Geschichte der Stadthalle

 

Vor fast hundert Jahren, im Juni 1906 wurde der Grundstein der heutigen Stadthalle gelegt.

Geplant und gebaut wurde die Stadthalle wegen der Schlesischen Musikfeste.

Graf Bolko von Hochberg-Rohnstock begründete das Schlesische Musikfest, das 1876 erstmals in Hirschberg stattfand. Weitere Musikfeste folgten in Görlitz 1880, 1883 und 1886.



Schließlich wurde 1889 Görlitz als ständiger Festspielort auserkoren. Das Zentralkomitee der Schlesischen Musikfeste erwarb dazu eine Ausstellungshalle des Gartenbauvereins. Dieses Gebäude war 1863 auf dem Neumarkte, dem jetzigen Wilhelmsplatz, errichtet worden und diente dort als Ausstellungsraum, Sommertheater und Zirkus.

Im Jahre 1872 wurde diese Ausstellungshalle umgesetzt und auf der unteren Terrasse des Parkes in der Nähe der Reichenberger Brücke, der heutigen Brücke am Grenzübergang, neu errichtet. Nach einem Umbau im Jahre 1878 fanden bis zu 2.000 Besucher und Mitwirkende Platz. Aber auch dieses Bauwerk war dem Charakter der Schlesischen Musikfeste offensichtlich nicht angemessen, so dass um den Jahrhundertwechsel ein Neubau geplant wurde.

Im Juni 1906, unmittelbar nach dem XVI. Schlesischen Musikfest, wurde schließlich der Grundstein der heutigen Stadthalle gelegt. Fünf Jahre hat es gedauert bis es endlich soweit war. Die Baugenehmigung war bereits am 1. Februar 1901 erteilt worden. Aber schon bald musste man sich eingestehen, dass das vorhandene Geld nicht ausreichte. Eine Lotterie erbrachte 300.000 Reichsmark, weitere 250.000 wurden durch Spenden zusammengetragen. Etwa doppelt so hoch, insgesamt 1.140.000 Mark betrugen schließlich die Baukosten, eine für die damalige Zeit recht erhebliche Summe.



Der Bau ging zügig voran, bis am 9. Mai 1908 die Decke und eine Seitenwand einstürzte.

Fünf Tote und 11 Verletzte waren zu beklagen, das Innere der Halle schwer beschädigt.



Mit etwa zwei Jahren Verzögerung fand am 27.Oktober 1910 die festliche Einweihung der Stadthalle mit großem Konzertsaal, Bankettsaal, Konzertgarten und Gaststätte unter Teilnahme von etwa 2.200 Gästen statt. Zwischen Berlin und Prag, Dresden und Breslau ist sie die größte Konzerthalle und bietet allein im Großen Saal rund 1.400 Besuchern Platz.



Bis 1942 war dann die Görlitzer Stadthalle weiterhin Festspielort der Schlesischen Musikfeste, bei denen so namhafte Dirigenten wie Dr. Karl Muck, Wilhelm Furtwängler oder Prof. Abendroth Konzerte gaben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dann in den Jahren 1946 bis 1949, 1951 bis 1955 und 1957 Konzerte innerhalb der Görlitzer Musikwochen, die nichts mehr mit den Schlesischen Musikfesten zu tun hatten. Bekanntlich war ja selbst die Bezeichnung Schlesien aus ideologischen Gründen offiziell verpönt worden.

Neben Musik- und Tanzveranstaltungen fanden Kongresse und Messen sowie sportliche Veranstaltungen, wie Handballturniere und Boxwettkämpfe im Großen Saal statt. Sogar ein Zirkus gastierte dort.

Die politischen Veränderungen im Herbst 1989 eröffneten nicht zuletzt in Blick auf ein geeintes Europa auch an der Neiße eine vollkommen neue Perspektive. Anlässlich des 120. Jahrestages der Schlesischen Musikfeste konnte diese Tradition nach 54-jähriger Unterbrechung mit dem 27. Schlesischen Musikfest fortgesetzt werden.

Die Schlesischen Musikfeste sind aber nur eine von vielen Veranstaltungen. Hinzu kommen vielfältige Projekte, wie z.B. das inzwischen traditionelle internationale deutsch-polnische Kinderfest, zahlreiche Messen und Ausstellungen, Klassiker-Highlights mit hervorragenden Klangkörpern, Shows mit weltbekannten Stars oder die Ausrichtung von Tagungen und Kongressen aller Art.

Die Stadthalle liegt direkt am 15. Meridian. Die Uhren in Europa werden nach Mitteleuropäischer Zeit, folglich nach Görlitzer Zeit gestellt. Ein Denkmal neben der Stadthalle weist darauf hin. An der deutsch-polnischen Grenze gelegen hat die Stadthalle einen verbindenden Charakter, eine Brücken-Funktion, in der Europa-Stadt Görlitz/Zgorjelec.

Am 31.12.2004 wurde der Betrieb der Stadthalle eingestellt. Gründe dafür sind die betriebswirtschaftliche Situation und der mangelhafte bauliche Zustand.

Im Rahmen eines grenzüberschreitenden Brückepark-Projektes wird die Stadthalle in den nächsten Jahren instandgesetzt und modernisiert.

Seit Januar 2004 setzt sich unser Förderverein für den Erhalt und baldigen Baubeginn der Stadthalle ein. Es wurden in vier öffentlichen Veranstaltungen informiert und diskutiert, wie es mit der Stadthalle weiter geht. Im Jahr 2005 planen wir gemeinsam mit anderen Einrichtungen, wie dem Theater Görlitz, Aktionen, die auf den Erhalt des Hauses hinweisen. Ohne diesen regional bedeutsamen Veranstaltungsort sind viele Künstler für die hier lebenden Menschen nur noch in Dresden oder Breslau erreichbar.

Wir sind überzeugt, dass viele Bürgerinnen und Bürger mit uns gemeinsam eine baldige Wiedereröffnung der Stadthalle wünschen. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung und bitten Sie um ein Bekenntnis und Mithilfe für die Stadthalle.

Werden Sie Mitglied im gemeinnützigen Förderverein Stadthalle Görlitz e.V.!

Der Jahres-Mitgliedsbeitrag von € 20,- sowie Spenden sind steuerlich absetzbar. Dazu stellen wir gern Spendenquittungen aus.

Im Januar/Februar 2005 wurde in der Görlitzer Stadthalle die CD "Turmmusik" – Festliche Musik aus Renaissance und Barock mit dem Lausitzer Blechbläser Ensemble aufgenommen. Die CD ist u.a. beim Förderverein zum Preis von 12.90 € (zuzüglich Versandkosten) erhältlich. Mit dem Kauf dieser CD spenden Sie 3,00 € für die Stadthalle.