichste Angebot abgegeben.

 

 

 

Die Sanierung der Strebepfeiler und Seitendächer wird voraussichtlich bis August oder September nächsten Jahres dauern. Parallel sucht die Stadt ein neues Planungsbüro für die Stadthalle. Weil die bisher beauftragten Planungsbüros ihre Arbeit an der Stadthalle nicht fortsetzen wollen, hat das Rathaus eine neue Ausschreibung dafür gestartet. Das hatte der Stadtrat Ende September beschlossen.

 

 

 

Um ein Büro zu finden, ist eine europaweite Ausschreibung nötig. Die Verwaltung rechnet damit, dass das ein halbes Jahr dauert. Der Auftrag soll voraussichtlich erst im März vergeben werden. Das sei aber nicht schlimm, erklärt die Stadt. Während der Sanierung der Strebepfeiler und des Seitendaches könne ohnehin bis August oder September nichts parallel gemacht werden. (ik)

 

 

 

 

 

 

 

20.10.2015

 

 

 

Es fehlt der Ort für Winter-Höhepunkte

 

über das sommerliche Gäste-Plus in Görlitz

 

 

 

Von Susanne Sodan

 

 

 

Das ist die schöne Nachricht: Die Übernachtungszahlen für Görlitz sind gestiegen. Und das lag mit Sicherheit auch an den Mühen der Stadt und der Hoteliers. Die weniger gute Nachricht dabei: Es sind eben doch Schönwetterzahlen, die hier ein Tourismus-Plus belegen. Die Zahlen für die Herbst- und Winterzeit kommen erst noch. Und die Sorge einiger Hoteliers und Gastronomen vor dieser Statistik ist nicht unbegründet, sondern basiert auf Erfahrung. Es wird nicht lange dauern, bis der eine oder andere wieder ein Schild an die Tür hängt, das besagt, das Hotel sei wegen Urlaub geschlossen. Weil von Ende Oktober bis Anfang Dezember und von Januar bis Ostern in Görlitz zu wenig los ist. Zugegeben, es ist auch schwierig, für diese Zeit ein Angebot aufzubauen, das ähnliche Wirkung hat wie das Altstadtfest oder das ViaThea. Man kann die Gäste schließlich nicht stundenlang in der Kälte stehen und zittern lassen. Also bräuchte man einen überdachten Veranstaltungsort. Und da ist man ganz schnell wieder bei der Endlos-Debatte um die Stadthalle angelangt. Wäre sie nutzbar und geöffnet, wären Veranstaltungen wie ein Winter-Ball, ein Winter-Festival, Konzerte und all die anderen Ideen viel leichter umsetzbar. So müssen die Hoteliers selber zusehen, wie sie ihre Gäste locken können. Oder sie fahren in Urlaub.

 

 

 

 

 

 

 

07.11.2015

 

 

 

Tanzen für die Stadthalle

 

Der Görlitzer Senfkorn Verlag veranstaltet einen Wohltätigkeitsball – mitten in Schlesien.

 

 

 

Offen war die Stadthalle zuletzt beim Tag des offenen Denkmals. Da erklang zu jeder vollen Stunde sogar die Sauer-Orgel und wurden kleine Konzerte gegeben. Dass das wieder regelmäßig geschieht, hoffen auch die Mitarbeiter des Senfkorn-Verlages.

 

Offen war die Stadthalle zuletzt beim Tag des offenen Denkmals. Da erklang zu jeder vollen Stunde sogar die Sauer-Orgel und wurden kleine Konzerte gegeben. Dass das wieder regelmäßig geschieht, hoffen auch die Mitarbeiter des Senfkorn-Verlages.

 

 

 

Am 28. November, dem diesjährigen Andreastag, lädt der Görlitzer Senfkorn Verlag zu einem deutsch-polnischen Wohltätigkeitsball für die Görlitzer Stadthalle auf Schloss Wichelsdorf (Palac Wiechlice) bei Sprottau (Szprottawa) ein. Das Schloss ist etwa eine Autostunde von Görlitz entfernt. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden, dass die Görlitzer Stadthalle nur in einer gemeinsamen Anstrengung des deutschen und des polnischen Teiles der Europastadt Görlitz erfolgreich saniert, betrieben und vermarktet werden kann.

 

 

 

Die seit zehn Jahren geschlossene Stadthalle, deren Sanierung einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern wird, bereitet den Kommunalpolitikern in Görlitz seit Jahren erhebliche Kopfschmerzen. Eine Lösung ist bis heute nicht in Sicht. „Auf der einen Seite wurden auch 2015 kostenintensive Sanierungsarbeiten durchgeführt, ohne dass eine klare Konzeption für die künftige Ausgestaltung des historischen Baudenkmals und seine Nutzung vorliegt. Dabei würde diese Stadthalle mit ihrer wunderbaren Sauerorgel eine riesige Chance für die Europastadt Görlitz/Zgorzelec darstellen“, sagt Janet Langbrand vom Senfkorn Verlag. Vor allem auch in den Wintermonaten, außerhalb der Tourismussaison, könnten durch besondere Veranstaltungen in größerem Umfang Gäste in die Stadt gelockt werden. Langbrand weiter: „Die Rettung der Stadthalle kann jedoch nur in einer engen Kooperation des deutschen und polnischen Teiles der Europastadt Görlitz gelingen. Es gilt, die Stadthalle in einem deutsch-polnischen Schulterschluss gemeinsam zu sanieren, zu betreiben und zu vermarkten.“ Mit dem Flair der Europastadt könne nicht nur in Deutschland und Polen, sondern auch international für Veranstaltungen und Kongresse in der Görlitzer Stadthalle geworben werden.

 

 

 

So wie Straßburg eine symbolische Stadt der deutsch-französischen Völkerverständigung und der europäischen Einigungsbewegung im Westen darstellt, könne das geteilte Görlitz zu einem markanten Ort der deutsch-polnischen Verständigung und des Zusammenwachsens Europas mit Blick auf den erst seit 1989 wieder freien östlichen Teil des Kontinentes werden.

 

 

 

Der Preis für eine Eintrittskarte zum Wohltätigkeitsball pro Person beträgt 100 Euro, darin eingeschlossen sind der Ball mit Speisen und Getränken, Übernachtung und Frühstück im Schlosshotel mit Nutzung des großen Spa-Bereiches mit Schwimmbad, Sauna und Fitnesszentrum. Zehn Prozent des Eintrittsgeldes, also zehn Euro pro Karte, kommen dem Görlitzer Stadthallenverein zugute. Außerdem erhält der Verein den Erlös einer Auktion, auf der vorrangig kleine Kunstgegenstände von Bunzlauer Keramik bis Borowski-Glas versteigert werden. Außerdem wird es eine kleine Sammlung geben. „Das letzte Mal haben wir es geschafft, den finanziellen Anstoß zu geben, dass das Göppert-Denkmal in Sprottau wieder aufgestellt werden konnte, berichtet Senfkorn Verlags-Inhaber Alfred Theisen.

 

 

 

Karten für den Wohltätigkeitsball auf Schloss Wichelsdorf können erworben werden bei: SenfkornReisen, Brüderstraße 13, 02826 Görlitz, Telefon 03581/400520, info@senfkornreisen.de, www.senfkornreisen.de

 

 

 

 

 

 

 

09.11.2015

 

 

 

Preisgekröntes Randalieren auf dem Tippelmarkt

 

Tippelweib Marianne Scholz-Paul gehört zu den fünf Meridiangewinnern. Darunter ist auch einer, der Ehrungen gar nicht mag.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Die Schlesische Marianne sorgt auf dem Tippelmarkt jeden Sommer für Stimmung. Seit 1990 organisiert sie die diesen auch. Bernd Gundel ist Schiedsrichter und im Vorstand des SV Blau-Weiß Deutsch Ossig. Er organisiert unter anderem das Sommersportfest in Kunnerwitz. Eveline Baumberger erzählt Kindern im Tierpark von ihren eigenen Kindheitserinnerungen auf dem Lande, führt sie herum, spielt und bastelt mit ihnen. Zudem kümmert sie sich ständig um ältere Menschen in ihrem Wohngebiet. Lutz Pannier ist seit Jahren bemüht, sein Wissen und seine Begeisterung über die Sterne an die Menschen weiterzugeben. Außerdem engagiert er sich für den Erhalt der Görlitzer Sternwarte in Biesnitz.

 

Die hat Temperament. Jedes Jahr zum Tippelmarkt auf dem Görlitzer Obermarkt denken das Hunderte Besucher, wenn Marianne Scholz-Paul alias die Schlesische Marianne oder das Tippelweib so richtig loslegt. Dann schmeißt sie schonmal mit Tongeschirr nach Töpfermeister Günter Meißner oder schüttet in hohem Bogen einen Wassereimer in seine Richtung aus. Es ist ein herrliches Schauspiel – dieser Streit mit dem Schlesischen Tippelweib, der jedes Jahr den Markt eröffnet.

 

 

 

Aber Marianne Scholz-Paul kann auch ganz sanft. Wenn sie friedlich an der Seite des Oberbürgermeisters über den Markt schlendert und mit ihm Rosen an die Besuchern verteilt. Jetzt bekommt sie selbst eine – zumindest symbolisch. Die Königshainerin wurde dieses Jahr als einer der fünf Meridianpreisträger ausgewählt. Den bekommen Menschen, die sich ehrenamtlich besonders verdient gemacht haben.

 

 

 

Immerhin 28  engagierte Menschen wurden vorgeschlagen. Die fünf hat der Stadtrat jetzt beschlossen: Armin Holz, Bernd Gundel, Lutz Pannier, Eveline Baumberger und eben Marianne Scholz-Paul.

 

 

 

Eveline Baumberger dürfte vor allem bei Kindern bekannt sein. Die frühere Kindergärtnerin führt Kindergartengruppen und Schulklassen durch den Tierpark, organisiert Geburtstags- und andere Feiern und stellt dabei auch schon mal selbst Butter her – mit der Milch der Tierparkkühe.

 

 

 

Lutz Panniers Blick haftet nicht so sehr an den alltäglichen Dingen. Der Vorsitzende der Görlitzer Sternenfreunde schaut viel lieber in die Weiten des Alls. Er setzt sich für den Erhalt der Sternwarte ein, organisiert Veranstaltungen, auf denen er Kinder und Erwachsene mit seiner Begeisterung für alles Astronomische ansteckt.

 

 

 

Bernd Gundels Herz schlägt fürs runde Leder. Der Kunnerwitzer ist Vorstandsmitglied beim SV Blau-Weiß Empor Deutsch Ossig und Schiedsrichter im FV Oberlausitz. Die ständige Verbesserung der Kunnerwitzer Sportanlage ist ihm wichtig. Aber auch die Nachwuchsarbeit. Im Bereich Schiedsrichter geht er dabei selbst mit gutem Beispiel voran, denn sowohl seine beiden Söhne als auch seine Tochter sind alle Schiedsrichter. Gundels Mitmenschen schätzen vor allem seine ruhige, besonnene Art, Dinge zu klären.

 

 

 

Hoch angesehen ist auch Armin Holz. Der Görlitzer ist der Betreiber des Sozialen Möbeldienstes. Nach Feierabend beginnt für ihn hier auf der Christoph-Lüders-Straße die zweite Schicht. Neben den Möbeltouren kümmert sich Armin Holz um gestrauchelte Jugendliche, die wieder eingegliedert werden sollen. Holz ist ein typischer Fall der Menschen, die Gutes tun, aber darüber nicht reden wollen. Über den Meridian-Preis war er deshalb zuerst nicht sonderlich begeistert, er habe ja nicht mal einen Smoking. Und ein wenig fotoscheu ist er obendrein. Seine Mitmenschen sind dafür umso begeisterter von ihm.

 

 

 

Die Stadt verleiht die Meridiane am 1. Dezember.

 

 

 

 

 

 

 

01.12.2015

 

 

 

1 500 Euro für die Stadthalle

 

Ein Ballabend beschert der Görlitzer Stadthalle die vierstellige Geldspende. Die deutsch-polnischen Veranstalter wollen so zur Sanierung beitragen.

 

 

 

Görlitz. Der Stadthallenverein bekommt in den nächsten Tagen eine Spende in Höhe von 1 500 Euro. Bei dem Geld handelt es sich um den Erlös aus einem Ballabend am 28. November. Veranstalter waren das Schloss Wichelsdorf bei Sprottau(Szprotawa) und der Görlitzer Senfkorn Verlag Alfred Theisen. Der Übergabetermin wird in den nächsten Tagen im Rahmen des Schlesischen Christkindelmarktes in Görlitz stattfinden.

 

 

 

Die Veranstalter setzen sich dafür ein, dass die seit zehn Jahren geschlossene Stadthalle durch einen Schulterschluss, zum Beispiel in einer gemeinsamen Stiftung oder GmbH, des deutschen und polnischen Stadtteiles der Europastadt Görlitz/Zgorzelec zusammen saniert, betrieben und vermarktet wird. Den Ball auf Schloss Wichelsdorf zugunsten der Stadthalle soll es auch im kommenden wieder geben. (szo)

 

 

 

 

 

 

 

03.12.2015

 

 

 

Eine grenzübergreifende Aufgabe?

 

Bei einem Ball kamen 1 500 Euro Spenden für die Görlitzer Stadthalle zusammen. Die Veranstalter sehen die Sanierung als deutsch-polnisches Projekt.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Eine flotte Sohle in der Stadthalle, das wäre ein Traum. So war es zwar nur eine flotte Sohle für die Stadthalle, aber immerhin eine erfolgreiche. Denn ein Wohltätigkeitsball am vergangenen Wochenende im polnischen Schloss Wichelsdorf/Wiechlice brachte 1 500 Euro für die Görlitzer Stadthalle ein.

 

 

 

Wie ein Tropfen auf den heißen Stein mag das klingen – ein Tröpfchen gar nur angesichts der Millionen, die nötig sein werden, das altehrwürdige Gebäude wieder nutzbar zu machen. Doch steht ein weitaus größerer symbolischer Wert hinter der Aktion, die sich ein Görlitzer und ein polnischer Akteur gemeinsam ausgedacht hatten: Alfred Theisen vom Görlitzer Senfkorn-Verlag, der schon viele Jahre in ganz Schlesien agiert, und Zbigniew Czmuda, der Besitzer von Schloss Wichelsdorf. Seit mehreren Jahren schon veranstalten sie den jährlichen, gemeinsamen Ball. Ein gehobenes Fest soll es sein, wo sich Freunde und Geschäftspartner beider Länder treffen und wo die deutsch-polnische Verständigung weiter vorangebracht werden soll. Von Anfang an als Wohltätigkeitsveranstaltung deklariert, wurde in den vergangenen Jahren für Projekte in Polen gesammelt. Diesmal also für die Stadthalle in Görlitz. Alfred Theisen hat diesen Vorschlag ganz bewusst gemacht: „Ich glaube, wenn den Wiederaufbau der Stadthalle die deutsche Seite alleine stemmen will, reißt sie das finanziell in den Abgrund.“ Er sieht die Stadthalle als gemeinsame Aufgabe für Deutsche und Polen der Region, um die Europastadt Görlitz-Zgorzelec zu beleben und dadurch auch das Zusammengehörigkeitsgefühl zu verbessern.

 

 

 

Beide Städte könnten dabei sein

 

 

 

Für Theisen sei ein ähnlicher Weg wie beim Schlesischen Museum denkbar, wo sich Bund, Land und Stadt gemeinsam beteiligen. „So etwas könnte es doch auch für die Stadthalle geben, zumindest beide Städte könnten dabei sein, wenn nicht sogar beide Landkreise“, glaubt Theisen. Sicher, räumt er ein, wäre das eine historische Herausforderung – so wie es der Bau vor mehr als 100 Jahren eben auch war. Aber die Starre, in der die Stadt zurzeit liege, wenn es um die Stadthalle geht, verstehe er nicht. „Ich mache sonst keine Politik, aber bei der Stadthalle wundere ich mich schon, wie viel Geld in die Hand genommen wird, ohne zu wissen, wo man richtig hin will. Es gibt keinen Plan. Soll sich die Stadt doch endlich einen Ruck geben.“

 

 

 

Symbolisch haben Theisen, Zbigniew Czmuda und ihre Gäste das am vergangenen Wochenende getan. Kamen zu den früheren Bällen etwa die Hälfte Polen, die Hälfte Deutsche, waren die deutschen Gäste diesmal eindeutig in der Mehrzahl – was Alfred Theisen dem Thema Stadthalle zuspricht. „Ich habe mich gefreut, wie viele Menschen mir an dem Abend begegneten, denen es wirklich um dieses Gebäude ging“, sagt er.

 

 

 

„Mich haben viele angesprochen, die die Aktion toll fanden“

 

 

 

Renate Wiegand ist eine davon. Die Görlitzerin kam mit Freunden und war restlos begeistert. „Der Ball in Wichelsdorf war wunderbar. Wir wurden sehr freundlich empfangen. Das Schloss ist eine Reise wert“, sagt sie und schwärmt vom toll beleuchteten Saal, vom großzügigen Büffet, von der Zaubershow des Görlitzers Ralph Kunze, vom Feuerwerk, der Auktion zu Gunsten der Stadthalle. Versteigert wurden unter anderem eine große, handgeschnitzte Rübezahlfigur, ein 100 Jahre alter Reitstock mit Elfenbeinknauf, ein ebenso alter Spazierstock. Der Erlös brachte zusammen mit jeweils zehn Prozent der Eintrittskarten und dem Inhalt der Spendendose die 1 500 Euro. „Die Spende ist das eine, die Bewusstseinsbildung das andere“, sagt Alfred Theisen. Vor Ort hat das schon gut funktioniert. „Mich haben viele angesprochen, die die Aktion toll fanden.“

 

 

 

Untätig ist derweil auch die Stadt Görlitz nicht. Seit Oktober läuft der erste Bauabschnitt zur Sicherung der Stadthalle. Wie das Rathaus auf SZ-Nachfrage gestern mitteilte, sind die Baufirmen mit der Sicherung der Treppenhäuser, Böden und Zugangsbereiche vor Beschädigung durch die kommenden Bauarbeiten beschäftigt. Dabei werden die historischen Treppengeländer, Marmor- und Granitfußböden und Türen mit Holzspanplatten abgedeckt. Weiterhin werden Ausstattungsgegenstände wie Spiegel, Garderoben, Lampen ausgebaut und in der Stadthalle eingelagert. Teilweise werden die Fenster ausgebaut und eingelagert, die Öffnungen mit Spanplatten gesichert. Das Gerüst für den Abriss des Süd-West-Pfeilers wird zurzeit eingehaust, demnächst erfolgt auch der Abriss des Nord-West-Pfeilers. Weitere Maßnahmen sind wetterabhängig.

 

 

 

 

 

07.12.2015

 

 

 

In die Stadthalle regnet es ein

 

Seitendächer des Görlitzer Gebäudes sind undicht. Sie sollen bis spätestens 2017 geflickt sein.

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Görlitz. Bürgermeister Michael Wieler hat auf SZ-Nachfrage bestätigt, dass es in der Stadthalle einregnet. Undicht seien Seitendächer, am Hauptdach gebe es keine Probleme. „Wir werden die undichten Stellen im Rahmen des Unterhalts, für den ja Mittel da sind, flicken“, so der Bürgermeister. Das soll passieren, wenn die Streberpfeiler ausgewechselt wurden. Dies ist nötig, weil mit den vorhandenen die Standsicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet ist. Zurzeit wird das Gerüst für den Abriss des Süd-West-Pfeilers eingehaust, demnächst erfolgt der Abriss des Nord-West-Pfeilers.

 

 

 

Dass es einregnet, ist bei der Stadthalle nichts Neues. Rost und Schwamm fressen schon länger an dem Gebäude. Nässe drang auch bereits durch die Saalfenster der Parkseite, im zweiten Rang regnete es ebenfalls schon ein. Bei alldem betont das Rathaus immer wieder, dass die Stadthalle sicher ist und keine Schäden nehmen wird.

 

 

 

 

 

 

 

Neue Einigkeit bei der Stadthalle

 

Die Stadt will den Förderverein nun doch stärker an der geplanten Stiftung beteiligen. Dafür gibt der Verein eigene Pläne auf.

 

 

 

Von Sebastian Beutler

 

 

 

sSolche Termine könnten nicht genug im Kalender von Stadthallen-Vereinschef Thomas Leder stehen. Senfkorn-Verlagschef Alfred Theisen übergibt ihm die 1500 Euro, die beim Wohltätigkeitsball für die Stadthalle jüngst zusammengekommen sind. Mit dem Geld wächst zugleich die Hoffnung, dass beidseits der Neiße für eine schnelle Wiedereröffnung der Stadthalle gearbeitet wird. Welches Datum der Förderverein dabei vor Augen hat, kann jeder im Stadtbild sehen: 950-Jahr-Feier 2021 steht an der Berliner Straße.

 

 

 

Dabei helfen soll auch die geplante „Stiftung Görlitzer Stadthalle“. Deren Gründung hatten die Stadt, deren Tochterunternehmen Kommwohnen und die Stadtwerke bereits Ende April ganz überraschend angekündigt. Zuvor war der Förderverein ebenso mit der Absicht an die Öffentlichkeit getreten, eine Stiftung zu gründen. Dass es für die Stadthalle zwei Stiftungen geben soll, erntete schnell Kritik. Von Ideenklau war die Rede, von Retourkutsche gegen den Verein, und manch einer fragte sich, ob Stadt und Verein nicht vorher miteinander hätten sprechen können. Doch beharrten Oberbürgermeister Siegfried Deinege und Bürgermeister Michael Wieler darauf, erst nach der Bekanntmachung der städtischen Stiftung mit dem Förderverein zu sprechen. Wieler äußerte die Sorge, dass ansonsten die Pläne für die Stiftung zu früh an die Öffentlichkeit durchgesickert worden wären.

 

 

 

Mittlerweile reden beide Seiten wieder miteinander. Und die Stadt hat nun ihren anfänglichen Widerstand gegen eine weiter reichende Mitarbeit des Fördervereins in der städtischen Stiftung aufgegeben. Ursprünglich hatte sie nur einen Sitz im Kuratorium dem Verein überlassen wollen. Ein Gremium, das berät, aber nichts entscheidet. Nun bewegen sich alle Seiten aufeinander zu. Das ist aus den Äußerungen von Bürgermeister Michael Wieler vor dem Verwaltungsausschuss zu entnehmen. So seien das Görlitzer Rathaus, die Stadtwerke und Kommwohnen übereingekommen, den Wünschen des Vereins weitgehend entgegenzukommen und dem Verein im entscheidenden Sitzungsrat Sitz und Stimme anzubieten. Nach Ansicht Wielers würde sich auf diese Weise eine zweite Stiftung für die Stadthalle erübrigen. Erleichtert wurde der Stadt das Entgegenkommen durch entsprechende Angebote des Vereins, der seinerseits im Gegenzug auf seine Stiftung verzichtet.

 

 

 

Bei aller Vorsicht bestätigt das auch eines der beteiligten Unternehmen. So sieht Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert zwar generell kein Problem in zwei Stiftungen. Doch sagt er gegenüber der SZ: „Ich kann mir vorstellen, dass die Konzentration der Kräfte in einer Stiftung mehr Kapazitäten für den eigentlichen Stiftungszweck freisetzen würde.“ Eine Mitarbeit im Stiftungsrat mache für Myckert „dann besonders Sinn, wenn der Förderverein einen vergleichbaren Beitrag wie die Stadtwerke oder die Stadt leisten würde“. Das sind im Moment 50 000 Euro. So viel Geld hätte der Verein auch aufbringen müssen für seine eigene Stiftung. Die Frage ist nur, in welchem Zeitraum er das Geld einwerben kann und soll. Thomas Leder kündigt jedenfalls an, sich mit einem fünfstelligen Betrag an der Stiftungsgründung beteiligen zu können.

 

 

 

Die Pläne sahen bislang vor, dass Kommwohnen 200 000 Euro gibt, die Stadtwerke und die Stadt jeweils 50 000 Euro. Diese 300 000 Euro bleiben als Stiftungsvermögen unangerührt, Dritte können es im Laufe der Zeit auch erhöhen. Nur die Zinsen und Erlöse aus der Anlage dieses Vermögens können für den Zweck der Stiftung, zusätzliche Mittel für die Sicherung, die Sanierung und den späteren Betrieb der Stadthalle aufzubringen, verwendet werden. Darüber hinaus beabsichtigen die Stadtwerke bis 2018 drei Jahre lang jeweils 50 000 Euro als Verbrauchskapital zur Verfügung zu stellen. Diese 150 000 Euro können beispielsweise als Eigenanteil für Fördermittel komplett ausgegeben werden. Kommwohnen und Stadtwerke würden damit in den ersten drei Jahren 400 000 Euro für die Stadthallenstiftung zur Verfügung stellen. Mit dem Förderverein könnten nun weitere Mittel für die Stiftung gewonnen werden. Und Persönlichkeiten für das beratende Kuratorium. Leder und seine Mitstreiter haben bereits die Zusagen von zwei hochkarätigen Musikern und Politikern vorliegen.

 

 

 

Durch die monatelangen Diskussionen ist der gesamte Zeitplan für die Stiftung in Verzug geraten. Doch will die Stadt nun die Stifter für ein solches Vorgehen gewinnen, anschließend müssten die Unterlagen zur Stiftungsgründung noch einmal angepasst werden, die von der Landesdirektion geprüft werden müssen. Die Behörde hat die Aufsicht über die Stiftungen in Sachsen. Schließlich erwartet Wielers Büro-Leiterin Astrid Hahn, dass der Stadtrat noch im ersten Quartal des kommenden Jahres der Stiftung grünes Licht gibt. Spenden sammeln für die Stadthalle kann man in der Zwischenzeit sowieso.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

14.12.2015

 

 

 

Förderverein Stadthalle dankt

 

 

 

für einen einzigartigen Ball

 

 

 

Der Wohltätigkeitsball in Wichelsdorf (Wiechlice) zugunsten der Stadthalle Görlitz am 28. November war wunderbar. Das Schloss ist eine Reise wert. Der Saal war festlich geschmückt. Wir wurden verwöhnt mit einem großzügigen Büffet und Getränken.

 

 

 

Ein Zauberkünstler verblüffte uns mit seinem Können, Feuerwerk erfreute die Herzen und eine Auktion zugunsten der Stadthalle brachte einige Euro ein.

 

 

 

Zehn Prozent des Eintrittspreises und die Auktionseinnahmen gehen an den Förderverein Stadthalle Görlitz. Dafür bedanken wir uns vom Förderverein Stadthalle besonders. Wir sind uns alle einig, dass wir im kommenden Jahr wieder einen Ball im Schloss Wichelsdorf zugunsten der Stadthalle Görlitz unterstützen. Wir danken allen Akteuren und hoffen, dass 2016 noch mehr Görlitzer dabei sein können.“

 

 

 

Familie Wiegand, 02826 Görlitz

 

 

 

 

 

 

 

Stadthallen-Stifter sind sich einig

 

Stadt, Stadtwerke und Kommwohnen wollen den Förderverein stärker beteiligen.

 

 

 

Die Stadtwerke begrüßen die Absicht, den Förderverein der Stadthalle bei der geplanten Stiftung stärker als bislang geplant zu beteiligen. „Wir sollten die Kräfte aller bündeln, die sich für die Wiederbelebung der Stadthalle engagieren“, erklärte Stadtwerke-Vorstand Matthias Block auf SZ-Nachfrage. Die Stadtwerke sind neben der Stadt und der städtischen Tochtergesellschaft Kommwohnen der dritte Stifter der Stiftung. Zuvor hatten bereits die Stadt und Kommwohnen grundsätzlich grünes Licht für eine Vereinsbeteiligung gegeben. Block hoffe auf eine „sachbezogene und konstruktive Zusammenarbeit“ aller in der Stiftung. Deren Ziel sei die Wiederbelebung der Stadthalle, nicht unbedingt Politik zu machen. Block hält einen Sitz sowohl im Stiftungsrat als auch im Vorstand der Stiftung für den Verein für möglich. Anders als Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert verknüpft Block die Einbindung des Vereins nicht mit einer konkreten Summe, die der Förderverein zum Stiftungskapital beitragen solle. Myckert brachte 50 000 Euro ins Gespräch. Der Verein will sich mit einem fünfstelligen Betrag an der Stiftung beteiligen. (SZ/sb)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18.12.2015

 

 

 

Wieder ein paar Flicken mehr

 

Ein Vordach der Stadthalle sieht lustig aus. Doch es ist bitterer Ernst, dass es hier immer wieder einregnet.

 

 

 

Von Daniela Pfeiffer

 

 

 

Auf dem Vordach – dem zur Stadtbrücke zu – arbeiten gerade Mirko Schüßler und und Patrick Michel von der Firma Lothar Tschierschke aus Markersdorf. Sie pinseln silberne Farbe auf mehrere Stellen. Überall da, wo das Dach Risse hat. „Das ist Flüssigfarbe“, erklärt Mirko Schüßler. Normalerweise würden sie hier mit Flammen arbeiten, aber in dem Fall ist das viel zu gefährlich. Da müsste extra eine Feuerwache eingerichtet werden, die noch eine Weile aufpasst, dass sich nichts entzündet. „Flüssigfarbe ist auch ein zugelassenes Dichtungsmittel“, sagt Mirko Schüßler. Es sind etliche Stellen, auf die sie die Farbe schon aufgepinselt haben. Und bitte nicht drauftreten, das muss erst trocknen.

 

 

 

Trocknen muss es auch ein Stockwerk tiefer. Hier, ins Foyer im 2. Stock, hatte es in letzter Zeit stark eingeregnet. Die nassen Stellen auf dem Fußboden sind noch zu sehen. Auch ein letzter Eimer steht noch da. Auf dem Fußboden liegt PVC-Belag. „Zum Glück. Da passiert nicht viel“, sagt Manuel Auster vom städtischen Hochbauamt. Er ist der Projektverantwortliche für die Stadthalle. Damit im Moment auch fürs Flicken der undichten Stellen. Wann immer es neue Risse gibt, durch die es einregnet, versucht die Stadt, das sofort zu beheben. Das Geld für dieses Mal kommt aus dem Sonderprogramm Denkmalpflege 2015 des Freistaates Sachsen. 2 400 Euro kosten die aktuellen Reparaturarbeiten.

 

 

 

Entdeckt werden die nassen Stellen meist von Reiner Thiele, dem Hausmeister. Er geht regelmäßig durch alle Räume des seit zehn Jahren geschlossenen Hauses. Wenn es ganz schlimm ist, wie vor ein paar Tagen, stellt er ein paar mehr Eimer auf.

 

 

 

Für die Mitarbeiter der Firma Tschierschke ist der Arbeitseinsatz auf dem Vordach nichts Neues. „Ein- bis zweimal im Jahr sind wir bestimmt auf der Stadthalle“, sagt Mirko Schüßler. „Wir tun, was wir können. Versuchen zu retten, was zu retten geht.“ Seiner Meinung nach ist das Dach eben altersschwach. Auch das Bühnendach auf der anderen Seite des Gebäudes sei schlecht, eingeregnet habe es dort aber noch nicht. Bis 2017 muss es noch mit der Flickschusterei gehen. Dann sollen Haupt- und Nebendächer grundlegend saniert werden, sagt Manuel Auster. „Das Hauptdach ist aber im Vergleich zu den Nebendächern noch in Ordnung.“ Obgleich es auch hier eine Ecke gibt, die die Männer aus Markersdorf dieses Jahr schon geflickt haben. Von ganz oben, dem Hauptdach, lässt sich gut sehen, mit welcher Notlösung man sich auf dem Seitendach geholfen hat, das zum Stadtpark hin zeigt. „Wir haben hier eine provisorische Drainage gelegt“, erklärt Manuel Auster. Regenwasser wird dadurch seitlich abgeleitet. Das ist wichtig, denn es ist eine sensible Stelle. Hier wird einer der Streberpfeiler erneuert, ohne kleinere Durchbrüche geht das nicht. Zum Schutz vor Regen wurde deshalb die ganze Rüstung mit Folie überspannt. Die mit Spanplatten eingehausten Treppen drinnen sind vom Regen nicht gefährdet. „Die Einhausungen haben wir generell als Schutz während der Sanierung machen lassen“, sagt Manuel Auster.

 

 

 

Wasserschäden sind in der Stadthalle schon lange ein Thema. Ein Gutachten hatte Ende 2013 von schweren Schäden gesprochen, von Rost und Schwamm, die an dem Gebäude fressen.

 

 

 

Kommentar: Stadthalle verfällt immer mehr

 

Daniela Pfeiffer über die zunehmenden Schäden am Gebäude

 

 

 

Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es. Steter Tropfen frisst aber auch an der Görlitzer Stadthalle immer mehr. Immer wieder werden neue Stellen entdeckt. Risse abzudichten ist fast schon zur Routine geworden. Notdürftig zu sichern und flicken ist sicher im Moment das Einzige, und auch das mindeste, was die Stadt tun kann. Fragt sich nur, wie lange das altehrwürdige Haus das noch mitmacht. Bis zur großen Dachsanierung 2017 wird es noch oft regnen und stürmen. Möglicherweise kommt doch mal wieder ein richtiger Winter, in dem wochenlang schwere Schneelasten den Dächern weiter zusetzen könnten.

 

 

 

Vielen Anhängern in der Stadt ist das bewusst. Mit dem Geld, das die Stiftung einbringen will, kann sicher viel bewirkt werden. Rettend aber werden die ganz großen Fördersummen sein, ein baldiges Handeln, aber auch der feste politische Wille in der Stadt. Noch immer wird der Stadtrat dafür kritisiert, kein klares Bekenntnis für den Erhalt der Halle abgegeben zu haben. Die Sanierung der Strebepfeiler ist ein erster, sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Bis zur Gesamtsanierung und Wiederbelebung des Hauses sind aber noch unglaublich viele zu gehen.

 

 

 

 

 

 

 

31.12.2015

 

 

 

Neujahrsempfang an der Stadthalle

 

Görlitz. Der Förderverein Stadthalle Görlitz möchte die Görlitzer am 9. Januar, von 11 bis 14 Uhr, zu einem Neujahrsempfang begrüßen. Wie Thomas Leder, Vorsitzender des Vereins, mitteilt, findet das Treffen direkt neben den geschlossenen Stadthalle, am Meridianstein, statt. „Bei Getränken und Imbiss kann man sich zur Stadthalle austauschen und Pläne für 2016 schmieden“, sagt Thomas Leder. Für Wärme und einen Wetterschutz ist gesorgt. Die Stadthalle ist seit zehn Jahren geschlossen. Der Verein setzt sich für eine Wiedereröffnung ein. Die Stadt hat dafür noch keine konkreten Pläne. In diesem Jahr hat sie mit der Notsicherung des 1911 erbauten Gebäudes begonnen. (SZ/dan)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 2014 Stadthalle Zeitungsmeldungen

 

 

11.01.2016

 

Jobs für die Görlitzer Zukunft?

 

Stadthalle: Ein Zugpferd nur als große Veranstaltungshalle

 

Hartmut Wilke, Stadtplaner im Görlitzer Rathaus, sieht zwei Chancen für die Stadthalle: einmal als wiederbelebtes Veranstaltungshaus, in dem regelmäßig Konzerte stattfinden und zum anderen als nur gelegentlich genutztes Haus. Wirklich entscheidend zur Entwicklung der Stadt könne aber nur Ersteres beitragen, ist Wilke überzeugt. Das Erfolgsrezept sieht er in der Kontinuität. Denn dann hängen Jobs dran – Handwerker, Gastronomen, Hoteliers, Künstler, Verwaltung. CDU-Stadtrat und Stadthallen-Verfechter Thomas Leder wünscht sich dringend eine Verbindung zwischen dem Kaufhaus mit seinem Umfeld und dem neuentstehenden Kaufhaus an der Stadtbrücke in Zgorzelec und denkt dabei weit über die Veranstaltungshalle an der Neiße hinaus.

Für Thomas Leder könnten Görlitz und Zgorzelec durch eine sinnvolle Verbindung ihrer Angebote punkten und dem Gast besonderes anbieten. Eine solche Variante wäre für ihn: Mit der Straßenbahn schnell und kostengünstig vom Kaufhaus und der Fußgängerzone in Görlitz in das Zgorzelecer Kaufhaus an der Stadtbrücke zu fahren. Käufer aus dem Radius Bautzen, Zittau, Weißwasser und vielleicht auch weiter würden das so interessant finden, dass sie oft hier einkaufen. Und das auch mit einem Besuch der Stadthalle verknüpfen. „Es ist höchste Zeit das zu beginnen, denn von den ersten Planungen bis zu Baumaßnahmen vergehen mehrere Jahre. Jetzt sind dafür EU-Mittel zu bekommen.“

 

Kaufhaus: Nach Wiedereröffnung ein Zugpferd für das ganze Zentrum

 

Das Kaufhaus selbst ist ein enorm wichtiger Baustein für die Stadtentwicklung, glaubt Hartmut Wilke. Wie wichtig das Haus ist, habe man gesehen, als es schloss und ringsherum ein Einbruch zu spüren war. „Es muss dringend wieder entstehen“, sagt Wilke. Deshalb hat das Rathaus Investor Winfried Stöcker volle Unterstützung zugesagt. Ernüchterung fühlt dagegen Thomas Schynol vom Aktionsring Handel, wenn es ums Kaufhaus geht. Dem großen Aufatmen nach dem Kauf durch Stöcker folgt der Atemstillstand angesichts des erheblich längeren Zeitraums bis zur Belebung des Hauses. Trotzdem sehen natürlich auch die Händler das Kaufhaus als Meilenstein der Stadtentwicklung und wollen deshalb mit der BID-Initiative dazu beitragen, „ein spürbar attraktiveres Umfeld zu schaffen, um dieses Haus ins allerbeste Licht zu rücken und so für Mieter attraktiv zu machen“.

 

Die ersten Ergebnisse seien schon längst zu spüren, sagt Schynol mit Blick auf die untere Jakobstraße und die Entwicklung der oberen Berliner zu einer Einkaufsstraße für Handel und Dienstleistungs-Gewerbe. Eva Wittig von der Europastadt Görlitz-Zgorzelec findet, das Kaufhaus prägt das Zentrum der Stadt und wird ein echter Höhepunkt im Görlitzer Handel sein. Ein offenes, genutztes und funktionierendes Kaufhaus erhöhe die Attraktivität und Vitalität der Innenstadt enorm. Die bauliche Einzigartigkeit des Hauses und das angestrebte exklusive Konzept könnten das noch mal fördern und auf angrenzende Geschäfte ausstrahlen. Zudem wird es weitere Arbeitsplätze schaffen und über die Stadtgrenzen hinaus wirken.

 

Berzdorfer See: Als Zugpferd ein Jobmotor für junge Leute

 

Tourismus-Experte Johann-Friedrich Engel sah es schon vor zwei Jahren vor seinem geistigen Auge: Der Berzdorfer See verhilft Görlitz zum Aufstieg in die Tourismus-Bundesliga. Der See sei groß genug für Hotels und Feriendörfer mit bis zu 3600 Betten und könnte bis zu 2500 neue Arbeitsplätze schaffen. Das schrieb er auch in seiner Leitidee für den See nieder. Seitdem ist von ihr nicht mehr viel zu hören, doch versicherte Oberbürgermeister Siegfried Deinege jüngst erst wieder, dass die Stadt Görlitz an der touristischen Entwicklung festhalte.

 

Der Berzdorfer See soll ruhig ein Wirtschaftsstandort werden, findet daher auch Stadtplaner Hartmut Wilke – mit Betreibern von Wassersport, Fahrgastbooten, Campingplätzen, Gastronomie, Hotels. „Wenn die wirtschaftliche Entwicklung hier gelingt, ist das dauerhaft ein Standbein für die Stadt.“ Dann seien auch jede Menge zeitgemäße Berufe für junge Menschen denkbar. Einen guten Einfluss auf die Lebensqualität in der Stadt schreibt Eva Wittig dem See zu. Außerdem könne er neue touristische Zielgruppen locken. Mit den sportbegeisterten Tschechen seien die ersten schon da.

 

Filmstadt Görliwood: Auf Dauer nur ein Zugpferd durch Investitionen

 

Dass der Riese Studio Babelsberg die Stadt als Drehort wiederentdeckt hat, ist ein großer Glücksfall, findet Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Die Stadt habe international für Aufsehen gesorgt und letztlich sei die Patentierung der Marke Görliwood auch ein Ergebnis dieser Entwicklung. Das Film-Thema soll für die Tourismus-Werbung noch eine größere Rolle spielen. „Daran arbeiten wir“, so der OB. Dass der Film zur Belebung der Stadt ganz erheblich beigetragen hat, zeigen Unternehmen, Dienstleister, Hoteliers, Gastronomen, aber auch der Handel. Nach Schätzungen im Rathaus kamen Görlitz und dem Umland durch die Filmproduktionen bisher ein guter zweistelliger Millionenbetrag zusätzlich zugute. Einen kleinen Widerspruch zur Stadtentwicklung gibt es aber doch: Viele Produktionen kommen wegen historischer Bausubstanz, oft auch wegen leerstehender, heruntergekommener Häuser. „Wenn es danach ginge, müsste man Straßenzüge mit unsanierten Häusern in ihrem Zustand belassen. Das wäre aber nicht in unserem Sinne. Die Stadt verändert sich“, sagt Siegfried Deinege.

 

Ob das Filmthema dauerhaft zusätzliche Impulse der Stadt verleihen kann, steht für Deinege noch nicht ganz fest. „Es gibt gute Ansätze und Ideen, doch es muss in ein großes Ganzes münden, um tatsächlich einen Impuls für die Stadtentwicklung zu geben. Und dazu braucht es finanzkräftige Investoren, engagierte Privatpersonen und Unternehmen.“

 

 

Kommentar: Mit den Zugpferden gewinnt Görlitz

Daniela Pfeiffer über die Job-Chancen durch See und Co.

 

Hält ein schöner See die jungen Menschen davon ab, ihre Stadt zu verlassen? Bleiben sie hier, nur weil Hollywood des öfteren vorbeischaut? Weil sie im Kaufhaus vielleicht irgendwann super shoppen können und abends zum Konzert in die Stadthalle? Vermutlich nicht, steht doch der Job für die allermeisten ganz oben auf der Liste der Argumente für gehen oder bleiben. Aber wenn sich im Idealfall alle vier dieser Görlitzer Zugpferde verwirklichen oder entwickeln lassen, kann das die Lebensqualität in der Stadt deutlich erhöhen. Denn sie stehen für das, was oft direkt nach dem Arbeitsalltag kommt: sich erholen, einkaufen, Veranstaltungen besuchen. Nun lässt sich manches weniger beeinflussen, anderes mehr. Dass die Stadt sich zur Filmstadt entwickelt hat und sich mindestens deutschlandweit einen Namen gemacht hat, ist ein unglaubliches Glück. Ebenso, dass nach Jahren des Leerstands mit Winfried Stöcker das Kaufhaus ein Investor übernommen hat, der dafür bekannt ist, große Projekte zu planen und umzusetzen – wenn er sich dafür auch Zeit lässt. In beiden Fällen kann sich die Stadt nur selbst gratulieren und unterstützen, um am Ende ordentlich davon zu profitieren.

 

Jobs für die Görlitzer Zukunft?

Selbst in der Hand hat sie, wie es am See weitergeht und was mit der Stadthalle geschieht. Das dürften zwei der ganz großen Herausforderungen für die Stadtentwicklung sein. Wenn sie bewusst angenommen und konsequent verfolgt werden, können am Ende auch neue Jobs stehen – nicht in Größenordnungen, aber sicher so, dass wieder eine Handvoll junger Görlitzer sich entscheidet, in der schönen, bunten, immer vielfältiger werdenden Heimatstadt zu bleiben.

 

29.01.2016

 

Görlitz schiebt Stadthalle auf lange Bank

OB Deinege hält eine Sanierung bis zur 950-Jahr-Feier für unrealistisch. Allein die Arbeiten im Kleinen Saal dauern bis 2018. Vom Großen Saal spricht keiner.

 

Von Sebastian Beutler

An der Berliner Straße in Görlitz wird schon mal für die 950-Jahrfeier der Stadt geworben. Welche Rolle die Stadthalle dabei spielen kann, ist noch unklar.

An der Berliner Straße in Görlitz wird schon mal für die 950-Jahrfeier der Stadt geworben. Welche Rolle die Stadthalle dabei spielen kann, ist noch unklar.

© florian gaertner

Michael Kretschmer kam ganz ungezwungen auf die Stadthalle zu sprechen. Manchmal, so erzählte er beim Neujahrsempfang des katholischen Bischofs von Görlitz, frage ihn Ministerpräsident Stanislaw Tillich, was Görlitz mache. Dann kämen sie schnell auf die zwei großen Sanierungsprojekte zu sprechen. Wie es denn darum stehe, wolle dann Tillich wissen. „Die Außensanierung der St. Jakobus-Kathedrale“, beruhigt ihn Kretschmer dann, „werden Sie noch in diesem Jahr feiern können.“ Tatsächlich ist für den 8. Mai ein Dankgottesdienst geplant. „Und die Stadthalle“, und dabei lächelt Kretschmer verschmitzt, „die eröffnen Sie in der nächsten Legislaturperiode.“ Das wäre irgendwann zwischen 2019 und 2024.

 

Das Lachen Kretschmers blieb dem Görlitzer OB eher im Halse stecken. Denn von der Terminfolge des Abgeordneten will der Chef des Görlitzer Rathauses nichts wissen. Zwar werde die Stadthalle grundsätzlich gerettet, erklärt er jetzt in einem Interview für die monatlich erscheinende Zeitschrift „Schlesien heute“. Aber eine Komplettsanierung und Wiedereröffnung der Stadthalle bis zum Jahr 2021, wie es der Förderverein fordert, halte er für nicht realistisch. Immerhin würden 30 bis 40 Millionen Euro gebraucht, um die Stadthalle voll funktionstüchtig auszubauen. Und dieses Geld hat weder die Stadt noch gibt es ein entsprechendes Förderprogramm. Deinege macht sich damit die teuersten Schätzungen für eine Sanierung zu eigen. Es gibt auch preiswertere Modelle – allerdings mit Abstrichen bei der Nutzung für Kongresse und Messen. Genau die verfolgt auch seine Stadtverwaltung gegenwärtig, denn die bisher vorliegenden Pläne gehen nicht mehr vom Anbau zur Neiße aus – wie der Sanierungsplan von 2012 noch vorsah. Doch Deinege hat es mit der Stadthalle auch deswegen nicht so eilig, weil er ganz andere Herausforderungen für die Stadt sieht, wie er der Zeitschrift aus dem Görlitzer Senfkorn-Verlag anvertraute.

 

Tatsächlich hat die Stadt nicht mal einen Bruchteil der nötigen Gelder für die Sanierung des Kleinen Saals zusammen, vom Großen Saal ist überhaupt noch nicht die Rede. Bewilligt sind lediglich 2,2 Millionen Euro. Mit diesen Geldern kann die Stadt die Strebepfeiler erneuern, damit die Stadthalle nicht mehr einsturzgefährdet ist. Außerdem können die Dächer von Foyers und Treppenhäusern saniert und eine neue Decke unter dem Großen Saal eingezogen werden. Dabei soll es sich aber lediglich um eine Rohdecke handeln, der Große Saal hätte dadurch zwischenzeitlich keinen Parkett-Fußboden mehr. Und auch die Saalfenster, durch die viel Feuchtigkeit in die Halle eindringt, gehören zu den ersten Sanierungsvorhaben.

 

Weitere zwei Millionen Euro sind nach Aussage von Bürgermeister Michael Wieler avisiert. Die Stadt kann sie aber erst beantragen, wenn ein Planungsbüro nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren ausgewählt wurde. Mit diesen Geldern könnte die Brücke am Haupteingang saniert, die kompletten Rohbauarbeiten an der Bühne im Kleinen Saal und weitere Brandschutzarbeiten für die Nutzung des Kleinen Saales finanziert werden. Ziel bleibe die Sommernutzung des Kleinen Saales für 200 Personen. Im April vergangenen Jahres rechnete das Rathaus damit, bis Mai 2017 so weit zu sein. Mittlerweile ist die Rede von Sommer 2018 – frühestens.

 

Wie es dann weitergeht, ist völlig offen. Denn zur kompletten Nutzbarmachung des Kleinen Saales gehörten noch weitere zwei Bauabschnitte in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Mit diesen Mitteln sollen neue Elektroleitungen gezogen, eine neue Heizung installiert, neue Sanitäranlagen eingebaut, Künstlergarderoben eingerichtet und die Vorräume des Kleinen Saals saniert werden. Außerdem war vorgesehen, in der früheren Gaststätte Konferenzräume einzurichten. Doch zeichnen sich, wie Bürgermeister Michael Wieler einräumt, derzeit keine konkreten Fördergelder für diese Bauabschnitte ab. Für den Großen Saal gibt es überhaupt keine Pläne. Obwohl er, wie Fördervereins-Chef Thomas Leder sagt, das „Herzstück der Stadthalle“ ist und in seinen Ausmaßen in Görlitz kein zweites Mal zu finden ist.

 

Anders als der Kleine Saal, der von der Größe her mit der Kulturbrauerei und dem Saal im Wichernhaus konkurriert. Auch kann die Stadt mit der gegenwärtigen Konzeption für den Kleinen Saal keine Fördermittel für den Großen Saal beantragen. Das bestätigt Baubürgermeister Michael Wieler indirekt. Mittlerweile fühlen sich Rathaus und Stadträte so unter Druck bei diesem Thema, dass sie selbst harmlose Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten. Als im Januar der Technische Ausschuss die Stadthalle besuchte, wurde der SZ klargemacht, dass Journalisten dabei unerwünscht sind. Bei anderen Vorhaben, ob Schulsanierungen, Kitabau oder beim soziokulturellen Zentrum war die Pressebegleitung in der Vergangenheit sehr wohl erwünscht. Gleichwohl wird hinter den Kulissen weiter um die Sanierung der Halle gerungen. Noch vor den Winterferien versammelt der Förderverein die Beteiligten zu einem Runden-Tisch-Gespräch. Ziel: Die Stadthalle so schnell wie möglich zu eröffnen.

 

 

11.02.2016

 

Görlitzer dürfen Stadthalle weiter planen

Das Büro Wünsche + Langer hat im Technischen Ausschuss am Mittwoch den Zuschlag erhalten.

 

Von Ingo Kramer

 

Görlitz. Die alten Planer der Stadthalle sind auch die Neuen: Das Görlitzer Architektur- und Ingenieurbüro Wünsche + Langer hat am Mittwoch von den Stadträten im Technischen Ausschuss den Zuschlag für die weitere Planung der Stadthalle erhalten. Konkret geht es bei dem 255000 Euro teuren Auftrag um Planungsarbeiten bei der Sicherung der Gebäudesubstanz, bei der Teilsanierung und bei der Erarbeitung eines Konzeptes für die abschnittsweise Gesamtsanierung der Stadthalle.

 

Das Team um Christian Wünsche und Ulrich Langer ist mit dem Gebäude längst vertraut: Zusammen mit dem Dortmunder Büro Winkler und Partner hatten sie im Herbst 2011 schon einmal den Zuschlag für die Planung erhalten und dann auch losgelegt. Zu diesem Zeitpunkt hieß es noch, dass die Stadthalle für 21 Millionen Euro saniert werden soll. Die Planer hatten aber voriges Jahr erklärt, nicht weitermachen zu wollen. „Die Arge besteht nicht mehr“, so Wünsche. Die Dortmunder Kollegen seien mittlerweile im Ruhestand, zu ihren Nachfolgern bestehe kein Kontakt mehr.

 

 

17.02.2016

 

 

Neuer Vorstoß für Landesgartenschau

CDU-Stadtrat Thomas Leder will die Stadtbrücke zum Kern eines Görlitzer Konzeptes machen.

 

Von Sebastian Beutler

 

© Matthias Weber

Die Überlegungen von Oberbürgermeister Deinege haben eine neue Diskussion darüber entfacht, ob und wenn ja wo eine Landesgartenschau für Görlitz Sinn hat. So plädiert CDU-Stadtrat Thomas Leder für eine Landesgartenschau, in deren Mittelpunkt die Stadtbrücke sowie die angrenzenden Uferareale steht. So schlägt Leder vor, die Umsetzung des Jakob-Böhme-Denkmals vom Park des Friedens auf seinen alten Standort vor der Stadtbrücke, die Platzgestaltung als Verbindung zwischen dem neuen Kaufhaus am polnischen Ufer und dem Görlitzer am Demianiplatz und die denkmalgerechte Sanierung des Stadthallengartens in ein mögliches Görlitzer Landesgartenschau-Konzept aufzunehmen. Dabei könnte man auch ein neues Umfeld für den Meridian-Stein gestalten. „Dass nennt man vier Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt Leder. Deinege hatte sich für den Fall, dass Görlitz sich um eine Landesgartenschau bewirbt, für den Brautwiesenbogen als Kern des Gebietes ausgesprochen. Doch würde Görlitz im Moment an keiner Bewerbung arbeiten.

 

 

 

18.02.2016  GR Anzeiger

 

Eine Antwort auf den Görlitzer Neujahrsempfang

 

Eine Antwort auf den Görlitzer NeujahrsempfangGörlitz, 26. Januar 2016. Von Hans-Peter Bauer. Das Dilemma des sogenannten ländlichen Raums im Landkreis Görlitz sind seine Verluste durch die Binnenmigration und die unzureichende Immigration. Infrastrukturen für verödende Landstriche sind teurer als solche in Ballungsräumen. Durch die Bindung der Zuweisungen (auch die des Kulturraumgesetzes) an die Einwohnerzahlen der Landkreise verschärfen sich die Skalenverluste noch mehr. Der Wegzug der Jungen, der Gebildeten, der vielen jungen Frauen, schafft erhebliche Lücken bei der Regeneration von Funktionsträgern und unterminiert die demokratischen Strukturen in bereits besorgniserregendem Ausmaß.

Abbildung oben: Das agile Theater in Zittau, eine Spielstätte der Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zitttau GmbH, zählt zu den kulturellen Bastionen im Landkreis Görlitz.

 

Kultur ist harter Standortfaktor geworden

 

Das Theater in Görlitz - für eine Stadt dieser Größenordnung längst keine Selbstverständlichkeit mehr, aber gerade deshalb erhaltenswert.

 

Thema: Stadthalle Görlitz

Stadthalle Görlitz

 

Die Stadthalle Görlitz wurde 1910 als Veranstaltungsort des Schlesischen Musikfestes eröffnet. Hoher Sanierungsbedarf und die ungenügende Selbstfinanzierung führten zur Einstellung des Betriebs und zu Verkaufsbestrebungen seitens der Stadt Görlitz, allerdings konnte seit 2008 kein passender Käufer gefunden werden. Die Ende Januar 2010 vom Stadtrat beschlossene Sanierung wurde, ohne dass Arbeiten am Gebäude begonnen hätten, im Oktober 2012 gestoppt, weil Fristen für Fördermittel zu kurz waren. Eine große Herausforderung stellen die Betriebskosten für die Stadthalle Görlitz dar.

Neujahrsempfang des Fördervereins Stadthalle Görlitz [11.01.2016]

Stadthallenverein will ins Stiftungsboot - aber auf Augenhöhe [24.09.2015]

Nach der Schlacht [09.08.2015]

Ursache der Mobilität sind interessanterweise weniger die sogenannten "harten Faktoren" wie Arbeitsplätze, Wohnraumversorgung oder Sozialversorgung: Ursache der einseitigen Mobilität vom ländlichen und mittelstädtischen Bereich in die Ballungsräume sind vor allem Vorstellungswelten. Diese mentalen Prozesse gilt es näher in den Blick zu nehmen. Die kontraproduktiven Diskussionen des Vereins "Bürger für Görlitz" zur Kultur, zum Berzdorfer See und zur Infrastruktur unserer Stadt sind dabei alles andere als hilfreich. Schon die ablehnende Haltung zur Wiederbelebung der Stadthalle zeugt von einer einseitigen, den Willen der Bürger missachtenden Kommunalpolitik.

 

Die hier interessierende Frage ist, welche Art von Kunst und Kultur die Vorstellungswelten zugunsten des sogenannten ländlichen Raumes – der ja faktisch urban geprägt ist und wesentlich aus den Mittelstädten 20.000 – 60.000 Einwohner als Bezugsgröße besteht – umprägen kann. Welche spezifischen Instrumente zur Resilienzstärkung müssen als strategische "Mindestmaßnahme" ausgebildet werden? Ist es die Art von Kulturtourismus á la Österreich? Ist es die Umbenennung des Berzdorfer Sees in Görlitzer See?

 

Nach Schätzung der österreichischen Wirtschaftskammer sind bereits "mehr als ein Viertel des heimischen Tourismus ein reiner Kulturtourismus. Festwochen, Sommerfestspiele beleben totgesagte Regionen, und zählen dort oft schon zu den wichtigen Einkommensquellen". Diese ausgewiesenen Effekte in Österreich verdienen hier bei uns Beachtung, sie bedürfen einer systematischen Stärkung (zum Beispiel Mittelerhöhung mit mehrjähriger Mittelbindung, Privilegierung von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen, Erleichterung und Unterstützung bei der Antragsstellung und Förderung mit vereinfachten Antrags- und Abrechungsverfahren).

 

Die Klärung folgender Fragen ist bedeutungsvoll:

Es wäre zu fragen, durch welche Regelungen die organisatorische und künstlerische Erneuerung der Kultureinrichtungen begünstigt werden kann?

Ist die Bündelung der künstlerischen Ressoucen im Landkreis unter Einbeziehung der Stadthalle der richtige Weg, sie auch ökonomisch für die Region interessant zu machen?

Welche Querschnittsaufgaben lassen sich aus den sich ständig verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ableiten (beispielsweise Tourismus, Migration, Alterung der Gesellschaft), vor allen Dingen, welche kulturelle Bildungsaufgaben sind zu erfüllen?

 

Ein positives Beispiel zu kulturellen Bildungsaufgaben liefern die praktizierten Jugendkonzerte unseres Theaters, die sich nicht nur steigender Beliebtheit erfreuen, sondern die auch einen wirksamen bildungspolitischen Auftrag erfüllen. Welche Hilfsleistungen des Freistaates sind dafür sinnvoll, um auch mit den Mitteln der Kulturpolitik die Reaktionsfähigkeit und die selbsttätige Erneuerung der Kommunen zu unterstützen? Das SächsKRG gibt darauf keine ausreichende Antwort.

 

Die Animositäten im Lausitzer Theaterdreieck sind nicht dazu angetan, die Region um den Landkreis Görlitz zu stärken. Das Zurateziehen von Experten aus dem Kulturbereich ist wirklich kein Ersatz für eine wissenschaftliche Expertise zu diesem Thema. Aus diesem Grunde ist der "Runde Tisch" zur brachliegenden Stadthalle im Februar 2016 von außerordentlicher Bedeutung für Kunst und Kultur im Landkreis Görlitz.

 

Die Kultur ist, im Gegensatz zur Meinung einiger hochrangiger Ökonomen, ein harter Standortfaktor geworden. Langsam aber sicher wird die Umkehr dieser ökonomischen Lehrmeinung in den Universitäten Einzug finden und hoffentlich auch in den Köpfen des BfG-Vereins.

 

Wiedergabe eines am 25.Januar 2016 auf facebook erschienenen Beitrags mit freundlicher Genehmigung des Autors, geringfügig redigiert. Fotos und Bildunterschriften sind redaktionell ergänzt.

 

Kommentar:

 

In Diskussionen mit Unternehmern gibt es regelmäßig die Argumentation, echte Wertschöpfung schaffe nur die Industrie oder das industrienahe Handwerk. Davon - und nur davon - sei schließlich abhängig, wieviel Kultur man sich leisten könne.

 

Dass das so nicht stimmt, zeigt sehr schnell ein Vergleich Deutschland - USA. In den Staaten, immerhin Industrienation Nummer Eins, finden sich riesige Landstriche, in denen institutionalisierte Hochkultur nicht mehr vorkommt, in Deutschland hingegen dürfte es kaum jemanden geben, der im Hundert-Kilometer-Radius weder Theater noch Oper findet - im Gegenteil, selbst von Görlitz aus gesehen besteht reiche, um nicht zu sagen: luxoriös reiche Auswahl. Entscheidend für Kulturangebote ist also weniger die Wirtschaftsleistung als der politische Wille als Entäußerung kultureller Tradition.

 

Und der Erhalt kultureller Angebote ist nötiger denn je, für den gesellschaftlichen Diskurs, für die Attraktivität einer Region. Allerdings müssen die Einrichtungen auch ihrer Verantwortung gerecht werden: Wenn ein Theater sich ständig mit Zauberflöte & Co. beim Publikum anbiedert, gehören Mittel umgelenkt, beispielsweise in die Kleinkunst, wo viele hervorragende Talente "ihr Ding" machen ohne Chance, je in den hochsubventionierten Bereich aufzusteigen.

 

Zurück zur Wirtschaft. Die Potenziale Deutschlands als klassisches Industrieland sind begrenzt, zuviel Produktion und zunehmend Engineering ist längst in die sogenannten Schwellenländer abgewandert.

 

Um eine Region wie den Landkreis Görlitz zu entwickeln, sind Unternehmen gefragt,

die dazu beitragen, dass Waren und Dienstleistungen aus der heimischen Region bezogen werden können

die andererseits überregionale Absatzmärkte haben, um unabhängig von geringer Kaufkraft vor Ort zu sein, aber auch Kaufkraft vor Ort zu generieren.

Außerdem sind hier Unternehmen Mangelware, die in der Lage sind, sehr gut ausgebildete Berufseinsteiger zu beschäftigen.

 

Allerdings sind Kriterien wie Betriebsgröße und Zahl der Arbeitsplätze - sorry - dabei eher nachrangig. Erste Aufgabe von Unternehmen ist es nun mal, marktfähige Waren und Dienstleistungen anzubieten und nicht etwa Arbeitsplätze zu schaffen - Arbeitsplätze sind so gesehen eher eine angenehme und wünschenswerte Folge wirtschaftlicher Prosperität.

 

Um Wirtschaft voranzubringen ist weniger "Wirtschaftsförderung" als vielmehr der Abbau von Barrieren, die Wirtschaft und Menschen in ihrer Entfaltung behindern, nötig. Der Landkreis Görlitz braucht vor allem ein noch besseres Klima, das es für Unternehmen, völlig unabhängig von der Betriebsgröße, interessant macht, sich hier anzusiedeln oder hier zu starten.

 

Kultur gehört - neben weiteren Faktoren - unbedingt dazu, als harter Standort- wie auch Wirtschaftsfaktor,

 

meint Ihr Thomas Beier

 

24.02.2016

 

Sommertheater zieht in den Görlitzer Stadthallengarten

Gleich vier Theaterproduktionen werden in der neuen Spielstätte in diesem Sommer aufgeführt.

 

Eines der letzten großen Konzerte im Stadthallengarten gab Renft im August vergangenen Jahres beim Sommerfest an der Stadthalle.

Eines der letzten großen Konzerte im Stadthallengarten gab Renft im August vergangenen Jahres beim Sommerfest an der Stadthalle.

© pawel sosnowski/80studio.net

Görlitz. Ein Wunsch vieler Görlitzer geht in Erfüllung: 2016 wird es erstmals ein Sommertheater im Garten der Stadthalle geben. Nach einigen Jahren des Spielbetriebes auf dem Nikolaifriedhof und an weiteren Orten im Stadtraum bündelt das Gerhart-Hauptmann-Theater nun sein Sommertheater in Görlitz auf dem traditionsreichen Areal. Wie Intendant Klaus Arauner am Dienstag mitteilte, wird das Theater dort gleich vier verschiedene Aufführungen unter freiem Himmel zeigen. Vom 4. Juni bis 10. Juli können Einheimische und Touristen die Schauspiel-Komödie „Gretchen 89ff.“, die erfolgreichen Tanzstücke „AQUA“ und „Romeo und Julia“ sowie die eigens für das Sommertheater produzierte halbszenische Aufführung der Operette „Die lustige Witwe“ erleben. Ein darüber hinaus gehendes Rahmenprogramm mit zahlreichen Partnern aus der Region ist noch in Planung.

 

Nach Ansicht von Arauner eignet sich der Stadthallengarten bestens für ein vielfältiges Sommertheater. „Ich bin davon überzeugt, dass das Ambiente dieses besonderen Ortes mit seiner langen Kulturtradition sehr gut zu den Inszenierungen passt, die wir dort zeigen werden“, sagt er. „Das Sommertheater an der Stadthalle wird für die Zuschauern ein besonderes Erlebnis.“

 

Mit der neuen Spielstätte kommt das Gerhart-Hauptmann-Theater auch dem Wunsch nach einem größeren Veranstaltungsangebot im Sommer nach. Der Stadthallengarten bietet räumlich und infrastrukturell beste Voraussetzungen, ein vielseitiges Sommertheater mit großen und kleinen Formaten zu etablieren, das in den kommenden Jahren noch erweitert werden kann. Gleichzeitig wird das Areal durch die Aufführungen wiederbelebt.

 

Nachdem das Sommertheater auf dem Untermarkt aus finanziellen und logistischen Gründen nicht fortgeführt wurde, experimentierte das Theater mit verschiedenen Orten in Görlitz für sein Sommertheater. Darunter waren lange Jahre der Nikolaifriedhof, auch der Brauereihof und die Außenanlage von Kommwohnen.

 

Der Förderverein der Stadthalle begleitet das Projekt als Partner. „Wir freuen uns sehr über die Initiative des Theaters und werden sie mit allen Kräften unterstützen“, sagen Anneliese Karst und Hans-Peter Bauer. „Endlich kann der Stadthallengarten als traditioneller Veranstaltungsort im Sommer wiederbelebt werden.“

 

 

 

 

08.03.2016

 

 

Kretschmers Stadthallenpläne

Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist zuversichtlich für eine Sanierung der Halle. Und geht auf Distanz zum Görlitzer OB Deinege.

 

Von Sebastian Beutler

Als Sachsens Innenminister Markus Ulbig im September Fördermittel für die Stadthalle übergab, war auch Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer (links) zur Stelle. Er hatte das Geld auch nach Görlitz geholt.

Als Sachsens Innenminister Markus Ulbig im September Fördermittel für die Stadthalle übergab, war auch Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer (links) zur Stelle. Er hatte das Geld auch nach Görlitz geholt.

© pawel sosnowski/80studio.net

Görlitz. Beim Thema Stadthalle scherte lange Zeit nur Fördervereinschef Thomas Leder in der Großen Koalition aus der Reihe. Bis 2021 will er die Stadthalle saniert sehen. Die Mehrheit hält das für unrealistisch. Oberbürgermeister Siegfried Deinege gab das jetzt auch in der Zeitschrift „Schlesien heute“ zu Protokoll. Die Sanierung der Halle koste zwischen 30 und 40 Millionen Euro, die Stadt könne weder die Gelder bis 2021 allein aufbringen noch die städtischen Mittel, um mit Fördermitteln den Bau zu verwirklichen. „Vor diesem Hintergrund halten wir eine Komplettsanierung und Wiedereröffnung der Stadthalle bis zum Jahr 2021 für nicht durchführbar“, sagte Deinege der Zeitschrift im Februar.

 

Doch nun geht einen Monat später CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer in derselben Zeitschrift auf Distanz zum OB. „Nein, die Sanierung der Stadthalle muss keine 40 Millionen Euro kosten“, schreibt nun Kretschmer. „Anstelle eines Großprojektes mit Anbau geht es heute um die Sanierung und Modernisierung des historischen Gebäudes“. Kretschmer verwirft auch einen Anbau aus Sichtbeton, wie ihn die Stadt bis 2012 favorisierte. Die Sanierung der Stadthalle müsse zum Ziel haben, das historische Gebäude im Jugendstil wieder herzustellen und mit einer guten technischen Ausstattung zu versehen. Kretschmer hält eine Sanierung über mehrere Einzelanträge und Bauabschnitte für möglich. Als Vorbild dient die Instandsetzung der Görlitzer Synagoge, die genau auf diese Art und Weise bis schätzungsweise 2018 fertiggestellt werden könnte – nach mehr als 20 Jahren Bemühungen und Baufortschritten.

 

Links zum Thema

 

Kommentar: Ungewohnte Kritik an Deinege

Schon zu Beginn des Jahres hatte sich Kretschmer für eine möglichst schnelle Sanierung der Stadthalle ausgesprochen. Nun ist seine neuerliche Kritik auch deswegen bemerkenswert, da er in den vergangenen Jahren Gelder in Millionenhöhe für die Sicherung der Stadthalle in Berlin und Dresden eingeworben hatte. Er erlaubt sich aber noch einen weiteren Seitenhieb auf Deinege. Die Sanierung in überschaubaren Abschnitten sei vielleicht auch deswegen der bessere Weg, weil bei dem Großprojekt aus dem Jahr 2012 „vielen Kommunalpolitikern die Sorge über ein gewaltiges Investitionsprojekt ins Gesicht geschrieben stand“. Immerhin stoppte Deinege persönlich, wie er immer wieder erklärt, das Vorhaben aus Sorge, dass sich die Stadt mit der Stadthallensanierung zeitlich und finanziell überfordere – und der Stadtrat folgte ihm.

 

 

 

08.03.2016

 

Kommentar: Ungewohnte Kritik an Deinege

Sebastian Beutler über die Debatte rund um die Görlitzer Stadthalle

 

Kritik aus der Großen Koalition am Görlitzer OB gilt als Majestätsbeleidigung. Geschlossenheit in der Öffentlichkeit lautet die höchste Maxime. Bei der Stadthalle funktioniert das ganz gut. Außer dem Förderverein und Stadtrat Thomas Leder will niemand die Halle schnell sanieren. Nun aber gibt es erste Risse in der Unterstützerfront von Deinege, der die Stadthallensanierung auf die lange Bank schiebt. Ausgerechnet CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer, dem Deinege noch bei seinem Neujahrsempfang für das unermüdliche Herbeischaffen von Fördermitteln dankte, rückt vom Rathauschef beim Thema Stadthalle ab. Noch ist die Kritik nicht sonderlich laut, und doch ist sie klar und deutlich.

 

Ungeklärt allerdings bleibt auch bei Kretschmer, wie die Stadt die Betriebskosten nach einer Eröffnung der Stadthalle stemmen soll. Mit mindestens 500000 Euro wird gerechnet. Durch Ausgabefreudigkeit und Sorglosigkeit der Großen Koalition droht der Stadt in diesem Jahr ein Millionendefizit. Die optimistische Aussicht der Kämmerin auf die kommenden Jahre könnte nach der nächsten Kreistagssitzung schon Makulatur sein, wenn das Sparkonzept doch eine Mehrheit findet. Deinege sprach vor dem Stadtrat von einer „normalen Konsolidierung“ und ließ gleich weitere Mehrausgaben bis 2021 beschließen. Alle finanziellen Spielräume für die Stadthalle sind damit beseitigt. Einer seiner Vorgänger meinte einst, er lasse sich die Stadt nicht kaputtsparen. Es dauerte zehn Jahre und bedurfte fast des gesamten Stadtwerke-Erlöses, um den städtischen Etat wieder ins Lot zu bringen. Das sollte Deinege und der Großen Koalition eine Warnung sein.

 

 

 

12.03.2016

 

Frühjahrsputz an der Stadthalle

Der Garten wird in diesem Jahr vielfältig kulturell genutzt. Dafür will der Stadthallenverein das Gelände am 9. April herrichten.

 

Von Sebastian Beutler

Der Stadthallengarten wird in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten wieder Ort regelmäßiger Veranstaltungen sein. Das Theater plant mindestens 16 Aufführungen im Sommer in dem Gelände, das Straßentheaterfestival hat die Anlage nun auch entdeckt.

 

Doch über den Winter hat sich in dem Stadthallengarten wieder Müll angesammelt. Auch gilt es, einen Weg aus Gehwegplatten zu reparieren und eine große Fläche zwischen Finnhütten und dem Hotel Mercure von jahrzehntealtem Laub und Sträuchern zu befreien. Auf dieser Fläche soll im Sommer die Kinderstadt entstehen. Der Förderverein Stadthalle ruft daher zu einem Arbeitseinsatz für Sonnabend, den 9. April, ab 9 Uhr, auf. Im Gegenzug sorgt der Verein für einen Imbiss und Getränke.

 

Werkzeug wie Gartenschere, Laubsack, Spaten bis zu Schubkarre, sollte jeder je nach Möglichkeit selbst mitbringen. Auch sucht der Verein noch einen Maler, der im WC sowie in den Finnhütten die Wände streicht, sowie eine Firma, die Laub und Grünschnitt abfährt. Rückfragen sind unter Telefon 03581 738174 möglich.

 

 

 

01.04.2016

 

Ein paar Euro für den Stadthallengarten

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will der Förderverein die Treppe reparieren lassen. Jeder Görlitzer kann sich finanziell daran beteiligen.

 

Von Daniela Pfeiffer

Mithilfe eines Kranes wurde die Treppe, die vom Stadtpark in den Stadthallengarten hinabführt, abtransportiert. Dafür war sie vorher in mehrere Teile zerlegt worden.

Mithilfe eines Kranes wurde die Treppe, die vom Stadtpark in den Stadthallengarten hinabführt, abtransportiert. Dafür war sie vorher in mehrere Teile zerlegt worden.

© nikolaischmidt.de

Görlitz. Der Förderverein Stadthalle geht neue Wege. Das Sommertheater fest im Blick, das im Juni und Juli im Stadthallengarten stattfinden soll, haben die Vereinsmitglieder beschlossen: Jetzt muss was passieren. Hier kann noch viel verbessert werden.

 

Und sie haben bereits damit begonnen. Vor wenigen Tagen wurde die 20 Meter lange Treppe, die vom Stadtpark in den Stadthallengarten hinunter führt, demoniert. Gesperrt war sie schon lange. Zu schlecht war ihr Zustand als das hier noch Menschen die Stufen empor oder herab schreiten hätten können. Mithilfe eines Kranes ist sie nun also zerlegt worden und soll in den kommenden Wochen repariert und neu verzinkt werden. Klar, das kostet.

 

Aber an der Finanzierung können sich die Görlitzer beteiligen. Der Förderverein hat sich beim Bildungsspender im Internet mit dem Projekt Stadthalle registrieren lassen. „Jeder kann ab sofort ohne Registrierung unsere Stadthalle mit Websuchen im Internet, Einkäufen, direkten Spenden und SMSen unterstützen“, erklärt Vereinschef Thomas Leder. „Wer sich als Nutzer registriert, kann darüber hinaus alle Gutschriften einsehen, die er erlöst hat, eventuell mal nicht erfasste Einkäufe reklamieren und sich eine persönliche Startseite mit Lieblingsshops und Lesezeichen anlegen.“ Mehr als 1 600 registrierte Shops gibt es, darunter auch Amazon, Expedia, Otto oder Ebay. Diese Anbieter spenden teils bis zu zehn Prozent der Einkaufssumme.

 

Im Moment klafft zwar noch eine große Lücke zwischen den bisher eingegangenen Spenden von 22,69 Euro und der Zielsumme von 5 000 Euro. Aber immerhin gibt es schon ein beachtliches Polster von 20 000 Euro, die die Metallbaufirma Schubert aus Markersdorf übernimmt. Insgesamt kostet die Reparatur der Treppe voraussichtlich um die 25 000 Euro.

 

„Mit einer neuen Treppe haben die Veranstaltungen im historischen Stadthallengarten wie Sommertheater, Konzerte, Kinderstadt und Sommerfest eine bessere Wirkung“, so Thomas Leder. Die Stadthalle samt Garten rücke als Veranstaltungsort wieder mehr ins Bewusstsein der Görlitzer.

 

 

05.04.2016

 

Graben im Stadthallengarten

Der Frühjahrsputz ist wegen des Sommertheaters in diesem Jahr besonders wichtig.

 

Wenn der erste Vorhang im Stadthallengarten fällt, soll alles schick sein. Doch bis das Sommertheater mit vier Stücken im Juni und Juli zu erleben ist, steht noch viel Arbeit an. Mehrere Firmen haben bereits zugesichert, sich um Strom, Wasser und Abwasser zu kümmern – unentgeltlich.

 

Der Stadthallen-Förderverein will an diesem Sonnabend nun auch seinen Teil beitragen. Von 9 bis etwa 15 Uhr steht wieder der Frühjahrsputz auf dem Programm. Schwerpunkt diesmal: Ein etwa 80 Meter langer Graben für ein Elektrokabel vom Bühnengebäude zum WC soll gegraben werden. „Vorausgesetzt, es kommen genügend Helfer“, sagt Vereinschef Thomas Leder. Vom Toilettengebäude können dann die Finnhütten mit Strom versorgt werden.

 

Ein erster großer Schritt ist mit der abtransportierten Treppe schon getan. Die 20 Meter lange Konstruktion, die vom Stadtpark in den Stadthallengarten führt, wird derzeit repariert. Bei einer Spendensammlung für die Treppe, die der Förderverein über das Internet organisiert, sind inzwischen 322 Euro vom Spendenziel 5 000 Euro erreicht. (SZ/dan)

 

Treff: 9 Uhr, Eingang an der Neiße. Wer Werkzeug, Schubkarre, Schaufel, Spaten, Gartenschere, Astsäge, Laubsäcke, Laubrechen hat – bitte mitbringen.

 

 

29.04.2016

 

Gauck fehlt die Zeit für die Stadthalle

Vom Herbstlaub befreite der Förderverein der Stadthalle jüngst den Stadthallengarten. Foto: J. Trenkler

Vom Herbstlaub befreite der Förderverein der Stadthalle jüngst den Stadthallengarten. Foto: J. Trenkler

Am liebsten wäre Thomas Leder mit dem Bundespräsidenten am Donnerstag durch die Stadthalle gegangen, hätte ihm erzählt, wie sich der Förderverein bemüht, sie im Gespräch zu halten. Der Vorsitzende des Fördervereins hätte ihm auch gern davon berichtet, wie Mitglieder und Görlitzer vor Anfang April den Stadthallengarten auf Vordermann gebracht haben. Doch in den Terminplan des Bundespräsidenten ließ sich eine Stippvisite an der Stadthalle nicht mehr einschieben. „Der Terminplan des Bundespräsidenten für diesen Tag ist bereits so gut gefüllt“, schrieb eine Mitarbeiterin des Bundespräsidialamt dieser Tage an Thomas Leder, „dass sich ein weiterer Besuchspunkt – und sei es auch nur ein Foto – leider nicht wird einbauen lassen.“ Aber immerhin: „Im Zuge der Vorbereitungen auf diesen Besuch sind wir auch auf die Stadthalle aufmerksam geworden. Dass diese Halle mit dem Förderverein engagierte Menschen hat, die sich für ihre Sanierung und Wiedereröffnung einsetzen, ist erfreulich“, heißt es in dem Schreiben weiter. Für Leder steht fest: „Das Thema ist beim Bundespräsidenten angekommen.“

 

Schon am heutigen Freitag haben die Mitglieder des Fördervereins den nächsten Einsatz: Sie schippen ab 15.30 Uhr den 90 Meter langen Kabelgraben wieder zu, dank der Stadtwerke verfügt der Stadthallengarten nun wieder über einen starken Stromanschluss. Wer mithelfen will, kann einfach vorbeikommen. (SZ/sb)

 

 

 

30.04.2016

 

Die Königin der Instrumente wartet in der Stadthalle

Vor hundert Jahren starb der zweite deutsche Silbermann, Wilhelm Sauer, der Görlitz eine berühmte Orgel hinterließ.

 

Von Martin Stolzenau

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Wilhelm Carl Friedrich Sauer aus dem Umland von Neubrandenburg entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum führenden Orgelbauer. Er schuf mit seiner Werkstatt bis 1910 rund 1 100 Orgeln. Außer nach Berlin, wo allein über Hundert seiner Instrumente aufgestellt wurden, gingen seine Orgeln nach Jerusalem, Prag, Sankt Petersburg, Rio de Janeiro und Südafrika – und auch nach Breslau sowie Görlitz. „Wir loben Gott und lassen ihn walten, bauen neue Orgeln und reparieren die alten“, lautete ein Leitspruch der Firma.

 

Wilhelm Carl Friedrich Sauer wurde am 23. März 1831 im Dorf Schönbeck geboren. Sein Vater betrieb dort eine Schmiede. 1835 baute der musikinteressierte Schmiedemeister als Autodidakt eine funktionierende Orgel. Das trug ihm ein großherzogliches Stipendium ein. Damit ließ er sich zum Orgelbauer ausbilden. Anschließend zog der Ex-Schmied in das benachbarte Friedland, wo er eine Orgelbaufirma gründete. Sohn Wilhelm, der sieben Geschwister hatte, erlebte diese Entwicklung hautnah. Sein Vater schickte ihn zum Studium an die Bauakademie Berlin. Aber nach dem überraschenden Tod des Bruders, der als Nachfolger für den Orgelbau vorgesehen war, holte der Vater Wilhelm zurück. Nach väterlicher Ausbildung ging Sauer jr. auf Wanderschaft bis nach Paris zum berühmten Orgelbauer Aristide Cavaille-Coll. Nach seiner Heimkehr schufen Vater und Sohn 1854/55 die neue Orgel für die Pfarrkirche St. Marien in Friedland. Dabei staunte Vater Sauer über die Perfektion seines Sohnes.

 

Später gründete Wilhelm Sauer in Frankfurt/Oder eine eigene Werkstatt. Sauer heiratete Minna Auguste Penske, eine Kantorstochter, tüftelte an Verbesserungen im Orgelbau und erfreute sich wachsender Nachfrage. Sauer, der nach dem Tod seiner ersten Frau 1878 mit Anna Bauer, Tochter eines Brauereibesitzers, ein zweites Mal geheiratet hatte, schwamm auf einer Erfolgswelle. Zum Absatzboom gesellten sich Auszeichnungen wie die Ernennung zum Akademischen Künstler sowie zum Hoforgelbaumeister. 1910 schuf Sauer sein letztes Werk für die Stadthalle Görlitz, mit 72 klingenden Stimmen und vier Manualen. Sie gilt inzwischen als einzige original erhaltene Konzertorgel mit spätromantischer Klangfarbe und wurde 1989/90 restauriert.

 

Sauer starb am 9. April 1916. Seit die Stadthalle geschlossen ist, erklingt auch die Orgel – mal abgesehen von seltenen Vorspielen – nicht mehr.

 

 

 

04.05.2016

 

Stadthallengarten öffnet am Männertag

Görlitz. Der Stadthallengarten öffnet am Himmelfahrtstag das erste Mal in diesem Jahr. Von 10 bis 20 Uhr hat die Veranstaltungsfirma sturm events ein dichtes Programm für die Besucher aufgestellt. Es reicht von Live-Musik mit Ronny’s Oldieexpress über Spiel & Spaß für die kleinen Gäste bis hin zu den „Squirrels“. Die Görlitzer Basketballmannschaft ist erst im März als beliebtestes Team der Stadt ausgezeichnet worden und zeigt mal, wie Basketball gespielt wird. Der Himmelfahrttag ist der Auftakt für eine Veranstaltungsserie im Stadthallengarten, deren Höhepunkt sicher das diesjährige Sommertheater ist.

 

Zuvor hat der Stadthallen-Förderverein den Garten in Schuss gebracht, Strom- und Wasseranschluss hergestellt, und die Treppe zum Stadtpark wird ebenso grundlegend instand gesetzt. Das alles ist nur möglich durch das Sponsoring Görlitzer Unternehmer und Gewerbetreibender. Vereinsvorsitzender Thomas Leder spricht allein über die Arbeiten im Stadthallengarten von einem Wert von 60 000 Euro. (SZ)

 

 

06.05.2016

 

Musik und Spaß im Stadthallengarten

Der erste geöffnete Tag dieses Jahr lockte vor allem Familien an.

 

Görlitz. Der Görlitzer Stadthallengarten hatte zu Himmelfahrt das erste Mal in diesem Jahr geöffnet. Vom Vormittag bis zum Abend gab es Livemusik und Unterhaltung sowie viel Spaß für Groß und Klein, wie man sieht. Vor allem Familien nutzten den Männertag für einen gemeinsamen Ausflug. Höhepunkt bei den Veranstaltungen im Stadthallengarten werden zweifelsohne die Aufführungen des Sommertheaters sein. Der Garten wurde zuvor vom Stadthallenverein und mithilfe von Unternehmen und Sponsoren in Ordnung gebracht und mit Strom und Wasser versehen.

 

 

 

 

11.05.2016

 

Keine schnelle Lösung für die Görlitzer Stadthalle

Stadt und Verein reden direkt über die Halle. Doch es fehlt Geld. Da soll auch eine Stiftung bald helfen.

 

Von Sebastian Beutler

 

Die Stadthallenstiftung hat ihren ersten Geburtstag bereits hinter sich. Haben Sie gar nicht mitbekommen? Das ist auch kein Wunder. Es war schließlich nur die Ankündigung zu deren Gründung, die sich Ende April zum ersten Mal gejährt hat. Im April vergangenen Jahres erklärten Bürgermeister Michael Wieler, die Chefs von Kommwohnen und der Stadtwerke, dass nach der Sommerpause 2015 die Stiftung in den Stadtrat kommt.

 

Aber Stiftungen werden ja für die Ewigkeit gegründet, was macht da schon ein Jahr. Zumal die Vorgespräche zwischen der Stadt und dem Stadthallen-Förderverein so weit gediehen sind, dass die Stiftung vom Stadtrat Ende Mai beschlossen werden kann. Für die Verzögerung trägt die Stadt die Verantwortung, weil sie anfangs den Förderverein nicht in den Stiftungsrat integrieren wollte. Das scheint sich nun geändert zu haben, im Gegenzug beteiligt sich der Verein mit 40 000 Euro an der Stiftung.

 

Sind also für die Stiftung die letzten Hürden aus dem Weg geräumt, so ist das für die Zukunft der Stadthalle selbst nicht der Fall. Das wurde nun bei einem Treffen zwischen der Stadt, dem Verein und den Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer (CDU) und Thomas Jurk (SPD) deutlich. Zwar halten alle Seiten an dem langfristigen Ziel fest, die Stadthalle saniert wieder zu eröffnen. Doch selbst für den von der Stadt favorisierten Ausbau des Kleinen Saals mitsamt der früheren Gaststätte zu einem kleinen Veranstaltungs- und Tagungszentrum fehlen noch Zusagen in Höhe von mindestens vier Millionen Euro – immerhin die Hälfte der bislang geplanten Summe.

 

Für den Großen Saal gibt es derzeit überhaupt keine Pläne. Zwischen 22 und 25 Millionen Euro kostet die Sanierung des Kernstücks der Stadthalle. Und anders als die Synagoge, so hieß es bei dem Treffen, könne man den Großen Saal nicht abschnittsweise sanieren. Ganz oder gar nicht, sei hier die Devise.

 

Im Moment heißt sie gar nicht, auch wenn der Förderverein am Ziel 2021 festhält, um den Großen Saal einzuweihen. Erstens gibt es keine Aussichten auf Fördermittel in dieser Höhe und zweitens hat die Stadt im Moment auch keine Freiräume, um den Stadthallenbetrieb jährlich mit mindestens 500 000 Euro zu bezuschussen. Die Stadt schreibt ja im Moment rote Zahlen und Oberbürgermeister Siegfried Deinege sowie der Stadtrat hatten Projekte wie das Familienbüro, die Bürgerbeteiligung und das soziokulturelle Zentrum als dringlicher eingeschätzt. So bleibt die Zukunft der Stadthalle nur eines – nämlich unklar.

 

 

13.05.2016

 

Stadthallen-Medaille kommt erneut unter den Hammer

Diesmal wird das Goldstück nicht geprägt, sondern versteigert. Wer bietet mit?

 

Von Ralph Schermann

 

Im Leipziger Münzhandel und Auktionshaus Heidrun Höhn kommt eine ganz besondere Medaille noch einmal unter den Hammer. Es handelt sich um eine Sonderanfertigung zugunsten der Görlitzer Stadthalle. Im Juli 2015 wurde sie von Münzmeister Thomas Raschke unter einem historischen Fallhammer geprägt. Jetzt ist der Auktionshammer an der Reihe.

 

Neben den mehrfach geprägten und als Stadthallen-Förderung schnell verkauften Silbermedaillen fertigte Raschke damals während einer öffentlichen Veranstaltung zusätzlich auch ein edleres Unikat an – einen 11,26 Gramm schweren Abschlag in 333er Gold. Dieses Exemplar ist nun einer der Höhepunkte der vom 2. bis 5. Juni stattfindenden 85. Auktion der Leipziger Münzstätte. Zusammen mit einer der Silber-Prägungen und einer Medaille namens „Traumtaler“ wird sie im Auktions-Katalog mit einem Startgebot von mindestens 270 Euro zur Versteigerung angesetzt.

 

Rückblende: Anfang Juli 2015 konnte das Zeremoniell historischer nicht sein. Schrill tönte die Glocke, der Münzmeister rief „Hammer fällt!“, und dann donnerte mit der Wucht von 50 Tonnen Metall auf Metall. Im Gewölbe des Obermarktes 26 vollzog Thomas Raschke im mittelalterlichen Kostüm den Erstabschlag einer Spendenmedaille zugunsten der Görlitzer Stadthalle. Er betonte: Die Prägung in 333er Gold solle ein Einzelstück bleiben und bei einer Versteigerung Geld in die Kasse des Stadthallen-Fördervereins bringen. Um das Gold dafür überhaupt einsetzen zu können, ging Thomas Raschke vor dem Abschlag mit dem Klingelbeutel herum. Die 60 Zuschauer legten spontan rund hundert Euro hinein. „Das zeigt doch, wie sehr die Görlitzer ihre Stadthalle vermissen“, war deshalb der Vorsitzende des Fördervereins, Thomas Leder, überzeugt.

 

Die Idee mit der Prägung hatte Thomas Raschke schon 2014. Nach einem Jahr setzte er sie um. Und jetzt ist es soweit, die Versteigerung steht an. „Dafür gebührt dem Hobby-Münzmeister ein großer Dank“, sagt Thomas Leder: „Denn er hat nicht über Probleme geklagt, sondern eine Idee in Angriff genommen und umgesetzt.“

 

 

28.05.2016

 

Görlitzer Stadthalle bekommt eine Stiftung

Der Stadtrat beschließt die Gründung der Stadthallen-Stiftung. Doch wie soll bei niedrigsten Zinsen Kapital entstehen?

Von Daniela Pfeiffer

 

Das Interesse an der Görlitzer Stadthalle, so wie hier beim Tag des offenen Denkmals am 13. September 2015, ist und bleibt groß. Wie die Görlitzer die Stiftungsgründung bewerten, wird sich noch zeigen. Während im Garten Uwe Bittner vom Görlitzer Theater mit dem Bühnenbau für das bevorstehende Sommertheater beschäftigt ist, wurde für das Gebäude im Hintergrund am Donnerstag eine wichtige Entscheidung gefällt: Für die Stadthalle wird eine Stiftung gegründet.

Uwe Bittner bringt schon die Scheinwerfer an der Bühne an. An der Stadthalle wird bald wieder das Leben toben – das Theaterleben. In wenigen Tagen beginnen hier die Sommerstücke, die das Theater Görlitz erstmals im Stadthallengarten aufführt. Drinnen im Gebäude ist die Stadt derweil mit weiteren Sicherungsmaßnahmen beschäftigt. Man hat den Eindruck, das Thema Stadthalle nimmt Fahrt auf.

 

Erst recht, da der Stadtrat am Donnerstag nun eine Stadthallenstiftung auf den Weg gebracht hat. Nach ziemlichen Startschwierigkeiten. Denn noch vor einem Jahr hatten Stadt und Stadthallenverein jeweils eine eigene Stiftung gründen wollen. Die Stadt, die die Stiftungsidee mit den Stadtwerken und dem Großvermieter Kommwohnen verfolgten, mochten den Verein zunächst nicht mit aktiv beteiligen, sondern ihm nur einen Sitz im Kuratorium anbieten. Das passte dem Verein nicht. Aber man konnte sich schließlich einigen. Und so wird Andreas Neumann nun für den Verein im Stiftungsbeirat sein, zu dem außerdem OB Siegfried Deinege für die Stadt, Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert für sein Unternehmen und Matthias Block, Stadtwerke-Vorstand, gehören. Außerdem dürfen acht weitere Personen in den Stiftungsrat gewählt werden.

 

Sie haben nun die Aufgabe zusätzlich zum Gründungskapital, das sich durch Zinsen von allein vermehren soll, Spenden zu aquirieren. Denn nur davon können weitere Maßnahmen für die Stadthallensanierung bezahlt werden. Das Grundkapital bleibt unangerührt. Nur, wie soll es sich vermehren in Zeiten von niedrigsten Zinsen? Immerhin sind es bereits 305 000 Euro, die die vier Gründer zusammen geben. Bleiben die Zinsen auf ihrem Rekordtiefstand, dürfte sich dieses Kapital kaum vermehren. Lohnt sich eine Stiftungsgründung unter solchen Voraussetzungen eigentlich überhaupt noch?

 

Katrin Kowark, Stiftungsmanagerin und Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in Berlin, sagt: „Stiften lohnt nach wie vor, das belegen auch die konstant hohen Neugründungszahlen. Wichtig ist, dass die Vermögensausstattung im Einklang mit dem gewählten Zweck steht, die Stiftung schon in der Gründung hinreichend flexibel angelegt ist, zum Beispiel was die Einwerbung von Zustiftungen betrifft oder die Möglichkeit, mit anderen zu kooperieren.“ Trotzdem räumt Katrin Kowark ein, dass die extremen Niedrigzinsen schon zu den großen Herausforderungen dieses Jahres zählen, vor allem für kleinere Stiftungen. Viele von ihnen sind aber offenbar recht clever. Sie suchen nach zusätzlichen Ideen, um ihre Projekte finanzieren zu können. „Gerade in der Niedrigzinsphase erleben wir häufig, dass Stifter und Stifterinnen ihren eigenen Stiftungen spenden oder zustiften. Dies könnte eine Möglichkeit sein, die Ausgaben auch künftig konstant zu halten.“ Genau das planen die meisten Stiftungen.

 

Die Rechtsform Stiftung scheint also durchaus ein Erfolgsmodell zu sein. Joachim Mühle hat damit als Kultursekretär des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien Erfahrung. Er gehört der Stiftung für Kunst und Kultur in der Oberlausitz an. „Uns ging es darum, eine geeignete Form für die Aufnahme von künstlerischen Nachlässen zu finden“, erklärt er. Der beste Weg schien eine Stiftung, denn solche hätten in der Öffentlichkeit einen guten Ruf. Um Geld zu erwirtschaften, setzt man neben der Zinserwirtschaftung auf eine Tombola, die mit der Volks- und Raiffeisenbank durchgeführt wird. Auszubildende verkaufen Lose bei Volksfesten und Ausstellungseröffnungen in der Region. Auch die Hälfte aus dem Erlös der Kunstauktion des Landkreises, die am 25. Juni im Messepark Löbau stattfindet, fließt in die Stiftung.

 

Trotz verschwindend geringer Zinsen will auch Ex-Kulturbürgermeister Ulf Großmann am 13. Juni eine Stiftung gründen. Es ist der Geburtstag seiner tödlich verunglückten Tochter. Sie soll in einer Stiftung weiterleben, mit deren Geld Projekte und Ideen unterstützt werden, für die sich seine Tochter eingesetzt hat. „Stiftungen machen immer Sinn und sie sind wichtig“, findet Großmann. „Sie leben ja nicht nur von Zinserträgen, sondern von Zustiftungen, also Spenden.“ Genauso funktioniert ja auch die Altstadtstiftung. Während das vergleichsweise niedrige Grundkapital unangetastet bleibt, werden Projekte von den bis dieses Jahr regelmäßig eingegangenen Überweisungen des anonymen Spenders finanziert.

 

So soll es auch bei der Stadthallenstiftung gehen. Hofft auch FDP-Stadtrat Frank Wittig, der eine FDP-Idee nun endlich umgesetzt sieht. Schon 2009 und 2014 hatte die Fraktion in ihrem Wahlprogramm eine Stadthallenstiftung gefordert. Wittig hat ein weiteres Beispiel, wo eine Stiftung exzellent funktioniert hat: Die Evangelische Kulturstiftung in Görlitz habe durch öffentliche Fördermittel und private Zuwendungen viel geschaffen – trotz eines deutlich geringeren Grundkapitals als die Stadthallenstiftung.

 

 

 

 

Kommentar: Meilenstein für die Stadthalle

Daniela Pfeiffer über die Gründung einer Stadthallen-Stiftung in Görlitz

 

War das ein Meilenstein auf dem Weg zur Wiedereröffnung? Jedenfalls bezeichnete man das am Donnerstag im Stadtrat so, als die Räte einstimmig der Gründung einer Stadthallenstiftung zustimmten. Ein klares Bekenntnis. Und eine Idee, die mit ziemlicher Sicherheit funktionieren kann. Schließlich ist sie nicht neu, Stiftungen gibt es bereits seit dem Mittelalter. Manche der heute noch bestehenden Stiftungen sind schon uralt. Und wie oft ist zu hören oder zu lesen, dass jemand sein Vermögen einer Stiftung hinterlässt.

 

Links zum Thema

 

Görlitzer Stadthalle bekommt eine Stiftung

Das macht große Hoffnung für die Stadthalle, vielleicht doch den vom Stadthallenverein anvisierten Wiedereröffnungstermin bis zur 950-Jahr-Feier 2021 zu schaffen. Bislang sind für das mehr als 100 Jahre alte Gebäude immer wieder eine Million hier, eine Million da geflossen – vor allem von Bund und Land. Doch die gesamte Sanierungssumme, die schätzungsweise 30 Millionen Euro betragen wird, ist längst noch nicht beisammen. Wenn die Stiftung gut in die Gänge kommt, geht das aber möglicherweise schneller als gedacht. Unwahrscheinlich, dass ein zweiter Millionenspender die Stiftungstöpfe so schnell füllt. Aber vielleicht setzt mancher Vermögende in die neue Stiftung nun sein Vertrauen und bedenkt sie mit größeren Beträgen. Damit können auch Eigenanteile für weitere Fördermittel von Bund und Land beglichen werden. Die Görlitzer jedenfalls würde es freuen. Die Stadthalle ist für viele ein Lieblingsgebäude, mit dem sie so viel verbinden und das sie so gern wieder für Veranstaltungen betreten würden.

 

 

 

 

30.05.2016

 

Vorhang auf im Stadthallengarten

Förderverein, Bürger und Firmen haben 50000 Euro in die Anlage investiert. Das spornt jetzt sogar die Stadt an.

 

 

Görlitz. Noch fehlen 150 der endgültig mehr als 400 Sitzplätze auf den Tribünen, der Feinschliff der Techniker findet Anfang dieser Woche statt, aber Klaus Arauner ist sich jetzt schon sicher: „Für das Sommertheater gibt es keinen stimmungsvolleren Ort als den Stadthallengarten.“ Der Generalintendant des Theaters freut sich noch immer über die Idee, die Anlage für die Open-Air-Veranstaltungen seines Hauses zu nutzen. Drei Jahre will man das ausprobieren: Mit Schauspiel, Musiktheater, Orchester und Tanz. „Ich hoffe sehr, dass die Görlitzer den Stadthallengarten als Ort der Sommerveranstaltungen annehmen“, ruft er den rund 40 Freunden und Förderern der Stadthalle zu, die sich am Freitagabend eingefunden haben. Der Förderverein will ihnen für ihr Engagement danken und zugleich stolz das Erreichte vorzeigen.

 

Er hat allen Grund dazu. Eine gründlich restaurierte Treppe, die Metallbau Schubert aus Markersdorf sponserte, führt nun wieder vom Stadtpark hinunter zum Stadthallengarten. Die Mitglieder des Vereins haben unzählige Stunden ehrenamtlich geackert im Gelände, haben Müll weggeräumt, Gräben zugeschüttet, Laub geharkt. Viele Firmen halfen unentgeltlich, reparierten Dächer, klemmten Wasser- und Stromleitungen an, legten Abwasser, malerten, reparierten Fußwege. Thomas Leder, Chef des Fördervereins Stadthalle, findet kaum ein Ende beim Vorlesen aller. Auf 50000 Euro beziffert er die Leistungen des Vereins und der Firmen in den zurückliegenden Wochen und Monaten. Klaus Arauner, der schon beim Frühjahrsputz in den Stadthallengarten geeilt war, sagt nur: „Wer die Anlage vor drei Monaten gesehen hat, kann ermessen, wie viel Arbeit hier investiert wurde.“

 

Das erkennt auch die Stadt an. Bürgermeister Michael Wieler findet es „ausgesprochen beachtlich“, was dem Verein zusammen mit den Bürgern sowie den Firmen und in Abstimmung mit der Stadt gelungen sei. Das sei echtes bürgerschaftliches Engagement. Vor schnellen Fortschritten bei der Stadthallensanierung aber warnt er. „Wir müssen uns auf einen längeren Weg einstellen.“ Doch dann will auch er an diesem Abend etwas Zuversicht stiften: „Dass wir zur 950-Jahr-Feier in den Großen Saal der Stadthalle hineinkönnen, da bin ich mir sicher. Wie weit wir mit der gesamten Sanierung sind, das kann ich aber nicht sagen.“ Immerhin: Das ist ein Fortschritt in der Plänen der städtischen Doppelspitze Deinege/Wieler, die bislang immer wieder den Termin 950-Jahr-Feier als Fertigstellung für die Sanierung der Stadthalle ins Reich der Fabeln gerückt hatten. Zuletzt Deinege in einem Interview mit dem Magazin „Schlesien heute“. Auf den zweiten Blick aber geriet Wielers Ankündigung auch wiederum nicht so gewagt, werden doch mit den jetzt von Bund und Land avisierten zwei Millionen Euro eine neue Decke zwischen Keller und Großen Saal eingezogen, die Fenster im Großen Saal instand gesetzt und Dächer saniert. Dann müsste die Sperrung des Großen Saales für größere Gruppen wieder der Geschichte angehören.

 

Leder hatte zuvor erneut auf diesem Termin beharrt: „Es wird nicht einfach, die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier zu sanieren, aber wir können es schaffen.“

 

Ob Reiner Schubert vom gleichnamigen Markersdorfer Metallbau auch dieser Ansicht ist, das sagt der erfahrene Unternehmer zwar nicht. Aber er schildert, wie er bei der Treppenrestaurierung einen Spagat zwischen Denkmalschutz und Neubau hinlegen musste. Wenn all das genehmigt hätte werden müssen, dann wäre die Treppe noch längst nicht fertig. Doch konnten die Probleme alle gelöst werden. Ein Königsweg für die Stadthalle? Schubert sagt anerkennend nur in Richtung von Thomas Leder und dessen Frau: „Wenn einer vorneweggeht, dann gehen manchmal viele hinterher.“

 

Einer von den vielen ist Hans-Peter Bauer. Der Tausendsassa auf vielen Gebieten ist in diesen Tagen fast täglich im Stadthallengarten zu finden, stimmt zwischen Theater und Förderverein die tausend kleinen Dinge ab. Ob er jetzt zufrieden ist, wenn die erste Vorstellung im Stadthallengarten startet. „Und wie“, strahlt er lediglich.

 

Die Komödie „Gretchen 89ff“ eröffnet das Sommertheater am 4. Juni, 20 Uhr. Karten im SZ-Treffpunkt.

 

 

08.06.2016

Wachtmeister Weihnachtsmann

Markus Herschel ist für seine Auftritte beim Christkindelmarkt bekannt. Jetzt hat er einen neuen Job, eine Art geheime Mission.

 

Von Matthias Klaus

Einen hat Markus Herschel schon erwischt. An einer Tür hat er ihn gesehen – und gestellt. Mit seinem Handy. „Wollen Sie mal sehen?“, fragt Markus Herschel. Klar. Oh, ein Prachtstück. „Ein Nachtfalter“, sagt der Fotograf. Was für ein Falter genau und die biologisch-korreke Bezeichnung... „Ach nee, ich bin nur ein Hobbyfotograf. Und der gefiel mir eben“, winkt Markus Herschel ab.

 

Zum Fotografieren hat er gerade viel Zeit. Der Mann, der für die evangelische Innenstadtgemeinde arbeitet, fürs Theater und vor allem als Nikolaus vom Christkindelmarkt bekannt ist, hat momentan einen neuen Job. Er passt auf. Hausmeister mit Aufgaben eines Wachmannes im Auftrag des Theaters sind es, die ihn täglich an die Stadthalle ziehen. Damit die Requisiten für die Theateraufführungen im Stadthallengarten keine Beine bekommen, dafür ist Markus Herschel zuständig. Nicht rund um die Uhr freilich, sondern zu ausgewählten Tageszeiten. Er sitzt in seinem Auto und beobachtet die Lage, schaut nach dem Rechten. Bis jetzt, sagt er, ist alles ruhig geblieben. Bis eben auf den Falter. „Der war aber auch wirklich hübsch“, sagt Markus Herschel. Böse Buben mit unlauteren Absichten haben sich derweil noch nicht in den Stadthallengarten verirrt. „Ich hoffe, das bleibt auch so“, sagt Wachtmeister Weihnachtsmann. Eigentlich, sagt Markus Herschel, ist er ja der Typ, der gern lange schläft. Für seinen neuen Job muss er das schon mal aufgeben. Markus Herschel hat sich aber mit der Arbeit arrangiert.

 

„Gut, der erste Tag war hart. Da musste ich tatsächlich die gesamte Nacht Wache halten. Das war schon ziemlich sportlich“, schildert er. Inzwischen bekommt er Unterstützung von einem professionellen Wachdienst. Ganz neu ist der Job für Markus Herschel nicht. Vor Jahren war er schon einmal als Wachdienst auf dem Nikolaifriedhof eingesetzt. „Als ich das Angebot bekam, im Stadthallengarten zu arbeiten, habe ich sofort zugesagt“, schildert er. Noch bis Mitte Juli dauert seine Mission hier. „Ich hoffe wirklich, es bleibt bis dahin alles friedlich.“

 

 

09.06.2016

 

Stadthalle ist wichtiger als Kulturhauptstadt

CDU-Mann Michael Kretschmer empfiehlt eher, sich um das Weltkulturerbe zu kümmern.

 

Statt sich erneut als Europas Kulturhauptstadt zu bewerben, rät Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer (CDU) der Stadt, sich auf das Unesco-Weltkulturerbe und die Sanierung der Stadthalle zu konzentrieren. Am Rande eines Tanzturniers sprach er sich für eine rasche Wiedereröffnung der Stadthalle aus. Es brauche sie nicht nur für Tanzturniere, sondern besonders für Kongresse, „damit die Leute ihr Geld in der Stadt lassen“. Die Kulturhauptstadtbewerbung sei schwierig, weil sich nicht nur Dresden und Leipzig, sondern viele deutsche Städte darum bewerben. Eine erneute Bewerbung hatte Landrat Bernd Lange ins Gespräch gebracht. Kretschmer würdigte den Einsatz des Stadthallen-Fördervereins. „Wenn es nicht Menschen in der Vergangenheit gegeben hätte, die mitunter auch der Stadt auf die Nerven gegangen wären, dann würde sich das Thema so nicht mehr stellen“, erklärte er.

 

Wie es um die Ambitionen steht, als Weltkulturerbe ausgezeichnet zu werden, ist völlig offen. Am 11. Juni 2015 kündigten OB Deinege und Bürgermeister Wieler einen Antrag im Stadtrat an – seitdem gibt’s nichts Neues. (SZ/sb)Auf ein Wort

 

 

 

Ein Fingerzeig für die Görlitzer Politik

über Kretschmers Äußerungen

 

Von Sebastian Beutler

 

Es ist eine Stimme der Vernunft, die aus dem Görlitzer Abgeordneten Michael Kretschmer spricht. Er plädiert für Augenmaß und für das Wuchern mit den vorhandenen Pfunden. Görlitz muss sich nicht alle zehn Jahre neu erfinden, um eine gute Entwicklung zu nehmen. Wenn es gelänge, in überschaubarer Frist auf die Unesco-Weltkulturerbeliste zu gelangen und die Stadthalle als sanierte Veranstaltungs- und Kongresshalle wieder zu eröffnen, hätte die Stadt viel erreicht. Für die Kultur, für den Tourismus, für die Wirtschaft.

 

Leicht wird beides indes nicht. Beim Weltkulturerbe sind die Jahre längst vorbei, als es vergleichsweise leicht ostdeutschen Städten gelang, mit ihren Altstädten in Paris zu punkten. Wenn Kretschmer aber schon darauf hinweist, sich darauf zu konzentrieren, dann sollte man den CDU-Landespolitiker Kretschmer auch einspannen, damit die Landesregierung eine Bewerbung von Görlitz unterstützt. Bei der Stadthalle liegen die Dinge ähnlich. Görlitz ist auch hier auf finanzielle Hilfe angewiesen. Aber durch zusätzliche Investitionsprogramme von Bund und Land sind der Stadt neue Spielräume erwachsen, über Eigenmittel in Millionenhöhe zu verfügen. Und dass sich im Haushalt keine halbe Million Euro für den Betrieb der Halle finden sollten, kann niemand mehr behaupten. Die Kämmerin hat von September bis Dezember 2015 allein eine Million Euro eingespart, ohne dass es besonders weh tat. Da lässt sich gewiss die Summe für die Stadthalle bei gutem und politischem Willen finden.

 

 

10.06.2016

 

Viathea spielt im Stadthallengarten

Drei neue Plätze verwandeln sich beim Viathea in wenigen Wochen zu Bühnen. An anderen Stellen muss gekürzt werden. Und mancher Görlitzer wird das Straßentheaterfestival wohl ganz verpassen.

 

Die Abschlussshow am Uferpark Görlitz wird es wohl auch dieses Jahr geben. Aber das große Spektakel am Obermarkt fällt aus.

Die Abschlussshow am Uferpark Görlitz wird es wohl auch dieses Jahr geben. Aber das große Spektakel am Obermarkt fällt aus.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Die Straßen und Plätze der Stadt bieten vom 7. Bis 9. Juli wieder die Bühne für das beliebte Straßentheaterfestival Viathea. Wie die Organisatoren soeben mitteilten, steht das Programm für die drei tollen Tage, die mit einem Picknick im Stadtpark beginnen. Aus finanziellen Gründen wird es aber kein großes Spektakel zum Abschluss auf dem Obermarkt geben, dafür quirlige Kleinkunst. Neu sind mit dem Stadthallengarten, der alten Mitropa im Bahnhof und dem ersten Theater der Stadt im Handwerk 10 drei Spielorte. Einer der Schwerpunkte in diesem Jahr ist wieder der Tanz. Dazu treten die „Asphalt Piloten“ und „Da Motus“ aus der Schweiz auf. Viel gibt es wieder zu entdecken: An einem freien chinesischen Mast erzählen vier junge Artisten ihre Geschichte, Carre Curieux kommt aus Belgien. „Tukkers Connexion“ aus den Niederlanden treten ebenso auf. Bei verschiedenen Workshops können sich auch junge Einwohner von Görlitz und Zgorzelec verwirklichen. Einziger Wermutstropfen: Das Festival liegt wieder in den Ferien, manch Görlitzer wird es deshalb wegen seines Urlaubs verpassen.

 

 

Postplatz-Bau wird deutlich teurer

Görlitz. Der erste Bauabschnitt am Postplatz hat noch gar nicht begonnen, aber er wird schon jetzt um gut 100 000 Euro teurer als geplant. Das wurde jetzt im Verwaltungsausschuss bekannt, wo die Stadträte den neuen Finanzierungsplan bei zwei Enthaltungen einstimmig beschlossen haben.

 

Ursprünglich hatte die Stadt mit Kosten von 484 000 Euro gerechnet, jetzt sind es schon 587 000 Euro. Grund für den deutlichen Anstieg ist die Ausschreibung. Das wirtschaftlichste Angebot für den Straßenbau liegt bei knapp 370 000 Euro und ist somit deutlich teurer als erwartet. Dadurch entstehen auch höhere Planungskosten bei der Bauleitung und Bauüberwachung.

 

Die Stadt muss die zusätzlichen Kosten komplett aus Eigenmitteln bezahlen, denn sie hat die Förderhöchstgrenze bereits ausgeschöpft. Wo das Geld herkommt, steht aber schon fest: Die Stadt hat für eine Straßenbaustelle in Rauschwalde im Nachhinein mehr Fördergeld bekommen als gedacht – und so Eigenmittel gespart. (ik)

 

 

 

15.06.2016

 

 

Stadthallengarten dient als Kinderstadt

Görlitz/Zgorzelec. Die diesjährige Kinderstadt findet vom 5. bis zum 14. Juli, jeweils von 9.30 bis 16 Uhr, im Stadthallengarten in Görlitz statt. Wie Kristian Blankenburg vom Verein Cateedrale mitteilt, wird es bei dem deutsch-polnischen Projekt etwa 30 Berufe geben, in denen sich die Teilnehmer ausprobieren können. Das Angebot reicht von der Polizei über Handwerke und ein Werbebüro bis hin zum Posten des Bügermeisters. Das dort verdiente Kinderstadtgeld kann in der gesamten Kinderstadt wieder ausgegeben werden. Am Ende eines jeden Tages gibt es eine Bürgerversammlung, an der alle Kinder teilnehmen. Diese gilt als bestimmendes Gremium für die Kinderstadt.

 

Zudem werden zwölf Jugendliche aus aller Welt im Rahmen eines Workcamps die diesjährige Kinderstadt ehrenamtlich mitbegleiten und unterstützen. Die Kinderstadt ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vereine Meetingpoint Music Messiaen, Cateedrale und Esta. (SZ)

 

Mehr Infos gibt es unter www.nmus.de. Angebote sowie Fragen können an info@nmus.de gesendet werden. Ehemalige Kinderstadtbürger oder Eltern und weitere Interessierte sind als Mitarbeiter willkommen.

 

 

 

22.06.2016

 

 

Wetterwechsel beim Görlitzer Sommertheater

Im Stadthallengarten hilft das Handy weiter. Beim Sommerfest würde der Stadthallenverein darauf gern verzichten – wegen Sonnenschein.

 

Von Sebastian Beutler

Da war der Schauer schon vorüber: Szenenbild von Lehars „Die lustige Witwe“ im Görlitzer Stadthallengarten.

Da war der Schauer schon vorüber: Szenenbild von Lehars „Die lustige Witwe“ im Görlitzer Stadthallengarten.

© Theater

Mit allen Mitteln hat sich das Theater gewappnet, um das Sommertheater im Stadthallengarten über die Bühne zu bekommen. So hantierte Sebastian Beier von der Theater-Tontechnik am Donnerstag vergangener Woche mit Unwetter-Apps auf seinem Handy, um möglichst genau herauszubekommen, wann das nächste Gewitter über der Stadt niedergeht.

 

Intendant Klaus Arauner konnte anschließend ziemlich gelassen vors Publikum treten und von der unsicheren Wetterlage sprechen: Zwar würde ein kurzes, aber heftiges Gewitter gleich kommen, das sich gerade noch über Löbau entlade. Aber dann öffne sich ein ausreichendes Zeitfenster, bis die nächsten Regenschauer aus Bayern eintreffen und erneut Theaterspiel unmöglich machen. Und so geschah es: das Ensemble begann mit Lehars Operette „Die lustige Witwe“, nach 20 Minuten unterbrachen die Künstler ihr Spiel, um es eine halbe Stunde später wieder aufzunehmen und die Premiere der halbszenischen Inszenierung, die mit einem Laken als Bühnendekoration auskommt, zu einem vielumjubelten Ende zu führen. Vor allem die Tänzerinnen ernteten großen Beifall, weil sie den Spagat des Can Can mitten in die Pfützen auf der Bühne im Stadthallengarten setzten.

 

Das Theater ist ja aber nur einer, wenn auch der wichtigste, unter den Nutzern des Stadthallengartens. Auch alle anderen müssen mit Wetterwechseln umgehen, hoffen freilich auf schönes Wetter. So auch der Stadthallen-Förderverein, der sein Sommerfest am Sonntag feiern wird. Er hat auch allen Anlass zum Feiern: Schließlich ist es sein Verdienst, dass im Stadthallengarten überhaupt gespielt werden kann.

 

Und auch beim Sommerfest dreht sich viel um Tanz. So schickt die Tanzschule Matzke ihre Kindertanzshow, die Tanzetage Görlitz ist mit Kinderballett, Orientaltanz und Tango argentino vertreten, und die freie Görlitzer Tanzgruppe „The second chance“ tritt ebenso beim Bühnenprogramm auf.

 

Musikalisch unterhält die Tanzkapelle Lumpacius Vagabundus aus Freiberg, das Harfenensemble der Kreismusikschule Dreiländereck schickt sieben Harfenisten zugleich auf die Bühne, jazzige Zwischentöne liefert Siegfried Eisenlohr, und Wolfgang Dach spielt auf dem Akkordeon. Seinen Besuch hat auch Bürgermeister Scultetus, gespielt von Michael Prochnow, angekündigt, und das Tippelweib Marianne Scholz-Paul ist auch mit von der Partie.

 

Einlass am Sonntag ab 14 Uhr, für die Kinder Spiele mit Preisen. Bühnenprogramm 15-18 Uhr oder mit etwas Überlänge. Eintritt 3,00 Euro. Kinder frei.

 

 

24.06.2016

 

Görlitzer Stadthalle bekommt neue Fenster

Der Stadtrat Görlitz hat am Donnerstagabend weitere Baumaßnahmen für die Stadthalle beschlossen. Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr starten.

 

Von Daniela Pfeiffer

Im Herbst soll der 2. Bauabschnitt in der Stadthalle Görlitz starten.

Im Herbst soll der 2. Bauabschnitt in der Stadthalle Görlitz starten.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Görlitz. Nach der Notsicherung der Stadthalle durch Strebepfeiler und der Instandsetzung der Seitendächer, geht die Stadt nun den zweiten Bauabschnitt an. Der Stadtrat hat am Donnerstag grünes Licht für Vorhaben in Höhe von 1,8 Millionen Euro gegeben.

 

Dazu gehört unter anderem die Erneuerung der restlichen Nebendächer, mit Ausnahme des Daches über dem kleinen Saal. Wegen einer besonderen Ornamentik im Putz muss sie erhalten bleiben. Im großen Saal wird das Parkett ausgebaut und vorerst eingelagert. Danach wird hier nur ein Rohfußboden bleiben, der erst später gestaltet wird – wenn klar ist, was an Technik eingebaut werden soll.

 

Weiterhin soll der große Saal neue Fenster bekommen, und zwar nach historischem Vorbild. Die jetzigen Fenster sind nicht mehr die originalen von 1910. Der 2. Bauabschnitt soll im Oktober diesen Jahres beginnen und bis Sommer 2017 dauern.

 

 

 

27.06.2016

 

 

Viel Zuspruch zum Sommerfest an der Stadthalle

 

Der Stadthallenverein hatte am Sonntag, ab 14 Uhr zum bunten Familienfest in den Stadthallengarten eingeladen. Belohnt wurden die Macher der Veranstaltung nicht nur mit einem super Wetter,

sondern auch mit über 500 Gästen. Neben vielen Aktionen für Kinder konnten die Gäste an diesem Tag bis 18 Uhr die neu sanierten Hütten des Biergartens bewundern und ein abwechslungsreiches

Bühnenprogramm mit Musik und Tanz verfolgen.

Förderverein-Vorsitzender Thomas Leder zeigte sich über den Zuspruch der Besucher mehr als begeistert.

 

 

29.06.2016

 

Tagesgrenze bei der Kinderstadt

Im Juli werden Kinder wieder zu Bürgern einer Mini-Stadt. Damit das funktioniert, gibt es Grenzen.

 

Zur diesjährigen Kinderstadt für Görlitz und Zgorzelec haben sich so viele Kinder vorangemeldet wie zu keiner der sechs Veranstaltungen zuvor. Wie Paul Sacher vom Projekt „Nasze Miasto – Unsere Stadt“ mitteilt, sind bereits über 150 Kinder von beiden Seiten der Neiße als Bürger angemeldet. Die Macher der Kinderstadt haben sich entschieden, die tägliche Teilnehmerzahl auf jeweils 230 zu begrenzen, „da es uns wichtig ist, den Kindern wieder eine Stadt zu bieten, die gut betreute und qualitativ hohe Arbeitsangebote für alle stellen kann, in denen sie sich ausprobieren können“, so Paul Sacher. So bekomme jeder die Möglichkeit, die Wunschangebote zu besuchen und so werde es für alle eine schöne, erfolgreiche und lehrreiche Kinderstadt. Es könne also sein, das nicht jeder der am Morgen vor den Toren der Kinderstadt im Görlitzer Stadthallengarten steht, auch mitmachen kann. Die Kinderstadt ist ein Angebot für polnische und deutsche Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren und findet alle zwei Jahre statt: in diesem Jahr vom 5. bis 8. Juli und vom 11. bis 14. Juli.

 

Weitere Infos zu den konkreten Angeboten und zum Projekt gibt es auf der Homepage der Kinderstadt unter www.nmus.de

 

 

02.07.2016

Stadthalle soll zum Denkmaltag öffnen

Die Görlitzer dürfen im September wahrscheinlich noch einmal in den Großen Saal.

 

Der Große Saal der Stadthalle wird bald nicht wiederzuerkennen sein. Nachdem der Stadtrat die nächsten Bauvorhaben beschlossen hat, wird die Kellerdecke herausgerissen, wodurch der Saal dann keinen Boden mehr hat. Zuvor soll das Parkett entfernt werden. Auch die Fenster werden erneuert. Es sollen wieder originalgetreue Fenster eingebaut werden, denn die jetzigen sind nicht mehr die von 1911, dem Erbauungsjahr der Stadthalle. Thomas Leder vom Förderverein Stadthalle fürchtet im Zuge dessen, dass die Akustik des Saals leiden könnte. Bürgermeister Michael Wieler verwies aber auch auf ein entsprechendes Gutachten zur Akustik, das das Rathaus extra in Auftrag gegeben hat und an dessen Vorgaben man sich halten werde.

 

Die Bitte des Vereins, den Saal am Tag des offenen Denkmals im September noch einmal zu öffnen, könnte erfüllt werden. Oberbürgermeister Siegfried Deinege versprach dem Verein diesbezüglich eine Antwort innerhalb von zwei Wochen. „Und sie wird nicht negativ sein, wir werden da eine Lösung finden.“ (SZ/dan)

 

 

 

Der Bürgermeister will’s noch mal wissen

Schon zweimal hatte Josias Reich in der Kinderstadt das Sagen. Ab Dienstag darf er im Stadthallengarten erneut antreten.

 

Von Ingo Kramer

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Josias Reich war 2012 und 2014 Bürgermeister der Kinderstadt. Jetzt denkt der 14-Jährige über eine dritte Amtszeit nach. Foto: Pawel Sosnowski Zur feierlichen Amtseinführung von OB Siegfried Deinege 2012 holte sich Kinderstadt-Bürgermeister Josias Reich von Deinege das Versprechen ab, die Wünsche der Görlitzer Kinder zu erfüllen. Archivfoto: Nikolai Schmidt

Zum Pressetermin kommt der Bürgermeister mit dem Fahrrad. Er begrüßt die Journalisten mit Handschlag, ein schelmisches Grinsen im Gesicht. Josias Reich ist entspannt. Hinter ihm liegt schließlich eine ruhige Amtszeit: Seine Wiederwahl bei der Kinderstadt liegt zwei Jahre zurück. Da es seither keine Kinderstadt und somit auch keine Wahl gab, darf er sich bis heute ruhigen Gewissens Bürgermeister nennen. „Während der Kinderstadt“, sagt der 14-Jährige, „war der Posten schon sehr stressig.“ Den ganzen Tag lang war er ein gefragter Mann, musste Verhandlungen führen, Entscheidungen treffen, Interviews geben: „Da geht man hinterher nach Hause und legt sich nur noch ins Bett.“ Aber natürlich habe es auch viel Spaß gemacht.

 

Am Dienstag beginnt die siebente deutsch-polnische Kinderstadt, diesmal im Stadthallengarten. Für knapp zwei Wochen leben die Sieben- bis 14-Jährigen, immer von 9 bis 16 Uhr, in ihrer eigenen Stadt, mit Berufen, einer Bank, Freizeitmöglichkeiten und einem gewählten Bürgermeister. Bis zu 230 Kinder aus beiden Teilen der Europastadt dürfen teilnehmen. Organisiert wird das alle zwei Jahre stattfindende Ferienereignis diesmal in Regie des Vereins Meetingpoint Music Messiaen, aber in Kooperation mit vielen Partnern auf beiden Seiten der Neiße. Vor Ort treten die Erwachsenen möglichst in den Hintergrund, übernehmen Dolmetscherarbeiten und sorgen dafür, dass alles funktioniert.

 

Für Josias Reich ist es die dritte Kinderstadt. Dass er gleich beim ersten Mal – als Zehnjähriger – zum Bürgermeister gewählt wurde, überrascht ihn noch heute. Er habe eigentlich nur aus Spaß kandidiert. Doch obwohl er ganz neu dabei war, kannte er schon viele Kinder. Vielleicht hat ihm das geholfen. Damals hatte er gleich mehrere große Auftritte, unter anderem zur Amtseinführung des Görlitzer Oberbürgermeisters Siegfried Deinege im Theater.

 

Den führte er auch durch „seine“ Stadt. Und wie es unter Kollegen üblich ist, duzte Josias Reich den OB. Ob er das heute immer noch so machen würde? „Ich glaube nicht“, sagt der Schüler, der in der Nikolaivorstadt lebt und gerade die siebente Klasse am Joliot-Curie-Gymnasium abgeschlossen hat. Er werde ja älter: „Da versucht man, die Ansprüche höher zu legen und förmlicher zu reden.“ Zudem habe er Deinege schon länger nicht mehr gesprochen, nur mal gesehen und „Hallo“ gesagt: „Ich weiß gar nicht, ob er mich überhaupt noch kennt.“

 

Und Josias Reich, der nicht mit der Görlitzer Stadträtin Yvonne Reich verwandt ist, hat sich bisher noch gar keine Gedanken gemacht, ob er überhaupt ein drittes Mal Bürgermeister werden möchte. „Aber eigentlich wäre es schon ganz lustig“, sagt er nach kurzem Nachdenken. Er hat auch schon Ideen, was er in der Kinderstadt verbessern möchte. So habe der Aufbau der Stände lange gedauert: „Wenn wir diesmal schneller sind, haben wir mehr Zeit für schöne Sachen.“ Und zum Start am Morgen habe es oft viel zu viel Gedränge gegeben. Beim Einlass in die Stadt und beim Arbeitsamt seien die kleinen Kinder manchmal richtig überrannt worden: „Da hat es viele Tränen gegeben.“ Künftig sollten nicht mehr alle auf einmal losrennen, sondern sich besser in vier Schlangen anstellen.

 

Falls er wiedergewählt wird, will er sich auf jeden Fall wieder einen Nebenjob suchen: „Vor zwei Jahren hatte ich einen Schießstand, man muss ja irgendwo investieren.“ Außerdem konnte er dort den Kopf ein bisschen freikriegen. Das würde er wieder machen. Auch ein Fußballturnier hat er damals organisiert. An politische Entscheidungen kann er sich dagegen nicht mehr so genau erinnern: „Darauf habe ich nicht so geachtet in meinem jungen Alter.“

 

Kindern, die noch unentschlossen sind, kann er die Kinderstadt auf jeden Fall empfehlen: „Man hat viel Spaß mit Gleichaltrigen und sitzt nicht nur zu Hause herum.“ Vor allem aber gefällt ihm, dass sich Kinder in verschiedenen Berufen ausprobieren können. Nicht nur Bürgermeister findet er spannend, sondern zum Beispiel auch Pferdewirt oder Bankangestellter. Allein, um das zu sehen, lohne sich die Teilnahme. Wer noch kurzentschlossen mitmachen will, muss sich aber sputen: Nach Aussage von Projektkoordinatorin Anna-Maria Hantschke „haben wir so viele Voranmeldungen auf deutscher und polnischer Seite erhalten wie zu keiner anderen Kinderstadt zuvor“. Über 150 Kinder sind bereits als Bürger angemeldet. Insgesamt ist die Teilnehmerzahl auf maximal 230 begrenzt. Für mehr reicht das Personal einfach nicht. „Es kann also sein, dass nicht jeder, der am Morgen vor den Toren steht, Bürger werden kann“, warnt die Koordinatorin.

 

Josias Reich ist schon angemeldet und hat somit seinen Platz sicher. Für ihn ist es die letzte Kinderstadt als Teilnehmer, denn mit 14 hat er jetzt das Maximalalter erreicht. Allerdings kann er sich vorstellen, später als Betreuer dabei zu sein: „Ich würde gern mal sehen, wie es hinter den Kulissen abläuft.“ Ein bisschen was habe er bei Mitarbeiterbesprechungen schon mitbekommen, aber so richtig vorstellen könne er es sich noch nicht. Eines hingegen will er später einmal nicht werden: Bürgermeister von Görlitz. „Bei der Kinderstadt ist das ja schön, weil man sich für seine Stadt einsetzen kann“, sagt er: „Auf Dauer wäre es mir aber zu stressig.“

 

 

07.07.2016

 

So richtig freuen können sich Hans-Peter Bauer (li.)und Thomas Leder – hier am neuen Stromkasten, den die Stadtwerke gesponsert haben–nicht mehr über die vielen Dinge, die im Stadthallengarten in den vergangenen Monaten geworden sind. Das Rathaus kritisiert vieles als fehlerhaft, verlangt Nachbesserungen

 

 

Ärger um Kabelverlegung im Stadthallengarten

 

Zur Erläuterung:

Im Technischen Ausschuss des Stadtrates hat Bürgermeister Dr. Wieler vor ca. 4 Wochen den Stadträten im Beisein der Presse erklärt, dass Bauarbeiten des Fördervereines fehlerhaft sind. Damit hat er diese Angelegenheit erstmals öffentlich gemacht. Nun hat die SZ nachgefragt und wir hatten Gelegenheit unsere Sicht darzustellen. Alles kann in einem Zeitungsartikel nicht aufgeführt werden.

Die unten genannte Dankeschönveranstaltung für die Baufirmen hat das Theater und unser Verein ausgerichtet.

Trotz allem ist der rege Betrieb im Stadthallengarten ein Verdienst unseres Vereines mit vielen Helfern und Sponsoren und weiter ausbaubar.

 

 

 

Neben dem Sommertheater spielt sich ein weiteres an der Stadthalle ab: Hauptdarsteller sind Bürgermeister Wieler und Fördervereinschef Leder.

Von Daniela Pfeiffer

 

Alles wunderbar. Die neue Treppe zwischen Stadtpark und Stadthallengarten steht. Das Sommertheater hat sich in den vergangenen Wochen als Publikumsmagnet gezeigt – trotz manchen Regenschauers. Strom, Technik, Aufenthaltsräume für die Theatermitarbeiter, alles war da. Und trotzdem tobt hinter den Kulissen ein erbitterter Kleinkrieg zwischen Rathaus und Stadthallen-Förderverein. Ein wahres Theater. Nur eins ohne Publikum. Auf den ersten Blick geht es nur um zwei Kabel. Eins für Wasser, eins für Strom. Bei seinem traditionellen Frühjahrsputz, der weit mehr ist als nur Laub rechen, Unkraut zupfen und Müll aufsammeln, hatte der Förderverein einen Graben gezogen. Damit zum Wasser auch ein Stromkabel verlegt werden kann – auch für das Sommertheater. Um die Anschlüsse und einen Schaltkasten haben sich die Stadtwerke gekümmert. Wie zahlreiche weitere Firmen aus Görlitz und dem Umland haben sie die Arbeit erledigt, ohne sie in Rechnung zu stellen. Da wurde repariert, gemalert, angeschlossen, verlegt. Auf etwa 50000 Euro beziffert Thomas Leder, der Vorsitzende des Fördervereins, die Leistungen des Vereins und der Firmen. Allein die Arbeiten der Stadtwerke haben etwa einen Wert von 11000 Euro, so Thomas Leder. Er selbst gerät zurzeit unter Starkstrom, wenn es um den Umgang mit dieser gesponserten Arbeit geht und auch um die Arbeit seiner Vereinsmitglieder. Denn die Stadt betrachtet manches nun im Nachhinein als nicht fachgerecht ausgeführt. Thomas Leder hat das Gefühl, dass den Bemühungen des Vereins Steine in den Weg gelegt werden, wo es nur irgend geht. Da darf der Weg nicht beschädigt werden und soll am liebsten mit Stahlplatten ausgelegt werden, damit er bei der Anlieferung der Treppe keinen Schaden nimmt. Dann sei vermeintlich das Treppengeländer ein paar Zentimeter zu kurz. Und und und. Im jüngsten Technischen Ausschuss nahm Bürgermeister Michael Wieler Stellung zum wohl akutesten Problem: die beiden Kabel würden zu dicht beieinander liegen. Der Mindestabstand von 30 Zentimetern sei nicht eingehalten. So könne er als Baubürgermeister das nicht abnehmen. Da muss nachgebessert werden, wenn das Sommertheater vorüber ist. Momentan ist nichts zu machen, da die Leitungen unter der Tribüne entlang führen. „Es geht auch keine akute Gefahr davon aus“, stellt der Bürgermeister klar. Wenn aber jemand mal mit dem Spaten da rein steche, könne das schon dumm ausgehen. „Ich übernehme dafür nicht die Verantwortung, das ist Sache der Veranstalter.“ Für Thomas Leder und seinen Vereinskollegen Hans-Peter Bauer, der als eine Art Bauleiter fast bei allem dabei war, ist das kaum zu fassen. Warum der Graben wieder geöffnet, verbreitert und der Abstand der Kabel vergrößert werden soll, verstehen sie nicht. „Das ist die Leistung einer Fachfirma, der Elektriker hat das Kabel extra in ein abgenommenes Leerrohr gezogen und alles war mit dem städtischen Hochbauamt abgestimmt“, sagt Leder. Niemand würde das mit einem Spaten so einfach kappen können. Um die Elektroleitungen wie die jahrelang dort liegende Wasserleitung nicht offen, sondern diebstahlsicher zu verlegen, sei diese mit der Wasserleitung erdüberdeckt. Jetzt zu konstruieren, dass auf diesem städtischen Grundstück ein Veranstalter unverhofft und eigenmächtig Schachtarbeiten vornimmt und damit das Kabel zerstört, sei nicht nachvollziehbar. Michael Wieler hingegen wirft Thomas Leder vor, sich an Vereinbarungen nicht gehalten zu haben. So seien beim Frühjahrsputz Sträucher und Wurzeln herausgerissen worden, obwohl es klare Auflagen vom Umweltamt gegeben habe. Poller an einer Zufahrt in den Stadtpark seien nun locker, nachdem der Verein sie für den Antransport der neuen Treppe herausgenommen hatte. Ihm sei das Ehrenamt aller Ehren wert, deshalb habe es vor dem Sommertheater ja auch eine große Dankeschönveranstaltung im Stadtpark gegeben, sagt Wieler. Er habe den Konflikt auch nicht an die große Glocke hängen wollen, aber wenn Thomas Leder „das Ehrenamt vorschiebt, um sein persönliches Fehlverhalten zu vertuschen“, nehme er ihm das schon sehr übel. Leder leite das ehrenamtliche Engagement nicht vernünftig. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich finde das von Herrn Leder weder objektiv noch fair.“ Auf jeden Fall müssten die Kabelfehler korrigiert werden. „Wenn das der Verein nicht kann, werden wir es tun“, sagt der Bürgermeister. Thomas Leder und Hans-Peter Bauer vergeht angesichts solcher Aussagen jede Lust, sich weiter zu engagieren. Wenn die Stadt mit allen Vereinen so umgehe, Vorschrift für Vorschrift ziehe und einem Fehler vorhält, wo sie nur kann, sei es kaum verwunderlich, wenn andere Vereine längst aufgegeben haben, findet Leder. „Ich bin ja ein Rauhbein, ich marschiere durch alle Stuben, wenn nötig. Aber andere sagen vielleicht: Dann bleibt es eben.“ Natürlich hat er seine Erklärungen für herausgerissene Sträucher und Wurzeln und lockere Poller. Nirgends habe man bewusst gegen städtische Auflagen verstoßen. Thomas Leder zuckt letztlich nur noch ratlos mit den Schultern: „Ich frage mich: Sind die nur so unsicher im Rathaus oder sind sie grundsätzlich gegen das, was wir hier tun?“

 

 

12.07.2016

 

4500 Besucher beim Sommertheater

Auch 2017 soll es wieder unterhaltsame Aufführungen im Stadthallengarten geben.

 

Vollbesetzte Ränge bei einer Juni-Aufführung von „Gretchen 89ff“ im Stadthallengarten.

Vollbesetzte Ränge bei einer Juni-Aufführung von „Gretchen 89ff“ im Stadthallengarten.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Görlitz. Die erste Theatersaison im Görlitzer Stadthallengarten ist am Sonntag mit dem Tanzstück „Aqua“ zu Ende gegangen. Fünf Wochen lang hatte das Gerhart-Hauptmann-Theater zusätzlich zu den Aufführungen im Theater am Demianiplatz vier Stücke als Sommertheater angeboten. Mit Erfolg.

 

4500 Besucher kamen, um sich „Gretchen 89ff“, „Romeo und Julia“, sowie „Aqua“ und „Die lustige Witwe“ anzuschauen – vor allem die letzten beiden Stücke erwiesen sich laut Theater-Sprecherin Sophie Brückner als Publikumsmagneten. Ein wenig getrübt wurde das Sommertheater durch das wechselhafte Wetter. So mussten zwei Vorstellungen wegen Regen unterbrochen werden. Eine wurde wegen Gewitter abgebrochen, eine wegen Stark-regen schon vor Beginn abgesagt.

 

Auch 2017 gibt es Sommertheater im Stadthallengarten. Ab 3. Juni zeigt das Schauspielensemble die Kriminalkomödie „Die 39 Stufen“. Die Tanzcompany bereitet den Tanzabend „Sacre“ vor, der ab 24. Juni 2017 zu sehen sein wird. Auch vom Musiktheater wird es Vorstellungen geben, die Termine werden noch bekannt gegeben, sagt Sophie Brückner. (SZ/dan)

 

 

Zum „Ärger im Stadthallengarten“:

Was ist das für eine Bürgerpolitik?

Ich verstehe die Welt nicht mehr! Über mehr als ein Jahrzehnt hat die Stadt die Stadthalle und den angrenzenden I Stadthallengarten verkommen lassen, zugeschaut, wie kommunales Eigentum in die Bedeutungslosigkeit versinkt. Jetzt, wo sich Bürger und Firmen aktiv um die Reaktivierung der wertvollen Liegenschaften bemühen, regnet es Betonklötze aus dem Rathaus, werden öffentlich verbale Anschuldigungen gegen den Verein, gegen seinen Vorsitzenden ausgesprochen, die der, entgegen in der Öffentlichkeit gesungenen Lobeshymnen, diametral entgegenstehen. Was ist das für eine Bürgerpolitik? Die organisierte „Dankeschönveranstaltung“ wurde nicht etwa von der Stadt organisiert, um den Bürgern und den beteiligten Firmen zu danken, dass sie den Stadthallengarten wieder der Öffentlichkeit zugeführt haben. Weit gefehlt! Vom Verein und dem Theater ging diese Initiative aus, um gemeinsam denen zu danken, die sich so selbstlos in den Dienst der Sache gestellt haben. Ich bin der Letzte, der sich gegen eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden stellt, wenn sie der Sache dient. Zurzeit tut sie das leider nicht. Der Baubürgermeister hätte die Pflicht gehabt, den Weg zu ebnen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die dem Vorhaben Sommerbespielung des Stadthallengartens, Kinderstadt, Open Air im August, entgegenstehen. Denn diese Initiativen dienen unserer Stadt – sie dienen Görlitz und seinen Bürgern.

Hans-Peter Bauer, 02826 Görlitz

 

 

16.07.2016

Noch keine Lösung zum Stadthallengarten

 

Görlitz. Nach wie vor ist unklar, ob der Graben im Stadthallengarten noch einmal aufgemacht und ein Stromkabel verlegt werden muss. Der Stadthallen-Förderverein hatte hier in Zusammenarbeit mit regionalen Firmen zum bereits anliegenden Wasserkabel eins für Strom verlegt. Baubürgermeister Michael Wieler wollte das nicht abnehmen, die Kabel lägen zu dicht beieinander, das müsse nach dem Sommertheater korrigiert werden (die SZ berichtete). Inzwischen hat auch der MDR-Sachsenspiegel einen Beitrag zu dem Thema gesendet. Fördervereins-Vorsitzender Thomas Leder sagt, ihm sei aus dem Rathaus eine Klärung des Problems bis Freitag versprochen worden, doch nichts passierte. Die Stadtwerke Görlitz, die im Stadthallengarten maßgeblich und unentgeltlich mithalfen, haben inzwischen schriftlich bestätigt, dass die Kabel ordnungsgemäß liegen. Es heißt: „Die Stadtwerke Görlitz sowie die von den Stadtwerken beauftragten Fachunternehmen haben die Arbeiten im Stadthallengarten nach technischem Regelwerk fachgerecht ausgeführt und entsprechend abnehmen lassen.“ (SZ/dan)

 

 

04.08.2016

 

Kalter Frieden im Stadthallengarten

 

Strom- und Wasserleitungen werden korrigiert. Entweder durch den Verein oder die Stadt.

 

Von Sebastian Beutler

 

Das Sommertheater im Stadthallengarten war ein Besuchermagnet. Jetzt gibt es Querelen um die Versorgungsleitungen, die in gemeinnütziger Vereinsarbeit verlegt wurden.

 

Die Versorgungsleitungen im Stadthallengarten müssen teilweise neu verlegt werden. Daran hält die Stadt fest, vorher könne sie die Anlagen nicht abnehmen. Sie habe jetzt den Stadthallenverein angefragt, ob er diese Arbeiten leisten könne. Sei das nicht der Fall, dann werde die Stadt die Korrektur auf eigene Kosten vornehmen. Eine Antwort des Vereins stehe aber noch aus. Das erklärte jetzt Bürgermeister Michael Wieler gegenüber der SZ. Bislang verwies der Verein auf die Äußerungen der Stadtwerke, dass die Leitungen ordnungsgemäß verlegt worden seien. Nach Angaben von Stadt-Sprecher Wulf Stibenz seien das aber zwei Paar Schuhe. Nach Ansicht Wielers habe der Verein auch noch in anderen Punkten Festlegungen der Stadt gebrochen. Er wolle das aber nicht als Vorwurf an die Adresse des Vereins verstanden wissen. Wenn so viele Menschen helfen, dann könne auch schnell mal der Überblick verloren gehen. In der Zukunft werde die Stadt stärker kontrollieren, ob die Verabredungen eingehalten werden.

 

 

Kommentar: Stadthalle zu wichtig für Ego-Streit

 

Sebastian Beutler über die Diskussionen um ein paar Leitungen

 

Es wäre gut, wenn der Streit um die Leitungen im Stadthallengarten bald der Geschichte angehört. Nutzen daraus jedenfalls kann keine der beiden Seiten ziehen. Die Stadt in Person des Baubürgermeisters als Eigentümer, der seit Jahren nichts an seiner Anlage getan hat, steht als undankbarer Geschenknehmer da. Dem Verein wiederum, dessen Mitglieder viel Freizeit beim Einsatz im Stadthallengarten verbracht haben und der Firmen zu Sponsoringleistungen bewegen konnte, hängt der Geruch eines vertragsbrüchigen Partners an. Worum sich der Streit im Kern dreht, ist der Öffentlichkeit sowieso nicht zu vermitteln. Überflüssig wie ein Kropf sind die teilweise ins Persönliche zielenden gegenseitigen Angriffe sowieso. Es bedarf von beiden Seiten schon jetzt viel guten Willens, in Zukunft ohne Animositäten zusammenzuarbeiten. Beispielsweise in der Stadthallenstiftung, die Wieler für die Stadt leitet. Die Stadthalle aber ist für Görlitz zu wichtig, als dass die Bemühungen um ihre Wiederbelebung im Ego-Streit enden dürfen.

 

 

 

09.08.2016

Der Stadthallengarten rockt

Drei Tage lang treten Bands unter freiem Himmel auf. Darunter auch Yellow Cap, die in Görlitz Heimvorteil hat.

 

Von Sabrina Winter

Die Görlitzer Band Yellow Cap spielt am Wochenende im Stadthallengarten. Foto: Nikolai Schmidt

Die Görlitzer Band Yellow Cap spielt am Wochenende im Stadthallengarten. Foto: Nikolai Schmidt

© nikolaischmidt.de

Andreas de Morales Roque blickt gespannt dem Wochenende entgegen. Dann werden im Stadthallengarten nicht nur Rock und Schlager erklingen wie vergangenes Jahr, sondern auch Ska-Musik. Der Geschäftsführer der Görlitzer Veranstaltungsfirma incaming media sagt: „Bei Ska kann einfach niemand ruhig stehen bleiben. Da muss man sich bewegen“, sagt er. Er und sein Team holen dieses Jahr eine bunte Musikmischung in den Stadthallengarten.

 

Von Freitag bis Sonntag wird dort gesungen und getanzt. Der Höhepunkt am Sonntag: ein trinationales Ska-Festival. Dazu hat de Molares Roque Yellow Cap engagiert – eine der erfolgreichsten Bands aus Görlitz. Die Jury des Deutschen Rock & Pop Preises hat Yellow Cap zur besten Skaband 2015 gekürt. Am Sonntag kehrt die Band in ihre Heimat zurück. Neben Yellow Cap ist auch eine tschechische Skaband namens „Pub Animals“ am Start und eröffnet das trinationale Ska-Festival. Außerdem kommt die Band „Las Melinas“ aus Polen. Sie war schon in den vergangenen vier Jahren zur Kneipennacht in Görlitz und dort ein beliebter Anlaufpunkt. „Görlitz ist super für so eine Veranstaltung geeignet“, sagt de Morales Roque. „Es liegt ja fast im Dreiländereck.“ Ziel sei es, dieses Jahr ein Programm für Jung und Alt zu machen. Es ist das zweite Stadthallengarten Open Air überhaupt. Diesmal mit besseren Voraussetzungen: Durch das Sommertheater, das im Juni 4 500 Besucher in den Stadthallengarten zog, ist die Bühne hergerichtet und die Stromversorgung neu. Auch die Toiletten funktionieren, die Finnhütten sind begehbar, und es gibt ausreichend viele Bänke und Stühle. Dass man im Garten inzwischen sitzen, trinken und feiern kann, ist vor allem dem Engagement des Stadthallenvereins zu verdanken.

 

Bei der Bandauswahl haben die Veranstalter auch auf das zurückgegriffen, was in der Vergangenheit gut ankam: Renft kommt wieder. Die Band musste im Juli Auftritte aufgrund von Krankheiten absagen, im Stadthallengarten spielt sie aber. Die Ostrocker feiern dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Darum dürfen Fans auf ein paar Extrasongs hoffen. Als Vorband tritt RamRoad aus Zittau auf. „Die harmonieren gut miteinander“, sagt Andreas de Morales Roque. Natürlich schwebt mit dem Stadthallen Open Air noch eine andere Hoffnung mit: Wenn man zeigt, wofür man den Garten nutzen kann, spielen vielleicht mal wieder Bands in der Stadthalle.

 

 

 

12.08.2016

 

Zum Beitrag „Kalter Frieden im Stadthallengarten“, SZ vom 4. August:

So animiert man kein bürgerschaftliches Engagement

 

Einerseits finde ich es meinerseits lobenswert, dass Herr Wieler die Spender, Handwerker und Mitglieder des Stadthallenvereins mehrfach für ihre Leistungen gelobt hat. Andererseits bin ich immer noch ratlos, warum letztens der Streit um die Leitungsverlegung im Stadthallen-Garten entbrannt ist. Wenn die Fachleute der Stadtwerke, deren täglicher Job solche Dinge sind und die sich wohl darin bestens auskennen, ihr Plazet geben, müsste doch alles in Ordnung sein! Wenn allerdings der Sprecher Herr Stibenz das nur „das eine Paar Schuhe“ nennt, frage ich mich mit etlichen Mitbürgern, was das heißen soll: Gibt es da außer den fachlichen Maßstäben auch noch außerfachliche, die wegen Zentimeterabständen bei Leitungsverläufen Abnahmen verweigern lassen? Wenn ja, dann müssten sie ja eigentlich den Fachleuten der Stadtwerke bekannt gewesen sein, so dass sie sie auch hätten berücksichtigen können? Oder sind sie geheime göttliche Eingebungen, die nur auserwählten Personen offenbart worden sind? Dann dürften sie wohl kaum justiziabel sein. Irritiert hat mich auch, dass da nebulöse Anwürfe, der Stadthallenverein habe „auch andere Festlegungen der Stadt gebrochen“, alles andere als Transparenz schaffen. Oder soll diese Andeutung, zusammen mit dem Hinweis, man werde „in der Zukunft… stärker kontrollieren“, einschüchtern? – So aber animiert man kein bürgerschaftliches Engagement! Oder ist das sogar unerwünscht, es sei denn (siehe Helenenbad) ein Freund sei involviert?

 

Manfred Otterpohl, 02826 Görlitz

 

 

18.08.2016

 

Neue Pfeiler für die Stadthalle

Die Halle war die längste Zeit einsturzgefährdet. Jetzt geht es auch an die Seitendächer.

 

Einer der zwei bereits fertig sanierten Strebepfeiler der Stadthalle nach dem Fallen des Gerüstes. Die Ziegelwand wird noch verputzt.

 

Die Sanierung der ersten beiden Strebepfeiler der Stadthalle ist abgeschlossen. Gestern fielen die Gerüste. Dahinter kamen die historischen Sandsteinteile zum Vorschein. Sie waren zuvor abgenommen und gesichert worden, ehe die Pfeiler saniert wurden. Nun wurden sie wieder der eigentlichen Tragekonstruktion vorgeblendet. Die Sanierung der Strebepfeiler wurde nötig, nachdem bei einer Untersuchung deren besorgniserregender Zustand bekannt geworden war. Da über die vier Pfeiler die Kräfte der Längsseiten der Stadthalle abgeleitet werden, gab es sogar Befürchtungen, die Halle sei einsturzgefährdet.

 

Daraufhin hatte die Stadt verschiedene Varianten untersucht, sich schließlich dafür entschieden, die Pfeiler gleichzeitig zu erneuern. Eine an allen vier Pfeilern angebrachte Stahlkonstruktion übernahm in der Bauzeit deren Funktion. In der Zwischenzeit konnten die Pfeiler bis in die Höhe des ersten Rangs abgerissen und durch eine Stahl-Beton-Konstruktion neu hochgezogen werden. Schließlich wurde der gesicherte Sandstein wieder befestigt. Nun stehen noch Putzarbeiten an. Die werden aber erst erledigt, wenn die alten Dächer über den Seitenfoyers durch eine Stahl-Beton-Decke ersetzt sind. Dafür ist nun ein Wetterschutzdach errichtet worden, damit es während der Bauzeit nicht einregnet. Während die Pfeiler zur Stadtparkseite erneuert sind, dauern die Arbeiten an den Pfeilern der Parkplatzseite noch an.

 

In einem weiteren Schritt soll eine neue Decke unter dem Großen Saal eingezogen werden, wofür das Parkett weichen muss. Außerdem ist die Erneuerung der Fenster im Großen Saal geplant. (SZ)

 

 

 

26.08.2016

 

Stadthallen-Strebepfeiler brauchen bis Oktober

Görlitz. Die Sanierung der Strebepfeiler der Stadthalle soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Darüber informierte Manuel Auster vom Sachgebiet Hochbau bei der Stadtverwaltung jetzt im Technischen Ausschuss. Die zwei Pfeiler auf der Westseite seien fertig, die beiden auf der Ostseite brauchen bis Ende Oktober. Das Ganze sei sehr aufwendig: Die Bauleute arbeiten in zehn Betonierabschnitten und bringen zudem immer wieder Sandsteinteile ein.

 

Parallel beginnt an der Westseite die Arbeit am Seitendach. „Der Abbruch dauert bis Ende September, danach kommt dort ein Massivdach drauf“, erklärte Auster. Das Gleiche ist anschließend auch auf der Ostseite geplant, wo das Seitendach bis Ende November fertig sein soll. Die Putzarbeiten hingegen werden wohl erst nächstes Jahr erledigt werden können. Dann stehen schon die nächsten Bauabschnitte an: „Wir wollen nächstes Jahr die Fenster und das Hauptdach schaffen.“ Nach Aussage von Baubürgermeister Michael Wieler liegen alle Arbeiten im Plan, es gebe keinen Verzug. „Und parallel sind wir für weitere Fördermittel mit dem Fördergeber im Gespräch“, erklärt der Bürgermeister. (ik)

 

 

 

29.08.2016

 

Zigtausende zog es zum Sommertheater

Die Vorstellungen im Görlitzer Stadthallengarten wurden in der Premierensaison gut angenommen. Nicht nur deswegen fällt die Bilanz des Theaters sehr positiv aus.

 

 

Görlitz/Zittau. Äußerst zufrieden zeigte sich die Leitung des Gerhart-Hauptmann-Theaters mit den Zuschauerzahlen der zurückliegenden Freilichtsaison.

In Görlitz wurde die erstmalige Bespielung des historischen Stadthallengartens mit über 4 500 Besuchern hervorragend angenommen. Möglich war das auch geworden, weil der Stadthallenverein vor Ort viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet hatte. Großen Anklang, so Theatersprecherin Sophie Brückner, fanden insbesondere die Inszenierungen „Aqua“ und „Die lustige Witwe“.

Auch wenn die Inszenierung „Die Legende des Priber“ auf der Waldbühne Jonsdorf unter dem ungünstigen Wetter und der späten Ferienzeit in angrenzenden Bundesländern litt – die Planzahlen wurden erreicht und trugen zu dem Gesamtergebnis von rund 24 000 Besuchern auf den Freilichtbühnen des Theaters in Jonsdorf, Görlitz und Zittau bei, erklärte die Theatersprecherin.

Immer ausverkauft waren die Vorstellungen der Kriminalkomödie „Die 39 Stufen“ im Klosterhof Zittau. Mehrere Zusatzvorstellungen wurden aufgrund der großen Nachfrage in den Spielplan aufgenommen. (szo/mp)

 

 

 

06.09.2016

 

Stadt behindert Dreharbeiten des MDR

Görlitz. Die Stadt hat gestern verhindert, dass der Vorsitzende des Stadthallen-Fördervereins, Thomas Leder, dem Mitteldeutschen Rundfunk ein Interview in der Stadthalle geben konnte. Der MDR drehte für eine Sendung, die im Oktober ausgestrahlt wird. Dabei soll auch die Stadthalle ein Thema sein. Aufgrund des regnerischen Wetters bat der MDR-Redakteur das Interview mit Leder in der Stadthalle zu führen, das wurde ihm vom anwesenden Sprecher der Stadtverwaltung Görlitz versagt. Auch Aufnahmen mit Leder in der Stadthalle wurden nicht zugelassen, die Stadt hat als Eigentümer aber auch das Recht dazu. Die Anweisung dazu käme „von ganz oben“, wie Leder mitteilte. Die Stadt handele in dieser Weise, weil „Leder sich in der Vergangenheit falsch geäußert hätte“, hieß es. Details der falschen Äußerungen wurden nicht genannt. So musste Thomas Leder, seit 25 Jahren Stadtrat in Görlitz, dem MDR schließlich vor der geschlossenen Stadthalle ein Interview geben – teilweise vom einsetzenden Regen unterbrochen. (SZ)

 

 

08.09.2016

Braucht die Oberlausitz eine Konzertarena?

Die Kemnitzer bekommen nicht alle Stars zum Oktoberfest in ihr Festzelt. Da liegt der Gedanke nach einem viel größeren Veranstaltungsort nahe. In Löbau und Görlitz sieht man das kritisch.

 

Von Steffen Gerhardt

An der A4 ist vielerorts noch Platz für eine Arena. Zudem wäre sie über die Autobahn für die Besucher schnell zu erreichen.

An der A 4 ist vielerorts noch Platz für eine Arena. Zudem wäre sie über die Autobahn für die Besucher schnell zu erreichen.

© Fotos: Rolf Ullmann/SZ-Archiv; Montage: SZ-Bildstelle

Was wäre, wenn Rammstein in der Oberlausitz spielen würde? Oder Andrea Berg oder Helene Fischer oder Silbermond? Dann sei als Erstes die Platzfrage zu klären: Wo können diese Künstler auftreten, die inzwischen nicht mehr nur mit dem Kleinbus unterwegs sind? Die Kemnitzer Oktoberfest-Macher sind überzeugt, dass für diese Gesangskünstler es an geeigneten Auftrittsorten in der Oberlausitz fehlt. Zwar hatten sie Helene Fischer schon zweimal zu Gast, aber zu einer Zeit, als die Sängerin noch keine Stadien füllte. Fährt sie oder Andrea Berg auf Tournee, eilt ihr ein Tross von gut 20 Lastzügen voraus. Ebenso gigantisch ist die Bühne, die für sie gebaut wird. Die Kemnitzer haben es selbst erfahren, wie Thomas Kneschke vom Förderverein Oberlausitzer Oktoberfest erzählt: „Wir wollten DJ Bobo zu uns holen, aber das ist daran gescheitert, dass unser Zelt zu klein für seinen Bühnenaufbau war.“ Trotzdem ist Kneschke überzeugt, dass für Künstler mit großen Shows auch in der Oberlausitz ein Platz geschaffen werden sollte, um sie hier zu haben.

 

Also eine Lausitz-Arena bauen? Ja, sagt Kneschke. „Wir wollen, dass die Leute hier arbeiten und leben. Dazu gehört auch ein ansprechendes Kulturangebot“, unterstreicht er. Wer große Shows sehen will, muss nach Dresden, Leipzig und Berlin fahren – oder nach Wroclaw (Breslau), wo Rammstein im neuen EM-Stadion auftrat. Dem Beispiel Wroclaw könnte die Lausitz folgen, denn dort steht das Stadion direkt an der Autobahn und ist schnell zu erreichen. Gleiches würde sich an der A 4 zwischen Bautzen und Görlitz anbieten.

 

Skepsis ist dagegen von Joachim Birnbaum zu hören. Der Geschäftsführer der Messepark Löbau Gesellschaft sagt: „Ich sehe keine Notwendigkeit für eine Arena oder ein Stadion für Konzerte in der Lausitz. Das ist preislich nicht zu stemmen“, argumentiert er. Mit preislich meint er nicht nur Bau- und Betriebskosten, sondern auch die Eintrittspreise: Wer kann es sich leisten, für 80 Euro ein Konzert zu besuchen? Aus seiner Sicht ist das Publikum gar nicht vorhanden, das ein Stadion, und seien es nur 10 000 Plätze, füllen würde. Dabei verweist er auf die Messehalle. Sie bietet maximal 4 000 Menschen Platz. Die Veranstaltungen haben im Durchschnitt zwischen 1 000 und 2 000 Besucher. Auf dieser Basis werden die Künstler verpflichtet. Die Amigos wollten über 1 000 Menschen sehen. Beim Zwingertrio steuert der Kartenvorverkauf auf die 2 000 zu. Die drei Herren treten am 27. September auf.

 

Auch wenn die ganz Großen in der Oberlausitz keinen Fuß auf die Bühnen setzen, so empfindet Joachim Birnbaum, dass dieser Landstrich keinesfalls kulturell unterrepräsentiert ist. „Wir haben viele kleinere Veranstaltungsorte, die ihre treue Fan-Gemeinde haben“, sagt er mit Blick nach Kemnitz. Für den Geschäftsführer ist das schon beachtlich, was dieser Verein für sein Oktoberfest heranorganisiert. Und: Roland Kaiser, Matthias Reim oder die Höhner zählen durchaus zu den Großen mit.

 

Natürlich zehrt die Löbauer Messehalle davon, dass es in Zittau, Görlitz und Bautzen keine ähnlich großen Veranstaltungshallen gibt. Hinzu kommt, dass sich auch die Sparkassen-Arena in Jonsdorf von Konzerten verabschiedet hat. Vorbei ist die Zeit, als Andrea Berg dort sang. Jetzt kommen nur noch die Eisläufer und Tobekinder auf ihre Kosten.

 

Aus Sicht der Stadt Görlitz ist eine Arena für die Oberlausitz ein unbegründetes Thema. Auch wenn die Stadthalle, die einst bis zu 2 000 Menschen Platz bot, nicht mehr für Veranstaltungen nutzbar ist, so steht Görlitz nicht mit leeren Händen da. Kulturbürgermeister Michael Wieler schaut zur Landskronbrauerei, die sich als Kulturbrauerei etabliert hat, und nach Zgorzelec. Dort steht die neue Turow-Mehrzweckhalle, die rund 3 000 Personen aufnehmen kann. Schließlich sei man mit Zgorzelec Europastadt. Einen dauerhaften Betrieb einer Arena auf der grünen Wiese kann sich Michael Wieler nicht vorstellen. Hinzu kommt, dass „ich keinen Sportverein sehe, der ein Stadion mit 10 000 oder mehr Sitzplätzen braucht“. Und für einmalige Veranstaltungen, wie Konzerte, findet sich unter freiem Himmel immer ein Platz – nicht nur in der Landskronbrauerei.

 

Der Bürgermeister nennt zudem das unternehmerische Risiko, das Veranstalter und Agenturen eingehen, wenn sie teure Künstler in die Oberlausitz holen – und das Publikum fehlt. Dieses Risiko gehen die Kemnitzer jedes Jahr ein, wenn sie die Stars fürs Oktoberfest verpflichten. „Mit einem Matze Reim allein ist so ein Fest nicht mehr zu stemmen“, sagt Thomas Kneschke. Das Publikum will mehr.

 

 

09.09.2016

 

Stadthallenorgel erklingt am Sonntag

Die Sauer-Orgel in der Görlitzer Stadthalle erklingt am Denkmalstag, der zugleich Deutscher Orgeltag ist.

Am Sonntag findet nicht nur der Tag des offenen Denkmals, sondern auch der 6. Deutsche Orgeltag statt. Überall in Deutschland sollen an diesem Tag Orgeln zu hören, zu sehen und zu besichtigen sein. Deutschland hat im März 2016 die Nominierung „Orgelbau und -musik“ für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit bei der UNESCO beantragt. Görlitz besitzt eine reiche Orgellandschaft und mit der Konzertorgel von Wilhelm Sauer eine weltweit einmalige Kostbarkeit. Am Sonntag werden Görlitzer Organisten sie vor ihrer „Einhausung“ im Großen Saal der Stadthalle zum Klingen bringen. Die Besucher können erleben wie von den Deckenplatten die Schallwellen „hernieder schweben“. Der Görlitzer Shanty- und der Bäcker- und Fleischerchor, das Bläserquintett der Musikschule und Solisten werden spielen. Verein und Stadt haben ein Sicherheitskonzept erarbeitet, auf dessen Basis nicht nur 40, sondern 100 Besucher von den Ordnern begleitet gleichzeitig in den Großen Saal können. Im Foyer ist die Ausstellung „Die Stadthalle im Spiegel der Zeit(en)“ von 2015 (Plakate) zu sehen, die im vergangenen Jahr im Dom Kultury zu erleben war.

Hans-Peter Bauer wird am Stand den dritten Band seines Buches „Das Heilige Bijout“ signieren. (SZ)

 

 

Stadthalle dient der ganzen Stadt

Für den Förderverein ist klar, die Halle kurbelt auch die Wirtschaft an. Ein Anbau ist dafür nicht nötig.

 

Von Thomas Leder

Thomas Leder ist Vorsitzender des Fördervereins Görlitzer Stadthalle und sitzt seit 25 Jahren für die CDU im Görlitzer Stadtrat.

 

Wie wichtig ist es, dass der Große Saal der Stadthalle saniert wird?

 

Der Große Saal, der baulich direkt mit der Sauerorgel verbunden ist, ist das Herzstück der Halle. Die Sauerorgel besitzt die Alleinstellungsmerkmale als Teil des Weltkulturerbes. Sie ist im laufenden Aufnahmeantrag Deutschlands für die Orgellandschaft eingeschlossen. Ziel des Vereins ist es, dass die Stadthalle wieder zum Stammhaus der Neuen Lausitzer Philharmonie wird, besonders wegen ihrer einzigartigen Akustik. Die Europastadt verfügt über sonst keinen Veranstaltungsort mit der Kapazität und den Qualitäten der Stadthalle, obwohl Bedarf dafür auf beiden Seiten (Bürgermeister Gronicz) vorhanden ist. Zudem fehlt die Stadthalle für die großen feierlichen Anlässe, die einen würdigen Rahmen verdienen. Viele Veranstaltungen brauchen den Großen Saal, um überhaupt durchgeführt werden zu können. Dazu gehören Konzerte nationaler und internationaler Künstler, Bälle und Kongresse unterschiedlicher Art. Um dieses zu erleben, müssen die Görlitzer in andere Städte fahren.

 

Reicht es, die Stadthalle in ihrer ursprünglichen Form zu sanieren?

 

Einen Anbau an der Stadthalle befürworten wir nicht. Sicher ist es erforderlich, die Nutzung der vorhandenen Räume im Erdgeschoss anzupassen. Wir stellen uns zum Beispiel vor, dass man die ehemalige Hausmeisterwohnung als Meridian-Center nutzen könnte. Wir sehen die Stadthalle als europäisches Kultur- und Begegnungszentrum in der „Neuen Mitte“ der Europastadt. Dieses sollte das Dom Kultury, den Campus mit der Hochschule, das Parkhotel bis hin zum Jakob- Böhme-Denkmal umfassen. Ein Anbau, so wünschenswert er für Kongresse wäre, verursacht deutlich mehr Betriebskosten. Diese klein zu halten, sollte bei der Sanierung im Vordergrund stehen. Wenn die Einmaligkeit der Akustik des großen Saales professionell in Szene gesetzt wird, können Veranstaltungen, die es in der Region mangels eines solch hochwertigen Saales nicht geben kann, die Auslastung mitbestimmen.

 

Welche wirtschaftlichen Effekte sind mit der offenen Stadthalle verbunden?

 

Der Förderverein strebt eine enge Zusammenarbeit mit der Stadthallenstiftung an. In der Satzung der Stiftung ist neben dem Erhalt des Denkmals auch die Förderung der Kultur enthalten. So könnten auch unrentable Veranstaltungen unterstützt werden. Nach elf Jahren Schließung strebt der Verein das gemeinsames Projekt „Kulturbrücke Görlitz Zgorzelec“ an. Die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Görlitz, dem Theater, der Neuen Lausitzer Philharmonie, dem Landkreis, der Hochschule, mit Zgorzelec und dem Dom Kultury sowie dem Tourismusverein könnte zum Nutzen für alle Einrichtungen werden. Mit dem Betrieb der Stadthalle kann die Verweildauer von Touristen verlängert werden. Im Winter können durch Konzertreihen, Festivals und andere Projekte zielgerichtet Touristen geworben werden.

 

Durch die Stadthalle wird somit Geld in den örtlichen Wirtschaftskreislauf gegeben. In der letzten Studie sind zusätzliche Steuereinahmen für die Stadt in Höhe von rund 86 300 Euro (ohne Steueraufkommen des Betreibers) und 65 Arbeitsplätze aufgeführt. Hauptsächlich im Dienstleistungsbereich werden Arbeitsplätze entstehen. Es ist ein realer Kaufkraftzufluss in Höhe von insgesamt rund 2,75 Millionen Euro pro Jahr prognostiziert. Auch wenn bei Prognosen real immer Abweichungen auftreten, ist die Umwegrentabilität als Wirtschaftsfaktor insgesamt finanziell gewinnbringend. Wenn man Synergien, wie die Betreuung der Technik mit dem Theater oder Werbung mit dem Kulturservice und der Europastadt Görlitz/Zgorzelec – beides städtische Unternehmen – koppelt, können die Betriebskostenzuschüsse merklich gedrückt werden.

 

Sanierung Schritt für Schritt

Für die Bündnisgrünen hat die Stadthalle nur mit einem funktionierenden Großen Saal Sinn.

 

Von Prof. Dr. Joachim Schulze

Professor Joachim Schulze ist Stadtrat für die Bündnisgrünen und Professor an der Hochschule Zittau/Görlitz. 2012 warb er im Stadtrat als Redner der damaligen Fraktion Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne für die Sanierung der Stadthalle.

Professor Joachim Schulze ist Stadtrat für die Bündnisgrünen und Professor an der Hochschule Zittau/Görlitz. 2012 warb er im Stadtrat als Redner der damaligen Fraktion Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne für die Sanierung der Stadthalle.

Die Belebung des Bau- und Kulturdenkmals Stadthalle ist seit vielen Jahren ein wichtiges Ziel der bündnisgrünen Kulturpolitik in Görlitz. In verschiedenen Debattenbeiträgen habe ich mich persönlich immer für die Stadthalle ausgesprochen. Die Sanierung wird schrittweise stattfinden müssen im Einklang mit Fördergeldern, die zusätzlich zu Eigenanteilen eingeworben werden können. Unsere Stadt hat mit dieser Vorgehensweise – siehe ehemalige Synagoge – gute Erfahrungen gesammelt.

 

Der hohe Aufwand ist nur vertretbar, wenn der Große Saal genutzt werden kann. Nicht nur als „Gehäuse“ für die anfangs der 1990er Jahre mit Millionenaufwand sanierte Sauer-Orgel, sondern als Begegnungs- und Kulturstätte für Ereignisse auch von überlokaler Bedeutung.

 

Was das Profil und wirtschaftliche Fragen (auch Umwegrentabilitäten) angeht, so ist die wohl aktuellste Ausarbeitung das von der Tetolia GmbH beauftragte Nutzungs- und Betriebskonzept der Bevenue GmbH vom März 2015. Eine Auseinandersetzung damit fand im politischen Raum bislang meines Wissens leider nicht statt. Ich hatte dem Stadtrat im September 2015 eine kritische und vergleichende Bestandsaufnahme der bisherigen Optionen und Studien vorgeschlagen und erneuere dies jetzt.

 

Das Tetolia/Bevenue-Konzept empfiehlt unter anderem. eine Profilierung im „lukrativen Segment der Wirtschafts- und Wissenschaftsveranstaltungen“, wobei Görlitz seine verkehrliche Lageungunst durch attraktive Rahmung (Stadtbild, See) mit „Paketangeboten“ kompensieren sollte. Ich zitiere aus dem Konzept: „Dabei gilt, dass Veranstaltungshäuser, wie eine sanierte Stadthalle Görlitz räumlich und technisch so ausgestaltet sein sollten, dass sie eine möglichst große Bandbreite von Veranstaltungen durchführen und aufnehmen können. (…) Hohe Flexibilität, personalsparende Ausstattung und gut dimensionierte Infrastruktur sind unerlässliche Voraussetzungen für eine gelungene Positionierung am Markt, sie stellen einen wichtigen Aspekt der wirtschaftlichen Effizienz der Betreibung dar.“

 

Insgesamt ergäbe sich folgendes Profil: Kulturveranstaltungen (Hoch-/Unterhaltungskultur): rund 39 Prozent; Gesellschaftsveranstaltungen (beispielsweise Bankette, Bälle): rund 23 Prozent, Wirtschafts-/Wissenschaftsveranstaltungen (zum Beispiel Firmenevents, Konferenzen): etwa 31 Prozent, Messen/Ausstellungen: rund 8 Prozent.

 

Ergänzungsbau ist nötig

 

Es wird dafür eine bauliche Ergänzung auf dem Gelände der Stadthalle (Richtung Mercure ?) erforderlich sein. Die vor einiger Zeit angebotene Lösung (Anbau an der Ostseite) überzeugte mich gestalterisch nicht. Die wetterfeste und denkmalgerechte Verbindung zwischen Halle und ergänzendem Tagungsteil, (ein Joint Venture vorausgesetzt auch zum Hotel) sollte möglich sein.

 

Die jährlichen Defizite in vergleichbaren Stadthallen /Städten liegen laut Tetolia zwischen 300 000 und einer knappen Million Euro. Für Görlitz rechnet die Studie in ihrem Businessplan je nach Variante mit 470 000 bis 560 000 Euro Zuschussbedarf – realistisch betrachtet wohl seitens des städtischen Haushaltes.

 

Wirtschaftlich betrachtet (Umwegrentabilitäten) geht die Studie bei Stadthallenbetrieb von folgenden jährlichen Effekten aus: Kaufkraftzufluss 2,7 Millionen Euro, veranstaltungsbedingtes Steueraufkommen 86 000 Euro, 65 Arbeitsplätze werden stadtweit gesichert. Diese Angaben sollten natürlich durch eine kultur- und betriebswirtschaftliche Zweitmeinung geprüft werden. Mit geeigneten Verfahren (auch mittels Bürgerbeteiligung!) werden wir nicht nur über das Profil der Stadthalle sprechen müssen. Ebenso über eine Dauersubventionierung. Ist uns eine Stadthalle jährlich 10 Euro je Einwohner wert? Müssen wir die Einnahmesituation der Stadt verbessern, beispielsweise durch eine Tourismusabgabe?

 

Die Bezuschussung der Stadthalle darf aber nicht zur Gefährdung anderer kultureller und sozialer Einrichtungen zum Beispiel Museen, Theater, Werk Eins, Familienbüro führen. Denn damit wäre nichts gewonnen.

 

 

Eine Sanierung in Schritten bringt gar nichts

Der Direktor des Parkhotels verweist auf das Konzept von Albert Speer. Es sei immer noch das beste.

 

Von Andreas Kremp

Andreas Kremp ist Direktor des Görlitzer Parkhotels. Vor rund zehn Jahren entwickelte er zusammen mit einem Konsortium ein Konzept zur Sanierung der Stadthalle Görlitz, das der Stadtrat verwarf. Darauf verweist er auch in seinem Beitrag. Der Miteigentümer des Parkhotels, Dr. Hans Frey, hat über die Tetolia GmbH das jüngste Gutachten zum Betrieb der Stadthalle vorgelegt, auf das der bündnisgrüne Stadtrat Joachim Schulze in seinem oben abgedruckten Beitrag eingeht.

Andreas Kremp ist Direktor des Görlitzer Parkhotels. Vor rund zehn Jahren entwickelte er zusammen mit einem Konsortium ein Konzept zur Sanierung der Stadthalle Görlitz, das der Stadtrat verwarf. Darauf verweist er auch in seinem Beitrag. Der Miteigentümer des Parkhotels, Dr. Hans Frey, hat über die Tetolia GmbH das jüngste Gutachten zum Betrieb der Stadthalle vorgelegt, auf das der bündnisgrüne Stadtrat Joachim Schulze in seinem oben abgedruckten Beitrag eingeht.

Die Stadthalle muss vollumfänglich und in einem Stück saniert werden. Entsprechende substanzielle Unterlagen inklusive einer Betreiberstudie liegen seit 2006 der Stadt Görlitz vor. Das Büro Albert Speer und Partner, die HSG Zander und das Parkhotel Görlitz, haben diese Unterlagen auf eigene Kosten seinerzeit entwickelt, der Stadt Görlitz vorgestellt und überlassen. Eine Teilsanierung versetzt die Stadthalle nicht in die Lage, überregional und international vermarktet werden zu können. Ein zusätzlich vollständig sanierter Stadthallengarten und die Schaffung von Parkplätzen in ausreichender Anzahl oberirdisch oder unterirdisch, sind zwingend. Jegliche Anbauten nehmen der Stadthalle ihre Seele und sind für eine wirtschaftliche Betreibung vollkommen überflüssig. Eine nur im Sommer bespielbare Stadthalle, in Ermangelung einer funktionierenden Heizung, mag den regionalen Markt erfreuen, vermarktbar ist diese Variante nicht. Die Stadthalle muss mit ihrer multifunktionalen Ausrichtung Kaufkraft in die Stadt holen, andernfalls ist die Verwendung von Steuergeldern auch nicht zu verantworten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich diese Spielstätte am Niveau und der Gegenwart ihrer Mitbewerber in anderen Regionen messen lassen. Dies betrifft die gesamte Neuordnung der internen und externen Logistik sowie hochmoderne Veranstaltungstechnik. Veranstalter mit Anfragen jeglicher Art kommen nicht nach Görlitz, weil Görlitz so schön ist. Sie kommen ausschließlich nur dann, wenn die Veranstaltungshalle in sämtlichen Belangen, den Anspruch an Professionalität erfüllt.

 

 

Enthusiasmus der Bürger nutzen

Der Aktionskreis spricht sich für eine behutsame Entwicklung aus.

 

Von Prof. Dr. Robert B. Heimann

Professor Robert Heimann ist Vorstandsmitglied des Aktionskreises und äußert sich hier im Namen des gesamten Vorstandes. Heimann ist gebürtiger Görlitzer, verbrachte sein Berufsleben als Mineraloge an Universitäten in Kanada, China und in Freiberg. Jetzt lebt er wieder in Görlitz.

Professor Robert Heimann ist Vorstandsmitglied des Aktionskreises und äußert sich hier im Namen des gesamten Vorstandes. Heimann ist gebürtiger Görlitzer, verbrachte sein Berufsleben als Mineraloge an Universitäten in Kanada, China und in Freiberg. Jetzt lebt er wieder in Görlitz.

Die Stadthalle ist für uns als Aktionskreis für Görlitz ein einzigartiges architektonisches Kleinod. Sie ist eng mit der Geschichte der Stadt und dem Selbstverständnis und bürgerschaftlichem Engagement ihrer Bewohnerinnen und Bewohner verknüpft.

 

Ihre Sanierung und Modernisierung wird den Kulturtourismus, eine wichtige Säule der ökonomischen Basis der Stadt, stärken und einen Ort schaffen, an dem erneut Konzerte, begleitet von der einmaligen Sauer-Orgel, Ausstellungen, nationale und internationale Kongresse, Bälle und Sportveranstaltungen stattfinden werden.

 

Wir freuen uns über die inzwischen akquirierten Finanzmittel, die eine Sicherung und behutsame Entwicklung der Stadthalle erlauben. Gleichzeitig freuen wir uns über den Enthusiasmus, den viele Bürgerinnen und Bürger in den Prozess einbringen. Als Aktionskreis für Görlitz begleiten wir die Revitalisierung der Stadthalle mit Sympathie, soweit sich diese Aktivitäten im Rahmen der Grundsätze wirtschaftlicher Vernunft bewegen.

 

 

Was will die Stadt?

Der Brauereichef sieht eine Chance mit Polen. Aber nur, wenn die Görlitzer Politik sich zur Stadthalle bekennt.

 

Von Manfred ten Bosch

Manfred ten Bosch ist Geschäftsführer der Landskron Brauerei Görlitz mit der Kulturbrauerei.

Wenn man beginnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, fehlt es meiner Meinung nach an einer klar dokumentierten Positionierung, insbesondere der politisch Verantwortlichen in dieser Stadt. Ein eindeutiges und klares Bekenntnis insbesondere in der Öffentlichkeit zur Stadthalle wäre hier schon mal ein wünschenswerter Anfang. Als relativ „neuer Görlitzer“ fände ich es persönlich völlig unverständlich, wenn für ein Kulturdenkmal, wie der Görlitzer Stadthalle, keine andere Möglichkeit gefunden würde, als die Abrissbirne. Besonders die Entstehungsgeschichte und die schlesische Vergangenheit der Halle, könnte als vorzügliche Plattform gemeinsamer europäischer Interessen von Polen und Deutschen genutzt werden! Insbesondere an diesem Standort, sollte man die nachbarschaftlichen Interessen von Polen und Deutschen in den Mittelpunkt stellen, um in Zeiten eines scheinbar auseinander driftenden Europas wieder Gemeinsamkeiten zu entdecken und umzusetzen. Wenn so aus einer Stadthalle eine deutsch-polnische Freundschaftshalle würde, könnte man möglicherweise unter Inanspruchnahme europäischer Fördertöpfe das Projekt viel leichter verwirklichen.

 

Auf diese Art und Weise ließe sich nicht nur das Kulturdenkmal Stadthalle erhalten und von einem Status der „Sicherung“ in das Stadium einer angemessenen Nutzung überführen, sondern auch ein starkes Signal der Gemeinsamkeit von Görlitz und Zgorzelec dokumentieren. Es sollte daher auch unbedingt daran gearbeitet werden, dass es zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der Stadt, dem Förderverein und den Bewohnern dieser Stadt, sowohl im Westteil, als auch im polnischen Teil kommt. Ein eindeutiges Bekenntnis aller zur Stadthalle, ist grundsätzlich die Voraussetzung zum wünschenswerten Erhalt. Selbstverständlich sind bei der Umsetzung wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu beachten, damit die Verwirklichung des Projektes nicht zu einem haushaltspolitischen Abenteuer wird. Ich jedenfalls habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass man über die „Papst Johannes Paul ll.“- Brücke zur „Polnisch-Deutschen-Freundschaftshalle“ fährt. Das ist aus meiner Sicht ein gutes Fundament für ein gutes Verständnis zwischen Polen und Deutschen.

 

Die Stadt muss sagen, wie die Halle betrieben wird

Für den Volksbank-Chef verbinden sich positive Impulse mit der Halle, wenn ein gutes Konzept vorliegt.

 

Von Sven Fiedler

Sven Fiedler ist Vorstandsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien, der einzigen Bank im Landkreis mit dem Sitz in Görlitz.

Sven Fiedler ist Vorstandsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien, der einzigen Bank im Landkreis mit dem Sitz in Görlitz.

Die Sanierung der Stadthalle ist ein für viele Einwohner sehr emotionales Thema. Viele positive Erinnerungen werden mit dem Gebäude verbunden und damit auch entsprechende Hoffnungen. Als regionale Bank führen wir viele unterschiedliche Veranstaltungen im Landkreis, vorwiegend in Görlitz durch. Für kleinere Veranstaltungen haben wir sehr viele hervorragende Möglichkeiten unsere Kunden und Mitglieder zu begeistern. Etwas schwieriger wird es schon, wenn wir deutlich über 200 Kunden einladen. Dafür kommt beispielsweise der Saal der Landskron Kulturbrauerei, das Theater oder eine Kirche infrage. Unsere Mitgliederabende mit 400 bis 500 Teilnehmern führten wir bisher in der Kulturbrauerei durch.

 

Unser traditionelles Weihnachtskonzert für rund 800 bis 1 000 Mitglieder haben wir sowohl in der Kreuzkirche als auch in den vergangenen Jahren in der St. Peter und Paul Kirche erfolgreich organisieren können und eine sehr gute Resonanz erhalten. Eine etwas größere Herausforderung besteht, wenn größere Veranstaltungen anstehen. Dafür haben wir in Görlitz aktuell keine geeignete Möglichkeit. Den Bedarf sehen wir aktuell jedoch auch nicht stark ausgeprägt. Wir selbst planen lieber mehrere „kleinere“ Veranstaltungen, statt ein Großevent. Mit unseren Kunden ins Gespräch zu kommen, fällt uns dann leichter.

 

Wir würden aber viele positive Impulse bei einer geplanten Sanierung der Stadthalle erwarten. Neben der Beauftragung von hoffentlich regionalen Unternehmen für die Planung und Durchführung der Bauarbeiten können auch bei der Betreibung der Stadthalle neue Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung entstehen. Dies stärkt unsere bereits heute attraktive Stadt. Die Höhe der Baukosten kann sicherlich durch gute Finanzierungsmodelle und die starke Einbindung von Fördermitteln auf ein tragbares Niveau reguliert werden, welche auch in Zukunft darstellbar sind.

 

Die Frage der Betreibung und die dafür notwendigen jährlichen Kosten wiegen unserer Einschätzung nach schwerer und müssen deshalb besonders sorgfältig überdacht werden. Eine intelligente und vor allem wirtschaftliche Bauplanung und Konzeption der Betreibung kann diese Kosten der Zukunft abfedern – auch wenn dafür vielleicht Kompromisse notwendig werden. Ebenso verhält es sich bei den jährlich notwendigen Instandhaltungskosten. Getreu dem Slogan „Eigentum verpflichtet“ sollte jeder Besitzer einer Immobilie als groben Orientierungswert mindestens ein Prozent der gesamten Baukosten als jährliche Instandhaltungskosten ansparen. Egal, ob es das private Einfamilienhaus oder ein Großprojekt ist.

 

Erfolgt dies nicht, fehlen bei notwendigen Erhaltungsmaßnahmen die erforderlichen finanziellen Mittel, und es kommt – wie im Fall der Stadthalle – zu einer Schließung, und die Immobilie wird dem Verfall preisgegeben. Sparen ist zwar nicht bei allen populär, jedoch unserer Einschätzung nach unumgänglich, um unserer Verantwortung in der Gegenwart und vielmehr in der Zukunft gerecht zu werden.

 

Einen weiteren Aspekt sehen wir als regionale Bank natürlich auch im Blick auf freie Anbieter. Im Durchschnitt sollen laut der Projektstudie der Stadthalle die Veranstaltungen zwischen 166 und 402 Besucher erfassen. Echte Großveranstaltungen werden nach dieser Analyse die Ausnahme bleiben. Die mögliche Schnittmenge bei dieser Planung zu anderen regionalen Veranstaltungsmöglichkeiten ist nicht unerheblich. Wenn durch die Nutzung von öffentlichen Geldern der wirtschaftliche Druck auf andere Anbieter zunimmt, kann eine negative Spirale einsetzen. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn Veranstaltungen nicht mehr in den bisherigen Lokalitäten durchgeführt werden, sondern in einer subventionierten neuen Stadthalle. Durch geringe Erträge der bisherigen Unternehmen, die sich im Wettbewerb befinden, gehen Erträge verloren und Steuereinnahmen zurück, die sich dann direkt auf die Stadtfinanzen auswirken werden.

 

Die uns bekannten Studien konnten uns bisher noch nicht überzeugen, dass es ein gutes, schlüssiges und wirtschaftlich akzeptables Gesamtprojekt für die Stadthalle gibt. Jedem Eigentümer einer Immobilie raten wir als Bank, sich im Vorfeld genau über die Kosten und zu erwartenden Auswirkungen Gedanken zu machen. Dabei darf auch die individuelle Leistungsfähigkeit des Eigentümers eine Rolle spielen.

 

 

 

12.09.2016

 

Ein letztes Mal auf dem alten Parkett: Erneut nutzten Hunderte den Denkmaltag, um in die Stadthalle zu kommen, wo bald der Fußboden des Großen Saales herausgerissen wird. Die Besucher wurden immer wieder aufgefordert, ihren Rundgang möglichst schnell zu beenden, damit die nächsten hinein können. Der Andrang zeigt, wie sehr das Thema Stadthalle die Görlitzer bewegt. Die „Bürger für Görlitz“ erklären es zu einem ihrer Schwerpunkte. Foto: J. T

 

 

 

Bei der Stadthalle gibt’s „keine offenen Fragen“

Die Bürger für Görlitz stellen die Schwerpunkte ihrer Politik vor.

 

Von Daniela Pfeiffer

Ein letztes Mal auf dem alten Parkett: Erneut nutzten Hunderte den Denkmaltag, um in die Stadthalle zu kommen, wo bald der Fußboden des Großen Saales herausgerissen wird. Die Besucher wurden immer wieder aufgefordert, ihren Rundgang möglichst schnell zu beenden, damit die nächsten hinein können. Der Andrang zeigt, wie sehr das Thema Stadthalle die Görlitzer bewegt. Die „Bürger für Görlitz“ erklären es zu einem ihrer Schwerpunkte.

Ein letztes Mal auf dem alten Parkett: Erneut nutzten Hunderte den Denkmaltag, um in die Stadthalle zu kommen, wo bald der Fußboden des Großen Saales herausgerissen wird. Die Besucher wurden immer wieder aufgefordert, ihren Rundgang möglichst schnell zu beenden, damit die nächsten hinein können. Der Andrang zeigt, wie sehr das Thema Stadthalle die Görlitzer bewegt. Die „Bürger für Görlitz“ erklären es zu einem ihrer Schwerpunkte.

© Jens Trenkler

Bürger für Bürger. Das ist es, was die Bürger für Görlitz (BfG) sein wollen. Nach ihrer jüngsten Wahlveranstaltung und der Neuformierung des Vorstandes hat sich die Wählervereinigung, die über 100 Mitglieder hat, mehr Transparenz auf die Fahnen geschrieben. Ihre Themen sind auf der neuen Webseite ausführlich dargelegt und können direkt mit den BfG diskutiert werden. Bei Bürgerbesuchen will man außerdem mit interessierten Görlitzern ins Gespräch kommen – egal ob Vereine, Verbände oder Privatpersonen. Laut Michael Wieler, dem Görlitzer Bürgermeister und zeitgleich Vorsitzenden der Bürger für Görlitz, setzt sich die Wählervereinigung aktuell diese Schwerpunkte:

 

Stadthalle: Besonnene Entwicklung

 

statt schnelle Sanierung

 

„Wir sind keine Gegner der Sanierung“, ist Wieler wichtig zu betonen. Vielmehr plädiert er für eine „besonnene Entwicklung“. Alles sei eben von Fördermitteln abhängig, die Stadt habe es nicht selbst in der Hand. Die Annahme, eine gemeinsame Entwicklung als deutsch-polnisches Projekt erhöhe die Chancen auf europäische Fördermittel, hält die Wählergemeinschaft für falsch. Trotzdem: Man sei nicht schlecht dran mit Fördermitteln. „Eine Fertigstellung bis 2021? Vielleicht gelingt das sogar, aber wir würden es nicht behaupten“, sagt Wieler. 2021 ist das avisierte Ziel des Stadthallen-Fördervereins. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer spricht sich für eine schnelle Sanierung aus – ohne den Anbau für Kongresse, von dem lange Zeit die Rede war und von dem nicht klar ist, ob er kommt oder nicht. Michael Wieler spricht nicht davon. Er sieht bei der Stadthalle aber auch „keine Fragen offen“, auch nicht zum Betreiberkonzept: Tanzveranstaltungen, Konzerte, Tagungen, gesellschaftliche Ereignisse, das sei doch kein Rätsel. Betreiber: entweder ein privater oder die Stadt in Form einer städtischen Gesellschaft.

 

Schulen: Mehr Mitspracherecht

 

auch beim Thema Lehrermangel

 

Dass die Stadt keinerlei Mitbestimmung bei der personellen Ausstattung der Schulen haben soll und alles über die Bildungsagentur – also letztlich durch den Freistaat – diktiert wird, ärgert die Bürger für Görlitz. „Es kann nicht sein, dass man uns als Stadt sagt: Ihr seid nicht zuständig“, sagt Michael Wieler. Die BfG seien nicht bereit, diesen Zustand hinzunehmen und wollen, dass der Oberbürgermeister die Forderungen nach mehr Mitspracherecht gegenüber dem Freistaat mit Nachdruck vertritt. Für alles bauliche, also auch die Unterbringung der Schüler, ist die Stadt – in Person ihres Bürgermeisters Michael Wieler – hingegen selbst verantwortlich und kämpft hier zurzeit mit Kapazitätsproblemen. Aufgrund der nicht zuletzt durch die Flüchtlinge gestiegenen Schülerzahlen mussten etwa in der Oberschule Rauschwalde zum Schuljahresbeginn zusätzliche Klassenräume in Containern eingerichtet.

 

Migration: Entwicklung der Stadt

 

durch Zuwanderung voranbringen

 

Nach der großen Abwanderung in den 1990er Jahren brauche die Stadt Zuwanderung. Den Bürgern für Görlitz ist es aber wichtig, zwei Dinge klar zu trennen: die Zuwanderung, die etwa führende deutsche Institute als notwendig erachten für die nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft. Hier geht man bundesweit von etwa 400 000 bis 800 000 Einwanderern pro Jahr aus. Das Zweite sind die Flüchtlingswellen von 2015. „Das ist keine zielgerichtete Zuwanderung“, sagt Michael Wieler. Im Moment sei vor allem eines wichtig: Besonnen über das Thema zu sprechen, was in der immer noch aufgeheizten Situation einigermaßen schwer sei.

 

 

13.09.2016

 

Der letzte Tanz

Paare des Tanzclubs Grün Gold nehmen vom alten Parkett der Stadthalle Abschied. Und hoffen auf den ersten Tanz nach der Wiedereröffnung.

Von Sebastian Beutler

 

Olaf und Beate Schmidt (vorn) sowie Juliane Wittig und Ronny Jeschke (links) waren zwei der Paare, die gestern einen letzten Tanz auf das Parkett der Görlitzer Stadthalle legten. Foto: Nikolai Schmidt

Juliane Wittig und Ronny Jeschke legen gleich mal mit einem Quickstepp los. Erst am Wochenende ist das Paar vom Görlitzer Tanzclubs Grün Gold Dritter bei den Landesmeisterschaften in ihrer Altersklasse geworden. Ihr furioser Auftakt ist ziemlich mutig, denn das Parkett in der Görlitzer Stadthalle ist an diesem Montagmorgen sehr glatt. Der Staub des Leerstands liegt auf der Tanzfläche, die 3 200 Besucher am Wochenende zum Denkmaltag trugen das Ihre dazu bei. Gift sei das für Tänzer, sagt Ingrid Zerbe, die ebenso zu dieser frühen Stunde in die Stadthalle gekommen ist. Zusammen mit ihrem Mann Detlef Zerbe bildet sie das erfolgreichste Tanzpaar der Stadt. Siebenmal gewannen sie in der DDR die nationalen Meisterschaften im Turniertanz. Den fünften Titel sicherten sich die beiden sogar vor heimischem Publikum in der Stadthalle. Das war 1983. Und die Zerbes haben an diesem Tag auch ein Fotoalbum mit, in dem die Siegerurkunde, das Siegerfoto und weitere Bilder von dem Turnier damals zu finden sind. Es sind Erinnerungen an die große Görlitzer Tanzkultur. Dazu zählte eben nicht nur das sportliche Geschehen, sondern auch der Zuspruch der Görlitzer. „Die Plätze an den Tischen waren schnell verkauft“, erinnert sich Ingrid Zerbe. „Da blieb keiner frei.“ Die Erinnerung schmerzt das Paar im Anblick der heutigen Stadthalle, in der sie nun ihren letzten Wiener Walzer auf das alte Parkett legen. Im nächsten Moment lassen sie sich aber von dem trotzigen Ausruf von Raphael Schmidt mitreißen, der mit Claudia Starke einen langsamen Walzer tanzt. Er hält fünf Jahre Zeit bis 2021 für die Sanierung der Stadthalle für ausreichend und sagt in Anlehnung an die Worte von Kanzlerin Angela Merkel: „Wir schaffen das – und das ist alternativlos.“ Der erste Tanz soll zur Eröffnung der Stadthalle den Zerbes gehören. Juliane Wittig und Ronny Jeschke sind die jüngsten unter den Paaren, die an diesem Morgen Abschied vom alten Parkett nehmen, das noch im Herbst herausgerissen wird. Zusammen tanzen sie erst seit Mai, doch die Halle kennen sie noch aus ihrer Kindheit. Mit fünf Jahren nahmen sie am Nikolausturnier teil. Als im Tanzclub Grün Gold die Idee zu diesem Abtanzen aufkam, sagten sie spontan sofort zu. Wie auch Olaf und Beate Schmidt sowie die sächsischen Landesmeister Kriemhild und Andreas Barth, die sogar eigens aus Königsbrück nach Görlitz gekommen sind. Sie alle unterschreiben am Ende auf einem Stück des alten Parketts. Als Andenken soll es im Club einen würdigen Platz finden.

 

 

 

 

23.09.2016

 

Stadthalle kommt einen Schritt voran

Eine Firma aus Hirschfelde erhält den Zuschlag für die Erneuerung der Saaldecke. Anfang November beginnen die Bauarbeiten.

Von Ingo Kramer

 Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September hatten die Görlitzer zum letzten Mal Gelegenheit, über das alte Parkett der Stadthalle zu schlendern. Foto: Jens Trenkler

Große Einigkeit bei den Stadträten im Technischen Ausschuss: Ohne Gegenstimmen und Enthaltungen haben sie am Mittwochnachmittag den nächsten großen Bauauftrag bei der schrittweisen Sanierung der denkmalgeschützten Stadthalle vergeben. Die Bau und Ausbau André Knebel GmbH aus Hirschfelde erhält den Zuschlag für die Bauhauptleistungen bei der Erneuerung der Saaldecke. Die renommierte Firma hatte mit gut 220 000 Euro das wirtschaftlichste Angebot abgegeben.

„Der Bau der Saaldecke beginnt Anfang November und endet voraussichtlich im April nächsten Jahres“, erklärt der zuständige Baubürgermeister Michael Wieler auf SZ-Nachfrage. Schon vorher wird das alte Parkett aus dem großen Saal ausgebaut. „Das läuft noch bis Ende Oktober.“ Das noch gebrauchsfähige Parkett wird in anderen Gebäuden wieder eingebaut, beispielsweise im Schloss Ober-Neundorf. „Der Kontakt mit dem dortigen Schlossherren kam über die Untere Denkmalschutzbehörde zustande“, erläutert Wieler.

Weniger zufrieden mit den Fortschritten ist hingegen Hans-Peter Bauer vom Stadthallen-Förderverein. Er war am Mittwoch extra in die Jägerkaserne gekommen, um den Beschluss der Stadträte zu erleben. „Keine Erklärungen, keine Begründungen, sondern einfach nur das Durchwinken des Themas“, kritisiert er. Allerdings ist das kein Problem der Stadthalle: Vergabebeschlüsse werden im öffentlichen Teil des Technischen Ausschusses generell nur durchgewunken. Diskutiert wird vorher im nicht öffentlichen Teil – ganz egal, um welche Vergabe es sich handelt.

Bauer sorgt sich bei der Stadthalle vor allem um die Akustik. Stadthallenarchitekt Bernhard Sehring habe Anfang des 20. Jahrhunderts von Anfang an geplant, das Haus für unterschiedliche Veranstaltungen zu nutzen, also als Multifunktionshaus und für Konzerte als gesellschaftlichen Höhepunkt. Deshalb sei der Akustik im großen Saal viel Aufmerksamkeit gewidmet worden. So habe Sehring sogar Stühle ausgewählt, die akustisch seinen Vorstellungen entsprachen. Von herausragender Bedeutung sei auch die Gestaltung des Bodens: „In der Stadthalle wurde anstatt der bei damaligen Neubauten üblichen Beton- oder Gewölbedecken bewusst eine Holzbodenkonstruktion eingeplant, die sich durch besonders gute Schwingungseigenschaften auszeichnet“, so Bauer. Er hofft, dass die gute Akustik auch künftig erhalten bleibt.

 

 

 

24.09.2016

 

Nächste Verzögerung bei Stadthalle

Görlitz.

Die Stadthallen-Stiftung kann ihre Arbeit derzeit nicht aufnehmen, da sie noch nicht von der Stiftungsaufsicht genehmigt wurde. Zwar hätten Vorabstimmungen mit der Landesdirektion als Aufsicht stattgefunden, bestätigt Stadt-Sprecher Wulf Stibenz auf SZ-Nachfrage. „Jedoch liegen weder der Stadt und noch der Landesdirektion alle nötigen Unterlagen von allen Stiftern für eine abschließende Prüfung vor.“ Deswegen verzögert sich die Genehmigung offensichtlich. Die bisherige Geschichte der Stadthallen-Stiftung ist eben auch eine der Verzögerungen. Nachdem die FDP eine solche Stiftung ins Gespräch gebracht hatte, nannte Bürgermeister Michael Wieler im April vergangenen Jahres erste Details und kündigte an, die Stiftung nach der Sommerpause 2015 in den Stadtrat zu bringen. Daraus wurde nichts. Zwar waren mit den Stadtwerken und der städtischen Tochtergesellschaft Kommwohnen wichtige Gründer der Stiftung von Anfang an im Boot, doch sahen die Pläne Wielers nur eine nachgeordnete Rolle für den Stadthallen-Förderverein vor. Erst nach langwierigen Verhandlungen bei OB Siegfried Deinege wurde das korrigiert. Ende Mai dieses Jahres beschloss der Rat, die Stiftung zu errichten. Die Stiftung soll die Sanierung und Unterhaltung des Konzerthauses finanziell durch das Einwerben von Stiftungsgeldern fördern. (SZ/sb)

 

 

26.09.2016

 

Leserbriefe

SZ 27.9.16

Zum Beitrag „Stadthalle kommt einen Schritt voran“, SZ vom 23. September, Seite 7:

 

Ist Dr. Wieler der richtige Fachmann?

Mit großem Interesse las ich Ihren Artikel über den Bautenstand der Stadthalle in der SZ-Ausgabe. Allerdings kam dabei das blanke Entsetzen über mich, als ich las, dass der Herr Wieler das ausgebaute Parkett an einen „Dorfkonsum“ verhökern will. Bisherige Planungen sahen vor, dass es zwischengelagert und wieder verwendet wird. Nicht nur der Herr Bauer vom Förderverein sorgt sich deshalb um die Akustik des Architekten Herrn Sehring, der wie Sie schreiben, sogar die Bestuhlung der Akustik angepasst hat. Ich frage mich, ob der Baubürgermeister Herr Dr. Wieler der richtige Fachmann für diese Fragen ist. Hat er doch auch die Elektroexperten seiner Stadtwerke der Unfähigkeit bei der Verlegung von Bodenkabeln im Stadthallengarten bezichtigt. Ist die Akustik der Musikhalle erst einmal minderwertig, taugt die Stadthalle nur noch als Flohmarkt. Und wie gut diese ist, hat man beim letzten Auftritt des Shantychors hören können, der ohne Elektronik den Raum mit Volumen füllte!

Heiner Lehmann, 02827 Görlitz

 

 

27.09.2016

 

Die Stadthalle ist machbar

Unser Autor spricht sich für eine Bündelung von Theater und Konzerthalle aus.

 

Von Hans-Peter Bauer

 

Das Ringen um einen möglichen Eröffnungstermin für eine sanierte Stadthalle geht weiter.

 

In der „Wirtschaftspolitik“ des Stadtrates, insbesondere bei den Bürgern für Görlitz (BfG), scheinen sich Missverständnisse zu häufen. Das erste Missverständnis war der Verkauf der Stadtwerke an einen privaten Investor. Jetzt bemerken die BfGt, dass jährlich Millionen nach Paris transferiert werden, entgangene Einnahmen, die aus dem Gewinn der Stadtwerke stammen. Den Fehler kann man nicht mehr rückgängig machen, denn die dafür einkassierten Millionen sind verpulvert. Der Fehler wird aber nicht zugegeben. Der ominöse Verkauf der Deponie ... na lassen wir das Thema ruhen. Ich wünsche nur, dass dessen Streiter Recht zugesagt bekommen.

 

Die Schließung der Stadthalle 2004 war genauso ein Kardinalfehler, eine Sanierung einer geöffneten Stadthalle hätte bei laufendem Betrieb die Hälfte der jetzt veranschlagten Summe gekostet. Glaubt niemand? Aber das ist so. Auch ein Missverständnis? Nun ist das Thema Gewerbe- und Grundsteuern an der Tagesordnung. Bei diesen Hebesätzen verwundert es keinen Bürger der Stadt (nicht zu verwechseln mit „Bürger für Görlitz“), dass Industrie und Handwerk eine Ansiedlung im Görlitzer Raum meiden wie der Teufel das Weihwasser. Sie interessieren sich einfach nicht für diesen teuren Standort. Die Strategen im Rathaus sollten noch besser verstehen, dass die Kultur schon lange kein „weicher“ Standortfaktor mehr ist, sondern schon seit Jahren in die Kategorie der „harten“ Faktoren gewechselt ist. Die Kultur schafft Arbeitsplätze im wirtschaftlichen Umfeld ihrer Einflusssphäre. Und das nicht zu knapp. Die BfG wollen sich dringend dafür einsetzen, dass der Ärztenachwuchs aus der Region gefördert wird, das ist ein lobenswerter Gedanke, aber sie begreifen nicht, dass Ärzte in der Mehrzahl kulturinfizierte Menschen sind. Das ingenieurtechnische Personal von Siemens und Bombardier steht vor dem gleichen Dilemma. Das Theater der Stadt allein füllt diese Lücke nicht, kann es auch nicht, denn es ist finanziell selbst „schaumgebremst“, um all diese Wünsche an eine höher gestellte Kultur zu erfüllen. Der lapidare Verweis, dass es doch in nächster Umgebung kulturelle Vielfalt gibt, weisen sie als nicht respektable Aussage ab. Selbst der Geschäftsführer der Löbauer Messehalle wirbt mit dem Charme unserer Stadthalle. Auch der Berzdorfer See wird nur einen winzigen Teil der kulturellen Infrastruktur abdecken. Vielleicht ist das auch nur ein Missverständnis?!

 

Die Investition in die Zukunft ist eine Investition in die Kulturlandschaft, die dem Ziel des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Region entgegenkommt. Die Bündelung der kulturellen Kräfte in Theater und einer Konzerthalle, in der alle Menschen Entspannung und Erholung finden, ist ein solcher Weg. Der Tag des offenen Denkmals hat das Interesse der Menschen national und international sichtbar gemacht. Es ist doch ein gegenseitiges Geben und Nehmen, und das ist mit der Schaffung von Arbeitsplätzen verbunden. Mit der Schaffung einer wirksamen kulturellen Infrastruktur, der Senkung der Gewerbe- und Grundsteuer würde sich die Stadt Görlitz eine wirksame Basis zur Ansiedlung von Industrie und Gewerbe schaffen, die diese Arbeitsplätze garantieren.

 

Wie das nun bei der Sanierung der Stadthalle aussieht, bleibt anscheinend offen. Oder ringt sich die Stadt durch, endlich einen finanziellen Rahmen zu schaffen, die Sanierung schnell und mit aller Kraft voranzutreiben? Die Aussagen, dass der Stadthaushalt das nicht hergibt, darf man nicht gelten lassen. Dieser unprofessionellen „Einnahme-Ausgaberechnung“ muss ein Riegel vorgeschoben werden. Die Stadt sollte sich das Land ins Boot holen – dessen ausgestreckte Hand sie ebenso unprofessionell ausgeschlagen hat. Das Ziel, die Stadthalle bis zur 950-Jahr-Feier zu eröffnen, ist machbar. Nun bewegt Euch, liebe Stadtväter. Jeder verlorene Tag ist kostbar.

 

 

 

08.10.2016

 

 

Stadthalle soll eher öffnen

Margot Wüsthoff-Garbe findet, das Haus müsste schnell wieder bespielbar sein. Sie kenne Künstler, die das befürworten.

 

Von Matthias Klaus

Margot Wüsthoff-Garbe aus Görlitz setzt sich für eine schnelle Nutzung der Stadthalle ein. Sie ist Mitglied im Förderverein Stadthalle.Foto: Jens Trenkler

Margot Wüsthoff-Garbe aus Görlitz setzt sich für eine schnelle Nutzung der Stadthalle ein. Sie ist Mitglied im Förderverein Stadthalle. Foto: Jens Trenkler

Es muss ja nicht gleich alles auf einmal gemacht werden, in und an der Stadthalle. Das zumindest findet Margot Wüsthoff-Garbe. Sie ist Mitglied des Fördervereins für das Gebäude und findet: „Das Haus könnte doch schon im kommenden Jahr wieder bespielt werden.“ Margot Wüsthoff-Garbe ist ein Stadthallen-Fan. Sie erinnert sich noch gut an ihre Begegnungen mit Künstlern wie Tony Christie, Brunner und Brunner, Stephan Mross. „Da sind zum Teil richtige Freundschaften entstanden“, sagt Margot Wüsthoff-Garbe.

 

Sie könne nicht verstehen, warum sich die Sanierung der Stadthalle so hinzieht, sagt sie. „Ich habe mit Künstlern geredet, die in der Messehalle Löbau aufgetreten sind und die gern wieder in der Görlitzer Stadthalle gastieren würden“, schildert sie. Margot Wüsthoff-Garbe ist gesundheitlich etwas angeschlagen, aber ihr Herz schlägt für die Stadthalle. Die heutige Görlitzerin stammt von der polnischen Ostseeküste. „Live-Musik ist in der Stadthalle einfach unwahrscheinlich, hat einen einmaligen Klang“, sagt sie. Margot Wüsthoff-Garbe schwelgt in Erinnerungen an die „gute, alte“ Stadthallen-Zeit, an Costa Cordalis und Howard Carpendale und, und und.

 

Sie habe Gespräche mit Künstlern geführt, die sich für die Stadthalle Görlitz als Auftrittsort ausgesprochen hätten, sagt sie. Auf keinen Fall sollte, so wie es die Planungen der Stadt vorsehen, bis 2021 gewartet werden.

 

Die Stadt Görlitz setzt auf eine „besonnene Entwicklung der Stadthalle“, wie Bürgermeister Michael Wieler sagt. Es  sei eben von den Fördermitteln abhängig, wie sich die Zukunft des Hauses gestalte. Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September war die Stadthalle zuletzt für die Öffentlichkeit begehbar. Letztmals konnten die Görlitzer den Großen Saal mit dem alten Parkett erleben. „Schade“, findet Frau Wüsthoff-Garbe. Sie bezweifelt, dass ein neuer Fußboden klanglich dem alten in der Stadthalle nahekommen werde.

 

Derweil wird am Gebäude weiter gebaut. Die Sanierung der Strebepfeiler soll bis Ende dieses Monats abgeschlossen sein, so der Plan. Die beiden Pfeiler auf der Westseite sind inzwischen saniert, bis Ende Oktober sollen die auf der Ostseite folgen. Das Ganze ist eine komplizierte Angelegenheit. Die Bauarbeiter sind in zehn Bauabschnitten zugange, bringen zudem immer wieder Sandsteinteile ein. An der Westseite der Stadthalle wird zudem am Seitendach gearbeitet. Bis Ende vergangenen Monats dauerte der Abbruch, jetzt kommt ein Massivdach darauf. Ähnliches ist an der Ostseite geplant. Bis Ende November soll das Seitendach fertig sein. Putzarbeiten werden wahrscheinlich erst im kommenden Jahr erledigt. Dann stehen auch schon die nächsten Arbeiten an, Fenster und das Hauptdach. Nach der letzten Aussage von Baubürgermeister Michael Wieler liegen alle Arbeiten im Plan. Es gebe keinen Verzug. Über weitere Fördermittel gebe es Gespräche mit den entsprechenden Geldgebern.

 

Margot Wüsthoff-Garbe dauert das alles viel zu lange. „Natürlich würden wir Alten es gern sehen, wenn die Stadthalle in naher Zukunft wieder eröffnet wird“, sagt sie. Aber sie denke auch an die Jugend in der Stadt. „Für die wäre das Haus eine sehr gute Gelegenheit, sich mit Konzerten zu präsentieren“, findet sie. Und: „Auf keinen Fall sollten wir mit der Eröffnung bis 2021 warten.“

 

 

12.10.2016

 

Der Besucher muss staunen

Der letzte Technische Chef der Stadthalle plädiert für eine schnelle Sanierung. Doch zuvor müssen noch Fragen beantwortet werden.

 

Von Roland Skupin

 

 

Es war schon ein imposanter Anblick, wenn die Neue Lausitzer Sinfonie in der Stadthalle Görlitz spielte. Deren Musiker schwärmen noch heute vom Klang des Hauses.

 

Skupin  war bis zur Schließung 28 Jahre lang Technischer Leiter der Stadthalle. Anschließend stand er als ehrenamtlicher Mitorganisator und Ausstellungsleiter der Modelleisenbahnausstellung oft im Rampenlicht.

 

Das Interesse der Bevölkerung an der, an ihrer Stadthalle ist noch immer riesig, wie der erneute Ansturm zum Tag des Denkmals 2016 bewiesen hat. Ein Teil kam, um das Haus erstmalig von innen zu sehen. Der größte Teil aber kam, um den Zustand des Hauses nach fast zwölfjähriger Schließung zu begutachten und um sich an viele Veranstaltungen und Begegnungen, auch mit den großen Stars, zu erinnern. Dazu erklang, als besonderes Erlebnis, die Stadthallenorgel. Die Mitglieder des Fördervereins hatten mit großem Einsatz dafür gesorgt, dass der Besuch in der Stadthalle möglich wurde. Dafür gebührt Dank!

 

Es stellt sich zum wiederholten Mal die Frage: Musste es so weit kommen, musste die Stadthalle geschlossen werden? Die Antwort ist klar und einfach: Nein! Deshalb sei hier noch einmal ein Blick in die Vergangenheit gestattet: Auf Betreiben des damaligen Finanzbürgermeisters, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadthalle war, fasste Letzterer am 23. November 2003 den Beschluss, die Stadthalle Ende 2004 zur Kosteneinsparung zu schließen. Der Stadtrat folgte dem in seiner Sitzung am 29. Januar 2004 einstimmig, mit einer Enthaltung. Pikant ist dabei auch, dass die Stadthalle als größte Kultureinrichtung geschlossen wurde, als sich Görlitz um den Titel „Kulturhauptstadt 2010“ bewarb. Im Jahr 2003 war der finanzielle Zuschuss für die Stadthalle schon um 120 000 Euro und das Personal von 31 Mitarbeitern, im Jahr 1990, auf 21 Mitarbeiter gekürzt. Finanziert und betrieben wurden damit noch die Stadthalle, die Görlitz-Information, das Stadtmarketing als eine Gesellschaft (G:TM) und zusätzliche defizitäre Veranstaltungen wie das Altstadtfest. Das Stadthallenrestaurant, das deutsch-polnische Kulturbüro und die Jugendherberge waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen oder ausgegliedert.

 

Geschlossen wider besseren Wissens

 

Der Veranstaltungsdurchschnitt lag in diesem Zeitraum bei 164 pro Jahr. Bei dem erforderlichen manuellen Aufwand für Saal-umbauten, Reinigung, technische Wartung und Betreuung des gesamten Außengeländes und teilweise des Gebäudes der Stadthalle, Umzug der Görlitz-Information und personelle Leistungen für das Kulturhauptstadtbüro, waren die Grenzen des noch Machbaren erreicht. Mit dem Konzert des „Wiener Johann-Strauß-Orchesters“ fand am 28. Dezember 2004, nach 94 Jahren der Nutzung, die bisher letzte, offizielle Veranstaltung in der Stadthalle Görlitz statt. Für die noch 8 Mitarbeiter war danach Schluss. Die sogenannte „Auftakt-Veranstaltung“ am 16. Januar 2005, als Willensbekundung der Stadtratsfraktionen für eine Wiedereröffnung und andere kommen nicht in Betracht. Wider besseren Wissens erklärte der damalige Finanzbürgermeister während einer öffentlichen Veranstaltung im „Treffpunkt Gleis 1“, im Görlitzer Bahnhof, dass die Stadthalle zum 31. Dezember 2004 geschlossen wird und spätestens Anfang 2007 vollständig rekonstruiert mit rund 3000 Sitzplätzen wieder öffnet. Zu diesem Zeitpunkt gab es weder eine schlüssige Bauplanung, noch die dafür notwendigen finanziellen Mittel, noch einen Grundsatzbeschluss für die Sanierung der Halle. Gegenüber der Öffentlichkeit bestand die Aussage, dass die Stadthalle aus baulichen und finanziellen Gründen geschlossen wurde. Beides entsprach nicht der Wahrheit. Für den Außenstehenden sah es immer so aus, dass die Mitarbeiter der Stadthalle die Schließung verursacht hätten. Dem war aber nicht so, denn sie waren Betreiber eines Hauses, das der Stadt gehört und die damit auch für den baulichen Unterhalt zuständig ist. Es gab bauliche Mängel, die damals aber nicht so gravierend waren, dass der Betrieb der Stadthalle hätte eingestellt werden müssen. Die Mitarbeiter der Stadthalle führten viele Reparaturen und Gebäudesicherungs- und -unterhaltsmaßnahmen zusätzlich zu ihrer eigentlichen Tätigkeit selbst aus. Dabei war es mitunter nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass es zu keinen Unfällen kam. Durch die Stadt gab es Investitionen in der Gaststätte, die Orgel wurde generalüberholt, die Schmuckelemente (Putten) wurden erneuert. Für den Gebäudeunterhalt aber bestand jahrelanger Investitionsbedarf an den Dächern, an den Fenstern des Großen Saales und einiges mehr. So wurde der Große Saal letztmalig 1974/1975 komplett mit einem Farbanstrich versehen. Das heißt 30 Jahre Nutzung ohne Renovierung! Inzwischen gibt es an einigen Gebäudeteilen erhebliche Schäden, die zum Zeitpunkt der Schließung, wie bei den Stützpfeilern, noch nicht bekannt waren.

 

Auch die angebliche finanzielle Schieflage hatte andere Ursachen. Es gab Zuschusskürzungen, bei gleichzeitiger Übertragung zusätzlicher Aufgaben. Dazu Veranstaltungen, für die gekürzte Mieten vom Rathaus verlangt wurden, ohne dass eine Gegenrechnung der tatsächlichen Ausgaben erfolgte. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen. Einer der damaligen Geschäftsführer hatte das erkannt und versucht, Änderungen herbei zuführen. Das Ergebnis: Er wurde gefeuert!

 

Inzwischen ist bei einigen Personen, die der Schließung damals zugestimmt haben, die Erkenntnis gereift, dass dieser Vorgang ein Fehler war. Die Mutigen unter ihnen geben das auch öffentlich zu. Nach der Schließung der Stadthalle gab es Beteuerungen, dass das Gebäude gut gesichert ist und keine Schäden auftreten können. Beim Bemühen um den Verkauf der Stadthalle stand in der Baubeschreibung: Das Gebäude befindet sich in einem guten baulichen Zustand! Wir erinnern uns, der schlechte bauliche Zustand war einer der genannten Schließungsgründe! Private Investoren wurden zumindest angehört, aber letztlich ignoriert. Im Übrigen hätte das Haus zu diesem Zeitpunkt, wegen der eingesetzten Fördermittel, nicht so ohne weiteres verkauft werden können. In einem Schreiben des Regierungspräsidiums Dresden vom 25. März 2002 ist festgelegt, dass die Stadthalle Görlitz bis zum 31. Dezember 2017 für kulturelle Zwecke zu nutzen ist und ohne Zustimmung des Regierungspräsidiums Dresden weder veräußert noch anderweitig genutzt werden darf. Bleibt abzuwarten, welcher Weg nach diesem Datum eingeschlagen wird.

 

Von 2005 bis 2016 hat die Stadtverwaltung zahlreiche Studien, Gutachten und Betreibungskonzepte in Auftrag gegeben, die bisher zu keinem sichtbaren Ergebnis geführt haben. Deren Gesamtkosten wurden der Öffentlichkeit auch nicht bekannt gemacht. Bernhard Sehring, der Architekt der Görlitzer Stadthalle, hat im Juni 1906 mit den Bauarbeiten am Staatstheater Cottbus begonnen. In der Zeit erfolgte auch die Grundsteinlegung für die Stadthalle. Das Theater wurde bereits im Oktober 1907 eröffnet. Wäre es während der Bauphase nicht zum Einsturz des Daches gekommen, wäre die Stadthalle Görlitz schon im Oktober 1908 eröffnet worden. Damals war sich der Stadtrat mit seiner Entscheidung für den Bau der Stadthalle einig. Ein Weg ist eben nur dort, wo auch ein gemeinsamer Wille ist! In Görlitz gibt es seit fast zwölf Jahren ein ständiges Für und Wider. Es gibt weder eine umsetzbare Baustudie, noch eine Bauplanung, noch ein Finanzierungskonzept für die Rekonstruktion, noch ein machbares Betreibungskonzept, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Mit dem, was bisher an Überlegungen existiert, wird die Halle nicht finanzierbar sein. Inzwischen ist man auch im Stadtrat zu der Erkenntnis gelangt, dass eine sogenannte „schwarze 0“ beim Betriebsergebnis für eine Stadthalle eine Illusion ist. Oberbürgermeister Siegfried Deinege hat richtig entschieden und den bisher geplanten, so nicht realisierbaren Bauablauf gestoppt.

 

Die Stadthalle ist einst als reine Konzerthalle konzipiert und gebaut worden und erst im Lauf der Nutzung erweiterte sich das Veranstaltungsspektrum immer mehr. Dabei wurden aber auch deutliche Grenzen aufgezeigt, wie bei der letzten großen Veranstaltung im Jahr 2004. Das war das Musical „Greece“. Damals standen vier 40-Tonnen-Laster vor der Halle, beladen mit Technik, Ausstattung, Dekorationen. Alle verfügbaren Räume mussten genutzt werden, teilweise ein unzumutbarer Zustand, als im Gangbereich der Besucher Waschmaschinen und Trockner aufgestellt wurden. Das ist nur ein Beispiel davon, was sich hinter den Kulissen der Stadthalle abgespielt hat. Von all den Personen, die bisher ihre Meinung zur Stadthalle geäußert haben, kennt niemand den tatsächlichen Betriebsablauf bei Veranstaltungen in diesem Haus, kennt niemand die sogenannten, bis zu 20 Seiten starken Technik-Rider, in denen alle Bedingungen und Forderungen der Produktion an eine Veranstaltungshalle festgeschrieben sind. Alle Versuche, sich in das „Projekt Stadthalle“ persönlich einzubringen, schlugen fehl. Die Kenntnis der Betriebsabläufe in der Stadthalle und die damit verbundene Meinung derer, die das erlebt haben, war zu allen bisherigen Studien und Planungen leider nicht gefragt. Und dieser Personenkreis wird immer kleiner.

 

Sieben wichtige Prüfaufgaben

 

Für mich spielen folgende Aspekte bei einer Modernisierung eine Rolle:

 

1. Die Stadthalle Görlitz kann wieder auf dem Markt etabliert werden, wenn der Veranstaltungsschwerpunkt auf die kleinen Kongresse gelegt wird. Damit wird das Haus finanzierbarer. Das wird schwierig, ist aber mit einem Alleinvertretungsmerkmal möglich. Das erfordert eine denkmalgerechte Rekonstruktion im Jugendstil, so wie die Stadthalle zur Eröffnung ausgesehen hat, oder zumindest annähernd so. Wenn der potenzielle Kunde und Besucher in den Saal kommt, muss ihm der Mund vor Staunen offen stehen. So, als wenn ein Besucher den Saal der Semperoper in Dresden betritt. Nur dann wird es, gemeinsam mit den touristischen Attraktionen der Stadt, gelingen, Kunden für Kongresse zu gewinnen. Für eine „normale Halle“ muss niemand bis nach Görlitz fahren, denn davon gibt es bundesweit genug. Dass in solch eine Halle auch moderne Technik eingebaut werden kann, wird am Kurhaus Wiesbaden deutlich.

 

2. Ein absoluter Schwerpunkt ist heute die Schaffung von ausreichend Parkplätzen in zumutbarer Nähe zur Stadthalle. Damit punktet zum Beispiel die Messehalle in Löbau. Bevor das nicht geprüft und geklärt ist, sollte mit der „Baumaßnahme Stadthalle“ nicht begonnen werden.

 

3. Um Kongresse durchzuführen, wird ein Anbau gebraucht. Jeder Kongress hat in der Regel Sponsoren, die sich präsentieren wollen. Dafür sind die vorhandenen Räumlichkeiten nicht ausreichend.

 

4. Die bisherige Nutzung des Gartens sollte noch einmal geprüft werden, um dann zu entscheiden, ob das Areal für einen Anbau und/oder für Parkplätze verwendet werden kann.

 

5. Für alle anderen Veranstaltungsarten, neben den Kongressen, muss die Platzkapazität an vergleichbaren Häusern und Einwohnerzahlen ausgerichtet sein, damit die Eintrittskarten für die Besucher bezahlbar bleiben. Mit einer bereits genannten Zahl von 800 Plätzen werden für Showkonzerte Kartenpreise notwendig sein, die niemand bezahlen möchte und im Angesicht der finanziellen Kaufkraft in der Region auch nicht bezahlen wird. Die im Jahr 2005 anvisierten 3 000 Plätze in der Stadthalle sind natürlich genauso illusorisch. Die Zeiten, in der die teuerste Eintrittskarte zum Konzert des leider verstorbenen Udo Jürgens 60 D-Mark gekostet hat, sind lange vorbei. Heute sind für die großen Stars der Branche und in sehr großen Hallen Kartenpreis von bis zu 300 Euro und mehr üblich. Der Durchschnittspreis für Konzertkarten in der Messehalle Löbau beträgt bei bis zu 2 000 angebotenen Plätzen rund 45 Euro. Das ist eine Größenordnung, mit der man auch in Görlitz rechnen sollte.

 

5. Das Haus muss mit einer technischen Grundausstattung im Bereich Beleuchtung, Beschallung, Videotechnik und Beamer für kleinere Veranstaltungen ausgerüstet sein. Das war in der Stadthalle vorhanden und wurde rege genutzt. Nur die Showproduktionen bringen eigene Technik mit.

 

6. Die Personalstärke der Halle muss an der Versammlungsstätten-Verordnung ausgerichtet sein. Mit geplanten zwei bis drei Personen wird die Halle nicht zu betreiben sein. Dafür bleibt der manuelle Anteil an Arbeiten auch künftig zu hoch.

 

7. Die Entscheidung einer schrittweisen oder kompletten Sanierung kann nur von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln abhängig gemacht werden. Wenn die Halle vermarktet und genutzt werden soll, dann eigentlich nur als Ganzes. Der Umbau der Gaststätte fand in den 1990er Jahren auch neben dem normalen Betrieb der Halle statt. Wer das erlebt und mitgemacht hat, lehnt so etwas ab – auch im Sinne der Besucher.

 

Das alles garantiert, nach erfolgter Rekonstruktion, natürlich nicht das Funktionieren der Halle und deren Wiederannahme durch die Bevölkerung. Dazu ist die Halle schon zu lange geschlossen. Zwei Generationen kennen das Haus nur noch durch die Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern. Die Kinder und Jugendlichen, damit der Großteil künftiger Besucher, orientieren sich heute an anderen Veranstaltungsstätten. Sie müssen mit einem attraktiven Angebot wiedergewonnen werden. Kongress- und Konzertveranstalter haben einen jahrelangen Planungsvorlauf. Das bedeutet, dass die Halle schon zum Beginn der Baumaßnahmen vermarktet werden muss. Wenn das verpasst wird, ist die Halle fertig, und es gibt keine Nutzer. Eine verlässliche Prognose für eine künftige Inanspruchnahme der Stadthalle kann ohnehin niemand geben. Es ähnelt einem Lotteriespiel, hopp oder topp. Ein Abriss kann nicht in Frage kommen. Also sollte auch über eine ganz andere Nutzung nachgedacht werden. Vielleicht als Kunsthalle oder ähnliches. Nur viel Zeit darf man sich mit dem Nachdenken nicht mehr lassen. Es ist dringend notwendig, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und dabei die Bevölkerung zeitnah zu informieren und aktiv mit einzubeziehen!

 

 

25.10.2016

 

 

Stadthalle rückt wieder ins Zentrum der Politik

Der Görlitzer Stadtrat drängt auf neuen Ausschuss. Diesmal sollen mehr Bürger mit Fachwissen mitreden.

 

Von Sebastian Beutler

 

Wenn sich der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler ein Ende der Debatte rund um die Stadthalle nach seinem Machtwort Anfang September erhofft hatte, dann muss er sich dieser Tage schwer wundern. Seit er für seine „Bürger für Görlitz“ erklärt hat, dass bei der Stadthalle alles klar sei, reißen die Diskussionsbeiträge in der SZ über die Stadthalle nicht mehr ab. Und die Autoren listen all die Dinge auf, die sie nicht geklärt sehen. Sie reichen von der Frage, wo die Besucher künftig ihre Autos abstellen sollen, über die ungeklärte Frage, ob die Halle mit oder ohne Anbau wiedererstehen soll, bis hin zu dem Problem, ob die Stadt selbst die Halle betreiben will oder nicht. Auch politische Freunde Wielers wie der bündnisgrüne Stadtrat Joachim Schulze bedauern, dass es bislang nicht gelungen sei, alle vorliegenden Untersuchungen und Konzepte einmal nebeneinander zu legen, um zu sehen, worin sie übereinstimmen und wo sie voneinander abweichen. Natürlich weiß auch Wieler, dass all diese Details nicht wirklich klar sind. Seine Klarheit bezog sich deswegen auch auf die nächsten Bauschritte. Doch selbst da wachsen Zweifel, selbst im Stadtrat. Der will deshalb nun eine neue Initiative starten.

 

So soll es künftig ein Gremium geben, das all die Ideen und Konzepte für die Stadthalle bündeln soll. Der Name für diese Runde ist nicht neu, vielmehr altbekannt: Stadthallenausschuss. Dem Stadtrat liegt ein entsprechender Beschluss für seine Sitzung an diesem Donnerstag vor, die Große Koalition aus CDU und Bürgerfraktion bringt ihn ein. Unter Stadtratsmitgliedern ist so viel klar, dass die CDU die treibende Kraft hinter dem Antrag ist. Fraktionsvorsitzender Dieter Gleisberg strebt die Wiederbelebung des Ausschusses bereits seit Monaten an, in denen er nach eigenem Bekunden „kein positives Echo aus der Verwaltung dazu vernommen“ habe.

 

Allerdings soll der neue Stadthallenausschuss nach seinen Vorstellungen nur bedingt mit dem alten vergleichbar sein. Der begleitete seinerzeit in der Amtszeit von Oberbürgermeister Joachim Paulick die Bemühungen der Stadt um ein großes Sanierungsvorhaben, an dessen Ende ein Projekt von rund 25 Millionen Euro stand. Dieses Mal, so ist sich Gleisberg sicher, soll der Ausschuss schauen, ob die einzelnen Bauabschnitte sinnvoll aneinandergereiht sind und die zeitlichen Planungen nicht allzu sehr in die Zukunft verschoben wurden. In kürzeren Abständen als bislang, so stellt sich Gleisberg das vor, soll die Verwaltung über die laufende Bautätigkeit informieren. Das alles muss die Rathaus-Doppelspitze um Siegfried Deinege und Michael Wieler noch nicht beunruhigen, weil es auf ihrer Linie liegt, die Stadthalle in Etappen zu sanieren und zwar je nachdem, wie Mittel für deren Wiederherstellung eingeworben werden können. Wann die Halle dann eröffnet werden kann, lassen beide offen. In dieser Betrachtung hängt das nicht nur von Görlitz ab. Doch soll der Ausschuss dabei eben nicht stehen bleiben. Gleisberg will zugleich Ideen und Konzepte für die künftige Betreibung der Stadthalle zusammentragen und die Interessengruppen rund um die Jugendstilhalle zusammenbringen. Deswegen sollen die Stadträte zwar die Mehrheit im Ausschuss stellen, das ist rechtlich auch nicht anders möglich. Doch sollen berufene Bürger in einem Maße beteiligt werden, wie das bislang beim Stadthallenausschuss nicht der Fall war. Namen vom Förderverein fallen dabei genauso wie auch der letzte Technik-Chef der Stadthalle, Roland Skupin, der erst unlängst in der SZ allein sieben ungeklärte Themenfelder aufführte. Sie alle sollen sich eben auch einen Kopf machen über die künftige Betreibung der Halle und welche Folgen das für die städtischen Finanzen hätte.

 

Eines will Gleisberg mit seinem Vorstoß aber nicht: Dass die Diskussion über die Stadthalle aus einem öffentlichen Technischen Ausschuss in einen nicht-öffentlichen Stadthallenausschuss verlagert wird. Öffentlich aber kann das neue Gremium nicht tagen. Der Ausweg aus Sicht von Gleisberg: „Wir müssen geeignete Wege finden, die Überlegungen aus dem Stadthallenausschuss in die Öffentlichkeit zu bringen.“ Gleisberg will mit der Verwaltung die Stadthalle nach vorn bringen – notfalls aber auch Druck ausüben.

 

 

 

28.10.2016

 

Große Koalition bringt Ausschuss für die Stadthalle durch

Einstimmig ernannte der Stadtrat die neun Mitglieder, darunter vier Görlitzer Bürger.

 

Von Daniela Pfeiffer

Die Stadthalle hat jetzt wieder einen eigenen Ausschuss des Stadtrates. Am Donnerstagabend beschlossen die Görlitzer Kommunalpolitiker, den Stadthallenausschuss wiederzubeleben, den es unter Ex-Oberbürgermeister Joachim Paulick schon einmal gegeben hatte. Fünf Stadträte und vier berufene Bürger sollen in dem Gremium zusammenarbeiten. Um künftige Ideen und Konzepte zur Betreibung des Jugendstilgebäudes soll es dabei vorrangig gehen und auch um die Bündelung aller Gruppen, die ein Interesse an der Stadthalle haben.

 

Auf die Bildung des Ausschusses hatte die CDU bereits seit Längerem gedrungen. Das Neue an dem Ausschuss: Jetzt werden auch fachkundige Görlitzer einbezogen. Aus dem Stadtrat werden in dem Ausschuss mitarbeiten Dieter Gleisberg (CDU), Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz), Mirko Schultze (Linke), Gerd Weise (CDU), Renate Schwarze (SPD). Als berufene Bürger wurden in den Ausschuss gewählt: der Kommunikationsberater Axel Krüger und Zahnarzt Dr. Reinhard Wilhelm, der sich als FDP-Mitglied schon vor der letzten Kommunalwahl für die Stadthallensanierung eingesetzt hatte. Auch Dietmar Knospe vom Förderverein Stadthalle hat einen Sitz im Ausschuss und Andreas Teichert von den Bürgern für Görlitz, der der Sanierung angesichts der Bevölkerungsentwicklung von Görlitz, bislang eher skeptisch gegenüberstand. Alle Mitglieder wurden einstimmig vom Stadtrat gewählt.

 

 

 

09.11.2016

 

 

Stadthalle verliert ihr Parkett

Die Sanierung des Fußbodens im Großen Saal beginnt. Darüber gibt es bald Infos für die Görlitzer.

 

So sah es Dienstagnachmittag im Großen Saal der Görlitzer Stadthalle aus.

So sah es Dienstagnachmittag im Großen Saal der Görlitzer Stadthalle aus.

© SZ

Görlitz. Neun Wochen nach dem Abtanzen durch Mitglieder des Tanzvereins Grün-Gold in der Görlitzer Stadthalle hat nun der Ausbau des Parketts begonnen. Bereits ein Großteil der Hölzer sind bis gestern Nachmittag aus dem Großen Saal entfernt worden. Ganz sorgfältig, denn die Hölzer sollen an anderer Stelle – nicht in der Stadthalle – wieder verwendet werden. Damit nimmt die Sanierung des Fußbodens der Stadthalle Fahrt auf. In den nächsten Wochen wird die gesamte Decke zum Keller aus der Stadthalle genommen und durch eine neue ersetzt. Dadurch erhält der Fußboden des Großen Saales seine Tragfähigkeit wieder zurück. Wegen dieser Schwachstelle durften zuletzt nur wenige Personen zugleich den Saal betreten.

 

Mit dem Ausbau des Parketts und der Sanierung des Fußbodens verbindet manch Stadthallen-Anhänger auch die Sorge um die einzigartige Akustik der Halle. Mit Unterstützung des städtischen Bauamtes hat nun der Stadthallenverein die Planer der Sanierung der Stadthalle und die beteiligten Akustik-Experten aus Berlin für eine Einwohnerversammlung gewinnen können. Sie werden über den Stand der Sanierung, insbesondere zur Akustik im Großen Saal, informieren. Und zwar am 22. November, 17 Uhr, im Görlitzer Wichernhaus. Der Eintritt ist frei. (SZ)

 

 

 

 

24.11.2016

 

Sorge um den guten Klang

Stadthallen-Fans bangen um die Akustik im großen Saal. Hier wird der Fußboden erneuert, das alte Parkett verschwindet.

 

Von Nadine Franke

Wie geht es mit der Stadthalle weiter? Diese Frage brennt vielen Görlitzern nach wie vor auf der Seele. Bekannt ist, dass zurzeit der Fußboden im großen Saal erneuert wird. Nur sorgt sich so mancher Stadthallen-Liebhaber jetzt um die Akustik. Wird sie durch den Ausbau des Parketts leiden? Es wurde eines der zentralen Themen beim Gesprächsabend, zu dem der Stadthallen-Förderverein am Dienstagabend ins Wichernhaus eingeladen hatte.

 

Gut 100 Görlitzer kamen und hörten den Vorträgen des beauftragten Ingenieurbüros Wünsche und Langer sowie dem Vorsitzenden des Stadthallen-Fördervereins, Thomas Leder, zu.

 

Mehrfach war aus dem Publikum zu hören, wie lieb und teuer den Görlitzern der alte Parkettboden ist und wie groß die Sorge, dass das Klangerlebnis durch den neuen Boden leidet. „Wir wollen die Akustik des Saals nicht nur erhalten, sondern verbessern“, versicherte aber Frank Schultz, der zuständige Sachverständige für Akustik und Schallschutz aus Berlin. Dafür seien nun einmal Veränderungen notwendig.

 

Von einem Besucher kam zudem die Frage, warum der Saal nicht denkmalgerecht wieder so hergestellt wird wie 1910 – dem Eröffnungsjahr der Stadthalle. Doch Schultz verwies auf die Weiterentwicklung: „Warum sollten wir unsere neuen Kenntnisse nicht nutzen? Die Hörgewohnheiten haben sich in den letzten hundert Jahren verändert.“ Mittlerweile hören die Menschen zu Hause Dolby Surround und hätten andere Ansprüche an ihre Hörerlebnisse. Das müsse genauso berücksichtigt werden wie die Nutzungsmöglichkeiten des Saals. Thomas Leder sagte dazu: „Der Schwerpunkt wird auf klassischer Musik liegen. Doch auch Konferenzen oder Auftritte kleinerer Bands und Tanzgruppen sollen möglich sein.“ Darauf müsse der Saal aber ausgelegt sein.

 

Um das umzusetzen, wurde das Büro von Frank Schultz bereits 2011 für die Sanierung angesprochen. Es wurde eine Bestandsaufnahme zur Saalakustik erstellt. Früher gab es die Probleme, dass sich die Musiker nicht gegenseitig hören konnten, die Nachhallzeit zu lang war oder Sprache nur schwer verstanden wurde. Um das zu verbessern, soll der Saal nun so gestaltet werden, dass sich der Schall optimal ausbreiten kann. „Wir müssen gemeinsam eine gute Grundlage schaffen“, so Schultz.

 

Doch wisse er auch, dass man an der Akustik noch lange wird arbeiten müssen – auch dann noch, wenn der Saal längst wieder bespielt wird. „Es handelt sich um einen Prozess. Aber wir werden dem Saal nicht schaden“, versicherte er. „Ich möchte, dass sich die Görlitzer später an ihrem Stadthallensaal erfreuen.“ Er bestätigte, dass das Parkett und der Hohlraum unter dem Holz tatsächlich Einfluss auf den Klang haben, da sie den Schall absorbieren. Aber nur weil das alte Parkett rauskommt und eine Stahlbetondecke gebaut wird, sei in Zukunft nicht mit schlechterem Klang zu rechnen. Dafür sollen Ausgleiche geschaffen werden, die den Vorschriften entsprechen. „Die neue Decke ist notwendig. Zuletzt entsprach die Tragfähigkeit nicht mehr den Vorgaben“, erklärte Ulrich Langer, Tragwerksplaner des zuständigen Ingenieurbüros. In Zukunft sollen wieder 1600  Gäste und ein Orchester den großen Saal betreten können.

 

Dafür soll neues Parkett verlegt werden. Auch wenn es noch nicht in der Finanzplanung des aktuellen Bauabschnitts enthalten ist. Aber Architekt Christian Wünsche weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist. „Erst einmal müssen die Fenster und das Dach saniert werden.“ Auch der kleine Saal soll zuvor noch fertig werden.

 

Die Verantwortlichen mühten sich am Dienstag, die brennenden Fragen zu beantworten und Sorgen zu nehmen. Doch eine Antwort blieben sie ganz bewusst schuldig: Wann wird die Stadthalle wieder eröffnet? Thomas Leder sagte dazu: „Wir wollten den Görlitzern zuerst die Sorge um die Saalakustik nehmen.“

 

In einer nächsten öffentlichen Runde, die im kommenden Jahr stattfinden soll, wolle man sich dann weiteren Themen widmen: Wie werden die nächsten Schritte aussehen oder wann wird wieder ein Orchester im großen Saal erklingen?

 

 

28.11.2016

ELO-Klänge im Stadthallengarten

Das Open-Air 2017 soll größer werden. Regionale Bands und Klassiker stehen auf der Bühne.

 

Von Nadine Franke

Für das Open Air 2017 im Stadthallengarten wurden auch Phil Bates und seine Band gebucht. Sie performen die Stücke des Electric Light Orchestra.

Für das Open Air 2017 im Stadthallengarten wurden auch Phil Bates und seine Band gebucht. Sie performen die Stücke des Electric Light Orchestra.

© Borila Entertainment

Görlitz. Es soll das Open Air schlechthin werden. Das verspricht zumindest Andreas Christian de Morales Roque, Geschäftsführer des Görlitzer Stadtbild-Verlags. „Zur Legende der Stadthalle benötigt es auch eine Legende im Stadthallengarten“, sagt er. Entsprechend dieses Vorsatzes wurden die Bands für das Ereignis ausgewählt. Der Höhepunkt des Festivals am 11. und 12. August kommenden Jahres wird Phil Bates und Band mit dem Sound des Electric Light Orchestras. Die Briten verbinden klassische Streicher mit experimenteller Studiotechnik. Es kommen außerdem die bekannteste Regionalband Jenix, die Rolling Stones Tribute Band Starfucker und Tino Standhaft. Er wird zwei Stunden lang den Rock‘n‘Roll feiern.

 

Auch größentechnisch soll sich das Open Air steigern. Dafür ist nicht nur eine größere Bühne geplant. Stattdessen soll es auch noch mehr zu sehen geben, als die bunt angestrahlte Stadthalle. Dafür stellt der Eventservice Germany eine große LED-Wand auf. In die Bands selbst wurde mehr investiert. „Für 2017 ist das Dreifache des diesjährigen Budgets eingeplant“, sagt de Morales Roque. Damit musste auch der Ticketpreis angepasst werden. Dieser sei aber an Görlitzer Verhältnisse orientiert. Bei dem Open Air im Stadthallengarten geht es längst nicht nur um das Musikevent an sich. „Wir wollen zeigen, dass die Stadthalle belebt werden könnte“, sagt de Morales Roque. Denn sie bedeutet den Görlitzern nach wie vor viel. Er habe schon ältere Menschen mit Tränen in den Augen gesehen. „So kennen sie ihren Stadthallengarten von früher.“ Dennoch sieht er das Open Air noch als steigerungsfähig an. Vor allem der erste Versuch 2015 lief nicht wie erwartet. Aber es ist ein Wandel da. De Morales Roque sagt, er sei zufrieden mit 2016 und vor allem bei den Abba-Songs war die Tanzfläche voll. Doch für ihn ist noch mehr drin. „Die Leute haben den Stadthallengarten als neue Location wiederentdeckt.“

 

Da könnte es im Sommer 2017 richtig voll werden. Das Platzkontingent ist beschränkt. Es soll maximal 1000 Besucher geben und selbst da wird es laut de Morales Roque bereits eng. Er rät: „Wer kommen will, sollte möglichst früh Tickets kaufen.“ Der Vorverkauf beginnt passenderweise am Nikolaustag. Da wurde gleich eine Weihnachtsaktion daraus gemacht, um sich schon unter dem Weihnachtsbaum auf den Sommer zu freuen.

 

 

 

03.12.2016

 

Tickets für Theaterpremieren mit Sekt

Schon im Dezember kann man Karten für die Aufführungen im Görlitzer Stadthallengarten erwerben.

 

Zu jedem Ticket legt das Theater einen Gutschein für ein Glas Sekt am Premierenabend dazu.

 

Görlitz. Für die Premieren der drei Inszenierungen im Görlitzer Stadthallengarten im kommenden Juni startet schon im Dezember ein Ticket-Sonderverkauf. Das besondere Geschenk habe sich das Gerhart-Hauptmann-Theater für all jene einfallen lassen, die in der letzten Spielzeit mit Begeisterung die Inszenierungen im Stadthallengarten verfolgt haben, erklärte Pressesprecherin Franziska Springer.

 

Bereits vor dem geplanten Vorverkauf können noch bis zum 31. Dezember Tickets für alle Premieren erworben werden. Zur Auswahl stehen dabei die Operette „Frau Luna“, die Kriminalkomödie „Die 39 Stufen“ und der Tanzabend „Sacre“. Zu jedem verkauften Ticket gibt es einen Gutschein für ein Glas Sekt am Premierenabend. Dieses ungewöhnliche Weihnachtsgeschenk gibt es nur im genannten Zeitraum und ausschließlich an den Theaterkassen in Görlitz und Zittau. (SZ)

 

Premierentermine im Stadthallengarten Görlitz: Die 39 Stufen, Sonnabend, 3. Juni, 20 Uhr. Frau Luna, Freitag, 16. Juni, 20 Uhr. Sacre, Sonnabend, 24. Juni, 20 Uhr.

 

Tickets gibt es vom 1. bis zum 31. 12. an den Theaterkassen des Gerhart-Hauptmann-Theaters in Görlitz und Zittau. Ab Dezember öffnen die Theaterkassen Dienstag bis Freitag, von 10 bis 18 Uhr, sonnabends, von 10 bis 12.30 Uhr.

 

 

 

19.01.2017

 

 

Noch kein Geld für den Meridian

Der Chef des Görlitzer Stadthallenvereins Thomas Leder kritisiert die Fördermittelvergabe für den Brückenpark. Die Stadt vertröstet auf die Zukunft.

Von Matthias Klaus

 

Görlitz. Der Meridianstein und der Stadthallengarten sollen aufgehübscht werden – wann ist allerdings noch unklar. Geld aus dem Brückenpark-Projekt der beiden Städte Görlitz-Zgorzelec ist zunächst für die Gestaltung von Freiflächen jenseits und diesseits der Neiße vorgesehen. Dabei handelt es sich um die erste Baustufe, drei Millionen Euro gibt es von der EU. Anfang des Monats wurde der Zuwendungsbescheid von der Stadt Zgorzelec, die in diesem Fall als Partner agiert, an Bürgermeister Michael Wieler übergeben.

 

Eine große Summe, die auch anderswo gute Verwendung finden könnte, meint nun Thomas Leder, Chef des Stadthallen-Fördervereins. „Schade, dass das viele Geld einen Bogen um die Stadthalle und den Meridianstein macht“, schreibt er an die SZ. Der Stadthallengarten hätte es bitter nötig gehabt und den Meridian aufzuwerten stehe schon lange an, findet er.

 

Thomas Leder kritisiert: „Warum wird aus diesem Meridianstein so wenig gemacht und mögliche Geldmittel nicht genutzt? Zuerst der Stadtpark, nun ein weiterer Stadtpark, und das Zentrum der Europastadt an der Stadthalle – auf deutscher Seite –  geht jedes Mal leer aus.“ Ein erster Beschluss zum Uferpark Görlitz-Zgorzelec wurde bereits im März 2014 gefasst. In dem damaligen Grundsatzbeschluss ist zudem in einer zweiten Baustufe enthalten: „Außenbereich Stadthalle“. Diese Fläche schließe den Stadthallengarten und den Meridianstein ein, sagt Stadt-Sprecher Wulf Stibenz.

 

Die Umgebung des Meridians ist darin ebenfalls aufgeführt. Wann es zu dieser zweiten Baustufe kommen wird, steht offensichtlich noch nicht fest. Auch was dann mit dem Meridian und dem Stadthallengarten passieren soll, ist eher vage beschrieben.

 

Im Wesentlichen betreffe es eine Instandsetzung laut Denkmalschutz und ein Freistellen der Elemente, jedoch keine grundsätzliche Neugestaltung, teilt Rathaus-Sprecher Wulf Stibenz mit. Das heißt, der Meridianstein bleibt wohl in sei